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Full text of "Philologischer Anzeiger. "Als Ergänzung des Philologus." [serial]"



THE LIBRARY OF THE 

UNIVERSITY OF 

NORTH CAROLINA 



THE LIBRARY OF THE 

UNIVERSITY OF 

NORTH CAROLINA 




ENDOWED BY THE 

DIALECTIC AND PHILANTHROPIC 

SOCIETIES 

BUILDING USE ONLY 




Nr. 1. Januar 1875. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



1. Die entstehung der synkretistisclien casus im lateinischen, 
griechischen und deutschen. Ein beitrag zur vergleichenden 
casuslehre von Carl Penka. (Aus dem programme des k. k. 
real- und obergymnasiums im IX. bezirk Wien's für das Schul- 
jahr 1873/74 besonders abgedruckt). Wien 1874. 26 s. 8. 

Die kleine schrift, die ich den lesern dieser Zeitschrift mit 
wenigen Worten empfehlen möchte, behandelt die durch das zusam- 
menfallen mehrerer in der indogermanischen grundsprache nach- 
Aveisbar vorhanden gewesenen casusformen entstandenen misch- oder 
synkretistisclien casus in den einzelsprachen, mit beschränkung auf 
das lateinische, griechische und deutsche, wo diese erscheinung 
am ausgedehntesten platz gegriffen hat. Delbrück hatte die Ur- 
sache dieses Verfalls in der Wichtigkeit zu finden geglaubt, die 
das streben nach einem genaueren gedankenausdruck allmählich 
den präpositionen gegeben, insofern dies die aufmerksamkeit des 
sprechenden von der casusendung abgelenkt und so anfangs eine 
Verwechselung, später ein gänzliches .fallenlassen einzelner ca- 
susformen herbeigeführt hätte. Dieser ansieht gegenüber sucht 
der Verfasser der vorliegenden abhandlung ,deig gedanken durch- 
zuführen, dass der verfall einzelner casusformen in den indoger- 
manischen sprachen aus denselben Ursachen erfolgte, wie in den 
romanischen, wo bekanntlich ursprünglich verschiedene casus- 
formen im laufe der zeit durch lautliche Veränderungen einan- 
der gleich wurden und so auch syntaktisch mit einander ver- 
mischt wurden. Die ausführung ist besonders für das deutsche 
noch etwas skizzenhaft, aber den grundgedanken der abhandlung 
selbst halte ich für sehr glücklich , und wenn man auch diesen 
Philol. Anz. VII. 1 



2 1. 2. Grammatik. Nr. 1. 

factor vielleicht nicht als den einzigen für die erklärung der in 
rede stehenden erscheintmg wird annehmen dürfen, so ist es 
doch das verdienst Penka's überhaupt zuerst auf denselben hin- 
gewiesen zu haben. Ein beispiel mag den Vorgang klar machen. 
Als letzte entwickelung des lateinischen ablativ ergeben sich 
für die verschiedenen stamme die formen -ä -£ -ö -ü, -e (J). 
Als schlussentwickelung des locativs ist anzusetzen -ae-e-t -ü-e. 
Diese formen stimmen mit ausnähme der der a- und o- declina- 
tion mit den letzten formen des ablativs überein ; so fielen sie 
zusammen und durch analogie wurden dann auch die formen 
der a- und o- declination mit hineingezogen, Dasselbe weist 
Penka für den instrumentalis nach. 

Prag. Gustav Meyer. 

2. Vergleichende erklärung der personalendungen und 
modi im lateinischen und griechischen. Eine abhandlung von 
Aldobrand Weisssteiner. Programm des k. k. gymnasiums- 
zu Brixen 1874. 21 s. 8. 

Die existenzberechtigung der vorliegenden programmab- 
handlung ist mir nicht ganz klar geworden, indessen ist der man- 
gel daran leider eine so gemeinsame eigenthümlichkeit vieler als 
Programme erscheinender aufsätze, dass sie nachgerade als eine 
berechtigte wird gelten dürfen. Von einer gewissen naivität des 
Verfassers zeugt auch das auf der ersten seite abgedruckte citat 
aus Max Müller. Irgend etwas selbständiges darf man nicht 
suchen; doch ist es auch für eine solche compilation bedenklich, 
wenn p. 4 in der tabelle die lateinischen passiven düngen or ris tur 
in derselben reihe mit den griechischen ficu Gai tat sk. e se te figu- 
rieren. Auch über die entstehung des lateinischen mediums wird 
p. 14 eine eigen thümlich modificierte auffassung vorgetragen: die 
lateinische spräche — nahm 'den verbalstamm an [sie] , amo-se 
lieben sich, was dann leicht überging in geliebt werden'. Die mon- 
ströse form amaminor vegetiert p. 15 trotz Madvig und Curtius 
noch fröhlich weiter. Für die vergleichende syntax ist folgen- 
der satz auf p. 16 nicht ohne interesse: 'zur zeit, wo das futur 
noch nicht existirte , galt der conjunetiv und optativ für das 
futur; zeuge davon ist nicht nur der veda-dialekt, sondern auch 
Homer'. Aus der 'Vorbemerkung' erfahren wir, dass es ur- 
sprünglich die absieht des Verfassers war die ganze bildung des 



Nr. 1. 3. 4. Grammatik. 3 

lateinischen und griechischen verbums zu behandeln. Ich meine, 
dass es für ihn gewiss sehr nützlich ist, sich aus den 'epochema- 
chenden grossen auf dem gebiete der vergleichenden philologie' 
auszüge anzulegen, warum aber derartiges sofort in die druckerei 
wandern muss , vermag ich nicht im entferntesten abzusehen. 

Gustav Meyer. 

3. Die zusammengesetzten nomina in den homerischen und 
hesiodischen gedichten. Von Dr. Friedrich Stolz. Klagenfurt 
1874. 62 ss. 8. 

Die kleine schrift, die aus einer doctorarbeit des Verfassers 
hervorgegangen ist, verfolgt den zweck das was sich bei den 
bisherigen Untersuchungen über griechische nominalzusammen- 
setzung als festes resültat herausgestellt hat, in übersichtlicher 
weise zusammen zu stellen und zur anschauung zu bringen. Sie 
berührt sich auf diese weise mit der im letzten hefte der Studien 
von G. Curtius (VDI 1) erschienenen arbeit von Clemm, der indes- 
sen den einzelnen fragen selbständiger näher getreten ist und 
darauf verzichtet hat, das material nach den gewonnenen ge- 
sichtspunkten geordnet noch einmal vorzuführen. Stolz hat dies 
für Homer und Hesiod gethan und zwar in durchaus lobenswer- 
ter weise. P. 8 — 34 behandelt die formale seite der composita } 
wobei sich der verf. im wesentlichen an meine in Curtius Studien 
V entwickelten ansichten anschliesst. P. 35 ff. werden die ho- 
merischen und hesiodischen composita nach ihrer bedeutung an- 
geordnet, wobei der Verfasser in der eintheilung wesentlich Justi 
folgt. Die ganze arbeit ist recht umsichtig angelegt und darf 
als eine wohlthuende erscheinung auf diesem nun schon etwas 
ausgetretenen gebiete bezeichnet werden. Näheres eingehen auf 
einzelheiten versage ich mir, ich fürchte nachgerade eulen nach 
Athen zu tragen. 

Gustav Meyer. 

4. De latini pronominis relatiui syntaxi prisca. Diss. 
inaug., auct. Frid. Paetzolt. Vratisl. 1873. 8. IV und 46 pp. 
— 9 sgr. (Berlin, Calvary u. Cie.). 

Dass der verf, wenn zwingende gründe ihn daran hinder- 
ten, nicht alle komoedien des Plautus, und auch nicht die 
fragmente der übrigen dramatiker, zu seinem zwecke ausnutzte 

1* 



4 4. Grammatik. Nr. 1. 

(p. 3 cl. p. 44), wird ihm niemand zum Vorwurf machen; auf- 
fallend ist es aber, dass unter jenen (ausser der Cistellaria) 
grade Epidicus, Poenulus und Casina bei seite gelassen wurden, 
zu denen doch bekanntlich Geppert hin und wieder durch 
Studemund's nachtrage aus A und B unterstützt, manches 
wichtige beigebracht hatte, während Amphitruo, Rudens, Asinaria 
und Curculio nach Fl eckeis en's ausgäbe ohne weiteres als kri- 
tisch sicher citirt werden, ohne dass auch nur die angaben der 
zweiten Pareana irgendwo genannt würden. Und wie viel ist 
zu diesen, wie ich aus autopsie weiss, noch nachzutragen, resp 
zu verbessern! Dieser mangel an gründlicher kritik, verbunden 
mit grosser unselbstständigkeit (die beiden einzigen vorschlage, 
die der verf. selbst macht, sind entschieden misslungen: p. 26 
not. 2 Vide sis quam*mox vapulaveris Amph. 360, s. dagegen 
Becker in Studemund's Studien I, 1, p. 293 sq.; p. 35 not. 3 
Quin etiam insuper qui adducas Truc. II, 6, 53, was heissen soll : 
'nein, führe du mir noch andere hinzu!') — bilden die schwä- 
chen der überhaupt ziemlich unreifen, in ermüdender breite und 
in unbeholfenem latein geschi-iebenen beitrage (denn nur als 
solche können sie nach obigem gelten) zur syntax des pronomen 
relativs im alten latein. Anerkennung verdient dagegen öfter der 
sammlerfleiss des Verfassers. So werden im ersten abschnitte 
p. 5 — 20 zuerst die beispiele aus den alten gesetzesurkunden 
zusammengestellt, in welchen das dem demonstrativen satze vor- 
hergehende relativum mit demselben Substantiv verbunden er- 
scheint, das nachher beim demonstrativum wiederholt wird: ex 
qua sorte pronunciarit , eam sortem proxsumo iudici — , und dann 
p. 10 sq. die aus demselben streben nach deutlichkeit entsprun- 
genen , mehr oder minder vollständigen , beispiele aus den ko- 
mödien. Es hätte hinzugefügt werden können Ter. Hec. 10 sq. 
eodem iure, quo iure, entfernt der indirecte fragesatz Pseud. 21, 
Rud. 330, wohl auch Most. 505. Was aber der verf. aus dem 
breiten curialstil jener inschriften für die nativa (primaria) 
structura des relativs folgert , ex qua ceteras orrmes ortas esse 
censeo , quae ßorentis Latini sermonis aetate in usum venerunt, 
was p. 16 sqq. an der bekannten attraction (Naucratem quem 
conuenire nolui, in navi non erat Amph. 1009 u. s. w.) weit- 
läutig nachgewiesen werden soll, — ist natürlich völlig halt- 
los : die richtige erklärung dieses phänomens aus der natur der 



Nr. 1. 5. Grammatik. 5 

lebhaften Umgangssprache hat langst H a a s e gegeben , zu Rei- 
sig' s Vorlesungen anm. 553. — Bei der besprechung der in 
allgemeinen Sentenzen ein unbestimmtes persönliches subject ver- 
tretenden retativsatze (Plus potest qui plus valet Truc. IV 3, 38 
u.v.a.) ist das auffallende versehen begegnet, dass qui in sätzen 
■wie Nisi qui Trin. 469, 1004 (hier ist das gleichartige Ubi qui 
vergessen: Trin. 257, Stich. 178, Pers. 313) als relativum ge- 
fasst wird; p. 14 weiss der verf. zu den zwei etwas freieren 
anwendungen solcher sätze bei Plautus (Asin. 323 ; Eud. prol- 
17 sq. ?) kein beispiel aus Terenz , s. aber Hec. 608, vgl. Enn. trag. 
340 Vahl. — P. 15 sq. ist Plaut. Trin. 551 falsch erklärt, das richtige 
s. bei Brix; Ter. Haut. 205 hätte mit dem vorhergehenden satze, 
nicht mit dem folgenden, citirt werden müssen; Capt. 153 wird 
die Überlieferung mit unrecht gegen Brix vertheidigt. — Hier- 
nach können wir uns ein genaueres eingehen auf den zweiten 
abschnitt p. 21 — 39 und den dritten p. 40 — 44 ersparen; 
jener behandelt die verschiedenen arten wirklicher relativsätze, 
dieser die anwendung des relativs zur Satzverbindung. Die in- 
haltsleere breite wird noch vermehrt durch hineinziehung von 
hierher gar nicht gehörenden dingen (wie von «£, ut — ne, ne, 
p. 21 — 24, 28 sq.; von indirecten fragesätzen , p. 25 — 27; von 
unbestimmt relativen pronomina, p. 31 sq., in denen auch nicht 
das mindeste neu erscheint. Die beispielsammlungen sind in 
keinem einzigen falle vollständig, so dass Holtze's material 
kaum irgend eine wesentliche bereicherung , geschweige denn 
seine resultate eine berichtigung erfahren. Die schrift ist daher 
für das Studium des archaischen lateins so gut wie werthlos. 

Aug. O. Fr. Lorenz. 

5. De linguae latinae adiectivis suffixo to a nominibus 
derivatis. Dissertatio inauguralis philologica, quam scripsit . . . 
Georgius Bordelle Silesius. 8. Duesseldorfiae 1873. 

Die arbeit ist ein brauchbarer beitrag zur wortbildungs- 
lehre. Sie behandelt die ungemein zahlreichen lateinischen ad- 
jectiva, die von nominibus durch das suffix -to (ursprünglich -ta) 
abgeleitet sind. Dergleichen finden sich zwar auch in andern 
indogermanischen sprachen , haben aber vorzugsweise auf dem 
gebiete des lateinischen reichlich wurzel geschlagen. Die arbeit 
ist zwar im wesentlichen nur materialsammlun? und zwar wohl 



6 6. Lateinische Orthographie. Nr. 1. 

nur auf grund des lexicons, wie das freilich bei einer das ganze 
material zusammenfassenden arbeit kaum anders angeht, aber 
sie ist im ganzen nach vernünftigen grundsätzen angelegt und 
darum nicht ohne werth. Vermisst habe ich auch hier, was ich 
neulich bei einigen die griechische Wortbildung betreffenden ar- 
beiten hervorzuheben gelegenheit hatte, die berücksichtigung der 
Chronologie, die für dergleichen Untersuchungen von nicht zu 
unterschätzender Wichtigkeit ist. Von einzelnheiten möchte ich 
folgendes bemerken. Die bildung von delicatus s. 21 ist nicht 
klar genug dargestellt; es geht ohne zweifei auf einen stamm 
delico- zurück, von dem delici-um delici-ae auf dieselbe weise 
gebildet ist wie von aedifico- sacrifico- die nomina aedifici-um 
sacrifici-um und die verba aedificä-re »acrificä-re. Auch das über 
die von stammen der u - declination abgeleiteten adjectiva auf 
p. 38 bemerkte leidet an einer gewissen Unklarheit, gradä-tus 
von gradu- ist nicht anders gebildet als brachiä-tus von brachio-] 
man muss sich daran erinnern, dass auch in der composition die 
u- wie die o-stämme gleicherweise den auslaut zu i senken, er- 
stere, wie ich an einem andern orte wahrscheinlich gemacht habe, 
auf dem wege durch o, wofür die häufigen metaplasmen aus 
der u- in die o-declination sprechen. Für die erklärung von 
arcualus u. s. w. haben wir zwei möglichkeiten offen. Man 
kann Stammerweiterung von arcu~ zu arcuo- annehmen wie im 
griechischen von ddxQv- zu ddxqvo-\ oder aber — und das ist 
bei diesen spätem bildungen das bei weitem wahrscheinlichere — 
äto- ist als suffix für das Sprachgefühl zusammengefasst worden 
und als solches angefügt, contortiplicatus p. 53 kann ich nach 
dem, was ich in Kuhns Zeitschrift XXII, 1 ausgeführt habe, 
natürlich nicht für ein dvandva halten, ebenso wenig wie das 
damit in parallele gestellte Xtvxo/jtXag, 

Gustav Meyer. 

6. Kegeln und Wörterverzeichnisse zur begrün- 
dung einer einheitlichen lateinischen Orthographie auf 
gymnasien und andern höhern schulen. Von Dr. C. A. Hölbe 
Zweite aufläge. Hannover, Hahn'sche hofbuchhandlung. 1874. 
44 s. gr. 8. [incl. 7 s. vorwort]. — 6 sgr. 

Diese allerdings 'wesentlich umgearbeitete' reproduction der 
der pädagogischen section der Leipziger philologen Versammlung 



Nr. 1. 6. Lateinische Orthographie. 7 

(1872) vorgelegten 'vorschlage' (15 s.) ist ein an sich, auch 
neben und nach den demselben zwecke dienenden arbeiten von 
Wagener und Brambach (siehe des vf.s 'vorwort' alin. 1 a. e.), 
dankenswerthes unternehmen, wie schon die eintheilung des büch- 
leins ausweist. An sich — aber freilich in der gestalt in 
der es jetzt vorliegt , so von druckfehlern , ungenauigkeiten 
und falschen angaben wimmelnd, kann es den schülern, für die 
es doch bestimmt ist, nicht in die hände gegeben werden ohne 
grossen schaden zu stiften, ja seinen zweck vollkommen zu ver- 
fehlen. Von den 15 §§, welche die I. abtheilung bilden, sind 
zwar einige, nämlich 1—3. 5. 8. 11, ohne wesentliche Verstösse, 
aber gleich § 4 finden wir unter 1) om-mitto (vgl. 'sübsummiren', 
vorw. p. 4 a. e.), was kein druckfehler sein kann (während es 
§ 1 4, VI. ganz richtig mit einem m steht — so wenig zeit hat 
sich der vf. zur 'einheitlichen' durcharbeitung gegönnt!), unter 
2) 'eingeschobenes d — red-eo\ wie es auch bei G. T. A. Krüger 
§ 32 anm. noch heisst, jetzt aber (vgl. Gossrau § 42. 6, anm. 3, 
§ 95. anm. 4, Krüger § 22 unterste anm.) füglich nicht mehr heissen 
sollte. Uebrigens ist die richtigkeit der trennung neg-otium, 
quon-iam, red-eo mindestens fraglich, o-mnis kommt trotz der 'äl- 
testen lateinischen grammatiker' (Krüger § 34, vgl. Gossrau § 42. 
3, anm. 1, nicht genügend) immer mehr ausser Übung, und 
Ba-cchw ist entschieden falsch (beides unter 1). — § 6, 1 steht 
-äs, -öm statt -äs, -6m. Die regel selbst 1) und 2) ist ebenso 
wie 4) c. für die Schreibung zu billigen, doch sollte für die lec- 
türe, wie auch anderwärts auf dieselbe rücksicht genommen ist, 
den unbestritten richtigen formen divom, volgus (p. 33) und 
(wegen Horatius) consäi u. s. w. rechnung getragen sein. — §. 7. 
1) soll es heissen: nicht pieps, 2) 6r\ dort steht plebs % hier t>«, 
— § 12. 2) Warum dem schüler formen wie (se-)quotu8, die zu 
schreiben doch wohl noch niemand in den sinn gekommen ist, 
als falsch vorhalten? — 6) Es genügte hausurus in dem Ver- 
zeichnisse III, p. 36 aufzuführen, genau genommen gehört es 
jedoch in den 'anhang', vgl. Neue Formenl. 2, p. 452. 460. (2 
dichterstellen-, bei Seneca unsicher.) — 8) p. 16 anf. steht -ectum 
statt iectum, 9) musste consequenterweise Neue a. o. 2, p. 442 f. 
berücksichtigt werden. — § 13, I. II. ist nicht klar dass unter 
'wörterverzeichniss' nr. III. gemeint ist, wo übrigens (wohl wegen 
der alphabetischen Ordnung) nicht herl, sondern (mit druckfeh- 



8 6. Lateinische Orthographie. Nr. 1. 

ler) Tiere statt hcre usw. zuerst steht. — § 14.1. steht abstr ä ho. 
— § 15. in. sind die worte a. e. [ — ] nicht recht verständlich, 
übrigens ist Mlnücws hinreichend belegt (Hör. Ep. 1, 18, 20), 
während Minutius, wenn die form existierte, allerdings, wie 
Albutius usw. , langes u haben würde ; das vorhergehende pro- 
petitum als stamm von propitius ist, vgl. Gossrau § 222, sehr 
problematisch. 

Und nun erst die alphabetischen Verzeichnisse unter II. III. 
Um das mass nicht zu überschreiten , gebe ich dazu folgendes 
verzeichniss der hauptsächlichsten ausstellungen , nur hin und 
wieder durch bemerkungen unterbrochen. 

II. abth. (Schreibung feststehend). Etymologieen wie aedt- 
tiius von aedem tueri (vgl. Döderl. Syn. 6, p. 54!) und aCca 
von alere (gehört in den 'anhang') sind (trotz aedituens Lucr. 6, 
1275) gewiss nicht richtig; ebenso barrltus — (celt. bar wuth!), 
mindestens überflüssig; vgl. exsül — {ex solo!), gewiss sehr ver- 
lockend ; aber wegen consul , praesul wird es doch trotz Zehet- 
mayr (sella) bei sal-ire (w. sar) bleiben müssen , vgl. Corssen 
Krit. nachtr. p. 280—284, Vanicek Etym. wb. p. 175 f. Unter 
Anxur steht Tarraeina, dieses an seiner stelle richtig mit I (fehlt 
-rä, vgl. Tarräco); wozu folgt aperiref Unter Argivi (l war nöthig) 
steht eine von den beliebten 'anregenden' parenthesen (vgl. 'Vor- 
wort' p. 4. z. 5 ff.): loci Argei in Rom! Diese kenne ich nicht. 
Livius sagt selbst 1, 21, 5: loca sacris faciendis, quae Argeos 
pontifices vocant. Zusammenstellung der einschlägigen stellen s. 
Marquardt R. A. IV, p. 200, Peter zu Ovid. Fast. 5, 621. Uebri- 
gens ist es vermöge der hsl. Überlieferung nicht zulässig Ar- 
gem und Argivus so auseinander zu halten wie es der vf. thut, da 
Argei entschieden als Substantiv vorkommt. Später folgt aurlfex; 
wer schreibt aussus, bassis, bassilica, fussus, connoscere usw.? 
Zu bipennis 2) und penna vgl. Klotz hwb. und die hss. von Ovi- 
dius u.a.; ist Brittönes sicher? Unter Caeres muss es trotz Gell. 
NA. 16,13 heissen Gaeritum tabulae statt tabulae Caerites; dass es 
canterius, nicht cantherius heisst, dürfte wohl feststehen; zu catellus 
2) fehlt: gewöhnlich catella; sowohl cati nus als sein deminutiv ca- 
tillus sind gewöhnlicher als die formen auf -um; zu cedrus vgl. 
Verg. Georg. 3, 414 u. a. Der cena setzt die angäbe 'zwischen 
3 — 4 uhr' zu enge grenzen; 'diner', vgl. 'budiker', 'kassette', usw., 
auch 'beschimpfen' 'k o h 1 Strunk', alles unter a und c, nicht zw 



Nr. 1. 6. Lateinische Orthographie. 9 

hilligen; zu cieo vgl. Neue, 2, p. 330 f. 456; wozu canthus, ci- 
cindela hier? Dieses etwa wegen der Klotz'schen etymologie? 
Mit der hemerkung zu cohors ist die frage nicht ahgethan ; 'laut- 
lich' ist nicht genug; cors und chors sind verbürgt, indess stimmt 
der vf. mit Wagener und Brambach überein ; s. diesen Neugest. 
p. 285 f., hülfsb. p. 31 [wozu hier das citat?]; wer denkt nicht 
bei collegwm an Hör. Sat. 1, 2, 1? colüber von edlere (!) ver- 
ehren ? zu comperi (wo die zweite parenthese wohl an der falschen 
stelle steht!) ist zu bemerken dass Tertullianus compertus sum 
activisch braucht; bei Confluentes sollte es heissen: Mosae et 
Rheni; den singular hat bekanntlich Caes. BG. 4, 15, 2; der 
kukuk heisst cucülus , nicht -w, vgl. Hör. Sat. 1, 7, 31; zu 
Cybebe vgl. Prop. 4, 16, 35 usw.; Dähae (Freund-?) Klotz- 
Lübker'seher druckfehler, vgl. Verg. Aen. 8, 728. Lucan. 2, 296 
Sil. 13, 764; dmgo: wer hat das (erste) l nachgewiesen? vgl 
Ov. Fast. 6, 484 ; diclo steht in Widerspruch mit der citirten 
stelle in der 'einleitung' [vorwort!], vgl. z. b. Verg. Aen. 7, 737; 
dlmtdlus vgl. Hör. Carm. 1, 3, 8. Ep. 1, 2, 40, dlsertus ebd. 
5, 19; duumviri ist in den hss. zu Caes. B. C. 1, 30, 1 ausge- 
schrieben, gewiss auch anderwärts; der singular z. b.- Liv. 2, 42, 5 ; 
bei extuli, elatum fehlen auf der paenultima die quantitätszeichen, 
in deren setzung überhaupt die grösste willkür herrscht; ebenso 
weiterhin auf folgenden silben : sedeeim , süblcio (Ov. Trist. 4, 1 , 
74). Syräcüsänus (trotz Aus. Ord. nob. urb. 11, 1), terrenus 
— wo ' irden ' auch nach dem prosaischen Sprachgebrauch nicht 
ausreicht, da nur Plin. Nat. Hist. 35, 12 (46). 160 terrena vasa 
nennt was bei ihm sonst, und überhaupt in der regel, vasa fictilia 
heisst — ; geradezu verwirrend aber müssen quantitätsbestim- 
mungen wie pätrltcius, qiiädrldüum, quädnennium, quädrtveum 
usw., subrtus (vgl. Luc. Müller de R. metr. p.364) wirken, s. oben 
etdrus, falsch sind, um wieder zur alphabetischen Ordnung zurück- 
zukehren, noch folgende: elephas (vgl. auch Neue a. o. 1, p. 331), 
equus, e lege (ebenso le gfämusl), e vestigio, ex pröfesso, fämes, 
femur (vielleicht mit dem bei Klotz durch druckfehler trochäisch 
gewordenen fernen, vgl. Verg. Aen. 10,788, verwechselt), gentiUctus, 
multotiens [nicht für schüler!], nubes, pemlctes (vf. dachte an 
pernix, nlcis?), sepulcrum, spätium (davor spat^or 'herumspazie- 
ren), alles ebenso falsch wie növTc^us [bis auf die — nur für 
schüler berechnete? — Übersetzung] richtig und daher als aus-. 



10 6. Lateinische Orthographie. Nr. 1. 

nähme von § 15. HE. p. 17 zu bezeichnen; ob sich die quanti- 
tät Genava bestätigen wird? zu fructus und fruttus vgl. Neue 2, 
p. 440, zu merui (zu viel behauptet) p. 222 — 225; bei Graius 
[ä!) lies griechi seh (vorher Gracc hm statt 'gracchisch') ; gutus 
ist trotz der hss. in Plin. Nat. Hist. 16, 38 (73). 185 a e. 
kaum als feststehend zu betrachten, übrigens, wie synhödus (Orell. 
Inscr. !) u. a., höchstens unter III, besser in den 'anhang' zu 
setzen ; zu sancitus, sanetus vgl. Neue 2, p. 439 f. und z. b. Cic. 
pr. Sest. 30, 65; neben semnisomnus (druckf.) und seniesus war 
z. b. semustus (nicht -i-), von Klotz-Ltibker sehr ungenau behan- 
delt, wegen Liv. 26, 27, 13 u. a. zu nennen, wie überhaupt, 
vgl. Bramb., gar manches fehlt; unter stclus muss II. nebst anm. 
wegfallen; stinguo [warum die verba nicht endlich einmal, wie 
sich's gebührt, in der infinitivform aufgeführt?] ist nur poetisch, 
die composita s. vorher; wozu töti, die parenthese zu tütelat unter 
iueor (tütus — alphabetische Ordnung!) durfte der hinweis auf 
tutatus als partieip nicht fehlen ; unter ve sind die worte von der 
parenthese an bis 'wehe' unklar; dass vehes hier erwähnt ist 
steht in Widerspruch mit III. p. 39, wo fälschlich -es als endung 
angegeben ist; verü druckfehler; sein deminutiv vericulum wäre ein 
fortschritt gegen Wagener und Brambach — wenn es feststände ; 
Viriathus [welch' auffällige Vorliebe überhaupt für den tribra- 
chys!] hätte Silius nicht (3,354.10,118) in den vers gebracht; 
vlnulentus gehört nach Brambach (fast auch nach der fassung im 
'vorwort' IV.) unter 

III. abth., wo meist auch angegeben ist, welche Schreib- 
weise der schüler vorzuziehen hat. Da wird ihm aufgenöthigt 
äütus im vollen Widerspruche mit Neue 2, p. 434; bei Cicero 
nur altus; anetlnus, — tlcula muss in Wegfall kommen; biper- 
tito usw. ist durch hss. bei Caesar gesichert, cheragra, analog 
podägra, an zwei stellen beiHoratius; caepa, vgl. Neue 1 p. 578, 
und caetra [c e tratus an vier Caesarstellen gesichert] trotz Brambach 
nicht unbedingt vorzuziehen, sonst würde es mit saepes usw. und 
saeta (anhang) unter II. zusammenzustellen sein; über cötidianv* 
[zu cotldie] vgl. Luc. Müller, praef. zu Catullus p. XXXV. a. e.» 
zu defätlgo — (intr.) Caes. B. G. 1, 40, 8. 5, 16, 4. 7, 85, 5. 
(nur hier -a bezeugt) B. C 3, 40, 1., überall part. perf. 
passivi, act. trans. B. G. 7, 41, 2. (ebenfalls -a); fäcinero&us 
(klammer falsch) doch wohl nicht ohne weiteres von Velins 



Nr. 1. 6. Lateinische Orthographie. 11 

Longus (vgl. Bramh. Neugest. s. 103. f.) anzunehmen-, oder 
billigt der vf. auch facineris? — dann müsste es dastehen-, 
gleich darauf fehlt faenera r i, viermal bei Cicero transitiv ; formli ö - 
losus vgl. sanguino lentus und Hör. Carm. 2, 17, 18. Epod. 5, 
55, jedoch auch Bramb. Htilfsb. s. 38; bei fresus (-ndo) fehlt 
die transitive bedeutung 'zermalmen' (dreimal bei Columella, einmal- 
bei Celsus part. perf. passiv) ; gel u m, i findet sich zwar beides Lucr. 
6, 877. 5, 205, aber an dem ablativ gelu, z. b. Hör. Carm. 1, 9, 3. 
Verg. Ge. 2, 317. 3, 443. Aen. 8, 508. Nux El. 106, wird 
wohl niemand zweifeln, vgl. Neue 1, p. 357 f.; hävere musste 
von ävere 'begehren', vgl. avidus avartis, getrennt werden, was 
auch bei Brambach nicht geschehen , obgleich die hülfsb. p. 41 
erwähnten vier Horazstellen meine ansieht bestätigen ; unter dem 
sonderbaren artikel Juppiter, der unter II. gehört, müsste es 
wenigstens Djaus (statt -y) heissen; manupretium hat Plaut. 
Men. 544 doch wohl -it? miliaris (statt -ius) ist widerlegt 
durch Plin. Nat. Hist. 22, 25 (78), 161, misereri und prae- 
steti verschiedenartige druckfehler; opTlio steht Plaut. Asin. 
540, üpllio Verg. Ecl. 10, 19 fest, s. Corssen Krit. beitr. p. 152. 
Bramb. Neugest. p. 86. f.; das citat bei Pollio 'Cfr. bibliotheca' 
[IL] ist doch zu arg; Porsena steht Hör. Epod. 16, 4; warum 
soll post e a quam und tentare vorzuziehen sein ? p ö tus ist acti- 
visch und passivisch, pötatus nur pass. ; poturus , ebenso wie 
tergeminus, poetisch; nachweis für tredecies? Vacalus steht hsl. 
fest bei Caes. B. Gr. 4, 10, 1 ; bei vetutesco [Anhang!] fehlt ein 
*, Viridomarus siehe Dinter, Ind. zu Caes. B. G. s. 229. f. 
Schweikert, N. J. B. f. Phil. 109. s. 558. f. 

Anhang (selten vorkommende Wörter) — 'für den phi- 
lologen von fach'. Unter Andes ist zu lesen Angers, statt 
Cevenna — Cebenna, vor Larva fehlt für (die ganze sache mir 
unbekannt); steht ligula [trotz] Caes. B. G. 3, 12, 1, Par- 
theni trotz 4 Stellen im B. C. fest? — Besonders ist zu rügen 
dass hier nicht wenige Wörter bzw. formen vorkommen die 
viel gebräuchlicher oder bekannter sind als viele in H. HI. 
angeführte ; vgl. derigo usw. (wiederholt aus H.), jBsw6w[alph. ordn. !], 
Hibernia, Her da u. a. nom. pr. , positus, postridie, praeco, rursus, 
vaccillo, vasum [fassung! vgl. Neue 1. p. 294. f. 300.]; und 
das alles für philologen! Also auch hier (vgl. 'vorwort' al. 1.) 
keine consequenz in der durchführung des an sich zweck- 



12 7. Homeros. Nr. 1. 

massigen planes. So bleibt auch in betreff der gelehrten zu- 
that Brambach in seinem bei grösserem drucke nur um die 
hälfte umfangreicheren hülfsbüchlein unerreicht. 

Endresultat: das buch soll ein führer der Jugend sein, ist 
aber vorläufig nur ein irreführer, vor dem nicht genug gewarnt 
.werden kann. Es bleibt demnach eine 3. revidierte, d. h. philo- 
logisch und paedagogisch in jeder hinsieht recht sorgfältig 
durchgearbeitete, streng systematisch geordnete, von druck- 
fehlern gesäuberte aufläge zu erwarten. Und eine solche wird 
sich dann von selbst empfehlen; denn nur eine arbeit, welche 
das gepräge der uxgißtiu an der stirn trägt zu der sie an- 
leiten soll, kann den schülern unserer gymnasien, die ja so 
schon genug unter der höhe und Vielheit der an sie gestellten 
forderungen leiden, mit gutem gewissen in die bände gegeben 
werden. 

B. D. 

7. Dieeinheit der Odyssee nach Widerlegung der an- 
sichten von Lachmann-Steinthal, Köchly, Hennings und Kirchhoff 
dargest. v. Dr. Edward Kammer. Anhang: homer. blätter 
v. Professor Dr. Lehrs. Leipzig. Teubner 1873. — 5 thlr. 
10 gr. 

Wenn ein älterer gelehrter zuweilen von ansichten und 
bestrebungen der jüngeren generation sich wenig erbaut fühlt 
und dieses gelegentlich ausspricht, so nimmt niemand anstoss, 
auch wenn solche klage nicht ganz berechtigt sein sollte ; wun- 
dern muss man sich aber, wenn der verf. eines buchs, wie des oben 
genannten, welches so manche spuren von Jugendlichkeit zeigt, 
unaufhörlich mit indignation davon spricht, wie 'heutzutage' die 
Wissenschaft betrieben werde, wie man 'heute' urtheile, forsche, 
schreibe, als wäre das zu seiner zeit so ganz anders gewesen. 
Dies ist nämlich nicht bloss ein nebenpunkt (dann wäre hier 
kein wort darüber zu verlieren), sondern der verf. hat es sich 
gradezu 'zur aufgäbe gemacht', die neueren ansichten und for- 
schungen über die homerische frage zu charakterisiren, ja — 'zu 
geissein' ; seine kritik wird also förmlich censur. Der hauptvorwurf 
ist dabei immer der alte : es fehlt den kritikern am 'poetischen ver- 
ständniss'. Wenn aber doch das 'kritische talent' Lachmann's, 
Köchly 's, Kirchhoff's anerkannt wird, so liegt hierin ein wider- 



Nr. 1. 7. Homeros. 13 

spruch. Denn wer des poetischen Verständnisses entbehrt, wie 
kann demselben für homerische kritik talent zukommen ? Doch 
gegen diese männer bewahrt die censur immer noch einige rück- 
sicht, nur gegen Steinthal wird sie schon peinlich inquisitorisch, 
aber sie alle sind doch 'männer von geist' ; um so schärfer wird 
über die kritiker minder berühmten namens die geissei ge- 
schwungen. Auch die erklärer , Faesi, Ameis, werden kaum je 
ohne höhn genannt, und Düntzer hat sich sagen zu lassen, dass 
ihm oft richtige gedanken kommen, aber 'wegen seiner ausge- 
breiteten thätigkeit' selten reife gewinnen, und so geht es fort. 
Doch das resultat? Vieles, was gegen jene kritiker geltend ge- 
macht wird, ist ohne zweifei richtig ; es ist ja z. b. wenig wahr- 
scheinlich , dass die Telemachie je ein ganzes für sich gebildet. 
Aber folgt daraus, dass jene bücher von demselben dichter her- 
rühren wie das 9., 10., 12.? Die möglichkeit also, dass an den 
alten kern jüngere bildungen sich angesetzt, ist durch die kritik 
der Kirchhoff sehen ansieht noch nicht widerlegt; für mangellos 
hat aber schon bisher keine der kritischen theorieen gegolten. 
Doch — hoffen wir auf den zweiten theil, der uns — positiv die 
einheit der Odyssee darstellen, uns den plan der dichtung so vor- 
führen wird, dass wir überzeugt werden, die gesänge 9, 10, 12 sind 
nie vorgetragen worden, ohne dass 1 — 4 schon vorhanden waren? 
Weitgefehlt ! Da hören wir vom 'hängen in grossen Situationen', 
von 'eminentem kunstinstinkt' , von dem beständigen 'fluss' , in 
dem die gedickte sich befanden , von 'erstaunlicher improvisa- 
tionsgabe' , kurz lauter trivialitäten. So ist denn das stück, 
von dem man am meisten erwartet , das schwächste des buchs 
(p. 388 — 403). Alles folgende ist nachweisung von interpola- 
tionen ('meine interpolationen' nennt sie Kammer naiv p. 768 j, 
und hier ist der vf. auf seinem feld. Wo er vertheidigt, ist er 
schwach. Da heisst's etwa: Kirchhoff hat 'kein äuge für das 
poetische einer Situation' ; er selbst natürlich besitzt dieses äuge. 
Beweis ? er findet die und die scene , die andre tadeln , sehr 
'stimmungsvoll' ; ein schlagAvort das sich ihm allemal rechtzeitig 
einstellt, wenn die begriffe schwinden. Dagegen schaden, Wider- 
sprüche aufspüren, darauf versteht er sich. Das brauchbare 
also, das er bringt, ist eben — auch kritik. Aber dafür ist die 
Odyssee durch die zahlreichen athetesen, durch welche die stärk- 
sten widerspräche beseitigt werden, ein schönes zusammenhängen- 



14 7. Homeros. Nr. 1. 

des ganze geworden. Wir wollen jetzt über einzelnes nicht 
streiten, nur dies möchten wir fragen: gesetzt, dass wir nach 
des vfs Operationen die Odyssee ohne sonderlichen anstoss lesen 
können, was folgt daraus? Dass die Odyssee ein ganzes ist, was 
niemand leugnet. Aber auch, dass sie von jeher als dieses 
ganze bestanden, es nicht erst in längeren Zeiträumen geworden ? 
Aber man ist ja im letzteren sinn schon so ziemlich einig. Auch 
die unitarier wie Nitzsch nehmen an, dass lange, ehe Ilias und 
Odyssee in dieser gestalt bestanden, die abenteuer vom Troerkrieg 
und von der heimkehr der helden besungen wurden. Homer 
sei nun der grosse dichter gewesen, der solche einzellieder auf- 
genommen, frei benutzt und zu einem grossen ganzen gestaltet. 
Der unterschied ist also nur, dass die unitarier dieses, die eini- 
gung des überkommnen (von einheit der entstehung ist überall 
keine rede) für das grösste erklären, während nach den andern 
die poesie im einzellied ihren sitz hat, welches im wesentlichen 
schon vor der Verarbeitung zum ganzen die bekannten Charak- 
tere der helden enthalten musste: denn was sollte sonst jenen 
liedern reiz verleihen? Die Schöpfung dieser Charaktere aber ist 
wesentlich Wirkung dichterischer kraft; denn die sage für sich 
enthält nur begebenheiten, aus denen heraus der dichter die 
charaktere bildet. Welches ist nun die grössere that? die Cha- 
raktere der helden, des Achill, des Odysseus, das was eben der 
homerischen poesie ihren zauber gibt, zu schaffen, oder die Über- 
arbeitung und Verbindung vorhandner gesänge zu einem grösseren 
ganzen? Letzteres, meinen die unitarier , 'der Schwerpunkt der 
poesie liegt im ganzen'; als ob die idee der göttlichen gerech- 
tigkeit (welche sonst liegt aber in Ilias u. Odyssee als 'ganzen' ?) 
das die homerische poesie unterscheidende und nicht in jeder dich- 
tung, ja in jeder erzählung enthalten wäre ! Das trennende ist also 
nicht die Verschiedenheit der ansichten über die entstehung 
(diese sind nicht so sehr verschieden) sondern des objects der 
bewunderung. Ihr habt einen andern Homer als wir. Wir be- 
wundern den schöpfer der heldengestalten, ihr den Ordner der ge- 
sänge. Was hat nun Kammer an diesem stand der sache geändert? 
Die einheit der entstehung konnte und wollte er nicht beweisen, 
die einheit der Ordnung ist ja aber thatsache. Im besten fall 
hat er bewiesen, dass diese nicht so zufällig, wie Köchly und 
Kirchhoff annehmen, sondern mit geschick und planmässig er- 



Nr. 1. 8. Pindaros. 15 

folgt sei. Aber eben dies ist, wie bemerkt, am mangelhaftesten 
gezeigt. Und darum all die praetension auf poetisches verständ- 
niss, all das schelten und poltern, all die ^{ya^o^avlix^? Aber 
es ist überall die art der Orthodoxie , auch wenn sie selbst 
von der frommen väter glauben weit abgewichen, ihren gegnern 
nicht etwa irrthümer im urtheil , nein ! mangel an liebe zur 
sache, an hingebung und begeisterung vorzuwerfen: hie niger 
est. Dass nicht bloss hochmuth und tadelsucht, dass auch reine 
begeisterung für das ideal die kritik erzeugen und bestimmen 
kann , wird die Orthodoxie niemals zugestehen. Soviel vom 
ganzen des buchs. Dass dieses urtheil nicht von der behand- 
lung einzelner stellen von Kammer und Lehrs (in dem theilweise 
schon bekanntes enthaltenden anhang) gelten soll, wurde schon 
bemerkt und versteht sich ohnehin. Die besprechung einzelner 
punkte bei anderer gelegenheit. (S. Philol. XXXIV. XXXV). 

A. Bff. 

8. Programm des Bugenhagen'schen gymnasiums zu Treptow 
a. R. womit zu der am 3. u. 4. april 1871 stattfindenden öffent- 
lichen prüfung ehrerbietigst einladet im namen des lehrer-colle- 
gium Dr. Perthes, dirigent des gymnasiums. Inhalt : 1 . bei- 
trage zur erklärung Pindars *(3. isthmische und 11. pythische 
ode); 2. die nationalen kämpfe um die Rheingränze, eine schul- 
rede ; 3. schulnachrichten; vom dirigenten; 4. Treptow a. R., 
Lehfeldt, 1871. — 46 s. 

Also ein an philologischem inhalt reiches programm, ein 
lob, was jetzt selten ertheilt werden kann : da hier das zumeist 
philologische hervorzuheben, besprechen wir, da das die Studien 
des vfs. am besten characterisiren dürfte, das Pindar betreffende. 
Es werden zwei der schwierigsten gedichte besprochen, wie das 
jüngere geschlecht der philologen jetzt liebt mit dem schwersten 
zu beginnen: ob zum vortheil unserer Wissenschaft, lassen wir 
jetzt auf sich beruhen. Bei besprechung von Isthm. HE. IV. 
gelangt der vf. p. 9. zu folgendem grundgedanken : 'Melissus 
und sein geschlecht sind hoch zu preisen weil sie beglückt sind 
durch reichthum und siege und doch im herzen den wilden über- 
muth bezähmen. Denn obgleich sie wie alle sterblichen nicht 
verschont blieben von dem Wechsel des geschicks und manches 
leid ertragen mussten, so hat doch in den siegen des Melissos 



16 8. Pindaros. Nr. 1. 

und in dem daraus dem geschlechte erwachsenden rühm und 
siegespreis neuer frühling zurückgebracht , was der winter ge- 
nommen'. Daneben wird aber noch eine verborgene mahnung 
vor überhebung gefunden und darnach angenommen, dass gerade 
in dieser beziehung dem Melissos im ersten theile des gedichts 
seine ahnen und in dem zweiten der heros seiner Vaterstadt als 
ein vorbild hingestellt werde. Aehnlich verfährt Perthes in 
Pyth. XI. und glaubt auch da einen verborgenen sinn zu er- 
kennen: meines erachtens ist solche Verborgenheit etwas der 
pindarischen und überhaupt der classischen griechischen poesie 
ganz fremdes. Als resultat der Untersuchung über Pyth. XL 
wird nun p. 16. flg. angenommen, 'dass Thrasydaios durch den 
errungenen sieg zu höherem Selbstvertrauen und zu kühnen ent- 
würfen angespornt, mit bestrebungen nach einer hervorragenden 
Stellung unter seinen mitbürgern hervorgetreten und dass er dazu 
mit den gerade in jener zeit in Phokis und dann in Böotien 
sich aufhaltenden Spartanern , die , wie wir aus Thukydides 
wissen, grade damals auf derartige Verbindungen gerne eingingen, 
im stillen beziehungen angeknüpft habe': zugleich lasse sich 
aber auch schliessen, p. 17: 'dass Thrasydaios mit dem gedanken 
umgegangen sei, durch eine Vermählung in die engste beziehung 
zu dem herrscherhause der Lakorfier zu treten'. Also ein lob- 
gesang auf den sieger mit anspielung auf vaterlandsverrath ? 
Diese erklärung, übrigens bei weitem noch nicht die unglück- 
lichste der neuerdings über diese ode versuchten, mahnt recht ein- 
dringlich an die nothwendigkeit des festhaltens scharfer methode bei 
der erklärung Pindars : und um diese nach kräften zu fördern 
besprechen wir hier kurz dies gedieht. Also wer ist der sieger? 
Den nennt nebst dem pythischen siege das prooimion, sonst aber 
direct nichts : mehr enthält das exodion, nämlich dass Trasydaios 
im lauf gesiegt wie früher sein vater, dass beider rühm jetzt 
heiter strahle, dass beide, vater und söhn, wie in kampfspielen 
so auch im Staate erreichbares, die rechte mitte haltendes er- 
streben: darnach stand der vater im kräftigen mannesalter, folgte 
im staatsieben den hier ausgesprochenen grundsätzen und befand 
sich auch hier mit Pindar in vollster Übereinstimmung; grade 
um ol. 75, 3 erheischte Thebens läge die grösste mässigung und 
vorsieht, Pind. Isthm. VII., 5, die dem so schwer heimgesuchten 
thebanischen adel innezuhalten wohl vor allem andern schwer 



Nr. 1. 8. Pindaros. 17 

werden mochte. Diese läge, vorzugsweise Sparta's werk, ward durch 
des Pausanias grausamkeit (Herod. VIII. , 88) und hochmuth 
(Com. Nep. IV, 1 qua victoria elatus, wollte er doch ' Ekld- 
6og jvoavrog werden, Herod. V, 32 : vgl. Aristid. Oratt. t. III, 
p. 290 Cant.) gesteigert: darauf zielt vs. 53 fiijjLtpofjb utoav xv- 
Qavvldüii', denn Sparta's königthum rvqavvlg zu nennen, konnte in 
Theben , zumal mit hinblick auf Pausanias — dass er nicht 
könig war, verschlägt hier nichts — nur mit beifall aufgenom- 
men werden. Zugleich liegen darin winke für Thrasydaios : dem 
vater soll er folgen ; dann wird er erreichen, was die am schluss 
genannten heroen erreicht haben. 

Dies die erklärung des i'godiov und zugleich das für uns aus 
ihm erreichbare historische element des gedichts : wie verhält sich 
das nun zum mythos? Man mag sich nun wenden und drehen 
wie man will , zwischen diesen beiden findet sich weder eine 
gleichheit noch ein entsprechen noch überhaupt eine ähnlich- 
keit; nichtsdestoweniger gehen aber alle erklärungsversuche der 
neuern davon aus, dass in dem mythos das leben des Thrasydaios 
geschildert werde , dass in den personen des. mythos die des 
historischen theils wiedergefunden werden müssten. Da das aber 
nun einmal factisch unmöglich, wie haben wir zu verfahren? 
Zunächst müssen wir durch die concession, dass das princip, im 
mythos müsse das leben des Siegers sich abspiegeln , nicht auf 
alle epinikien und namentlich nicht auf alle der ersten epoche 
Pindar's auszudehnen sei, uns einen unbefangenen weg für die 
erklärung zu bahnen suchen. Und deshalb betrachten wir zuerst 
jetzt die eparchen. In ihnen ladet Apoll die töchter des Kadmos, 
Alkmene, Melia und andere heroinen, also recht eigentlich die 
ältesten gottheiten Thebens (vgl. Pind. Hymn. fr. 1, Isthm. VI, 7), 
zu Seo^ina oder '§6vi(Tfj6g Theben's und des Thrasydaios wegen 
zu sich in das Ismenion ein, und er thut das, weil sie alle an Thrasy- 
daios antheil nehmen, der also von Kadmos stammt, als Kadfioysvrjg 
zu dem ältesten, den göttern entstammenden adel Thebens gehört. 
Aber aus der einladung ergiebt sich auch noch das Vorhanden- 
sein eines engern Verhältnisses zwischen dem ismenischen Apoll 
und Thrasydaios: dasselbe lässt auch der pythische sieg des 
Thrasydaios erkennen : bei dem kämpfe hat diesen der pythische 
Apoll gnädig angesehen, s. Pind. Isthm. II, 18, der pythische 
Apoll ist aber derselbe mit dem ismenischen, wie die erwähnung 
Philol. Anz. VII. 2 



18 8. Pindaros. Nr. 1. 

der Themis vs. 9 (vgl. Aesch. Eumen. 2) beweist, eben so noch 
anderes, s. 0. Müller Dor. I, p. 235. Aber das genügt noch nicht: 
wahrscheinlich war Thrasydaios im kult des Apollon thätig, als 
priester oder als ein an dessen festen ganz besonders eifriger 
choreut, wodurch er dem Apoll Heb geworden: wir würden das 
genauer wissen, hätten wir genauere künde von dem wie es 
scheint bei einer navvv^tq gesungenen und vs. 9. 10 erwähnten 
Hede der nuida; l ^4 q^jlov tag s welches von unserer ode ganz zu 
trennen : Bergt, der nicht xihadrjteT nach Heyne, sondern nach 
eigner conjectur xsXadr^ov lesen will, scheint zwar anderer mei- 
nung, aber der folgende mythos steht der klärlich entgegen. 
Dieses verhältniss und somit die frömmigkeit des Thrasydaios 
vorzuführen hat der mythos zur aufgäbe : wie führt der dichter 
das aus? Klytaimnestra begeht ein grosses verbrechen: Apollo, 
von Agamemnon immer hoch geehrt, Hom. Od. &, 79, leitet die 
sühne: Pylades, Orest, Strophios, besonders die beiden ersten, 
müssen ihm für sie dienen. In dieser Verherrlichung Apollon's 
fällt aber die eigenthümliche Wiederholung des ihr zu gründe 
liegenden factums auf: vs. 19 hebt Kassandra als die haupt- 
person hervor und neben ihr geht Agamemnon in die unterweit : 
vs. 31 geht Agamemnon voran und zieht Kassandra mit sich in 
den tod : was liegt dem zu gründe? Doch nur das an Apoll' s festen 
in Theben zur aufführung gekommene hyporchem oder ein bei 
dieser gelegenheit aufgeführter, diesen mythos von Klytaimnestra 
darstellender tanz, in dem Thrasydaios eine hauptrolle, vielleicht 
als Chorführer gespielt hatte; der hatte denn auch die vs. 22 
versuchte rechtfertigung der Klytaimnestra herbeigeführt, zumal 
Pindar gern gegen der würde der götter und heroen seiner an- 
sieht nach nicht entsprechende mythen polemisirt, Pind. Ol. I, 
52. Nem. V, 14. Also der dichter preist neben Apollo eine 
fromme that des siegers , nicht aber den sieg selbst ; verwandt 
ist Pind. Pyth. XII, wo im mythos Pindar das erzählt, was 
Midas auf der flöte geblasen : in beiden gedichten ist also Pindars 
publicum während des mythos mit dem sieger und dessen trefflich- 
keit beschäftigt, woraus sich nun in unserm falle der Übergang mit 
den wegen verderbter lesart so schwierigen vss. 38 — 42 leicht erklärt. 
Somit scheinen politische beziehungen dem gedieht fremd 
zu sein: allein dem ist nicht so, wenn auch die art, wie Tycho 
Mommsen, Rauchenstein u. s. w. in ihrer aufündung verfahren, 



Nr. 1. 8. Pindaros. 19 

trotz des ihr von Perthes ertheilten lobes als eine dem wesen 
der hellenischen poesie widersprechende verworfen werden muss. 
Versetzt man sich in die damalige — ol. 75. 76: s. Bergk. 
PLGr. p. 6 — läge Thebens , so zwingt die frappirende art 
der erwähnung Lakoniens — vs. 16 Adxvjvog, vs. 32 ^A^vvXaic, 
— an die gegenwart zu denken: auch jetzt sah es in Sparta 
für den innern frieden bedenklich genug aus: hader in den 
königsfamilien, des Pausanias Umtriebe und Streitigkeiten mit den 
ephoren, bestechungen, morde, ehebruch, verläumdungen aller art 
waren im schwänge: Thucyd. I, 128. Com. Nep. IV, 4. Herod. 
VI, 61 : vgl. Pierson im Philol. XXVIII, p. 55: dazu die grausam- 
keit gegen Theben und anderes, wie schon oben bemerkt. Also 
sagt nun hier Pindar: in Sparta's herrscherfamilie geschehen 
grause dinge : aber zugleich entsteht durch des delphischen Apollo 
sorge der welcher sühne bringen, die missethäter strafen, wird und 
zwar in Sparta selbst: s. 0. Müller zu Aesch. Eumen. p. 131; 
darin liegt ein trost für Theben: jetzt geschieht, deutet der 
dichter an, durch Sparta und Pausanias in frevelhafter über- 
hebung unverantwortliches unrecht : aber es erwächst auch schon 
durch des delphischen Apoll fürsorge der rächer : bei geordneten 
zuständen wird Theben dann auch sein recht erhalten. Wären 
wir genauer imterrichtet über diese zeiten, könnten wir auch 
hier genaueres sagen : so viel ergiebt sich aber , dass in dieser 
parthie die TVQuvviöeg vs. 53 vorbereitet sind, dass ferner gerade 
diese parthie die ugovgui UvXuda der eparchen, die liebe des 
ismenischen Apoll zu Theben erörtert , dass also die einzelnen 
theile des gedichts in enger Wechselbeziehung stehen und ein 
eng zusammenhängendes ganzes ausmachen. 

So aufgefasst ist diese ode wenigstens ein InCvixoq , d. h. 
ein siegesgesang und desshalb bemerke ich noch zur richtigen 
beurtheilung meiner, hier sehr kurz vorgetragenen auffassung, 
dass im epinikos der mythos und das historische element sich 
nie gegenseitig decken, dass ferner das lied seiner ganzen be- 
handlung nach zu den altern epinikien und somit zur ersten 
periode des pindarischen epinikos gehört, also mit Pyth. VI. X. 
XII zusammengestellt werden muss , in denen eine tiefe auf- 
fassung noch nicht vorhanden : die reise Pindars nach Sicilien 
scheint für die ausbildung und Vollendung seines epinikos von 
grösstem einfluss gewesen zu sein : dies namentlich wegen 

2* 



20 9. Piaton. Nr. 1. 

der Verschiedenheit der meinungen in betreff der abfassungszeit 
des gedichts. 

Ernst von Leutsch. 

9. De rauthenticite* du Parm^nide. These presentee ä la 
faculte* des lettres de Paris par C. Huit. Paris, 1873. Didier. 
Vni und 210 s. 8. 

So weitschweifig Huits arbeit über den platonischen oder 
pseudoplatonischen Parmenides ist, so kurz kann die kritik sein. 
Man muss den fleiss und Scharfsinn des verf. und seine belesen- 
heit in der alten und neuen litteratur anerkennen, aber es ist 
ihm nicht gelungen für die unächtheit dieses dialogs etwas bei- 
zubringen, was nicht schon eben so gut oder besser bei Ueber- 
weg zu lesen ist, und es genügt daher im wesentlichen, wenn 
ich auf dasjenige verweise, was ich gegen letzteren bereits in der 
einleitung zu meiner Übersetzung des Parmenides (in der Samm- 
lung von Osiander und Schwab) bemerkt habe, obgleich ich mir 
nach wie vor nicht einbilde dort die ganze Streitfrage erschöpft 
zu haben. Huit wiederholt, Piaton könne unmöglich selbst so 
grundstürzende einwürfe gegen seine ideenlehre erhoben haben. 
Aber Piaton erhebt ja wenigstens den ersten derselben auch im 
Philebos p. 15 B, einem dialog, den auch Huit für acht hälty 
und der obendrein, wie selbst Schaarschmidt anerkannt hat, aus- 
drücklich auf den Parmenides zurückweist (s. Phil. anz. V. p. 
339). Wer kann ferner ohne kopfschütteln das zugeständniss 
lesen, welches Huit (s. 52) unmittelbar hinterher macht: que 
Piaton n'ait Jamals eu la moindre hesitation sur la certitude de 
son Systeme, c'est ce quHl serait puiril de soutenirt Würde es 
denn etwa weniger pueril sein behaupten zu wollen , Piaton 
habe nie genauer über das verhältniss der ideen zu den dingen, 
über die Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, und über die 
möglichkeit ihrer hebung nachgedacht? Und wenn er es that, 
musste er da nicht noth wendig auf eben die im Parmenides vor- 
getragenen bedenken oder ähnliche kommen, denn was sind 
diese bedenken anders als eben jene Schwierigkeiten? Wie will 
man sich ferner die Wandlungen erklären, die Piatons lehre von 
den ideen und der materie nachweislich durchgemacht hat, wenn 
man nicht in ihnen eben verschiedene versuche zur Überwindung 
jener Schwierigkeiten erblicken will? Wie will man sonst jenen 



Nr. 1. 9. Piaton. 21 

halb skeptischen Standpunkt begreifen , mit welchem er in den 
Gesetzen endet? Ob die im Parmenides bestrittene ideenlehre, 
wie einst auch ich angenommen habe, nur die der Megariker 
war, oder ob Eukleides in Wahrheit nie eine ideenlehre aufge- 
stellt hatte, ist für die hauptsache gleichgültig, diese unbestreit- 
bare hauptsache aber ist, dass alle hier vorgebrachten einwürfe 
unmittelbar nur diejenige fassung dieser lehre treffen, bei welcher 
die ideen den dingen transcendent oder ideen und dinge zwei 
neben einander bestehende weiten sind. Dass Piaton sich stets 
nettement für diese fassung ausgesprochen habe , behauptet 
zwar auch Huit, allein wenn man sich endlich einmal entwöhnt 
haben wird Piatons Schriften durch die brille des Aristoteles an- 
zusehen , statt sie aus sich selbst zu erklären , so wird man in 
ihnen keine einzige stelle finden , in welcher , wenn man von 
offenbar mythischen oder popularisirenden darstellungen gebüh- 
rendermassen absieht, diese angeblich so häufige runde und 
nette erklärung wirklich enthalten wäre. Und wie sehr man 
Ursache hat grossen philosophen in ihrer eigenschaft als angeb- 
lich historisch treuen auslegern ihrer nächsten Vorgänger zu 
misstrauen, dafür giebt Fichte gegenüber Kant ein warnendes 
beispiel. Im übrigen bedenke man nur, wie schlecht sich 
Piatons eigne bezeichnungen einerseits der dinge als abbilder 
der ideen und andrerseits ihrer theilnahme an denselben, sobald 
man beide ausdrücke wirklich ernst nimmt, mit einander ver- 
tragen , so schlecht , dass man allen grund hat in keinem von 
beiden die letzte formel für Piatons eigentliche meinung zu fin- 
den! Wo Piaton wirrklich rund und nett spricht, da bezeichnet 
er die dinge vielmehr ausdrücklich als mischung von sein und 
nichtsein, ideen und materie, d. h. er spricht mit anderen 
worten die inhärenz der dinge nach der seite ihres seins in den 
ideen aus, was Huit (p. 190 vgl. p. 125) so befremdlich (etrange) 
vorkommt. So im Philebos, Staat (V, 477 A. 479 B. C), Timäos, 
und Aristoteles selbst legt wider willen dafür, dass dies die 
eigentliche consequenz der ideenlehre ist, zeugniss ab, indem er 
zugesteht, dass Piaton die materie als das absolute nichtsein be- 
trachtet habe. Aber auch aus der wiederholt von ihm ange- 
führten stelle Phäd. p. 100 D konnte Huit wenigstens abnehmen, 
dass Piaton, wie er hier selbst erklärt, zwischen theilnahme der 
dinge an den ideen und parusie der ideen schwankte. Piaton 



22 9. Piaton. Nr. 1. 

verhehlte sich mithin allerdings auch die Schwierigkeiten nicht, 
welche der inhärenz der dinge in den ideen wiederum im wege 
standen , und eben aus diesem schwanken zwischen immanenz 
und transcendenz werden allein jene Wandlungen, die er durch- 
machte, begreiflich. Huit wiederholt ferner die behauptung, 
dass der zweite theil des Parmenides von rein skeptischer natur 
sei , allein der Verfasser dieses dialogs , der doch wohl selbst 
sein bester ausleger ist, erklärt mit dürren worten diesen zweiten 
theil vielmehr für eine Übung in der Überwältigung der im 
ersten gegen die ideen dargelegten Schwierigkeiten. Damit fällt 
aber auch die von Huit (p. 71) wiederholte behauptung, die 
hier gemachte anwendung der hypothetischen begriffserörterung 
widerspreche dem im Phäd. p. 100 A (vgl: 101 D) diesem ver- 
fahren gesetzten zweck : sie stimmt vielmehr ganz zu ihm, indem 
sie so auch hier dem uwitodsrov dient. Dazu enthält dieser 
zweite theil eine reihe von eigenthümlichkeiten , welche bei der 
rein skeptischen auffassung desselben völlig unbegreiflich sind und 
mithin diese auffassung als eine oberflächliche und vom richtigen 
wege abirrende kennzeichnen. Ich habe dieselben in der ange- 
führten einleitung in möglichster kürze zusammengestellt. Ver- 
gebens müht ferner der verf. sich ab, am ende des vierten und 
im verlaufe des dritten Jahrhunderts v. Chr. irgend eine skep- 
tische richtung zu entdecken, bei welcher auch nur die geringste 
spur davon sich findet, dass sie auf eine kritik der eleatischen 
philosophie und der platonischen ideenlehre sich gründete, oder 
auch nur einliess ; und wenn auch immerhin unsere bekanntschaft 
mit den philosophischen entwicklungen der damaligen zeit nur 
eine mangelhafte ist, so ist doch dies dunkel keineswegs so über- 
mässig dicht, um dem verf. das erwünschte asylum ignorantiae 
darzubieten, und wir wissen vielmehr so viel klar genug, dass 
der damalige skepticismus dem ganzen wissenschaftlichen zeit- 
charakter gemäss sich vielmehr bereits mit der Widerlegung des 
blossen Sensualismus volle genüge that. Huit wiederholt endlich 
auch , Aristoteles würde unter Voraussetzung der ächtheit des 
Parmenides ein plagiator gewesen sein, aber dann wäre er es 
auch unter Voraussetzung von der des Philebos gewesen, da er 
den eben so gut dort wie im Parmenides vorgetragnen einwurf 
gegen die ideenlehre auch seinerseits wieder vorbringt, Met. VII, 
14, p. 1039 a, 34 ff. Nach diesem allen wird, wer den Parmeni- 



Nr. 1. 10. Galenos. 23 

des für unäclit erklärt , folgerichtig nicht bloss , wie auch Huit 
thut, den Sophisten und Staatsmann, sondern auch den Philebos, 
wie Schaarschmidt forderte, mit fallen lassen müssen. Auch 
sollte man denken, wer, wie es von Huit wiederholt geschieht, 
auf das künstlerische element als kennzeichen der ächtheit ent- 
scheidendes gewicht legt, müsste in der that dieses im Philebos 
eben so gut vermissen. Aber freilich gerade in bezug auf diesen 
dialog hat bekanntlich die Schaarschmidt'sche kritik eine sehlappe 
erlitten, von der sie sich schwerlich wieder erholen wird. Gerade 
diese erfahrung sollte aber auch in betreff jener anderen dialoge 
zur vorsieht mahnen. Mit unrecht ist der Parmenides oft für 
ein besonderes meisterwerk erklärt, aber wenn man den ver- 
dienstlichen theil von Huits arbeit, die geschichte der ansichten 
über diese schrift durchliest, kann man sich doch der frage 
kaum erwehren, ob denen, '-^welche nichts als ein gewebe von 
Sophismen in ihm erblicken, nicht einigermassen bedenklich wird, 
in welche gesellschaft sie sich damit begeben. Denn die flach- 
heit der sogenannten aufklärungsperiode gefiel sich bei weitem 
zumeist in diesem urtheil. 

Fr. Susemihl. 



10. Galeni libellum qui inscribitur ITsgl xr\g Tu&wg iwv 
IdCtüv ßcßlfwv recensuit et explanavit Iwanus Mueller. Er- 
langen. 1874. 4. 27. s. 

Nachdem Mueller im vorigen jähre bei gelegenheit des 
prorectorats-wechsels bereits die schrift Galens, o rt o uoioiog 
largog xui yiXoGoyog in neuer kritischer bearbeitung heraus 
gegeben, hat derselbe in diesem jähre die wichtige schrift myt 
Trjg jd^aog jujv löttüi' ßißXCwr folgen lassen, deren text, wie alle 
Schriften dieses Schriftstellers, in trostlosem zustande auf uns ge- 
kommen ist. Nach einer kurzen einleitung folgt der text von 
p. 6 — 17, dem, wie in obgenannter abhandlung, eine ganz neue 
selbstständige lateinische Übersetzung beigegeben ist. Diesem 
schliesst sich ebenfalls eine kurze enarratio an, in der einzelne 
der geänderten stellen besprochen, andere sachlich erklärt wer- 
den. Was die herstellung des textes betrifft, so hat Mueller 
darin nicht unbedeutendes geleistet, was um so mehr anzuer- 
kennen ist , als er in ermangelung einer älteren handschrift 
lediglich auf eigene kraft und Scharfsinn angewiesen war — 



24 10. Galenos. Nr. 1. 

die einzige handschrift, die er benutzen konnte, ist ein Ambro- 
sianus Q. 3, codex papyraceus saec. XVI., der fast ganz mit der 
Aldina übereinstimmt. Zu wirklichen Verbesserungen hat er, soviel 
ich sehe, nur an drei stellen anlass gegeben p. 13, 3 xavx riSt] 
für tXSii — p. 15, 7 ts d-artor für u xui Suttov und p. 16, 
14 tcüv l EXXrjvtxuv 6 vo p uro) v , welches indess auch die Aldina 
hat. Trotzdem sind von den ungefähr sechzig Veränderungen, die 
er vorgenommen, etwa vierzig entschieden richtige Verbesserungen, 
die andern, wenn auch nicht ganz sicher, doch sehr wahrschein- 
lich zu nennen. Zwei kleinere interpolationen pag. 9, 10 und 
10 , 9 sind mit recht eingeklammert. . Von den drei grösseren 
lücken, die den bisherigen text arg entstellten, ist eine (pag. 
12, 13) leider unausfüllbar geblieben, eine andre (pag. 16, 14) 
wenigstens dem sinne nach richtig in der enarratio (pag. 27) 
ergänzt, die dritte aber (pag. 11, 3 — 12) aus verschiedenen 
andern Schriften, meisterhaft ausgefüllt worden. Bei solchen 
Verdiensten um die lesbarmachung einer so wichtigen schrift, 
wie die unsrige ist, wird man die wenigen kleinen ungenauig- 
keiten gern entschuldigen. So finden sich an drei stellen ände- 
rungen, die in der adnotatio nicht bemerkt sind: pag. 14, 3 
dg ro 2nü'ixü)T8Qov, wo sämmtliche ausgaben Itt» haben; pag. 
15, 1 fjfitig ehvxfoafMv , wo Kühn tvTv%i}xa[iev hat; pag. 16, 4 
GvyyocKpsvGtv, unstreitig richtig statt der vulgata yqayivaw. 

Schliesslich will ich noch einige wenige vermuthungen er- 
wähnen, die mir beim durchlesen der schrift gekommen sind. 

P. 7, 2 haben alle ausgaben und Ambrosianus in iyw /jsv 
Srj mnsixdtjg ifiavrov ein fio t nach Af. Vielleicht steckt in dem 
fjioi ein itov oder nori wie Galen, t. V, p. 30 Kühn : iyw dqnore 
tXS-töu-ävaytvtJüGxfiv. Vrgl. p. 21. (joGneo iyw nore nv&ofitvog- 
lnqa%a. — 

P. 7 , 13 schaltet Mueller dem sinne nach sehr richtig 
vor ynrjl'kdx&ai, ein xgrj ein, und stösst in der nächsten zeile 
vor wg das vollkommen überflüssige ov% aus. Aber V, 30 — 31 
findet sich ein ganz ähnlicher satz : ov yuq äqy.u fiovov äoQyqGCav 
uyuv, uXXa xui Xi^vetag xui Xuyvitag olpocpXvyCagiexalntQi,eQytagxal 
(p&ovov xuSuqsvhv, wo ebenfalls das durch den sinn erforderte 
XQij fehlt. Aus dem an falscher stelle eingeschalteten ou% scheint 
mir nun hervorzugehen, dass das von einem leser oder ab- 
schreiber vermisste XQV v °n diesem an den rand geschrieben 



Nr. 1. 11. Demosthenes. 25 

und dann später von einem andern abschreiber, der es falsch 
las, als ov% vor (Lg eingeschoben sein muss ; wie dergleichen für 
die schrift neol ixu&öjv xul ufiuQTrj/jiunov des öftern von mir nach- 
gewiesen ist: vgl.. Observ. crit. pag. 14 — 22. 

P. 9 , 5 ändert vf. xä\ri& wg iyvwßfiiva, richtiger xu TaXt}- 
9eog iyvwOfiira, dem entsprechend ich auch xul i u tysvSwg Inu- 
Xrjfifxha schreiben möchte, wie pag. 11, 15 i« riv xm — xul 
tu xuiä TO XT§. 

P. 9 , 1. luv fir\ fio vag fiu&t] rag (Xidodovg] Das (xovug, 
welches Müller in der lateinischen Übersetzung selbst richtig 
durch 'nora solum wiedergiebt , muss doch wohl in fiov ov ge- 
ändert werden. 

P. 14, 10. {inußwftsv int xu loinu Tür r\ /übt iqwv vno- 
fi r rj fi u x « ] übersetzt Müller ebenfalls ganz richtig ad reliquos no- 
stros libros, hätte also auch wohl vfiofivrjfiuxwv schreiben müssen. 

Abgesehen von solchen kleinigkeiten , müssen wir , wie 
schon gesagt,, das grosse verdienst dem Verfasser zuerkennen, 
dass er den bisherigen fast unlesbaren text dieses schriftchens 
für uns zuerst geniessbar gemacht hat; und dürfen wir uns- 
freuen, dass gerade er nun auch das grosse werk Galens de 
placitis Hippocratis et Piatonis hat erscheinen lassen , wie er es 
vor zwei jähren versprochen hatte. Ich denke dasselbe in nicht 
zu langer zeit ebenfalls hier zu besprechen. 

H. M. 

11. Various readings in the speech of Demosthenes de 
falsa legatione, from the ms. (saec. XP7) bequeathed by the 
late rev. E. Kerrich to the Fitzwilliam Museum, Cambridge, 
with a facsimile, by F. A. Paley, Cambridge. Macmillan and 
Co. 1874. 

Diese neue handschrift ist für die kritik von keinem werth. 
Der herausgeber ist zwar andrer meinung, weil er zwei conjec- 
turen Dobree's bestätigt zu finden meinte. Allerdings § 53 ist 
Dobree's Vorschlag xaxa ndvxag xqonovg bestätigt; da indessen 
alle handschriften ndvxug xovg xqonovg haben , so ist in der 
neuen handschrift eben nur einer der gewöhnlichsten Schreib- 
fehler zu statuiren. Im zweiten fall (§ 310) irrt Paley. Was 
hier seine handschrift bietet: xovg xoGuviu rjdixtjxoiag ist die 
frühere vulgata, welche Dobree wieder hergestellt wissen wollte. 



26 12. Aelius Aristides. Nr. 1. 

Die handschrift gehört zu dem mixtum genus, ist aber vielfach 
aus einer quelle corrigirt, welche mit Laur. S. verwandt 
erscheint. 

A. Weidner. 

12. Aelius Aristides als repräsentant der sophistischen 
rhetorik des zweiten Jahrhunderts der kaiserzeit, von Dr. Her- 
mann Baumgart. gr. 8. 240 s. Teubner 1874. — 1 thlr. 

In dieser schrift behandelt der Verfasser eingehend den be- 
rühmten rhetor Aristides. In der einleitung kündigt er seinen 
Standpunkt an gegen Bernhardy's glänzende Schilderung und 
gegen Welcker's günstige ansieht von dem genannten Sophisten. 
Aber in seinem eifer, letzteren gelehrten überall zu widerlegen, 
geht der verf. auch zu weit, indem er Aristides als einen men- 
schen bezeichnet , dessen grundzug es sei , den schein statt des 
wesens zu verehren, und dessen consequenz und kraft darin 
aufgehe, die kunst, irrthum statt Wahrheit zu verbreiten, auf 
ihre höhe zu bringen. Richtiger ist des verf. ansieht am ende 
des sechsten kapitels , wo er die eigenthümlichkeiten des rhetor 
auf rechnung der zeit, des Jahrhunderts der sophistik und des 
epideiktischen rhetorenthums setzt. — Nach nur zu kurzer be- 
sprechung der lebensumstände des Aristides, wo unbedingt auch 
dessen schüler zu nennen gewesen wären , behandelt der verf. 
die Stellung desselben zur altgriechischen literatur und betont 
mit recht das feindselige verhältniss des Sophisten, der neue und 
alte sophistik identificirte , zur philosophie überhaupt und beson- 
ders zu Plato, aus dessen verhältniss zu Dion demselben vor- 
würfe gemacht werden, wie Aristides überhaupt dessen briefe 
als echt gegen ihn überall verwendet. 

Das zweite kapitel handelt von dem wesen der sophistischen 
rhetorik. Unrichtig ist das urtheil des Verfassers , dass er in 
den Übertreibungen der epideiktischen reden ein zeichen einer 
unwahrhaftigen gesinnung erblickt. Denn dass es bei dieser 
redegattung an hyperbeln nicht fehlen kann, ist klar ; niemanden 
aber fällt es wohl ein, daraus z. b. Plinius oder anderen latei- 
nischen panegyrikern einen Vorwurf zu machen. Es liegt das 
eben in dem zuge jener zeit und speciell des yivo<; smdiixTixov. 
Ebenso wenig kann ref. zustimmen, wenn der verf. meint, der 
sophistik habe es an gesundem boden des politischen und prak- 



Nr. 1. 12 Aelius Aristides. 27 

tischen lebens gefehlt und sie sei überall in feindlichem gegen- 
satze zu allen wirklich wissenschaftlichen bestrebungen gestan- 
den, es müsste denn sein, dass der verf. Demetrius, Menander, 
Hermogenes, die er selbst rühmt, für feinde der Wissenschaft er 
klärt und ihre werke verurtheilt. "Wenn man freilich überall 
den maasstab des klassischen oder der jetzigen nüchternen zeit 
anlegt , so wird wohl weniges noch zu retten sein. Es ist eben 
nöthig , mit dem vorhandenen zu rechnen und in das gegebene 
sich hinein zu denken. Ueberhaupt ist der herrschende ton 
des buches eine nicht ganz objektive verurtheilung jenes sophi- 
stischen Zeitalters. Im dritten kapitel bespricht dann der verf. 
die Stellung des Aristides zur religion und erklärt richtig den 
aufschwung der griechischen literatur am ende des ersten und 
im zweiten Jahrhundert als begründet in dem bewussten streben, 
die altgriechischen zustände auch in kunst und religion wieder 
zu erneuern. Doch dieser einfache glaube konnte dem ver- 
wöhnten gaumen nicht mehr genügen, daher auf der einen seite 
der neuplatonismus, auf der andern seite der damals herrschende 
Asklepios- und Serapisdienst. Im vierten kapitel gibt der verf. 
eine analyse der götterreden , im fünften der heiligen reden des 
Aristides. Letztere stellte der rhetor selbst als eingebungen des 
gottes hin. Mit recht betrachtet der verf. den Aristides als 
einen in der weise seiner zeit gläubigen Asklepiosdiener , der 
aus der religion ein feld für seine rhetorik macht, woraus dann 
natürlich, wie immer, wunderliche dinge entstehen. 

Im sechsten kapitel endlich bespricht der verf. des rhetors 
krankheitsgeschichten nach dessen heiligen reden. Aristides Hess 
sich nemlich in den dreizehn jähren seiner krankheit nach den 
träumen und orakeln des Asklepios behandeln und machte von 
seinen heilträumen umfangreiche aufzeichnungen und verwerthete 
diese zu den heiligen reden. Der beweis aber, den der verf. 
nach seiner einmal gefassten meinung unternimmt, Aristides habe 
diese notizen gar nicht benutzt, sondern alles erdichtet, ist nicht 
erbracht. Denn der aberglaube ist bei ihm nicht etwas acces- 
sorisches , wie der verf. meint , sondern beruht theils auf der 
richtung seiner zeit, theils ist er eine folge seiner langjährigen 
krankheit. 

In der zweiten abtheilung des buches untersucht der verf. die 
echtheit der rt^vai briTogixai des Aristides, die bekanntlich Spengel 



28 13. Plautus. Nr. 1. 

u. a. diesem rhetor absprachen. Glänzend wird hier bewiesen, 
dass sprachlich und sachlich diese rhetorik von Aristides sei, 
der sie aber nicht vollständig ausarbeitete, sondern als entwurf 
für seine Vorlesungen benutzte. Durch eine ausführliche darle- 
gung der rhetorischen Systeme des Aristides und des Hermoge- 
nes wird dann gezeigt , dass die erwähnten ri^vat QrjTooixaC vor 
der des Hermogenes entstanden sein müssten. Ueberhaupt ist 
dieser zweite theil der bessere von der an und für sich schon sehr 
guten arbeit. Möge nur der Verfasser noch mehrere solche dunkle 
parthien aufhellen, deren es leider gerade in der späteren rhetorik 
genug gibt. 

C. H. 

13. De ablativi casus formis Plautinis. Scripsit Francis- 
cus Buth. Leopoli Pomeranorum, 1873. II u. 27 pp. 8. 

Trotz der besonnenen Warnung, die Eitschl in den neuen 
Plautinischen excursen I, § 38, p. 124 — 127, gegen die auf 
blosse häufigkeit oder Seltenheit archaischer formen gestützte 
Zeitbestimmung plautinischer stücke giebt, ist dennoch hier der 
versuch gemacht worden, die reihenfolge derselben zu bestimmen 
nach dem numerischen verhältniss der vocalisch auslautenden 
ablative zu den archaischen auf d. Dass die existenz derselben 
im Plautustexte überhaupt noch streitig ist, scheint der verf. 
nicht gewusst zu haben: wenigstens nennt er Bergk und Mül- 
ler nie, sondern fügt nur zu Ritschl's Sammlungen die von die- 
sem als unsichere bei seite gelassenen stellen und andere, noch 
so sehr verschriebene, wenn sie sich nur irgendwie für ein d 
ausbeuten lassen. Dieses verfahren, sowie das fast vollständige 
ignoriren anderer forschungen über plautinische Chronologie, wird 
genügen zur charakterisirung des überaus eiligen, unreifen und 
unselbständigen Versuches. Er ist von der kritik mit dersel- 
ben bestimmtheit zurückzuweisen wie früher ähnliche , nur auf 
einseitiger ausbeutung der unsicheren Überlieferung beruhende: 
als da sind die von Ritschi selbst a. a. o. erwähnte, auf homo — 
onis basirte, der von Alwin Darnmann unter dem einflusse 
von Ritschl's vorrede zu den Menaechmi gemachte (Observatt. in 
cap. XIV um Ritsch, prolegg. Plautt., diss. inaug., Regiomont. 1865, 
40 pp.) , der aus dem häufigeren oder seltneren vorkommen des 
hiats in der caesur iambischer senare und trochäischer septe- 



Nr. 1. 14. Plautus. 29 

nare auf das grössere oder geringere alter der komödien schlie- 
ssen will, — ja selbst der, selbstverständlich mit aller aner- 
kennung genannte , auf die verschiedene anwendung und be- 
schaffenheit der Cantica sich stützende versuch Studemund's im 
dritten capitel seiner verdienstvollen inauguraldissertation. 

Aug. 0. Fr. Lorenz. 



1 4. De iambico apud Plautum septenario. Diss. inaug. quam 
— — scripsit Paulus Mohr. Lips. 1873. 32 pp. 8. — 10 sgr. 
Der verf. zeigt sich schon auf der dritten seite seiner dis- 
sertation als ein eifriger anhänger Eitschl's , der ihm auch ein- 
mal (p. 21) mit seinen handschriftlichen schätzen zu hülfe ge- 
kommen isj, und dessen theorien über die weite tragweite des 
auslautenden d nicht blos , ohne geringste berücksichtigung der 
gegner, unbedingt angenommen werden, sondern auch als siche- 
res Substrat für ein tuad, periclod, aedid, impuned, lepided, impo- 
nitod und ähnliche benutzt werden. Auch die correption omnis 
wird, nach Ritschi, p. 19 als sicher statuirt, ohne dass der verf 
die entgegenstehenden ansichten A. Spengel's, T. Macc. PI. s. 
79 f., und Bergk's, prooem. ind. lectt. Halenss. 1866, p. VI, zu 
kennen scheint. Zu dieser einseitigkeit gesellen sich andere 
mängel : eine nicht immer ausreichende bekanntschaft mit der 
neueren litteratur (so ist z. b. p. 21 Bücheler's schöne emenda- 
tion Asin. 555 : fugae für eugae, N. Jahrb. bd. 87 (1863), p. 772, 
übersehen, die doch den verf. von einem beispiel einer von ihm 
selbst verpönten metrischen licenz (p. 23) befreit haben würde; 
p. 11 für Asin. 492 die mit Bothe übereinstimmende vermuthung 
Loman's in seinem Spec. crit.-litt. p. 24, die durch den sonstigen 
Sprachgebrauch gesichert wird, s. die beispiele bei Luchs im 
Hermes VIII, p. 108 f.), versehen (wie p. 21 die berufung auf 
Eitschl's Opusc. II. p. 686 sq., p. 22 die messung von Epid. 
173 G., p. 17 die heranziehung eines obsoleten quamde) und 
wenig routinirte darstellung in schlechtem latein. Auch in dem 
hauptabschnitte der dissertation , dem zweiten (p. 14 — 26), der 
wiederum eine grundlehre Ritschl's stützen soll: de verborum 
acc entus cum numerorum r ationibus consociatione, 
herrscht oft ein zu weit gehendes bestreben nach 'correctur' des 
seltneren, aber an sich doch unverdächtigen, während der verf. 
anderem ebenso seltenen gegenüber seine ohnmacht eingestehen 



30 14. Plautus. Nr. 1. 

muss. Ein hauptbeispiel giebt p. 20 sq. der unter Kitschl's 
auspicien unternommene, aber dennoch völlig gescheiterte ver- 
tilgungsversuch einiger molossischer wortfüsse an zweiter vers- 
stelle, "wogegen selbst Fleckeisen in seinen Neuen jahrb. CVII 
(1873), p. 501 — 503 entschiedenen Widerspruch eingelegt hat: 
Verweisung hierauf genüge. Sonst aber ist grade dieser zweite 
abschnitt der mit fleiss gearbeiteten dissertation ein verdienstli- 
cher, weil er das statistische material zur lösung eines theiles 
jener grundfrage der Plautuskritik liefert ; dass von den etwa 
1300 iambischen septenaren die in den canticis vereinzelt vor- 
kommenden, kritisch oft sehr unsicheren, ausgeschlossen worden 
sind, thut den hauptresultaten, die wir jetzt kurz mittheilen wol- 
len, keinen eintrag. Die erste und die fünfte versstelle bie- 
ten mannigfache wortfüsse dar; die zweite meistens iambische, 
einen vereinzelten trochäischen Eud. 1297, öfter spondeische 
und anapästische nach stärkerer interpunction , doch auch ohne 
solche: denn die Umstellungen Mohr's Most. 171, Asin. 421. 571, 
Pers. 282. 847 sind unnöthig. Umgekehrt hat die dritte vers- 
stelle unter mannigfachen (doch nicht trochäischen und daktyli- 
schen) wortfüssen einen iambischen nur Mil. glor. 1259 , Poen. 
1223 GL, Asin. 654: Mohr's änderungs vorschlage sind verun- 
glückt und auffallend ist seine behauptung, ein tibi sei noch 
keineswegs bewiesen (p. 16), nach A. Spengel's reicher beispiel- 
sammlung im T. Macc. Plaut, p. 55 — 62. — Strenge gehalten 
wird die sechste versstelle, wo selbst oxytonirte iambische Wör- 
ter kaum 20mal vorkommen (ein trochäisches nur Pers. 540, 
ein anapästisches nur Capt. 513 Fl , wo sich doch die Umstel- 
lung ut Mceat sibi videre empfiehlt; spondeische und molossische 
sind bereits von früheren entfernt), noch strenger die siebente, 
wo oxytonirte iambische Wörter nur etwa 15mal stehen (ein 
spondeisches Pers. 854,?) : zwei solche nach einander wohl nur 
Epid. III, 2, 22 und Poen. V, 4, 71. — Oxytonirte pyrrhichische 
wortfüsse sind im septenar sehr selten : im fünften fusse Mil. glor. 
373, Cist. I, 1, 55, im zweiten Pseud. 160; ebenso längere oxy- 
tonirte Wörter, nach denen dann immer zwei kurze silben folgen : 
Asin. 382 und Poen. I, 2, 30 im zweiten fusse, Pseud. 155 im 
sechsten , wenn Bothe's plagigerula richtig ist. — Der vierte 
fuss ist, wie im ersten abschnitte (p. 6 — 14: de caesuris) 
wiederholt wird, stets rein, ausser bei der sehr seltenen 'trochäi- 



Nr. 1. 15. Horatius. 31 

sehen' caesur, die nach der anakrusis des fünften iambus eintritt 
und im vierten fusse den spondeus (Rud. 318) und daetylus 
(Asin. 720), sogar mit elision vor der anakrusis, Rud. 38G, 
Asin. 583, zeigt. Aber diese caesur kommt sonst nur noch vor 
ßud. 1296, Asin. 599, Cure. 526; drei andere dafür herbeige- 
zogene verse sind lückenhaft überliefert, und Asin. 492. 720, 
Rud. 349 ist Eleckeisen's u.a. messung, resp. herstellung, weit 
besser als Mohr's. Ansprechend dagegen sind einige von letz- 
terem bei dieser gelegenheit vorgetragene kleinere änderungs- 
vorschläge : Asin. 718: Lictt laudern Fortunäm, tarnen ut ne Sa- 
lutem eulpem; 689: O Libane, mihi, patröne mi; 469: te aufer 
für aufer te ; Poen. V, 4, 1 ; Sed illuc qtädem nolui dicere — | j 
Immo dixi quod volebam; ebend. 79 Enim für Sic (fehlt in den 
handschriften). — Der dritte abschnitt endlich p. 26 — 32 
bringt allbekanntes über die metrischen füsse : wir heben nur die Sel- 
tenheit des proceleusmaticus im siebenten fusse hervor (Men. 978, 
wohl auch Asin. 430, Cure. 121) und die verpönung der auf- 
einanderfolge — vv | vv — , weshalb mit Ritschi Asin. 673 bin- 
ficiö für beneficiö zu lesen und ebend. vs. 634 in seiner ersten 
hälfte für verderbt zu halten ist. 

Aug. O. Fr. Lorenz. 

15. Q. Horatius Flaccus. Oden und Epoden erklärt von 
H. Schütz. Berlin, Weidmann'sche buchhandlung 1874. — 20 gr. 

Es mag paradox erscheinen , ist aber nichts desto weniger 
wahr : kein dichter des alterthums ist bis jetzt so oft erklärt 
und doch so wenig verstanden worden als Horaz. Daher die 
bekannten auswüchse der neueren hyperkritik , daher auch die 
erscheinung, dass keine erklärende ausgäbe allgemeine billigung 
und befriedigung finden konnte. 

Mit Spannung und hoffhung erwartete man die von M. Haupt 
versprochene ausgäbe. Haupt starb , ohne sein versprechen ge- 
löst zu haben: dafür erhalten wir jetzt die ausgäbe von H. 
Schütz. 

Welchen eindruck wird dieses werk hervorrufen ? Wie 
andere urtheilen werden , weiss ich nicht , soll ich aber unver- 
hohlen meine meinung aussprechen, so muss ich offen bekennen, 
dass mich dieses buch , dessen erscheinen ich freudig begrüsste, 
schliesslich schmerzlich enttäuscht hat. 



32 15. Horatius. Nr. 1. 

Allerdings bekundet diese arbeit, das erkenne ich gern an, 
rühmlichen fleiss und Selbständigkeit, so dass die Wissenschaft 
manche Förderung dadurch erhalten wird, aber als Schulausgabe 
verfehlt sie ihren zweck vollständig. 

Der Verfasser versichert in der vorrede, dass seine ausgäbe 
für die schule bestimmt sei, über deren bedürfhisse er durch 
vieljährige erklärung dieses dichters in der ersten Masse des 
gymnasiums sich hinlängliche erfahrung zutrauen dürfe. 

Et nos consilium Süllae dedimus, zwölf jähre lang! Auch 
ich weiss , was man dem primaner zutrauen darf , was ihn 
im verständniss der autoren fördert oder hindert! Nach 
meiner erfahrung muss ich die methode des Verfassers für gänz- 
lich verunglückt erklären. Schlagen wir z. b. I, 3 auf, so er- 
fahren wir zunächst, dass auch IV, 12 an den dichter Vergil 
gerichtet sein soll, dann wird im anschluss an Donat über die 
zeit der abfassung ausführlich gesprochen. Dabei erfährt der 
primaner, dass Vergil mehrere jähre in Athen verweilt habe, 
bevor er mit August zusammengetroffen, widerspreche den anga- 
ben des Donat; und dass mit Lachmann ein anderer Vergil 
zu verstehen sei, oder nach Franke's geistreicher aber unbewie- 
sener annähme statt Vergilium in v. 6 Quintilium zu lesen sei, 
von dem I, 24, 11 dieselben worte non ita creditum gebraucht 
seien , sei wenig wahrscheinlich ; ebenso wenig aber auch , dass 
Horaz , wenn er das gedieht erst 1 9 schrieb , die absichten des 
freundes in keiner weise angedeutet haben sollte u. s. w. 

Doch das alles ist noch erträglich, wenn auch Franke's 
böses beispiel dem natürlichen sinn des schülers besser ver- 
schwiegen bleiben sollte. 

Aber was soll man dazu sagen, wenn man zu v. 4 bemerkt 
findet: 'hat Peerlkamp aus der falschen lesart einiger hand- 
schriften obstruetis und obstrusis (Burmann) überflüssiger weise 
abstrusis vermuthet. Es kann nichts angemessener sein als ob- 
strictis, nachahmung von Hom. Od. 5, 383'. 

Ebenso lesen wir zu v. 6 : ' ganz unnöthig fügt Peerlkamp 
vor finibus ein in ein. Es ist der dativ '. Aehnlich ist die note 
v. 18: 'Seit Bentley mit grossem Scharfsinn die nothwendigkeit 
siccis in rectis zu ändern nachzuweisen versucht ( ! ) , hat man 
durch andere conjeeturen dem scheinbar unpsychologischen die- 



Nr. 1. 15. Horatius. 33 

ser stelle abhelfen wollen. So Cuningham fixis, Paldamus invictis. 
Alles offenbar matt und gesucht gegen das einfache siccis '. 

Erträglicher ist es, wenn zu v. 19 turpidum und turgidum, 
und zu v. 20 Baxter's conjectur alta Ceraunia besprochen wird. 

Charakteristisch für die behandlungsweise des vf. ist die 
note zu v. 26: ' vetitum in nefas corrigirt Oudendorp, vielleicht 
richtig, dass vetitum ein sehr mattes beiwort für nefas wäre, liegt 
auf der hand'. 

Natürlich, wenn vetitum nur so ein schmückendes beiwort 
wäre ! Aber es enthält gerade den angelpunkt der ganzen ge- 
dankenentwicklung ! Der mensch übt leider , sagt der dichter, 
das unerlaubte (nefas) nicht allein, obwohl es als solches in der 
natur angedeutet oder im gewissen als dunkles gefühl empfun- 
den wird, sondern selbst dann, wenn es durch göttliche Offen- 
barung ausdrücklich untersagt (vetitum) ist, wie dem Prometheus 
die Unterstützung der menschheit. Ja selbst wenn den freveln 
die strafen auf dem fusse folgen, wie sie vv. 30 — 34 geschildert 
sind, so findet sich doch immer wieder ein Daedalus, ein Her- 
cules etc. 

Der leser wird mir zugestehen, dass ich nach taktlosigkei- 
ten des vf. nicht zu suchen brauchte ; die erste beste ode bot 
der beispiele genug. 

Wer in der schule in dieser weise kritik übt, wie es der 
vf. thut , kann nur die absieht haben , entweder die kritischen 
bestrebungen der philologie lächerlich zu machen, oder seine 
schüler zu ' geistreichen aber unerwiesenen ' annahmen , d. h. zu 
einer gefährlichen, jedenfalls unwissenschaftlichen Spielerei anzu- 
leiten. Dass über diesem unfug des unnöthigen und taktlosen 
kritisirens die erklärung des dichters nicht eben gewonnen hat, 
ist bereits angedeutet. 

Grammatische bemerkungeu, sagt der Verfasser, sind eigentlich 
für diesen Standpunkt nur da , wo sie zur lösung einer Schwie- 
rigkeit nicht wohl umgangen werden konnten. 

Dieses urtheil ist sehr gesund. Wie steht es aber mit der 
ausführung? Man lese, um nicht weit zu greifen, die bemer- 
kung zu I. 1, 2 o et praesidium! 'der hiatus bei Horaz selten, meist 
nur wie hier nach interjeetionen und in der arsis, freier bei 
Vergil und den epikern, auch in der thesis'. Wie? Sollte denn 
et eigentlich coalesciren? Hat der schüler hier eine regel oder 
Philol. Anz. VII. 3 



34 15. Horatius. Nr. 1. 

eine ausnähme vor sich? Oder kennt etwa der vf. das Fleck- 
eisen'sche gesetz noch nicht? Vgl. Jahrh. 61. bd., p. 49 — 53. 
Lachmann zu Lucr. p. 99 und 130 sq. Teuffei zu Hör. Sat. II. 
2, 28. Beispiele wie o imitatores, si me amas, würden die kri- 
tisirenden primaner des vf. doch auch berücksichtigen dürfen ! 
Nach dieser probe ist man berechtigt, von der grammatischen 
exegese des vf. nicht eben viel zu erwarten. Doch der vf. legt 
ja darauf kein gewicht! Wo liegt denn nun aber sein Schwer- 
punkt ? 

'Ebenso wenig, versichert er, schien es nothwendig, den 
gedankenzusammenhang der gedichte überall darzulegen, — eine 
an sich unerquickliche arbeit, wenn sie nicht durch selbstthätig- 
keit des schülers befruchtet wird'. 

Ganz recht, wenn nur der vf. nicht fast überall stumm ge- 
blieben wäre, auch da, wo der gedankenzusammenhang noch 
keineswegs gefunden , wo noch keine ansieht zur anerkennung 
gelangt ist, wo man zu wissen meint und doch im halbdunkel 
herumtastet, wie z. b. der vf. selbst I, 2. I, 12. I, 14. Dafür 
verfolgt und bespricht der vf. jede atethese der ' massgebenden 
gelehrten , eines Peerlkamp, Meineke, Lehrs, Gruppe ! 

Die aufführung aller dieser atethesen, wenn auch im an- 
hang, ist für den lehrer, der sie kennt, überflüssig, für den 
schüler aber, welcher sie nur äusserst selten zu würdigen ver- 
steht , verwirrend. 

Immerhin lassen wir uns auch dieses verfahren gern ge- 
fallen, wo der vf. ein gründliches und entscheidendes wort für 
oder gegen eine ansieht beibringt. Man findet auch manche 
gute bemerkung bei ihm. Im allgemeinen aber ist er über den 
grundfehler der neueren Horaz-kritik nicht hinaus gekommen. 

'Die massgebenden gelehrten' urtheilen nämlich 
über das passende oder unpassende einzelner Stro- 
phen, ohne noch die idee und tendenz, folglich 
auch die composition des ganzen gedichts zu kennen. 
Wer das ganze nicht überschaut, kann natürlich die Stellung 
des einzelnen im ganzen nicht würdigen. 

Um so mehr ist es pflicht des interpreten, zu der erfor- 
schung der motive und der idee jeder dichtung Stellung zu 
nehmen. Erst wenn diese Vorarbeit vollendet ist, kann die jetzt 
so üppig wuchernde kritik zur reife gedeihen. Wenige bei- 



Nr. 1. 15. Horatius. 35 

spiele sollen meine behauptung erläutern. Zu den gedienten, 
welche am wenigsten verstanden und am meisten angefochten 
worden sind, gehört I, 2. 

Ich habe im Merseburger progr. 1869 in ausführlicher ent- 
wicklung zu beweisen gesucht , dass jenes gedieht nur im spät- 
herbst 726 verfasst sein kann, als die freunde der neuen Ord- 
nung grund zu haben glaubten , Octavian's rücktritt von der 
regierung und damit den ausbruch einer revolution zu fürchten. 

Der vf. folgt dieser annähme, welche er vielleicht aus 
Nauck's ausgäbe kannte, verlegt aber die abfassungszeit in den 
anfang des jahres 727. Es bliebe dann aber nur der 1 — 15. 
januar übrig ; vgl. Mommsen Res. Aug. 101. In diesen tagen hatte 
sich aber die Situation bereits geklärt, auch waren schnee und 
hagel in dieser Jahreszeit keine Wundererscheinungen. Doch in 
den motiven stimmt der vf. mit mir überein. Dennoch will er 
str. 2 und 3 gestrichen wissen. Dies ist ein unding. Denn 
dann bleibt nur die kühle notiz übrig, dass prodigien die Stadt 
erschreckt haben (terruit urbemj ; von dem inhalt der furcht er- 
fahren wir kein wort. Das ist aber die hauptsache. Denn bei 
jedem einfachen schrecken sofort von allen göttern des himmels 
nach einander zu verlangen, dass sie als retter zur erde steigen, 
wäre lächerlich; keineswegs aber ist dies verlangen lächerlich, 
wenn die Schrecknisse einen allgemeinen Zusammensturz des 
ganzen Römerreiches befürchten lassen, wenn hauptstadt, pro- 
vinzen, könige und nationen (gentes) besorgen müssen, dass eine 
neue sündfluth des bürgerkriegs alle bestehende Ordnung zu zer- 
stören, das unterste zu oberst, das oberste zu unterst zu kehren 
droht. Dieser nothwendige gedanke ist in str. 2 und 3 klar 
und deutlich enthalten. Was wollen gegen den zwang dieser 
nothwendigkeit die columbae, was das (übrigens recht schöne) 
superiecto pavidae natarunt aequore damae! 

Aber nicht genug! Berechtigen denn auch die erwähnten 
prodigien zu einem so gewaltigen schrecken? 

Darauf antwortet die neue periode von 3 Strophen; gewiss 
haben wir es doch erlebt, wie nach Cäsars ermordung die gräss- 
liche Überschwemmung des Tiberis ebenfalls den furchtbaren 
bürgerkrieg zur folge hatte, wodurch bis auf den tag die vor- 
nehme Jugend (iuventus) Roms so sehr gelichtet (rara) erscheint ! 



36 15. Horatius. Nr. 1. 

Die gefahr ist also gross, welchen gott sollen wir in dieser noth 
als retter anrufen? 

Nebenbei erwähne ich , dass ohngefär in dieselbe zeit , also 
726, die abfassung von I, 14 fallen muss. Vgl. mein Magd, 
progr. 1872, p. 11—12. 

Der vf. nimmt abweichend von mir die zeit vor der schlacht 
von Actinm, also 32, an. Abgesehen aber davon, dass schwer- 
lich eine ode in eine so frühe zeit fällt, wie ist es möglich, 
dass Horaz den krieg als bürgerkrieg verurtheilte , den seine 
freunde für einen nothwendigen nationalen erklärten , geführt 
gegen eine anmassende königin , welche ihre hand nach dem 
eapitol ausstreckte? Hat nicht Horaz selbst den sieg mit ju- 
belnder freude gefeiert (Epod. 9)? Und damals war das staats- 
schiff nicht gebrechlich, sondern stark gerüstet, die götter waren 
ihm nicht abhold, sondern sehr freundlich gesinnt (vrgl. Apollo 
Actius) ! 

Der vf. hat die vorhandene litteratur noch wenig ausge- 
beutet, ohne aus eigner kraft diesen mangel ersetzen zu können. 

Sehr unsicher ist die behandlung von I, 12. Wer die ein- 
leitende note liest, dem ist es, als ginge ihm ein mühlrad im 
köpf herum. Was ist die einheit? 

Die ode umschreibt genau den begriff des namens Augustus, 
des Ttküov r\ x«t cxv&qüjtiov , wie Dio Cassius ihn erklärt. Sie 
wird also in der ersten hälfte des Januar 727 verfasst sein, 
vielleicht um das votum des Munatius Plancus zu unterstützen. 
Der gedankengang ist: wen ich besingen will, von dem weiss 
ich nicht, soll ich ihn held (vir), heros oder gott nennen. Wie 
Iupiter im himmel und auf erden herrscht, einzig und unver- 
gleichlich (absolut), dennoch aber neben und unter ihm viele 
gottheiten , wenn auch durch einseitige Vorzüge , sich verdient 
machen: so hat die römische geschichte zwar viele beiden auf- 
zuweisen, aber alle, so ruhmreich sie sein mögen, repräsentiren 
doch nur einseitigkeiten ; ihre geschlechter werden alle von dem 
iulischen geschlechte überstrahlt, dem endpunkt und höhepunkt 
der römischen geschichte. Aber so absolut auch Cäsar erschei- 
nen mag, so wird er in seiner alimacht sich der gewalt Iupiters 
unterordnen. 

Eine ahnung des richtigen hat auch der vf. , wenn er p. 
326 bemerkt: 'passend wird dem kriegerischen Romulus der 



Nr. 1. 16. Horatius. 37 

friedliche Numa, dem herrischen Tarquinius der freiheits- 
liebende Cato entgegengestellt!' Natürlich alle helden Roms 
sind einseitigkeiten gegenüber dem Augustus, so vortrefflich jene 
auch in ihrer art sein mochten. 

Die ausgäbe von Schütz wird demnach die lectüre des Horaz 
im gymnasium nicht wesentlich fördern. Den schülern das buch 
selbst in die hand zu geben verbietet dem lehrer der wissen- 
schaftliche sinn und pädagogische tact. 

Weidner. 



16. Luciani Muelleri Lectiones Horatianae. (Aus den 
Melanges Greco-Eomains tires du bulletin de l'Academie Impe- 
riale des Sciences de St.-Petersbourg. Tome III. Decembre 
1873, p. 688—718. 

Diese blätter enthalten die Prolegomena zu der bereits in 
nr. I der Teubner'schen mittheilungen v. 1873 verheissenen 
aber immer noch nicht erschienenen eleganten miniaturausgabe 
des Horaz , in welcher ' um einen lesbaren text zu gewähren, 
mehr conjecturen aufgenommen werden sollen als in der Stereo- 
typausgabe. ' Consequent heisst es hier: non placuit eadem, qua 
antea usus fueram anxietate observari apices codicum, und von M. 
Haupt : non magis probavi nimiam Hauptii verecundiam , qui adeo 
contempsit criticorum inventa , ut mendosissima haut pauca ne signo 
quidem corruptelae addito relinqueret. Darnach ist an die neue 
recension nicht der gewöhnliehe massstab anzulegen, sondern 
zu erwarten, dass man einer reihe von geistreichen einfallen be- 
gegnet, durch welche für den nichtphilologischen leser die zahl- 
reichen cruces interpretum escamotirt werden; aber solche einfäll© 
erscheinen unter Lucian Müllers aegide und haben dadurch 
neuen anspruch auf beachtung. 

Den grössten theil des raumes nehmen besprechungen der 
interpolationsfrage ein. L. Müller hält zwar p. 689 — 92 seinen 
bekannten Standpunkt aufrecht und äussert mit recht: multa 
minus grassata est interpolatorum licentia in saturis et epistulis, 
überrascht aber am schluss seiner schrift durch eine ganze reihe 
unechter verse aus den Sermonen, die er meist im verein mit 
August Nauck aufdeckt. Wir lassen diese frage hier unberührt 
und wenden uns einigen stellen zu, in denen Müllers Unter- 
suchungen uns nicht überzeugen. Dies ist zunächst der fall bei 



38 16. Horatius. Nr. 1. 

der besprechung des taeter Sat. I, 2, 33. 3, 107. Taeter soll 
nunmehr auch aus den Satiren entfernt werden. Die beweis- 
führung ist folgende : p. 702 beisst es : Equidem iam alias (ad 
Hör. Od. III, 11, 17; ad Prop. I, 16, 38; III, 24, 27) ostendi 
poetas latinos plerosque ab Augusti inde tempore timuisse uti hoc 
vocabulo, ut nimio eodemque antiquato, ut relinquerem tarnen saturis 
Horatii, abiudicarem tantum carminibus. Zu Hör. Od. I, 1. beisst 
es : Notandum autem illum (Horatium) extra saturas non magis 
quam Tibullum Propertium Ovidium alios multos uti adiectivo quod 
est taeter. Zu Prop. I, 16, 38: Melius erat quod Hauptio pla- 
cuit taetra, nisi Propertius cum Tibullo et plerisque poetarum lati- 
norum abstineret ab hoc adiectivo sicut nostrorum plurimi quod est 
i scheusslich\ Und zu Prop. HI, 24, 27 beisst es einfach: Cf. 
quae notavimus ad I, 16, 38 et quae diximus nuper ad Hör. Od. 
III, 11, 17. Diese behauptungen wird- man doch nicht als 
einen vollgültigen beweis ansehen sollen, dass taeter bei Horaz 
einfach zu streichen sei ! Vielmehr ist nur die beobachtung 
dankenswerth , dass bei Ovid und Tibull taeter nicht vorkommt; 
für Horaz ergeben sich ebensowenig consequenzen , als sich 
Schiller hat abhalten lassen im Taucher zu sagen 'schwarz wim- 
melten da, in grausem gemisch, zu scheusslichen klumpen 
geballt' oder im Kampf mit dem dracben 'und alles bild' ich 
nach genau und kleid' es in ein scheusslich grau'. Es liegt 
eben in der bedeutung des wortes, dass es auf einen geringeren 
umfang des gebraucbes beschränkt ist. Im übrigen kehre ich 
die behauptung Müllers zu Sat. I, 2, 33 Ipsum autem illud 
tecta tarn dignum Horatio quam indignum taetra, einfach um. 
Tecta, unter umständen ein ebenso passendes attribut zu libido 
wie muta libido bei Lucrez, ist hier ganz ungehörig. Denn sobald 
die libido venas inflavit, ist sie nicht mehr tecta, sondern pruriens. 
Sehr wohl aber kann sie taetra genannt werden. Taeter findet 
sich vorzugsweise in Verbindung mit odor und sapor, bezeichnet 
also 'ekel'. Hiernach ist die Verbindung spiritus taeter Carm. 
IH, 11 der übelriechende athem dem Sprachgebrauch durchaus 
angemessen und wenigstens aus dem taeter kein schluss auf die 
imächtheit der strophe zu ziehen. Soll nun die brunst recht 
derb geschildert werden, so wird auf den sich dabei entwickeln- 
den odor hingewiesen, wie Epod. XH et quam malus undique 
membris Crescit odor; die fomices heissen vorzugsweise olentes und 



Nr. 1. 17. Horatius. 39 

olidi, was wohl nicht bloss der fuligo zuzuschreiben ist. So ist 
taetra libido hier ebenso gerechtfertigt wie Catull. 76, 25 amor 
genannt wird taeter morbus und Sat. I, 3, 107 cunnus taeterrima 
belli causa. Also hat man des vfs. aufstellungen wohl und vor- 
sichtig zu prüfen. 

Eine treffliche emendation ist Carm. III, 20, 5 contempnatur 
für contempletur. — Mit recht ist über Baehrens' conjectur Carm. 
III, 4, 9 altricis extra limina pergulae gesagt: etsi non ab omni 
parte tut um, certe reliquis multo est praestantius. Die conjectur 
ist diplomatisch äusserst elegant, aber sie ist doch falsch. Denn 

I. ist Horaz nicht in einer pergula geboren, 2. hätte die aus 
Plaut. Pseud. v. 214 bekannte bedeutung des wortes schon von 
seiner Verwendung an unserer stelle abmahnen sollen. — Ep. 

II, 5 streicht Müller mit Nauck v. 141 und ändert v. 140 
levantes , dem nun das object fehlt, in euhantes. Aber es fehlt 
der nachweis, dass euhantes auch in allgemeinerer bedeutung 
vorkommt, wie etwa oQyid&iv; Verg. Aen. "VT, 517. Catull. 64, 
391 ist nur von wirklichem bacchantischen rasen die rede und 
selbstSil.lt. I, 101 ist die gottesbegeisterung der Seherin grund- 
bedeutung. Sodann vermeidet Horaz in den Episteln die elision 
in der cäsur, auser vor et, wie Haec ego procuvare et idoneus, 
was fünfmal vorkommt-, anderweitige elisionen hat er nur Ep. I, 
11, 9. n, 2, 204 und A. P. 416. — Zu Carm. I, 6, 2, wo 
Müller alii mit Passeratius schreibt, wäre eine bezugnahme auf 
Epist I, 1, 94 si curatus inaeqy.aU tonsore capillos erwünscht 
gewesen. 



17. De Horatio Lucretii imitatore. Dissertatio inauguralis, 
quam . . . scripsit Adolfus Weingaertner. 8. Halis Saxo- 
num 1874. 50 s. 

Es ist längst ein bedürfniss gewesen, den einfluss, welchen 
Lucrez auf Horaz geübt hat und den schon Lambin durch- 
schaute und Bentley mehrfach schlagend nachwies, in einer Zu- 
sammenstellung der betreffenden stellen aus beiden dichtem zu 
übersehen, und der vf. verdient alle anerkennung dafür, dass er 
diesen zeitgemässen gegenständ mit fleiss und gründlichkeit be- 
arbeitet hat. Er behandelt pag. 4 — 20 die imitationes, quae ad 
L/ucretii et Horatii praeceptorum et institutorum consensum per- 
tinent, p. 20 — 37 quae ad dicendi copiam aut ad orationem solam 



40 18. Anthologia latina. Nr. 1. 

spectant, p. 37 — 47 quae ad res grammaticas et metricas pertinent, 
und stellt am schluss, was besonders dankenswerth ist, die Über- 
einstimmungen tabellarisch zusammen. Die frage ist durch diese 
schrift zwar noch nicht völlig erschöpft, einiges wie die bemer- 
kung Lachmanns zu Lucr. p. 206 über den typischen gebrauch 
von Appulus und Sabellus auch übersehen, aber die sache ist 
doch ernstlich in angriff genommen und namentlich im zweiten theil 
wesentlich gefördert. Denn den im ersten theil besprochenen 
gemeinsamen anschauungen beider dichter liegt eben so oft eine 
gewisse congenialität als unmittelbare nachahmung zu gründe, 
während die im dritten theil behandelte aufgäbe bei der textesbe- 
schaffenheit des Lucrez zu einer abschliessenden darstellung über- 
haupt noch nicht reif ist. — Es wäre sehr zu wünschen, dass 
diese arbeit nachahmung fände und insbesondere das verhältniss 
des Höraz zu dem nunmehr durch Lucian Müller zugänglich 
gemachten Lucilius gründlich festgestellt würde. 



18. Carmen codicis Vossiani Q. 9 a Mauricio Schmidt 
emendatum. (Index lection. hibern.) Jena 1874, 12 s. 4. 

Alexander Riese hatte (Anthol. Latin. I, p. 18 fgg.) die in 
den hss. theilweise sehr willkührlich überarbeiteten und umge- 
stalteten precationes Terrae matris (5) und omnium herbarum (6) 
in ihr ursprüngliches versmass (nach archaischer art gebaute 
iambische senare) in der weise zu bringen versucht, dass er 
dem versificator mehrere barbarische freiheiten zutraute. Er 
liess deshalb 5, 3 gentibus vor folgendem consonanten und 6, 3 
vor folgendem vokal als dactylus statt trochäus zu und nahm 
an, 6, 12 sei das erste a in sanitatis kurz gemessen. Andere 
freiheiten (5, 6 und 6, 18) corrigirte er selbst später in der 
vorrede zur zweiten hälfte des ersten bandes der Anthologia Latina. 

In dem zur anzeige vorliegenden neuen restitutionsversuch 
strebt Moritz Schmidt nach engerem anschluss an die Überliefe- 
rung. Er druckt zunächst den Wortlaut des codex Vossianus 
ab und notirt unter demselben die abweichungen der an man- 
chen stellen zuverlässigeren breslauer handschrift (B). Dabei 
sind mehrere ungenauigkeiten untergelaufen: pag. 3, zeile 7 
muss es heissen generans et generas; 3 , 9 quem (ohne angäbe 
einer correctur, welche sich vielmehr auf codex B bezieht); 



Nr. 1. 18. Anthologia latina. 41 

3, 10 ditis umbras; 4, 6 praesta und quascumque; 4, 7 hac, 4, 17 
quidquid; 4, 18 mici in der klammer. 

Der darauf folgende herstellungsversuch , welchem kritische 
anmerkungen angefügt sind, enthält manches beachtenswerthe, 
wenn auch ein möglichst enger anschluss an die hss. unmöglich 
war. Entgangen ist Schmidt dabei Mähly's recension der An- 
thol. latina von Riese in der Zeitschr. f. d. österr. Gymn. 
XXII. (1871), besonders pag. 554 fg., der zum theil schon 
gleiches oder ähnliches gefunden hatte. Die einstige gestalt der 
Jambischen senare aus der vorliegenden handschriftlichen Über- 
arbeitung völlig sicher zu reconstruiren , wird nie gelingen. 
Doch kann man, unter berücksichtigung der für die archaischen 
dramatiker geltenden metrischen regeln, einen theil der von 
Schmidt statuirten verse als unwahrscheinlich erweisen: 

So durften die einen trochäus vertretenden dactylen arbitra 
(4) [ebenso Mähly] und denique (31) kaum durch conjectur in den 
text gebracht werden. Auch die betonung Fidem: exaudi 
quaeso 6t fave (21) ist schwerlich richtig und zweisilbiges creavit 
(41) unwahrscheinlich. Die versschlüsse auf einen auch in den 
archaisch gebauten inschriftlichen senaren vermiedenen di- 
iambus (45) precor meis und auf einen creticus mit iambus (53) 
gratiasque agam sind nach dem , was August Luchs im I. band 
der 'Studien a. d. gebiete des archaischen lateins' auseinander- 
gesetzt hat, bedenklich, ersterer noch eher zu entschuldigen. An 
letzterer stelle ist statt Schmidt's Ponamque vobis fruges gra- 
tiasque agam, wofür die hss. am schluss et gratias agam über- 
liefern, entweder mit Riese durch Umstellung et agam gratias 
herzustellen , oder , da seltenere , namentlich archaische formen 
von den abschreibern auch sonst durch neuere verdunkelt sind 
(vgl. 54 nasci statt nascier), mit Mähly zu corrigiren: et grates 
(oder gratis) agam , vgl. ausser prosaikern und dichtem seit 
Cicero: Plaut. Merc. 843; Mil. Glor. 412-, Pers. 756 (vgl. auch 
Trin. 821; Stich. 403; Trin. 824 und endlich auch Poen. I. 1, 6). 

Die in der hauptcaesur überlieferten hiate: Fugäsque sölem 

— 6t procellas cöncitas (10) und vielleicht auch Exaudi, quaeso 

— 6t fave coeptis meis (21) und wohl auch 5, 5 und vielleicht 
6, 5 Riese, billigt Schmidt nicht. Ich halte dies verfahren für 
bedenklich : denn , lässt man auch die plautinische metrik bei 
.2ite, für welche die zulässigkeit des hiats in der hauptcaesur 



42 18. Anthologia latina. Nr. 1. 

vielfach bestritten wird : so weist doch Büchelers Anthologia epi- 
graphica latina unter ihren ca. 450 iambischen senaren , von 
welchen aber fast 90 als strenger nach griechischem Vorbild 
(mit reinen zweiten und vierten fassen) gebaut abgezogen wer- 
den können, sieben bis achtmal (X, 7; XXXVIII, 8. 10; 
XXXXIII, 8; [XXXXVI, 2]; LI, 11; LH, 2; [XCV, 3] den 
hiatus grade in der penthemimeres des iambischen senars auf, 
während an anderen versstellen gar keine hiate unter diesen 
ca. 360 senaren vorkommen, mit ausnähme von L, 5 (Valete — 
4t benefdcite etc. , vgl. Büchelers note) und etwa von XXXVIII, 
6 (am satzschluss und hinter -m: Ego süm. — ovdntes etc., wo 
aber auch die messung eg 5 ohne Hiat denkbar ist) 1 ). Dazu 
kommt z. b. aus dem Corp. Inscr. Latin. T. III, nr. 6416 der 
senar mit hiatus in der penthemimeres : Rumore sdncto — 
Ilyrici iaceo in solo. Unter den continuirlich oder mit senaren 
vermischt vorkommenden choliambischen trimetern findet sich 
in der Anthol. epigr. latinorum einmal (CV, 3) der hiatus in der 
penthemimeres 2 ). Dass vieles stümperhafte und für die littera- 
rischen denkmäler daher als analogie nicht verwendbare in den 
inschriften vorkommt (vgl. auch Bitschi, Neue plautin. excurse 
I, 123 fg.), ist selbstverständlich. Für dichtungen aber wie die 
vorliegenden precationes scheint mir , unter berücksichtigung 
jener inschriftlichen hiate in der hauptcaesur , vorsieht im 
kritischen verfahren geboten. Vgl. auch z. b. was Theodor 
Bergk (Beiträge zur latein. grammatik I, pag. 114 fg.) über 
die acrostichischen argumente zu den plautinischen comödien 
bemerkt. 

Bei der herstellung der verse im einzelnen lässt sich viel- 
fach über möglichkeiten nicht hinauskommen. Schmidt hat eine 
anzahl von stellen scharfsinnig reconstruirt ; vieles bleibt zweifel- 
haft, manches unwahrscheinlich (wie divae 40 u. a. m.). — 



1) Ich sehe natürlich von messungen wie tarn inTquom , de äpö- 
theca, cum ämiceis und auch von düo ut als vvv ab, da diese mit der 
vorliegenden frage nichts zu thun haben. — Ein hiat vor dem letzten 
creticus ist allerdings LIX, 2 überliefert, doch ist dieser vers stark 
verderbt. Fehler wie XXXII, 2 kommen begreiflicher weise nicht in 
betracht; zu XXXXV, 7 vgl. Büchelers note. 

2) In demselben gedieht ist Nativom — esset (4) und Semissem — dnni 
(5) so zugelassen, dass das -m beide male ausgesprochen wurde. 



Nr. 1. 19. C. Julius Cäsar. 43 

Durch druckversehen ist pag. 6 vers 43 tradistast statt traditast 
entstanden. 1 ) 

W. Studemund. 

1) Beiläufig erwähne ich , dass in Riese's Anthol. lat. I, 1 , pag. 
211 nr. 291 vers 3 offenbar zu verbessern ist: Nee manum fugit vo- 
catus nee pavescit retia (statt regia[m]). 

19. Die consecutio temporum bei Caesar. Abhandlung 
zum 40. programm des herzogl. lyceums zu Eisenberg . . . von prof. 
dr. A. Procksch. Leipzig, druck von C. G. Naumann, gr 8. 
36 s. — Auch besonders erschienen bei B. G. Teubner. — 8 ngr. 

Eine sorgfältige, gediegene arbeit. Nach der ausführlichen 
besprechung der programmabhandlung des vfs. von 1870, als deren 
fortsetzung, entsprechend der ankündigung daselbst p. 40, diese 
in dem vorwort ausdrücklich bezeichnet wird , Phil. anz. IV, 
p. 499 — 506 , *) genügt es zu constatiren , dass hier die dort 
hervorgehobenen Vorzüge in erhöhtem masse zu tage treten, die 
mängel aber fast völlig beseitigt sind. Der vf. ist auf Wider- 
spruch gegen die eintheilung des Stoffes gefasst. Den mögen 
andere erheben. Ich finde, dass sich gegen die drei capitel mit 
ihren unterabtheilungen weder an sich noch in betreff der durch- 
führung irgend etwas begründetes einwenden lässt , im gegen- 
theil die sache dadurch an Übersichtlichkeit gewinnt. Wenn 
auch in cap. I. tempora der indica tivischen neben- 
sätze. A. relativ-, modal- (comp.-) und causalsätze, 
§ 3 und 5. HL der ausdruck 'aoristisch', zumal von zwei ganz 
verschiedenen arten von Zwischensätzen gebraucht, kaum auf all- 
gemeinen beifall wird rechnen können — wie ja auch der vf. 
p. 6 am ende von A. denselben nicht festhält — , so ist doch die 
sache selbst sowohl hier als in B. temporal-, condicional- 
und concessivsätze richtig , genau und erschöpfend behan- 
delt (s. 4. p. 12 solute statt salute), ebenso wie in den beiden 
folgenden capiteln nur in kleinigkeiten eine andere fassung 
wünschenswerth sein dürfte. 

1) wo s. 501 Z. 20 statt aus zu lesen ist an. 

„ 501 „ 7 v. u. statt c. 3. zu lesen ist 6, 3. 

„ 503 „ 12 statt Lat. zu lesen ist Sat. 

„ 505 ,, 15 statt ebenfalls zu lesen ist allenfalls. 

„ 505 „ 9 v. u. statt c e Iticam zu lesen ist U ticam. 

., 506 ,,21 statt a. zu lesen ist a. e. (am ende) 



44 19. C. Julius Cäsar. Nr. 1. 

Zunächst ist unter cap. II. Tempora der conjuncti- 
vischen nebensätze. A. Sätze mit cum. § 12 der 
begriff or. obliqua ebenso wie anderwärts , z. b. § 22 , in 
weiterem sinne gefasst als cap. III. § 31., wo wenigstens das 
zweite ' an sich ' durch ' im engeren sinne' zu ersetzen gewesen 
wäre; ferner sind die beiden unter a) angegebenen stellen we- 
sentlich verschieden von einander ('ähnlich 1 ), denn während in 
der ersten, 7, 83, 5, videatur durch das vorhergehende quid — 
placeat genügend legitimirt ist [so dass, wenn hier placeret stände, 
sicher videretur folgen würde], bleibt BC. 3, 86, 3 Persuasi ut, 
cum — sit accessum , — aggrederentur immer eine — wenn 
auch bei Caesar nicht unerhörte — anomalie, viel auffälliger als 
die bekannten stellen B. G. 1, 31, 8. 12—16. 40, 7. 12, und 
im entgegengesetzten sinne B. C. 1, 85, 12. Proinde — dimitterent, 
vgl. p. 28 •, endlich passt der ausdruck 'epexegetisch' gewiss 
nicht zu dem unter b) angeführten vorletzten beispiele B. C. 1, 
8, 3, ebensowenig zu den unter c) und unten, beim 'imperfect', zu 
5, 31, 4 (obgleich 'vorwiegt' vorhergeht), und wenn bei BG. 
1, 16, 6. (wo fälschlich c steht) weiter unten die causale be- 
deutung von praesertim cum richtig angegeben ist, so geht daraus 
hervor, dass die anordnung der 'wenigen stellen' (es folgt auch 
noch 1, 26, 2) nicht übersichtlich genug ist; auch consuerunt 
p. 11 anf. bedurfte einer sachlichen, nicht nur der formellen er- 
klärung. In betreff der 'summarischen (vgl. vorwort) zahlen' a. e. 
des vorletzten absatzes dieses §. mache ich nur darauf aufmerksam, 
dass B. G. II. das kürzeste der 4 genannten bücher ist, dem- 
nach in demselben relativ am häufigsten (38 mal) '■cum mit 
ipf. und plqpf u. s. w. vorkommt. 

Unter B. Final-, consecutiv- und substantiv- 
sätze. § 13 kann ich trotz der Übersetzung von Köchly- 
Eüstow nicht zugeben, dass 6, 11, 4 ne quis egeret auch final 
gefasst werden könne, die vermuthungen § 14 p. 13 zu 7, 45, 
1 (dasselbe wort ebd. § 3 p. 16. a) beanstandet, und BC. 1, 18, 
3 sind jedenfalls, ebenso wie § 5. p. 4 anf. possit (vgl. jedoch 
Nipp. Add. zu p. 85, 3. p. 790) beachtenswerth ; warum sollte 
nicht aber auch hier wie bei ne BC. 1, 61, 2., s. weiter unten, 
[und 3, 109, 6, p. 3 ff. ('vielleicht richtig effecit') — gehört 
scheinbar wegen der Stellung nicht hierher] eine ausnähme 
stattfinden? Dass das letzte beispiel in § 17. abs. 1., B. C. 



Nr. 1. 19. C. Julius Cäsar. 45 

1, 33, 4, nicht dahin gehört, hat der vf. selbst durch seinen 
zusatz ausser zweifei gesetzt. Nach dem, was in der vorerwähn- 
ten besprechung, Phil. anz. IUI, p. 500 a. e., über B. C. 1, 85, 
4 gesagt ist, war § 19 p. 16 a. e. statt dieser stelle vielmehr 
§10 desselben capitel zu erwähnen, wo ebenso wie § 4 ut von 
dem relativsatze , dieser aber, wie in der vorhergehenden stelle 
B. Gr. 3, 18, 7, von einem perfect, sit — datum, abhängt. Ebd. p. 
17 kann ich in B. G. 1, 14, 7. B. C. 1, 22, 6 kein 'pf. hist.' 
erkennen, behaupte aber trotzdem entschieden, dass, wenn es der 
sinn und Zusammenhang erlaubte, Caesar in der zweiten stelle 
cogerentur geschrieben haben würde. Jedoch da a. e. dieses § 
die ausdrückliche erklärung folgt, dass die acten über diese frage 
noch nicht völlig geschlossen sind, enthalte ich mich in betreff 
der im folgenden behandelten coni. perfecti weiterer bemerkungen, 
nur möchte ich nicht, dass Nepos in irgend einer beziehung, am 
allerwenigsten wo es sich um eine freiheit handelt wie hier, mit 
Caesar zusammengestellt würde. Aus C. Condicional-, 
concessiv- und modalsätze registrire ich bloss die worte 
§ 22 abs. 1 a. e. p. 19 — 'das streben nach deutlichkeit' — , 
nur um den wünsch daran zu knüpfen, dass diesem wichtigen 
factor, viel wichtiger als das Hug'sche gesetz , p. vorwort und 
§ 17 a. e. p. 15, § 29, allenthalben in diesen verdienstlichen 
Untersuchungen rechnung getragen werde. In D. Interroga- 
tivsätze. § 27 d) p. 24, wo constituit 5, 22, 4 (zwischen 
imperat und interdicit) unbedingt praesens ist, ist mit 'futur' 
nichts gesagt': dass der tribut ein 'wiederkehrender' ist, 
liegt schon in den Worten in singulos annos ; jedoch wird die 
nothwendigkeit des coni. imperfecti recht klar durch das folgende 
noceat. Ebd. a. e., p. 25 , ist es nicht zu billigen, dass die 
'deutschen Übersetzungen' herbeigezogen worden, da wir Deut- 
schen anerkanntermassen eigentlich keine cons. temporum haben. — 
In cap. III. Oratio obliqua folgt nach der trefflichen allgemei- 
nen erörterung § 30 , worin es doch nicht überflüssig gewesen 
wäre zu erwähnen, dass die directe rede des Labienus B. C. 3, 
87, 2 — 5 in § 6 durch ein paar worte indirect fortgesetzt wird, 
(die des Pompeius 86, 2 — 4 sogar zwischen indirecte eingeschoben, 
so dass diese die einleitung [danach eine pause des admirari] 
und den schluss dazu bildet) § 32 zuerst die berüchtigte stelle. 
B. C. 3, 73, 6 verteret, wozu vgl. Dinter praef. p. LXV1I. Mir 



46 20. C. Sallustius Crispus. Nr. 1. 

ist es klar, dass von einem folgesatz, noch dazu coordinirt mit 
atque — offerrent, schon deswegen nicht die rede sein kann, weil dies 
viel zu wenig selbstbewusstsein von Seiten Caesars ausdrücken 
würde-, anfang (§ 2) und schluss der rede, die ganz von hor- 
tatus est abhängt, enthalten nach meiner auffassung eine auf- 
forderung (im conj. impf.), beiden zunächst stehen gerundiva, in 
der mitte debere u. s. w. ; diesen höchst kunstvollen bau zu stö- 
ren ist bedenklich; entweder ist also eine durch den imperso- 
nalen gebrauch von vertere sehr erklärliche härte anzunehmen — vgl. 
jedoch cap. 44, 6 mittebat, — vulnerabantur, — incesserat, — fecerant, 
gewiss nicht weniger hart — oder der satz durch das Apitz'sche 
vertere nt völlig tadellos zu gestalten. Ferner gehört nach dem 
befolgten plane das letzte beispiel der 'heischesätze' , 7, 61, 5, 
nach§ 18 (daher 'kann man- — reebnen'). Endlich p. 29 z. 4 ist 
rect. statt dir. zu lesen, vgl. p. 33; z. 13 v. u. fehlt erwähn- 
ten nach ('unten'). — Diese kleinen mängel werden reichlich 
aufgewogen durch den inhalt der folgenden §§ bis zum Schlüsse, 
von denen namentlich 39. 40. 41 unnmstössliche endresultate in 
anschaulichster form enthalten , wie sie nur durch gründliches 
Studium gewonnen werden können. Und wenn auch vielleicht 
im einzelnen noch mancher kenner hier und da eine abweichende 
ausicht mit gutem gründe geltend machen könnte, das steht doch 
als endergebniss fest, dass wir es hier mit einer Specialforschung 
zu thun haben, welche die Wissenschaft wirklich fördert. 

B. D. 

20. Quaestiones Sallustianae ad Lucium Septimium et Sul- 
picium Severum Gai Sallusti Crispi imitatores speetantes. Disser- 
tatio inauguralis quam . . scripsit Henricus Pratje Stadensis. 
Gottingae. MDCCCLXXIV. 66 pp. 8. 

Mit ausdauerndem fleisse und besonnenem urtheil hat Pratje 
die mühevolle Untersuchung geführt , welcher gewinn für die 
feststellung des Sallustiustextes sich aus der vergleichung des 
Sulpicius Severus und Dictys Cretensis (L. Septimius) mit ihrem 
stilistischen Vorbild ergebe, und hat dadurch die kritik des 
Sallustius im einzelnen mehrfach gefördert, während er in seiner 
zusammenfassenden Schlussfolgerung zu weit gegangen ist. In 
der sachgemässen einleitung vermisst man nur für die vermu- 
thung des vfs., dass die Ephemeris belli Troiani im zweiten oder zu 



Nr. 1. 20. C. Sallustius Crispus. 47 

anfang des dritten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung geschrieben 
sei, die andeutung eines beweises. Ob nach Dungers annähme 
die existenz eines griechischen Originals gänzlich abzuweisen sei, 
lässt der vf. , dem übrigens Körtings buch über Dictys und 
Dares wahrscheinlich noch nicht zugänglich war, unentschieden. 
Der reichhaltigen Sammlung von parallelstellen aus Sallustius, 
Dictys und Severus und einer daran gereihten Charakteristik 
über die art, in welcher jener von diesen beiden nachgeahmt 
worden ist, folgt die behandlung von etwa dreissig stellen aus 
Catilina und Jugurtha und einer aus den Historien im hinblick 
auf die von beiden nachahmern oder einem derselben gebotene 
reproduction. Zunächst wird Hist. I, 48, HD die übrigens nur 
noch von Gerlach bestrittene lesart agitur gerechtfertigt. Dann 
werden sechs stellen besprochen, an welchen der vf. die von 
Septimius oder Severus bestätigte Überlieferung in cod. V jener 
des cod. P vorzieht, und zwar Cat. 20, 6 nosmet ipsi und Jug. 
85, 33 praesidium im einklang mit Jordan, Jug. 24, 3 incertum 
est wahrscheinlich und 85, 26 meque vosque gewiss richtig gegen 
ihn, 14, 12 multum laboris gegen denselben mit zweifelhaftem 
rechte. Die lesart in V Jug. 24, vos oratum mitto, wofür Jordan, 
Wölfflin und Wirz mit P ad vos lesen, während Weinhold schwankt, 
vertheidigt der vf. durch ein beispiel aus Septimius II, 51 eum 
oratum venissent, und weist ein anderes für P sprechendes bei- 
spiel II, 21 ad vos ob eandem causam oratum venimus zurück, 
weil hier zwischen ad vos und oratum einige worte eingeschoben 
seien. Aber dies mindert doch die beweiskraft des beispiels 
keineswegs, da ja Septimius ob eandem causam vos oratum hätte 
schreiben können; überdies erscheint dieser satz dem vorbilde 
noch ähnlicher als die andere stelle , da er dasselbe object vos 
das bei Sallust steht, beibehalten hat. In der schon erwähnten 
stelle Cat. 20 , 6 empfiehlt der vf. auch in dies magis magisque 
mit V zu schreiben, in dem er sich auf Septimius I, 19, n, 7, III, 
3 beruft ; aber er geräth dadurch , dass er hier die bei Sallust 
selbst dargebotenen parallelen unterschätzt, in wiederspruch mit 
dem ausdrücklich p. 46 adoptierten grundsatze : [ut] verba ad 
scriptoris consuetudinem restituamus, quam ut, si quattuor locis aliquis 
usus confirmetur, quinto autem scriptura fluctuet , hoc loco aliam 
legem scriptorem secutum esse statuamus. — An zwei stellen sucht 
der vf. nach Wirz darzuthun, dass cod. P 1 überwiegend besser 



48 20. C. Sallustius Crispus. Nr. 1. 

sei als P; aber die eine derselben Jug. 114, 4 steht gar nicht 
in P, der von 113, 3 an unlesbar ist, was dem vf. entgangen 
sein muss, und die andere stelle, Cat. 28, 2 vermag, auch wenn 
eine einzige stelle jenen nachweis liefern könnte, nichts zu ent- 
scheiden. Denn wenn die lesart in P 1 quantum periculi vom vf. 
mit vielen belegen p. 44 ausgestattet ist, so folgt hieraus nicht, 
dass die in P erhaltene quantum periculum verwerflich sei ; findet 
sich ja z. b. auch quantum negoti Jug. 85, 3 neben tantum ne- 
gotium Cat. 44, 1. — Von den übrigen stellen die der vf. ohne 
nebenrücksicht nach der folge des textes behandelt, sind Cat. 
36, 5 ac veluti, 54, 5 sequebatur 55, 1 \_ad~], Jug. 10, 1 ea res, 
72, 2 excitus, 106, 2 pavcns im sinne Jordans entschieden; Cat. 
55, 5 wo Jordan schwankt, werden nach Dietsch die worte vin- 
dices verum capitalium mit recht beseitigt ; Jug. 42, 5 wird gegen 
Jordan und Dietsch das überlieferte deseret gut geschützt. Da- 
gegen ist es nicht zu billigen, wenn der vf. Cat. 55, 6 das 
archaistische exltium vitae durch das geläufige exitum ersetzen 
will. Wenn Jug. 25, 7 animus cupidine caecus ad inceptum scelus 
rapiebat nach P geschrieben werden soll, da Sallust das subject 
animus gerne mit einem activen verbum construire lind da es ele- 
ganter sei, cum animus Jugurthae tamquam adversarius cogitetur, 
qui ut temptator in malam eum partem trahere vult: so ist hierbei 
übersehen, dass durch caecus entschieden animus nicht als der 
fortreissende, sondern als der fortgerissene, bezeichnet wird, wo- 
durch sich die lesart der übrigen hss. (und p) rapiebatur als 
nothwendig erweist. Auch Jug. 39 , 5 fordert der vf. mit un- 
recht , dass gegen die gute Überlieferung animo ardebat viel- 
mehr animus ardebat geschrieben werde ; denn wenn auch Sallust 
die active structur bei animus liebt, so wechselt er doch bis- 
weilen, wie Jug. 11, 5 parum animo valuisse neben Cat. 20, 10 
animus valet zeigt. Die einschiebung von animi vor anxius Jug. 
55, 4 erscheint durch die in einigen hss stehenden corruptelen 
animosior oder animus anxius nicht genügend begründet, 
da die besten handschriften einfach das hinlänglich deutliche 
anxius bieten; ebenso unnöthig ist die zu Cat. 54, 6 vom 
vf. vorgeschlagene tilgung des pronomens illum. Noch kühner 
ist es, wenn Jug. 32, 1 statt des ganz richtigen dicendo, wofür 
in P u. a. hss. indicendo verschrieben ist, das von Septimius 
gebrauchte, in den erhaltenen Schriften bei Sallust gar nicht vor- 



Nr. 1. 20. C. Sallustius Crispus.- 49 

kommende inserendo empfohlen wird. Zu Jug. 47 , 1 f. wird 
die radicale auf Septimius II 8 gegründete änderung ubi cum 
incolis res mercari consueverant statt der richtigen Überlieferung 
in P und P 1 ubi et incolere et mercari consueverant nur im vor- 
beigehen mitgetheilt, weshalb man hier wohl davon absehen darf. 
Aber wenn der vf. an eben dieser stelle die von Dietsch ge- 
wagte Umstellung der worte si paterentur, wodurch eine bei Sallust 
ohne beispiel dastehende construction erzielt wird, aus Septimius 
und Severus zu rechtfertigen sucht, so geht er gewiss irre, da 
die von ihm herangezogenen stellen zwar die durch vermuthung 
gegen den uns bekannten Sprachgebrauch des Sallust eingeführte 
structur aufweisen, aber weder im Wortlaut noch im Zusammen- 
hang eine beziehung auf Sallust als vorbild verrathen. Dass der 
vf. geirrt hat, indem er das Jug. 85, 47 überlieferte consultor 
aus Severus in consolator umändern wollte , hat schon Wölfflin 
gezeigt. — Noch muss bemerkt werden, dass die handschrift- 
lichen lesarten nicht durchweg genau mitgetheilt sind, wie auch 
die aus Philol. XXI, p. 162 angeführte conjectur zu Cat. 5, 2 
discordiae ungenau ten Brink zugeschrieben wird, während sie 
von Kellerbauer herrührt. Zu Cat. 20 , 6 . wird die von der 
zweiten hand in P (p) nachgetragene Verbesserung nicht erwähnt 
(vgl. Jug. 85, 33), während diese zu Jug. 24, 3 mitgetheilt ist. 
Zu Jug. 47, 1 ist die Überlieferung nach Dietsch statt nach den 
zuverlässigeren angaben von Jordan und Wirz verzeichnet und 
obendrein mit einem missverständniss , da in P 1 bei incolere die 
erste littera e nicht erasa, sondern in rasura scripta ist. Jug. 
72, 2 hat nicht prima Pi manus die lesart excitus , sondern p. 
Der irrthum des vfs. Jug. 114, 4 ist schon oben berührt. — Im 
hinblick auf diese mannigfachen bedenken erscheint es nicht 
möglich, dem schlussurtheile des vfs. über den angeblich er- 
wiesenen vorzug des V vor P beizustimmen oder den beweis 
für den Vorrang des P 1 vor P als geliefert anzuerkennen; das 
verdienst aber, eine reihe von stellen durch heranziehung des 
Septimius und Severus sicher constituirt zu haben, bleibt dem 
vf. unbestritten. 

2 1 . De Festi breviarii fontibus. Dissertatio historica, quam . . . 
scripsit Richard Jacob i. 8. Bonn 1874. 

Gewöhnlich nahm man bisher an, dass Festus bei der ab- 
Philol. Anz. VII. 4 



50 21. Festus. .Nr. 1. 

fassung seines breviariums am meisten den Eutrop und Florus 
benutzt habe. Allein die in der neuesten zeit angestellten Unter- 
suchungen führen zu ganz anderen resultaten, wie z. b. die von 
Pirogoff (de Eutropii breviarn indole ac fontibus 1873) und von 
Gardthausen (die geographischen quellen Ammians 1873), welche 
nur beiläufig den Festus berühren, vor allem aber die von 
Jacobi, der in der oben angeführten dissertation zum ersten male 
den Festus zum gegenständ einer eingehenden Untersuchung über 
dessen quellen gemacht hat. Nachdem der vf. in der praefatio 
nachgewiesen hat, dass Festus libellum suum in lucem edidisse 
anno 369 (pag. 7) und ad Valentem imperatorem breviarium 
suum misisse (pag. 10), geht er zur genauen bestimmung der 
quellen über. 

Cap. 1 ist die dedicationsepistel an den kaiser Valens, und 
im zweiten cap. stellt Festus kurz zusammen, wie lange die könige, 
consuln und kaiser den römischen Staat verwaltet haben. Der 
beweisführung Pirogoffs schliesst sich Jacobi mit recht an, dass 
nämlich Festus in diesem capitel nicht den Eutrop benutzt habe, 
sondern Entropium et Festum ex eodem fönte, aliquo chronico, 
hausisse. Mit grossem fleisse untersucht nun der vf. die einzelnen 
capitel des breviariums und kommt zu dem resultate , dass 

1) Florus nicht mehr als quelle des Festus anzusehen sei, dass 

2) Eutrop nur für cap. 20 — 24 von ihm benutzt sei, dass Festus 
vielmehr, um mit den Worten des vfs. zu reden, in capitibus 
3 — 14 componendis in usum vocasse opus geographicum , quod Am- 
mianus quogue Marcellinus in geographicis operis sui partibus con- 
scribendis adhibuit, praeterea provinciarum indicem, deinde capita 
15 — 19 ex epitoma facta e Livii annalibus liausta esse, . . . po- 
stremo capita 25 — 29 maximam quidem partem ex ipsius Festi me- 
moria emanasse. 

Mit diesem resultate bin ich im grossen ganzen einverstan- 
den, nur fällt es mir schwer, den Florus als quellenschriftsteller 
ganz aufgeben zu müssen. Dass Festus ihn nicht als directe 
quelle benutzt hat, geht wohl aus der Untersuchung des vfs. 
hervor, aber dass er ihn vor äugen hatte, scheint mir folgende 
stelle zu beweisen, die der vf. leider gar nicht beachtet hat. 
In dem prooemium vergleicht bekanntlich Florus die perioden 
des römischen Staates mit den stufen des menschlichen alters 



Nr. 1. 21. Festus. 51 

undnachdem er die infantia, adulescentia und iuventus besprochen 
hat, sagt er: a Caesar e Augusto in saeculum nostrum haut 
multo minus anni ducenti, quibus inertia Caesarum quasi consenuit 
adque decoxit , nisi quod sub Traiano •principe movit lacertoa 
etc. Es ist kaum glaublich, dass Florus, ein jüngerer Zeitgenosse 
des Trajan, in seinem prooemium diese worte über Trajan von 
einem andern Schriftsteller abgeschrieben haben sollte, wir müssen 
vielmehr annehmen, dass dies seine eigenen worte sind, um so 
mehr, da lacertos movere poetisch gesagt wird für convalescere, 
was ganz zur ausdrucksweise des Florus passt, von der Peter 
Burmann sagt: Florus saepius poetice quam humane loquens. Nun 
kommt aber, soviel mir bekannt ist, lacertos movere nur noch im 
Festus cap. 20 vor, und hier werden die worte ebenfalls von 
Trajan gebraucht. Was liegt wohl näher, als dass Festus an 
dieser stelle den Florus vor äugen gehabt hat? Auch der Zu- 
satz des Festus post Augustum scheint auf a Caesare Augusto 
bei Florus zu gehen. 

Zu seite 38 anm. ist zu bemerken, dass in cod. Gr. u. B, 
also im urcodex X (Philolog. Anz. 1873, p. 100) steht: a 
transfuga quodam Mazzaro inductus, nicht Abgaro. 

Noch will ich ein versehen berichtigen, das ohne verschul- 
den des vfs. entstanden ist, da er die lesarten der besten hand- 
schriften nicht kannte. Auf p. 12 lesen wir: maximi ad quaestionem 
nostram solvendam momenti esse videtur , quod Festus Tarquinio 
Prisco 37 et Superbo 25, contra Eutropius Prisco 38 et Superbo 
24 tribuit annos. Dies ist nicht richtig, die zahlen bei Festus 
stimmen mit denen bei Eutrop vollkommen überein. Im cod. 
Bamb. steht Tarquinius Superbus expulsus regno est anno XXIIII, 
im Cod. Goth. annos XXXIIII. Dass das richtige im cod. B. 
enthalten ist und dass der Schreiber des cod. G ein X zuviel 
gemacht hat, sieht jeder leicht ein. Ebenso ist auch bei Tar- 
quinius Priscus im cod. B. die richtige zahl XXXVDH ange- 
geben, während wir im cod. G. XXXVDI lesen, wo leicht ein 
strich ausgelassen sein kann. Die ganze stelle des zweiten capitel 
lautet nach cod. G. und B. hergestellt folgendermassen: Eeg- 
narunt Eomae per annos CCXLIII reges numero VII. Romulus 
regnavit annos XXXVII , senatores per quinos dies annum unum. 
Numa Pompilius regnavit annos XLIII , Tullus Hostilius regnavit 
annos XXXII , Ancus Marcius (cod. G. Marsus , cod. B. Marcus) 

4.* 



52 22. Griechische geschichte. Nr. 1. 

regnavit annos XXIIII, Priscus Tarquinius (so in cod. G. und B.) 
regnavit annos XXXVIII, Servius Tullius (cod. G. und B. Ser- 
vilius Tullus) regnavit annos XLII1I , Lucius Tarquinius Superbus 
expulsua regno est anno XXIIII. Hiernach ist auch Pirogoff 
p. 15 zu berichtigen. 

C. Wagener. 



22. Der homerische schiffskatalog als historische quelle be- 
trachtet vonBenedictus Niese. Kiel, C. Schröder u. comp. 
1873. gr. 8. 59 s. — 1 mark. 

Der vf., ein schüler A. v. Gutschmid's und bereits durch 
eine arbeit über die quellen des Stephanos von Byzanz vorteil- 
haft bekannt, hat die forschung über den schiffskatalog durch vor- 
liegende schrift erheblich gefördert. Im anschluss an 0. Müller's 
darlegung die Unvereinbarkeit des katalogs mit dem ganzen 
der Ilias festhaltend widerlegt er in überzeugender weise sowohl 
Köchly's versuch, durch ausstossung verschiedener verse den- 
selben in strophische form zu bringen, als die ansieht, dass der 
troische theil einen andern Verfasser habe als der hellenische. 
Für die frage nach der abfassungszeit gewinnt er einen sicheren 
terminus ante quem durch den nachweis von spuren der benutzung 
des katalogs in dem homerischen hymnus auf den pythischen 
Apoll, welcher vor beendigung des kirrhäischen krieges und 
einführung der pythischen spiele, also vor 586 gedichtet ist. 
Dass hierdurch ein neuer beweis gegen die Überlieferung von 
der pisistratischen redaction der homerischen gedichte gewonnen 
werde, möchten wir bezweifeln: den beziehungen des katalogs 
auf spätere bücher der Ilias, aus welchen vf. auf vorliegen des 
gesammelten epos schliesst, stehen die weit zahlreicheren stellen 
entgegen, welche der Hias widersprechen. 

Die quellen und der historische werth der zwei theile sind 
nach dem vf. verschieden zu beurtheilen. Den troischen führt 
er auf reminiscenzen an stellen der Ilias, der cykliker (beson- 
ders der Kyprien) und der Argonautika zurück und schlägt daher 
den geschichtlichen gehalt dieses Stückes sehr gering an; ein 
ergebniss, dessen richtigkeit nicht wohl in zweifei zu ziehen ist. 
Im katalog der Achäerschiffe erkennt er nur die mythographi- 
schen bestandtheile : die namen der fürsten, die. zahl ihrer schiffe 
und das epische beiwerk als selbständige arbeit des katalogisten 



Nr. 1. 22. Griechische geschickte. 53 

an und findet als deren hauptquelle in einleuchtender weise 
abermals die Kyprien und überhaupt die cyklischen dichtungen; 
dagegen die aufzählung und beschreibung hellenischer orte, 
landschaften und stamme giebt nach seiner ansieht materiell im 
wesentlichen unberührt einen älteren autor wieder, der nach den 
darin vorausgesetzten Verhältnissen zu schliessen zwischen 770 
und 740 in Böotien eine nsgtoSog rrjg 'EXXddog niederschrieb. 
So hätte sich also der inhalt einer uralten periegese von Grie- 
chenland bis auf unsere tage erhalten, ein wenn es gesichert ist 
grosses ergebniss, das auch bereits die volle anerkennung von 
T>&. im Lit. centralblatt sp. 1510 und L. Mendelssohn Jenaisch, 
lit. z. 1874 p. 169 gefunden hat. Leider müssen wir bekennen, 
dass — einzelne gute ausführungen , wie die Verknüpfung der 
übergehung Megara's im katalog mit dessen früherer abhängig- 
keit von Korinth, Gutschmid's vom vf. mitgetheilte auseinander- 
setzung über die zeit des Aristeas von Prokonnesos, und an- 
regungen, wie die bemerkung über Dorion und Dotion, abge- 
rechnet — diese partie der schrift uns am wenigsten gelungen 
vorkommt. 

Die begründung seiner ansieht findet Niese lediglich in der 
beschaffenheit der Thessalien betreffenden theile des katalogs. 
Während die übrigen partien des hellenischen katalogs, von der 
nur in mythographischer beziehung anfechtbaren stelle über Dorion 
abgesehen, dem vf. keinen anlass zum tadel bieten, findet er dort 
neben zahlreichen beispielen bester chorographischer Information 
besondere fälle von so grober unkenntniss, dass beide nicht 
aus gleicher quelle abgeleitet sein können , und da diese fehler 
nur in der vertheilung und abgrenzung der einzelnen fürsten- 
thümer sich vorfinden, so zwar dass von acht landschaften des 
katalogs je zwei die in geographisch unmöglicher weise ausein- 
ander gerissenen stücke einer einzigen bilden, so folgert der 
vf. , dass der katalogist selber in der geographie von Hellas 
ganz unbewandert, wahrscheinlich ein Milesier gewesen ist, der 
seine anscheinenden kenntnisse einer älteren schrift verdankte 
und bei Thessalien, da er dort mehr fürsten als fürstenthümer 
vorfand, vier landschaften seiner quelle durch rohe halbirung 
in acht verwandelte, um jeden mit einer eigenen herrschaft aus- 
statten zu können. Nämlich 1) Alos , welches dem Achill zu- 
getheilt ist, erklärt Niese für die bekannte, mitten zwischen den 



54 22. Griechische geschichte. Nr. 1. 

orten des Protesilaos (Phylake, Pyrasos, Itone, Antron, Pteleon) 
gelegene Stadt in Achaia Phthiotis: denn das Alos in Malis, 
von welchem Parmeniskos und Strabon sprechen, sei, da es von 
diesen weder geographisch fixirt noch ein zeugniss seiner existenz 
beigebracht werde, als eine erfindung der erklärer Homers an- 
zusehen. Das Hesse sich hören, wenn auch die anderen orte des 
Achill sich nach Achaia Phthiotis weisen Hessen: da aber die 
geographisch sicheren (Trachis und Alope) in Malis liegen, so 
findet zunächst der satz des vfs., dass zwei landschaften aus 
einer gemacht worden sind, hier keine anwendung; aus Strab. 
9, 5, 16 geht ferner mit evidenz hervor, dass es nicht weit von 
Trachis im nördlichen Lokris wirklich einen ort Alos gegeben 
hat. Es ist also bloss anzunehmen, dass in früherer zeit das 
gebiet der Lokrer sich nicht so weit nach norden erstreckt hat 
als später. 2) Die orte des Ormeniden Eurypylos: Ormenion, 
Asterion, die quelle Hypereia und das gebirge Titanos, bilden 
nach Niese mit den Städten des Eumelos (Pherai, Boibe, Glaphyrai 
undjolkos) zusammen ein geschlossenes territorium: in der that 
fand sich die quelle Hypereia mitten in der Stadt Pherai (irrig 
behauptet vf. , ich hätte das geleugnet, s. Hellas in Thessalien, 
Philol. Suppl. bd. n, p. 642) ; ein Orminion ferner kennt Strabon 
östlich von Pherai hinter Jolkos; endlich Peirasia, wie Asterion 
später hiess, wird von Stephanos von Byzanz und dem scholiasten 
des Apollonios von Bhodos nach Magnesia verlegt. Trotzdem 
fallen aber die zwei reiche nicht zusammen. Unter Pherai versteht 
der katalogist nicht die bekannte Thessalerstadt, welche er gleich 
Larissa Pharsalos Skotusa Kranon u. a. ignorirt, weil die Thes- 
saler erst nach dem Troerkrieg eingewandert sind; sein Pherai 
war unmittelbar an {naqal) dem see Boibeis, die Thessalerstadt 
dagegen ganze 50 Stadien von diesem entfernt. Und wenn er 
auch so unwissend in geographischen dingen gewesen wäre wie 
vf. behauptet, so darf er doch nicht für so aberwitzig gehalten 
werden, die quelle in ein anderes land zu setzen als die Stadt, 
in deren mitte sie sprudelte, da er doch beide namen und ihr 
Örtliches verhältniss zu einander nach des vf. ansieht in der 
periegese gefunden haben musste. Ormenion habe ich, weil die 
identification mit Orminion es in das gebiet des Eumelos bringen 
würde, a. a. o. p. 641 für das Armenion des Strabon, Ormenion 
des Enstathios (d. i. Stephanos von Byzanz) erklärt, welches beide 



Nr. 1. 22. Griechische geschiente. 55 

fitw%v Qtotov xal AuqtG6i]Q setzen. Diese bestimmung findet 
Niese so wenig genau, dass man den ort wohl mit Bursian für 
Orninion ansehen dürfe ; sie ist aber genau genug, um erkennen 
zu lassen, dass Armenion nordwestlich von Pherai lag, also mit 
eirem östlich von Pherai gelegenen orte nicht identificirt werden 
kann. Aus meiner abhandlung p. 654 konnte Niese auch er- 
sehen, dass Kallimachos auf meiner seite ist: bei diesem sind 
es die Ormeniden, welche zu den spielen am heiligthum der 
Pallas Itonia einladen ; dies lag aber nach Pausanias eben 
0fQu>r fisru^ii xul siaQiGffqg. Asterion betreffend spricht das 
vom vf. betonte kriterium der topographischen bestimmtheit 
gegen ihn: die älteren schriftsteiler setzen es nämlich an den 
zusammenfluss des Apidanos und Enipeus, also nördlich von 
Pharsalos, und die bestimmung jener zwei geographisch gleich 
unwissenden grammatiker ist aus falscher auslegung des Apol- 
lonios hervorgegangen (s. Hellas in Thess. p. 735). 3) Gyrtone, 
Orthe, Elone und Oloosson, die städte des Lapithen Polypoites, 
nennt Niese mit dem in sachen thessalischer ethnographie ganz 
confusen Strabon perrhaibisch und verlegt sie sämmtlich an's 
linke Ufer des Peneios; dadurch ist aber die geographische 
Unmöglichkeit der trennung dieser orte von den sitzen der 
Perrhaiber und Ainianen des katalogs am Titaresios nicht er- 
wiesen; diesen gibt der katalog auch Dodona, denkt sie also 
weiter westlich und binnenwärts als die Lapithen. Ueberdies 
ist die behauptung des vf. nur von Oloosson unbestreitbar richtig ; 
Gyrton (wenn der katalogist die bekannte stadt dieses namens 
gemeint hat) war eine Thessalerstadt und lag am rechten ufer 
des Peneios, Elone haben die alten erklärer nicht mehr vorge- 
funden und von Phalanna , für dessen akropolis Orthe erklärt 
wurde, weiss man nicht ob es thessalisch oder perrhaibisch ge- 
wesen. 4) Neben den Magneten des Prothoos am Peneios und 
Pelion erscheinen als Philoktets städte Methone, Thaumakia, 
Meliboia und Olizon, welche laut angäbe des vf. sämmtlich auf 
der halbinsel Magnesia (soll heissen auf der zu Magnesia ge- 
hörigen halbinsel) liegen. Damit hat vf. eigentlich selbst die 
geographische möglichkeit der trennung beider gebiete ausge- 
sprochen: denn der berg Pelion ist nördlich von der halbinsel. 
Doch nur Methone und Olizon gehören dieser an; Thaumakia 
ist im östlichen Thessalien nicht nachweisbar und Meliboia war 



56 22. Griechische geschichte. Nr. 1. 

nördlich an der bucht zwischen Pelion und Ossa. Auch von 
letzterer stadt ist nicht nothwendig anzunehmen, dass sie in das 
gebiet des Prothoos gefallen sei. Damit aber ist auch die letzte 
stütze der ansieht des vf. gefallen. 

Von der annähme, dass der chorographische theil des helle- 
nischen schiffkatalogs aus einer zwischen 770 und 740 geschrie- 
benen periegese abgeleitet sei, hätten den vf. schon die bedenk- 
lichen consequenzen dieses satzes abhalten sollen. Das fehlen 
von Theben bekennt er p. 80 selbst nicht ausreichend erklären 
zu können, ebenso die übergehung der Thessalerstädte ; wenn 
p. 47 vermuthet wird, Theben müsse damals, weil ein gesetz- 
geber dort auftrat, in einem zerrütteten zustande gewesen sein, 
oder Larissa (p. 44) die Zwingburg der Perrhaiber habe noch 
nicht bestanden, so sind das nur haltlose hypothesen, die über- 
dies weder das fehlen der andern Thessalerstädte noch das von 
Theben selbst erklären. Die ozolischen Lokrer sollen desswegen 
nicht genannt sein, weil sie vermuthlich nur eine untergeordnete 
bedeutung und keine namhaften städte gehabt hätten: letzteres 
trifft auf Naupaktos und Amphissa nicht zu und das erstere 
können wir nicht wissen. Dodona gehörte zur zeit der Home- 
riden den Thesprotern, von welchen es an die Molosser kam; 
nach der theorie des vf. müssten um 755 Ainianen oder Per- 
rhaiber dort gewohnt haben. Pleuron und Kalydon gibt der 
katalog den Aitolern ; aber schon seit der böotischen Wanderung 
waren beide städte aiolisch und ihr gebiet hiess Aiolis. Während 
im achten Jahrhundert schon geraume zeit her Elis von Aitolern, 
die untere Peneiosgegend von Thessalern, Euboia von Jonern, 
Dryopen und Perrhaibern bewohnt war, nennt der katalog dort 
die halb mythischen, der zeit vor den grossen Wanderungen an- 
gehörigen namen der Epeier, Lapithen und Abanten. Die Be- 
stimmung des katalogs ist eben, ein bild von Griechenland zur 
zeit des Troerkrieges zu liefern, und dies ist auch der gesichts- 
punkt, unter welchem sein historischer gehalt zu prüfen war. 

U. 

23. Der zweite punische krieg und seine quellen , von 
Ludwig Keller. 8. Marburg 1875, VIDI und 223 s. 

Der gelehrte Verfasser dieses umfangreichen werkes nimmt 
an, es sei durch die Untersuchungen Böttcher's der beweis dafür 



Nr. 1. 23. Komische geschichte. 57 

geleistet, dass die übereinstimmenden partnen von Polyb. III und 
Livius XXI und XXII aus einer gemeinsamen quelle stammen ; da- 
gegen befriedigt ibn Böttcber's ansiebt, diese gemeinsame quelle 
sei Silenus und bei Livius vermittelt durch Coelius nicht. Er 
sucht nun diese gemeinsame quelle selbst zu bestimmen und auf 
den ganzen zweiten punischen krieg auszudehnen. 

Als resultat ergibt sich ihm, dass die uns erhaltenen dar- 
stellungen des zweiten punischen krieges hauptsächlich auf drei 
grundlagen zurückgehen : 1) auf eine antiseipionische parteischrift 
des Fabius Pictor, 2) auf eine parteibrochüre des P. Scipio, des 
sohnes des älteren Africanus , welche zahlreiche fälschungen der 
historischen thatsachen enthalten habe, 3) auf die unparteiischen 
memoiren des königs Hiempsal II, welche Sallust. Jug. 17 er- 
wähnt. Fabius, P. Scipio, in beschränktem umfange auch Silen, 
sind nach dem vf. contaminirt worden von L. Calpurnius Piso 
Frugi, welcher dann die gemeinsame quelle war für Polybius, Livius 
und könig Juba LT. Juba hat jedoch mit Piso die memoiren 
Hiempsal's verschmolzen, und er ist zum theil erhalten bei Dio 
Cassius (resp. Zonaras) , besonders aber bei Appian , welcher 
somit in diesen partien für uns der unparteiischste gewährsmann 
ist und mehr beachtung verdient, als ihm bisher zu theil wurde. 

Zunächst hat also der vf. die gründe, welche Böttcher und 
Friedersdorff für die gemeinsamkeit der quellen des Polybius und 
Livius, und die, welche seither Wölfflin dagegen vorgebracht hat, 
wenigstens in dem buche selbst nicht nachgeprüft. Es ist dieses 
auch nicht zu bedauern; denn wenn wir z. b. p. 154 lesen: 
'Dazu kam, dass Livius den Polybius kannte und ihm die 
quellen des letztern gewiss nicht unbekannt waren , dass ihm 
dieser aber ein vorbild und dessen urtheil über die beste quelle 
nicht gleichgültig war. Was lag demnach für Livius näher, als 
zu der gleichen quelle wie Polybius zu greifen ? ' so müssen wir 
daran zweifeln, dass Keller entscheidende gesichtspunkte hätte 
vorbringen können. 

Sodann können wir den gang der Untersuchung nicht billigen. 
Der vf. geht aus von dem achten buche des Appian , findet 
in diesem eine numidische quelle und zwar Juba und überträgt 
ßie auf die früheren. Denselben weg macht er wieder bei 
Polybius und Livius •, er findet bei beiden in der darstellung der 
feldzüge des Scipio einen seipionischen und einen antiseipionischen 



58 22. Komische geschiehte. Nr. 1. 

Standpunkt, sucht dazu zwei passende Vertreter und einen ver- 
mittler und überträgt sie dann auch auf den anfang des krieges. 
Demnach vergleicht er die darstellung des Polybius und Livius 
mit der des Appian und kommt zu dem bedenklichen ergebniss» 
dass Polybius in mehreren fällen bei sog. doubletten des Piso, 
die er erkannte, Livius dagegen nicht beachtete, den gefälschten 
bericht des P. Scipio aufgenommen habe , während Livius auch 
den bericht des Fabius daneben enthalte und Juba- Appian nach 
jenen memoiren des Hiempsal die Wahrheit überliefere. Es 
können aber in den späteren büchern neue quellen zu den 
früheren getreten sein, und die historiker verwahren sich ja da- 
gegen, dass man von der vierten decade des Livius die benu- 
tzung des Polybius auf die dritte übertragen dürfe. Dieser rück- 
schluss von den späteren büchern auf die früheren und von einem 
späteren und bisher für weniger zuverlässig gehaltenen autor auf 
frühere erscheint daher uns wenigstens als nicht gerechtfertigt. 

Ferner halten wir den beweis, welchen Keller p. 168 
dafür vorbringt, dass Piso vor Polybius geschrieben habe, nicht 
für stichhaltig. Polybius war zuerst Staatsmann, dann siebzehn 
jähre lang in gefangenschaft ; erst ein jähr nach seiner befreiung, 
149, war Piso volkstribun, 133 consul, 120 censor; daher ist 
Piso sehr wahrscheinlich jünger als Polybius. Wenn nun auch das 
letzte fragment des Piso in die geschiehte des jahres 146 fällt, so 
können wir doch keineswegs zugeben, dass somit das werk des 
Piso mit diesem jähre schloss, ja in diesem jähre schon vollendet 
war. Uebrigens soll Piso die ganze römische geschiehte in nur 
sieben büchern dargestellt haben ; der zweite punische krieg wird 
daher von ihm nicht gerade ausführlich abgehandelt worden sein. 

Schliesslich müssen wir uns gegen die behauptung ver- 
wahren, die Keller p. 64 ausspricht, dass das gesetz antiker 
quellenbenutzung, wonach Polybius sich ' an den, bezw. die autoren, 
welche er sich zur grundlage auserwählt hatte,' eng anschliessen 
musste, 'vonHerodot bis auf Tacitus ausnahmslose geltung hat.' 
Dieses gesetz ist durchaus nicht bewiesen und wird nach unserer 
Überzeugung nie bewiesen werden. Uebrigens glauben wir, die 
annalistischen und die pragmatischen geschichtschreiber seien nicht 
nach demselben maasstabe zu beurtheilen. 

Wir anerkennen, dass Keller die geschichtsschreiber des 
zweiten punischen krieges ausserordentlich fleissig studirt und in 



Nr. 1. Theses, — Neue auflagen. 59 

seinem buche manche treffliche bemerkung im einzelnen nieder- 
gelegt hat; aber das hauptziel, welches er erreicht zu haben 
glaubt, müssen wir zu unserm bedauern für verfehlt erklären. 
Zu wünschen wäre besonders, dass er auf die bemerkung (p. 159), 
dass Livius auch in der dritten dekade die darstellung der Ver- 
hältnisse in Griechenland fast durchgängig direct aus Polybius 
genommen habe, mehr gewicht gelegt hätte. 

Frans Luterbaclier. 



Theses. 

De rebus scaenicis Roinanis quaestiones selectae. Dissertatio quam 
in alma literarum universitate Gryphiswaldensi ... d. VI m. Febr. 
MDCCCLXXV . . defendet Paulus de Boltenstern. Theses: IL 
Ludi Romani ante armurn 387/367 a plebeis aedilibus curabantur; V. 
in Aristot. Polit. IV, 7, p. 1294 b. 34 legendum est; tfil d' fr rf t nofo- 
Teiuitj /uijUiy/usvi; xttXwg afxrfÖTiQa doxiiv tlvai xcci /Ltfj 8- et reg ov (xal /ut]- 
ditsQov libri); VI. Livii verba XXXIV, 53, 7: haec eo anno acta glos- 
seniatis speciem prae se ferunt; VII. Vitruv. de Archit. V, 6, 9 scri- 
bendum censeo: comicae autem (scaenae) aedificiorum privatorum et 
maenianorum habent speciem prospectumque fenestris dispositos imita- 
tione communium aedificiorum rationis, (rationibus libri); VIII. locum 
Tertulliani de speetac. 5 (Suet. fragm. 185, p. 334 Reiff.) ita sanan- 
dum dueo: post hunc Numa Pompilius Marti et Robigini (ludos) fecit. 
Dehinc Tullus Hostilius. dehinc Ancus Martins et ceteri quos quem 
per ordinem et quibus idolis ludos instituerint , positum est apud Sueto- 
nium Tranquillum , vel a quibus Tranquillus aeeepit (et ceteri quoque 
per ordinem libri); IX. In hist. Apollonii regis Tyrii p. 53, 21 Ries, 
legendum est : intrarem enim in balneum , ubi hinc inde fiammae per 
tubulos surgunt (turbulos vel cumulas vel tabules libri.) 

Neue auflagen. 

24. Homers Odyssee. Für den schulgebrauch erklärt von dr. Karl 
Friedrich Ameis. 1. bd. 1. heft, gesang I— VI. 6. aufl. Besorgt von 
dr. C. Hentze. 8. Leipzig, Teubner. — 25. Freund 's schüler- 
bibliothek. Präparationen zu den griechischen und römischen clas- 
sikern. Präparation zu Sophokles werken. 8. heft. 2. aufl. 16. 
Leipzig. Violet; 50 pf. — 26. Demosthenes ausgewählte reden. Er- 
klärt von A. Westermann. 2. bd. 5. aufl. 8. Berlin. Weidmann; 
1 mk. 80 pf. — 27. Freund cett. Präparation zu Livius' römischer 
geschichte. 8. heft. 3. aufl. 16. Leipzig. Violet; 50 pf. — 28. Krebs, 
J. Ph. , Antibarbarus der lateinischen spräche. 5. aufl. Bearbeitet 
von J. A. Allgayer. 5. lief. Frankfurt a. M. Winter; 24 ngr. — 
29. J. Scherr, allgemeine geschichte der literatur. 5. aufl. 3. lfg. 8. 
Stuttgart. Conradi; 1 mk. — 30. 31. Carriere, die kunst im Zusam- 
menhang der eulturentwicklung und die ideale der nienschheit. 5. bd. 
2. aufl. 8. Leipzig. Brockhaus; 12 mk. 50 pf. — 31. F. Gregorovius, 
wanderjahre in Sicilien. 3. bd. Siciliana. 4. aufl. 8. Leipzig. 
Brockhaus; 5 mk. 40 pf. — 32. Denkmäler der kunst zur Übersicht 
ihres entwicklungsganges von den ersten versuchen bis zu den stand- 
puneten der gegenwart. 3. aufl. Bearbeitet von W. Lübke, und 
C. v. Lützow. 2. lfg. qu. fol. Stuttgart. Eisner und Seubert ; 
1 thlr. 10 gr. 



60 Neue Schulbücher, — Bibliographie. Nr. 1. 

Neue Schulbücher. 

33. W. Bauer, Übungsbuch zum übersetzen aus dem deutschen ins 
griechische. 3. lfg. 3. aufl. 8. Bamberg. Buchner; 2 mk. 40 pf. 
— 34. H. Perthes, lateinische wortkunde im anschluss an die lectüre. 
1. curs. mit dem latein. lesebuch f. die sexta. 8. Berlin. Weidmann; 
2 mk. 40 pf. — 35. L. Englmann, lateinisches elementarbuch f. die 
erste classe der latein. schule. 5. aufl. 8. Bamberg. Buchner; 
1 mk. 20 pf. — 36. C. Pl'ötz, auszug aus der alten, mittleren und 
neueren geschichte. 5. aufl. 16, Berlin. Herbig; 18 ngr. 

Bibliographie. 

_ In Paris starb am 20. dec. 1 874 ganz unerwartet der buchhändler 
Friedrich Klincksieck aus Rinteln , der den deutschen buchhandel in 
Paris zu hohem ansehen gebracht, daneben auch manchem deutschen 
daselbst mit rath und that beigestanden hat. Bei ausbrach des kriegs 
musste er flüchten ; jedoch gelang es seinem in Paris geborenen söhn 
das geschäft aufrecht zu erhalten. 

Das Postblatt nr. 1 (beil. zum D. Reichsanzeiger) enthält eine 
übersieht der portosätze für die frankirte correspondenz nach dem 
inlande und nach dem auslande. 

Die buchhandlung von Joseph Baer u. Co. in Frankfurt a. M. 
hat ende december ihren 31. lagerkatalog veröffentlicht, enthaltend 
werke über schöne kunst und kupferwerke für 1875. Er zerfällt in 
drei abtheilungen: 1) geschichte der theorie der kunst, Illustration s- 
und grössere kupferwerke, kataloge von kunstsammlungen ; 2) maierei 
und vervielfältigende kiinste; 3) architektur, sculptur, kunstindustrie. 

A general catalogue of books , offered to the public at the afßxed 
prices by Bernard Quaritch. 8. London. 1874. X und 1889, preis 
4 guineen. — Auf festes, weisses papier in klaren typen gedruckt in 
solidem halbmaroquinband, ist der Quaritch'sche katalog schon in 
seiner äusseren ausstattung eine hervorragende und durch ihren um- 
fang imponirende erscheinung. Von ganz aussergewöhnlichem werthe 
aber ist sein inhalt, der an kostbarkeit den besitzstand vieler öffent- 
lichen bibliotheken übertreffen dürfte. — Auf nahe an 2000 Seiten sind 
gegen 23,000 werke verzeichnet, die sich entweder durch wissenschaftliche 
bedeutung, oder durch Seltenheit, oder durch den luxus der ausstattung 
auszeichnen. Dieselben umfassen fast alle gebiete der literatur in syste- 
matischer Ordnung. Von besonderer reichhaltigkeit sind die abthei- 
lungen: Orientnl Literature, Fine Arts , Bibliotheca xylographica (über 
letztere — welche bereits vor Jahresfrist separat erschienen ist — vgl. 
die notiz im Börsenbl. vom 1. december 1873). Ein grosser theil der 
titel ist von interessanten bibliographischen oder literarischen anmer- 
kungen begleitet. — Den Schlüssel zu dieser Schatzkammer bildet ein 
ungemein detaillirter index, der über die oben erwähnten 23,000 werke 
nicht weniger als 28,000 Verweisungen enthält (z. b. die Schedel'sche 
chronik ist viermal registrirt: unter Schedel, Chronicorzim Über, Nurem- 
berg Chronicle, Wohlgemnth). Dieser index ist eine ebenso mühsame als 
höchst dankenswerthe arbeit, durch welche der katalog für den biblio- 
philen und buchhändler von einer praktischen brauchbarkeit wird, 
wie kaum einer seiner Vorgänger. Durch ihn wird der katalog ein 
nachschlagebuch von bedeutendem und dauerndem werthe. 

Die Kaulfuss'sche buchhandlung in Liegnitz veröffentlicht den 
pi*ospect einer vom märz a. c. an erscheinenden Zeitschrift: l der Anti- 
kritiker , organ für literarische vertheidigung , für die redaction ver- 
antwortlich: M. Nehring'. Die insertionsgebühren betragen 4 mk. 



Nr. 1. Bibliographie. 61 

für die seite , der abonneinentspreis für je 10 hefte (einen bd. von 
ca. 20 bogen) ist auf 5 mk. veranschlagt. — Wir wünschen diesem 
unternehmen aufrichtigst bestes gedeihen, denn für eine gewissen- 
hafte redaction giebt es kaum eine grössere last, als die durch gute 
recensionen veranlassten zuschritten der mannichfachsten art. 

Verlag von W. Engelmann in Leipzig versendet prospect von: 
Papyrus Ebers, conservirt in der Universitätsbibliothek zu Leipzig. 
Ein hieratisches handbuch altägyptischer arzneikunde, herausgegeben 
und mit einleitung und Übersetzung der vorkommenden krankheiten 
versehen von Georg Ebers. Mit einem vollständigen hieroglyphisch- 
lateinischen glossar vonLudw. Stern. Zwei Bände. Mit 109 tafeln 
und text in folio gebunden. Preis für ausgäbe I. 90 thlr. = 270 mk. 
Preis für ausgäbe IL 70 thlr. = 21U mk. 

Verlag von Duncker und Huntblot veröffentlicht prospect von 
Allgemeine Deutsche Biographie. Auf veranlassung und mit Unter- 
stützung der historischen commission bei der k. akademie der Wissen- 
schaften in München herausgegeben von R. freiherrn v. Liliencron 
in München und professor F. X. Wegele in Würzburg. Der preis 
einer lieferung ist auf 2 mk. 40 pf. , der eines bandes auf 12 mk. 
festgesetzt. — Die erste lieferung ist erschienen und giebt davon 
einen kurzen bericht D. Reichsanz. nr. 19. 

Von buchhandlungen sind versandt ankündigungen von J. Bac- 
meister in Bielefeld, schritten von Wollschläger betreffend; von 
Dümmler , s Verlagsbuchhandlung (Harrowitz und Gossmann) nachtrag 
zum verzeichniss von schritten und Zeitschriften aus dem gebiete 
der Sprachforschung, sowie der literaturgeschicbte, mythologie, ge- 
schickte und Völkerkunde. October 1874, darunter auch schritten 
von J. Grimm; von Fuss (R. Reissland) verlag in Leipzig; Biblio- 
theca philologica Teubneriana: erster nachtrag, die erscheinungen des 
jahres 1874 enthaltend; neue erscheinungen aus dem verlage der 
Wagnerischen Universitäts-buchhandlung in Innsbruck ; verlag der 
C. Winter' sehen Verlagshandlung in Leipzig und Heidelberg. 

Besonders machen wir aufmerksam auf: Katalog ausländischer 
Journale, zu beziehen von A. Asher u. Co. zu Berlin und London; in 
einem beiliegenden briefe heisst es: wir liefern zu den im katalog 
aufgeführten pränumerations-preisen innerhalb des Deutschen reichs- 
postgebiets stets franco sofort nach erscheinen. — Auch sind wir gern 
zur lieferung ihres bedarfs ausländischer literatur erbötig, in welchem 
falle wir den Shilling engl, geldes mit 1 mk. 10 pf. , den franken 
mit 1 mk berechnen und, innerhalb des Deutschen reichspostgebiets, 
alle Sendungen frankiren. — Um unsere künden über die novitäten 
der englischen und französischen literatur stets auf dem laufenden 
zu erhalten , stellen wir denselben die beiden literatur-zeitungen : 
Asher's Monthly Gazette of läerature und petite bibliographie Francaise, 
gratis und franco zur Verfügung. — Ferner auf: philologischen verlag 
von T. O. Weigel in Leipzig und der Oxforder Universität {Clarendon 
Press) , welche theilweise zu bedeutend ermässigten preisen zu be- 
ziehen sind. 

Verzeichniss im preise herabgesetzter werke aus dem verlage der 
gebrüder Borntruger (Ed. Eggers) in Berlin: darunter werke von 
Lobeck, Ellendt u. a. ; preisermässigung von K. F. Köhler 's Anti- 
quarium. 

Cataloge von Antiquaren: Antiquarischer catalog von F. A. 
Brockhaus' Sortiment und antiquarium in Leipzig (classische philologie 
und archäologie); Antiquarisches lager von C. Detloffs buchhandlung 
in Basel, catalog nr. XIII (philologie, literaturgeschichte u. s. w.); 



62 Bibliographie. Nr. 1. 

bücherverzeichniss von Meyer und Müller in Berlin; nr. 6 classische 
Philologie. 

Catalogue no. 2 de livres anciens et rares en vente aux prix mar- 
ques chez R. de Pape ä Naples. 

Eine besondere thätigkeit im versenden entwickeln wie es scheint 
die Verleger sog. pädagogischer Schriften: also Hermann Beyer in 
Langensalza : ' Allgemeines pädagogisches anzeigeblatt ' : Ferdinand 
Hirt in Breslau 'Aus der bibliothek des Unterrichts für schule und 
haus'; verlag von J. F. Steinkopf in Stuttgart ausgezeichnete päda- 
gogische bücher, volks- und j ugendschriften. 

Kleine philologische zeituug. 

Göttingen, 5. januar. Die nr. 52 des literarischen Central- 
blattes für 1874 trägt als die letzte des fünfundzwanzigsten 
Jahrgangs an ihrer spitze eine anspräche des redacteurs, Friedrich 
Zarncke „an unsere leser" , in welcher die Schicksale des Central- 
blattes während dieses langen Zeitraums anspruchslos vorgeführt und 
die gegenwart an mancherlei beherzigenswerthes erinnert wird. Ge- 
gründet von Paul Wiegand aus Göttingen, in einer zeit, wo die all- 
gemeinen literatur-zeitungen eingegangen oder tief gesunken waren, hat 
Zamcke, nachdrücklichst unterstützt vom Verleger, seit 1852 Avenarius, 
dem blatt rasch eine ehrenvolle Stellung errungen und ununterbrochen 
behauptet: welch verdienst darin liegt, wird nur der völlig würdigen, 
welcher die geschichte der literatur-zeitungen kennt und in gleicher 
oder ähnlicher läge wie Zarncke, was jetzt eine redaction verlangt 
selbst erfahren hat. Schon die anonymität ist eine schwer zu um- 
schiffende klippe: mir sehr erfreulich war die in dieser nr. 52 ver- 
öffentlichte ansieht des so ehrenwerthen Trendelenburg: „wenn Sie 
von mir," schreibt er, „ein rein sachlich gefasstes urtheil haben wollen, 
so muss ich bitten, meinen namen nicht zu nennen. Trete ich mit 
diesem hervor, so werde ich durch eine reihe persönlicher beziehungen 
beirrt. Auch möchte ich, wo ich einmal tadeln muss, nicht gerne 
mein urtheil zu verschärfen scheinen durch Unterschrift meines 
namens" — ; ich benutze diese gelegenheit um auszusprechen, dass 
nach meinen erfahrungen in den meisten fällen die anonymität das 
bessere ist, obgleich ich nicht übersehe, dass jeder nicht bloss seine 
den mitforschern bekannten ansichten , sondern auch seinen dem auf- 
merksamen leser erkennbaren styl schreibt. Eine zweite, auch von 
Zarncke berührte klippe schaffen die antikritiken : meines erachtens 
wird damit im Centralblatt zu viel räum verschwendet. Doch es kommt 
vielleicht abhülfe von Th. Kaulfuss: besser wäre eine solche zu be- 
schaffen, wäre der redacteur einer gelehrten Zeitschrift nur redacteur 
oder wäre ihm doppelt, ja dreifach so viel zeit beschieden als andern 
menschenkindern ! Doch diese und ähnliche gedanken, durch Zarncke's 
kundige darstellung hervorgerufen, weiter auszuführen verbietet diese 
stelle ; sollen doch diese zeilen nur dazu dienen, das literarische publi- 
cum daran zu erinnern, welch grossen dank es der redaction des 
Centralblattes schulde; denn ohne den, welch' einen lohn trüge wohl 
der redacteur einer gelehrten Zeitschrift für seine mühwaltung und 
Selbstverleugnung davon? Dem redacteur einer politischen zeitung, 
dessen blatt heute steht und morgen in den ofen geworfen wird, 
wird gar leicht vortheil und auszeichnung zu theil: der redacteur 
einer gelehrten Zeitschrift, zumal der selbständige, der regierung oder 
der partei oder der schule nicht dienende, wird, obgleich er nur für 
die Wissenschaft — freilich somit auch für die ewigkeit — arbeitet, 
mit ingrimm von gerecht zurechtgewiesenen angefallen, allein dafür 



JSTr. 1. Kleine philologische zeitung. 63 

gehasst, dass treffliche mitarbeiter das tadelnswerthe gezeichnet haben! 
Daher also wünsche ich und mit mir wie ich hoffe die leser dieser 
zeilen, dass es Friedrich Zarncke vergönnt sein möge, noch lange in 
rüstigem vorwärtsschreiten zum besten deutscher Wissenschaft an der 
spitze des literarischen Centralblattes zu stehen. — [E. v. L.] 

In der nähe von Laon sind die Überreste eines prachtvollen 
römischen amphitheaters entdeckt und nicht weit davon bei 
der Ortschaft Amifontaine hat ein landmann ein gefäss mit ca. 600 
gold- und silbermünzen aufgefunden. Weitere nachforschungen sind 
im gange. C'orr. Havas vom 25. December. 

Einen kurzen nekrolog über den in der nacht vom 1. auf den 2. 
d. m. verstorbenen Dr. ph. Ernst Ludwig Xipperdey gibt der Deutsche 
Reichsanz. nr. 6. 

Berlin, 5. januar. Die an diesem tage stattfindende sitzung der 
archäologischen gesellschaft eröffnete E. Curtius mit warmen 
worten des andenkens für den am 30. december 1874 verstorbenen 
professor dr. Fr. Matz: er trug sich, für seine Wissenschaft begeistert, 
mit vielen literarischen planen , war auch , so lange er in Göttingen 
lebte , ein fleissiger mitarbeiter am Philologus und Philologischem 
Anzeiger. Darauf besprach E. Curtius eine reihe neuer literarischer 
erscheinungen: wir erwähnen daraus neuere inschriftenfunde in His- 
sarlik, die einen äolischen städtebund bezeugen, sowie aus Luders' 
brieflichen mittheilungen die auffmdung eines eleusinischen wegsteines 
bei der H. Triada und alter treppen in der nähe des sog. windthur- 
mes. Dann sprach dr. Treu über ein in Berlin befindliches thon- 
gefäss und zuletzt Adler über die neuesten ausgrabungen der archäo- 
logischen gesellschaft in Athen, deren resultate in der Jlgaxny.cc 1874 
von Kumanudes und Papadakis veröffentlicht sind : er benutzte bei 
seinem vortrage, der vorzugsweise das Dipylon betraf, zwei grössere 
Situationspläne. Jetzt sind deutlich erkennbar zwei thore , das nörd- 
licher belegene zweipfortig (Dipylon), das südlichere einpfortig, beide 
mit quadratthürmen bewehrt und durch vorgeschobene, von sehr 
dicken (für viele vertheidigerj mauern eingefasste thorgassen gedeckt. 
Für die baugeschichtliche analyse ist die an allen feldfronten wahr- 
nehmbare anläge des zwingers (mit zinnen und wasserausgüssen ver- 
sehen) und des trockenen grabens wichtig, weil die zwingeranlage in 
der l'ortification erst kurz vor der Justinianischen epoche auftritt 
(Frocop. De aedif.) und sich auch hier durch andere technik in der 
struktur, sowie der mangelhaften anschlüsse halber als eine zusatz- 
anlage zu erkennen giebt. Ihre Verwandtschaft mit der (allerdings 
sehr viel grossartigeren) zwingeranlage zu Konstantinopel wurde betont 
und dann der nachweis geliefert, dass der grosse liegende, von Moro- 
sini nach Venedig entführte marmorlöwe, den der pariser Anonymus 
und Babin erwähnen, seinen Standplatz links an der innenseite des 
Dipylon, wo der unterbau einer gesäulten halle mit Wasserbecken und 
rinnen gefunden worden ist , gehabt hat. Ein besonderes gewicht 
legte der vortragende auf die in dem situationsplane markirte that- 
sache, dass beide thore ursprünglich mehr zurück (ostwärts) gestanden 
haben und in einer späteren zeit nach der feldseite hinausgeschoben 
worden sind, wobei das südlicher belegene thor (wahrscheinlich das 
' heilige thor ') grossentheils conservirt wurde. Verbindet man den 
nördlichsten theil der ringmauer mit den thurmartigen thorpfeilern 
dieses älteren thores durch eine gerade linie, so fallen alle theile in 
eine flucht, und die gezogene linie schneidet die südmauer der vor- 
geschobenen Dipylon- thorgasse ganz in der nähe der fundstelle , wo 
die merkwürdigen bruchstücke der diskusträgers-stele zu tage ge- 
kommen sind. Es liegt daher nahe, in dieser älteren fiuchtlinie und 



64 Kleine philologische zeitung. JSTr, 1. 

ihren thor- und mauerresten die richtung und die bruchstücke der 
Themistokleischen ringmauer zu sehen, während die feldseitige aus- 
lage der beiden thore und ihres Zwischenstückes einer späteren zeit 
— am ehesten der des Lykurgos — angehören muss. 

Berlin, 16. Januar. Im wissenschaftlichen verein hielt prof. Dr. 
JBonitz einen Vortrag über die gegenwärtigen reformfragen im höheren 
Schulwesen, aus dem der D. Reichsanz. nr. 16 einen auszug giebt: in 
diesem steht nichts neues ausser dass die regierung die klagen über die 
mängel der realschulen im neuen Schulgesetz dadurch glaubt besei- 
tigen zu können, dass sie 'mittlere bürgerschulen' gründet. — Von 
der noth der gymnasien ist keine rede. 

Aus Dr. Bulle's Jahresbericht über die literarische gesellschaft in 
Bremen giebt auszug D. Reichsanzeiger n^. 16. 

Ueber die auffindung der gärten des Maecenas auf dem Es- 
quilino wird der Augsburger Allg. Ztg. nr. 13 berichtet: der jüngste 
grosse fund über die Venus wird in der beil. zur Augsburger Allg. 
Ztg. nr. 13 genauer und begeistert berichtet: darnach fällt die statue, 
in jeder hinsieht ein meisterwerk in parischem marmor, in die zeit 
nach Praxiteles. Uebrigens ist die statue mitten am halse, über 
beiden knieen und über dem linken fusse zerbrochen, auch an der 
nasenspitze leicht beschädigt, sonst aber im allgemeinen gut erhalten. 
Die zu gleicher zeit ausgegrabenen gewandfiguren sowie ein Bacchus 
sind von mittelmässiger arbeit: ungleich höher stehen zwei Tritonen, 
meisterhaft aber ist die halbfigur des kaiser Commodus. - Noch weitere 
mittheilungen s. im D. Reichsanzeiger nr. 19. 

Berlin , 23. Januar. Der magistrat hat beschlossen , das neue 
gymnasium an der halleschen Strasse Askanisches gymnasium, das an 
der gartenstrasse Humboldt-gymnasium zu nennen. 

Am 8. Februar feiert die Universität Leyden ihr 300jähriges be- 
stehen. Einladungen der feier beizuwohnen sind an die deutschen 
Universitäten ergangen. 

Die National-Ztg. theilt aus Athen mit, dass beim aufräumen 
des Ilissosbettes innerhalb der zweiten eisenbahnbrücke arbeiter reste 
alten mauerwerkes, dann einen kolossalen marmortorso, wie es scheint, 
ohne eigentlichen werth gefunden haben, dann aber ein grabdenkmal 
von ausgezeichneter Schönheit. Gegenstand der darstellung ist der 
jähe tod eines in der blüthe der jähre stehenden mannes. Drei per- 
sonen in lebensgrösse sind dargestellt , der verstorbene selbst , leider 
ist das gesiebt sehr verstümmelt, dann ein alter diesen anschauender 
mann , und ein kleiner knabe , unterhalb des rechten knies des ver- 
storbenen stehend, den köpf vor müdigkeit und trauer auf den armen 
gestützt. Dazu auf der andern seite des verstorbenen ein hund, der 
mit am boden schnuppernder nase bis zu den füssen des alten vor- 
geht, als wolle er ihn auffordern, ihm das räthsel des todes zu lösen. 
Vgl. D. Reichsanz. nr. 24 beil. 1. 

In Treitschke und Wehr. Preuss. jahrb, XXXIV, 2, p. 149 flg. 
sind abgedruckt: 'sechzehn thesen über die gymnasialreform ' von 
Tycho Mommserij zuerst ein Vortrag, am 26. mai 1874 auf der mittel- 
rheinischen gymnasiallehrerversammlung zu Auerbach an der Berg- 
strasse gehalten , der hier mit vorrede , nachwort und anmerkungen 
vermehrt, wiedergegeben wird. Wir machen wegen des vielen treff- 
lichen, was er enthält, nachdrücklichst auf ihn aufmerksam und 
theilen die thesen selbst mit, indem wir nur ab und zu eine kurze 
bemerkung in klammern hinzufügen, weil wir in einem der folgenden 
hefte auf mehre der hier berührten fragen zurückzukommen gedenken, 
verweisen übrigens auf Philol. Auz. IV, 1, p. 6, wo zu unserer freude 
so manches mit Mommseh's ansichten stimmendes gesagt worden. 



Kr. 1. Kleine philologische zeitung. 65 

Die erste thesis lautet: das gymnasium ist eine vorbereitungsschule 
für die Universität : es soll und kann keine abschliessende bildung 
gewähren. [Dagegen wird jetzt gar vielerwärts gesündigt: die der 
philologie angeblich beflissenen kommen auf die Universität mit dem 
glauben, sie wären fertig und hätten Vorlesungen nicht mehr nöthig: 
woher sonst auch bei so vielen der fast unglaubliche hochmuth ?] — 
IL Dazu dienen als hauptmittel in erster linie die classischen sprachen, 
in zweiter linie die mathematik, in dritter der deutsche aufsatz. [Die 
der mathematik angewiesene stelle ist mir sehr bedenklich.] — III. In 
den classischen sprachen ist das hauptziel ein bequemes und sicheres 
verständniss der Schriftsteller und das kennenlernen der besten werke 
der griechisch-römischen literatur — erst als zweites kommt dazu 
auch die völlige grammatische correctheit und stilistische fertigkeit 
im schriftlichen ausdruck. Kann also beides nicht vollständig erreicht 
werden, so ist es besser, dass im zweiten punkt nachgelassen werde. 
[Dies verstösst gegen I : man will also doch abschluss ; zweitens wird 
die altersstufe der schüler nicht gehörig berücksichtigt — gar manche 
classiker können dieser wegen entweder gar nicht oder nur ausnahms- 
weise gelesen werden: selbst die stelle, welche jetzt Sophokles einnimmt, 
müsste meistens Euripides haben. Vielmehr hat man das vielerlei der 
lehrgegenstände zu beschränken {ixon multa, seil multum), den Unterricht 
in den classischen sprachen zu erweitern; aber vor allem muss latein- 
schreiben und grammatik an erster stelle stehen : denn darin kann der 
schüler eine Sicherheit erlangen: aus dieser Sicherheit erwächst die lust 
zu eignem arbeiten , erwächst der anfang des forschens ; diese lust zu 
erwecken muss für das gymnasium die hauptaufgabe sein : aber daran 
denkt niemand mehr: nur aufgeben und wieder aufgeben ist die 
parole , so dass der schüler auf der schule gar nicht zur besinnung 
kommt!] — IV. Demnach muss das abiturienten-examen in diesem 
sinne (und auch in andern punkten) wesentliche Veränderungen 
erfahren. [Es wird jetzt überhaupt viel zu viel examinirt und 
darauf viel zu viel gewicht gelegt.] — V. Ist die hauptaufgabe 
des gymnasium das vertraut werden mit den alten Schriftstellern , so 
ist es mehr als je pflicht , dass dem gebrauch unerlaubter oder allzu 
bequemer hülfsmittel bei der präparation in aller weise entgegen- 
gearbeitet werde , nicht nur seitens der schule selbst , sondern auch 
seitens der Staatsregierungen. [Dass ich gegen hülfsmittel der art 
kämpfe, zeigt der Ph. Anzeiger überall: aber wirkliche hülfe kann nur 
von den lehrern selbst kommen: tüchtiger Unterricht macht esels- 
brücken unmöglich. Aber tüchtigen philologischen Unterricht zu be- 
schaffen dürfte allmählich den gymnasien immer schwerer werden, 
da die philologen, welche jetzt als solche von den Universitäten ent- 
lassen werden , nur ausnahmsweise wirklich philologie studirt haben ; 
denn die sogenannten wissenschaftlichen prüfungscom- 
missionen vernichten das wissenschaftliche studium und so 
lange dieser krebsschaden an den Universitäten nagt, dürfte 
jeder versuch zur abhülfe mit einem schlag ins wasser zu vergleichen 
sein] — VI. Wenn auch einige academische corporationen den ver- 
such haben machen wollen oder im einzelnen auch machen mögen, 
mit anders als durch das gymnasium vorbereiteten schülern ihre auf- 
gäbe zu lösen, so hat der staat doch, da bisher alle experimente der 
art sich als misslungen erwiesen haben , keinen grund , deshalb seine 
gymnasien zu ruiniren. — VII. Von einer bifurcation also oder trifur- 
cation zu gunsten der gleichmässigkeit mit der realschule auf kosten 
des kerns des gymnasialunterrichts kann nicht die rede sein. — 
VIII. Insbesondere kann das griechische nicht erst in Mb beginnen, 
ohne das gymnasium zu degradiren. [Die Odyssee muss so früh als 

Philol. Anz. VII. 5 



66 Kleine philologische zeitung. Nr. 1. 

möglich gelesen, meines erachtens schon mit erlernung des lesens in 
Verbindung gebracht werden.] — IX. Ebensowenig zweckmässig scheint 
es, das französische, wenn auch dies für das gymnasium weniger wichtig 
ist, erst mit Illb anfangen zu lassen. [Man könnte vielmehr nach 
alter sitte damit erst in II anfangen , muss überhaupt bedenken, 
dass in dergleichen wie früher gar viel der Universität und späteren 
jahren — man lernt das ganze leben hindurch — überlassen bleiben 
darf.] — X. Ob das gymnasium auch, auf der einen oder der andern 
stufe, zum einjährigen freiwilligendienst vorbildet, ist für das gymna- 
sium eine nebensache. Ueberhaupt sind diese und ähnliche an den 
besuch des gymnasium geknüpfte staatliche berechtigungen, wenn sie 
dessen hauptzweck beeinträchtigen , als ein gefährlicher feind aller 
höheren cultur anzusehen. [Das ist nicht genug zu beherzigen! Vgl. 
die trefflichen worte von Lagarde das verhältniss des deutschen 
Staates zu theologie u. s. w. p. 55.]. XL Die Universitäten haben vor 
allen dingen solche lehrer zu liefern, die für ihr fach begeistert sind ; 
die philologischen insonderheit sollen eine tiefe einsieht in das clas- 
sische alterthum und eine hingebende liebe für die forschung in dem- 
selben von da mitbringen. [Das ist, wie schon oben, zu thesis IV, 
angedeutet, bei der jetzigen läge der Universität ein ding der Unmög- 
lichkeit! Die gymnasien entlassen die schüler nicht nur übersättigt 
und matt — auf der Universität müssen sich ja die armen von den 
strapatzen der schule erholen, klagen die alten, selbst directoren — , 
sondern auch ohne alle anleitung zu eigner arbeit, um nicht for- 
schungzusagen: schon in sexta spukt das examen und nur für dieses 
wird gearbeitet: auf der Universität denkt man auch nur an die prü- 
fungscommission, und der professor der philologie, welcher im philolo- 
gischen seminar und in den Vorlesungen von begeisterung des philo- 
logen und von forschung spricht , predigt tauben ohren. Crede ex- 
perto. In weiteren kreisen ahnt man gar nicht, wie sich das 
studium der philologie auf Universitäten verschlechtert hat, seitdem 
sie zum brodtstudium geworden !] — XII. Von den landesvertretungen 
und communalverwaltungen ist eine liberale regelung der gehalte zu 
verlangen , auf grund eines richtigeren prineips der besoldung. Un- 
zureichende einnahmen demoralisiren den stand der gymnasiall ehrer; 
alles was bisher geschehen, ist nur palliativ gegen die täglich zu- 
nehmende entwerthung des geldes. Gründliche hülfe wäre aber darin 
zu sehen, dass die lehrer (oder die beamten überhaupt) kein absolutes, 
sondern ein im verhältniss zu dem preise der notwendigsten lebens- 
bedürfnisse normirtes, also relatives gehalt bekämen. [Klingt bedenklich. 
Und wo bleiben die schulbibliothek en? Für sie, doch eine 
lebensfrage für die gymnasien, wären vor allem andern ausreichende 
mittel zu verlangen!]. — XIII. Bei der anstellung von gymnasiallehrern, 
namentlich der höheren categorien, bei beförderung und vertheilung 
von titeln u. s. w. ist es zu wünschen, dass von den regierungen in 
erster linie auf die wissenschaftliche, in zweiter auf die 
tüchtigkeit des praktischen schulmannes gesehen werde, — 
jede rücksichtnahme auf andre dinge, wie auf religiöse oder politische 
meinungen, bringt dem gymnasium intellectuelle und sittliche gefahren. 
— XIV. Es wäre auch wünschenswerth für das gedeihen der gymna- 
sien, dass die gymnasial-directoren so viel als möglich von admini- 
strativen geschälten entlastet würden, damit sie sich der wissenschaft- 
lichen und didactischen hauptaufgabe ihres berufes mehr als unter 
den jetzigen umständen möglich ist, wieder hingeben können. [Sehr 
wahr!] — XV. Das programmwesen könnte in ganz Deutschland 
durch eine feste allgemeine Ordnung sehr gewinnen. — XVI. Die 
Berliner octoberconferenzen des vorigen jahres sind mit ehrfurchtsvollem 



Nr. 1. Kleine philologische zeitung. 67 

flanke gegen den herrn minister zu begrüssen, als ein zeichen, dass 
die ernste absieht vorhanden ist , den gymnasialunterricht zu heben ■ 
und die gründe der klagen der Universitätslehrer ihrer ganzen Wahr- 
heit nach zu erforschen. Hierfür aber ist unseres erachtens nothwen- 
dig : 1) dass diese berathungen fortgesetzt und auch auf diejenigen 
dinge ausgedehnt werden, in -welchen manche, z. b. Peter in seiner 
schrift: 'ein Vorschlag zur reform unserer gymnasien 1 , die hauptmängel 
der jetzigen einrichtung sehen; 2) dass auch die stimme der neu 
erworbenen provinzen der monarchie und der übrigen länder 
des Deutschen reichs gehört werden. [Meinetwegen , obgleich genug 
berathen ist; gehandelt muss werden und zwar rasch, damit unsre 
feinde uns nicht überwinden. Soll aber so berathen werden , dass 
etwas dabei herauskommt, so sind die mitglieder der commission 
wenigstens zum theil 1) von den provinzen zu wählen, müssen 
2) die Universitäten vertreten sein und von diesen wieder vor 
allen die philosophischen fakultäten: wer vermag denn besser die lei- 
stungen der gymnasien zu beurtheilen, als der wirklich freie lehrer auf 
der Universität? Aber die hauptschwierigkeit bei diesen thesen — und 
ob sie Mommsen sich wohl klar gemacht hat? — und die hauptsache, 
wenn das deutsche unterrichtswesen vorwärts kommen, d. h. dem jetzigen 
politischen und geistigen zustande Deutschlands entsprechend organi- 
sirt werden soll, dürfte in einem andern angriffspunkt so wie in der 
für ihre durchführung erforderlichen reformation gar vieler unserer 
jetzigen einrichtungen liegen. Um nur weniges hervorzuheben: nicht 
gymnasium, realschule gesondert, sondern das gesammte unterrichts- 
wesen muss geprüft werden , um die richtige Stellung der verschie- 
denen, jedoch für das bedürfniss noch nicht genügend verschiedeneil, 
anstalten zu einander zn finden : an erster stelle aber als dem allein 
richtigen angriffspunkt die Universitäten, der köpf und das herz 
des deutschen Schulwesens, der sicherste hört der wahren freiheit 
und gesittung deutscher nation, sobald ihnen ihre hohe, jetzt ver- 
kümmerte Stellung durch zeitgemässe fortbildung und sorgliche pflege 
gewahrt wird: gesunden sie, so gelangt auch das gymnasium zu voller 
biüthe. Dazu bedarf es aber der eben berührten reformation : selbst 
die Oberleitung ist neu aufzubauen: denn man muss die jetzige ein- 
richtung, welche ein unmögliches, die Verantwortlichkeit nämlich für 
drei völlig disparate verwaltungszweige , einem manne aufbürdet, 
beseitigen, für das unterrichtswesen aber vermöge seiner hervor- 
ragenden geltung einen leiter bestellen, der als im lehrfach selbst 
thätig gewesen und unterstützt durch umfassende kenntniss der literatur 
der gegenwart die geeignetsten ratbgeber zu finden und zu controlliren, 
überhaupt die ganze Sachlage tief aufzufassen vermag. Wäre das be- 
schafft, dann erst könnte mit aussieht auf erfolg berathen werden, ob 
die grossen , die hauptstädte in der jetzigen entwicklung für die 
deutsche Universität passende pflegestätten seien, also auch die dauer 
Berlins als Universität in trage gestellt werden müssen: — auch ent- 
schiedenwerden, wie die berufungen an Universitäten, eine lebens- 
frage für diese, wieder in vollem umfang herzustellen, wie gegen ein- 
flüsse der politischen parthei, der literarischen clique, der schule, der 
landsmannschaft sicher zu stellen — und das würde weiter führen 
auf die nothwendigkeit von collegien in den provinzen, welche mög- 
lichst selbständig die Universitäten nach den erprobten grundsätzeu 
des früheren hannoverschen curatoriums leiteten, das ministerium 
entlasteten und miteinander wetteiferten — und käme dies zu stände, 
so würde sich herausstellen , wie so manche kostspielige , nicht viel 
nützende, ja schädliche , in der neuzeit gegründete institute zu ent- 
fernen, andere als veraltet zeitgemäss umzugestalten seien, so die 



68 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 1. 

philologischen seminare: denn die befinden sich noch zumeist 
io dem zustand ihrer ersten einrichtung — soll dies und auch das 
was damit noch zusammenhängt nicht bloss gefragt, sondern wirklich 
ausgeführt werden , so möchte man ausrufen , die deutsche Unter- 
richtsfrage verlangt zu ihrer lösung mehr als menschliche kräfte, 
verlangt die von riesen : aber das christliche deutsche volk ist 
auch ein riese ! — Dies einige gedankenspähne zu Mommsen's 
thesen : darin sind wir einig, soll das begeisterte streben nach idealität 
und Sittlichkeit im deutschen reich nicht vom materialismus und den 
freunden der finsterniss überwunden werden, so müssen den gym- 
nasien und Universitäten als breiteste basis die classischen studien 
erhalten bleiben. Wenn aber Mommsen mit den versen schliesst; 

Dass in ein Wespennest ich stach' 

Das werd ich bald erfahren; 

Doch bleibt was heute meine schmach 

Mein rühm nach hundert jähren, 
nun, so hoffe ich, ihm von der schmach etwas abgenommen zu haben : 
der wissenschaftliche mann kann nicht anders, so wie er denkt, so 
spricht und schreibt er auch , strebt auch immer nach den höchsten 
zielen: xal niQav növroio ntilXovT ultwi. — E. v. X.] 



Auszüge aus Zeitschriften. 

archäologische Zeitung. Herausgegeben von Ernst Curlius 
und Richard Schöne. Neue folge. Bd. VII, 1 — 3 heft, der 
ganzen folge Jahrg. XXXII: Berlin, G. Reimer, 1874: A. Michaelis, 
die privatsammlungen antiker bildwerke in England , p. 1 — 70, 
dazu taf. 1 — 6 und ein zusatz p. 120: resultat einer mit Matz 
1873 unternommenen reise. — B. Gräser, antike darstellung eines 
griechischen dreireihenschiffs , p. 71 — 80, dazu taf. 7. — R. Förster, 
zur aldobrandinischen hochzeit, p. 80 — 92. — R. Kekule, Athene und 
Marsvas, marmorrelief in Athen, p. 93; dazu taf. 8. — Derselbe, Zeus 
Talleyrand, p. 94-99: dazu taf. 9, dabei ein zusatz von J. Bernays, 
der die überlieferte lesart ra xoiva in Paus. V, 11,1 schützt. — Mis- 
cellen: R. Förster, archäologische miscellen 1 — 5, p. 99 — 106: sie be- 
ziehen sich 1) auf Mandrokles bei Herod. IV, 88, wo ygat/todui, ge- 
nommen wird = maleu lassen; 2) leugnet, dass die bei Visconti M. 
Piocl. III, p. 85 besprochene statue des Menander die von Paus. 1, 
21, 2 erwähnte sei; 3) bespricht den östlichen fries des Niketempels 
auf der akropolis zu Athen; 4) bezieht sich auf ein in der Archäol. 
ztg. 1863 taf. 172 publicirtes relief; 5) bringt beitrage zu der Hope'- 
schen vase und dem Sarkophag von Wiltonhouse, eine vertheidigung 
gegen Jen. Lit. Ztg. 1874, nr. 23. — Carl Robert, zur tabula Iliaca 
des capitolinischen museums , p. 106 — 109; sucht ganz genau festzu- 
stellen, was jetzt noch auf dem original zu erkennen ist. — P. Per- 
ranoglu , Athene Lemnia des Pheidias, p. 109. — P. Weizsäcker, die 
aufstellung der bildwerke in den propyläen zu Athen, p. 110. — 
JH. Brunn, der wiener Iokopf, p. 112. — Berichte: aus dem britischen 
museum, p. 112; bericht über die festsitzung des archäologischen in- 
stituts in Rom, p. 113; über die Sitzungen der archäologischen gesell- 
schaft zu Berlin vom 6. Januar, 3. februar, 4. märz, 14. april, 5. mai, 
2. juni, 7. juli 1874. — Berichtigung von 31. H. zu Arch. Ztg. 1872, 
taf. 12, nämlich dass die fig. 2 nicht ein gebäck sondern einen 
schinken in der band halte, wonach anzunehmen, dass selbige einen 
koch darstelle. 



Nr. 2. Febrnar 1875. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als erganzung des Pliilologus 



Ernst von Leutsch. 



37. Nomi locali del Napolitano derivati da gentilizi Italici 
di Giovanni Flechia. Stamperia reale di Turin di G. B. Paruvia. 
1874. (Separatabdruck aus dem Atti della reale Accademia 
delle Scienze di Torino, vol. X). — 

Unter den italienischen Sprachforschern ist einer der be- 
kanntesten der professor der Universität Turin Giovanni Flechia. 
Zu den mannigfachen Studien, welche dieser gelehrte behufs 
einer historischen grammatik der italienischen spräche anstellte, 
gehört auch obige treffliche abhandlung. 

Es giebt in Italien eine anzahl Ortsnamen, die ohne zweifei 
aus altitalischen eigennamen entstanden und mit dem celtischen 
suffix — aco oder dem lateinischen — ano gebildet sind. Dass 
man mit dem suffix ano seit uralter zeit in Italien Ortsnamen 
bildete, zeigt Corssen (U. d. Spr. d. Etrusker I, p. 336), wo 
das etruskische pach-ano (paganus) erwähnt wird neben den 
lateinisch - etruskischen städtenamen Hort-anu-m, Su-ana, Tusc- 
an-ia. In der kaiserzeit bildete man mit diesem suffix adjectiva, 
die mit Wörtern wie fundus, villa, praedium u. s. w. die besitzer 
bezeichneten. Später wurden die beiworte eigennamen. Dass 
dies schon früh geschehen, zeigt die pompejanische inschrift: 
venies ad Gabiniu (m), wo Gabinianum ohne zweifei aus einem 
praedium Gabinianum entstanden ist. 

Ortsnamen auf — aco findet man besonders in Norditalien. 
Die meisten auf — ano gehören dem neapolitanischen Sprach- 
gebiete an und gerade diese sind in Flechia's schrift untersucht. 

Der erste theil der abhandlung bespricht die süditalienischen 
Sprachgesetze, um der Interpretation einen festen grund zu geben. 
Philol. Anz. VII. 5 a 



fö äö. Grammatik. $fr, 2. 

Es folgen dann fast 300 Ortsnamen, deren italischer Ursprung 
mit kurzen bemerkungen nachgewiesen ist. Die mehrzahl weist 
ihre ursprüngliche form ganz leicht auf. So namen wie Aci- 
liano, Aquilano , Giuliano u. s. w. von Acilius (Acilianum), 
Aquilius (Aquilianum) Iulius (Iulianum) u. s. w. Andere 
aber bedürfen grössern Scharfsinn und grosse kenntniss der 
Sprachgesetze: so Occiaao (Oppius, Oppianum), P ettoriano 
(Pictorius, Pictorianum), Prepezzano {Propertius, Propertianum) u. s. w. 
Wer die grosse bedeutung der Ortsnamen für die ethnogra- 
phie kennt, der muss dieser dissertation seine vollste aufmerk- 
samkeit zuwenden, da sie manche willkürlichkeiten beseitigt hat. 
Es ist bekannt, dass die forscher über die urbewohner der ita- 
lischen halbinsel ihre conjecturen die meistens ganz grundlos 
waren durch Ortsnamen zu befestigen suchten. So z. b. gilt dies 
vom prof. Padula, der überall semitische Ursprünge finden will, 
in Süditalien namentlich bei einer reihe von namen aut ■ — ano, 
die er mit hebräischen Worten zusammenbringt. Es genüge nur 
den namen Valenzano zu citiren, den jener aus dem hebräischen 
Ba — Jcal — haschan (habens fumum) ableitet, während er 
ohne zweifei auf Valentianum von Valentins zurückweist. Solche 
fantasien sind jetzt nicht mehr möglich. Somit sind diese Studien 
von grosser Wichtigkeit, weil blos wenn die italienischen dialecte 
in dieser weise gründlich untersucht worden sind, man für die 
ethnographischen Untersuchungen einen festen grund gewin- 
nen wird. 

G. G. 

38. Versuch einer Charakteristik der römischen Umgangs- 
sprache, von 0. Eebling. — Vor dem 'Jahresbericht über die 
Kieler gelehrtenschule von ostern 1872 bis ostern 1873.' — 
27 pp. 4o. (Berlin, Calvary und comp. 10 sgr.) 

Dieser versuch auf einem, wie schon Pott (p. 8) bemerkte, 
mit unrecht lange vernachlässigten gebiete bezeichnet sich selbst 
p. 20 als ein nur die hauptsächlichsten gesichtspunkte ins äuge 
fassender und auf eine kleine beispielzahl sich beschränkender. 
Er verzichtet also auf Vollständigkeit in jeder beziehung und 
zeigt in der that, zumal auch die anordnung unklar und die aus- 
arbeitung flüchtig ist, einen fragmentarischen charakter und un- 
bestimmte umrisse. Eichtiger dürfte es gewesen sein entweder 



ffr. 2« 38. Grammatik. 71 

eine vereinzelte partie des weitschichtigen materials er- 
schöpfend durchzuarbeiten und sei es auch nur aus einem be- 
stimmten verfasserkreise (z. b. die metaphoren — aus den pal- 
liaten) , oder eine schärfer begränzte , möglichst lebhaft , klar 
und übersichtlich geschriebene skizze zu geben von allen 
eigenthümlichkeiten und diese mit musterbeispielen zu belegen. 
Was in ersterer weise auf kleinem räume geleistet werden kann, 
und was für lichtstrahlen schon von hier aus auf einen grossen 
umriss zweiter art fallen können, lehrt der vorzügliche aufsatz 
Wölfflin's 'Bemerkungen über das Vulgärlatein 1 im Philol. 
XXXIV, p. 137 — 165, der berichtigend und ergänzend zu wesent- 
lichen partien des Versuches von Bebling hinzutritt. Vielleicht 
giebt uns auch dieser gelehrte bald eine solide und sauber aus- 
geführte arbeit der einen oder der anderen art, wozu ihn seine 
gewiss reichen Sammlungen und sein geschick im auffinden und 
behandeln des hierher gehörenden befähigen dürften. Bei Bebling 
ist die innegehaltene methode der einzelnen Untersuchungen, wenn 
auch nicht die einzig zulässige, so doch gut gewählte ; die grenzen 
derselben (p. 5) , die verschiedenen stufen in der Volkssprache 
selbst (p. 6), ihre unterschiede (p. 8 — 10), sind gewiss richtig 
getroffen. Die höchste bildet nun eben der sermo cotidianus, den 
auch die gebildeten redeten , besonders wenn sie sich gehen 
Hessen und zum bequemen umgangstone hinabstiegen. In for- 
meller beziehung stand er dem reinen sermo urbanus wohl gleich, 
handhabte aber die syntax und die phraseologie freier , was 
sogleich, etwas unorganisch, durch einige vorweggenommene bei- 
spiele gezeigt wird : durch bene = rnultum bei adjeetiven, durch 
die zahlreichen composita mit con (gehören zur Wortbildung p. 
14 f.), durch den prädicativen gebrauch mehrerer adverbia bei 
esse und fieri. Für das erste und zweite mnss Wölfflin p. 140 
f. und p. 158 ff. herangezogen werden, noch weit mehr p. 138 f. 
für die bei Bebling p. 8 sehr ungenügend aufgezählten quellen. 
Imfolgenden stellt nun der verf. zuerst die mehr äusser- 
lichen beitrage zur gestaltung der einstigen römischen Volks- 
sprache zusammen (p. 10 — 13): vereinzelte sjmren bei den Ver- 
tretern des reinen classicismus, zahlreichere bei literarisch unge- 
bildeteren Schriftstellern, reminiscenzen aus der altlateinischen 
poesie bei den archaisten u. a. bis zum romanismus hinab — 
und sucht dann die inneren momente hervor, die den wichtig- 

5 * 



72 08. Grammatik $*. 2. 

sten einfluss ausgeübt haben mögen: die lust an zahlreichen 
neuen und kühnen bildungen p. 13 — 15, die aus der lebhaftig- 
keit der rede und dem streben nach deutlichkeit und nachdruck 
entspringenden phraseologischen eigenthümlichkeiten p. 15 — 17, 
die dem bildungsgrade und dem anschauungskreise der mittleren 
und niederen volksklassen entsprechende wähl der ausdrücke 
p. 17 — 20. Diese drei abschnitte sind das beste des Eebling'- 
schen Versuches : sie enthalten manches interessante , treffende 
und anregende; anderes ist freilich in auffallender weise zu kurz 
gekommen , wie die syntaktischen eigenheiten p. 15, oder nicht 
einmal angedeutet, wie die im komödiendialoge so zahlreichen 
asyndeta begriffsverwandter Wörter. Ueberall aber drängt sich 
beim durcharbeiten (denn zum blossen durchl e s e n ist die arbeit 
nicht) der wünsch auf, dass die (oft auch verdruckten) citate 
nach einem festeren principe und mit ganz anderer Sorgfalt ge- 
geben worden wären. Das gegebene kann an umfang gering 
sein, aber dieses geringe stehe vollständig und genau ausgeführt 
da. Hier hingegen liegt gar zu viel nur angefangenes oder 
halbfertiges vor : überall muss nachgeprüft, berichtigt, vervollstän- 
digt werden. Seinem p. 11 anm. angedeuteten principe, nur die 
in den lexicis nicht enthaltenen stellen genau anzugeben, bleibt 
der vf. nicht immer treu: sonst hätte er z. b. die vielen sprich- 
wörtlichen redensarten mit manus p. 18 kurz abgemacht und 
statt ihrer weniger bekannte metaphern gesetzt, die die Um- 
gangssprache in menge vom körper, von der wohnung, vom täg- 
lichen leben entlehnt. Und wenn p. 11 die sechs stellen für 
quantusquantus nach Verfasser und Schrift bezeichnet werden, warum 
dann nicht noch in einer viertelzeile die zahlen dazu geben? 
Ebendaselbst hätten Zusammensetzungen wie ubiubi, undeunde, 
circumcirca , transcontra angedeutet werden sollen, die jetzt auf 
p. 17 isolirt dastehen. Von ungenauigkeiten bemerkt man auf 
jener p. 11 (um bei dieser zu bleiben): degrumari für degrutnare 
Ennias [Ann. 430], Lucilius multigrumus für Lucilius [sat. III, 5 
Müller] degrumabis, Laeuius ap. Gell. XIX, 7, 15 multigrumus; bei 
suppetias hätte suppetiari nicht fehlen sollen, das auch Cic. Ep. ad 
Att. XIV, 18, 2 gelesen wird und bei Apuleius öfter vorkömmt. — 
Am Schlüsse p. 20 — 27 sammelt Kebling, 'um auch etwas ganzes 
zu bieten, das der gesammtuntersuchung zu gute kommen könne, ' 
die in der schritt des älteren Seneca Sent. diuis. col. vorkommen- 



Nr. 2. 39. Homeros. 73 

den spuren mehr oder weniger volkstümlicher ausdrucksweise, 
eine interessante und dankenswerthe Zusammenstellung, zu der 
wir uns nur die kleinen bemerkungen erlauben , dass die con- 
struction supplicare alicpiem p. 23 nicht ohne analogien bei 
Plautus ist, s.Most. 181 L. ; dass die erklärung des ergo p. 24 
bedenklich erscheint, vgl. Piniol. XXXII, p. 235 ff., und dass 
malum habere (p. 26) auch Cic. de legg. I, 14, 41, hoc deerat 
'das fehlte nur noch' (p. 27) auch Cic. Verr. 2, 5 stehen. 

Aug. O. Fr. Lorenz. 

39. Homerische Studien. Beiträge zur homerischen prosodie 
und metrik von W. Hartel. 2. aufl. Berlin 1873. 8°. IV 
und 130 s. — 3 mk. 

Mit umsichtiger benutzung der einschlagenden momente, 
namentlich der etymologie und den messungen von Brücke, unter- 
sucht Hartel zuerst die kurzen vocalisirten auslaute, welche vor 
einfacher oder als einfach erscheinender consonanz verlängert 
werden. Für das i des dat. singularis und das u des neutr. plu- 
ralis nimmt er ursprüngliche länge in ansprach. Sonst schreibt er 
wohl mit recht, wenn auch gegen Curtius u. a., der liquida und 
dem ß in folge ihrer physiologischen beschaffenheit gewisser- 
massen eine länge d. h. eine vollere ausspräche zu, durch welche 
die liquida z. b. die consonantgruppen rm sn sr zerstöre und 
bei gewissen , nicht allen , stammen, auch wenn sie einfach sei, 
die kraft habe eine doppelconsonanz zu ersetzen und also im 
anlaut den vorhergehenden auslaut zu verlängern. Wie gewisse 
ursprüngliche lange vocale kurz wurden, andere lang blieben, 
so können nach Hartel die liquiden in gewissen stammen diese 
eigenschaft verloren, in andern länger bewahrt haben. Aller- 
dings bleibt noch die möglichkeit, welche Hartel nicht bespricht, 
dass diese sog. länge noch unbewusster rest einer doppelconsonanz 
war, wie wir ja auch im deutschen solche volltönende liquiden 
in 1 und r mit alten hauchlauten kennen, und im griechischen 
an dem Spiritus asper des o. Die längung de to%ov O 478 ist 
eine falsche bildung veranlasst durch die 75 fälle, wo de vor 
einer liquida lang wird, auch a 40 o 249 und das von Hartel 
hier nicht genannte ^45 fügen sich nicht den sonst gültigen 
normen. Im ganzen betreffen alle fälle, wo auslautende kürze 
vor einfachem consonanten lang erscheint, eng zusammengehörige 



74 39. Homeros. Nr. 2. 

worte ohne interpunction. In der zweiten grossen masse hieher 
gehöriger falle, wo consonantischer auslaut vor vocalischem anlaut 
gelängt wird, wirkt eintretende interpunction mit in 172 bei- 
spielen von 417. Warum sie dies kann ist sehr sorgfältig nach- 
gewiesen, indem durch vergleichung der position von muta cum 
liquida die versstellen aufgefunden werden, an welchen der Vor- 
trag eine hemmung durch doppelten anlaut verträgt oder nicht 
verträgt. Die fälle ohne interpunction anlangend, so ist die 
längung gerechtfertigt bei den silben, welche ursprünglich von natur 
lang waren. Zu diesen gehören ig iv vg vv 3 die dualendung — 
iv fiiv tiqIv ndliv, die verbalendungen — uv ov als aus avx 
ovt entstanden, 6ufiuQ,iiir du[x(xoQ, tiuq x 242 für tiuqq und sogar 
xiv fjtiv yug. In sehr vielen fällen wird ursprünglich conso- 
nantischer anlaut des folgenden Wortes angenommen, sogar für 
^I&dxq. Endlich wird die wortform als entschuldigung für 
längung angeführt, da ja (Toiptorigog und rjvs/josig sogar in der 
schrift den versuch die längung auszudrücken zeigen. Auch 
für den schwindenden Spiranten z. b. in vrjpag dipog nimmt 
Hartel das recht in anspruch, den folgenden vocal mit hilfe der 
arsis zu längen. So bleiben ihm nur 248, 6 62, & 283, 
ferner A 27 ov löqioaa wo er nicht auf (cp)[dgcüGa recurrirt 
und in der ersten arsis , welche die freiheit der uxicpuloi hat, 
X 236 ß 154 als ungerechtfertigt zurück; eine überraschend 
kleine zahl, die allerdings sich um ein geringes mehrt, wenn 
man die eine oder andere seiner früheren erklärungen nicht 
billigt. Im grossen und ganzen muss man anerkennen, dass 
das gebiet der willkürlichkeiten innerhalb der homerischen verse 
in engere grenzen eingeschränkt ist als man bisher zu glauben 
geneigt war. 

Giseke. 

40. De differentia orationis Homericae et posteriorum epi- 
corum in usu epithetorum certis substantivis vel certo substan- 
tivornm generi plus minus firmiter adhaerentium. Scr. G. 
Kopetsch. Programm. 4. Lyck, 1873. — 20 s. 

Der weite abstand, der die spräche Homer's von der seiner 
nachfolger trennt, kann kaum lebendiger vor äugen geführt 
werden, als durch die stehenden beiwörter Homer's in ihrer er- 
scheinung bei den spätem. Daher ist eine solche zusammen- 



Nr. 2. 40. Homerös. 7ä 

Stellung auch nach der arbeit von Th. Fischer ein verdienst- 
liches werk. Um aber belehrend zu sein, muss sie den gang 
der Veränderung nach den unterschieden der bedeutungen son- 
dern und z. b. sichtbar machen , welche adjectiva in derselben 
bedeutung wie bei Homer, nur andern Substantiven beigegeben 
werden, welche auch die bedeutungen ändern, und bei welchem 
dichter sie das thun , endlich ob in dieser änderung ein gesetz 
erkennbar wird das sich auf mehrere adjectiva erstreckt. Vf. 
betrachtet aber jedes adjectivum allein für sich und zerreisst 
dadurch den Zusammenhang , selbst beim einzelnen adjectivum 
fängt er erst im zweiten theile seiner arbeit an die entwickelung 
der bedeutung anzugeben, die adjectiva selbst aber ordnet er 
nach den Substantiven mit denen sie Homer verbindet, so dass 
solche, welche ähnliche entwickelung genommen haben von ein- 
ander getrennt werden und man statt eines gesammtbildes so 
viel einzelbilder erhält als adjectiva sind. Schon die Überschriften 
deuten an, wie äusserlich geordnet ist, z. b. pars 1 cap. 2 de epithetis 
quibus Homerus lieroes potissimum exornat ; cap. 3 de epithetis ho- 
minibus ab Homero attributis. Sind denn die heroen keine men- 
schen? oder pars 2 cap. 2 de verum artificiose fabricatarum epi- 
tlietis und cap. 3 de armorum epithetis. Vollständige Sammlung 
der homerischen stellen war nicht beabsichtigt , aber von den 
Substantiven, welche bei Homer ein gewisses beiwort erhalten, 
sollte doch keines fehlen. Doch fehlt bei Iqidovnog dxrdu)v aus 
Y 50 und bei ilnloxa^o^ fehlen Tocoui dfiwuC ^AfidSua u/A(p(noXoi, 
xovgat Mvxr\vr\ und aus den hymnen 2s%yrrj ; bei aidoiog fehlt 
^/toc TiuQuxonig 479 und aus Hesiod JCxrj. Der laiög äfiat- 
fiuxeiog 5 311 kann nicht als auf Ulixes herabfallend gedacht 
werden , er schwimmt im meere und da ergreift ihn der schiff- 
brüchige, A 115 analöv r\iog geht nicht auf den körpertheil, 
sondern auf das zarte leben des jungen hirsches, x 226 ist noixtkog 
iXXög nicht das bunte thier, sondern das kunstwerk an der 
spange-, nolvxlvaiog hat auch bei Homer die passive bedeutung 
multum concussus, nicht die active valde adluens. Gisehe. 

41. Zur bildung der homerischen infinitivformen. Von P. M. 
Simmerle. Programm des gymn. zu Hall. Innsbruck 1873 
gr. 8°. 16 s. 

Die schrift ist ein kurzes referat aus den werken von Bopp 



76 42. Homeros. Nr. 2. 

L. Meyer u. a. : In ihr erklärt sich vf. gegen den ausfall des (ji> in 
— fiivui und also für zwei infinitivsuffixe — fievut und — (f)i'at, ver- 
wirft mit Renner die formen (pvyitiv für tpvyttv, erklärt den infinitiv 
für einen dativ nicht einen locativ mit Bopp , dem er auch in 
der hehandlung von XvGai, und XvGaad-m folgt. Dann gibt er 
ein alphabetisches verzeichniss aller infinitivformen auf — fisvut 
und — [xtv mit bezeichnung über die länge und kürze der letzten 
silbe vor vocalen und consonanten und endlich eine tabellarische 
Übersicht wie oft alle verschiedenen infinitive in den einzelnen 
gesängen beider gedichte vorkommen. 

Giseke. 

42. De Iliadis carmine quodam Phocaico; scripsit Her- 
mannus Usener, (gratulationsschreiben der Universität Bonn 
zur feier des 300jährigen bestehens der Universität Leyden). 
4. Bonnae 1875. 46 s. und eine tafel. 

Emperius hatte zuerst die vermuthung ausgesprochen, dass 
in der Ilias XI, 489 ff: 

AXag de Tqwsgöip inaXfisvog slXs /foovxXop 
JTgiapitSqv, vofrop vldv, s'ttshu Ss Ilävdoxov ovia, 
ovra 6s yivcavSoov xal IJvQaGov qds JTvXagTTjP, 
die spätere Umarbeitung eines älteren gesanges vorliege , in 
welchem Aias besungen wäre als erfolgreich kämpfend mit dem 
gott der unterweit Hades, welcher seine hände nach dem be- 
drängten lind verwundeten Odysseus ausgestreckt hatte : die 
vier namen Pandokos, Lysandros, Pyrasos und Pylartes seien in 
jenem älteren liede beinamen des Hades gewesen. — An diese 
entdeckung, welche Schneidewin (vorr. zu Emperii Opusc. p. IV) 
schon gebührend gelobt hat, knüpft Usener an. Da während 
der zeit, in welcher Menelaus und Aias auf den hülferuf des 
bedrängten Odysseus herbeieilen, Odysseus als in höchster gefahr 
schwebend in folgenden versen dargestellt wird, XI, 473 : 

UfMpl d'uo* UVTOV 

Tgiusg 'inovd^ wösC rs dacpotvol ß-iosg oQttiyiv 
475 äfitp' £?M(ßOv xegaov ßtßXrjfjivov, ovt (ßaX i uvijq 
Im utio vsvgrjg' rov fiiv r' rjXv^s nödsGßiv 
(pivywv, ocpg' aijja Xtaqov xal yovvax oqwqtj. 
avraQ imidri rovye Sa^aGGirui wxvg oißrög, 
w[AO(pdyoi fiiv #wfg ip ovqsGi, daoduTtxovGiv 



Nr. 2. 42. Homeros. 77 

480 (V vffisi (fxtzoäi' Int rt X7v rjyays Satfitov 

üCvtijv 3 weg fiiv rt diiroiöuv, nvruo o Saitin ' 
iSc Qa tot ctfjy ^OSvalria duupoovu noixiXoixr\xr\v 
Tgajsc 'inov nolXot ts xai alxi^oi, uvtuq oy ijgwg 
u'Cffßtüv w iyx H UfivvtTO vrjXssc rjfiao. 
485 AXo.g S'eyyv&sv rjXß-f, cptocov adxoc rjvts nvoyov , 

GTrj 3£ 7iuo£%' Towbc Je fiiitgstfav aXXvSic aXXo* — 
so meint Usener, die spitze des Vergleichs sei „ein löwe, welcher 
einen hirscli mit den zahnen zerfleischt." Er zeigt, dass das bild 
eines löwen (oder greifen), welcher einen hirscli (oder ein rind oder 
schwein oder dgl.) zerfleischt, zu den beliebtesten darstellungen 
der bildenden kunst seit den ältesten zeiten gehörte, und beginnt 
in seiner aufzählung der einschläglichen kunstwerke mit recht 
mit der assyrischen kunst, von der aus durch die Phoenikier 
diese darstellung zu Griechen und Etruskern und übrigen Ita- 
likern gekommen ist. Die Variationen, welche dieses thema in 
der bildenden kunst im laufe der zeit erfahren hat , werden 
fleissig gesammelt und geordnet. Wichtig sind namentlich die 
darstellungen von thiere zerfleischenden löwen in mannigfachen 
Variationen, welche sich 1) auf grabmälern (besonders Klein- 
asiens, seltener ausserhalb dieser halbinsel), 2) auf orientalischen 
münzen (besonders auch phoenikischen ; hervorgehoben werden da 
mit recht namentlich die lehrreichen münzen von Kitium , auf 
welchen einerseits Herakles den bogen spannend , andererseits 
ein löwe mit einem hirsch dargestellt ist) finden. Da nun ähn- 
liche offenbar dem Orient entlehnte darstellungen auf münzen 
von Phokaea, wo zuerst münzen mit reliefartigen bildlichen dar- 
stellungen geschmückt zu sein scheinen, und in Phokaea's kolo- 
nieen ähnliche thierscenen erscheinen , so argumentirt Usener 
unter benutzung der homerischen stelle etwa folgender massen : 
1) spätere darstellungen von löwen (oder ähnlichen thieren) 
welche einen hirsch (oder ähnliche thiere) zerfleischen, sind 
hervorgegangen aus einer ursprünglicheren darstellung , in 
welcher ein ein anderes thier zerfleischender löwe durch einen 
zur rettung des bedrängten thiers herbeischreitenden bogen- 
schützen verscheucht wird ; 2) die Phoenikier, Kyprier und 
Kilikier verstanden unter dem ein tlrier zerfleischenden löwen 
den dämon der unterweit, welcher um die verstorbenen mit den 
guten genien kämpft (geschickt wird p. 33 fgg. das bekannte 



78 42. Homeros. Nr. 2. 

1861 aufgefundene monument des Antipatros hierfür verwertetet ; 
auch aus den heiligen büchern der Hebräer die weite Verbreitung 
der Vorstellung des todesdämons unter dem bilde eines löwen 
erörtert); 3) der bogenspannende retter (Herakles) ist der 
günstige genius (oder gott), welcher des verstorbenen seele den 
händen der gierigen unterweit entreisst ; 4) in dem der be- 
treffenden stelle der Ilias zu gründe liegenden älteren liede war 
erzählt, wie der Hades nach dem rings umdrängten und ver- 
wundeten Odysseus gleich einem löwen haschte, der herbei- 
gerufene Aias aber als eine art rettenden genius den löwen 
(Hades) verwundete und verscheuchte. — So weit stimmen wir 
den geistreichen Schlüssen Useners in allem wesentlichen bei; 
wir wollen auch nicht sonderlich urgiren, dass in jenem gleich- 
nisse der Ilias das hinzukommen der schakale (mit denen die 
Troer verglichen werden) kaum genügend erklärt ist. Wenn 
aber Usener deswegen , weil Phokaea vermöge seiner ausge- 
dehnten handelsbeziehungen am ehesten phoenikischen aberglauben 
habe annehmen können , und weil grade die münzen von Pho- 
kaea jene thierscene dargestellt aufwiesen, schliesst, jenes der 
homerischen stelle zu gründe liegende ältere lied müsse in 
Phokaea entstanden sein und danach im titel seiner abhandlung 
sogar von einem Iliadis Carmen Phocaicum spricht , so können 
wir den beweis dafür nicht zwingend erbracht finden:- die 
möglich keit der entstehung in Phokaea wollen wir nicht 
leugnen; doch scheint uns auch jeder andere benachbarte ort 
Kleinasiens oder der in der nähe liegenden inseln mit kaum 
minderem rechte dafür in Vorschlag gebracht werden zu können. 
Jedenfalls ist eine so bestimmte meinung für den vf. misslich, 
welcher den holländischen philologen, wie er selbst sagt, ein 
möglichst sicheres forschungsresultat auf dem gebiete der home- 
rischen poesie vorlegen wollte. 

43. Ueber die fragmente des epikers Eumelos. Von dr. phil. 
E. G-. Wilisch. (Separatabdruck aus dem Zittauer osterpro- 
gramm.) 1875. Zittau. 8. Menzel. 1875. — 41 ss. 

Als zweck obiger abhandlung giebt der vf. an ' zu untersuchen, 
in welchem verhältniss Eumelos rücksichtlich der von ihm be- 
handelten stoffe zu seinen Vorgängern, Zeitgenossen und z. th. 
auch nachfolgern steht', p. 1. Er beginnt diese kühne aufgäbe 



Nr. 2. 43. Eumelos, 79 

mit dem versuch des dichters lebenszeit zu bestimmen , muss es 
aber bei dem resultat Marksclieffel's (Hesiodi cett. fr. p. 220) 
bewenden lassen, ' dass Eumelos in der ersten decade der Olym- 
piaden gelebt habe', p. 2. Dabei laufen aber manche unge- 
nauigkeiten unter: so wenn es j). 1 heisst, dass 'Eumelos die 
zeit des Archias , des gründers von Syrakus noch erlebt habe', 
denn woher das noch? im Clem. Alex. Stromin. 1, 21, 131, 
p. 144 Sylb. — das ist das richtige citat — steht es nicht. 
In der note p. 1 wird eben wegen Clemens ImßuXXsiv = in 
jemandes zeit fallen ausführlich erläutert : besser wäre auf Sturz 
zu Hellan. fr. p. 4 verwiesen, bei dessen beachtung vielleicht 
auch nicht aus Clemens a. o. geschlossen wäre, Eumelos sei mit 
Archias enger verbunden gewesen , da dies eben so wenig in 
dessen worten liegt, als die trotz Marksch. a. o. p. 218 als 
beachtenswerth aus E. Cnrtius Gr. gesch. 1, p. 256 angeführte 
vermuthung, Eumelos sei mit nach Syrakus gezogen; Curtius 
hat dies unvorsichtig 0. Müllern (Dor. II, p. 487 und sonst) 
nachgeschrieben, der übrigens in der Gr. LG. I, p. 178 deut- 
lich den irrthum erkannt und aufgegeben hat. Ungenau schreibt 
vf p. 2 : ' somit war er (Eumelos) Zeitgenosse einer wichtigen 
revolution in seiner Vaterstadt Korinth und im schoosse seiner 
familie ' : von der familie wissen wir nichts , vom geschlechte 
konnte nur geredet werden-, denn da nach Paus. II, 1, 1 
Eumelos zu den Bakchiaden gehörte , ausserdem in hohem an- 
sehen stand, kann er an den politischen ereignissen seiner Vater- 
stadt irgendwie betheiligt gewesen sein : näheres wissen wir nicht. 
Noch anderes bekannte wird auf p. 2 erwähnt, auch dass irr- 
thümlich manche gelehrte zwei Eumelos als Schriftsteller unter- 
schieden hätten : mich durfte der vf. aber unter diesen nicht 
nennen, da ich diesen 'irrthum' schon in der Hall. Lit. Ztg. 1831, 
nr. 188, p. 218 aufgegeben habe. 

Doch diese dinge gelten unserm vf. nur für nebenfragen; 
schon p. 3 wendet er sich zu dem dichter, dem ' wohlsänger' 
wie er sagt, also wohl falsch Welcker'n folgend, da der name 
nur von fir;Xa = kleinvieh herkommen kann. Vor allem musste 
nun festgestellt werden, welche gedichte mit Sicherheit dem 
Eumelos beizulegen : da das nicht geschehen und somit die 
Untersuchung jedweder grundlage ermangelt, hat der vf. seine 
aufgäbe nicht lösen, die frage nach der Stellung des Eumelos 



$0 43. Eumelos. Nr. 2. 

gar nicht fördern können : das was wir nun in der kürze zeigen 
wollen. An die spitze der Untersuchung, nicht p. 41, musste vf. 
das allein unzweifelhaft dem Eumelos gehörende aöfia ngoöödiov 
dg Jqlov stellen, was nach Pausan. IV, 4, 1 Eumelos für die 
Messenier dichtete , das älteste uns bekannte sichere beispiel 
eines für bestimmte zwecke bei einem dichter bestellte lied, ein 
fall, den Pind. Isthm. 1, 1 sq. erläutert; es ward von einem 
Xoqoq uvdowv ausgeführt und zwar bei einer &vatu des Apollon, 
also wohl in dessen tempel auf Delos, eine Situation, der Pind. 
Scol. fr. 2 zu vergleichen-, geschrieben war es in hexametern, 
wie Paus. IV, 4, 1. 33, 3 und das freilich lückenhaft (vrgl. 
Emper. Opusc. p. 343. Bergk. PLGr. 3 p. 811) erhaltene 
bruchstück des liedes darthut, diese aber in dorischem dialekt, 
wie abgesehen vom bruchstück auch aus Paus. V, 19, 2 folgt, 
weshalb man hier nicht an epische, sondern an lyrische hexame- 
ter je zu 12 x 12 zeiten zu denken hat : dies ganze hat dann der 
dichter dem chore eingeübt, so dass bei der aufführung getanzt 
wurde; daher lötdu^sv bei Pausanias, vgl. jjoxrjasv Hom. II. 2, 
592, Philol. Suppl. bd. I, p. 78 tigg. Demnach fasst 0. Müller 
Gr. LG. — auch ein wie es scheint Wilisch unbekanntes buch 
— I, p. 179 das uff/j,u irrthümlich als epischen hymnus, wovon 
schon Marksch. 1. c. p. 243 hätte abhalten sollen, richtig stellt 
es dagegen Bergk PLGr. 3 p. 811 zu den poetae rnelici , jedoch 
ohne grund , wie sich unten zeigen wird , vor Terpandros. Es 
gehört nämlich in die kategorie der ngooifjm xb&uQmdtxa iv 
k'ntffi des Terpandros; die da geübte kunst trug Eumelos auf 
das nooaödvov über und wohl so, dass ein theil desselben auf dem 
wege zum tempel vorgetragen wurde , vgl. Pind. Ol. V ; nach 
anleitung der Titanomachie denken wir den kitharisten in der 
mitte, das ganze heiter, s. Welcker Ep. kykl. II, p. 557, Philol. 
1. c. p. 81 , vielleicht mit rücksicht auf die kunstvollen auffüh- 
rungen auf Delos, Hom. h. in Apoll. Del. 157 fg. mit Baumeister, 
O.Müller im ind. lect. un. Gotting. 1836 p. 16 f. Welcker Ep. 
Kykl. I, p. 372. Damit zu diesem formellen das lied selbst stimmte, 
musste es in sich entsprechende massen zerfallen, entweder in vier, 
und so an die alte weise des Chrysothemis anschliessend, s. Philol. 
XXIX, p. 294, oder in fünf nebst unterabtheilungen nach Terpan- 
dros, s. Philol. a. o. p. 549 : um aber trotz des mangels solcher lie- 
der wenigstens im kleinen zu veranschaulichen, wie in daetylischen 



13t. 2. 43. Eumelos. 84 

liedern von der art unseres jigocodiov symmetrische composition 
erreicht wurde, nehmen wir Homer zu hülfe, wo der schon von 
den alten völlig verkannte dQqvog der Andromache in Hom. IL 
X, 477 die theilung in vier massen erkennen lässt; er zerlegt 
sich in 10: 9—9: 10: dazu vrgl. Piniol. XXIX, p. 284. So 
offenbart sich im Eumelos der älteste uns namentlich bekannte 
und historisch feststehende xogodidaGxakog: da sein lyrisches 
werk nach den alten selbstverständlich aufgeschrieben war, so 
muss er nach Terpandros gelebt und gedichtet haben ; denn des 
Terpandros lyrische leistungen sind die ersten lyrischen durch 
die schrift fixirten gewesen: Suid. s. TtQTtavdgog, ein umstand, der 
bei der bestimmung der lebenszeit des Eumelos wohl zu beachten. 
Der auftrag zn diesem den Messeniern so wichtigen tiqogo- 
Stov konnte dem Eumelos nur als einem sehr bekannten und 
bewährten dichter werden : woher also sein rühm ? Zunächst 
wohl von seiner vornehmen abstammung, Pausan. II, 1 , 1 : seit 
anfang der Olympiaden finden sich öfter dichter aus alten ge- 
schlecbtern — Arktinos , wie es scheint, Archilochos , Simonides 
von Amorgos, Tyrtaios u. a. — und tritt auch dadurch diese 
zeit in gegensatz zu Homer und Hesiod, zu Demodokos und 
Phemios. Dann aber von seinem auftreten in den uycui'eg fiov- 
ctxoi, wie in denen am feste des Zeus Ithomatas nach 0. Müller's 
vermuthung, Gr. LG. 1. c. , dagegen freilich Marksch. 1. c. p. 
278 : da trat er auf sowohl als hesiodeischer rhapsode als auch 
als epiker: grade dadurch ward das aGfiu berühmt, indem in 
der guten zeit der griechischen poesie nur selten wirkliche dichter 
in so verschiedenen gattungen wie epos und lyrik arbeiten; dem 
Eumelos ist in dieser hinsieht Asios verwandt. Aber was für 
epen anderer hat denn Eumelos rhapsodirt? welche selbst ge- 
dichtet? Ueber erstere, auf die wir unten zurückkommen, 
schweigt die Überlieferung gänzlich, von den andern berichtet 
sie schwankend und unsicher : nur dass er epiker gewesen, steht 
fest. Aber das kümmert unsern vf. gar nicht: was irgend dem 
Eumelos einmal beigelegt worden, glaubt er zu dessen Charak- 
teristik heranziehen zu dürfen und bespricht demgemäss von p. 
27 an die Überbleibsel aus der Europia — so schreibt Wilisch 
— , der Titanomachie, den Nosten: nämlich die sagen vom sonnen- 
wagen p. 28, von dem in Lykien geborenen Zeus, von Dionysos 
und Lykurgos p. 29, von Amphion und der leier p. 31, von 



82 43. Eumelos; $& J£ 

Nymphen p. 36, den Flussmusen p. 38 u. s. w., also ausschliess- 
lich mythologisches ; es gelangt aber dadurch der vf. nicht zu 
seinem ziele: denn theils sind die sagen nach falscher methode 
behandelt, theils gehören sie gar nicht hierher. Ersteres ergiebt 
sich schon aus der p. 28 hervorgehobenen grundansicht, 'dass 
immer drei stufen Homer, Hesiod, Eumelos unterschieden worden 
sind, womit gewiss in der hauptsache das richtige getroffen wird, 
dass aber ' u. s. w. : denn es ist, mein' ich , bereits genügend 
erörtert , dass , da die entwicklung des homerischen und hesio- 
dischen epos auf ganz verschiedenen wegen und unabhängig 
von einander vor sich gegangen , ein hesiodeischer mythos nicht 
ohne weiteres als jünger als der homerische anzusehen, dass 
ersterer vielmehr der ältere sein kann; dass vf. dies nicht be- 
achtet, erklärt sich zumeist, wie schon mehrfach hier angedeutet, 
aus seiner so mangelhaften kenntniss der neueren forschungen; 
um nur eins zum beweis hervorzuheben , die Untersuchung über 
Amphion und die Xiqa wäre ganz anders ausgefallen, hätte vf. 
"Westphal's vortreffliche Untersuchungen in der geschichte der 
alten und mittleren musik I, p. 87 figg. berücksichtigt. Aber 
ich sagte auch — und das erscheint hier als das wichtigere — 
dass diese erörterungen gar nicht hierher gehörten: nämlich 
mit welchem rechte schreibt denn "Wilisch die oben genannten 
epen dem Eumelos zu? Kein alter thut das: wo einer von 
diesen den Eumelos als den Verfasser eines dieser epen nennt, 
geschieht es nur mit vorbehält: dazu kommt, dass so viele epen 
einem dichter in dieser zeit beizulegen , dem Charakter eben 
dieser zeit, in der ein epiker nur ein epos verfasst, entschieden 
widerspricht: wenn gleichwohl Eumelos unter den Verfassern so 
manchen epos genannt wird, so folgt daraus nur, dass er diese 
und zwar mit beifall rhapsodirt hat, eine folgerung , welche zu- 
gleich die oben nicht gelöste frage nach den von Eumelos rhap- 
sodirten epen anderer dichter beantwortet. Aber lässt sich denn 
nicht das epos des Eumelos näher bestimmen? Wir wollen 
sehen. Es scheint der scholiast zu Hom. II. £, 131 ihm ohne 
zweifei die EvqwtveIu — dies die richtige form — beizulegen 
und könnte man darin Aristarch's ansieht finden wollen; allein 
die form des citats b ir t v Eigiumav (sie) mnöttjxuig Ev^Xog 
verräth ausfall mehrerer worte : also nrsprünglich stand da . . . 
mnoiqxüus iXu Evfiijlog törtv rj — , es zweifelte Aristarch in 



Nr. 2. 44. Eumelos. 83 

betreff des Verfassers : diesen zweifei kräftigen die fragmente, 
in welchen von Theben, von Delphi die rede: wie kommt der 
korinthische adlige zu diesem stoff? — Wir gehen znr Titano- 
machie, welche man am sichersten nach der tafel im Corp. Inscr. 
Gr. T. III, nr. G129, p. 813 dem Telesis von Methymnä giebt; 
sie, ein hesiodeisches epos , wie ausser den Titanen die art wie 
Chiron in ihr erscheint, erkennen lässt, zeigt dass diese gattung 
anfLesbos heimisch, was gut zu Terpander passt, der bekanntlich 
mit Hesiodos in eine Verbindung gebracht wird : erst später — 
denn Telesis , der neben Arktinos und Eumelos erscheint , muss 
doch um ol. X fallen — kam mit Lesches das homerische epos 
auch dahin. Auf diese auch heiteres enthaltende Titanomachie 
dürfte Pind. Nem. III, 43 hg. zurückzuführen sein, nicht mit 
Bergk Griech. LG-. I, p. 1008 auf die nuquiviöHq XeCgtovog, 
zumal dieser durch die zurückführung der pinclarischen stelle 
auf diese naouivianq zu einem dem hesiodeischen brauch gerade 
zu widersprechenden prooemium für diese verleitet worden. Dies 
die Titanomachie : die vöörov aber können schon als homerischer 
stoff von Eumelos nicht herrühren, auch haben sie in Hegias 
von Trözene einen besser beglaubigten Verfasser. So kommen 
wir zur Bovyoviu, über welche Wilisch p. 3 not. eine unhaltbare 
vermuthung aufstellt, weil ihm Bergk's abhandlung über sie in 
Eitschl und Welck. Ehein. Mus. I, p. 366 unbekannt geblieben: 
über ihren Verfasser schwankten die alten auch , vielleicht 
zwischen Eumelos und Aison, welcher letztere freilich nur dem 
namen nach aus Schob ad Pind. Ol. XIII, 31 uns bekannt ist: 
ihn will Bergk PLG 3 , p. 1195 durch Kivai&wv verdrängen, 
aber doch nur durch eine aller wahren kritik widersprechende 
vermuthung. 

Fassen wir dies zusammen, so ergiebt sich, dass wie auch 
Wilisch p. 27 nicht verkennt, diese epen speciell für die er- 
kenntniss des poetischen Charakters des Eumelos kaum etwas 
bieten-, daher werden dann als hauptquelle die angeblich von 
Eumelos verfassten Kooirdiuxu angesehen und die überbleibsei 
derselben p. 4 — 27 sorgfältig behandelt: aber auch die hieraus 
gezogenen resultate erscheinen bei näherer prüfung als sehr 
zweifelhafte. Denn bedenken erregt das wort Kooiröiaxu als 
titel eines alten epos ; man pflegt ihn zwar mit den sg. Navnüx- 
na oder Nnvnuxuxu zu vertheidigen ; aber dies epos ward ur- 



84 43. Eumelos. Kr. 2. 

sprünglich wohl Navnaxiiduiv xuidkoyog genannt. Daher be- 
zeichnet Koqivd-uuxd im Schol. ad Apoll, Rhod. Arg. 1, 146, 
der einzigen stelle, wo es mit Eumelos verbunden vorkommt, 
ein prosaisches werk und zwar dasselbe, was bei Pausan. II, 1, 1 
KoqivSlu cvyyquyri heisst, ebenfalls prosaisch, wie schon Marcksch. 
a. o. p. 223 bewiesen: dafür spricht auch Igioqwv bei dem 
scholiasten, wird auch iGtoqbiv ab und zu von dichtem gebraucht: 
da ein derartiges buch nicht vor ol. 60 geschrieben sein kann, 
wie kommt Eumelos dazu für dessen Urheber zu gelten? eine 
frage, welche auf den ersten blick dadurch sich noch mehr zu 
verwickeln scheint, dass diese Gvyyqucpi] mit einem epos des 
Eumelos merkwürdig übereinstimmt, vrgl. Scholl, ad Pind. Ol. 
XIII, 74 und Pausan. II, 3,10. Aber gerade diese Überein- 
stimmung führt nebst dem zweifei des Pausanias (II, 1 , 1) auf 
das wahre; denn sie bezeugt doch nur, dass der Verfasser der 
Gvyygutpq ein epos des Eumelos benutzte, ferner dass dieser Ver- 
fasser, indem er sich den namen Eumelos beilegt, lediglich auf 
täuschung ausgeht und somit ein späterer Grieche oder ein Jude 
aus der classe der Aristotulos ist und frühestens in die ältere 
alexandrinische zeit gehört. Hieraus erklärt sich nun auch, 
was Clem. Alex. Stromm. VI, 2, 26, p. 267 Sylb. ausschreibt: 
tu öe ' Hauodov y,ixr[lh/§av (ig ns^öv Xöyov Ehfi,rjXvg re xui 
^AxovGiXuog ol iGiogioyoucpoi: denn wie die hier angezogenen 
Schriften des Akusilaos untergeschobene sind, Suid. s. ^AxovGi- 
laog, Welcker Kl. schrift. I, p. 433, so selbstverständlich auch 
die des Eumelos, welche keine andere sein können, als die Ko- 
qiv&iuxu , welche demnach nicht bloss ein epos des Eumelos, 
sondern auch die epen des Hesiod und daher auch noch anderes 
für ihre zwecke compilirt und verdreht haben; grade diese be- 
nutzung alter epiker offenbart spätem betrug, weil solche be- 
nutzung bei den logographen man vergeblich sucht. Darnach 
ergiebt sich die Gvyyquyri klärlich als eine sehr bedenkliche 
quelle für Eumelos, im dunkeln aber bleibt welches epos dieses 
Korinthiers sie benutzte, da es unter den bisher hier genannten 
sich nicht befinden kann. Vergleicht man darauf hin die spär- 
lichen Überbleibsel , so dürfte das wahrscheinlichste sein , dass 
Eumelos ysvsaXoyiut der korinthischen adelsgeschlechter in der 
weise des hesiodeischen xardXoyog yvvcuxöjv , des Kinaithon und 
Asios (Paus. IV, 2, 1: Marcksch. 1. c. p. 248) verfasst und in 



Nr. 2. 44. Theophrasfos. 85 

sie viel aus der alten sagengeschichte Korinth's verwebt habe; 
dies gedieht ist früh verloren gegangen, weshalb der scholiast 
zum Apollonios von Rhodos wie Pausanias statt seiner die ovy- 
yqucpri benutzten und deren unzuverlässigkeit nicht erkannt haben. 
Wenn also Wilisch p. 9 sagt: 'Eumelos führt zuerst Ephyra 
als person ein und giebt dem Helios Antiope zur gemahlin; der 
sikyoniscke Asopos tritt dem Aloeus , welcher ohne beziehung 
auf seine söhne, die Aloiden, erscheint, Sikyon ab ; Aietes ist 
im besitze von Ephyra und wandert von da nachKolchis; Bunos, 
Epopeus, Marathon und vor allem der heros eponymos Korinthos 
verdanken dem werke unseres dichters ihre entstehung oder 
doch erste nennung, wie er auch als schöpfer des Idmon, des 
sehers der Argonauten, erscheint, einer von da unentbehrlichen 
figur auf der Argo. Gelegentlich mochte er auch hier der 
Sinope erwähnung thun. Den Hesiod setzt Eumelos fort, indem 
er Iason und Medea aus Iolkos nach Korinth holen lässt und 
so die grundlage für die ganze spätere geschichte der Medea, 
den kindermord und die trennung von Iason schafft' — wenn 
er dies sagt und als resultat hinstellt, so ist das meiste davon 
wegen der Unlauterkeit der quellen zu streichen, zugleich auch 
dem schon oben gegen die hier angewendete methode bemerkten 
hinzuzufügen , dass darin wie auch in den recapitulationen p. 
19 und p. 22 eine dem griechischen epiker alter zeit ganz 
fremde thätigkeit erscheint ; so' spricht man von einem historiker 
oder von einem Alexandriner. Nach unsern so spärlichen 
quellen schloss Eumelos im epos der hesiodeischen richtung sich 
an, stellte demgemäss die sagen seiner Vaterstadt den genea- 
logien folgend in schlichter spräche nach den ansichten seiner 
zeit dar, diente dabei vielleicht politischen interessen wie Terpan- 
der und kann deshalb als Vorläufer des Tyrtaios, ja auch des 
Solon und Peisistratos betrachtet werden. 

Ernst von Leutsch. 

44. Wilhelm Müller, de Theophrasti dicendi ratione. 
Pars prima. Observationes de particularum usu. Göttinger 
doctor-diss. Arnstadt, Frotscher. 1874. 8°. 

Es war zu wünschen und zu erwarten, dass E. Eucken's 
kleine sehrift de Aristotelis dicendi ratione nachfolger finden 
würde: die nützlichkeit derartiger arbeiten drängt sich von 
Püilol. Anz. VII. 6 



86 44. Theophrastos. Nr. 2. 

selbst auf, besonders denen, die sich irgendwie mit der kritik 
eines gegebenen Schriftstellers beschäftigen. Grade dergleichen 
scheinbar unbedeutende dinge wie der gebrauch von conjunc- 
tionen und präpositionen giebt werthvolle winke über die 
echtheit einer schrift , sowie für ihre emendation , wiewohl sie 
allein nie entscheiden werden: denn es bleibt die möglichkeit, 
dass ein autor während einer langen laufbahn seine manier, wie 
in anderen dingen, so auch im gebrauch von partikeln ändere; 
denn dass diese dinge, von den guten Schriftstellern wenigstens, 
dem zufall und der willkür seien überlassen worden , wird jetzt 
nicht leicht jemand mehr annehmen. Die kunst, was man auch 
sagen möge, hat nichts mit dem zufall zu thun. 

Damit aber dergleichen Untersuchungen recht brauchbar 
seien, müssen sie möglichst kurz und übersichtlich gehalten 
werden, vor allem aber in jeder einzelheit vollkommen zuver- 
lässig sein. Was den ersten punkt betrifft, wird man den Ver- 
fasser vorliegender dissertation nicht eben tadeln dürfen: er 
giebt sich nicht allzuviel mit den dingen ab die der allgemeinen 
gräcität angehören, und man findet auch leicht was man eben 
wissen will. Um die Zuverlässigkeit zu beurtheilen, müsste man 
jede stelle nachschlagen; dazu hat referent freilich keine zeit 
gehabt, und wenn er nun auf einzelne mängel hinweist, so ent- 
steht dadurch eine art von Ungerechtigkeit : die irrthümer treten 
hervor , und die richtige benutzung der stellen , welche doch 
offenbar die regel ist, wird mit stillschweigen übergangen. Doch 
das ist unvermeidlich, und der vf. wird darin nicht bösen willen 
erblicken. So wird p. 12 die stelle der Pflanzengeschichte II, 
4, 2 unrichtig angewendet : der vf. sieht einen Übergang von fiiv 
zu xat statt zu 6i in ihr: xal xavia jxsv i'otxs ftügaq xe fisxa- 
ßolfi xal &igantta yiveß&cu' xat evia anyouQoiq, xa dt xfj dega- 
TtiCa fjbövov. Aber Veränderung des erdreichs und Veränderung 
der pflege können entweder gesondert oder zusammen auftreten, 
und das sagt hier Theophrast; der gegensatz von xal xuvia 
}i£v tritt erst auf in fiexußäXXovGt ds xal xaxa xaq cogag, andere 
unterschiede entwickeln sich in folge veränderter Saatzeit. Auch 
die andere für denselben Sprachgebrauch angeführte stelle be- 
weist nicht was sie soll: de Causis III, 2, 3 : denn wenn gleich 
die lesart übrigens unsicher ist, so viel ist doch gewiss, dass 
dem u<jp&ovov (j,ev xgofprjv fyt* erst §. 4 entspricht rj de lifins- 



Nr. 2. 45. Galenos. 87 

Xog vdazog nksi'Grov ötliai. Der vf. wird hieraus ersehen dass, 
um über die responsion der partikeln zu urtheilen, vor allen 
dingen der bau des satzes durch richtige interpunction sicher 
zu stellen ist ; hierin war ihm freilich von den herausgebern des 
Theophrast schlecht vorgearbeitet. Die stellen, in denen Wim- 
mer berichtigt wird , scheinen mir richtig getroffen zu sein. — 
Es wäre zu wünschen, dass der vf. auch den gebrauch der prä- 
positionen ähnlich behandelte, der bei Theophrast manches be- 
sondere bietet , und dann etwa das ganze , nach einer strengen 
prüfung und nach ausscheidung alles entbehrlichen in übersicht- 
licher form noch einmal drucken Hesse. Th. 

45. Claudii Galeni de placitis Hippocratis et Piatonis libri 
novem. Eec. et explanavit Iwanus Mueller. Vol. I Prole- 
gemena critica, Textum graecum, Adnotationem criticam, Versio- 
nemque latinam continens. Lipsiae. Teubner. 8. p. "VTII. 827. 

Der vorliegende band der bereits vor zwei jähren ange- 
kündigten kritischen ausgäbe einer der bedeutendsten philoso- 
phischen Schriften Galens ist ein erfreulicher beweis, dass das 
Studium dieses so lange vernachlässigten polyhistors im fort- 
schreiten begriffen ist. Jeder, der bisher einmal stellen aus 
diesem werke zu untersuchen und zu benutzen hatte, weiss, wie 
schwer der Kühn'sche text zu gebrauchen ist , in dem fast jede 
seite von dem trostlosen zustande desselben beweise giebt. Deshalb 
sind wir dem herausgeber zu grossem danke verpflichtet, dass er es 
unternommen hat, diesen so arg entstellten text auf grund eines 
bisher unbenutzten handschriftlichen materials zu säubern und 
lesbar zu machen. Die kritischen prolegomena, die der neuen 
textesrecension voraufgeschickt sind, legen zeugniss ab, mit wie 
grosser Sorgfalt der herausgeber sowohl bei der aufdeckung der 
verborgenen fehler, wie bei der Verbesserung derselben zu werke 
gegangen ist. Um nemlich den traurigen zustand erkennen zu 
lassen, in dem die vorliegende schrift in den vier grossen aus- 
gaben des Galen sich befindet, giebt der Verfasser ein detaillir- 
tes bild von dem umfange der in denselben enthaltenen Ver- 
derbnisse , indem er vier hauptclassen von fehlem aufstellt, 
nemlich 1) rein orthographische versehen, wie falsche aspiration, 
Verwechselung gewisser buchstaben, auslassung und hinzufügen 
ganzer silben (p. 18 — 30); 2) solche, die aus falscher lesung 

6* 



«8 45. Galeaosr. Hr. 2. 

der compendien entstanden (30 — 33) ; 3) ausgelassene und 4) 
fälschlich zugesetzte worte (33 — 39). So interessant nun auch 
diese übersieht für den palaeographen sein mag, können wir doch 
nicht umhin zu bemerken, dass uns die grenzen dieser Unter- 
suchung , die doch im ganzen nicht viel neues enthält , zu weit 
gezogen scheinen. Denn bis p. 39 ist nur von den fehlem der 
editio prineeps allein die rede, während die der drei andern 
ausgaben späterhin eben so wie dieselben fehler in den einzelnen 
handschriften , die doch derselben zeit wie die Aldina ange- 
hören , mit derselben ausführlichkeit besprochen , verbessert und 
mit zahlreichen belegsteilen versehen werden. Nimmt man dazu 
noch den umstand, dass fast bei allen emendirten stellen in der 
adnotatio wieder auf die prolegomena zurück verwiesen wird, 
wo man trotzdem oft nicht die gewünschte auskunft über den 
grund der aenderung erfährt, so wird man sich nicht wundern, 
dass schon der erste band seines umfanges wegen einen preis 
von 20 mk. erreichen konnte. Wir glauben , dass dieser theil 
der prolegomena sich leicht auf ein geringeres maass hätte redu- 
ciren lassen. Der zweite grund, warum der an sich schon 
starke band, um das doppelte vergrössert werden musste, ist die 
hinzufügung der lateinischen Übersetzung. Wir wollen zugeben, 
dass diese zum leichteren verständniss des oft schwierigen und 
dunkeln textes ein willkommenes hülfsmittel bietet, halten dies 
aber für einen des griechischen kundigen — und nur ein 
solcher wird dies werk benutzen können — nicht für nothwendig, 
zumal ja für den zweiten band ein commentar zu allen schwie- 
rigen stellen in aussieht gestellt ist. Zudem scheint dieselbe 
sich öfters von dem Wortlaute des Originals etwas zu entfernen. 
P. 267, 3 sind die worte TtXsito yuQ ovrwg iarlr ixüva unüber- 
setzt geblieben; p. 365 sind die worte des Hippocrates, rjfuv 
fi,sv avtöfiutotj ctlif?] Jf ovx uvi6{iaiob wiedergegeben durch: 
suecorum vis nobis quidem fortuita videtur ; causa autem non 
fortuita est! 

Das hauptverdienst des herausgebers liegt in der wirklichen 
Verbesserung des textes ; und hier müssen wir demselben im 
gegensatz zu der allzu missgünstigen recension in der Jenenser 
Literaturztg. d. j. Nr. 9 unsere anerkennung zu theil werden lassen. 
Denn, wenn auch unter den gegen 1800 vorgenommenen Ver- 
änderungen manche unnöthig , manche zu verwerfen und durch 



Nr. 2. 45. Galenos. 89 

bessere zu ersetzen sein werden, so bleibt doch ein stattliches 
quantum von wirklichen emendationen übrig, für die wir nur 
dankbar sein können. Handschriftliches material stand dem 
herausgeber nur wenig zu geböte. Der einzige Marcianus ent- 
hält das werk — das erste buch, das zuerst von Key 1544 
nach dem Cantabrigiensis nr. 47 edirt worden, ausgenommen — 
vollständig; alle andern nur theilweise. Von allen diesen geht 
keine über das 14. Jahrhundert hinaus. Anderweitige hülfe ge- 
währten einzelne änderungen von Cornarius in der jenenser 
Aldina; für die stoischen fragmente sind Bake's conjecturen be- 
nutzt. Im übrigen war der herausgeber ganz auf sich selbst 
angewiesen , namentlich auch in der erforschung des Sprachge- 
brauches. Hierin hatte er auch nicht die geringste Vorarbeit von 
anderer seite , und deshalb wäre es unbillig , wollten wir unsre 
anforderungen an Vollständigkeit und Sicherheit so hoch stellen, 
wie es in der oben erwähnten recension geschieht. Denn einer 
kann unmöglich alles sehen. 

Eigenthümlich aber ist es, dass Mueller durchgehends statt 
der überlieferten elision durch Wiedereinsetzung des kurzen 
vocales den absichtlich vermiedenen hiatus wiederherstellt — 
im ersten buch von 145 stellen allein an 117. — Das beruht, 
wie der herausgeber mir brieflich mittheilt und im zweiten bände 
auch zur spräche bringen wird , auf der thatsache , dass sich in 
den zahlreichen bei Oribasius" angeführten stellen aus de placitis 
und der schrift neol %Qtiu<; }ioo(üjv keine spur, nicht einmal im 
falle der aspiration , den Mueller mit ausnähme von te üpa 
zulässt, vorfindet. Indessen dieser jedenfalls doch zweifelhaften 
autorität des Oribasius widerspricht die handschriftliche Über- 
lieferung — auch der vorzügliche Laurentianus bietet an stellen 
der schrift mgl äfiaQ^fidrcov, wo selbst der Kühn'sche text den 
hiat hat , die elision — und eine entscheidende stelle in de 
placitis selbst, p. G56 , 7, wo ein Syllogismus nach Galens 
eigener Zählung 39 sylben betragen soll. Diese 39 sylben sind 
aber eben nur so zu gewinnen, dass man in dem überlieferten 
text eine dreifache elision vornimmt r] (T uo^rj rajv vevgwv iv iy- 
x£(pu?M 'ßTw. iiTuo!}' uqu ro fjysfioHxov. Mueller, der den hiat 
beibehält, musste iifrlv ausstossen und erhielt vierzig sylben! Ohne 
zweifei hat Galen also auch z. b. p. 309, 6 nicht ovx oWa ojrcog 
geschrieben, sondern, wie sonst stets, ovx old' Öncog; wie er 



90 45. Galenos. Nr. 2. 

denn auch p. 287, 12 offenbar mit absieht schrieb ä XQ'1 V 
und nicht ixgqv, was Mueller doch nach seinem prineip ein- 
setzen musste. Hiernach müssen auch wir annehmen, dass 
Galen den hiat, wo dies ohne Schwierigkeit anging, vermieden 
hat, wenn wir ihm auch nicht eine Isokrateische peinlichkeit, 
wie der recensent im Centralblatt , darin zuschreiben wollen. — 
Auch sonst ist der herausgeber in seinen änderungen zu weit 
gegangen. So scheint uns die Veränderung des ijrXrjoovTO p. 
141, 3 in den plural nach e'gya nicht nöthig, da Grälen in diesem 
falle den singular eben so oft wie den plural gesetzt hat — 
P. 154, 14 ist (jtovov zwar denkbarer, aber nicht nothwendiger 
zusatz. — P. 176, 14 ist das Grälen so überaus geläufige iiri nlsX- 
Grov mit unrecht eingeklammert. — P. 187, 8 halten wir die 
änderung des änb ngtorrig in tiqujtov, p. 822, 15 des avibg iq>s- 
%rjg in auroTg (cf. p. 380, 12) ebenfalls für unnöthig. Auch p. 
369, 6, wo Mueller (ovdiiv tJttov to äggojGirifia toSv Xoyixuv) das 
tjttov in rjmai ändert, scheint uns an dem rjriov kein anstoss 
zu nehmen zu sein. Denn einmal giebt die sehr gewöhnliche 
phrase, iJttü) ilvat xivog hier einen vollkommen richtigen sinn 
— ' ist untergeben ' = ( hat zu schaffen mit ' — , andererseits ist 
die dem verbum änrofiat beigelegte bedeutung doch etwas be- 
denklich (s. p. 325, 5 £%Qqv avwv firjd' olcog l}(p&cu rov fivd-ov 
und p. 587, 6 av&Qionog ovd' oXwg avuxo^\g utpdfxtvog = 'sich 
befassen'). — P. 589, 5 schaltet Mueller nach rbv &vfibv ein 
EXOfisv ein, doch ist hier sicherlich rb d-vjxov/jievov wie vs. 15 zu 
lesen entsprechend dem sXttsq l iv rovro lau . . . rb Xoyi£6(ievov . . . 
rgftov . . . rb inidvfiqnxov vs. 4 und 7. — P. 637, 7 ist 7itgi,xs- 
ofiirov uvtm conjeetur von Cornarius für mgitxo^vov. Ich 
vermuthe, dass Galen geschrieben hat mgifyov uvrbv wie p. 640, 5 
rov lUQiixovrog fjfiag äigog. — P. 379, 1 steckt in dem unver- 
ständlichen vfig rcqbg d-iarga epogäg offenbar nichts anderes als 
dunga (cf. 380 1 wg irigav xr-qGaad^av xgCßtv), was wie ich sehe, 
auch schon Diels vermuthet hat. — P. 155, 11 war ebenfalls 
wie vorher 154, 14 rbv rgonov rr\g diavop^g zu schreiben statt 
des einfachen vo/j<r}g. — P. 356, 6 war xugxtvov nach der jetzt 
üblichen Schreibart zu accentuiren, nicht xugxlvov; wie dies auch 
der Laurent, bestätigt in nsgl ugCörrjg StSaüxaXtac., s. Fleckeisen 
Neue Jahrbb. bd. 107, p. 395. Ueber die kürze des jota vgl. 
Passow. Lex. u. xagxtvog. 



Nr. 2. 46. Horatius. 9! 

Zu bedauern ist übrigens, dass trotz des höchst splendiden 
druckes eine unzahl accente, namentlich in der ersten zeile ver- 
schiedener seiten, ausgefallen sind; so p. 590 steht ' i%tig' allein 
dreimal ohne accent. — An sonstigen druckfehlern tragen wir 
nach: p. 277, 6 fehlt nach tv&vg das überlieferte avroi (version hat 
ei) — p. 345, 13 fehlt vor tJJc ipvxqg ogfiuiv der artikel tüjv 
ohne angäbe. — Prolegg. p. 85 steht uo^v rov loyov &ifisvog 
für d^sfxivovg (cf. p. 151, 6), in welcher stelle übrigens auch wir 
die änderung des tw Xoya in den genetiv (mit den beiden 
andern recensenten) nicht für nothwendig halten, s. cap. V 
p. 7,8 uoyjiv tm ?JyM (hand.) noiTjöa/isrov ; ebend. p. 822 
uQyJjv im Xoyco ir<vdt TroirjGufizrovg u. s. oft. 

Vorstehende bemerkungen hätten sich leicht vermehren 
lassen ; doch machen wir aus solch einzelnen versehen dem 
herausgeber keinen Vorwurf, schliessen vielmehr mit dem wünsche, 
dass derselbe nicht allzulange mit dem zweiten bände auf sich 
warten lassen, und uns auch bald durch die beabsichtigte heraus- 
gäbe anderer Schriften Galens erfreuen möge. 

IT. Marquardt. 

46. Vindiciae Venusinae quibus v. cl. doct. Julii Zastra 
gymnasii Nissensis regimine per XXV annos fauste perfuncti 
solemnia cal. Mai. rite celebranda indicit F. A. Hoffmann, 
phil. dr. et professor. Nissae, Baer, 1873. 16 s. gr. 8. 

Der verf. wendet sich mit dieser in musterhaftem latein 
geschriebenen abhandlung gegen Sussmann Heynemann De inter- 
polationibus in carminibm Horatii, Bonn 1871, vgl. Philol. Anz. 
1872 p. 236, und gesteht diesem zwar ein sultttiter et accurate 
disserere zu, befindet sich auch in Übereinstimmung mit dessen 
principieller behandlung der interpolationsfrage , verwirft aber 
seine resultate im einzelnen. Unter den 21 von Heynemann 
für unecht erklärten stellen behandelt Hoffmann I, 6 , I, 12 
I, 31 und n, 20 und sucht die hier verdächtigten Strophen 
überall dem Horaz zu vindiciren. Gelungen ist die rettung von 
I, 31, 9 — 16. Diese Strophen (übrigens bereits von Guiet ver- 
worfen) halten Haupt und L. Müller im gegensatze zu Peerlkamp 
Meineke, Linker und Lehrs mit recht aufrecht; in der that sind 
sie lediglich als opfer einer aesthetischen hypercritik gefallen: 
wer wird denn bei einem dichter alles wörtlich nehmen ! Weniger 



92 47. Horatius. Nr. 2. 

wesentlich sind die bemerkungen, welche zu I, 12, 37 — 44 
und II, 20, 9 — 12 Heynemann entgegengehalten werden; nicht 
ausreichend aber die besprechung von I, 9, 13 — 16. Zwar ist 
der nachweis, dass zwischen Mars, Meriones und Diomedes einer- 
seits und Augustus und Agrippa andererseits beziehungen obwalten, 
dankenswerth ; allein die folgerung, dass Meriones hier so gut 
wie I, 15, 24 am platze sei, trifft deswegen nicht zu, weil man 
ja bei dieser wie bei der mehrzahl der interpolationen annimmt, 
dass sie einer andern stelle des Horaz ihren iirsprung verdanken, 
dass also Meriones aus I, 15 hierhergebracht ist, grade wie 
z. b. der interpolirte Cerberus III, 11 aus dem echten IT, 19 
stammt. Diese annähme bedurfte also einer Würdigung. Vor 
allem aber ist die behauptung Quis digne scripserit heisse: wer 
ausser epischen dichtem könnte — nicht nachgewiesen, 
wie sie denn auch nicht nachweisbar ist. Die worte heissen 
einfach 'niemand vermag das'. Ich sehe nur eine möglich- 
keit, die Strophe zu halten, diese beruht aber auf einem sehr 
complicirten erklärungsversuch. Es müsste das 'wer kann — ' 
mit einer Verschiebung der grammatischen beziehung gesagt 
sein für 'wie kann man' und alsdann Horaz bei dem 'man' 
nur an sich und die in der voraufgehenden Strophe erwähnte 
lyrische poesie, also an die lyriker gedacht haben — aber 
eine solche erklärung widerspricht der sonstigen einfachheit des 
horazischen ausdrucks wenigstens in den öden durchaus. 

47. Vier horazische Satiren metrisch übersetzt von M. Hertz 
(aus dem Ind. lect. der Universität Breslau) 1875. 4°. 15 s. 

Die in dem programm enthaltenen vier Satiren (I, 1, I, 16, 
I, 9, n, 1) sind geschmackvoll und leicht verständlich im vers- 
maasse des Originals nicht allzu frei übersetzt. I, 9, 5 befriedigt 
die Übersetzung von cupio omnia quae vis durch 'ich steh dir 
ganz zu befehle' kaum; für das verständniss der stelle lässt 
sich wohl auf ähnliche wiedergaben des grusses an den an- 
redenden von seite des angeredeten verweisen, wie sie die 
archaische komödie nicht selten darbietet; danach findet sich 
die richtige Übersetzung der stelle schon in früheren Übertra- 
gungen ; II, 1 , 82 liegt in ius est iudiciumque doch viel mehr 
als in der ungenauen wiedergäbe durch ' so verfällt er des rich- 
ters Spruche ' : denn mit ius und iudicium wird auf den den process 



Nr. 2. 48. Julius Caesar. 9* 

instruirenden prätor und den die sache entscheidenden richter 
unverkennbar angespielt; IT, 1, 50 und 51 ist es selbst Hertz 
nicht gelungen, flüssig deutsch wiederzugeben. Der grösste 
theil des gebotenen aber ist so gelungen , dass jeder leser mit 
vergnügen von der Verdeutschung einsieht nehmen wird. 

48. Observationes aliquot in C. Iulii Caesaris utriusque 
belli commentarios. Inest interpretatio loci cuiusdam Virgiliani. 
Scripsit Henr. Alanus. — Dublinii: apud Hodges, Foster, 
et soc. Londinii : apud Williams et Norgate. MDCCCLXXIV. — 
Price Sixpence. — 12 s. 8. 

Die völlige werthlosigkeit dieser neuesten publication des 
durch die 13 auf s. 4 aufgezählten Schriften bekannten vfs. 
dürfte wohl jedem der sich eingehend mit Cäsar beschäftigt hat 
sofort einleuchten, nachdem er die 12 -{- 25 kurzen bemer- 
kungen durchgelesen hat die sich auf das B. G. und B. C. 
beziehen-, jeder wird sofort erkennen dass es sich hier bloss 
um augenblickliche einfalle und 'fixe ideen' [fast durchgehends 
charakterisiert durch * Fort. (ä. h. fortasse) ebenso wie im 
index durch (?/] handelt, nicht um das ergebniss eines gründ- 
lichen Studiums. Kein wunder auch, denn der vf. sagt selbst 
in der praefatio : Lectionis exiguiores seine quam vettern fruetus 
ernendationis pereepi , was zwar nicht lateinisch ist, aber doch 
beweist, dass er ein conjeeturenjäger ist. Ueber die prineip- 
frage die sich hieran knüpft soll kein wort verloren werden : 
würde ja doch auch jedes wort verloren sein gegenüber jener 
noch mehr in der niederländisch -dänischen als in der englisch- 
irischen philologie x ) beliebten, auch in Deutschland immer mehr 
anhänger gewinnenden Schablone: 'das wort passt nicht in 
meinen kram, da muss ich eine conjeetur machen' — und 
wenn sie gefunden ist: 'die darf der gelehrten weit nicht länger 
vorenthalten bleiben'. Indess um ein gesammturtheil darüber 
fällen zu können inwieweit die erklärung und kritik des Caesar 
etwa durch diese leistnng gefördert sei, ist es doch nöthig ins 
einzelne einzugehen , und da stellt sich zunächst heraus dass 
eine stelle, B. G. 7, 20, 7, mit ihrer parallelstelle B. C. 2, 34, 
14 (vgl. Kraner) nur angeführt ist um die [von niemand an- 

1) Womit natürlich den unsterblichen Verdiensten eines Bentley, 
Madvig, Cobet u. a. nicht im entferntesten zu nahe getreten werden soll. 



94 48. C. Julius Caesar. Nr. 2. 

gezweifelte] bedeutung von remitiere (== resignare Hör. Carm. 
3, 29, 54. Ep. 7, 7, 34) festzustellen und in den locus quidam 
Virgilii [Aen. 4, 436] hineinzuinterpretieren. Die idee des vfs. 
über diese verzweifelte stelle (vrgl. Forbiger) ist nicht übel, 
namentlich ist zu billigen dass er gegen Wagner die einzig 
richtige und mögliche lesart dederit und cumulatam annimmt, 
indess wie eine gnade oder Vergünstigung die man ausschlägt 
morte cumulari kann ist nicht leicht einzusehen, man müsste 
denn darin ein oxymoron finden. Jedenfalls ist die erklärung 
des vfs. der Situation entsprechender als die gewöhnlichen, und 
die in der vorrede ausgesprochene absieht ' sententias doctorum 
elicere" 1 überhebt mich der Widerlegung. Alle Schwierigkeiten der 
stelle werden aus dem wege \ geräumt wenn man mit Brandt, 
Zeitschr. f. Gymn. 28, p. 84 — 89, hier ein hemistichion wie 3, 340 
annimmt. Während also diese stelle für Cäsar keine ausbeute 
giebt, sollte man wenigstens von anderen das gegentheil erwarten. 
Dasteht nun p. 10 anf. die conjeetur zu B.C. 2,7,1 has*: Malles 
hos, welche der vf. nicht nur durch diese sondern auch durch die 
folgenden worte, in denen der Sprachgebrauch der dieser stelle 
zu gründe liegt durch zwei andere stellen aus demselben buche 
belegt wird, sofort wieder zurücknimmt. Ohne entscheidung 
wird die stelle ebd. 29, 1 nam is abgethan, wo doch wenigstens 
das Vossius-(Forchh.-)-Kraner , sche animis zu berücksichtigen war. 
Aus den Worten des vfs. aber muss man, da der satz, wie das 
präsens beweist, gnomice zu verstehen ist, schliessen dass er mit 
denen die nam für richtig halten, wie Dinter, einverstanden ist. 
Nun zu den conjeeturen selbst. An zwei stellen , B. Gr. 7, 39 
1 B.C. 1, 74. 7 wird (o) vor aetate, (b) vor eorum ein et ein- 
geschoben um et — et herzustellen : warum soll dasselbe nicht auch 
(a) vor ndbilitate B. Gr. 2, 6, 4 (wie B. C. 1, 85,2 et loco et 
tempore aequo) eingeschoben, nicht auch die worte B; C. 3, 82, 
4 a. e. in labore pari ac periculo geändert werden? An der 
anderen stelle (b) stimmt der vf. mit Dinter überein (B. C. praef. 
p. XXIIDI). Hingegen stört er die concinnität zweier durch 
et — et verbundener glieder B. Gr. 1, 26, 5 durch einschiebung 
von multa (falsch gestellt) zwischen vulnera militum, was 
ebenso überflüssig ist wie das, im munde der 'strikenden' Sol- 
daten sogar störende und matte, Üb enter vor ituros B. C. 3, 31, 
4 (dieses eben so absolut, ohne sese, B. G. 5, 31, 4 im sinne 



Nr. 2. 48. C. Julius Caesar. 9ä 

von 'marschieren, ausrücken', was gegen Kleyn Observ. crit. 
in den Bijdragen u. s. w. 1859, p. 41 , bemerkt sei; dasselbe 
ausführlicher von den Soldaten ebd. 1, 39, 7. 40, 12, vom feldherrn 
ebenfalls ire ebd. §. 15, mit ad 5, 36, 3). Weitere einschie- 
bungen finden sich: B. G. 2, 20, 1 eongrediendi, erledigt von 
Dinter, sat. gramm. p. 14, vgl. Kraner und 21, 3; 5, 7, 8. 
40, 1, weniger einfach, civem und ferentibus, erstere stelle richtig 
erklärt von Fischer, Rectionsl. §. 60, letzteres an sich und wie 
aus si pertulissent (== dem von Kle'yn ebd. verlangten matten 
iis qui, wofür man vielmehr si qui verlangen müsste, wenn man 
Oäsars prägnanten stil meistern wollte) erhellt unlateinisch ; 
ebensowenig kann vor den gesetzen der spräche bestehen das 
durch die oben angeführte parallelstelle irrthümlich unter das 
B. G. gekommene militis B. C. 2, 32, 14 [wozu die wortfolge geän- 
dert? Nipp, 'edd.'], es ist wegen meum unmöglich ; völlig barbarisch 
für Cäsar (vgl. Sallust. Cat. 33, 1) ist expertes publicis iuris 
custodiisque ebd. 5, 3, abgesehen davon dass Caesar expers über- 
haupt nicht braucht. Auf diese weise kann die schwierige stelle 
nicht geheilt werden. Die hinzufügung von ulla re nach iuvare 
B. C. 1, 35, 5 erscheint gerechtfertigt durch die thatsache dass 
dies die einzige von den zehn stellen ist wo iuvare (abgesehen 
von c. 82, 3 multum iuvare ad aliquid) keinen ablativ bei sich 
hat wie frumento, cibo, commeatu — denn B. G. 1, 26, 6 ist zu 
iuvissent zu ergänzen frumento aliave re — ; jedoch steht dort 
iuvare aliquem contra alqm statt alqa re, und damit erledigt 
sich der scheinbare mangel einer näheren bestimmung. Noch 
schlimmer steht es mit dem bei Caesar gar nicht vorkommenden 
uno verbo, welches B. G. 1, 85, 12 vor ut esset dictum mit be- 
rufung auf Forcellini eingeschoben wird. Da steht allerdings 
diese redensart durch eine stelle aus Cato de re rustica und 
Cic. Phil. 2, 22 [54] belegt, wo sie freilich ganz anders gebraucht 
ist als sie der vf. hier braucht, nämlich zur Zusammenfassung 
einer aufzählung ; und dieser idee ein ' kurz ' einzuschwärzen zu 
liebe soll in der rede des Cäsar die beziehung der fraglichen worte 
provinciis . . . dimittcrent auf §. 5 sed . . . dimitti beseitigt werden? 
Der vf. scheint zu dieser änderung des sinnes durch die richtige 
beobachtung bewogen worden zu sein dass an den beiden 
anderen stellen, B. G. 1, 43, 24, 13, 5, ut (contra atque) erat 
dictum eine andere bedeutung hat, 'ausgemacht.' — Die conjec- 



96 48. C. Julius Caesar. Nr. 2. 

tur zu ebd. 44, 2 barbaro steht schon längst bei Kraner; anders 
Heller und Dinter ; ebd. 72 , 2 vel x ) vor vulnerari einzuschieben 
ist überflüssig, weil dadurch das verhältniss der drei indirecten 
fragen zu einander, das fortschreiten vom besonderen zum all- 
gemeinen (3, denique), gestört würde ; der gedanke an sich ist gut ; 
ebenso bei 3, 9, 6 per manumissionem (statt maximi), nur dass 
man ohne hinzufiiguug eines adjectivs so gewiss nicht sagen 
kann (vgl. Nipp. p. 175), und 2, 4, 1, wo, ebenfalls vermittelst 
der Wiederholung einer silbe des textes, hier aber der folgenden, 
eine zahl mit ad ausgefallen sein soll; wozu dies, zumal da die 
piscatoriae nachher keine rolle spielen? — Diesen einschieb ungen 
steht gegenüber die ausmerzung von non nach nisi an zwei 
stellen, B. G. 7, 69 , 1 , B. C. 3 , 87 , 6. Der vf. citirt p. 7 
eine menge analoger stellen und seine eigenen Emendd. und 
Obss., aus denen hervorgehen soll dass nisi = nisi-non sei. Das 
ist haarsträubend. — Endlich siebzehn stellen mit meist sehr 
unbedeutenden , änderungen der überlieferten buchstaben : 
davon 2, B. G. 5, 34, 2, B. C. 2, 41, 4, wo der vom vf. ge- 
wollte conjunct. imperfecti längst zurückgewiesen ist (vgl. Kraner), 
ferner B. C. 3, 2, 2, wo die worte Nipp. p. 153 wiederholt sind, 
aber damit nicht die herrschende ansieht dass inopia navium ein 
glossem sei widerlegt, noch viel weniger glaubhaft gemacht wird 
dass man sagen könne copia alcs. rei deest alicui ad alqd. und um 
von den anderen überflüssigen nur fünf zu erwähnen, B. G. 3, 
24, 1. 5, wo tutius gerade durch das vorhergehende tuto, cupien- 
tibus durch alacriores und 7 , 40 , 4 cupidissimis geschützt wird, 
B. C. 1, 1, 2 (wie 3, 84, 3 wiederholt aus dem jähre 1854), 
wobei man billig zunächst fragen muss: wo liegt die aedes Vio- 
toriae? ebd. 2, 3 (mit druckfehler ab statt ad), wo durch ni- 
teretur der sinn der worte völlig entstellt wird , vgl. Kr., und 
3, 66 1, wo quot viel weniger lateinisch ist als quod. — lieber 
diese und alle anderen änderungen kann jeder bearbeiter des 
Caesar getrost zur tagesordnung übergehen, nur als abschrecken- 
des beispiel ist das schriftchen jungen philologen zu empfehlen. 

1) Dasselbe hat Polle N. Jahrb. f. Phil. bd. 103. p. 724. B. G. 4, 
16, 7 nach uti eingeschoben: was soll aber aus den texten der alten 
werden, wenn überall wo wir modernen eine partikel wie 'auch nur' 
'schon' u. a. einsetzen, dieselbe auch ihnen octroyiert wird? 

B. D. 



.»& 2. 49. C. Julius Caesar. 97 

49. Max Miller, kritische und exegetische beitrage zu 
Caesar. Programm der königl. [bair.] Studienanstalt Asckaffen- 
burg für das jähr 1873/74. 27 s. 4. 

Nach einem langen vorwort (p. 3 — 6), in welchem nichts 
zur sache gehöriges steht, sondern der anschauungsunterricht 
auch für die erklärung des Xenophon und Caesar zum so und 
so vielten male empfohlen wird, sind von M. Miller 17 stellen 
aus dem IV. VI. und VII. buche des Gallischen und ein dutzend 
aus den drei büchern des Bürgerkrieges besprochen. Ich be- 
schränke mich hier auf die prüfung jener ersteren stellen und 
lasse auch hiervon die grössere zahl unerwähnt, worin der Ver- 
fasser keine neuen vorschlage bringt, sondern nur fremde an- 
sichten bekämpft oder befürwortet. Eine förderung ist dadurch 
der kritik und Interpretation nicht geworden trotz der ausführ- 
lichkeit , mit welcher der Verfasser nicht nur sein eigenes rai- 
sonnement vorträgt, sondern auch die erörterungen anderer 
reproducirt, wie er denn z. b. p. 8 zum referate aus einem der 
neuesten bände der allgemein zugänglichen Jahrbücher für phi- 
lologie fast eine ganze seite aufwendet. Selbständig vermuthet 
der Verfasser IV, 34 host es ornnibus oecupatis, quae erant in agris 
relicta; wie er hierbei quae und relicta von Göler angenommen 
hat, so fand er auch hostes bereits von Hug vennuthet, setzt es 
aber an die stelle von nostris, während Hug den ausfall von 
hostis vor nostris für möglich gehalten hatte. VII, 30 sie sunt 
animo consternati homines , wofür Nipperdey richtig confirmati 
schrieb, ändert der Verfasser in animo parati, wofür er zahlreiche 
parallelen beibringt ohne jedoch zu erkennen, dass Caesar parati . 
stets adjeetivisch gebraucht, also nicht sunt animo parati sondern 
erant geschrieben haben müsste. In den gleich darauf folgenden 
Worten ut omnia, quae imperarentur , sibi patienda exÄstimarent 
möchte der Verfasser facienda lesen, das allerdings sehr häufig 
mit imperare verbunden wird ; aber der Verfasser bringt selbst 
für patienda, das auch durch die in cod. Thuan. Leid. Ursin. 
Haun. eingedrungene glosse perferenda geschützt wird , einen 
(freilich unpassenden) beleg vor und scheint seine conjeetur gar 
nicht für treffend zu halten, da er den unnöthigen zusatz macht, 
er wolle ' damit nur eine vermuthung ausgesprochen haben. ' 
Ebenso hat der Verfasser seinen Vorschlag zu VI, 39 paucitate 
perspeeta statt despeeta nur als möglich hingestellt , und zwar 



98 49. C. Julius Cäsar. Nr. 2. 

mit recht, denn dadurch würde nur ein matterer ausdruck statt 
des nicht ungeeigneten prägnanteren gesetzt. Die dem sinne 
nach klaren, aber im Wortlaut noch nicht richtig hergestellten 
worte VII, 35 captis quibusdam cohortibus hat auch der Verfasser 
nicht ins reine gebracht; denn ita positis quibusdam cohortibus 
würde sich auf die Stellung der cohorten selbst beziehen, während 
doch nur von der aufstellung im einzelnen innerhalb der cohorten 
die rede ist, wie der Verfasser selbst erkennt. Zu VII, 45 hoc una 
celeritate posse mutari bemerkt der Verfasser, ihm scheine entspre- 
chender statt mutari zu lesen vitari , vergisst aber zu erwähnen, 
dass dies die lesart des Thuan. und Ursin. ist. VII, 72 soll auf 
grund einer technischen beobachtung von Eüstow über die ge- 
wöhnliche grabenweite fossam pedum quindecim gelesen werden 
statt vigvnti; aber dieser graben hat anch sonst etwas besonderes 
(directa latera) , weshalb wohl jene zahl nicht anzutasten ist. 
Dies sind die vermuthungen des Verfassers, der mit keiner das 
richtige getroffen zu haben scheint. Schliesslich mag noch be- 
merkt werden, dass bei der behandlung der schwierigen worte 
VII, 19 omnia vada ac saltus eius paludis sowohl die conjectur 
von Madvig (Advers. crit. IE, 257), welcher meatus eius paludis 
lesen will, als auch die erklärung des wortes saltus von Keller 
(Jahrbb. für philol. CHE, 558 f.) unbeachtet geblieben ist, wie 
auch sonst z. b. VII, 35 und 74 namentlich Dübners und 
Hellers arbeiten nicht die nöthige berücksichtigung gefunden 
haben. 

50. De fide et auctoritate codicis Sallustiani Vat. 3864. 
Dissertatio inauguralis quam . . scripsit Gustavus Boese 
Clausthaliensis. Gottingae MDCCCLXXIV. 39 s. 8. 

Kurze zeit nach dem erscheinen von Pratje's verdienstlicher 
Untersuchung ist durch eine zweite Göttinger promotionsschrift 
ein weiterer beitrag zur textkritik des Sallustius gegeben worden. 
Nach einleitenden bemerkungen über die bezüglich des cod. Vat. 
3864 (V) im vergleiche mit cod. Par. 500 (P) sehwebende 
controverse behandelt Böse eine grosse zahl von stellen aus den 
im Catilina und Jugurtha eingelegten reden und gelangt trotz 
mancher irrtbümer, auf die hier einzugehen unmöglich ist, zu 
ergebnissen, welchen man in der hauptsache beipflichten muss. 
Böse fasst dieselben p. 39 zusammen in den Worten: Vi aucto- 



Nr. 2. 50. Sallusttus. 99 

ritatem eam esse eontendo, quae quamvis non tanta sit, quantam 
Weinholdus et DiecTcius censuerunt, nee tarn parva, quam Jordanus, 
minime tarnen in textu Sallustiano recensendo praeter ceterorum 
bonae notae, ut PP 1 B negligenda sit. Wenn sich daneben die 
behauptung findet, dass V nicht, wie Jordan meinte, von einem 
redactor schulmässig bearbeitet sei , so wird doch der Verfasser 
nicht leugnen, dass einzelne Varianten des V z. b. Jug. 85, 16 
lediglich dnreh willkührliche textge staltung entstanden sein 
können, wie selbst Dieck, der diesen codex nach der Überzeu- 
gung des Verfassers wie des ref. allzu hoch hält, ausdrücklich 
zugestanden hat. Die beweisführung im einzelnen ist nicht 
gleichmässig gelungen; bald stört ein schreib versehen wie wenn 
p. 1 7 ubique in tota epistola steht, wo doch wohl nusquam stehen 
sollte; bald findet sich ein minder gut gewähltes beispiel z. b. 
p. 24, wo die worte duobus senati decretis bezüglich der Wort- 
stellung keine parallele zu magnae inftium cladis bilden, da hier 
das regierende Substantiv, dort der regierte genetiv in die mitte 
gestellt ist; bald zeigt sich ein missverständniss , wie wenn p. 
16 Wirz als zeuge angeführt wird, dass Cat. 52, 7 in V con- 
questus stehe, während Wirz lediglich bestätigt, dass in P questus 
steht. Nicht selten trifft Böse das richtige resultat, während 
seine beweisführung nicht völlig überzeugend ist. Das beste 
hat der Verfasser an jenen stellen geleistet, wo er gegen andere, 
die eine lesart des V, bevorzugten die Unmöglichkeit einer aus 
inneren gründen geschöpften sicheren entscheidung über den 
vorrang von V oder P nachweist. Gute, wenn auch nicht neue 
bemerkungen gibt Böse p. 28 über die Zeugnisse der gramma- 
tiker, ferner p. 14 und 32 über die Vernachlässigung der con- 
cinnität bei Sallust. Schliesslich kann nicht unerwähnt bleiben, 
dass der Verfasser, der Weinhold's schutzschrift für V mit recht, 
wenn auch nicht durchaus glücklich bekämpft, den hohen werth 
dieser arbeit nicht in vollem maasse zu würdigen scheint. Wein- 
hold's Quaestiones sind nach des ref. Überzeugung trotz des un- 
richtigen gesammtresultates durch die fülle einzelner entdeckungen 
die bedeutendste leistung der letzten jähre für die kritik des 
Sallustiustextes. 

51. Kritische beitrage zu Cicero's werk vom redner. Pro- 
gramm (Hof 1874) von Heinrich Kubner. 15 s. 4. 

In umständlicher breite behandeln Kubner's beitrage neun 



100 51. Cicero. ftr. 2, 

stellen aus dem I. und eine aus dein II. buche de oratore, 
überall zeigt sich hierbei das bemühen um eindringendes ver- 
ständniss, aber nur selten treffendes urtheil oder leichte divi- 
nation, wenn es sich um die hebung wirklicher oder scheinbarer 
Verderbnisse des textes handelt. Dies erweisen gleich die ersten 
beispiele. Bei den worten 1 , 3 , 11 minimam copiam poetarum 
egregiorum exstitisse atque in hoc ipso numero, in quo perraro exoritur 
aliquis excellens, si diligenter et ex nostrorum et ex Graecorum copia com- 
parare voles, multo tarnen pauciores oratores quam poetae boni repe- 
rientur, wird egregiorum (mit Bake) gestrichen , in quo geändert 
in cum (warum nicht wenigstens quom ?) , exoritur in exoriatur ; 
und trotz dieser dreifachen änderung erklärt der Verfasser zuver- 
sichtlich, ' dass die stelle kaum anders gelautet haben kann, wenn 
nicht stärkere verderbniss zu gründe liegt' (also gar vier oder 
fünf mal zu ändern ist). Uebrigens bedarf es keiner emendation 
sondern nach Sorofs nachweis, den der Verfasser selbst kennt, 
nur der annähme eines anakoluths in den letzten worten statt 
multo tarnen plures poetae quam oratores boni reperientur. — 6, 20 
eteni.m ex rerum cognitione efflorescat et redundet oportet oratio, 
quae nisi sit ab oratore percepta et cognita, inanem quandam habet 
elocutionem et paene puerilem. Während hier andere durch ein- 
schiebung von res nach oratore geholfen haben, wird vom Ver- 
fasser der satz etenim . . . oratio nach puerilem transponirt, die worte 
ab oratore gestrichen , sit (oder sint) in sunt geändert , endlich 
perceptae et cognitae geschrieben; und die richtigkeit dieser vier- 
fachen Operation ist dem Verfasser 'mehr als wahrscheinlich.' 
Noch gewaltsamer wird 31, 139 quid statt quidquid geschrieben, 
quaeri solere eingesetzt und der ganze § 141 hierher vor die 
worte in eo quaeri solere gestellt; aber hier sieht doch der Ver- 
fasser selbst ein , dass ' sich von sicherer emendation nicht 
sprechen lässt. ' Unnöthig erscheint es 31 , 141 quae statt qui 
zu schreiben, da sich sowohl das vorhergehende als das folgende 
in quibus auf locos beziehen kann , und unwahrscheinlich ist 
jener Vorschlag, da unmittelbar nach deliberationibus die verr 
derbniss von quae in qui ebenso unerklärlich als das gegentheil 
leicht möglich wäre. Die rücksicht auf den zugemessenen räum 
gestattet nicht, ausführlich die änderungen 31, 142 eum debere 
statt ut deberet, 32, 146 et quae für sed quae., 46, 202 quem- 
cunque . . . inotum cum res et causa postulet , tum dicendo statt 



Nr. 2. 52. Miscellanea. 101 

quemcunque notum res et causa postulet, eum dicendo als überflüssig 
und die Interpretation von 42, 145 de memoria quaedam Irevia, 
seil magna cum exercitatione praecepta gustaram, wo der Verfasser 
magna als acc. pluralis fasst und praecepta als ablativ mit cum 
exercitatione verbindet, als verkebrt zu erweisen. Es sei nur noch 
bemerkt, dass 45, 198 richtig qui (oder cum) nach praeter ea 
(aber unrichtig in vor respondendo) getilgt wird und II, 52, 209 
durch Verwandlung von inflammanda sunt in ivflammandum est 
«ine wirkliche emendation erzielt zu sein scheint 



52. Volkmann, observationes miscellae. Programm von 
Jauer 1873. 4. 21 s. XXXV— LX. 

Die schrift ist eine fortsetzung des im Philol. Anzeiger von 
1873 unter nr. 222 besprochenen programms. — In nr. 35 
handelt Verfasser über die zeit der abfassung der schrift de orbe 
in facie lunae und gelangt nach den berechnungen des professors 
Ge. Hofrinaiin in Triest zu dem resultat, dass jene grosse sonnen- 
finstemiss, deren Plutarch in cap. 19 der obigen schrift erwähnt, 
nur am 2. sept. des Jahres 118 p. Chr. erfolgt sein könne, 
kurz nach diesem ereigniss sei jenes buch erschienen. — 36. 
Das zeugniss des Aur. Vict. 12, 12 über eine mit dem tode 
Nerva's zusammenfallende finsterniss ist nach den beobachtungen 
desselben gelehrten unrichtig. — 37. Bei Orig. c. Geis. V, p. 
268 ed. Spenc. ist yeyerrjfAii'u statt — cur zu lesen. — 38, 
handelt über Joann. Polier. VIII, 13. — 39. Als beispiele dafür 
dass Olympios als name für menschen verwandt worden sei, 
werden citirt: Socrat. bist, eccles. V, 17, Sozom. VII, 15. Synes. 
ep. 98, 102. Zosim. V, 32. — 40 enthält einige emendationen 
zum dialog de musica. — 41 berichtet nach Treu's angaben über 
zwei codd. Veneti , in denen die schrift de musica zwischen 
anderen ähnlichen inhalts verzeichnet ist und gibt einige les- 
arten derselben an. — 42 liefert einige nachtrage zu Volkmanns 
rhetorik. — 43 bespricht leben und Schriften des Porphyrius, 
44 die compilationsmethode dieses autors. — 45. Die collation 
des cod. Ambros. Q. 13 sup., welche Kinkel für den brief an 
die Marcella im interesse Volkmann's veranstaltet hat , lehrt, 
dass die ausgaben von 1816 und 1831 sehr zuverlässig sind-, 
einzelne abweichungen werden p. 8 aufgezählt, — 46. Abwei- 
chend von Bernays und Gildemeister heilt Volkmann eine 
Philol. Anz. VII. 7 



102 52." Miscellanea. Nr. 2. 

corrupte stelle in cap. 32 jenes briefes so : ojGtkq ovv zb %6qiov 
[ovx sGzt fiigog zov Gvyysvo^ivov ifißgvov] ov6' r] 
xaXdfiT] zov Gvyysvofi/iiov Gdov , ztÄsico&iviu Sa 'olmtziu [roc 
Gvyyiv 6 fxsv a ixdzsqajj ovtco xal zo Gvvugzojfisvov ifi ipvxfj 
ivGTTugsCGtj Gw^a xtX. Er legt hierfür die lateinische fassung 
des Pythagoras Syriacus zu gründe. — 47. Zwei stellen des 
cap. 34 werden erweitert; auch ergänzt Volkniann den artikel 
In cap. 1 init. im rjßuv irpOQfMdvzwv, cap. 2 zrjv drjfiiüdrj {iovGi- 
xrjv und xal zw nl^d-si. — 48. Einige Kicken in 3, 4, 5, 12 
25 werden ergänzt. — 49. Volkmann emendirt in cap. 1 zco 
nqog vfiäc, (p9dvoi. — xoirtovov GS zov fjfitTsqov ßCov — 
vnovqyovvzeg zolg daifioGi; cap. 10 h'n de Siaqd^qoCrjg av, sl [tvTj- 
fiovfvotg d ys dxrjxoag. 14. sv vor zco rj&si wird gestrichen. 
18. IxxaXovfitvov. 28. Xafjbßavovtug. 30. zu nsql z"r\g zv%rjg. — 
50 — 52 handeln über die 15 bücher des Porphyrius gegen die 
Christen-, den inhalt einzelner bücher sucht Volkmann aus den 
erhaltenen bruchstücken darzustellen. — 53 zählt die Schimpf- 
namen auf, mit denen den Porphyrius wegen jener schrift die 
kirchenväter Hieronymos, Eusebios und Theodoretos belegten; 
aus denselben geht hervor, dass jene in ihren ausdrücken eben- 
sowenig wählerisch waren , wie unsere heutigen zeloten. — 
54 — 55 handeln über die schrift Placita philosophorum ; gegen 
Herrn. Diels, welcher in seiner abhandlung de Galeni historia 
philosopTia. Bonnae 1871 behauptet, cap. 4 sei aus Sextus Em- 
piricus abgeschrieben, stellt er die ansieht auf, dass beide aus 
derselben quelle geschöpft haben. — 56. Die ephemeris belli 
Troiani des Dictys Cretensis ist eine historia des krieges in der 
weise des Euhemeros ; alle wunderbaren ereignisse sind weg- 
gelassen, das göttliche ist vermenschlicht. — In 57 wird Bern- 
hardy's angäbe dahin ergänzt, dass auch bei Dict. I, 16 vom 
gebrauch der schrift durch die homerischen helden die rede sei. 
— Wenn Donatus zu Ter. Hec. 206 behauptet, der dichter 
habe hier den euphemismus unterlassen, so muss er gelesen 
haben: non ita me di bene ament. — 59. Zu den schon be- 
kannten versen, in denen jedes folgende wort das vorangehende 
um eine silbe übertrifft, fügt Volkmann noch hinzu: Verg. Aen. 
X, 413. Quint. Smyrn. XII, 220 Apoll. Rhod. HI, 398. — 60. Mit 
hinweis auf Philol. 1859 p. 316 gibt Volkmann einige bemer- 
kungen über eigenthümlichkeiten des Nonnus : Vermeidung der 



Nr. 2. Neue auflagen 53—82. 103 

elision , sowie der partikeln yt , fjrqv , toi 3 r^dl, üv , dijv } vv , dtj 
anwendung von uv, uip, fjud , uqu, ug\ avruQ, rj, ydo, xi , nto. 
Einzelne dieser beobachtungen sind schon früher gemacht, so die 
über yi von Struve de ex. vers. in Nonn. carm. p. 19, die 
über t t di von Lehrs Qu. ep. p. 268 Eigler melet. II. 1851 p. 
16. Die note über i' ist zu berichtigen aus Ludwich, beitrage 
zur kritik des Nonnos. Königsberg. 1873, p. 22 —24. 

C. Härtung. 



Nene auflagen. 

53. Homer Odyssee, erklärt von J. V. Fast. 2 bd. 6. aufl. 8. 
Besorgt von C. TV. Kayser. Berlin. Weidmann ; 1 mk. 50 pf. — 
54. Freund's sckülerbibliotkek: Präparation zu Homers Odyssee. 3. 
hft. 4. aufl. 16. Leipzig. Violet; 50 pf. — 55. Anthologie aus 
den lyrikern der Griechen. 2. bd. 2. aufl. 8. Leipzig. Teubner; 
2 mk. 80 pf. — 56. Aeschylus Perser. Erklärt von W. S. Teuffei. 2. 
aufl. 8, Leipzig. Teubner; 1 mk. 20 pf. — 57 Sophokles erklärt 
von F. W. Schneidewin. 3. bdch. Oedipus auf Kolonos. 6. aufl. Be- 
sorgt von A. Nauck. 8. Berlin. Weidmann; 1 mk. 80 pf. — 58. 
Sophokles erklärt von G. Wolf. 1. thl. Aias. 3. aufl. 8. Leipzig. 
Teubner; 1 mk. 20 pf. — 59. Thucydidis de bello peloponnesiaco 1. 
VIII. Explanavit C. F. Poppo. Vol. IL sect. 1. Ed. 2 cur. J. M. 
Stahl. 8. Lips. Teubner; 2 mk. 40 pf. — 60. Thukydides erklärt 
von G. Boehme. 2. bd. 1. hft. 3. aufl. 8. Leipzig. Teubner; 1 mk. 
50 pf. — 61. Piatons vertheidigungsrede des Sokrates und Kriton. 
Erklärt von Ch. Cron. 6. aufl. 8. Leipzig. Teubner; 1 mk. — 62. 
Isokrates ausgewählte reden. Erklärt von O. Schneider. 2. bd. 2. 
aufl. Leipzig. Teubner; 1 mk. 50 pt. — 63. Freund Präparation zu 
Demosthenes philipp. reden. 2. hft. 2. aufl. 16. Leipzig. Violet; 
50 pf. — 64. Dess. Präparation zu Herodot's geschichte. 1. hft. 2. 
aufl. 16. — 65. P. Virgili Maronis opera. Ed. A. Forbiger, vol. '6. 
ed. 4. 8. Lips. Hinrichs; 9 mk. — 66. Q. Horatius Flaccus Sermonen. 
Erklärt von A. Th. H. Friizsche. 1. bd. 8. Leipzig. Teubner; 2 mk. 
40 pf. — 67. Freund Präparation zu Cäsars gallischem krieg. 2. hft. 

2. aufl. 16. ebendaselbst; 50 pf. — 68. Oslander und Schwab römi- 
sche prosaiker in neuen Übersetzungen. Bd. 147. 3. aufl. C. Julius 
Cäsar. 16. Metzler; 50 pf — 69. Titi Livi ab urbe condita libri. 
Erklärt von Weissenborn. 1. bd. 1. hft. 6. aufl. 8. Berlin. Weidmann; 
1 mk. 80 pf. — 70. Cornelius Tacitus, erklärt von K. Nipperdey. 1. 
bd. 6. aufl. 8. Berlin. Weidmann; 3 mk. — 71. M. Tullii ausge- 
wählte reden, erklärt von K. Halm. 6 bdch. 5. aufl. 8. Berlin. 
Weidmann; 1 mk. 20 pf. — 72. M. Tullii Ciceronis Laelius s. de ami- 
citia, erklärt von C. W. Nauck. 7. aufl. 8. Berlin. Weidmann ; 
75 pf. — 73. Ciceronis Brutus de claris oratoribus. Erklärt von K. 
W. Piderit. 2. aufl. 8. Leipzig. Teubner ;2 mk. 25 pf. — 74._ W. 
Scherr, allgemeine geschichte der literatur aller völker des erdkreises. 
5. aufl. 5. lfg. 8. Stuttgart. Conradi ; 1 mk. — 75. W. Kopp, ge- 
schichte der römischen literatur. 3. aufl. gr. 16. Berlin. Springer; 
1 mk. 6 pf. — 76. W. Teufel, geschichte der römischen literatur. 

3. aufl. 8. Leipzig. Teubner; 14 mk. — 77. P. W. Forchhammer, 
über reinheit der baukunst auf grund des Ursprungs der vier haupt- 



104 Neue Schulbücher. — Bibliographie. Nr. 2. 

baustile. 2. aufl. 8. Kiel. Hoinann; 2 mk. 40 pf. — 78. M. Duncker, 
geschickte des alterthums. 2 bd. 4. aufi. 8. Leipzig. Duncker u. H. ; 
10 mk. — 79. Calvary's philologische und archäologische bibliothek. 
25. bd. P. Dobree, Adversaria critica. 8. Berlin. Calvary; 2 mk. 

— 80. A. Forcellini totius latinitatis lexicon. cur. Corradi. Ed. 4. T. 
V. distrib. 52. gr. 4 ; 2 mk. 50 pf. (Brockhaus, sort.) — 81. Forcellini 
Lexicon. Pars altera sive Onomasticon totius latinitatis opera V. de 
Vit. T. 2. Distrib. 15. gr. 4; 2 mk. 50 pf. (Brockhaus, sort.) — 
82. Lessing's werke, herausgegeben von R.Gosche. Illustr. und geb. 5. 
lief. 8. Berlin. Grote ; 50 pf. 

Neue Schulbücher. 

83. C. A. Schmidt, grundriss der Weltgeschichte für gymnasien. 
1. theil. 9. aufl. Besorgt von G. Diestel. Leipzig. Teubner; 1 mk. 
20 pf. — 84. G. Freitag, bilder aus der deutschen Vergangenheit. 8. 
aufl. 3. bd. Aus dem Jahrhundert des grossen kriegs [1600 — 1700]. 
Neuer abdruck. 8. Leipzig. Hirzel; 6 mk. — 85. K. Kunze, grie- 
chische formenlehre in paradigmen. 8. Ragasen. Alexander; 1 mk. 

— 86. C. Berger und H. Heidelberg, Übungsbücher zu der griechi- 
schen grammatik von C. Berger. 1. cursus für quarta. 5. aufl. 8. 
Celle. Schulze; 1 mk. 50 pf. — 87. F. Bleshe's elementarbuch der 
lateinischen spräche. Bearbeitet von A. Müller, 4. auü. 8. Hannover, 
Meyer; 1 mk. 50 pf. — 88. Gedicke's lateinisches lesebuch, heraus- 
gegeben von Fr. Hof mann. 28. aufl. 8. Berlin. Diimmler ; 1 mk. 
20 pf., mit anhang 1 mk. 40 pf. — 89. Beispielsammlung zum über- 
setzen aus dem deutschen ins lateinische. Quinta. 2. aufl. 8. Mei- 
ningen. Brückner u. Renner; 30 pf. — 90. Dasselbe für quarta. 2. aufl. 
8. ibid; 50 pf. — 91. Dasselbe für tertia 2. aufl. 8. ebendas. 55 pf. — 
92. C. Berger, lateinische Stilistik für obere gymnasialklassen. 5. aufl. 
8. Coburg. Carlowa; 2 mk. 10 pf. — 93. K. A. J. Hoffmann, rhe- 
torikfür höhere schulen. 2. abth. 4. aufl. Besorgt von A. Schuster. 
8. Clausthal. Grosse; 1 rnk. 25 pf. 

Bibliographie. 

Nach dem bekannten Vorgang des general-postdirector Stephan 
sollen jetzt auch die buchhändler nach Börsenblatt nr. 25 die in ihrem 
geschalt üblichen fremdwörter aufgeben, als da sind factur, Sortiment, 
remittenda u. s. w. Bei der post geschah das zumeist deshalb, damit 
gleichheit entstände; hier ist das aber nicht der fall: man hüte sich 
also worte die das deutsche bürgerrecht und eine deutsche form 
haben, zu verbannen, da daraus nur Unklarheit und Ziererei entsteht: 
die Griechen wie die Römer haben sich nie gescheut nöthige fremd- 
wörter aufzunehmen und nach ihrer spräche zu modeln. Also worte 
wie die oben angeführten ohne noth aufzugeben ist verkehrt. 

Interessante notizen über Pflichtexemplare giebt Potthast im 
Börsenblatt nr. 50 : darnach gab Heinrich IL könig von Frankreich zuerst 
den befehl, dass jeder buchhändler ein exemplar seiner verlagswerke 
der königl. bibliothek zu Paris gratis liefern solle. Dazu liefert nr. 
58 einen nachtrag, in dem ein buchhändler in Preussen anzeigt, dass 
er obwohl oft um Pflichtexemplare gemahnt, sie nie eingeliefert habe: 
ein zwang sei gegen ihn nie angewendet worden. — (Es ist vielleicht 
der verlag darnach gewesen.) 

Zum Lexicon Sophocleum von W. Dindorf. — In dem nachdrucksprocess 
der gebr. Bornträger in Berlin gegen prof. W. Dindorf und B. G. Teubner 
in Leipzig ist nunmehr das letztinstanzliche urtheil desReichs-Oberhan- 
delsgerichts ergangen. Dasselbe bestätigt das urtheil der vorhergehenden 



Nr. 2. Bibliographie. 105 

instanzeo, nach welchem das lexicon Sophocleum von Dindorf als partieller 
nachdruck des bei gebr. Bornträger erschienenen Ellendt'schen lexicon 
betrachtet und derugemäss die einziehung der vorhandenen exemplare 
und der Stereotypplatten ausgesprochen wurde. Professor Dindorf ist 
zwar nicht zu einer strafe , wohl aber zur Zahlung eines Schadener- 
satzes von 1375 thlr. an gebr. Bornträger verurtheilt worden. Da- 
gegen spricht auch das letztinstanzliche urtheil ausdrücklich aus: 
'dass die inhaber der verlagshandlung B. GL Teubner bei der Veran- 
staltung des nachdrucks weder wissentlich noch fahrlässig gehandelt 
haben, steht zu deren gunsten rechtskräftig fest' — und ist daher 
die firnia B. Gr. Teubner sowohl von strafe als auch von der Ver- 
pflichtung zum Schadenersatz vollständig freigesprochen worden. 

Die Verlagsbuchhandlung von Fercl. Dümmler in Berlin giebt 
heraus ein ' Verzeichniss von älteren und neueren büchern und Zeit- 
schriften zu bedeutend ermässigten preisen': es sind darunter bücher 
von Bopp , Brugsck , Cicero's ausgaben von Zumpt, Livius von Al- 
schefski, Plato von Heindorf, Schriften von Vater, Kämpf, Friebel, 
Movers, Val. Rose, Schuck, Tittmann, A. W. Zumpt u. a. 

Ein verzeichniss einer anzahl vorzüglicher lehr- und unterriehts- 
bücher für gymnasien u. s. w. gab die Kesselring'sche hofbuchhand- 
lung in Hildburghausen. 

Im januar erschien von Bernhard Tauchnitz: 'Griechische und 
römische classiker. Octav-(schul-)ausgaben , taschenausgaben und 
Prachtausgaben. ' 

Mittheilungen der Verlagsbuchhandlung B. G. Teubner in Leipzig, 
1875, nr. 1: notizen über künftig erscheinende bücher: Kleine philo- 
logische Schriften von J. N. Madvig. Vom vf. deutsch bearbeitet: 
so unbekannt wie hier gesagt wird, sind diese abhandlungen in Deutsch- 
land nicht: Philol. XV, XVI hat schon darauf aufmerksam gemacht: 
schon daraus wird jeder ersehen , dass die verlagshandlung nur dank 
verdient, wenn sie diese arbeiten jedem zugänglich macht. Auch ist 
ja schön, dass Madvig selbst deutsch schreibt: der besuch bei dem 
Jubiläum in Leyden scheint also den Deutschenhass trotz Cobet nicht 
vergrössevt zu haben , hoffentlich auch nicht das Rhein, mus. XXVI. 
— Ueber die spräche der Etrusker von W. Corssen, zweiter band: 
soll im juni a. c. erscheinen: hier die inhaltsangabe. — Virgil im 
mittelalter von Domenico Compareüi aus dem italienischen übersetzt 
von dr. H. DütscTike : auch dies unternehmen verdient dank : nur wäre 
wünschenswerth, dass das nach Comparetti's buch über diesen gegenständ 
erschienene auch in noten oder in sonstiger weise berücksichtigt würde : 
z. b. Philol. anz. VI, nr. 9, p. 480. — Blind iunioris una cum Gargilii 
3Iartialis medicina nunc primum edita a Val. Rose : dazu vgl. Hermes 
VIII, -p. 18. — Parallelen zu den messianischen Weissagungen und 
typen des alten testamentes aus dem hellenischen alterthum. Von 
dr. Ed. Müller: (besonderer abdruck aus den Supplementen der 
jahrb. f. class.-philol.) — Der zweite athenische bund und die auf 
der autonomie beruhende hellenische politik von der schlacht bei 
Knidos bis zum frieden des Eubulos. Mit einer einleitung zur be- 
deutung der autonomie der hellenischen bundesverfassungen , von G. 
Busolt. (Besonderer abdruck aus den supplem, der jahrb. f. class. philol). 

Im märz erschien: 'verzeichniss empfehlenswerther kunstwerke 
für lehranstalten aus dem verlag von Dietrich Reimer in Berlin ; ein 
gleiches von den Wandkarten von E. Leeder im verlag von C. D. 
Biideher in Essen. 

Calalor/e von antiquaren : J. Bensheimer in Mannheim und Strass- 
burg , antiquarischer catalog 10 , altclassische philologie , neuere lin- 
guistik , orientalia; antiquarisches bücherlager nr. 435 von Kirchhoff 



106 Kleine philologische zeitung. Nr. 2. 

und Wiegand in Leipzig, auch enthaltend die bibliothek des dr. Julius 
Rosenbaum in Halle Matthias Zampertz in Bonn 107 und 113 catalog 
des antiquarischen bücherlagers ; XXIII antiquariatscatalog von 
Simmel et Co. in Leipzig. 



Sileiue philologische zeiiuug. 

Die Preussischen Jahrbücher von H. v. Treitschke und W. Weh- 
renpfennig bd. XXXIV, hft. 4, p. 398 — 403 enthalten unter der Über- 
schrift: 'trojanische ausgrabungen ' eine anzeige von Schliemann^ s troja- 
nischen alterthümern von C o n z e, in welcher zuerst von dem eindruck, 
den Schliemann's fund gemacht, im allgemeinen gesprochen, dann p. 
400 als eigne ansieht ausgesprochen wird , dass in den fundstücken 
nichts aus Homer's zeit sei, dass diese vielmehr zum theil weit älter 
oder doch alterthümlicher seien , als alles, was man aus den homeri- 
schen gediehten etwa mit ihnen vergleichen kann. Ein metallschmuck, wie 
ihn das epos beschreibt, ist von den goldgehängen, die Schliemann fand, 
formell so verschieden, wie eben werke zwei ganz verschiedener 
stilperioden sein müssen '. Dies wird p. 401 näher dahin bestimmt, 
dass die fundstücke einer vorhomerischen periode angehören, der, 
welche durch funde auf der insel Thera jetzt repräsentirt sind : eine 
bestätigung dafür liefern die inschriften einzelner geräthe, in dem 
kyprischen aiphabet geschrieben: denn wie sehrein ' vorkadnieisches ' 
aiphabet mit der 'vorhomerischen' formenweit der Schliemann'schen 
funde harmoniren würde, liegt auf der hand, p. 401. Durch diese 
ansichten wird aber nun die topographische frage ganz verändert: 
man glaubte nach analogie von Mykene Troja oberhalb Bunarbaschi 
am obersten ende des Scamanderthales suchen zu müssen, jetzt wird 
man aber genöthigt sein zu fragen 'in was für lagen noch ältere 
ansiedlungen sich befunden haben mögen'. Der aufsatz enthält mehr 
fragen als resultate , schliesst übrigens mit der sehr richtigen bemer- 
kung, dass es noch mannigfacher arbeit bedürfe, bis über diese funde 
richtig geurtheilt werden könnte, dass namentlich auch die ausgra- 
bungen selbst einer genauen revision unterworfen werden müssten: 
Schliemann selbst habe zu viel verwirrt. 

Frankfurt , 8. februar. Im Taunus-club wurde eine abhandlung 
des obex-st von Cohausen über die ueuerdings in der sg. Wildscheuer- 
höhle bei Steeden a. d. Lahn vorgenommenen ausgrabungen mitge- 
theilt , nach denen feststehen soll , dass zur zeit des ausbruchs der 
Eifel-vulkane der mensch hier gleichzeitig mit den vorweltlichen 
riesenthieren gelebt habe. 

Dresden, 9. februar. Im november 1874 ward bei Dresden ein 
urnenfeld entdeckt: nach den mittheilungen des professor Seinitz in 
dem verein Isis hiersei bst rühren die daselbst gefundenen geräthe 
von einem volke slavischen Ursprungs her, und fallen ungefähr in das 
5. Jahrhundert vor Chr.; Reichsanz. nr. 33. 

Trier, 9. februar. Es sind hier fünf steinerne Römersärge aus der 
heidnisch-römischen zeit gefunden : die leichen lagen von westen nach 
osten. Weiteres im Reichsanzeiger nr. 34. 

Berlin, 17. februar. Heute fand die erste der von der afrika- 
nischen gesellschaft veranlassten Vorlesungen statt. Dr. Prutz sprach 
über das alte und das neue Phönizien. 

— — Nach dem Athenaeum hat George Smith in den assyrischen 
schrifttafeln im British museum die legende von dem bau des thur- 
mes von Babel entdeckt. 

Am 17. Februar feierte prof. dr. Fritz sehe in Rostock sein 50- 
jähriges doctorjubiläum. (S. vorläufig Reichsanz. nr. 52.) 

London, 3. niärz. Die königin hat dem archäologen Word wegen 



Nr. 2. Kleine philologische zeitung. 107 

seiner Verdienste z. b. bei den ausgrabungen in Epheeos — s. Philol. 
Anz. V., nr. 5, p. 270 — eine Staatssubvention von jährlich 200 pf. 
st. ausgesetzt. 

Rom , 1. märz. Die ausgrabungen am Esquilin schreiten rüstig 
vorwärts und sind neuerdings zwei marmorfiguren (denen die arme 
fehlen : die eine , eine weibliche figur vor dem bade darstellend, 
scheint der schule des Pasiteles zu entstammen, die andere mit 
schwermüthig zur seite geneigtem haupte , wird für eine Muse ge- 
halten) und eine silberne Statuette gefunden. — Vgl. Reichsanz. 
nr. 51. 

Leipzig , 2. märz. Heute feiert der honorarprofessor dr. Nobbe 
sein sechzigjähriges dienstjubiläum unter allgemeiner theilnahme. 
Vgl. Reichsanz. nr. 55. 

Berlin, 4. märz. In Pompeji ist ein haus blossgelegt, das ausser 
anderem schmuck eine frescomalerei von bemerkenswerther Schönheit 
enthielt. Das gemälde mit laubgehängen von epheu eingefasst, zer- 
fällt in drei felder, deren jedes von einem gemalten rahmen (blumen- 
gehänge , an deren jedem ein mit einer menschlichen figur geziertes 
medaillon hängt) eingefasst ist; das mittlere grösste zeigt Orpheus 
mit der lyra wilde thiere bändigend : während köpf und büste der 
figur mit wunderbarer krait ausgeführt sind, zeigt der untere theil 
viel unvollkommenes ; ähnlich treten unter den thieren ein eber und 
ein hirsch hervor: man meint, dass dies unvollkommene von einer 
von ungeschickter band ausgeführten restaurirung herrührt. Die 
beiden seitenfelder stellen reizende landschaften dar. Vgl. Reichsanz. 
♦nr. 54 beil. 1. 

Unter der aufschrift: 'zur erinnerung an die dritte säcularfeier 
des Berlinischen gymnasiums zum grauen kloster am 2. juli 1874, ist 
in der Weidmann'schen buchhandlung in Berlin in sauberster aus- 
stattung eine Zusammenstellung der festreden, ansprachen, trinksprüche 
u. s. w., in welchen das ereigniss gefeiert wurde , erschienen, darin 
auch eine erzählung des ganzen hergangs der feier. 

London, 4. märz. Gr. Smith hat auf einer assyrischen keilschrift- 
tafel eine legende über die entstehung der weit entziffert: sie beginnt 
mit Schilderung des zustandes vor erschaffung der weit, eines leeren, 
wüsten raumes, in dem das chaos ungeheuer schafft: es wird das 
chaos von einer weiblichen macht beherrscht, ähnlich wie bei Berosus. 
Dann wird der fall eines himmlischen wesens (des satan) geschildert: er 
wird besiegt und die bösen mächte : daran reiht sich die stufenweise er- 
folgende Schaffung der götter , zuletzt entsteht der mensch , der auf- 
recht geht, frei von sünde ist und von den göttern mit der spräche 
beschenkt wird : er soll gut bleiben, aber er kann der Versuchung 
nicht widerstehen und wird von der gottheit verflucht: daher alle 
übel. Vgl. Augsb. AUg. Ztg. nr. 66. Reichsanz. nr. 62. 

Berlin , 8. märz. In Brasilien ist ein dorf ausgegraben , das , wie 
die gefundenen geräthe u. s. w. zeigen , einem stamme angehört hat, 
dessen weiber das kriegerhandwerk trieben. Reichsanz. nr. 57. 

Berlin, 9. märz. Bei Orvieto ist eine grossartige gräberanlage 
entdeckt, die einen reichen ertrag von alterthümern verheisst. Es 
ist schon jetzt dadurch die vermuthung von K. 0. Müller bestätigt, 
dass hier das alte Volsinii gelegen. Vgl. Reichsanz. nr. 58. 

Trier, 12. märz. Hier ist beim auswerfen von gruben ein römi- 
scher mosaikboden mit figuralen darstellungen gefunden, der, weil er 
so gut erhalten , in die sg. römischen bäder gebracht wird. Trier. 
Ztg. vom 12. märz. Reichsanz. nr. 64. 

Berlin , 13. märz. Bei Cortil-Noirmont in Belgien ist ein grab- 
hügel geöffnet, in welchem bronzegeräthe, knochen u. s. w. und auch 



108 Kleine philologische zeitung". Nr. 2. 

je zwei goldene und silberne münzen von Nerva und Hadrian gefun- 
den sind. Reich sanz. nr. 6-2. 

Baden im Argau, 15. märz. Es sind einige Überreste der alten aquae 
Helveticae entdeckt, Tier römische säulen u. s. w. Reichsanz. nr. 67. 

Dresden, 19. märz. Heute starb hier prof. dr. Karl Gustav Helbü/ T 
als historiker vorzugsweise bekannt; er hat unter Gr. Hermann philo- 
logie studirt und eine schöne probe seiner studien in dem bekannten 
aufsatz über Catull in den Deutschen Jahrbüchern gegeben. Obgleich 
später der neuen geschichte zugewandt, blieb er doch immer mit der phi- 
lologie in Verbindung und war sehr erfreut als sein söhn Wolfgang,, der 
jetzige sekretär des archäologischen instituts, dieser Wissenschaft sich 
zuwandte, verfolgte auch deshalb dessen laufbahn mit der grösstera 
theilnahme. Er war ein trefflicher character und auch ein treuer 
freund: ich sass neben ihm in quarta auf der kreuzschule in Dresden, 
wo wir unsere ersten lateinischen versuche unter der leitung Philipp 
Wagners, des liebevollsten lehrers, machten, den ich, so oft ich nach 
Dresden gekommen , eben so wie den rector Gröbel , jedesmal mit 
Heibig besuchte : wir wurden stets auf das freundlichste empfangen, 
Friede sei mit allen diesen edlen männern 1 — [E. v. X.} 

Berlin, 31. märz. Im Januar d. j. ist in der provinz Belluno ein 
fund antiker silbergeräthschaften gemacht worden , der in vielfacher 
beziehung an den Hildesheimer erinnert. Man meint, die geräth- 
schaften für reste der grossen Vandalenbeute halten zu dürfen, welche 
bei der eroberung und plünderung Roms im jähre 455 dem Geiserich 
in die hände fiel, seinem nachfolger, dem letzten Vandalenkönig 
Gelimer aber nach der einnähme Karthagos durch Belisar 534 wieder 
abgenommen wurde. Der fund besteht nur aus drei silbernen ge- 
räthen, nämlich zwei schusseln und einem kleinen napf, die am '20. 
januar d. j. am abhänge eines kleinen berges bei dem orte Arten 
nächst Fonzaso in der provinz Belluno ausgegraben wurden. Die 
eine schüssel hat einen durchmesser von 20 1 /? zoll und wiegt 5 pfund 
13 loth ; die zweite schüssel hat einen durchmesser von 10 zoll 10 
linien und wiegt etwa 48 loth Wiener gewicht. Der napf ist nur 
etwa 3 zoll hoch mit 4 zoll im durchmesser. In der mitte der erst- 
erwähnten grossen schüssel ist ein rosettenartiger stern mit 28 spitzen, 
dem anscheine nach ein byzantinisches Ornament, eingravirt, der von 
zwei parallelkreisen eingeschlossen ist. In das band zwischen den 
beiden kreisen ist folgende rundschrift in lateinischen uncialbueh- 
staben eingravirt: f GEILAMIR REX VANDALORVM ET ALANORVM. 
Sowohl die form der buchstaben als auch der Wortlaut des titeis ent- 
sprechen vollständig den Urkunden und sonstigen denkmalen jener 
zeit, z. b. münzen, deren eine das brustbild des Gelimer mit der 
Unterschrift D. N. (Dominus noster) REX GAILAMIR zeigt. Es ist 
anzunehmen, dass die schüssel ein erzeugniss des römischen kunst- 
gewerbes ist, und dass, nachdem sie in vandalischen besitz gelangt 
war, die inschrift zur bezeichnung des nunmehrigen eigenthümers 
eingravirt wurde. Der boden der zweiten kleineren schüssel ist mit 
einem relief ausgefüllt, welches offenbar Venus und Adonis mit Amor 
darstellt. Die ausführung ist nur handwerklich , aber nach guten, 
klassischen Vorbildern, und das werk kann auch älteren Ursprungs 
als die erste schüssel , vielleicht aus dem fünften oder vierten Jahr- 
hundert sein. Der napf zeigt keine schrift und kein bild, und hat 
nur ein kleines randornament. Man erinnert sich gelegentlich dieser 
drei objecte daran , dass Belisar nach der eroberung von Karthago 
das siegesmahl mit den silbergefässen des vertriebenen vandalenkönigs 
Gelimer hielt, und dass nach dessen vollständiger besiegung in der 
schlacht bei Trikameron die gesaminte von Geiserich in Italien ge- 



Nr. 2. Auszüge aus Zeitschriften. 109 

machte beute in die bände der sieger fiel. Reichsanz. nr. 75. Augs- 
burger Allg. Ztg. 

Göttingen, 29. august. Wir beeilen uns, folgende auf die Char- 
lottenstiftung (s. Phil. Anz. VI, 10, p. 517) bezügliche eben eintreffende 
nachricht mitzuth eilen : Die beiden von der kgl. akademie der Wissen- 
schaften zu Berlin ausgesetzten philologischen preise der von dieser ver- 
walteten ' Charlottenstiftung' sind auf das philologische seminar unserer 
jüngsten schwesteruniversität Strassburg gefallen. Nämlich 1) den 
grossen einmaligen preis der Charlottenstiftung (6000 Reichmk.) für die 
beste darstellung der handschriftlichen kritik der dritten dekade des 
Livianischen geschichtswerks (mit berücksichtigung von Mommsen's 
und Studemund's Analecta Liviana) hat erhalten der privatdocent und 
assistent am philologischen seminar der Universität Strassburg dr. phil. 
August Luchs; 2) den auf vier jähre vertheilten preis derselben Stiftung 
für die beste darstellung der sprachlichen eigenthümlichkeiten der 
Graubündtischen lex Romano, TJtinensis hat erhalten das ordentliche 
mitglied desselben seminars dr. phil. Louis Stünkel, welcher sich 1875 
durch eine sorgfältige darstellung der charakteristischen wortbildnerei 
des 31. l'erentius Varro (Strassburg bei Trübner 1875) vortheilhaft 
bekannt gemacht hat. 

Auszüge aus Zeitschriften. 

Archäologische Zeitung. Herausgegeben von Ernst Curtius 
und Richard Schöne N. F. bd.VII, hft. 4: Adler, architektonische 
mittheilungen aus Athen : 1) alte baureste unter der Attalos-stoa 
(hierzu taf. 10); 2) dorische baureste bei der Attalos-stoa und dem 
theater gefunden (hierzu taf. 11), p. 121. — R. Engelmann, das 
mosaik von Palestrina (hierzu taf. 12), p. 127. — C. Robert, Medeia 
und die Peliaden (hierzu taf. 13), p. 134, ein Wandgemälde inPompeii 
betreffend. — H. Blümner, terracotten aus Tanagra (hierzu taf. 14) 
Y>. 140), bäcker und haarschneider darstellend. — A. Holm, neue 
entdeckungen aus Selinus, p. 143: sie sind durch Cavallari veranlasst, 
ergänzen die Schriften von Schubring, Benndorf und Holm und sind 
entnommen dem Bulletino della commissione di antichita e belle arti di 
Sicilia nr. 7. Palermo, 1874: die entdeckungen betreffen 1) die 
Strasse, welche von der stadt Selinus zur nekropolis führte und die 
Überreste eines an dieser gelegenen gebäudes, das vielleicht als ein- 
gangspforte zur nekropolis diente; 2) die bürg von Selinus, wobei 
wichtige aus Afrika stammende münzen besprochen werden. — M. 
Fränkel, ein attisches relief (dabei eine lithographie) , p. 148: be- 
treffend grabsteine, die zugleich weihgeschenke waren. — Miscellen: 
G. Hirschfeld, inschriften von Novum Ilium (Hissarlyk), p. 151; 1) 
dekrete zu ehren des Malusios, Bakchios, s., aus Gargara ; 2) inschrift 
vom j. 281 v. Chr. — E. Curtius undi*\ Adler, aus Kleinasien und Grie- 
chenland (hierzu ein holzschnitt), p. 156; es wird kurz berichtet über 
den von Henning gefundenen und im Hermes IX , p. 257 edirten 
brief des kaiser Julian , dessen besuch in Neu-Ilion betreffend , dann 
über das neu gegründete museum in Smyrna (s. unt. p. 111), über die 
von O. Rayet auf kosten Rothschilds geleiteten ausgrabungen in 
Milet, die von Lang auf Kypros, über die terracotten und mehr als 
600 grabinschriften u. s. w. , die Demetriades in Tanagra gefunden, 
endlich über die ausgrabungen in Athen , wo die ausgrabung der 
alten befestigungswerke am westlichen stadtrande zur aufdeckung 
zweier stadtthore geführt hat , über die Adler p. 158 ausführlich be- 
richtet, auch in holzschnitt einen grundriss beigefügt hat. Auch 
anderes ist noch gefunden, wovon wir den grenzstein hervorheben. 
der an der Strasse nach Eleusis gefunden und p. 162 mitgetheilt ist: 



110 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 2. 

o 

E20JO 
TKSEAE YSINAJE 

— A. D. Mordtmann, Apollon Krateanos, p. 162, inschriften, auf 
denen dieser name , über den Mordtmann nichts hat finden können, 
erscheint ; sie sollen aus Mysien stammen, und sini sich mit ausnähme 
der namen alle gleich : beispielsweise geben wir eine : 

rictvxias AnökXoivi, 

KQanavtü sv^v. 
Ueber die inschriften wird nichts mitgetheilt. — H. Dütschke , die 
vermeintlichen statuen der tyrannenmörder im Boboli - garten in 
Florenz, p. 163; die statuen werden als restaurirte und neue nach- 
gewiesen. — A. Förster, zu Pausan. I, 24, 3, p. 165. — Berichte, p. 
166: bericht von der archäologischen gesellschaft in Berlin, p. 166. 

— Chronik der Winkelmannsfeste , p. 167. — Zusätze und 
berichtigungen, p. 172. ■ — JE. Curtius, zum gedächtniss von Fr. Matz, 
geb. zu Lübeck, 13. oct. 1843, gest. zu Berlin 30. december 1874, p. 
173 : kurze darstellung des lebens und strebens dieses trefflichen 
jungen philologen: über seinen aufenthalt in Göttingen, der von 
Curtius so gut wie gar nicht berührt ist, s. ob. VI, hft. 12. — R. 
Engelmann, Allgemeiner Jahresbericht, p. 177. 

Augsburger Allgemeine Zeitung, 1874: nr. 334 : briefe aus dem Elsa ss 
XVII : wird das Schulwesen im Elsass besprochen und gegen die regie- 
rung polemisirt. — Nr. 336: entdeckung eines äusserst interessanten 
pfahlbaus bei Biel in der Schweiz : ein ganzer kahn ward ausgegraben. 

— Nr. 338: kämpf zwischen staat und kirche in Chile. — Beil. zu 
nr. 338. 339: Sepp, reisebriefe aus der Levante. XX: die gräber der 
Babylonier, Buddhismus im christenthum. — Auss. beil. zu nr. 340: 
ausgrabungen am Pantheon in Rom : s. Phil. Anz. VI, 10, p. 497. — Nr. 
341 : bayerische gymnasialexperimente, klagen über vom ministerium er- 
lassene Verordnungen. — Beil. zunr. 342 : die Sprachwissenschaft, anzeige 
der von J. Jolly herausgegebenen Vorlesungen von Whitney. — Nr. 343 : 
die debatte über die freigebung des höhern Unterrichts in Versailles : 
vgl. nr. 342. — Beil. zu nr. 343: die kleinasiatischen städteruinen : 
der vrf. führt aus, dass um die gründe der Zerstörung dieser städte 
klar darzulegen , ein geologe sich mit einem historiker vereinigen 
müsse: naturereignisse hätten darauf eingewirkt. — Nr. 344: professor 
C. Tischendorf f. — Beil. zu nr 344. 345: O. Keller , über die ent- 
deckung Troja's durch Heinrich Schliemann: der in Freiburg i. B. 
gehaltene Vortrag: zuerst wird Bunarbaschi als der ort, wo Troja 
lag, abgewiesen, für Hissarlik dagegen gekämpft, dabei II. XX als 
spät und von einem der gegend unkundigen dichter verfasst charac- 
terisirt, endlich ausgesprochen, dass Schliemann wirklich Troja's statte 
aufgefunden habe: s. Phil. Anz. VI, 10, p. 523. — Beil. zunr. 347: klerus 
camorra und brigantaggio, italienische Schlagschatten von TV. Kaden I. 

— Nr. 350: in dem abgeordnetenhaus in Wien wird der Vorschlag 
gemacht, die Collegiengelder bei der Universität aufzuheben: hier wird 
dagegen gesprochen. — Beil. zu nr. 351: Fr. Blume (früher schrieb er 
sich Bluhme) über die spräche der Longobarden : kurze anzeige von : 
'die gens Longobardorum, zweites heft. Ihre spräche', an die sich 
schöne worte über den jüngst verstorbenen schliessen. — Beil. zu nr. 
353 : zur griechischen kunstgeschichte. II, von Liibke : s. ob. nr. 329 : 
bezieht sich auf aufsätze Brunn's über den Parthenon. — Neuere Über- 
setzungen der Bibel: sehr zu beachten. — Nr. 357: die neue bayeri- 
sche Schulordnung. — Beil. zu nr. 357: kurze anzeige von Vollmer's 
Wörterbuch der mythologie aller Völker. 

Augsburger Allgemeine Zeitung, 1875, nr. 1 : Bonghi und die semi- 



Nr. 2. Auszüge aus Zeitschriften. 111 

narien: der minister dringt darauf, dass die lehrer an den seminarien 
sieb den gesetzmässigen prüfungen unterwerfen; also dasselbe was in 
Deutscbland verlangt wird, sucht Bongbi in Italien zu erreichen. — 
Beil. zu nr. 1: F. von Helhvald , die jüngsten ausgrabungen am Es- 
quilin: sacht ein auditorium für privatvorlesungen naebzuweisen. — 
Nr. 2: Deutsche professoren und erziehung in Japan. — Beil. zu nr. 3: 
anzeige von F. v. Hellwald'sculturgeschichte. — Sicilianiscbe zustände. — 
Beil. zu nr. 8: Schllemann, professor Stark und Troja: eine entgegnung 
Scbliemann's auf eine recension Stark's in Jenaer Lit. Ztg., 1874 
nr. 23: Scbliemann's angaben suchen die wabrbeitsliebe Stark's zu ver- 
dächtigen : weiteres ist abzuwarten. — Beil. zu nr. 9 : professor 
John Tyndall und die freiheit der Wissenschaft, von J. Frobscbammer. 

— Nr. 13: die universitäts- und landesbibliotbek zu Strassburg bat 
vom fürst Ludwig von Bentbeim gegen 1000 äusserst wertbvolle 
bücher zum geschenk erbalten. — Beil. zu nr. 13: ein archäologischer 
fund : namentlich beschreibung der auf dem Esquilin gefundenen 
Venus: s. ob. p. 46. — Nr. 26: kurze anzeige von Overbeck's 
Pompeii, dritte aufläge. — Beil. zu nr. 26: Allgemeine Deutsche bio- 
graphie : anzeige der beiden ersten unter leitung von Lilienkron 
und Wegele erschienenen hefte. — Beil. zu nr. 27. zu Fr. W. v. 
Schellings hundertjährigem geburtstag. — Beil. zu nr. 29 : das neueste 
aus Pompeji, von dr. R. Schöner: beschreibung einer ausgrabung in 
Pompeji und eines dabei aufgedeckten gemäldes, Orpheus und Eurydike 
darstellend: die letztere wird als der glanzpunkt des ganzen hinge- 
stellt. — Wo und wann ist der heilige Hieronymus geboren ? Knüpft 
an die schrift von Danko an: divum Hieronymum oppido Stridonis 
Hungariae a. 331 natum esse propugnat Mainz 1874, die sehr em- 
pfohlen wird. — Beil. zu nr. 30; Ferdinand Hitzig, nekrolog. — Hr. 
Vivian de Saint-Martin und das homerische Ilion: anzeige von dr. 
H. Schliemann, in der einer abbandlung des genannten französischen 
gelehrten überTroja's läge irrthümer nachgewiesen werden. - Ausser- 
ordentliche beilage zu nr. 30 : der streit zwischen professor Adler und 
dr. Sepp über den baulichen Ursprung der Omar-moscbee zu Jerusalem. 

— Nr. 32: zum gedächtniss Friedrich Creuzer's: anknüpfend an die 
schrift von L. Stark. — Ausserordl. beil. zu nr. 33: mittheilungen 
über das gebahren der Studenten in Rom und auf anderen italienischen 
Universitäten. — Beil. zu nr. 34 : die arbeiterbewegung im alterthum: 
anzeige der schrift von K. Bücher, die aufstände der unfreien arbeiter 
143 — 129 v. Chr. — Die feier von Schelling's lOOjährigem geburtstag 
auf Universitäten. — Beil. zu nr. 36: ein urnenfeld bei Strehlen (in 
der nähe von Dresden) entdeckt. — Nr. 42: die russischen reformen. 
I : betrifft die aufbebung der leibeigenschaft : sehr beachtenswerther 
aufsatz. — Beil. zu nr. 42 und 43: zur geschichte der schifffahrt und 
des handeis: knüpft an das werk von Lind say, history of merchand, 
shipping and ancient commerce. Vol. I. Lond. 1875: handelt vom 
Argonautenzug , Semiramis , Phönizien und Karthago. — Beil. zu nr. 
44: Carriere, die thatsache der sittlichen weltordnung. — Beil. zu 
nr. 45: die Schellingsfeier in Jena. — Beil. zu nr. 48: kurze notiz 
über Gustav Eirschfeld's reisen in Kleinasien, auf denen er 380 un- 
edirte inschriften gesammelt hat. — Archäologisches museum in 
Smyrna. — Beil. zu nr. 49 : ein sprachgelehrter des sechzehnten Jahr- 
hunderts : anzeige des buchs Lawensschete van Cornelis van Kiel 
(Kilianus) door P. Genard. Antwerpen 1874: Kilianus, eigentlich 
Abte, bekleidete sein leben hindurch die correctorstelle in der Plan- 
tinischen druckerei in Antwerpen, für deren geschichte das buch auch 
vdn Wichtigkeit. Kilian starb 16. april 1607. — Mark Pattison ver- 
öffentlicht in Oxford eine ausgezeichnete biographie über Casuubonus. 



112 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 2. 

— Beil. zu nr. 50. 51: Stieler, erinnerungen an Strassburg. — Nr. 50: 
Smith hat unter den assyrischen tafeln nach dem Athenäum die legende 
des babylonischen thurmbaues gefunden. — Beil. zu nr. 51. 52. 54. 56. 58: 
Julian Schmidt, Görres und sein kreis. I. II. III. IV. V. — Bei den aus- 
grabungen am Esquilin sind zwei weibliche marmorstatuen von vor- 
züglicher arbeit — die eine ein ziemlich entwickeltes weib vor 
dem bade darstellend — und eine silberne Statuette gefunden. — 
Beil. zu nr. 52. 57 : das Jubeljahr der hochschule zu Leyden. I. II : 
erst allgemeines und den ersten tag schildernd: (merkwürdig, dass 
Madvig nicht erwähnt wird), dann specielleres , namentlich toaste, 
bringend. — Nr. 53 : Stimmungsbilder aus Berlin. XIX : fortsetzung 
aus j. 1874, nr. 365: enthält zwar nichts eigentlich philologisches, 
aber zu beachten. — Beil. zu nr. 54, 55: (L. St.) W. Corssen, über 
die spräche der Etrusker, Leipzig 1874: sehr zu beachtende anzeige, 
in der schliesslich der vf. von Corssen in zwei punkten abweicht, 
erstens in dem urtheil über die spräche ; St. hält sie nicht für rauher 
als das latein; zweitens in der art, wie die Ortsnamen, inschriften u. 
s. w. in Tirol, Graubünden u. a. behandelt sind. — Beil. zu nr. 55: 
der Onondaga-riese : nähere mittheilung über die in Amerika entdeckte 
angeblich phönikische statue : über sie s. Phil. Anz. VI, nr. 9, p. 478 : 
hier wird erzählt, wie der ganze Schwindel von zwei schlauen ameri- 
kanern, A. JB. Morton und George Süll ausgegangen. — Nr. 57: die 
gründung der Universität Czernowitz. — Beil. zu nr. 62: der dorn zu 
Trier: ausführliche anzeige von Wilmowshy 's buch, die auch die 
römische zeit berücksichtigt, von L. X. Kraus. — Beil. zu nr. 63, 
65 : R. Schöner , römische imperatorenköpfe I , II , III : bespricht die 
Julier und Claudier ; in II die kaiser von Galba bis Hadrian ; III die 
kaiser von Antoninus bis Elagabal. — Beil. zu nr. 64. 66. 68: die 
academischen zustände in Oesterreich: referirt aus dem für 1874 
erschienenen Jahresbericht des ministeriums für cultus und Unterricht. 

— Nr. 66: der culturkampf und die centrumspartei in den deutschen 
Volksvertretungen. — Die von G. Smith entdeckte assyrische tafel 
die entstehung der weit betreffend (s. ob. p. 107). — Beil. zu nr. 66: 
TT. Hiiffer , die republik Florenz unter den Medici: bespricht das 

buch von A. v. Keumont: Lorenzo di Medici, 2 bde. Leipzig. 1874. 

— Beil. nr. 70. 71: Martin Haug , die Unsterblichkeit der seele bei 
den Chaldäern. — Ausserordentliche beilage zu nr. 75 : ausgrabungen 
in den katakomben. — Beil. zu nr. 85 : Stimmungsbilder aus 
Berlin. XX. — Nr. 86: die ägyptische expedition nach Darfur. — 
Nr. 91. 92. 93. 94. 95: das verhältniss von staat und kirche in seiner 
geschichtlichen entwicklung: mit berücksichtigung der schritt von 
Geffken, staat und kirche. — Beil. zu nr. 92: L. Geiger, Petrarca 
und Dante: berücksichtigt neue werke von Italienern über diesen 
gegenständ. — Beil. zu nr. 93 : Döllinger , die königlich bayerische 
academie der Wissenschaften. — Die Reichsorthographie: warnt vor 
Übertreibungen. — Beil. zu nr. 96: rasirrnesser in indogermanischer 
zeit : Vortrag von Th. Benfeg, hervorgerufen durch einen aufsatz von 
Wolfgang Heibig — s. Allg. Ztg. 1874, beil. zu nr. 352: — , welcher 
sprachlich nachzuweisen sucht, dass die Indo-germanen von höher 
entwickelten Völkern die sitte und die mittel kennen lernten , die 
barthaare abzunehmen. (Aber es ist das vorläufig Alles conjectur.) 
Auch vergl. unten nr. 117. — Nr. 97: der revivalismus in England. — 
Nr. 98: Italien and das papstthum. — Anzeige eines Vortrags von 
Sichel in der Wiener Academie, über Alcuin's briefe: sie sind auch 
für die topographie Rom 's von Interesse. — Beil. zu nr. 99: Joh. 
Jul. Christian Donner: nekrolog. — Bericht über die Versammlung 
rheinischer schulmänncr in Köln am 30. märz: man erwähnte die 



Nr. 2. Auszüge aus Zeitschriften. 113 

äusserung von H. Sybel, die rheinischen gymnasien seien hinter 
denen in andern provinzen zurück, ging aber zur tagesordnung über: 
es ist das sehr zu bedauern: man hätte, dass an dem yvw&t, guvxov 
den Schulmännern etwas läge , dadurch beweisen sollen , dass man 
auf das genaueste die anklage erörtert hätte. Aber der hochmuth 
unserer zeit zeigt sich überall. — ■ Beil. zu nr. 100. 101: Deutsch- 
Lothringen: anzeige des buchs von Sühn; in demselben befindet sich 
auch eine vollständige geschichte von Metz. — Nr. 102 und Beil. zu 
nr. 103: die Strasse der gräber in Pompeii, von R. Schöner: be- 
schreibuug nebst den ins deutsche übersetzten inschriften. — Nr. 104 : 
die griechische grammatik für die Inder. — Nr. 113: der archäolo- 
logische ausgrabungsvertrag mit Deutschland wird von der griechi- 
schen kammer genehmigt. — Beil. zu nr. 113: Ursprünge und ziele 
unsrer culturentwicklung: anzeige einer schrift gleichen inhalts von 
Fr. Grau in Königsberg (Gütersloh). — Nr. 116: rundschreiben der 
Universität Leyden an die Universitäten , welche deputirte zum Jubi- 
läum geschickt hatten. — Beil. zu nr. 117: noch einmal die rasir- 
messer in indogermanischer zeit : entgegnung von W. Heibig, auf die 
bemerkurigen Benfey's, s. oben nr. 96: zugleich berichtend über 
weitere ausführung und begründung seiner ansieht. — Nr. 129 : epi- 
demien in Syrien, Mesopotamien, Cyrenaica. — Beil. zu nr. 129: die 
ausgrabungen in Aquileja: nach einem hübsch geschriebenen blick 
auf die geschichte der stadt und der provinz, geht der vf. auf die 
Sammlungen von alterthümern jn Aquileja über, kommt dann auf die 
neuesten ausgrabungen der Stadtmauern, von einzelnen strassentheilen 
und einem interessanten öffentlichen gebäude, was wie die mauern genau 
beschrieben wird : welche bestimmung es gehabt — die einen hal- 
ten es für ein theater, andere für den circus, andere für ein bad: 
nach dem vf. könnte alle dies in ihm vereinigt gewesen sein , auch 
der kaiserliche pallast — lässt sich noch nicht bestimmen: die aus- 
grabungen müssen erst weiter gediehen sein. — Nr. 130: die terzine 
in Holland. — Nr. 131: H. Ewald: berichtigungen zu dem nekrolog 
in nr. 127. — Beil. zu nr. 131 : deutsche kunstwerkstätten in Rom. 
— Enthüllung der Gedenktafeln für die 1870 gefallenen Studenten. — 
Auss. beil. zu nr. 132: Dr. de Bries über die deutschen hochschulen: 
genauere mittheilung des bei dem Jubiläum zu Leyden auf die deut- 
schen Universitäten ausgebrachten trinkspruchs. — Ausserord. beil. zu 
nr. 135 : das römisch-germanische centralmuseum in Mainz : auszug 
aus dem letzten bericht über dasselbe. — Beil. zu nr. 140 : bericht 
über Pattison's in England erschienenes buch über Isadk Casaubonus, 
der in selbigem weniger als philolog als vielmehr vorzugsweise als 
treuer protestant geschildert wird. — Nr. 141 : knrze notiz über die 
hundert und einige Universitäten in den US. in Nord-Amerika. — 
Beil. zu nr. 191: G. Berkardy f — Beil. zu nr. 143: lobende anzeige 
von Ziegler 's Illustrationen zur topographie des alten Roms. — Nr. 
144 : der unterhalt und die ernährung an bord deutscher kriegs- 
schiffe. — ■ Beil. zu nr. 145: Zeitschrift des historischen Vereins für 
Schwaben und Neuburg. Bd. I, hft. 2. 3: enthält ein leben von 
C. A. Hörmann aus Augsburg mit besonderer rücksicht auf die schu- 
len im sechszehnten Jahrhundert. — Augsburger zustände. — Die 
studentenunruhen in Neapel und die Universität daselbst. — Beil. zu 
nr. 146. 155: die neuesten erscheinungen auf dem felde der geschichte. 
I. IL III. — Auss. beil. zu nr. 147 : nachträgliches zum Jubiläum in 
Leyden. — Beil. zu nr. 152. 153: Kluckhohn , Bayern unter dem mi- 
nisteriuin Montgelas. VI: die gelehrten schulen und die „berufe- 
nen". — Beil. zu nr. 154: die kaiserliche universitäts- u. landesbibliothek 
in Strassburg; schliesst an Dr. Hottinger's Vortrag und klärt die 



114 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 2. 

Verhältnisse während der belagerung 1870 auf. — Nr. 156 u. 57: 
der kämpf um die vatikanischen dekrete in England. I. II. — Beil. 
zunr. 156: Dr Gustav S chwetschke feierte am 2. juni das 50jährige 
Jubiläum seiner Verlagshandlung: er ist auch bekannt als Verfasser 
der novae epistolae obscurorum virorum: ein schreiben Bis- 
mark'sgiebtnr. 158. — Auss. beil. zu nr. 157: H Schnaase f — Nr. 158. 
Beil. zu nr. 159: neue Schriften zur geschichte des reforrnationszeit- 
alters. I. — Aus der römischen kunstweit : bespricht nur neuere künstler, 
unter ihren aber auch solche, die ihre stoffe aus der alten zeit nehmen. 
Gbttingische Gelehrte Anzeigen 1874, st. 36 : 31. Thamm, de fontibus 
ad Tiberii historiam pertinentibus. Halle. 1874: ausführliche anzeige 
von O. Clason , der seine ansichten ausführend, von der abhandlung 
wenig gutes zu sagen weiss. — Abhandlungen zur geschichte des Orients 
im alterthum von Dr. H. Brandes. Halle. 1874: anzeige von U.E., 
der das streben die assyrische Chronologie , so weit sie jetzt bekannt, 
mit der biblischen und ägyptischen in Übereinstimmung zu bringen, 
als verfrüht bezeichnet. — St. 37: Studien zur geschichte der be- 
griffe, von G. Teichmüller. 8. Berlin. 1874: selbstanzeige. — St. 
38: die bedeutung der führer Dante's in der divina Commedia: Virgil, 
Beatrix, St. Bernhard, in bezug auf den idealen zweck des gedichts .... 
von Dr. Joh. Jacob. 8. Leipzig. 1874, anzeige von Rocholl, der die 
behandlung Virgil's als gelungen bezeichnet. — St. 41: Quaestiones 
de rebus Samaritanorum. scr. 31. Appel. Götting. 1874: anzeige 
von II. E. — St. 42: Les bronces de Osuna que publia Manuel Ro- 
driguez de Berlanga. 8. Malaga. 1873, Th. Mommsen , lex coloniae 
Juliae genetivae sive Ursonis data a. u. c. DCCX: id. lex coloniae 
genetivae denuo recognita (die beiden letzten aus der Ephem. epi- 
graphica II): anzeige von R. Schoell, mit einer reihe eigener be- 
merkungen. — Nr. 43. 44: Aristotelis Politicorum 11. VII cum vetusta 
translatione G. de Moerbeca, recensuit Fr. Susemihl. 8. Lips. 1872: 
ausführliche anzeige von Dillenberger , die nach allgemeinen bemer- 
kungen zuerst die diplomatische kritik und dabei 1, 2, p. 1242b 14, 
II, 3, p. 1261b 19. II, 7, p. 1266b 6. II, 8, p. 1268a 6. II, 2, p. 
1261a 21. II, 1, p. 1261a 2 bespricht, dann zu der conjecturalkritik 
sich wendet und das in ihr geleistete durch ausführungen über 1, 5, 
p. 1254b 20. I, 1, p. 1252a 22. II, 1, p. 1266b 31. III, 1, p. 1274b 
31. II, 8, p. 1263a 6. II, 8, p. 1268a 40. I, 6, p. 1255b 3 prüft, 
zuletzt stellen behandelt, wo Umstellungen vorgenommen oder lücken 
statuirt sind, I, 2, p. 1252b 9. 15. I, 5, p. 1254a 23. II, 2. p. 1261a 
22. 27. II, 9, p. 1270b 37 — und mit anerkennung der ausgezeich- 
neten leistung schliesst. — St. 44 : Studien zur vergleichenden niytho- 
logie der Griechen und Römer von W. E. Röscher. Hft. I. Apollon 
und Mars. 8. Leipzig: lobende anzeige von Fr. Wieseler. — St. 46: 
Studia critica in L. Annaei Senecae dialogos. scr. Mart. Cl. Gertz. 
Havniae. 1874: anerkennende anzeige von Fr. Schultess, in der eine 
reihe stellen aus den büchern de Providentia , consolatio ad Martiam, 
de brevitale vilae, consolatio ad Polybiiim, de constantia , de ira behan- 
delt werden. — St. 47 : Memoire sur l'origine egyptienne de l'al- 
phabct phe'nicien, par M. le Ve Emanuel de Rouge. 8. 1873: an- 
zeige von H. E., der zwar die ansieht, das phönizische aiphabet aus 
dem egyptischen abzuleiten billigt, aber an der auslührung vieles 
auszusetzen hat und daher eine reihe winke giebt, wie man zu 
Sichererlösung der frage gelangen könne. — Ueber das erste, zweite 
und elfte buch der sibyllinischen Weissagungen, von H. Dechent. 
8. Frankf. a. M. 1874: kurze anzeige von H. E., der die resultate 
des vfs. verwirft. — St. 49 : über den etruskischen tauschhan- 
del nach norden, von H. Genthe: anzeige von Kohl: s. Phil. 



Nr. 2. Auszüge aus Zeitschriften. 115 

Anz. V, n. 8, p. 393. — 1875, St. 2: Q. Horatius Flaccus, 
erklärt von H. Schütz, bd. I: ausführliche anzeige von O. Keller, 
der zunächst die völlige Unsicherheit und Unklarheit im kritischen 
theile der arbeit hervorhebt und an I, 3, 37. I, 1, 35. I, 7. I, 12, 
15, 31. 37. III, 16, 17. I, 13, 3. 15, 2 beweist, wobei er gelegenheit 
nimmt, das in seiner ausgäbe inne gehaltene verfahren zu ent- 
wickeln , das interessanteste in dieser anzeige , dann beitrage zur er- 
klärung giebt für I, 18, 5. I, 22, 33 und I, 30, 38 ausführlich be- 
spricht, auch zu I, 25, 2, 20 von Schütz abweichende ansichten aus- 
spricht: im ganzen stimmt sein urtheil zu dem im Philol. Anz. VII, 
I, p. 31 gegebenen. Auffallend ist die mittheilung p. 52, dass 
Teubner eine zweite aufläge von Hör. Carm. T. I ed. Keller et Hol- 
der der druckkosten wegen abgelehnt hat: es treten also die folgen 
der unheilvollen streitereien zwischen arbeitgebern und arbeitern 
immer deutlicher und drohender auf. (S. jedoch unt. hft. 3 in ' biblio- 
graphie'.) — St. 4: das Papiasfragment bei Eusebios .... unter- 
sucht von W. Weissenbach. Giessen. 1874: gänzlich das buch 
verwerfende anzeige von H. E. — Nr. 5 : Histoire der idees messi- 
aniques depuis Alexandre jusquä HEmpereur Hadrien, par Maur. 
Vernes. 8. Paris. 1874: das buch befriedige nicht: anzeige 
von H. E. — St. 7: der hopfen. Seine herkunft und benennung. 
Zur vergleichenden Sprachforschung. Hamburg. 1874: der Verfasser 
unterzeichnet sich in der vorrede T. L. C. Frh. v. M.: aus- 
führliche anzeige von Th. B. , der über den namen des hopfen 
so wie über einige punkte der geschichte der hopfencultur sich aus- 
lässt und zwar abweichend von Hehn. — St. 11: der zweite punische 
krieg . . . von L. Keller. 8. Marburg. 1875: anzeige von 0. Gil- 
bert, der die in dem buche geübte quellenkritik ganz verwirft. (Vgl. 
Philol. Anz. VII, I, p. 57). — St. 12: der schwäbische humanist 
Jacob Locher Philomusos (1471-1528) ... Bd. IL Vom prof Dr. 
Hehle. 8. Ehingen. 1874: anzeige von L. Geiger. — Hellenistische 
studien. Hft. 2: Alexander Polyhistor und die von ihm erhaltenen 
ersten jüdischen und samaritanischen geschichtswerke . . . von J. 
Freudenthal. 8. Breslau. 1875: kurze, lobende anzeige von H. E., 
der die beitrage darin für Eusebios besonders hervorhebt. — St. 13: 
die Raeteis von Simon Lemnius. Schweizerisch deutscher krieg von 
1490. Epos in neun gesängen . . . herausgegeben von Placidus 
Plattner. Chur. 1874: beachtenswerthe anzeige von A. Stern, die 
mittbeilungen über Lemnius enthält: Simon Lemnius Emporicus war 
der humanisten-name für Simon Lemm Margudant. 

Nachrichten von der königl. geselhchaft der lüisscnschaften zxi 
Göttingen, 1874, nr. 17: H. Ewald, neue bemerkungen über die 
schifffahrt nach dem goldlande Ofir. — Nr. 23 : Antiken in Ober- 
italien und Südtirol, von Fr. Wieseler: schliesst sich an aufsätze von 
Conze in Gerhards archäologischer zeitung (1867. 1873) an, er nimmt 
besondere rücksicht auch auf privatsammlungen, die hier sehr häufig 
sich finden. Zuerst wird Mailand besprochen, dann Parma, Florenz, 
wo näher ein portrait des Aristophanes, des sg. sterbenden Alexanders 
(p. 562) u. a. besprochen wird, Bologna, Venedig, Torzello, Murano, 
Verona, Brescia, Trient, wo überall interessante kunstgegenstände 
sich finden , welche mit berücksichtigung der arbeiten der neuern 
archäologen über verwandtes bald mehr bald weniger eingehend be- 
sprochen werden : einen auszug daraus kann man nicht geben. — 
Nr. 24: bekanntmachung in betreff der Charlottenstiftung für philo- 
logen und die diesjährigen Preisfragen: s. Phil. Anz. VI, nr. 10, 
p. 517. — Nr. 25: sanskritisch sd (verbalwurzel) = griechisch ä, ü: 
sanskritisch sitä (ptcp. pf. von sa) = lateinisch säto , in sätis , sätio 
und verwandten. — Rigveda II, 23, 16. Von Th. Benfey. 



116 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 2. 

Neue Jahrbücher für philologie und paedagogik bd. CIX und CX, 
hft. 7: 76) Anz. v. W. S. Teuffei: übersieht der Platonischen 
literatur (Tübingen 1874), von M . Wohlrah in Dresden, p. 433 -438.— 
77) Zur erklärung der Odyssee, von A. Römer in München, p. 438 — 
440. — (52) Hexametrische Untersuchungen. IL III, von A. Ludwich 
in Königsberg, p. 441 — 457. — 78) Zu griechischen dichtem, von 
demselben, p. 457—461: auf Hesiodos, Orphica, Nonnos bezüglich. — 
79) Zu den gemälden des altern Philostratos, von R. Förster in Breslau. 
p. 461-462. — (22) Zu Caesar de bello gallico [V 35, 5], von E. 
Schweikert in Coblenz, p.463. — 80) Zu Caesar de bello civili [154,2], 
von E. Hoffmann in Wien, p. 463—464. — (41) Zu Horatius sermo- 
nen [I 6], von M. Isler in Hamburg, p. 465-466. — 81) Zu Horatius 
episteln [I 6, 51], von Tg. Mommsm in Frankfurt am Main, p. 466 
—470. — 82) Zu Porphyrio [Hör. epist. I 20, 24], von G. Krüger in 
Leipzig, p. 470. — 83) Anz. v. E. Wezel: de Silii Italici cum fonti- 
bus tum exemplis (Leipzig 1873), von H. Blass in Berlin, p. 471 — 
512. — — Zweite abtheil ung: Erasmus in Deventer, von Dr. 
Kümmel, p. 305. — Bericht über die 14. Versammlung mittelrheinischer 
gymnasiall ehrer in Auerbach am 26. Mai 1874, von dr. Bossler, p. 346. 

Hft. 8: 84. Anz. y.K.E.vo?i Baer : historische fragen mit hülfe der 
naturwissensehaften beantwortet [reden und kleinere aufsätze. 3r. 
theil.] (St. Petersburg 1873), von F. Rühl in Dorpat, p. 513—530. 

— (47) Berichtigung von demselben, p. 530. — 85) Homerische ab- 
handlungen. I. Von F. JD. Ch. Hennings in Husum, p. 531 — 539. — 
86) Zu den letzten büchern der Ilias, von H. K. Benicken in Güters- 
loh, p. 540-544. — 87) Zu Theognis [v. 936], von R. Kühner in 
Belgrad, p. 544. — 88) Der angeblich elliptische gebrauch des gene- 
iivus gerundii und gerundivi , von E. Hoffmann in Wien, p. 545 — 
557. — 89) Zur keltisch-germanischen onomatologie, von E. Schweikert 
in Coblenz, p. 558—559. — (58) Zu Cornelius Nepos, von F. Hoppe 
in Gumbinnen, p. 559. — 90) Seneca de dementia , von H. A. Koch 
in Schulpforte, p. 560. — 91) Die abfassung von Ovidius Fasten, von 
A. Riese in Frankfurt a. M., p. 561 — 570, nebst anzeige von H. Peter: 
Ovidii fastorum libri sex. Für die schule erklärt. Zwei abtheilungen. 
(Leipzig 1874); derselbe: de Ovidii Fastorum locis quibusdam epistula 
critica ad Hugonem Ilbergium (ebd. 1874), p. 561 — 570. — 92) Ueber 
die abfassung von Vergil's Georgica , von E. Glaser in Giessen , p. 
570-573. — (54) Miscellen 43-46, von M. Hertz in Breslau, p. 573 

— 576. — — Zweite ab th eilung: Persch, gymnasialfeier in Nord - 
hausen, p. 597. — Zep^e'sche programme, von prof. Hölscher , p. 599. 

Rheinisches museum für philologie. Neue folge. Bd. 30, hft. 1: 
die kritik des Claudianus mit ausschluss des Raptus Proserpinae. Von 
L. Jeep , p. 1. — Zur handschriftenkunde von Cicero's briefen. Von 
F. Rühl, p. 26, 135. — De bueolicorum graecorum aliquot carminibus. 
Scripsit F. Bücheier, p. 33. — Zu Polybius. Von H. Droysen, p. 62. 

— Zu Athenaeus. Von E. Hiller, p. 68. — Zu Seneca's Dialogen. Von 
H. A. Koch, p. 79. — Adversarien über Madvig's Adversarien. Von 
K. Lehrs, p. 91. — Miscellen: historisches: zu den römischen sena- 
tusconsulten und decreten bei Josephus. Von L. Mendelssohn, p. 118. 

— Antiquarisches: der latus clavus der römischen tunica. Von E. 
Schulze, p. 120. — Epigraphisches : zur lex coloniae Juliae Genetivae. 
Von L. Lange und 31. Voigt, p. 123. — Grammatisches: zu den Tiro- 
nischen noten. 21. Von W. Schmitz, p. 124. — JTsQßirf oV>/-Prosepna. 
Von O. Keller, p. 128. — Handschriftliches: die kopenhagener Euri- 
pideshandschrift. Von R. Prinz, p. 129. — Zur lateinischen antholo- 
gie. Von A. Riese, p. 133. — Kritisch-Exegetisches : zu Aristophanes. 
Von H. Diels, p. 136. — Zu Plato. Von G. Rettig, p. 139. - Zu 
Lucilius. Von Dziatzho , p. 141. — Zu Propertius. Von F. Teufel, 
p. 142. — Zu Miuuciua Felix. Von E. Klussmann, p. 144. 



Nr. 3. März 1875. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als erganzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



94. Le site de Troie selon Leche valier ou selon M. Schliemann 
par M. Gustave d' Eichthal. — Excursion ä Troie et aux 
sources du Menderö par M. Georges Perrot. (Extrait de 
l'Annuaire de Fassociation pour l'encouragenient des e^udes 
grecques en France. Ann^e 1874). Paris, Durand, Pedone- 
Lauriel, libraires-e'diteurs, rue Cujas 9, Maisonneuve et cie, quai 
Voltaire 15. 1875. 

Die alte frage über die läge Troja's hat neuerdings eine so 
mächtige wendung zu gunsten der identität des sogenannten Iliwm 
novum mit dem homerischen genommen , dass wir diese bis vor 
kurzem nur selten vertretene, jetzt freilich durch das experiment, 
wie es scheint, glänzend bestätigte annähme mehr und mehr 
beifall finden sehen. Um so eher wird es gerechtfertigt sein, 
wenn die anhänger des bisher herrschenden Systems ihre beden- 
ken geltend machen und dadurch erinnern, wie gute gründe 
doch dieses unterstützen. Dies ist die tendenz der obengenannten 
schritt deren wesentliches verdienst in der klaren und übersicht- 
lichen darstellung der theorie Lechevalier's (mit benützung der 
Forchhammer'schen schrift und karte) besteht. Denn diese , ob- 
gleich sie nur die einleitung zu einer kritik des Schliemann'schen 
werkes bilden sollte, ist doch wie begreiflich zur hauptsache ge- 
worden, da ja bei den einzelnen punkten schon auf die gründe 
für und wider einzugehen war. Dass es dabei zu einer ent- 
scheidenden Widerlegung gekommen sei, wird bei der unendlichen 
Schwierigkeit der sacke niemand erwarten-, denn wenn schliess- 
lich als hauptbeweise gegen Schliemann folgende aufgeführt 
werden : 1 . Strabo's angäbe , dass die entfernung zwischen 
Philol. Ana. VII. 8 



118 94. Homeros. Nr. 3. 

Neuilion und dem meere nur 20 Stadien betrage, zu homerischer 
zeit also noch weniger, — ein für die Vorgänge der homerischen 
gedichte allzu geringer räum; 2. die existenz einer fürt des 
Skamander, der nach Homer überschritten werden musste , was 
nach Schliemann's ansieht nicht könnte der fall gewesen sein 
(eine Veränderung aber im lauf des Skamander sei nach Forch- 
hammer nicht anzunehmen) ; 3. eine Vereinigung des Simois mit 
dem Skamander fehle bei Schliemann, denn der Dumbrek (wel- 
chen Schliemann für den Simois hält) ergiesst sich in den Kali- 
fatli Osmak, welcher nicht wie Schliemann will das alte bett 
des Skamander sein kann; 4. die ausgrabungen selbst, welche 
kein kyklopisches mauerwerk zu tage gefördert-, 5. der von 
Schliemann selbst eingestandne mangel einer akropolis bei seinem 
Troja, — so sieht man, wieviel gegen alles dieses von gegneri- 
scher seite kann erwiedert werden. Einiges wird also aufzugeben, 
andres vollständiger zu begründen sein. Versuchen wir einen 
punkt zur besprechung herauszuheben, obgleich hier freilich alles 
so enge aneinander hängt, dass eine trennung schwierig ist, so 
muss es als nicht genau bezeichnet werden, wenn es p. 48 heisst : 
dans le recit homerique nous voyons que pour aller de Troie au 
camp grec, il fallait traverser le Scamandre. Es wird nämlich die 
fürt des Skamander, wie G. v. Eckenbrecher (die läge des hom. 
Troja, Düsseldorf 1875, p. 61) bemerkt, nur dreimal erwähnt, 
3*433. 1. £1 692, überall aber ohne andeutung dessen, 
dass sie überschritten worden. An der ersten stelle wird, wie 
Eckenbrecher erinnert, der verwundete Hektor von den seinigen 
dahin gebracht, um ihn durch besprengung von seiner ohnmacht 
zu erwecken, an der zweiten muss die fürt dem Achilles dienen, 
die Trojaner darin zu ersäufen, an der dritten, setzen wir hinzu, 
sieht man durch vergleichung mit v. 350, dass nur ein halte- 
punkt auf der fahrt des Priamus zum tränken der pferde ange- 
deutet sein sollte, eine stelle also geeignet den Hermes kommen 
und gehen zu lassen. Würde aber wohl, darf man fragen, der 
epische dichter, wenn ihm der lauf eines flusses zwischen Stadt 
und schiffen klar bewusst gewesen wäre , ein solches motiv wie 
die Überschreitung desselben bei seinen Schilderungen sich haben 
entgehen lassen ? Unzulässig ist es also die erwähnung der fürt 
so stark auszubeuten , wie z. b. von Nikolaides geschieht , der 
bei seiner rekonstruktion der homerischen schlachtpläne u. a. 



Nr. 3. 94. Homeros. 119 

kühn berichtet : 27s traversent le fleave , wovon überall nichts 
gesagt ist. Aber so sehr das unberechtigte solcher Übertreibung 
anzuerkennen ist, abgethan wird die sache damit doch nicht sein . 
Woher denn überhaupt auch nur die erwähnung der fürt, wenn 
diese nicht einigen grund in der sage hatte ? Betrachtet man 
aber die einzige stelle näher , wo das verhältniss einigermassen 
anschaulich ist, zu anfang, so scheint freilich zunächst die 
auffassung möglich, Achilles habe an der fürt des Skamanders 
angekommen die Troerschaar so getrennt , dass er die einen in 
die ebene gegen die stadt hin , die andern in den fluss jagte 
Dieser auffassung steht aber schon entgegen , dass dann die vor 
Achill fliehenden Troer nicht in der richtung gegen die Stadt, 
wie doch zu erwarten , sich zurückgezogen , dass Achill nicht 
gegen die Stadt hin sie verfolgt haben würde. Und so unklar 
auch das bild im folgenden wird durch das eingreifen der götter, 
— dass Achill den fluss überschreiten will und muss, um nach 
Troja zu kommen (v. 233: i'vdoQS fiiaea warum? da es ja hier 
nicht mehr galt einzelne feinde zu verfolgen und niederzumachen;, 
wird man nicht bezweifeln können. Es muss also unter mdtov 
v. 3 das feld jenseits des flusses (von Achilles aus gesehen) zu 
verstehen sein , und Achill trennte die Troer dadurch ? dass er, 
sie verfolgend, die einen trieb sich durch die fürt in die ebene 
gegen die Stadt hin zu flüchten , die andern , welche die (nicht 
gleichzeitig von vielen zu benützende) fürt nicht schnell genug 
erreichen konnten, zwang in den fluss zu springen. So räthsel- 
haft es auch ist , dass von diesem umstand , der nothwendigkeit 
einen fluss zu überschreiten , kein weiterer gebrauch gemacht 
wird , — eine spur der sache , eben die erwähnung der fürt, 
findet sich also doch in sehr verschiedenen theilen der Ilias (im 
14., 21., 24. gesang). Und dazu kommt noch andres. Denn 
wie in fl 394 — 98 (wo Patroklos die Troer gegen die schiffe 
zurücktreibt und unter ihnen wüthet „zwischen schiffen , fluss 
und mauer") die Vorstellung unklar sein soll, da die feinde der 
stadt näher gekommen sich in diese retten konnten, hier aber 
abgeschnitten ihm erliegen mussten, und da das Schlachtfeld ja 
genau begrenzt ist, weil nur diese drei Seiten, schiffe, mauer der 
stadt, fluss , zu nennen waren , die vierte , die meeresküste , sich 
von selbst verstand, desgleichen warum 130 f. nicht auf einen 
fluss zwischen schiffslager und stadt gedeutet sein soll (beides 

8* 



120 94. Homeros. Nr. 3. 

bei W. Christ, d. topogr. der troj. ebene u. d. hom. Fr., Sitz.ber. 
der Müncbn. akad. 1874. 204), da doch wohl 130 nicht 
darum zu übersehen ist, weil dem die vorausgesetzte auffassung 
von 3 — 4 widerspricht, sondern bei erklärung dieser stelle (0 
anf.) auch jene (130) zu berücksichtigen ist, scheint (wenn nicht 
beides doch auf einem vorurtheil beruht) nicht leicht zu ver- 
stehen. Doch man sieht wie hier jeder schritt zu kontroversen, 
ja in ein gewirr entgegenstehender meinungen führt, deren keine 
einer gewissen berechtigung entbehrt. — Erwähnt sei nur noch 
aus dem anhang , dem tagebuch einer reise von Perrot vom 
jähre 1856 (mit 5 — 6tägigem aufenthalt in der Troade), die be- 
merkung p. 72 , dass, das Idagebirge noch ganz bewaldet sei 
(tout entier boise, encore couvert, comme dans V antiquite", de pins 
et de chenes). Ich erinnere mich aber in andren neueren berich- 
ten genau die gegentheilige Versicherung gefunden zu haben, 
dass dasselbe gegenwärtig mehr oder weniger kahl sei. Wie 
verhält sich denn wohl die sache? Möge es doch einem der 
gelehrten, welche das glück haben aus eigner anschauung be- 
richten zu können, gefallen, hierüber bestimmte auskunft zu 
geben ! Bff. 

95. De Duride Samio Diodori auctore. Dissertatio historica 
quam . . . scripsit Aug. Haake. Bonnae formis C. Georgi 1874. 
8. 53 s. 

96. De Duride Samio Diodori Siculi et Plutarchi auctore. 
Dissertatio inauguralis quam. .. scripsit Aug. Ferd. Koesiger. 
Gottingae typ. expr. off. acad. Huthiana 1874. 8. 64 s. 

Wer Diodors (21,17) abschätziges urtheil über die von 
Kallias und Timaios gelieferten bearbeitungen der geschichte 
des tyrannen Agathokles in betrachtung zieht, dem liegt die 
vermuthung nahe , dass in Diodors eigner darstellung derselben 
weder einer von diesen beiden noch der gleich Kallias für den 
tyrannen parteiische Antandros, sondern der einzige ausser jenen 
noch übrige zeitgenössische historiker, welcher die geschichte 
desselben geschrieben hat, Duris von Samos, zum hauptgewährs- 
mann genommen ist, von dem allein die von Diodor an den drei 
andern vermisste Unparteilichkeit zu erhoffen war. Der in ele- 
gantem latein abgefassten schrift Haake's gebührt das verdienst, 
diese vermuthung zuerst ausgesprochen und begründet, aber auch 



Nr. 3. 95. 96. Duris. 121 

das weitere, den erweis ihrer richtigkeit an der erzählung Diodors 
bis zu einem hohen grade von Wahrscheinlichkeit gebracht zu 
haben. Er zeigt, dass diese in den wichtigsten punkten weder 
einem der zwei höfischen geschichtschreiber noch Timaios dem 
feinde des Agathokles folgt, weist auch positive entlehnungen 
aus Duris in ihr nach und macht auf Übereinstimmungen der- 
selben mit dem aufmerksam, was wir über des Samiers politische 
und literarische richtung wissen. Treffend erkennt er bei Trogus- 
Justinus einerseits sichere spuren von benützung des Timaios, 
andrerseits den einfluss eines dem Agathokles geneigten gewährs- 
manns; mehr behauptet als bewiesen hat er, dass die einschlä- 
gigen strategeme des Polyainos aus Timaios entlehnt sind und 
ebenso, dass Timaios secundäre quelle des Diodoros ist. 

Diese von Haake mehr oder weniger unvollständig behan- 
delten sätze führt Roesiger mit eindringender schärfe weiter 
und bringt so die Unvereinbarkeit der diodorischen erzählung 
mit den darstellungeu der drei Sikelioten, die abhängigkeit des 
Polyainos von Timaios, die benützung dieses und neben ihm 
eines berichterstatters aus dem entgegengesetzten lager bei Trogus 
zum klaren erweise-, er gewinnt aber auch einen fruchtbaren 
neuen gesichtspunkt durch die darlegung, dass die oben erwähnte 
beurtheilung des Kallias und Timaios nicht Diodors eignes werk, 
sondern entlehnung aus einem älteren Schriftsteller ist, natürlich 
demselben welchem er in der geschichtserzählung selbst folgt. 
Dies aber ist kein anderer als Duris : dessen sämmtliche aus 
Zeugnissen bekannte eigenthümlichkeiten — der politische Stand- 
punkt (eines aufgeklärten tyrannen), das historische stilprincip 
(fiilJTjotg), die Vorliebe für Sprichwörter, citate und anekdoten, 
für mythologie und geographie — vom vf. in Diodors geschichte 
des Agathokles überzeugend nachgewiesen werden. Als neue 
züge treten aus dem verloren geglaubten , durch die vereinten 
bemühungen Haake's und Roesigers zu einem guten theil wieder- 
gewonnenen werk über Agathokles eine eigenthümliche sittliche 
Weltanschauung und massvolles historisches urtheil hinzu. 

Das den bisherigen annahmen zuwiderlaufende ergebniss, 
dass Duris bereits den Timaios benützt hat, wird von Roesiger 
in schlagender weise- durch den nachweis erhärtet, dass jener 
sich auch auf anderen gebieten sätze angeeignet hat, welche un- 
bestreitbar von Timaios zuerst ausgesprochen worden sind; Roe- 



122 95. 96. Duris. Nr. 3. 

siger kann daher auch mit gutem rechte die stellen, an welchen 
Diodor in der geschichte des Agathokles ausdrücklich oder still- 
schweigend auf Timaios zurückgeht , aus nur indirecter , durch 
Duris vermittelter benützung desselben erklären; nur scheint es 
uns bei einem guten theil der vom vf. dahin gerechneten stellen 
fraglich , ob Timaios ihnen wirklich zu gründe liegt. Wenn er 
aber daneben doch auch unmittelbare entlehnungen aus diesem 
historiker annimmt, so ist das für Diodor 20,101 ohne zureichende 
begründung (pag. 29), für 19, 65. 70 — 72 aber geradezu unter 
irrthümlichen Voraussetzungen geschehen. Denn der scheinbare, 
pag. 18 auf Übergang zu einer von Duris verschiedenen und 
dem Agathokles feindseligen quelle (d. i. zu Timaios) gedeutete 
Widerspruch, dass 19,65 der tyrann von den Karthagern an ein- 
haltung eines Vertrags gemahnt wird, von dem im vorausgehenden 
(19, 2 — 9) nichts gemeldet wurde, erklärt sich einfach aus der 
thatsache, dass hier die sicilische geschichte des jahres 317, da- 
gegen in 19, 65 die des jahres 315 behandelt, bei dem in der 
mitte liegenden jähre 316 aber mit gewohnter fahrlässigkeit 
Agathokles ganz übergangen ist; woraus sich der schluss von 
selbst ergibt, dass jener vertrag von Duris in der geschichte 
des von Diodor übergangenen jahres erwähnt war. Dieselbe 
bewandtniss hat es mit dem angeblichen Widerspruch zwischen 
19, 71 Axqayavüvoi xal reXwoi xui Mt6Gr\vioi xarilvGuv xbv 
nqbg *Ayadox\iu nofafiov fiEGtrevGaviog *A[i(lxov und 19, 102 
7% siQt'vTjc uqzi yeytvtjfiivrjg "Aya&oxXel TtQog rovg ^ixekiwiug 
jikrjv MsGGrjvfuv. In dem fehlen von Gela und Akragas und 
der übergehung des bundesverhältnisses zu Hamilkar an der 
zweiten stelle findet Haake p. 32 einfach eine fahrlässigkeit 
Diodors, Roesiger dagegen p. 19 den beweis verschiedenen Ur- 
sprungs beider stellen. Aber Diodor, der 19, 70 — 72 die ge- 
schichte des Agathokles im jähre 314 und 19, 102 die sicilischen 
ereignisse des jahres 312 behandelt, hat vielmehr abermals bei 
dem zwischen beiden in der mitte liegenden jähre Sicilien ver- 
gessen ; in diesem hatte sich demnach das verhältniss zu Hamilkar 
so feindselig gestaltet, wie wir es 19, 102 im jähre 312 vor- 
finden, und sowohl Gela als Akragas seinen frieden mit Aga- 
thokles gemacht. Diodor selbst bezeugt uns das durch den Zu- 
satz der Zeitbestimmung agn ytyivi]^i£vi]Q, welche beim jähre 312 
angebracht offenbar auf das nächstvorhergegangene jähr, also 



Nr. 3. 95. 96. Duris. 123 

auf 313, als zeit des friedensschlusses hinweist. Wir stehen 
daher nicht an, die ganze von Diodor gegebene darstellung der 
geschichte des Agathokles aus Duris abzuleiten. 

Die frage , ob auch andere stücke des diodorischen werkes 
aus Duris geflossen sind, bejaht Haake zunächst für 15, 60, 
dessen abweichungen von den anstossenden capiteln er in wenig 
überzeugender weise aus vorübergehender benützung des Duris 
erklärt; sodann für die stellen des 16. buchs, welche anklänge 
an Demosthenes oder Theopompos, und für die, welche Überein- 
stimmung mit Phylarchos aufweisen : Demosthenes sei von Theo- 
pompos , dieser von Duris , Duris selbst von Phylarchos benutzt 
worden. Die schwäche dieser argumentation hat Roesiger p. 52 
zur genüge aufgezeigt. Dafür hat Haake wieder das richtige 
in bezug auf Diodors Diadochen-geschichte erkannt, welche seit 
Brückner allgemein für einen auszug aus Hieronymos von Kardia 
angesehen worden ist : er widerlegt diese annähme durch hin- 
weis auf Diodor 19, 44, wo offenbar Duris fr. 25 benützt ist. 
Auf dem von Hieronymob gezeigten wege geht Roesiger weiter 
und legt theils die schwäche der gründe dar, mit welchen die 
ganze Diadochen-geschichte Diodors auf Hieronymos zurückgeführt 
worden ist, bei welcher gelegeuheit er die gute bemerkung macht, 
dass auch, wo Pausanias den Hieronymos citirt, ihm die kennt- 
niss desselben nur auf indirectcm wege, durch Timaios , zuge- 
kommen sein möge ; theils macht er auf stellen aufmerksam, wo 
Diodor den Antigonos ungünstig beurtheilt, wo er mithin Hiero- 
nymos , den Parteigänger dieses mannes , nicht benutzt haben 
kann. Roesiger verspricht diesen gegenständ und die frage 
nach den quellen des plutarchischen Demetrios bei einer andern 
gelegeuheit eingehender zu behandeln : vielleicht kommt er dann 
von dem in der vorliegenden schrift ausgesprochenen gedanken 
zurück , dass Diodor und Plutarchs gewährsmann abwechselnd 
drei quellen verschiedenen parteistandpunkts , eine dem Antigo- 
nos freundliche (Hieronymos), einen anhänger des Seleukos (Duris, 
wie er vermutket) und einen dem Ptolemaios günstigen geschicht- 
schreiber ausgezogen habe. 

Ganz seine eigenen wege geht Roesiger bei der forschung 
nach den quellen des plutarchischen Demosthenes. Von dieser 
biographie gehört nach ihm cap. 12 — 13; 18 — 21 und je die 
zweite hälfte von 11 und 22 dem Duris, das übrige dem Mag- 



124 95. 96. Duris. Nr. 3. 

neten Demetrios, einem freunde des Atticus, an. Für letzteren 
führt er ausser dem umstände, dass derselbe der jüngste von 
den siebzehn in der biographie citirten autoren ist, als besondere be- 
weise an: 1) die anachronistische anekdote von der anwesenheit 
des knaben Demosthenes bei dem berühmten Vortrag des Kalli- 
stratos in dem oropischen process (Plut. Demosth. 5). Diese notiz 
stammt indess nach Ps.-Plutarch. Vitt. X orat. p.844, b von dem 
Magneten Hegesias : Roesiger besteht zwar auf der richtigkeit 
der Ruhnkenschen conjectur Jrnji,qTQiog statt 'Hyrjfffag , welche 
Droysen und Schäfer willkürlich finden, bringt aber nichts posi- 
tives zu ihrer erhärtung bei. 2) Nach Plutarch. Dem. 5 gaben 
manche als grund, warum Demosthenes den Isaios gehört 
habe , an , er sei nicht im stände gewesen die von Isokrates 
verlangten zehn minen zu zahlen. Diese nachricht führt 
Roesiger wegen Suidas s. v. ' laulog: Jrmr(TQiog de Xahtidiu 
(pT\aiv uvtov eivai. ovrog 6' inutrtTTCu xai tog ^/rjfjioG&evrjv 
ufiiO&i TtQouyayoüv auf Demetrios Magnes zurück, übersieht 
aber, dass Suidas diesen für die abkunft des Isaios aus 
Chalkis, nicht für dessen verhältniss zu Demosthenes citirt; 
nicht zu erwähnen , dass es sehr fraglich ist , ob Suidas nicht 
den Demetrios von Phaleron gemeint (vgl. not. 5) hat. An letz- 
teren denkt Westermann Biogr. p. 471 ; der vf. lässt sich über 
diese frage gar nicht aus. 3) Den gelehrten zweifei Plutarchs 
im Dem. 15, ob die rede mgl TiaguiTQiGßeCag von Demosthenes gehal- 
ten worden sei, lässt Roesiger in ansprechender weise aus einem 
Schriftsteller entnommen sein, welcher vor Caecilius von Kaiakte 
und Dionysios von Halikarnass schrieb, was auf Demetrios zu- 
trifft , ebenso gut aber auf irgend einen alexandrinischen oder 
pergamenischen gelehrten nach der zeit des Idomeneus (um 275). 
4) Ob unter dem Demetrios, dessen urtheil über die bestechlich- 
keit des Demosthenes von Plut. Demosth. 14 mitgetheilt wird, der 
Phalereer oder der Magnete zu verstehen sei, ist nach Roesiger 
p. 14 ungewiss-, dagegen p. 41 sq. und 44, setzt er ohne gründe an- 
zügeben, voraus, dass es dem Magneten angehört. Wir sind der 
entgegengesetzten ansieht. Plutarch sagt hier wg <pqo~iv 6 
JrjfiqiQiog und erst im folgenden capitel betreffs der gattin des 
Demosthenes gibt er die volle titulatur: üc ioiogei diiiiqxQkog 
b Mdyvqg iv idig mql avriuvifKvv; dort also wird der Magnete 
zum ersten mal von ihm citirt, dagegen in cap. 14 ein entweder 



Nr. 3. 95. 96. Duris. 125 

berühmterer oder vorher genannter Demetrios. Jede von diesen 
zwei eigenschaften trifft auf den Phalereer zu, welcher bereits 
zweimal , cap. 9 und 1 1 , mit voller bezeichnung citirt worden 
war, und auch in sachlicher beziehung (s. u.) ist er weitaus ge- 
eigneter, für den Urheber der bemerkung gehalten zu werden. 
5) Den in cap. 28 angeführten Demetrios erklärt Roesiger dess- 
wegen für den Magneten, weil Hermippos (der um 200 schrieb) 
von ihm bekämpft werde. Die worte : "Eofunnog dt rbv *AoyJav 
lv roig Auxqixov xov Qrjxogog (ia&r\ir]v avayqäcpu, 4r]fj,rjxQtoc Se 
jqg *Ava%ifiivQvg SiuTovß^g (jtSTeGxrjxwcu <prjGlv «vroi-, besagen je- 
doch nicht, dass Demetrios auf Hermippos bezug nimmt; die 
stelle ist von C. Müller unter die fragmente des Phalereers auf- 
genommen worden und in dem leben des Aischines wird eine 
ähnliche, die lehrer dieses redners betreffende meinungsverschie- 
denheit zwischen Demetrios und Hermippos angeführt. 6) Ausser 
im cap. 15 und 27, wo Demetrios der Magnete citirt wird, steht auch 
in cap. 30 eine nach Vit. X orat. 847,a von diesem herrührende 
behauptung. Aber Plutarch hat sie nicht, wie man im sinne 
des vf. erwarten müsste, sich angeeignet-, er nennt sie vielmehr 
abgeschmackt (ol — Xeyovxtg xofiiSTj tpXvuoovav) und vf. sieht 
sich hier (p. 37) veranlasst, eine von der sonst in seiner schrift 
durchgeführten und p. 46 ausgesprochenen abweichende ansieht 
über die quellen der biographie vorzutragen. 

Die obenbezeichneten capitel aus einer andern quelle als 
Demetrios abzuleiten wird vf. durch den Widerspruch über De- 
mosthenes bewogen, in welchem sie nach seiner meinung mit 
den andern abschnitten stehen. Bei cap. 12 Xaßuiv xr\g noXt- 
nlag — a^ws' vgl. mit 16 rj de tov dt\^,oG^ivovg noXtxtfa — uv&qiüjiov 
und bei cap. 12 wart — ßaGiXiajgvgl. mit 16 tu (f är(D&e v — xaxaxt- 
xXvGfjtvog ist ein solcher von uns nicht entdeckt , auch vom vf. 
nicht näher bezeichnet worden. Ausserdem findet er noch cap. 
13 in widerstreit mit cap. 14: dort werde der tod des Demo- 
sthenes als beweis edler Charakterfestigkeit gerühmt, hier von 
Demetrios Magnes als ausfluss niedriger gesinnung behandelt; 
denn Demosthenes werde ein guter lobredner aber schlechter 
nachahmer der alten Athener genannt, was auch aus seinem 
tode hervorgehen solle: tmi rovg ye xa9^ uviov Qtjioqug xui 
Tw ßtw nuQJjX&e. Diesen sinn hat jedoch die stelle nicht. Dem 
Demetrios gehören nur die worte an , bei welchen er citirt ist 



126 95. 96. Duris. Nr. 3. 

(ovx (ov — enouriöai fiev ixariüTuroc rjv tu riov ngoydrwv xuXu 
(jifjLt]aaß&ai, 6' ovx bfioicog), und nicht der politisch wohl indif- 
ferente literat der Römerzeit, sondern der Phalereer hat sie aus- 
gesprochen (oben nr. 4): er, der Parteigänger Makedoniens, 
würde sich selbst verurtheilt haben, wenn er das auftreten des 
Demosthenes als Staatsbürger anerkannt hätte. Der auf das citat 
folgende satz aber enthält nicht, wie Roesiger unter verkennung 
der bedeutung von ind — ys glaubt, die begründung sondern 
im gegentheil eine Widerlegung jenes tadeis und vom tode ist 
darin gar keine spur. Plutarch sagt : während doch Demosthenes 
die redner seiner zeit (nicht nur durch seine beredsamkeit son- 
dern) auch durch sein leben überragt hat. 

Duris wird in der biographie nur einmal (cap. 19) citirt-, 
dass mehr als die dort gegebene erklärung des namens Thermo- 
don von ihm herrührt, hat vf. nicht erwiesen. Als charakteri- 
stische eigenthümlichkeiten des Duris erkennt er in den genann- 
ten abschnitten der biographie hauptsächlich die bezeichnung 
des Demetrios als eines aristokraten und dynasten und die fort- 
gesetzte bekämpfung des Theopompos wieder. An diesem hat 
aber Duris fr. 1 nicht wie Plutarch die sachliche behandlung, 
sondern die form der darstellung (den mangel der /jJprjGic) ge- 
tadelt, und nicht blos an ihm sondern auch an Ephoros. Die 
bezeichnung des Demetrios als {udixwq xui nao' ä'gt'ar) dvvu- 
ouvtov ist nicht von Duris sondern von Theopompos ausgegangen 
und Plutarch setzt nur corrigirend äXXä xal ndrv dixaiwq hinzu. 
Das allerseltsamste vollends ist, dass der ausdruck noXfrtvfia 
uoißToxoanxbv , welchen Plutarch c. 15 von dem selbständigen 
auftreten des Demosthenes dem volkswillen gegenüber in der sache 
des Antiphon gebraucht, vom vf. dahin gedeutet wird, als werde 
derselbe dort ein anhänger der nobilität genannt. 

Die quellenforschung über die kleineren vitae des Demo- 
sthenes hat Roesiger durch weitervcrfolgung der spuren des 
Hermippos gefördert; in bezug auf die plutarchische biographie 
lässt sich ähnliches ihm nicht nachrühmen. U. 

97. De Plutarchi in vitis Bruti et Antonii fontibus. Dis- 
sertatio historica quam . . . scripsit C a r o 1 u s Wichmann. 
Bonnae formis C Georgi. 1874. 8. 62 s. 

Der vf. dieser promotionsschrift hat die im titel genannten 



Nr. 3. 97. Plutarchos. 127 

biographieu und die stücke verwandten inhalts in Plutarchs 
Caesar , Cicero u. a. einer gründlichen Untersuchung und ver- 
gleichung mit den darstellungen der andern Schriftsteller unter- 
zogen und durch eine von besonnenem urtheil zeugende behand- 
lung derselben eine verdienstliche ergänzung zu Peters ergeb- 
nissen geliefert. So zeigt er in der geschichte der ermordung 
Caesars einerseits nahe beziehungen andrerseits starke abwei- 
chungen zwischen Plutarch und Appian auf und erklärt , nach- 
dem er die Unabhängigkeit beider von einander erwiesen , jene 
aus gemeinsamer benutzung des Asinius Pollio , diese aus vor- 
wiegender anlehnung Plutarchs an den schon von Heeren heran- 
gezogenen rhetor Empylos, den freund des Brutus und Verfasser 
einer Brutus betitelten geschichte der Verschwörung, welche, wie 
er glaubt, auch dem Asinius bekannt war. Die darstellung der 
nächsten zeiten nach Caesars tod geben, wie vf. darthut, Plutarch, 
Appian und Dio Cassius von einander und von Nikolaos, dem 
einzigen zeitgenössischen historiker, der uns hier zu geböte steht, 
abweichend, daher "Wichmann drei verschiedene quellen annimmt : 
für Dio Livius, für Appian Asinius, für Plutarch eine unbekannte, 
jedenfalls nicht die denkwürdigkeiten des Augustus. Für den 
krieg bei Philippi hat nach Peter sowohl Plutarch als Appian 
zwei theilnehmer desselben, Messalla und Volumnius, zu gründe 
gelegt; von Wichmann lernen wir, dass den letzteren Appian 
gar nicht und Plutarch bloss von Brutus 51 — 52 und 48 med. 
benützt hat, Messalla dagegen die hauptquelle Plutarchs und so 
weit beide zusammenstimmen auch Appians gewesen ist, wogegen 
die abweichungen des letzteren wieder auf Asinius zurückgeführt 
werden. Besondere aussprüche des Brutus, mittheilungen, welche 
nur ein vertrauter desselben wissen konnte, u. dgl. gehören, wie 
Peter sah, den äjfofivtjfi-ovsv )xuTa Booviov seines Stiefsohns Bibu- 
lus an ; einzelne stellen dem Livius und den reden des Cicero 
und Antonius gegen einander. Die ansieht, dass nicht nur der 
Parther-feldzug sondern die ganze geschichte des Antonius von 
dem sieg bei Philippi an dem werke des Dellius entnommen 
sei, hätte vf. sich nicht aneignen sollen: aus Strabon 11, 13, 3 
wg fpijfftv o JilXioq b tov ^Avjwvtov y>(Xog Gvyygdxfiag irjv inl 
TJao9vu(ovq uvtov GiauTtiuv geht, da Strabon nicht, wie wir im 
sinne jener ansieht erwarten müssten, Gvyyqüspmv gesagt hat, nur 
so viel hervor, dass Dellius ein werk über jenen feldzug verfasst 



128 97. Plutarchos. Nr. 3. 

hat ; und dies um so mehr als , unseres erachtens wenigstens, 
das grammatisch ganz unerklärliche GvyyQaipag in 6 ßvyyQaipag 
zu verwandeln ist. 

Uebrigens haben Peter und Wichmann in diesen Schrift- 
stellern zunächst nur inhaltliche, nicht wie sie glauben literari- 
sche grundlagen der genannten biographien nachgewiesen : es 
sind die ältesten zeugen und gewährsmänner, auf deren autorität 
die einzelnen nachrichten zurückgeführt werden, ob aber auch 
die Plutarch selbst bei der ausarbeitung vorgelegenen quellen? 
Zu letzteren lässt sich mit einiger Sicherheit Bibulus rechnen, 
wegen Vit. Brut. 13 ßißXtdtov fitxgor unofivrjiJiovsvfidTiav Bgov- 
iov ytyQUjufiiiov in aviov Siaffw^sTat; von den meisten oben 
genannten lässt sich nichts gewisses sagen •, die briefe des Brutus 
und die denkwürdigkeiten des Augustus erklärt bereits Wichmann 
für nur mittelbar benützt. In betreff der briefe würde seine 
ansieht, dass die citate aus ihnen der schritt des Bibulus ent- 
lehnt seien, unwahrscheinlich sein, wenn wir ihm zugeben müssten, 
dass Plutarch sie, weil sie griechisch geschrieben und das Vor- 
handensein unächter ihm bekannt gewesen sei, selbst gelesen 
habe ; aber die stelle, an welcher von unächten die rede ist, ge- 
hört ihrem ganzen inhalt nach einem anderen, von Plutarch aus- 
geschriebenen autor an und dass die briefe durchweg in griechi- 
scher spräche abgefasst gewesen seien, geht aus Vit. Brut. 2 
nicht hervor; die auf uns gekommenen sind bloss lateinisch ge- 
schrieben und die a. a. o. citirten an griechische gemeinden 
gerichtet, im verkehr mit welchen sich für einen gebildeten 
Römer die anwendung der andern spräche fast von selbst verstand. 
Die citate könnten also immerhin aus Bibulus entnommen sein, 
aber eine in vieler hinsieht wichtige stelle führt wenigstens für 
einen theil derselben auf eine andere spur. Die nachricht näm- 
lich, dass Porcia nach dem tode des Brutus sich das leben ge- 
nommen habe, führt Plutarch V. Brut. 53 auf Nikolaos von Da- 
maskus und Valerius Maximus zurück und widerlegt sie aus einem 
briefe des Brutus , nach welchem dieser seine gemahlin überlebt 
hat, vorausgesetzt, wie Plutarch hinzufügt, dass der brief zu 
den ächten gehört. Nun zeigt Wichmann, dass Plutarch den 
Valerius sicher und den Nikolaos wahrscheinlich nicht eingesehen, 
mithin die ganze auseinandersetzung einem späteren entlehnt 
hat. Hier haben wir also ein briefeitat, dessen herkunft etwas 



Nr. 3. 97. Plutarchos. 129 

näher bestimmt werden kann; es zeigt sich aber, dass es nicht 
von Bibulus herrührt. Nun hätte aber Plutarch noch einen 
andern beleg beibringen können, nämlich .das beileidschreiben 
Ciceros au Brutus Ep. 1 , 9 wegen des todes der Porcia ; dass 
er es nicht anfübrt, dient zur bestätigung der vermuthung Peters, 
Plutarch habe die zwischen Cicero und Brutus gewechselten 
briefe nicht gelesen. Ferner findet sich die falsche nachricht 
von Porcia's ende unter andern auch bei Appian (4, 136) in der 
vom vf. aus Messalla und Asinius abgeleiteten partie. Beide, 
als bekannte des Brutus, mussten wissen, dass Porcia vor ihm 
gestorben war-, ihnen hat also Appian die falsche angäbe nicht 
entlehnt. 

Was die denkwürdigkeiten des Augustus betrifft, so hält vf. 
das zusammentreffen Plutarchs (V. Brut. 41. Anton. 22) mit 
Appian (4, 110) in einem und demselben citat aus ihnen mit 
recbt für ein anzeichen, dass beide dasselbe einem späteren 
dritten verdanken. Dieser dritte aber ist schwerlich Asinius 
gewesen, an welchen Wichmann — seltsamer weise, aber veran- 
lasst durch seine aufiassung indirecter quellen als directer, 
bloss in ansehung der quelle Appians, nicht auch der Plu- 
tarchs — denkt: denn die denkwürdigkeiten reichten bis 
zum schluss des cantabrischen krieges (735 d. st.) und waren 
dem Maecenas (gest. 742) und Agrippa (gest. 746) gewidmet, s. 
Sueton. Aug. 85. Plut. comp. Dem. et Cic. 3 ; sie sind dem- 
nach zwischen 735 und 742 herausgegeben und von Asinius, 
der nach Ho rat. carm. 2, 1 schon 724 oder 725 an seinen hi- 
storien schrieb, kaum benützt worden. 

Auch gegen directe benützung des Asinius durch Plutarch 
und Appian spricht ein ähnliches argument wie das die denk- 
würdigkeiten des Augustus betreffende : sowohl Appian. 2 , 82 
als Plutarch. Caes. 46. Pomp. 27 citirt den Asinius als gewährs- 
mann für die richtigste zahl der bei Pharsalos gefallenen Pom- 
peianer. So sehen wir überall, wo ein einblick gestattet ist, 
die ältesten , zeitgenössischen berichterstatter nur auf mittelbare 
weise zu gründe gelegt und müssen an spätere geschichtschreiber 
als directe quellen denken. An welche, ob an Strabon, der den 
Asinius, Dellius und Nikolaos gelesen hatte und Vit. Caesar. 63 
citirt wird , an Cremutius Cordus , den seine begeisterung für 
Brutus das leben kostete und mit dessen fragmenten Vit. Brut. 



130 98. 99. Aristoteles. Nr. 3. 

44, 1 und Vit. Cicer. 49, 1 zusammenstimmt, an Aufidius Bassus 
als den jüngsten, dessen fortsetzer Plinius von Plutarch im Otho 
und Vitellius henützt ist: das wird sicli bei der dürftigkeit un- 
serer literarischen mittel nur sehr schwer ausmitteln lassen. 

U. 

98. Forschungen über die nikomachische Ethik des Ari- 
stoteles. Von Hermann Rassow. Weimar, 1874. Böhlau. 
VIII und 145 s. gr. 8. 

99. Die lehre von der praktischen Vernunft in der grie- 
chischen philosophie. Von Dr. Julius Waller, privatdo- 
centen der philosophie an der Universität Jena. Jena, 1874. 
Mauke (Dufft). XVIII und 573 s. gr. 8. 

Es ist sehr zu bedauern, dass wir laut Rassows vorrede von 
ihm selbst eine neue kritische ausgäbe der aristotelischen ethik 
nicht zu erwarten haben , um so mehr muss man anerkennen, 
dass er dem künftigen bearbeiter einer solchen durch seine 
werthvolle schrift dessen werk erheblich erleichtert und in bezug 
auf die höhere kritik in gewissem sinne sogar etwas abschliessen- 
des geleistet hat. Im ersten capitel theilt er die Hauptergebnisse 
einer von R. Scholl vorgenommenen erneuten vergleichung der 
wichtigsten handschrift K b mit, stellt genau fest, für welche 
partien Bekker die beiden schlechteren handschriften H a und N b 
nicht benutzt hat, und weist nach, dass die vier besseren in fünf 
büchern in zwei, wechselsweise zur gestaltung des textes zu 
verwendende familien zerfallen, K b O b und I> M b im 3. und 
4., K b M b und L b O b im 6., 7. und 9. buch, während in den 
übrigen fünf jede dieser handschriften in ihrer weise eine mischung 
aus beiden recensionen darstellt. Der zweite abschnitt beschäf- 
tigt sich mit den zahlreichen auffallenden Wiederholungen und 
doppelten recensionen 1 ) , der dritte mit den Störungen des Zu- 
sammenhanges in der nikomachischen Ethik, zunächst mit denen, 
welche durch schuld der abschreiber entstanden und durch Um- 
stellungen zu entfernen sind, dann mit denen, welche in der auf 

!) Ist nicht eine solche auch II, 5. 1106 b, 16—24 und 24 
(«JJd? yäg für rj d" ägirrj) — 27 ? In bezug auf I, 7 geht Rassow noch 
lange nicht weit genug: das ganze capitel von 1098a, 22 ab ist 
unaristotelisch, das uviTjg im anfang des 8. ist jetzt beziehungslos. 
Entweder stand ursprünglich ccviov da oder etwa ir,v ev<fcn l uoviav oder 
noch etwas mehr hinter 1098 a, 21. 



Nr. 3. 98. 99. Aristoteles. 131 

uns gekommenen redaction selber wurzeln. Die schaden dieser 
letztern art finden sich im 5, 6. und 7. buche , wo auch die 
Wiederholungen am gehäuftesten und auffälligsten sind. Eassow 
zeigt einleuchtend, dass die V, 9. 10 gemachten Umstellungs- 
versuche nicht zum ziele führen, vielmehr 1134a, 17 — 23 2 ) als 
eine andere fassung von 1135b, 15 ff. auszuscheiden ist und 
wir zu 1134 a, 24 Stl de x. r. X. wiederum zwei Übergänge 
haben, einen längern, das cap. 9, und einen kürzern, 1134a, 
23 Tcux; jxiv ovv — 24 hq^tuv (mit tilgung von ngorsgov). Ersteres 
hat übrigens schon Eieckker (Zeitschr. f. d. alterth. 1856, nr. 
15), welcher zuerst diesen gegenständ untersuchte, sogleich richtig 
erkannt, und die nichtbeachtung seiner Untersuchung bei allen 
spätem hat sich mithin empfindlich gerächt. Auch darin kann 
ich Eassow nur beistimmen, dass V, 11 — 13. 15 schlechtes 
flickwerk sind, von welchem vielleicht keine zeile dem Aristoteles 
selbst angehört, jedenfalls das cap. 15 nicht. Dass indessen 
nicht alle anstösse gehoben werden können, ist meines erachtens 
kein genügender grund dagegen, in diesem capitel 1138a, 28 
(pavsgov — b, 5 äno&uvtiv an den schluss vor die Übergangs- 
formel mgl fiev ovv x. t. X. b, 13 und sodann alles mit aus- 
nähme dieser formel mit Munro, Zeller u. a. dahin zu stellen 
wohin es sachlich gehört, vor das 13. capitel, selbst auf die 
gefahr hin damit den redactor zu verbessern und nicht die ab- 
schriften. Mit vollem recht erklärt Eassow mit andern auch 
den zweiten theil des 7. buches (die erste abhandlung über die 
lust) für nicht aristotelisch. Wie es aber gekommen sein möge, 
dass die fremde Überarbeitung gerade diese drei der nikomachi- 
schen ethik mit der eudemischen gemeinsamen bücher am stärk- 
sten betroffen hat , darüber äussert er nur frageweise die ver- 
muthung einer ungeschickten ergänzung der ersteren aus der 
letzteren. Im vierten abschnitt berichtigt er den text Bekkers 
nach dessen handschriften, der fünfte handelt von lücken und 
glossemen , der sechste bringt die sonstigen conjecturen Eassows, 
der siebente beitrage zur erklärung. Es ist sehr dankenswerth, 
dass der Verfasser mit dem vielen neuen, welches er bietet, auch 
das wesentlichste seiner altern Veröffentlichungen verbunden und 

2) Meines erachtens hat Münscher recht , wenn er als ahschluss 
dieser partie noch iv ois d" (tfij Münscher) ädtzia — ■ adtxia z. 32 f. an- 
reiht. — Ist nicht z. 31 vd/nov (M b ) für Xöyov aufzunehmen? 



132 98. 99. Aristoteles. Nr. 3. 

beides so wohlgeordnet und übersichtlich zusammengestellt hat. 
Eine leistung von seltner gediegenheit, würdig der ausserordent- 
lichen anerkennung, welche sie bereits in der schönen recension 
von Eucken N. Jen. L. Zg. 1874, s. 339—341 gefunden hat, 
liegt vor uns , und , wie auch Eucken bemerkt , nur in verhält- 
nissmässig wenigen fällen wird man bedenken tragen sich dem 
urtheil des trefflichen mannes anzuschliessen. 3 ). 

Ueber die einleitung und die ersten 83 seiten von Walters 
buch habe ich mich schon in Bursians Jahresberichten 1873, 
p. 590 f. geäussert, denn sie geben in der hauptsache dasjenige 
wieder, was auch den inhalt seiner diese grössere arbeit vorbe- 
reitenden habilitationsschrift 'über eine falsche auffassung des 
vovq nQuxTMoq, Jena 1873' bildete. Was jener Vorläufer ver- 
sprach , das leistet jetzt das vollständige werk in erfreulichster 
weise : es ist eine bedeutende wissenschaftliche erscheinung, dabei 
klar und schön, nur etwas zu breit geschrieben. Mit recht geht 
der vf. von dem abschluss der erörterungen über ethische und 
dianoetische tugenden VI, 13 aus, in welchem Aristoteles 1144b, 
17 ff. sich zugleich mit seinen Vorgängern auseinandersetzt. 
Zwar ist die ächtheit der zweiten hälfte dieses capitels noch 
neuestens wieder von Spengel und Rassow verdächtigt worden, 
indem man namentlich meinte, das vvv ituvjfc, otup ogf^iorrut 
rr t v ägfT^r, jtooGndtaGi tr\v ?2?»v, ilnovTtg xai ngog ä sgti, t^v 
xcctu 7ov oq&6v Xoyov (b, 21 — 23) habe nicht Aristoteles, sondern 
nur ein schüler desselben schreiben können. Aber Walter, 
welcher zugleich diese gelegenheit zu einem gesammtrückblick 



3) Auf xaiioi für xai III, 7. 1114a, 15 bin auch ich verfallen, 
ebenso auf die Umstellung von q vatxojicln] o" tlvca III, 11. 1117a, 4 f. 
hinter 9, ix: sie bedarf aber noch einer kleinen nachbesserung von 
d" in yctQ. Dieselbe änderung scheint mir am orte I, 2. 1095b, 7, wo 
ich Onckens Umstellung von aQX*i (agxn ?) — dion 6 f. vor 4. cJYo billi- 
ge. III, 12, 1117b, 21. IV, 2. 1121a, 10. c. 7. 1123b, 17, vielleicht 
auch I, 11. 1100a, 26 (oder »' ?), die in dj 1,6. 1098a, 7. II, 7. 1107a, 
32. b, 20. III, 1. 1110a, 15. c. 13. 1118a, 2. IV, 3. 1122a, 13, in r« 
III, 10. 1115b, 20. IV, 12. 1127a, 3, umgekehrt die von ef? in cTUII, 
1. 1109b, 30. IV, 1. 1119b, 33. VI, 1. 1138b, 35 (M*), die von y« Q 
in äga II, 2. 1104a, 25, von xai in we oder wgrs IV, 4. 1122a, 35. 
Für nouZv, xai VI, 2. 1139 b, 2 möchte ich noiwv • all' wünschen, für 
cTi IV, 14. 1128 a, 35 <ft (3 avr6 s ). IV, 13. 1127b, 25 ist wohl das 
erste xai zu tilgen und ebendaselbst z. 12 ff. scheinen mir die worte 
log 6 alä^oiv nnd ovx iv rfl dwäfia, — xtgtiovs (z 14 — 17) interpolirt 
zu sein. Anstoss nehme ich auch an V, 1. 1129a, 10 — 26 und VI, 
8. 1142 a, 20—23, vgl. anm. 7. 



Nr. 3. 97. 9 8. Aristoteles. 133 

auf die voraristotelischen lehren benutzt (s. 97 — 138), weist nicht 
bloss die sonstigen gründe Spengels mit erfolg zurück (p. 88 — 
97), sondern zeigt auch (p. 134 ff.i, dass vvv nuvxig auf die 
ältesten Platoniker geht. Er hätte hierfür axxch die parallel- 
stellen Met. I, 9, 992a, 32 f. XII, 1069 a, 26 f. geltend machen 
sollen. Aristoteles knüpfte also in seiner definition der ethischen 
tugend als £§*£ iv (j,£0~6it]ti woiafiivr] Xoyco bereits an einen ge- 
wissen vorgang seiner mitschüler an, aber er macht gegen sie 
geltend: ov /nurov xutu tov ood~bv z.oyov, uXX r\ /utru tov oQ&ovloyov 
l'£tg aoetij lanv (p. 26 f.). Er behält zwar im voraufgehenden 
selbst den ausdruck xaiu Xöyov noch bei , so lange der begriff 
des oodog Xoyog noch in der entwicklung ist, aber gerade an 
entscheidenden punkten und zum theil mit entscheidender aus- 
drucksweise sagt er auch vor dem sechsten buche schon fxsru loyov, 
I, 6. 1098a, 12 f. m, 4. 1112a, 15 f. Was heisst also letz- 
teres? Die erklärung der grossen Ethik ist falsch (s. 87 f.), es 
bedeutet vielmehr „mittels der richtigen Vernunft". Richtig fasst 
ferner Walter (p. 141 ff.j I, 6. 1098 a, 7 -/.v.xu. Xoyov nicht im 
sinne von ' gemäss ' , sondern als blosse Umschreibung für „ver- 
nünftig'', so dass durch ipvfig iveoysia xuru Xoyov hier gerade 
die dianoetische, durch rj [xi] uvsv Xoyov die ethische tugend zum 
ersten male angedeutet ist. Der unterschied beider entwickelt 
sich dann genauer von I, 13 ab, bis denn II, 2. 1103 b, 31 ff. 
die erörterung der „richtigen Vernunft" und ihr verhältniss zu 
den „übrigen" tugenden und damit die der dianoetischen fugen- 
den überhaupt verschoben und vielmehr bis zum Schlüsse des fünften 
buchs die der ethischen gegeben wird, indem sich zunächst der rest 
des zweiten mit ihrem gesammtbegriff t£ig TTQoucoenxrj iv {jhg6ti]xi 
cZgu rfj nobg tjfüxg ujoiofierfl (so Walter mit recht nach Spengelj 
Xoyco xai wg uv b (ponvifiog cgfaenv (c. 6.1106b, 36 ff.) befasst. 
Natürlich ist aber diese letztere erörterung vorbereitend für jene 
erstere, spätere, denn alles, was von vernunftinhalt und mithin 
überhaupt vernünftig erfassbarem in den ethischen tugenden sich 
findet, stammt selbst aus jenem oo&bg Xoyog, aus der vernünfti- 
gen praktischen einsieht ((pQo'vtjGig) her. Aber wie verhält sich 
nun zu dieser leitenden einsieht die theorie der ethik ? Die letz- 
tere ist nach den wiederholten erklärungen des Aristoteles (I, 1. 
1094b, 10 ff. c. 2 z. e. DZ, 2. 1104a, 1 ff. 13 ff. c. 7. 1107a, 
28 ff.) keine strenge Wissenschaft , sondern auf induetion und 
Philol. Anz. VII. 9 



134 97. 98. Aristoteles. Nr. 3. 

analogie angewiesen, weil der gegenständ der Wissenschaft immer 
das allgemeine ist, alles praktische handeln aber, mit dem es 
diese theorie zu thun hat, den charakter des einzelnen an sich 
trägt, und Walter hebt treffend hervor, wie völlig ins gebiet des 
individuellen selbst jene allgemeine tugenddefinition durch den 
zusatz ii] jtqoc fjpag führt (p. 157 ff.). Andererseits geht Ari- 
stoteles so weit, dieser theorie sogar jedes rein theoretische in- 
teresse abzusprechen und sie auf den praktischen nutzen zu be- 
schränken (I, 1. 1095a, 5 f. II, 2. 1103b, 26 ff.). Völlig zu- 
treffend folgert also Walter, dass auch dieser praktische nutzen 
selbst seine ziemlich engen grenzen hat, eben weil diese theorie 
als solche doch immer noch beim allgemeinen stehen bleibt, und, 
wie sie dies aus der einsieht schöpft, so andrerseits die letztere, 
nur so weit sie selber des allgemeinen bedarf, bei jener in die 
lehre gehen kann (p. 138 — 162). Lediglich die allgemeine regel 
des handelns kann der einsichtige aus der ethik entnehmen , die 
nach jenem zusatz in der definition für ihn im besonderen gel- 
tende dagegen nur aus erfahrener (vgl. p. 366 ff.) wahrnehmender 
beobachtung des einzelnen erkennen. Die aristotelische ethik ist 
acht griechisch : sie athmet die freude des Hellenen an der indi- 
viduellen Virtuosität des klugen und einsichtigen mannes. Die 
einsieht ist nicht mehr sache der theoretischen, sondern der prak- 
tischen Vernunft. Die hauptsächlichste , wenn auch nicht , wie 
Walter meint , die einzige 4 ) thätigkeit der letztern besteht im 
rathschlagen (ßovXsvsad-ut) oder überlegen (koy&a&at,). Auch 
dem rathschlagen ist die form des schliessens eigenthümlich, aber 
der schlusssatz ist hier die vorsätzliche (jtQouiQtTixri) handlung 
und die zweite prämisse (das t6%aTOv iv ävalvasi xal 7tqü)tov si> 
ysvtßti III, 5. 1112b, 23 f.) ein blosses wahrnehmungsurtheil 
(VI, 12. 1143b, 2 ff. Vn, 5. 1147 a, 25 f.), was im wissen- 
schaftlichen beweise nie der fall ist (vgl. p. 313 fl.). Man geht 
mit sich und andern zu rathe lediglich über das zweckdienliche, 
das zwecksetzende sind streben und wille. Die erörterungen 
über das verhältniss der praktischen Vernunft zum willen, diesem 
dunkelsten punkte der aristotelischen psychologie und ethik, 
übergehe ich hier aus mangel an räum. Mit diesem allen haben 

4) Denn die klugheit {g6vs öig) , die vielmehr beurtheilend ist, 
kann nur als eine fertigkeit der praktischen Vernunft angesehen 
werden. 



Nr. 3. 97. 98. Aristoteles. 135 

es nun die ersten capitel des dritten buchs zu thun, alles folgende 
bis zum scblusse des fünften zeigt die thätigkeit der j)raktischen Ver- 
nunft in den besonderen ethischen tugenden (p. 163 — 232). 
Schon im dritten spricht sich aber die ausdehnung dieser praktischen 
Vernunft auch über das gebiet der künste aus (c. 5. 1112b, 2 
ff). In der that gliedert sich dieselbe , wie gleich im anfang 
des sechsten hervortritt, in eine im engern sinne praktische und eine 
poietische. Die dianoetischen tugenden müssen daher in solche 
zerfallen, welche einer von beiden und welche vielmehr der 
theoretischen angehören: erstere sind selbst arten des uQ&bg 
Xoyog, letztere haben keinen räum für ihn. Für die ansieht von 
Prantl, dass nur die einsieht und die Weisheit von Aristoteles 
als dianoetische tugenden aufgefasst seien , sprechen sehr erheb- 
liche umstände, so dass noch Eassow (p. 124 f.) sie für unzwei- 
felhaft erklärt, allein Prantl selbst hat in seiner recension von 
Walters schritt (N. Jen. Litt. Z. 1875. s. 8 f.) sie den ausein- 
andersetzungen "Walters gegenüber aufgegeben , nach denen ähnlich 
wie nach Zeller, aber viel genauer und bestimmter, die Wissen- 
schaft (im&ii] [ii]) , die es nach Aristoteles nicht mit der induc- 
tion, sondern nur mit dem beweise zu thun hat, der verstand 
(yovg), nicht zwar so fern er vermöge des wahrnehmungsurtheils 
das einzelne erfasst, wohl aber so fern er mittels der induetion 
die allgemeinen prineipien aus demselben ableitet, ohne die kein 
beweisen möglich ist, und die Weisheit (ööyt«), d. h. die meta- 
physische erkenntniss, die tugenden der theoretischen, die nicht 
mit namen genannte fügend der kunst (c. 5. 1140 b, 21 f.) die 
tugend der poietischen und die einsieht die hauptsächliche oder 
gar einzige 5 ) der im engeren sinne praktischen Vernunft sind. 
Schon der umstand aber, dass eine so wichtige entscheidung erst 
errathen werden muss, hätte Walter bedenklich dagegen machen 
sollen, ob die uns vom achten capitel an vorliegende ausfuhrung 
wirklich dem für dies sechste buch entworfenen grundplane des Ari- 
stoteles 6 ) entspricht. Die Untersuchung des verf. (p. 232 503) 
gestaltet sich allmählich zu einem förmlichen fortlaufenden com- 
mentare über dies buch, und man muss gestehen, dass durch 

5) Die klugheit (coviaig) wird wenigstens I, 13. 1103 a, 5 aus- 
drücklich mit zu den dianoetischen tugenden gezählt , vgl. Walter s. 
356 f., dann aber ist die einsieht nicht die einzige der praktischen 
Vernunft, s. anm. 4. 

6) Wie er sich in den 7 ersten capiteln deutlich genug zu erkennen 

9* 



136 97. 98. Aristoteles. Nr. 3. 

denselben über vieles ein ganz neues richtiges licht verbreitet 
wird, allein der minder scharfsinnige, aber vielleicht bedächtigere 
leser vernimmt doch auch andrerseits vielfach wohl die neue 
botschaft, aber der rechte, volle glaube will sich nicht einstellen. 
Man folgt den conservativen Operationen eindringenden tiefsinns, 
mit welchen der vf. die vom capitel 8. bis 12. überall fehlenden 
gelenke nach eigenem ermessen einsetzt, mit aufrichtiger bewun- 
derung , aber es mischt sich auch einige Verwunderung und ein 
erheblicher zweifei in dieselbe ein , ob ein solches verfahren im 
scheinbaren gelingen die genügende probe hat und zu wirklich 
sicheren ergebnissen führen kann, und ob Walter wirklich auch 
nur in der mehrzahl der fälle die anstösse Rassows beseitigt 
hat. 7 ) 

Der nächstfolgende abschnitt seines buchs (p. 504 — 537) er- 
streckt sich über die kunst, namentlich um zu untersuchen, worein 
Aristoteles jene ' tugend der kunst ' gesetzt hat , und wie es zu 
verstehen ist, wenn derselbe Phys. II, 8. 199 b, 26 ff. scheinbar 
im Widerspruch mit allem obigen sagt : ' die kunst berathschlagt 

giebt. Dass zu ihrer anläge in manchen stücken die in c. 8 ff. ge- 
gebene fortführung nicht stimmt, lässt sich, glaube ich beweisen. 
Gleich der anfang dieses zweiten abschnitts rnuss bedenken erregen, 
weil er der form nach, von der Wiederholung aus c. 5 noch ganz ab- 
gesehen, sich vielmehr als blosses gegenbild zu c. 8 darstellt. Solches 
ineinanderhinüberfliessen zweier abschnitte ist so sehr wie nichts an- 
deres gegen die weise des Aristoteles. 

7) Mit bestem erfolg widerlegt er (p. 327) R^ssows Umstellung 
c. 12. 1143 b, 6 ff. Höchst ansprechend sind seine erörternngen über 
c. 5. 1140 b, 25 ff, wo er % n — q.QovijGis z. 27 f. alsinterpolation tilgen 
will (p. 438 ff.) , aber scheitert nicht zuletzt seine ganze erklärung 
daran, dass *f*s fxijä köyou (z. 28) doch unmöglich wie !'£»? xarii löyov 
'vernünftige fertigkeit (beschaffenheit) ' heissen kann? Vielmehr die 
ethischen tugenden sind ja eben e&ig jusrä löyov. Ist es ferner 
wohl des Aristoteles art bloss dt xal statt drjkov dt xal Ix tovtov x. t. 
Ä. zu schreiben, wie Walter ihm c. 8. 1141 b, 23 zumuthet? Dann 1442 a, 
20 steht im text sn, in der paraphrase Walters (p. 411) aber 'mithin!' 
(vgl. anm. 3). Ferner verdient zwar der gedanke alle achtung das 
10. cap. unmittelbar aus 9. anzuschliessen, aber wenigstens müsste es 
dann statt di z. 31 yctQ und statt dt z. 32 d?i (' daher 1 steht auch bei 
Walter s. 362) heissen und bedenken erweckt, dass dem fitv dij z. 25 
kein dt entspricht: ich denke, vor c. 10 ist vielmehr eine lücke, da 
allerdings auch ich im ergebniss mit Rassow hier nicht übereinstimmen 
kann. In bezug auf 1142 b, 12 — 16 f., wo ich nur mit Rassow ungehö- 
rige einschiebsei zu erblicken vermag, ist Walter in Wahrheit auf Ras- 
eow's gründe gar nicht eingegangen; auch mit den worten tn—m/v 
z. 26 f., weiss ich nichts anzufangen. Auch c. 11. 1142a, 23 f., 
halte ich Trendelenburgs von Walter verworfne conjecturen für richtig 
und folglich Walter's darstellung der yviü^rj für zum theil falsch. 



Nr. 3. 99. Lykurgos. 137 

nicht. 1 Sodann aber wird (p. 537 — 553) nachgewiesen, dass die 
von manchen Seiten dem Aristoteles zugeschriebene eintheilung 
der philosophie in eine theoretische, praktische und poietische 
falsch ist , und dass sich für die ethik , politik und poetik , wie 
schon Zeller urtheilte , eine sichere stelle im aristotelischen Sy- 
stem der Wissenschaften überhaupt nicht nachweisen lässt. Das 
schlusscapitel (p. 554 — 573) endlich verfolgt die auffassung von 
theorie und praxis bei den griechischen philosophen nach Ari- 
stoteles. 

Möchte der vf. uns bald auch eine darstellung der aristo- 
telischen erkenntnisslehre geben , die auch nach den achtbaren 
neuesten leistungen auf diesem gebiet noch keineswegs über- 
flüssig ist ! — Schliesslich bemerken wir noch r dass die correctur 
hätte sorgfältiger sein können. 

Fr. Susemihl. 

99. Lycurgos 1 rede gegen Leocrates erklärt von prof. 
Adolph Nicolai. 8. Berlin. Weidmann, 1875. 10 gr. 

Der vf. hat durch die herausgäbe der rede gegen Leocrates 
zum schulgebrauch einen warmen wünsch vieler philologen , wie 
Melanchthon's, Nägelsbach's und gewiss auch vieler Schulmänner 
der neuzeit erfüllt. Denn wir können nicht blos begreifen, wes- 
halb diese rede beim wiedererwachen der classischen Studien eine 
lieblingslectüre der gelehrten geworden ist, sondern glauben auch, 
dass dieselben gründe sie noch heute besonders für die schule 
geeignet erscheinen lassen. Nicht die behandlung der Streitsache 
von Seiten des Lycurgos verdient nach meiner meinung beson- 
deres lob , noch wird die anklage selbst unseren schülern den 
Lycurgos werth machen — wenigstens dann, wenn sie richtig 
auf die sophismata des redners und seine arge Schwarzmalerei 
hingewiesen werden — sondern die häufig eingelegten, mit der 
haupthandlung nur in losem Zusammenhang stehenden episoden 
über die hegemonie der Athener, die folgen der schlacht von 
Chaeronea, über den bürgereid zu Athen, über einen vermeint- 
lichen gesammteid der Griechen , über Vaterlandsliebe bei den 
vorfahren , über eiternliebe , über die sitten der Spartaner, end- 
lich die eingelegten verse und geschichtchen. So sehr diese 
digressionen eine strenge disposition vermissen lassen und vom 
rhetorischen standpuncte aus als fehler zu verzeichnen sind , so 



138 99. Lykurgos. Nr. 3. 

sehr tragen sie dazu bei, durch dies bunte allerlei der rede ein 
regeres interesse zu erwecken, ähnlich wie dies bei der ebenfalls 
in secunda gelesenen rede pro Roscio Amerino der fall ist. — >. 
Trotzdem aber hätte ich erwartet, dass der vf. entweder in der 
einleitung Qder bei den digressionen selbst auf das fehlerhafte 
dieser einsätze aufmerksam gemacht hätte, zumal der redner sich 
ausdrücklich an mehreren stellen gegen das Xiyuv e£w rov nod- 
y^ujog verwahrt, und nicht vielmehr den glauben hätte erwecken 
wollen, dass wir hier eine rede vor uns haben, „welche, da sie in 
mannigfaltiger und an vielen stellen in gewaltiger weise den 
verrath des Leokrates darlegt, zu den vorzüglichsten des Lycurgos 
gehört, . da man im ganzen wohl annehmen könne, dass uns nur die 
besseren erzeugnisse der alten Literatur erhalten sind". (Einl. p. 7). 
Diese bemerkung, die schon Kiessling gemacht hatte, habe ich in 
meiner dissertation mit gründen zurückgewiesen und mich dem ur- 
theil der Turicenses angeschlossen : orationes periisse multo hac Leo- 
oratea praestantiores. Denn das wenigstens steht fest, dass alle 
reden des Lycurgos bekannter waren im alterthum wie diese 
und dass Stobaeus lieber aus allen anderen reden seine gnomen 
z. b. die über die heiligkeit des eides schöpft, als aus unserer. 
— Auch darin muss ich dem herausgeber entgegentreten, dass 
nach seiner ansieht (anmerk. zu p. 139) Leokrates seine frei- 
sprechung besonders seinen mächtigen freunden zu danken gehabt 
haben wird. Diese ansieht, die schon in etwas anderer weise Jenicke 
geäussert hat , ist von v. den Es , Elias , Frohberger zurückge- 
wiesen. Die klage war eben rechtlich so wenig haltbar und 
die jtQoöoGia nur durch so geschraubte erklärungen und hin- 
deutungen zu beweisen, dass man diese rede überhaupt besser 
für einen loyog imduxzixog zu halten scheint, der weniger eine 
person verfolgte, als Vaterlandsliebe von neuem erwecken sollte. 
Deshalb kann ich auch einer anderen verrnuthung des heraus- 
gebers (zu §. 119) nicht beitreten. Aus dem ufioitog vfiTv geht 
nicht hervor, dass der redner diese stelle bei Veröffentlichung 
der rede nach freisprechung des angeklagten eingeschoben habe. 
Der redner ahnt, dass man den angeklagten nicht verurth eilen 
werde. Durch die ganze rede geht diese befürchtung, s. §. 
78: slia tovtov ovx unoxievain . . .; rivug ovv njuiwQrjGsGfri ; doch 
halte ich aus anderen gründen allerdings die annähme nicht für 
ausgeschlossen, dass wir verschiedene recensionen auch dieser 



Nr. 3. 09. Lykurgos. 139 

rede haben. — Den text der rede hat der herausgeber nach 
Scheibe gegeben und ist nnr an sehr wenigen stellen davon ab- 
gewichen. Dieses verfahren wäre, namentlich bei einer Schul- 
ausgabe, dann zu billigen, wenn zu der Scheibe'schen ausgäbe 
seit 1864 nichts wesentlich neues hinzugekommen wäre und 
dieselbe noch heute den anforderungen der kritik genügte. Nun 
haben wir aber seit den letzten zehn jähren für den Lykurgos 
glänzende leistungen zu verzeichnen , und wenn auch nicht an 
den 180 stellen, an die ungefähr das critische rnesser gelegt ist, 
geändert werden muss, so sind doch gewiss 30 — 40 stellen jetzt 
als endgültig gebessert zu betrachten. Dieser leistungen haben 
wir uns besonders aus Holland zu erfreuen gehabt und unter 
diesen ist es wiederum van den Es, der durch seine annotationen 
und seine herrliche Schulausgabe unseres redners sich grosse Ver- 
dienste um denselben erworben hat, wie dies von allen gelehr- 
ten, die sich mit attischen rednern beschäftigen, namentlich aber 
von Frohberger, zugestanden ist. Um so mehr muss es wunder 
nehmen, in der vorrede p. V den namen von van den Es gar 
nicht, geschweige denn den von v. Herwerden, Schöne u. a. zu 
lesen, dagegen Pinzger, der gar nichts geleistet hat, und Rau- 
chenstein, der zwar sonst für die attischen redner bedeutendes 
geleistet, sich aber mit Lycurgos meines wissens nur sehr gele- 
gentlich befasst hat. Es hat aber der herausgeber die Schriften 
nicht blos nicht genannt, sondern auch nicht gekannt. 
Denn §. 97 schrieb schon v. d. Es dal für 3hi> und §. 129 
schrieb wiederum schon Es nach Sauppe tujv TtUTQttov vofiiftuiv. 
Endlich musste auch in eine Schulausgabe übergehen die be- 
merkung , dass die eidesformel im §. 80 erstens falsch und 
zweitens der eid selbst eine historische Unwahrheit sei, nachdem 
dies durch meine, Schöne's und v. d. Es selbstständigen Unter- 
suchungen übereinstimmend bewiesen war. — Der herausgeber 
hat an einigen stellen selbst den text verändert, und nicht mit 
unglück. Nur ist mir sein prineip dabei auffallend gewesen. 
Er sagt p. V: 'Ich habe mich aber in einer ausgäbe für schüler 
für berechtigt gehalten, bei fehlerhaften stellen diejenigen con- 
jeeturen aufzunehmen oder zu wagen, durch welche dieselben 
mir verständlich zu werden schienen.' Ich glaube, wir sind 
verpflichtet, in den text nur das durch die saure mühe der ge- 
lehrten als das wahrscheinlichste gefundene zu setzen oder 



140 99. Lykurgos. Nr. 3. 

uns ein lm%u> zuzurufen, damit die differenz zwischen dem besten 
text und einer Schulausgabe nicht zu gross werde. — Zunächst 
ändert der herausgeber mit viel glück die worte ävsv rov Xoyov 
im §. 13 in arsv rov toiovtov Xoyov. Unter all den vielen vorge- 
brachten conjecturen möchte man auf der stelle für diese ent- 
scheiden, wenn nicht das ' epexegem ' (xi] Stxaicog dsSiduyfisvovg 
der einfachen stelle einen z u grossen wortreichthum gäbe. Uebri- 
gens ist das letztere der bei den rednern gebräuchlichere ausdruck : 
s. Antiph. Tete Fß § 8, 6 § 9. — Im §. 93 schreibt Nicolai 
Gr\\ialvob für 6rjfA,s7a und streicht cputvovTat. Diese conjectur 
ist nicht schlechter oder unwahrscheinlicher, wie die übrigen zu 
dieser stelle vorgebrachten. Aber warum soll ravtä gerade 
heissen: 'das zu demselben ausgange führende'? Es heisst 
' eben dasselbe '. Nun aber prophezeit in der that der gott 
bösen und guten dasselbe, nämlich das wahre. Dieser ausspruch 
hat aber bei beiden verschiedene Wirkungen. Deshalb 
habe ich an Gcoir^oia für GrjfxsTa gedacht. — §. 110 schreibt 
Nicolai mit Taylor mit rücksicht auf §. 111 für noXsfiloig — 
nuXaiolg. Vielleicht ist des Zusammenhanges wegen noch besser 
nqoyövovg. — Die änderung im §. 123: statt ry\g naqä rov drifiov 
Güürrjoiaq unoGtiQUv zu schreiben rr\g itaq aovov GcoTrjgtag rov 
SlqiAOV änoßisosTv und nachher awiJjV für avrov, ist nicht unglück- 
lich , doch scheint mir 7z«(>' aviov richtiger, s. Frohberg, zu 
Lysias XXXI, 19. — Endlich schreibt Nicolai im §. 124 für 
rj^tojGs — inl^ivrjg, ähnlich wie Scheibe's vnb tlov ^(vcov. Dem 
gedanken nach ist Frohbergers vnb tujv jroXsfiCwv vorzuziehen. 

Die anmerkungen sind meist musterhaft kurz und meist an 
der rechten stelle •, doch hätte ich gern gesehen , wenn der vf. 
sein versprechen, besonders die rede de imper. Cn. Pompei und 
pro Roscio Amerino heranzuziehen, weil dieselben ebenfalls in secunda 
gelesen zu werden pflegen, noch in grösserem masse gehalten 
hätte. So hätten aus beiden reden analoge fälle citirt werden 
können z. b. zu §. 8 , wo von einer angemessenen strafe ge- 
sprochen wird, die noch über den tod hinausgeht, wo von dem 
verlassen der gräber der ahnen die rede ist, im §. 18 und 19, 
wo von der Schädigung der interessen Athens durch das alar- 
mirende gerücht des Leocrates gehandelt wird. Statt dessen 
wird auf Euripides, Sophocles und sogar auf Seneca zuweilen 
verwiesen, und doch werden dieselben nicht in secunda s-elesen ! 



Nr. 3. 100. Claudianus. 141 

Dagegen konnte Lysias und Isocrates mehr berücksichtigt werden, 
namentlich wo es sich um gerichtliche ausdrücke handelt. So 
wird der locus communis der redner, dass die richter sich als ge- 
setzgeber zu betrachten hätten, an Seneca erläutert (§. 10). 
So wird im §. 47 für rgicpttv vom vaterlande auf Plato ver- 
wiesen, während Isoer. XII, 90 viel näher lag! Vollständig 
verfehlt endlich ist das citat aus Xenophon's Hellenika über die 
macht des beispiels im §. 83. — Von falschen Übersetzungen 
will ich nur eine erwähnen. Im §. 5 wird angegeben für 
uyioia TtgosXofisvog 'diesen process unternehme.' — Sehr 
störend und auffallend ist die menge der druckfehler. Ich führe 
an: §. 18: umxo t u£vog. §.20 anm. : rtov Isqüjv für xulsod. §. 
78: negidctixs. §. 11 a. §. 12. §.14. §.16 a. (ah tag für 
ah(ovg) 18. 112. 118. u. a. 

Ratibor. Emil Rosenberg. 

100. Cl. Claudiani Raptus Proserpinae. Recensuit Dr. 
Ludovicus Jeep. Augustae Taurinorum, Arminius Loescher 
1875. 60 s. 8. 

Während bisher die freunde Claudians , des dichters , der 
neben Rutilius Naniatianus zu den schönsten zierden einer schon 
sehr der barbarei entgegeneilenden zeit gehört, in allen fällen, 
wo die frage nach der handschriftlichen Überlieferung in betracht 
kam, unsicher umhertastend sich in dem Burmannschen varian- 
tenwuste so gut es eben ging zurecht finden mussten, liegt den- 
selben nunmehr wenigstens für den Raptus Proserpinae eine aus- 
gäbe vor , die den forderungen der heutigen Wissenschaft völlig 
entspricht, indem sie sowohl auf sichere diplomatische grund- 
lage als auf consequente handhabung methodischer kritik ba- 
sirt ist. 

Ueber die handschriften des Raptus Proserpinae hat Jeep 
bereits im ersten bände der Acta soc. phil. Lips. p. 347 ff. ein- 
gehend gehandelt-, die dort gewonnenen resultate finden sich 
hier in der vorrede kurz zusammen gefasst. Als die allein 
massgebenden quellen haben sich ein Laurentianus saec. XII — 
XIII und ein Vossianus saec. XDII herausgestellt; als Vertreter 
einer weniger reinen Überlieferung dient ein Gudianus saec. 
XDII — XIV. Mit erkenntniss dieser Sachlage wird einer reihe 
von traditionellen lesarten, die in den ausgaben sich behaupteten, 



142 100. Claudianus; Nr. 3. 

jeder boden entzogen. So wird , um nur einige hervorragende 
beispiele anzuführen, gewiss niemand zweifeln, dass der etwas 
gewagte aber gut bezeugte ausdruck irrumpit pelagus (praef. 
v. 11) dem eleganten an Ovid erinnernden exsultat pelago vor- 
zuziehen sei; eben so wenig wird jemand die kühne metapher 
vom metalle , das unter der gewalt des feuers seinen nacken 
beugt (I, 234 lassa c er vice) der verwässernden lesart der 
vulgata gegenüber (lassa forma ce) verwerfen wollen. Wie 
weit die Willkür ging, zeigt namentlich I, 115. Hier haben 
die handschriften solem , die ausgaben aber seit alter zeit 
lucem; dieser lesart zu liebe hat man weiter auch im folgenden 
verse das überlieferte lucidus in fulgidus verändert, um die 
lästige Wiederholung zu beseitigen. Von allen dergleichen ent- 
stellungen hat Jeep den text gründlich gereinigt; allein im 
ersten buche, das 279 verse umfasst, sind gegen 60 wenn auch 
nicht überall gleich wichtige lesarten wieder in ihr recht ein- 
gesetzt worden. 

Der vorrang unter den handschriften gebührt unstreitig 
dem Laurentianus, der an einer stattlichen reihe von stellen die 
reinere Überlieferung bewahrt hat. Ich erinnere nur an dura- 
quell, 171 oder an pallescere III, 72, namentlich aber an 
nulli sie c onset a telae Fila II, 42 und videtur III, 137. 
Dass es aber auch andrerseits nicht an stellen fehlt, wo der 
Vossianus entschieden den vorzug beansprucht, hat Jeep selbst 
in mehr als einem falle anerkannt. So schreibt er II, 132 mit 
V metunt gegenüber dem legunt, das L bietet; so hat II, 
183 V das richtige dissiluit, während L durch das glossema- 
tische se solvit entstellt wird; so wird II, 249 aus V fundit 
aufgenommen , wo L tendit hat. Demnach dürfte wohl auch 
I, 194 das seltnere opacat in V das ursprüngliche sein, nicht 
das häufigere obumbrat; ebenso wie ich auch II, 173 lieber 

t 
mit V tonuere (sonuere) schreiben würde als das weniger 

gewichtige sonuere (cf. IV, 65). Nicht minder würde ich III, 
9 1 ganz aus V geben , da vi x tan de m eine echt lateinische 
Verbindung ist und vix deshalb nicht wie interpolation aussieht. 
So wird sich noch über manchen fall streiten lassen, wenn auch 
eine sichere entscheidung nur selten möglich ist. 

Den conjeeturen anderer gelehrten hat der herausgeber 



Nr. 3. 100. Claudiauus. 143 

theils im texte theils im apparat rechnung getragen ; indess 
scheint es mir, als ob derselbe bei der im ganzen berechtigten 
Zurückhaltung auch hie und da einen guten Vorschlag abge- 
wiesen habe. So würde ich I, 163 molibus unbedingt auf- 
nehmen , das viel besser zur stelle stimmt als das handschrift- 
liche inotibus. Selbst das kühnere Sabaeis II, 83 würde 
ich nicht verwerfen: der dichter wird hier eben so gut wie in 
den vorausgehenden versen (Pancliaia , Hydaspes) ein bestimmtes 
land im äuge gehabt haben, was man sich aber unter extremis 
— harenis (VJ denken soll, ist unklar. Dazu kommt, dass 
die fragliche stelle eine nachahmung gefunden hat in v. 79 ff. 
des fälschlich dem Lactantius beigelegten gedichtes de Pkoenice 
(bei Eiese 731) und dass dort gleichfalls neben India und Pan- 
chaia das land der Sabaeer sich genannt findet. Statt longae- 
vus harenis hat L longaeva colonis', eine ähnliche corrup- 
tel bietet der 119te vers desselben gedichtes de Pkoenice; dort 
hat der Vossianus iure soluto, der von Jeep ans licht gezo- 
gene Veronensis das richtige ture Sabaeo. — III, 39 hat Jeep 
aus dem Gudianus nutrix aufgenommen; allein nutrix bildet 
einen schlechten gegensatz zu noverca; den richtigen gegensatz 
kann nur ein wort wie gen et rix ausdrücken, was man bisher 
im texte las. Beatrix in V und L ist sicherlich nur der rest 
dieses wortes, nutrix aber eine blosse conjectur wie du et rix, 
was sich gleichfalls in schlechten handschriften findet. — I, 46 
schreibt Jeep mit den ausgaben arto de corpore, was nach 
den erklärern so viel bedeutet wie artato. Allein einerseits 
lässt sich diese bedeutung schwerlich genügend belegen-, sodann 
ist ein solcher begriff wegen des folgenden nodis ziemlich über- 
flüssig-, drittens aber haben die handschriften aueto (L) oder 
u 

acto (V); ich vermuthe daher, dass vasto zu schreiben sei, 
eine bezeichnung, die für riesen und ungeheuer üblich ist. 

Eine anzahl zum theil überzeugender emendationen verdankt 
der text dem herausgeber selber-, ich erwähne nur solum I, 
6; foribus I, 21; natum II, 44; nonne est III, 100; I, 
196 trifft Jeep mit Raphelengius zusammen. Hingegen möchte 
ich II, 331 rarescere (s. praef. p. 22) in schütz nehmen 
gegenüber der conjectur Jeep3 , der v an esc er e schreibt; 
eben so gut wie man spissa nox sagen kann, wird doch wohl 



144 100. Claudianus. Nr. 3. 

auch r arescere von der nacht gesagt werden können. Die 
dichte finsterniss wird weniger dicht; mehr scheint der dichter 
nicht gemeint zuhaben. — IV, 28 schreibt Jeep: Jpsum etiam 
fractura Jovem, vrgl. praef. p. 23. L und Fhaben feritura, 
V mit correctur; peritura, wie man früher schrieb, ist unver- 
ständlich; petitura aber verstösst nicht minder wie feritura 
gegen das metrum. Derselbe fehler bei demselben worte feri- 
tura findet sich aber auch bei dem dichter Maximianus (5, 
97) L. vrgl Müller de r. metr. p. 365. Stammte der vers etwa 
von dem weniger sorgfältigen Ausonius, so würde ich, da feri- 
tura an sich vortrefflich passt, nicht sonderlichen anstoss daran 
nehmen. Bei Claudian freilich bedarf es zunächst einer einge- 
henden prüfung , wie weit auch er den mangeln seiner zeit un- 
terworfen war; eine solche ist aber erst dann möglich, wenn 
der ganze text in einer kritischen ausgäbe vorliegt. Dass hin- 
gegen Jeep das handschriftliche flumen Acin IV, I ver- 
schmäht hat, kann man schon aus rein sprachlichen gründen 
nur billigen, trotzdem sich Anthol. Lat. 151, 2 (Riese) dieselbe 
messung findet. 

Eine reihe von vorschlagen an stellen, wo die Überlieferung 
bedenklich schien, hat Jeep im apparat mitgetheilt. Als beher- 
zigenswerth hebe ich namentlich hervor toti rivi III, 26 und 
moriens pariterque superstes II, 23. An dem schwierigen 
verse I, 100 nimmt er mit recht anstoss, tertia dispendia 
sortis supremae ist höchst auffällig gesagt. Ob aber mit 
stip endia viel geholfen wäre? Dispendia sortis supre- 
mae wäre an sich verständlich; unverständlich ist nur tertia, 
was doch im wesentlichen dasselbe besagen würde wie supre- 
mae. Hat der dichter etwa tristia geschrieben? — 1,194 hat 
Jeep signant beibehalten, woran er früher selbst gezweifelt 
hatte. Allein die beiden belegstellen (signat humum) aus 
Horaz und Properz sind anderer art. Dort ist das eine mal 
vom kleide einer frau, das andere mal vom fusse die rede; in 
beiden fällen werden sichtbare spuren auf dem boden zurück- 
gelassen; davon kann aber bei einer fahrt durch die wölken 
nicht die rede sein. Ich dachte an scindunt; näher noch liegt 
sulcant. Dass vers 179 sulcatam wiederkehrt ist nicht an- 
stössiger wie etwa das wiederholte cohors II, 118 und 124 
oder conscia II, 7 und 11, oder flammis , was Jeep I, 164 



Nr. 3. 100. Claudianus. 145 

einsetzt trotzdem vs. 169 flamm a folgt; man vergleiche auch noch 
in unda IV, 59 und undantes IV, 64; igne IV, 65 und 
ignes IV, 69. — I, 279 nehme ich anstoss an dem ausdruck 
spect antes. Man hat zwar stellen beigebracht, wo spe et an- 
tes soviel wie ex spe et antes bedeuten soll; allein dieselben 
beweisen wenig, da sie ganz andrer art sind. V hat exspec- 
t antes, was aber wohl blosse conjectur ist, die demselben an- 
stoss ihre entstehung verdankt. Mir scheint , der dichter 
habe spir antes geschrieben, da ohnehin bei der anschaulichen 
Schilderung des gespanns ein sinnlicherer ausdruck wohl am platze 
ist : die pferde verrathen äusserlich v was in ihrem innern vorgeht. 
Wie gilt dazu das bei Claudian ziemlich häufige spirare passt, 
liegt auf der band. — Interessant ist, dass II, 103 die lesart 
punice für pumice überliefert ist, die sich auch sonst nicht 
selten findet; so Plaut. Pseud. 75; Catull. I, 2; Prop. IV, 2, 
28 (M)\ Plin. NH. 28, 233 ; 30,108. Auf grund der angeführten 
beispiele vermuthet Bergk Beitr. z. lat. gr. p. 157, dass eine 
form pimice zu gründe liege, die sieb wirklich einmal (Plaut. 
Pers. 41 in JE?) erhalten hat. 

Unter den sonstigen vielfachen Verdiensten des herausgebers 
um die kritik unseres gedicktes hebe ich noch namentlich her- 
vor den evidenten nachweis einer grösseren lücke nach I, 266, 
sowie der Interpolation nach I, 169. Die angebliche praefaiio 
des zweiten buches hat, wie Jeep mit recht behauptet, mit dem 
Raptus Proserpinae nichts zu schaffen, sondern bildet die einleitung 
zu einem andern gedichte. Ob aber der vers 50 erwähnte Floren- 
tinus identisch ist mit Stilicho , dem sieger von Florenz (daher 
Florentinus) , wie Jeep praef. XIX mit Wedekind anzunehmen 
geneigt ist , scheint mir sehr zweifelhaft. Ein Florentinus aus 
der zeit Claudians, der praefectus urbis war, wird durch den Cod. 
Theodosianus sowie die briefe des Symmachus hinlänglich bezeugt ; 
in dem vergleich mit Hercules aber braucht das tertium compa- 
rationis nicht nothwendig in den thaten beider zu beruhen; es 
kann dies recht wohl einzig die anregung zum gesange sein. 

Ich schliesse die besprechung der allen freunden des dichters 
gewiss höchst willkommenen ausgäbe , die auch äusserlich recht 
stattlich ist, und füge noch zur berichtigung des textes eine Zu- 
sammenstellung der störenderen druckfehler hinzu. II , 6 bietet 
der text volvere, was wohl bloss irrthümlich stehen geblieben 



146 101. Sallustius. NV. 3. 

ist anstatt des gut überlieferten jussere. I, 158 fehlt im ap- 
parat die lesart der handschriften vellitur. II, 126 im app. 
lies cavae für cavi. III, 40 gehört im apparat die zahl 40 vor 
morem; III 83 gehört im apparat 83 vor vincta. IV, 62 will 
Jeep wohl ad versa fronte schreiben, wie sich aus der adno- 
tatio ergibt-, adversa passt auch viel besser als aversa. 

III, 276 lies sopor f. sapor; II, 86 merear f. mereat. 
Die weiteren druckfehler sind der art, dassder leser sie augen- 
blicklich corrigiren wird. Georg Goetz. 

101. De Sallustio imitatore Catonis Sisennae aliorumque 
veterum historicorum Romanorum. Diss. inaug. quam . . . 
scripsit Gustavus Bruennert. Jenae MDCCCLXXIII. 
49 p. 8. 

Auch nach Schultze's abhandlung de arcliaismis Sallustianis, 
die zwar manches brauchbare bietet, aber wie im Piniol. Anz. 

IV, p. 290 ff. nachgewiesen ist, doch nicht völlig genügt, darfeine 
behandlung desselben themas willkommen sein, wenn sie mit 
besonnenem fleisse durchgeführt wird. Dies kann von Brünnerts 
arbeit mit recht gerühmt werden, die eines schülers E. Kluss- 
mann's und eines Jüngers von C. Bursian nicht unwerth erscheint. 
Zwar stimmt ref. in manchen einzelheiten dem vf. nicht bei, was 
hier nicht ausgeführt werden kann; aber die hauptergebnisse 
der Untersuchung verdienen zum grossen theile . billigung. In 
dem allgemeinen (II.) cap. : quae in Universum in Sallustii dicendi 
genere ad morem antiquorum rerum scriptorum conformata sint — 
wird nicht nur über Orthographie, flexion und syntax gehandelt, 
sondern auch die nachahmung des scribendi color veterum histori- 
corum besprochen, wobei jedoch das über die brachylogie gesagte 
zu dürftig ausgefallen ist, indem nicht einmal die wichtigsten 
Zeugnisse der alten über abruptum sermonis genus, amputatae sen- 
tentiae, immortalis velocitas angeführt und entsprechend gewürdigt 
werden. Und doch würde die beachtung von Sen. contr. IX 
p. 398 Kiessl. den vf. zu einer anderen, wohl der nemlichen 
erklärung dieser stilistischen eigenthümlichkeit geführt haben, 
die im Philol. Anz. IV, p. 293 vorgetragen ist. Auch die auf- 
fassung der archaismen bei Sallust überhaupt, worin der vf. mit 
Badstübner und Schultze zusammentrifft, bedarf, wie a. o. gegen 
letzteren erörtert ist, einer niodincation. Der vf. hat sich eben 



Nr. 3. 101. Sallustius. 147 

mit den alten Zeugnissen zu leicht abgefunden; ein beispiel 
kann dies zeigen. P. 2 lieisst es: Sallustius acriter vituperatur 
. . . a Frontone (epist. ad Caes. IV, 3, p. 62 Nab.), qv.i eum 
frequentem scctatorem Catonis appellat. Aber der Zusammenhang 
bei Fronto lehrt deutlich, was sich übrigens bei der ganzen 
richtung dieses rhetors von selbst versteht, dass frequens (Catonis) 
sectator nicht als tadel sondern als hohes lob ausgesprochen ist, 
wodurch Sallust unter die grössten meister der lateinischen spräche 
eingereiht und sogar über Cicero erhoben wird. Das specielle 
(I.) cap. erörtert die nachahmung des Cato nnd Sisenna. Aus- 
führlich und gründlich wird hier gezeigt, wie Cato in gramma- 
tischer und lexikalischer beziehung und in manchen Sentenzen 
vorbild des Sallust gewesen ist, dass er diesem aber bei seinen 
rückblicken auf die in den Origines behandelte zeit der römischen 
geschichte nicht als quelle gedient hat. Die Vorstellung von 
dem einflusse Cato's aiif die methode der geschichtschreibung 
des Sallust wird vom vf. entgegen der Übertreibung Deltours auf 
die richtigen grenzen eingeschränkt, da derselbe nur in der Vor- 
liebe für geographische und ethnographische auslaufe nachweisbar 
ist. Der erörterung des vfs. über die einwirkung des Sisenna 
auf Sallust fehlt bei der geringen zahl und dem dürftigen gehalte 
der erhaltenen bruchstücke ein fester boden, weshalb die resul- 
tate des vfs. nicht nur unbedeutend, wofür nicht ihn die schuld 
trifft , sondern auch unsicher sein müssen. So darf der p. 25 
besprochene archaistische gebrauch von mortales statt homines bei 
Sallust so wenig auf Sisenna als mit Deltour und Laws speciell 
auf Cato zurückgeführt werden, sondern nur nach Gell. XIII 
29 auf Claudius Quadrigarius , wenn es nicht vorzuziehen ist 
bei einem wie es scheint sehr verbreiteten archaismus auf die 
annähme eines bestimmten einzelnen Vorbildes zu verzichten. 

102. Selecta capita de syntaxi Sallustiana. Diss. inaug. 
philol. quam ... defendit Augus tus Anschuetz Salfeldanus. 
Halis, typis orphanotrophei [1873]. 42 s. 8. 

In ähnlicher anordnung , wie sie Dräger seiner schrift 
' über syntax und stil des Tacitus ' und seinem werke über die 
'historische syntax der lateinischen spräche' zu gründe gelegt 
hat , behandelt Anschütz mit Sorgfalt und geschicklichkeit die 
capitel de substantiro , de genere , de numero , de adiectiro, de ad- 



148 102. Sallustius. Nr. 3. 

verbio im sprachgebrauche des Sallustius. Die erschöpfende Zu- 
sammenstellung des materials ermöglicht es dem vf. , einzelne 
angaben in Drägers Hist. syntax z. b. p. 6 und 27, sowie in den 
commentaren von Kritz und Dietsch genauer zu bestimmen oder 
zu berichtigen. Dagegen hat das eigene raisonnement den vf. 
bisweilen irre geleitet, z. b. p. 16 in bezug auf Catil. 1, 2 Sed 
nostra omnis vis in animo et corpore sita est: animi imperio, cor- 
poris servitio magis utimur ; alterum nobis cum dis , alterum cum 
beluis commune est. Der vf. behauptet, unter alterum — alterum 
sei zu verstehen animi imperio uti — corporis servitio uti. Aber 
diese deutung zerstört den ganzen sinn der stelle : animi impe- 
rium und corporis servitium sind nicht zwei getrennte zustände, 
sondern nur zwei factoren eines einzigen zustandes , dessen be- 
schaffenheit durch das grössenverhältniss dieser beiden factoren 
bestimmt wird. Bei den göttern, denen die bange wähl zwischen 
sinnenglück und Seelenfrieden erspart bleibt, und bei den thieren, 
welche ja ventri oboedientia sind, kann weder von animi Imperium 
über den körper noch von corporis servitium gegenüber dem 
geiste die rede sein. Nur animus cum dis , corpus cum beluis 
nobis commune est] Badstübner de Sallustii dicendi genere p. 7, 
den der vf. zu widerlegen versucht, hat also mit recht diese 
stelle als beleg dafür benützt , Sallustium ad duo substantiva di- 
versi generis [animus, corpus] pronomen neutro genere, sed singulari 
numero positum [alterum] referre. Auch sonst fehlt mancher ent- 
scheidung des vfs. die volle Sicherheit, da er die discrepanzen 
der handschriftlichen Überlieferung zwar meist beachtet, aber 
nicht nach dem werthe der einzelnen handschrift gewürdigt hat; 
so wird p. 19 zu Jug. 74, 3 neben der im lemma stehenden 
lesart tutata die abweichung interpolierter Codices lutata be- 
sprochen, aber tuta, was die zwei besten manuscripte bieten, gar 
nicht erwähnt. Auch conjecturen verdienten zuweilen berück- 
sichtigung z. b. p. 8 wo der Jug. [nicht Cat. wie der vf. schrieb] 
41, 7 überlieferte plural gloriae von Bemays und Bergk über- 
einstimmend wenn auch aus verschiedenen gründen angezweifelt 
worden ist. Ferner war bei den einzelnen erscheinungen des 
Sprachgebrauches besondere aufmerksamkeit auf die genetische 
entwickelung zu richten. Eine umfassendere ausbeutung der 
Specialliteratur würde gleichfalls manchen punkt schärfer be- 
leuchtet haben; so musste bei vergleichung der Livianischen 



Nr. 3. 104. Sallustius. 149 

syntax statt oder neben Drakenborch die reichhaltige darstellung 

von Kühnast zu rathe gezogen werden. Die anordnung, welche 
im ganzen wohlgelungen ist, könnte für gewisse einzelheiten 
noch genauer sein, wie z. b. p. 41 in dem artikel Juxta der 
satz Jug. 85, 23 hiemem et aestatem iuxta pati unter die beispiele 
für iuxta ac gerathen ist. Möge der vf. , dessen latinität auch 
manchen anstoss (z. b. wiederholt auetor hoster = Sallustius) 
bietet, die obigen einwendungen in betracht ziehen, wenn er 
etwa, was sehr erwünscht wäre, dieser kleinen j)robe eine voll- 
ständige ausführung über syntax und stil des Sallustius folgen 
lassen will ! 

104. Vorm Walde, De Sallustii genere dicendi commen- 
tatio. Pars prior. [Gymnasialprogramm]. Düsseldorf. 1873. 
p. 3—9. 4. 

Nicht was der titel zu verheissen scheint, die erste hälfte 
einer abhandlung über den ganzen Sprachgebrauch des Sallust, 
sondern zehn aus dem vollen umfange der aufgäbe herausge- 
griffene fragen hat vorm Walde in seiner commentatio erörtert. 
Der vf. sagt nach einleitenden worten, die den siebenten theil 
des beanspruchten raumes fällen, p. 4: nonnulla , quae a viris 
doctis obiter tanturn anirnadversa vel praetermissa sunt aut multis 
locis dispersa inveniuntur, hoc loco aecuratius conscribenda et certa 
quadam ratione in ordinem redigenda suseepi. Die ausführung 
zeigt aber im Widerspruche mit dieser ankündigung, dass der 
vf. vielmehr das von anderen aecuratius behandelte nur obiter 
besprochen , manches in anderen arbeiten sorgfältig gesammelte 
bei seiner darstellung übergangen, endlich den stoff nicht me- 
thodisch geordnet, sondern wie es sich traf zusammengestellt 
hat. Zum beweise werden die folgenden andeutungen genügen. 
Im 1. abschnitt wird von eigenthümlichem gebrauche der adjee- 
tiva gesprochen , aber nicht nur in den einzelnen punkten un- 
vollständig sondern auch nicht frei von unrichtigem: saluber z. 
b. fehlt gänzlich, unrichtig ist die auffassung von ex commodo als 
adjeetiv mit präposition. Im 2. abschnitt über prädicativ ge- 
brauchte adverbien heisst es am Schlüsse: praeterea frequenter 
legitur ita, recte, male, bene est. Und doch sagt Sallust nur ita est, 
während recte, male, bene est bei ihm gar nicht vorkommt. Der 
3. abschnitt bespricht die anwendung von adverbien , wo man 
Philol. Anz. VII. 10 



150 104. Sallustius. Nr. 3. 

ein Substantiv oder pronomen nebst einer präposition erwartet, 
der 4. das fehlen des subjects- oder objectsaccusativ , der 5. in 
drei zeilen die ersetzung eines sätzchens durch eine präposition 
mit ihrem casus ; tiberall ist in diesen partieen weniger geboten, 
als sich, abgesehen von eigener forschung, aus den commentaren 
und einzelschriften entnehmen liess. Besonders dürftig ist der 
6. abschnitt über den historischen infinitiv gegenüber der aus- 
führlichen abhandlung von Koziol. Im 7. über frequentative 
Zeitwörter fehlt bei der auf Zählung der bedeutungen von agitare 
der gebrauch im sinne von vivere (esse) wie Jug. 18, 9. 19, 5-, 
unrichtig ist die auffassung von Jug. 63 , 5 eo modo agitabat 
gleich id agebat statt synonym mit se gerebat. Wie mangelhaft 
der 8. abschnitt über Sallust als nachahmer griechischer Vorbilder 
ist, ergibt ein blick in Dolega's schrift über diese frage. Der 9. han- 
delt vom asyndeton, der parenthese, dem chiasmus und der construe- 
tion ad sensum, über welche auch längst besseres von Badstübner 
gesagt worden ist. Der 10. abschnitt gibt vage andeutungen 
über einige partikeln. Nach keiner richtung hin ist der Schrift- 
steller gründlich durchforscht, in keinem punkte die literatur 
über Sallust ausgenützt. Wie flüchtig die schrift gefertigt ist, 
verräth schon die ungenauigkeit und ungleichmässigkeit der ci- 
tate, die vielfach fehlerhaft sind und bald nach dieser bald nach 
jener ausgäbe gegeben werden , wie z. b. p. 4 von zwei nur 
durch den räum einer zeile getrennten stellen aus den historien 
die eine nach der fragmentenzahl bei Kritz, die andere nach 
Dietsch angeführt ist. Der verf. bricht mit dem versprechen 
ab : de particularum apud Sallustium usu alio tempore accuratius scri- 
bam. Da bisher auch ein kenner wie Oestling {de elocutione Sali. p. 
63) behaupten konnte, die partikeln gebrauche Sallust so ziemlich 
wie die zeitgenössischen autoren, so wird eine solche schrift um 
so willkommener sein. Nur bleibt zu wünschen , dass der vf. 
das accuratius im zweiten theile nicht vergesse ; der vorliegende 
erste theil , welchem sich aceuratio nicht nachrühmen lässt , ist 
für die Sallustforschung ohne werth. 

105. De fide et auctoritate codicis Sallustiani Vat. 3864. 
Dissertatio inauguralis quam scripsit Gustavus B o e s e. Göttingae 

1874. 8°. 38 s.*) 

*) Vergl. ob. hft„ 2, p. 98. 



Nr. 3. 105. Sallustius. 151 

Bei dem widerstreit der au sichten über den werth der 
besten Sallusthandschriften Vat. 3864 und Parisinus Sorb. 500 
zwischen Jordan einerseits, Weinhold und Dieck andrerseits (s. 
Piniol, ans. bd. IV, 349 ff. V, 361 ff. Suppl. p. 695 ff.) hat vf. es 
unternommen die gründe für und wider nochmals zu prüfen, 
und ist zu folgendem ergebniss gelangt : der Vat. , wenn auch 
eine vorzügliche handschrift, ist von Weinhold und Dieck über- 
schätzt worden, er leidet an vielen fehlem, die jedoch nicht mit 
Jordan der planmässig ändernden band eines redactors, wie Wein- 
hold bewiesen, beizumessen sind, sondern den gewöhnlichen ver- 
sehen und nachlässigkeiten der abschreiber ; dagegen ist von 
Jordan Paris. 500 überschätzt worden, der ihn zur alleinigen 
richtschnur bei der textgestaltung nimmt; das richtige ver- 
fahren hat Gerlach Heidelb. Jahrbb. 1868, 832 ff. angedeutet: 
als grundlage habe PPl und Basil. zugleich mit V zu dienen. 
— Man sieht, die kritik steuert mit vollen segeln einem unge- 
regelten eclecticismus zu, den Jordan beseitigt zu haben meinte ; 
freilich wenn des vfs. beweisführung imanfechtbar ist, wird man 
das ergebniss hinnehmen müssen ; aber dieselbe zeigt, sowohl was 
die methode als das urtheil betrifft , verschiedene blossen , die 
hier so weit möglich aufgedeckt werden sollen. 

Verfasser, obwohl von ihm der vergleichenden Zusammen- 
stellung der Schreibfehler und nachlässigkeiten von P und V bei 
Dieck gedacht und dieselbe sogar in etwas ergänzt wird, über- 
sieht , dass aus der erheblich grössern correctheit von V die 
bessere beschaffenheit dieser handschrift im allgemeinen ge- 
genüber P abzuleiten ist, folgerichtig ein berechtigtes vor- 
urtheil für bevorzugung des V erwächst an stellen, wo an sich 
auch die La des P zulässig wäre. Hinwieder durfte vf. nicht 
wohl als argument für die vorzüglichkeit des V die spuren alter- 
thümlicher Orthographie an die spitze stellen , da gerade auch 
darauf Jordans ansieht von der ableitung aus einem durchcorri- 
girten grammatikerexemplar fusst. — Verf. lässt nun an 20 
stellen die Laa des V zu, und zwar betreffen dieselben 15 Va- 
rianten in Wörtern (worunter ab statt a, molliti am statt — em, 
zweimal et statt atque), 3 glosseme , 2 abweichungen in der 
Stellung; dagegen an 19 stellen diejenigen des P; sie betreffen 
14 Varianten in Wörtern (worunter negleg eris statt n eglexeris), 
3 abweichungen in der Stellung, die interpolation und die aus- 

10* 



152 105. Sallustius. Nr. 3. 

lassung je eines wortes. Diese reihe reduzirt sich zunächst auf 
zwölf: denn dass V Cat. 52, 7 conquestus habe, ist ein irrthum ; 2 ) 
ferner dürfen lug. 31,2 inviti statt inulti, 85,10 prosap ia e 
multarum statt prosapi ae ac m, 46 sciens et statt sed 
beinahe als Schreibfehler gelten, so gut er 102,3 bona acce- 
pisses statt cepisses und Cat. 51,40 circumvenire statt -iri 
in P als solche betrachtet wissen will-, sodann wird er mit der 
empfehlung der La von P lug. 14,1 vos mihi cognat orum, 
vos in affinium locum duccr em, was selbst Jordan auf- 
giebt, mit Gerlach allein stehen (s. Weinhold p. 207)-, endlich igno- 
rirt er dessen glückliche Verbesserung zu Cat. 33,1 p atria sede ; 
desgleichen würdigt er desselben begründete empfehlung der La 
des V Cat. 51,4 quae-consuluerunt keiner Widerlegung ; nur 
daraus, dass jener des Arusianus zeugniss anzurufen versäumte, 
schliesst er voreilig, dass er nichts darauf gebe; aber warum 
setzt er selbst sich absichtlich so leichthin darüber weg, da doch 
damit der gebrauch von consulere mit accusativ der sache durch 
die stelle selbst belegt wird? und dass mit dem neutr. pl. des 
pronomen der relativsatz mit dem indicativ gegeben ist, scheint 
selbst Eussner (exercitt. Sali. p. 172) zuzugeben. Inbezugaber 
auf die anderen stellen sind die Vertreter der autorität des V selbst 
unter sich nicht einig, andere lesungen geben sie ebenfalls schon 
preis; das räumt ref. ein, dass negleg eris aufzunehmen sein 
wird und Cat. 35,6 die ausmerzung von tibi vielleicht dem 
Sali, stil entsprechender« 

An nicht weniger als 72 stellen aber findet verf. die 
Laa von P oder V an sich gleich berechtigt, und zwar betreffen 
dieselben 1 9 fälle von abweichung in der Wortstellung (irrtküm- 
lich ist die angäbe lug. 85,46, dagegen fehlt 24,8 vestra vis), 
37 Varianten in einzelnen Wörtern (in der aufzählung ist ver- 
gessen lug. 10,2 on eravisti, versetzt Cat. 51,10 accendet 
und — itj, 9 Kicken in V gegen vollem text in P, 7 lücken 
in P gegen vollem text in V. Doch was soll bei dieser un- 
ausgesprochenen liebe zu zwei schönen zugleich herauskommen? 
Schliesslich sichert doch erst die bestimmte erklärung gegenüber 
der einen oder andern die gründung des hausstandes : verf. 

2) Ebenso ist der zweifei an den Laa des V Cat. 20,13 habe- 
amus und lug. 14,10 misereaimi unberechtigt, indem Jordans 
schweigen mit den angaben bei Linker und Dietsch stimmt. 



Nr. 3. 105. Sallustius. 153 

schielt haltlos von der einen zur andern , während ihren näch- 
sten gewisse schwächen kein geheimniss sind! So will er sich 
selbst gegen Weinhold oder Dieck von V gefallen lassen: Cat. 
51,41 ego Tianc , 51,12 agunt, 34 fuit, 52,26 miseremini, 
36 summa, lug. 24,10 crucia tu7n, 85,3 simul aerario, 35 
n am, 102,8 principio ohne a; gegen Jordan von P: 14,25 
misero mihi (so bei Linker und Dietsch bezeugt, Jordan 
schweigt), Cat. 20,10 nobis, 15 hortentur, lug. 31,17 magis, 
85,13 et, 34 er go\ zudem findet er sich nicht bemüssigt die eben- 
bürtigkeit von Laa. wie Cat. 20,10. 15 oder 51,41 zu begrün- 
den; ebensowenig wo Weinhold mit gründen für V einstand, 
ihn zu widerlegen und so Laa. wie Cat. 51,9 sententias 
(ähnlich das doch von ihm selber gebilligte praesidium agi- 
tare lug. 85,33), 52,32 dis aut hom., lug. 14,3 posse me, 9 
nunquamne, 85,2 quo-eo, 17 faciunt, 26 me ohne que } 
34 ergo seinerseits mit gründen zu empfehlen. Für die übri- 
gen stellen, welche eingehend besprochen sind, erklärt ref. die 
Widerlegung Dieck's oder Weinhol d's nicht schlagend gefunden 
zu haben, dass er zwischen P oder V schwanken müsste; hie 
und da ist sie geradezu unzureichend, wie wenn er Cat. 51,35 
die Stellung magnae initium cladis durch das beispiel 36,5 
duobus senati decretis zu stützen meint, oder 58,12 den 
conj. adhort. praes. aggre diamini durch blosse Verweisung 
auf Kritz zu lug. 110,4, wobei zugleich der übermüthige ton 
gegenüber Weinhold unangenehm auffällt, oder wenn er lug. 
31,17 magis zu schützen sucht durch die behauptung, es sei 
gerade so gut wie maius, und durch die summarische hinwei- 
sung auf Sali. Vorliebe für adverbielle ausdrücke nach Dietschens 
index und Badstübner de Sali. gen. die, oder wenn er zur em- 
pfehlung von prospera Cat. 52,29, adver so pectore lug. 
85,29 auf Wiederholung des bekannten sich beschränkt; für 
erstere stelle dürfte auch Livius' Sprachgebrauch beigezogen 
werden, s. Weissenborn und Wölfflin zu XXI, 21,9-, für letztere 
giebt es noch belege ausser Antonius bei Qnintil. II, 15,7: bei 
Liv. n, 23,4. Auct. bell. Afr. 82. Verg. Aen. IX, 347 — 
dagegen adv er so c orp ore bei Cic. Verr. V, 3 und ore adverso 
Eab. perd. 36. — Was endlich über die P und V gemeinsamen 
Verderbnisse gesagt wird, ist nicht neu, ausser dass verf. Cat. 
52,35 von der Linker'schen coujeetur in vor faueibus an- 



154 106. Tacitus. Nr. 3. 

nimmt, sonst V folgt; ebensowenig die ausführung über das 
verhältniss von V zum Bernensis. 

Ref. dankt dem vf. gern für die anregung , welche er ans 
seiner abhandlung zur erneuten prüfung der streitigen punkte 
empfangen bat, gestebt aber, dass ihm durcb dieselbe die con- 
troverse selbst nicht gefördert worden zu sein scheint, und be- 
kennt sich nach wie vor zu der ansieht, dass in der feststellung 
des textes der reden und briefe, dem verhältnissmässig correcter 
geschriebenen, altern, an einer mehrzahl bedeutsamer stellen die 
passenden lesarten bietenden codex Vaticanus 3864 wo immer 
möglich zu folgen sei. 

H. Wz. 

106. Cornelii Taciti de vita et moribus Julii Agricolae 
liber. Nouvelle Edition . . . par J. Gantrelle. Paris. 
Garnier freres 1875. 72 s. 8. 

107. Contribution ä la critique et l'explication de Tacite 
parJ. Gantrelle, professeur ä 1' Universite' de Gand. Fascicixle 
I. Paris. Garnier freres 1875. 74 s. 8. 

108. Ueber entstehung, charakter und tendenz von Ta- 
citus Agricola . . . von J. Gantrelle, professor an der Univer- 
sität Gent. Nach der zweiten ausgäbe des Originals mit ge- 
nehmigung des Verfassers übersetzt. Berlin. E. H. Schroeder. 
1875. 62 s. 8. 

Nach der deutschen Übersetzung darf man Gantrelle's 
schrift nicht beurtheilen ; denn in ihr fehlt es nicht an versehen, 
irrthümern und Widersprüchen. So fällt z. b. der Widerspruch 
zwischen p. 6 und 15 dem Übersetzer zur last, der an der er- 
sten stelle eo laudis excedei-e, an der zweiten, wie Gantrelle an 
beiden , mit Wex eorum laudes excedere liest. P. 6 hatte Gan- 
trelle die bekannte stelle Hist. 4,5 ganz richtig übersetzt : die 
stoiker appelaient uniquement bien ce qui est honnete, mal ee qui est 
honteux, nach dem Übersetzer p. 8 nannten sie 'das gute gut, 
das schlechte schändlich. ' P. 7 übersetzt Gantrelle Ann. 6,10 
richtig Piso ne fut Jamals Vauteur volontaire d'un avis servile 
der Übersetzer berichtet, 'dass er niemals freiwillig knechtische 
ansichten hegte.' P. 13 endlich wird gar liorreur durch 'schäm' 
übersetzt. 

Gantrelle gehört zu denjenigen gelehrten, welche \n ver- 



Nr. 3. 107. Tacitus. 155 

schiedener weise im Agricola eine besondere tendenz suchen. 
Er bezeichnet ihn der form und dem inhalt nach als ein eloge 
historique, der tendenz nach als ein ecrit essentiellement politique, 
als ein glaubensbekenntniss und programm des Verfassers. Letz- 
tere ansieht stützt sich besonders auf die bekannte stelle c. 42 

j 

und mit recht wird die politische anschauung des Tacitus im 
einklang mit der seines Schwiegervaters als ein juste milieu be- 
zeichnet. Daraus folgt aber nicht, dass den Schriftsteller eine 
bestimmte politisch-apologetische absieht geleitet hat; sondern 
nur so viel als die worte besagen, dass Agricola's würdige, aber 
besonnene haltung mit den extremen parteien verglichen wird. 
Die bezeichnung eloge historique kann man sich gefallen lassen, 
wenn man das attribut stark betont-, es bleibt aber am einfach- 
sten den zweck der vita nach der einleitung in der pietäts- 
vollen darstellung der facta moresque eines hervorragenden ver- 
wandten zu suchen. Sehr möglich ist es übrigens, dass Tacitus 
die biographie zuerst , wie Plinius die des Vestricius Cottius 
(Epist. 3,10) recitiert hatte und die zuhörer wie bei der recita- 
tion des Titinius Capito quasi funeb ribus laudationibus 
(ebd. 8,12) beiwohnten, und dass er bei der herausgäbe, wie 
Plinius sich erbot Zusätze aufzunehmen, den abschnitt über Bri- 
tannien einfügte. 

Die zweite abhandlung erörtert die einleitung verständig 
und geschmackvoll; die geistreiche conjeetur ineusaturus. Tarn 
saeva . . . tempora exegimus statt i. t. s. t empor a. Le- 
gimus kann deswegen nicht gebilligt werden, weil im folgenden 
fuisse in fuit verändert werden muss. 

Auch die zweite conjeetur c. 22 hat nichts überzeugendes. 
Der verf. liest: ceterum ex iraeundia nihil sup er er at s e- 
cretum, et silentium eiu s non timer es , wo man doch 
neque statt et non verlangen würde. Schreibt man mit Jacob 
vel silentium, so erhält man einen befriedigenden sinn. Statt 
offen zu tadeln , hätte Agricola entweder sich von dem schul- 
digen entweder gleich zurückziehen oder, wenn er an demselben 
orte blieb , schweigen können : beides würde hass verrathen 
haben, dem er offenen tadel vorzog. 

Sehr beachtenswerth ist die behandlung der schwer ver- 
dorbenen stelle c. 36. Ganz überzeugend polemisirt Gantrelle 
gegen diejenigen vermuthungen , welche eine den Römern un- 



156 108. Tacitus. Nr. 3. 

günstige Wendung der Schlacht voraussetzen (minimeque aequa 
n o stris iam pugn ae fa cies er at , cum a egre clivo in- 
stantes simul e quorum corp oribus impellerentur und 
ähnliches) ; ihnen -widerspricht im folgenden deutlich das eine 
wort vincentium. Seine eigene Verbesserung miraque eque- 
stris pugnae facies er at, cum aegre iam diuadversarii 
stantes simul equorum cett., ist an sich nicht zu kühn, steht 
aber mit dem vorhergehenden nicht im einklang. Wenn die Caledo- 
nier sich schon vorher mit mühe behaupteten, mussten sie durch den 
angriff der reiterei nochmehr in Verwirrung gerathen. Nun sagt 
aber Tacitus ausdrücklich, dass die reiter für sich keine fortschritte 
machten. Auch konnte das reitertreffen nicht auffällig erschei- 
nen, da es eben keins mehr war, vielmehr die römischen reiter 
das fussvolk überhaupt belästigten. Der fehler liegt in eque- 
stris, dessen erste silbe durch dittographie aus minimeque 
entstanden ist. Tacitus malt den veränderten charakter des 
kampfes zwischen dem beiderseitigen fussvolk rhetorisch aus: 
sowohl die marschierenden als die widerstehenden wurden durch 
die reiter gestört. Man hat zu schreiben: minimeque pede- 
stris ei iam pugnae facies erat, cum e gradu aut stan- 
tes . . . imp eil er entur. 

Sehr ansprechend wird c. 28 behandelt. Der verf. meint, 
dass die Sueven, welche neben den Priesen als diejenige Völ- 
kerschaft genannt werden, an deren küsten die flüchtigen 
Usiper landeten, an der mündung der Scheide wohnten, und 
dass diese Sueven Germ. 9 als diener der Isis vorkommen. 
Wenn sich nachweisen Hesse, dass schon im ersten Jahrhundert 
dort Sueven wohnten , so würde man diese einfache lösung der 
schwierigen frage nach dem ende jener abenteuerlichen seefahrt 
unbedenklich annehmen dürfen; jetzt wird man erst das urtheil 
der Germanisten abzuwarten haben. 

Endlich bespricht GantrelleV College Wagner die stelle 
c. 45, wo er Gronov's conjectur et iam tum statt iam tum 
scharfsinnig vertheidigt. Schwierig bleibt die sache immer. 
Denn dass Baebius Massa nach der ersten anklage verurtheilt 
wurde, würde man nach dieser lesart nicht vermuthen, man 
müsste ergänzen : aber später wurde er losgesprochen. Ein 
trost für Agricola konnte es immerhin sein, dass er Baebius ver- 
urtheilung voraussah. Wenn dieser freilich später als delator 



Nr. 3. Theses. — Neue auflagen. 157 

furchtbar wurde , muss man diesen umstand als gegensatz zu 
reus erat fassen; ob man dann nicht besser thut , einfach mit 
cod. J iam zu streichen? Denn wenn er auch nachsteht, ist er 
doch keineswegs für die kritik werthlos. 

Die ausgäbe verdient ungetheilte anerkennung. J. 
Gantrelle ist mit der neueren, insbesondere der deutschen lite- 
ratur vollkommen vertraut und beweist in der constituirung des 
textes ein feines, vorsichtiges urtheil, wozu der kritische anhang 
die nöthigen belege liefert*, die erklärung ist knapp und bündig, 
zugleich sachlich und grammatisch bei aller kürze ausreichend. 

Theses. 

Ludovicus Schemann, de legionum per alterum bellum 
Punicum historia quae investigari posse videantur. Dissertatio . . . 
quam . . in universitate Fridericia Guilelmia Rhenana d. XX m. 
April, a MDCCCLXXV defendet ... 1. Soph. Ant. vss. 679—80 spu- 
rii esse videntur. — 2. Eur. Iph. Taur. vs. 116 — 7 cum Bergkio post 
v. 103 locandi sunt. — 3. Tacit. Ann. 1,8 — quo loco agitur de 
testamento Augusti — neque verba urhanis qumgenos inserenda sunt 
ueque aut in ne mutandum est. Ibidem auctore Rittero sestertium 
post quadringenties tricies quinquies inserendum est. — 4. Ibid. II c. 
33 verba: Erat quippe adhuc frequens . . . promer e delenda sunt. 

Neue auflagen. 

109. Freund Präparationen u. s. w. Präparation zu Homers 
Ilias. 3. hft. 4. aufl. 16. Leipzig, Violet ; 50 pf. — 110. Sophokles 
Antigone bearbeitet von E. Eyth. 2. aufl. 16. Heidelberg, Winter; 
80 pf. — 111. Sophokles könig Oedipus, bearbeitet von E. Eyth. 3. 
aufl. 16. Heidelberg, Winter; 80 pf. — 112. Sophokles Oedipus auf 
Kolones, bearbeitet von E. Eyth. 2. aufl. 16. Heidelberg, Winter. 
80 pf. — 113. Freund Präparation zu Xenophons Hellenica. 1. hft. 
2. aufl. 16. Leipzig, Violet; 50 pf. — 114. Q. Horatii Flacci opera 
omnia. Recognovit G. Dittenburger. 8. Ed. 6. Bonn. Marcus; 5 
mk. 60 pf. — 115. C. I. Caesaris commentarii de bello gallico, erklärt 
von F. Krahner. 9. aufl. , besorgt von W. Diltenberger. 8. Berlin, 
Weidmann; 2 mk. 25 pf. — 116. Freund Präparation zu Cornelius 
Nepos. 2. hft. 4. aufl. 16. Leipzig, Violet; 50 pf. - 117. Corpus 
iuris civilis ediderunt fratres Krigelii, A. Herrmann, Ed. Osen- 
brüggen. 8. Ed. 15. Lips., Baumgärtner; 21 mk. — 118. J. G. 
Dropsen grundriss der historik. 2. aufl. 8. Veit, Leipzig; 1 mk. 
60 pf. — 119. F. C. Dahlmann , quellenkunde der deutschen ge- 
schichte. 4. aufl. 8. Besorgt von G. Waitz. Göttingen, Dieterich; 
5 mk. 

Neue Schulbücher. 

120. Fr. Jacobs, elementarbuch der griechischen spräche. 1. thl. 
Neu bearbeitet von J. Classen. 8. Jena, Frommann; 2 mk. 25 pf. 
— 121. G. Weller, lateinisches lesebuch aus Livius. 9. aufl. 8. Hil- 
burghausen, Kesselring; 1 mk. 50 pf. — 122. G. Curlius griechische 
schulgrammatik. 11. aufl. unter mitwirkung von B. Gerth. 8. Prag, 
Tempski; 2 mk. 80 pf. — 123. M. Sibcrti lateinische schulgrammatik 
für die unteren classen. 22. aufl. Neu bearbeitet von M. Meirinq. 



158 Neue Schulbücher. — Bibliographie. Nr. 3. 

8. Bonn, Cohen; 2 mk. 20 pf. — 124. M. Meiring, Übungsbuch zürn 
übersetzen aus dem deutschen ins lateinische für die mittleren classen. 
1. abth. 4. aufl. 8. Bonn, Cohen; 1 mk. 20 pf. — 125. Simon, auf- 
gaben zum übersetzen ins lateinische für Sexta und Quinta. 5. aufl. 
8. Berlin, Dümmler ; 80 pf. — 126. A. Haacke, aufgaben zum übersetzen 
ins lateinische für Quarta. 8. aufl. 8. Berlin, Weidmann; 1 mk. 60 
pf. — 127. Welle?^ lehrbuch der Weltgeschichte für gymnasien und hö- 
here bürgerschulen. 3. thl. 24. aufl. 8. Koppenrath, Münster; 
2 mk. 40 pf. 

Leipziger bücher-auction, 22. november 1875, darin die bibliothek 
von prof. Gustav Heibig , Staatsarchivar von Posern-klett u. a. bei 
H. Härtung. 

Bibliographie. 

'Zum fünfzigjährigen buchhändler-Jubiläum von Friedrich Jo- 
hannes Frommann ' ist ein artikel von B'öhlau im Börsenblatt nr. 
78 überschrieben, welcher den bildungsgang und die Wirksamkeit des 
Jubilars schildert: das Jubiläum selbst fiel auf den 8. april. Daran 
reiht sich denn in einem zweiten abschnitt ebendas. nr. 84 eine be- 
schreibung des Jubiläum selbst. 

Mittheilungen über den nachdruck in den Niederlanden giebt 
Börsenblatt nr. 91—100. 

O. Bertram, manuscript und correctur, bemerkungen und erläu- 
terungen zum deutschen buchdrucker-normativ für Schriftsteller und 
Verlagsbuchhändler. 8. Halle, 1865: sehr zu empfehlende schrift, 
welche ruhig, unpartheiisch und klar die entstehung des streits zwischen 
den principalen und arbeitern erörtert, namentlich die schwierige läge 
der ersteren hervorhebt, auch die sätze des normaltarifs prüft, alles 
dies gegenstände , die Bertram auch auf der generalversammlung der 
deutschen buchdruckervereine vom 24. april ausführlich besprochen 
und damit grossen beifall geerntet hat, s. Börsenblatt nr. 100: das- 
selbe theilt in nr. 116 Bertram's Vortrag ausführlich mit: die ge- 
nannte schrift aber geht auch auf die Schriftsteller und deren verhalten 
ein und weist nach, wie gut geschriebenes manuscript, ferner mass- 
halten in der correctur nach den jetzigen Verhältnissen durchaus ge- 
boten sei. Es kommt dabei der schon von Teubner. — s. Philol. 
Anz. VI, nr. 4, p. 219 — hervorgehobene übelstand zur spräche, 
dass gute handschrift jetzt so selten wird: es haben also die schulen 
in der hinsieht besser ihre Schuldigkeit zu thun, namentlich auch die 
gymnasien , auf denen der schreibunterricht viel zu wenig beachtet 
wird, trotzdem dass dieser Unterricht für das ganze folgende leben 
von grösster Wichtigkeit ist. Freilich müssten damit auch andere 
übelstände beseitigt werden: so die schlechte, blasse tinte, vor allen 
die Stahlfedern; wenn man z. b. sieht, wie jetzt die Studenten schreiben 
[und auch andere leute: E. v. Z.], so kann es ja mit der zeit nur 
studierte mit schwachen und schlechten äugen geben. Daran scheint 
man aber gar nicht zu denken, wie durch die jetzige Schreibart oder 
vielmehr schreibunart die äugen angegriffen werden müssen. 

In der generalversammlung der deutschen buchdruckervereine vom 
24. april ward von O. Bertram in Halle u. a. ein an trag gestellt, dass 
eine einheitliche deutsche rechtschreibung in allen vereins-officinen 
durchgeführt werden möge. Weiteres Börsenblatt nr. 93 vergl. nr. 
100: — das ist nicht der rechte weg, um zum ziele zu gelangen: 
dergleichen muss den Schriftstellern und gelehrten überlassen bleiben. 

Ueber die am 24. april veranstaltete historische ausstellung zur 
Jubelfeier des börsenvereins giebt einen interessanten bericht Wust- 
mann im Börsenblatt nr. 105., 107. 112. 



Nr. 3. Bibliographie. 159 

Die frage über die sogn. Pflichtexemplare ist neuerdings öfter 
besprochen, z. b. Börsenblatt 1874, nr. 153: am 19. april a. c. ist 
sie gegenständ einer debatte in der bayrischen kammer geworden 
und aus diesem referirt Börsenblatt a. c. nr. 118. 

Mittheilungen der Verlagshandlung von B. G. Teubner in Leipzig 
nr. 2: künftig erscheinende bücher: Sophoclis tragoediae. Recensuit 
et explanavit Ed. Wundtrus. Sectio I continens Philoctetam. Edi- 
tio quarta, quam curavit. N. Wecklein : es soll die ausgäbe durch 
nachtrage und Streichungen dem jetzigen leser so bequem Avie mög- 
lich gemacht werden : dabei erlauben wir uns den Verfasser auf die 
recensionen die seiner zeit von G. Hermann u. a. über diese ausgaben 
erschienen sind, aufmerksam zu machen: es ist in ihnen des trefflichen 
und noch unbenutzten viel enthalten. — Bilder aus dem altgriechi- 
schen leben von H. TV. Stoll, 2. aufl. : es sind abbildungen dazu ge- 
kommen. — Lactantii Placidi grammatici glossae, rec. et. ill. A. 
Dauerimg: nach vermehrtem handschriftlichen material und mit ein- 
leitung: kann nur erwünscht sein wie auch das letzte hier angekün- 
digte : de accentu linguae latinae veterum grammaticorum testimonia 
collegit, disposuit illustravit Fridericus Schoell. — Am ende dieses 
heftes p. 56 giebt B. G. Teubner eine erklärung über die ob. hft. 
2, p. 114 mitgetheilte äusserung Kellers ab: die erste aufläge ist 
noch gar nicht und noch lange nicht vergriffen, 

Mittheilungen u. s. w. nr. 3: Euripidis fabulae. Edidit Rud. Prinz: 
kritische ausgäbe nach neuen collationen, auch mit vollständiger 
Sammlung der citate. — Index Vitruvianus. Confecit H. Nohl: soll 
Rose's ausgäbe abschliessen. — Ueber die spräche der Etrusker. Von 
W. Corssen, bd. IL — Die römische tragödie der republik, dargestellt 
von Otto Ribbeck. — T. Ovidius Naso. Ex iterata Rud. Merkelii re- 
cognitione. Vol. IL Metamorphoses cum emendationis summario. 
[Bibliotheca Teubneriana] : die ausgäbe ist eine auf neue in Florenz 
veranstaltete collationen, durch die viele schaden sich haben heben 
lassen, basirte : zugleich hat der herausgeber auf Orthographie, Inter- 
punktion und andere anagnostica sorgfältigst geachtet. — Titi Livi 
ab urbe condita libri X. für den schulgebrauch erklärt von Moritz 
Müller : die sachliche erklärung soll besonders berücksichtigt werden. 
Uebrigens sollte doch erwogen werden, ob, wenn für die schule Li- 
vius nutzbar gemacht werden soll, die dritte dekade nicht vor dieser 
ersten den vorzug verdiente. 

Miitheilungen u. s. w. nr. 4: Hesiodi carmina recensuit et com- 
mentariis instruxit Car. Goettlingius. Editio tertia, curavit Joh. Flach : 
nach dem hier über die neue aufläge gesagten muss man eine neue 
ausgäbe erwarten: die aufgäbe ist eine sehr schwierige: meines er- 
achtens ist bei den tgya wie bei der Theogonie das gerathenste sich 
nur auf grammatische erklärung einzulassen. — Sophokles für den 
schulgebrauch erklärt von Gustav Wolff. Nach dem tode des Ver- 
fassers fortgesetzt von L. Bellermann : der hauptfehler in Wolff s 
commentar war mangel an Selbständigkeit, Weitschweifigkeit; denn 
der zu weit getriebene anschluss an Westphal , der zu ganz ver- 
schwimmenden Charakteristiken der raetra führte : das ist zu ver- 
meiden: sonst sind hier schön die Vorzüge der arbeit Wolff's hervor- 
gehoben. — Kommentar zu Thucydides reden zum gebrauch 'der 
schüler angefertigt von dr. L. Tillmanns: meines erachtens ist dies 
ein sehr bedenkliches unternehmen: die Lektüre der reden des Thu- 
cydides gehört nicht auf die schule. — Catulli Veronensis liber. 
Recensuit Aemilius Baehrens: die recension soll auf dem Oxoniensis 
und Sangermanensis, den einzigen zuverlässigen handschriften beruhen, 
die deshalb der herausgeber neu verglichen hat. Wir wollen um 



160 Bibliographie. Nr. 3. 

Catull's willen wünschen, dass alles, was Bährens hier sagt, wirklich 
eintrifft. — Titi Lucreti Cari de rerum natura libri sex. Erklärt 
von dr. A. Brieger wird einen fortschritt machen. — Die altitalischen 
sprachen. Paläographische und grammaticalische Studien von A. Fa- 
bretti. Aus dem italienischen übersetzt. Thl. I. — Die Sprachwissen- 
schaft nach ihrem zusammenhange mit logik, menschliche geistesbil- 
dung uud philosophie von Conrad Herrnann. 

Aus Teubner's mittheilungen u. s. w. nr. 5 ist eine entgegnung 
auf einen angriff besonders abgedruckt , welche wir hier mittheilen : 
' herr dr. Walther Gebhardi zu Meseritz sagt in seiner rezension der 
Vergilausgabe von Kappes (Zeitschrift f. d. Gymnasial wesen XXIX, 
p. 470): 'In der Teubner'schen Sammlung — — fehlte noch immer 
derVergil; aus den Verlagsberichten erfahren wir, dass C. W. Nauck 
für diese arbeit gewonnen war. Warum der herausgeber des Horaz 
von diesem unternehmen zurückgetreten ist, haben wir unter der hand 
erfahren, scheuen uns aber die gründe hier wieder zu geben. ' Da in 
dieser geheimnissvollen andeutung leicht eine Verdächtigung nach der 
einen oder der anderen seite hin gefunden werden kann, so ersuche 
ich hierdurch herrn dr. Gebhardi, die ihm angeblich bekannten gründe 
der öffentlichkeit nicht vorzuenthalten, da sie diese, wenn sie der 
Wahrheit entsprechen, gewiss nicht zu scheuen brauchen. ' — Wenn 
ferner herr dr. Gebhardi sagt : ' da musste denn nun in aller eile ein 
anderer für ihn eintreten', so muss ich diese behauptung als voll- 
ständig unwahr bezeichnen. Ich habe niemals einem autor einen 
termin zur ablieferung des manuscripts gestellt und auf den Vergil 
von Nauck habe ich volle 16 jähre gewartet. Da es übrigens nach 
diesen ungehörigen äusserungen scheinen könnte , als ob herr dr. 
Gebhardi mehr als gewöhnliche kenntniss von Vorgängen in meinem 
geschäft hätte , die weder ihn selbst etwas angehen noch vor die öf- 
fentlichkeit gehören, so sehe ich mich zu der erklärung veranlasst, 
dass ich zu herrn dr. Gebhardi bis jetzt in keiner anderen beziehung 
gestanden habe, als dass ich seine eignen verlagsanträge, durch welche 
er selbst die von ihm gerügte grosse zahl meiner Unternehmungen 
zu vermehren gedachte, abgelehnt habe. Im übrigen auf den in 
der Zeitschrift für das Gymnasialwesen gegen meine verlagsthätigkeit 
im allgemeinen gerichteten angrifl etwas zu erwidern, halte ich unter 
meiner würde.' 

Dümmler's Verlagsbuchhandlung in Berlin versandte ein ver- 
zeichniss von altern und neueren büchern und Zeitschriften, welche 
zu bedeutend ermässigten preisen gegen baare Zahlung zu beziehen 
sind. 

Cataloge von antiquaren: 6. verzeichniss des antiquarischen 
bücherlagers von Ludwig Bamberg in Greifswald; nr. 121. antiqua- 
rischer catalog der C. H. i?ec&'schen buchhandlung in Nördlingen 
(philologie und alterthumskunde) ; nr. 123 derselben handlung schön- 
wissenschaftliche werke in deutscher spräche enthaltend ; J. Bens- 
heimer in Mannheim und Strassburg antiquarischer catalog 10, alt- 
classische pbilologie, neuere linguistik, orientalia enthaltend; Max 
Brissei in München, antiquarisches bücherlager; Matthias Lempertz 
in Bonn 115. catalog des antiquarischen bücherlagers: griechische 
classiker p. 1—91, lateinische classiker , p. 92—170; Moritz Haupt's 
bibliothek, abschnitt II classische philologie : 1. griechische autoren, 
sie wird verkauft bei Mayer 8j> Müller , Berlin W. , französische str. 
38; Bücherverzeichniss X von Mayer fy Müller in Berlin; Bücherver- 
zeichniss von Karl r f rübner in Strassburg im Elsass: XV, classische 
philologie und archaeologie ; nr. 105. und 106. verzeichniss von anti- 
quarischen büchern bei W. Weber in Berlin, griechische und lateini- 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 161 

sehe classiker, archaeologie, geographie u. s.w.; nr. 12 antiquarisches 
bücherlager von Otto Wulkow in Magdeburg, classische philologie. 

Kleine philologische zeitung. 

Die philologen-versammlung in Rostock vom 28. sept. bis 1. october 
war von 2—300 uiitgliedern besucht, gehört also nicht zu den der 
zahl nach bedeutendsten : abgesehen von der läge Rostock's hat dazu 
auch wohl das verfahren eines theils der eisenbahnen beigetragen. 
Denn hat auch ein theil derselben die gültigkeit des freien retour- 
billets entweder an gar keinen termin gebunden oder diesen bis auf 
den 12., auch 15. october ausgedehnt, so ist doch von andern, na- 
mentlich den norddeutschen — unter denen einzelne, wie die Hanno- 
versche staatsbahn, unsere Versammlung gar nicht beachtet haben 
— dieser termin schon auf den 2. october gesetzt, womit die gewährte 
erleichterung geradezu wieder aufgehoben ward. Denn gesetzt es 
reist ein mitglied aus Süddeutschland — was diesmal so gut wie 
gar nicht vertreten war — nach Rostock, so will und muss dieses 
auch Schwerin wenigstens und Lübeck und Hamburg sehen , also da 
etwas verweilen können ; soll also die freie retourfahrt die frequenz 
der Versammlung fördern, so muss sie wenigstens bis zum 10., oder 
wie die edle Berlin-Görlitzer bahn gethan, bis zum 15. october aus- 
gedehnt werden. Wir empfehlen diesen gedanken der geneigten be- 
achtung des nächsten Präsidiums. Doeh zur sache. Schon am 27. 
trafen mitglieder ein, so dass, nachdem mehrfache dadurch , dass die 
ersten gasthöfe Rostock's hochzeiten halber andere fremde nicht aufneh- 
men konnten , hervorgerufene wohnungs-differenzen vom wohnungs- 
comite glücklich beseitigt waren, am abend dieses tages sich eine zahl- 
reiche, fröhliche gesellschaft in der tonhalle zusammen fand; am 28. 
kamen die der Versammlung gewidmeten Schriften zur vertheilung, H. 
F 'ritz sehe de numeris orationis solutae dissertatio ; H. S c liliemann, 
Troja und seine ruinen; vom director und lehrercollegium der grossen 
Stadtschule Rostocks: Krause, zwei niederdeutsche gebete des 15. 
jahrh., Lindner , lobgedicht auf die Zusammenkunft Franz I. und 
Karl V. in Aiquesmortes; Fr. Lutendorf, zu Lauvemberg's Scherz- 
gedichten. Dann eröffnete professor Frilzsc he mit begeisterter rede 
die vei-sammlung: ausgehend von den so eben beendeten kaiser-manö- 
vern, (an die auf der fahrt wie in Rostock überall ehrenpforten und 
anderer sehmuck erinnerten) und von der mit ihnen natürlichst ver- 
bundenen glorreichen Wiedererrichtung des deutschen reichs suchte 
er die Stellung der classischen philologie im jetzigen Deutschland zu 
bestimmen und etwaige gegner zu widerlegen. An diese mit grosser 
kraft vorgetragene rede schloss sich die Verlesung der uns im jähr 
1875 durch den tod entrissenen collegen, eine leider sehr lange reihe 
und doch nicht vollständige, da in der letzten sitzung ein nachtrag 
gegeben ward. Ich weiss nicht, seit welcher zeit der präsident solche 
liste vorträgt ; früher that es ein anderer : meines erachtens 
war das besser; doch würde mir noch besser gefallen , wenn gleich 
am ersten tage der Versammlung eine tafel mit den namen der ver- 
storbenen — schön gedruckt oder geschrieben — aufgehängt würde und 
der präsident dann nur im allgemeinen worte der erinnerung und des 
dankes ausspräche: auch diesen gedanken empfehle icb dem wohl- 
wollen des nächsten präsidinm. An die rede des Präsidenten schloss 
sich eine sehr beredte und wohlwollende begrüssung der Versammlung 
namens der grossherzoglichen regierung durch den schulrath dr. 
Harticig , dann eine gleiche namens der stadt Rostock durch den 
bürgermeister dr. Cr umbieg el , worauf dann der Vortrag des vice- 



162 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

Präsidenten director Krause, mit geschäftlichen bemerkungen folgte: 
dieser gab dann das wort dem professor JE. v. Leutsch, der in 
kurzem Vortrag das von vielen seiten übel vermerkte unregelmässige 
erscheinendes Philologus und des Philologischen anzeigers 
im letzten jähre aufklärte und zu entschuldigen suchte: es hat seinen 
grund in den über die massen gehäuften amtsgeschäften, auch in 
einem lediglich dieser Philologi wegen unternommenen bau: da 
diese hindernisse beseitigt sind , wird und soll alles geschehen , um 
das versäumte nachzuholen. Uebrigens komme ich, sobald es meine 
zeit erlaubt, in einem der nächsten hefte auf diesen gegenständ zu- 
rück , füge hier nur noch hinzu , dass von jetzt an die correspondenz 
wie die Verschickung der separat-abzüge wieder regelmässig besorgt 
wird und richte hier, wie ich auch brieflich so viel als möglich schon 
gethan und thue, noch die bitte an alle die, welche mit mir in ver- 
kehr stehen, die ihnen durch mich in letzter zeit verursachte Störung 
und Verstimmung mir nachsichtigst zu verzeihen. Um nun zur 
philologen-versammlung zurückzukehren — in folge der bemerkungen 
des vice-präsidenten über die höhe der durch ankündigungen und 
sonstige für die Versammlung nothwendigen drucksachen veranlassten 
kosten machte Leutsch auf die oben p. 158 erwähnte schrift von 
Bertrain aufmerksam, worauf denn nach einer pause Susemihl 
über die composition der Politik des Aristoteles redete. Dies der erste 
morgen : das am nachmittag stattfindende festmahl verlief in heiter- 
ster Stimmung, die durch mancherlei poetische gaben gehoben wurde : 
gesungen wurde ein Gaudeamus JRostochiense , dessen erster vers 
lautet : 

Gaudeamus igitur 

Rostochi dum sumus! 
Post peractos dies gratos 
Huc et illuc dissipatos 
Nos habebit domus. 
Es folgte eine mit allgemeinem beifall aufgenommene feine und 
witzige begrüssung der Versammlung durch den rector der Universi- 
tät Rostock, professor der medicin von Zehender , in elegantem 
latein; ferner ein deutsches lied, von dem wir den ersten und letz- 
ten vers mittheilen: 

Mel. Mein lebenslauf ist lieb' und lust etc. 

Erschienen sind sie nun zumal, 

Die wir ersehnten lang'! 

Denn hört, durch den geschmückten saal 

Erschallet ihr gesang. 

Von ost und west nach Rostock hin, 

Von süden zogen sie; 

Und Eins erfüllet Aller sinn 

Die deutsche philologie. *) 

Lasst's Euch nunmehr im norden hier 

Bei uns behaglich sein, 

Und kneipt mit uns von unserm hier 

Und trinkt von uuserm wein ! , 

Fürwahr, wir sah'n an unserm ort 

Noch solche gaste nie ! 

Es lebe, wachs' und blühe fort 

Die deutsche Philologie ! 

*) Zungenfertigkeit wird vorausgesetzt. W w— paeon quartns. 
(Der dichter.) 



Nr. 3 Kleine philologische zeitung. 163 

Da durch diese poetischen leistungen, natürlich aber auch durch 
andre genüsse die Stimmung der gesellschaft sich steigerte und dem 
Präsidium die für die toaste nöthige andacht hervorzubringen anfing 
schwer zu -werden, improvisirte Julius Richter, der bekannte Ver- 
fasser der 1mg u. s. w., das distichon: 

Sit bene praesidio — venter nunc regnat, amici, 
Pocula iam resonant, sit bene praesidio ! 
Doch trotzdem blieb alles in schönster Ordnung, auch ein verdienst 
der zahlreich anwesenden damen — junge fraaen, deren gestrenge 
eheherren vor noch nicht gar langer zeit auf den bänken der Semi- 
nare gesessen und nun offenbarten, wie sie das da interpretirte wohl 
bewahrt und im leben zu verwirklichen mit glücklichstem erfolg erstrebt 
haben: denn oiö'tv Kvqv c'cya&rjg y Xv y.v q üits qöv ian yvvaixög 
sagt der weise Theognis. Dies der erste tag; der zweite brachte 
die vortrage des prof. dr. H. Fritzsche aus Leipzig: der dy^g 
tlyad-bg des Pindar und des prof. dr. II. Bartsch aus Heidelberg: 
vom germanischen geist in den romanischen sprachen ; an keinen von 
ihnen knüpfte sich eine debatte. Dagegen überraschte der vice-prä- 
sident director G. Krause die Versammlung mit einer mittheilung 
über die von G. Koenn ecke entdeckten, von dr. Nissen im index 
lectt. un. Marburg, hiem. 1875 herausgegebenen vitae Catonis frag- 
menta Marburgensia. Schon A. v. GL, sagte er, habe im Lit. Centralbl. 
1875. '25. aug. pj. 1162 diese bruchstücke nicht für die lateinische 
quelle des Plutarck im leben des Jüngern Cato, sondern für Über- 
setzung des mittelalters gehalten , die wegen des guten latein merk- 
würdig sei. Man möchte am ersten an Karolinger-zeit denken. Gut- 
schmidt knüpft daran die frage, ob die handschrift zweifellos 'saec. 
XIII. ineuniis' sei. Aber für die fragmenta Marburgensia, sagt Krause, 
lässt sich der Ursprung genau nachweisen, sie gehören der Übersetzung 
des Florentiners Lapus an ; zum beweise lege ich sofort den Venediger 
druck von 1496 fol. vor, dessen Schlussworte lauten: Virorum illu- 
strium uitae ex Plutarcho Graeco in latinum versae; solertique cura 
emenäatae foeliciter expliciunt: Venetiis impressae per Rartolameum 
de Zanis de Portesio Anno nostri saluatoris. 1496. die octo Mensis 
Junius. (sie). Ich habe das buch, das einst der herzoglichen biblio- 
thek zu Gotha als dublette angehörte, früher auf einer auetion erwor- 
ben, jetzt die betreffenden stellen genau durchverglichen, lege auch 
die vergleichung hier vor : die Übereinstimmung ist evident. Frag- 
ment 1 : stehe theil II fol. 68 rückseite z. 7 — 41 , fragment 2 : fol. 
71 Vorderseite z. 3 — 34. Daran knüpften sich einige kurze bemer- 
kungen von Fritzsche, Eckstein, Leutsch über die häufigkeit und ent- 
schuldbarkeit von solchen versehen ; auch wurde von einem mitgliede 
bemerkt, dass auch in Berlin diese berichtigung gefunden sei [nähe- 
res in heft 4]. — Am dritten tage füllten die hauptsitzungen abge- 
sehen von geschäftlichen mittheilungen die vortrage des prof. dr. 
Oppert aus Paris: 'über den heutigen stand der keilschriftforschung 
und über die beziehung Assyriens zur biblischen geschichte und Chro- 
nologie', und des prof. dr. Roh de aus Kiel: 'über griechische no- 
vellendichtung und ihren Zusammenhang mit dem Orient', an wel- 
chen Vortrag der unterzeichnete sich erlaubt hat ungefähr folgende 
worte zu knüpfen : er glaube zunächst sich mit der Versammlung in 
vollster Übereinstimmung, wenn er dem Vorredner dank für die eben 
so gelehrt als schön vorgetragene darstellung ausspreche: er wisse 
aus eigner erfahrung , wie viel zeit und ausdauer studien auf diesem 
wegen der beschaffenheit und Zerstreutheit der quellen so schwierig zu 
behandelnden gebiete erforderten. Die sache selbst betreffend, so zeige 
sich auch hier die grossartige fruchtbarheit des hellenischen geistes: 



164 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

denn auch das, was er nur nebenbei und im vorübergehen behandelt 
habe, scheinbar ganz unscheinbares, sei für spätere Völker eine quelle 
für eigne schöne productionen geworden, habe zu weiterer und ge- 
deihlicher entwickelung der cultur beigetragen, eine bemerkung, wel- 
che bei den mannigfachen angriffen , die jetzt gegen das classische 
alterthum gerichtet würden, wohl nicht ganz überflüssig sei. Uebrigens 
glaube ich in manchen punkten von dem redner abweichen zu müssen: 
so zuerst in der benennung 'novellenliteratur' : ich weiss freilich, 
wie man altes mit neumodischen ausdrücken zu bezeichnen, als da 
sind die linke, tories , dunkelmänner, international u. s. w. , jetzt für 
geistreich und freisinnig und was weiss ich alles hält: allein es ist das 
verkehrt, weil es den wahren Standpunkt verrückt und zu schiefer auf- 
fassung des alten verleitet. Da nun diese sogenannten novellen der 
mit dem hellenischen alterthum auf das engste verwachsenen mythi- 
schen anläge entstammen, so würde ich mythische erzählungen, grie- 
chische fabeleien, milesische fahrten oder sagen und dergleichen vor- 
ziehen ; gebrauchen doch die alten /uod-ot, fabulae, fabellae auch in 
sehr verschiedenem sinne. Doch das ist eine nebensache : ein wich- 
tigerer punkt als ein die methode betreffender ist folgender: fragen 
wir nämlich, wie Rohde zu seinen auf den ersten blick so überraschen- 
den resultaten gekommen, woher er die schöne Verbindung, den engern 
Zusammenhang in die so zerrissene Überlieferung gebracht hat, so 
liegt das wohl in dem kühnen vom parallelisiren gemachten gebrauch : 
so geistreich nach neuerm Sprachgebrauch das aber auch scheint, so bleibt 
es doch eine sehr gefährliche und trügerische sache: führt daher auf ab- 
wege die Italiener, namentlich Boccaccio, auch erzeugnisse des niittel- 
alters auf diese Spätlinge griechischen geistes anzuwenden. Demnach 
muss ich das über Aristides gesagte für unerwiesen, noch sicherer das über 
die avßaqmxoi koyot behauptete für unrichtig ansehen: diese köyoi stehen 
der äsopischen fabel viel näher, wie ausser anderen auch die Aöyot 
xvtiqiov beweisen dürften: auch manche andere so schön klingende 
combinationen dürften vor einer nüchternen kritik nicht bestehen. 
Dagegen trete ich dem redner darin mit freuden bei, dass diese er- 
zählungen auf griechischem boden entstanden und von Hellas nach 
dem Orient gewandert seien, nicht, wie man jetzt meist will , umge- 
kehrt : für diesen den griechischen Ursprung lässt sich mein ich auch 
Homer aufführen. Denn wenn Patroklos am lager des verwun- 
deten Eurypylos (Hom. II. 0, 400) diesen mit köyoiq erfreut, so sind 
das deutlich juv&oi, erzählungen und zwar, da als dichter Patroklos 
nie erscheint, prosaische: wenn er ferner beim weggehen sagt, dass 
in dieser Unterhaltung der dtganaiv des Eurypylos fortfahren könne, 
so sind diese erzählungen allgemein bekannte, populaire, volksthüm- 
liche , also novellen , zumal da in ihnen eben wegen des Tifjnny die 
liebe eine rolle spielte: man denke an Ares und Aphrodite in Odyss. 
&. Und weiter ziehe ich hieher das vielbesprochene oagi&iv (Hom. 
IL X, 122) — von was anderm erzählen sich denn Jungfrauen und 
Jünglinge als von der liebe? Der gedanke an die entstehung des 
menschengeschlechts führte ja von selbst darauf. Sie , diese homeri- 
sche jugend, kennt also liebes-novellen und zwar prosaische ; an poe- 
tisch abgefasste erinnert bei Homer nichts und ausserdem sind nach 
meiner ansieht, die ich hier nicht weiter entwickeln kann, die keime 
der prosaischen kunstformen eben so alt, wie die poetischen, bestehen 
lange neben ihnen in kunstloser form. Und dies also zum beweis 
des alters der novelle, wie ihres griechischen Ursprungs ; es hat also 
der Orient von Hellas gelernt, ein nachweis, der vielleicht auch unsere 
Orientalisten geneigt macht, den philologen sich zu nähern und das 
von uns zu lernen, was allen noth thut und von uns am besten ge- 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 165 

lernt werden kann, die methode. — Dies der dritte tag. dessen nach- 
mittag der von der stadt freundlichst veranstalteten fahrt nach War- 
nernünde gewidmet war: bei der zurückkunft am abend war das 
rathhaus prachtvoll illuminirt. Der vierte brachte die vortrage des 
dr. Heinrich Schmidt aus Wismar 'über den bildlichen ausdruck 
der Griechen' und den des dr. P fitzner inParchim: 'Charakteristik 
der beiden florentinischen handschriften des Tacitus ' , darauf die 
referate der sectionen , deren aufgaben dem kreise dieses Anzeigers 
ferner liegen und das schlusswort des Präsidenten F ritzsche: nach 
der in unsern Versammlungen bestehenden sitte war nun namens 
dieser der 30. Versammlung deutscher philologen denen dank aus- 
zusprechen, welche der last der vorbereitenden geschäfte und der 
gelungenen durchführung der Versammlung sich unterzogen hatten: 
dies zu thun, war von mehreren seiten in letzter stunde dem unter- 
zeichneten aufgetragen und sprach er deshalb ungefähr folgendes: 'es 
ist mir der ehrenvolle auftrag geworden, den dank der Versammlung 
denen auszusprechen, welche es uns durch ihre aufopfernde thätigkeit 
ermöglicht haben, diese an anregung so reichen, fördernden, von jedem 
misston freien, der Wissenschaft und dem heitern verkehr gewidmeten 
tage hier verleben zu können. Und so danken wir zuerst dem Präsi- 
dium, und vor allen dem Präsidenten, der, ein Jubilar, nicht allein 
den mühsamen vorbereitenden geschäften sich unterzogen, sondern 
auch zu unser aller freude die Versammlungen mit jugendlicher kraft 
geleitet hat: — wir danken dem vice-präsidenten, der so eitrig und 
unermüdlich überall auf Ordnung gehalten: findet er auch den lohn 
für seine mühewaltung darin, dass er in mannigfach philologischer 
arbeit dem philologen-präsidenten , der Gottfried Hermann so nahe 
steht, hülfreiche band hat leisten können, so wird ihm unsre dank- 
bare anerkennung auch erfreulich sein, — wir danken dem secretariat, 
den verschiedenen comites , vor allem dem wohnungs-comite, dessen 
vielfache noth uns doch schliesslich nur zur freude und beruhigung 
gedient hat; zur freude, da uns reichliche gelegenheit geworden, Ro- 
stocks gastfreundschaft kennen zulernen, zur beruhigung, weil, wenn 
wie hier gehochzeitet wird, die Sicherheit vorhanden, dass, wird das 
deutsche reich vom feinde bedroht, Meklenburgs zahlreiche schaaren 
wieder da3 ihrige zum siege beitragen; — wir danken der ehrwürdigen 
Universität für- die uns erwiesene aufmerksam keit, danken der stadt 
und ihren Vertretern für die vielen thatsächlichen beweise des war- 
men interesses an unsern bestrebungen: ganz natürlich, da Rostock 
eine stadt des Apollo : diesem ist ja die zahl sieben heilig und in Rostock 
sind sieben hauptstrassen, sieben strandstrassen, sieben thore, sieben 
kirchen und ausser anderm sieben linden auf dem rosenberg: so 
weilt denn in Rostock auch Dionysos, dem die rose heilig: und wie 
einst Delphi durch pflege der ehrenämter dieser götter die cultur 
von Hellas förderte und bestimmte, so wünschen wir, dass es auch 
Rostock vergönnt sein möge, durch kräftiges fortschreiten auf seiner 
bahn zum heile Meklenburgs und des deutschen reichs die edelsten 
guter des lebens und wahre freiheit erfolgreich zu pflegen und für 
sie wahre begeisterung dauernd hervorzurufen. Und in diesem sinne 
rufen wir philologen: Rostock lebe hoch!' Und mit diesem hoch 
schloss die versammlang. — E. v. L. 

Göttingen. Zwei parteien bekämpfen sich nicht nur in unserm 
engern Vaterland, sondern in allen erdtheilen in dieser zeit, der fest- 
gegliederte ultramontanismus und der in mancherlei gruppen sich 
spaltende liberalismus, der sich zumeist mit dem protestantismus iden- 
tificirt; mit diesem kämpfe hängt die pflege und das gedeihen der 
classischen philologie , ihre weitere entwickelung überhaupt auf das 

Piniol. Anz. VII. H 



166 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

engste zusammen, da er schliesslich die erziehung der nation und so- 
mit die anstalten für die erziehung, also die schule, das gymnasium, 
die Universität beeinflusst und bestimmt. Um nun die kämpfe gehörig 
zu würdigen, bedarf es der rückblicke; sie lehren, wer von den beiden 
streitenden die grössere thätigkeit entwickelt, die grösseren erfolge 
erzielt. Und da giebt, wie es scheint, für den ultramontanismus ein 
aufsatz aus dem august d. j. in der Schweizerischen Grenzpost (Basel) 
einen sicheren anhält, aus dem wir deshalb hier einiges mit ein paar 
Zusätzen mittheilen. In Spanien, heisst es da, verlangt der päpstliche 
nuntius Simeoni vom ministerium, dass die schule der katholischen 
geistlichkeit überlassen, dass die von der früheren regierung ein- 
gezogenen guter wieder ausgeliefert werden, dass die civilehe aufge- 
hoben und die katholische religion als die einzige in der armee ge- 
stattete religion anerkannt werde. Spanien ist in der hand der Jesuiten 
und eine ihrer provinzen. — Anders stehen die dinge in Frankreich: 
hier thut die national-versammlung nichts für die bildung der massen, 
bischof Dupanloup hintertreibt alles derartige; sie lieferte den höheren 
Unterricht auf gnade und ungnade der clerisei aus. Das volkistdem 
krassesten aberglauben verfallen , es schwört auf die mutter gottes 
in Lourdes, auf die nonne Alacoque, von gott selbst wird nur in 
zweiter linie gesprochen und gelehrt. Das budget für den römisch- 
katholischen gottesdienst steigt gegenwärtig auf frcs. 51,695,945, wo- 
zu noch die kosten für die feldpatres und den militärgottesdienst 
kommen. Die clericalen haben sich der arbeiter, der presse, sämmt- 
licher schulen, aller wohlthätigen und gemeinnützigen anstalten, sie 
haben sich der armee bemächtigt. In jeder kaserne steht ein beicht- 
stuhl , jeder soldat muss im jähre viermal beichten. Wer nicht 
blinden gehorsam beweist und sich devot zeigt, wird beim avance- 
ment übergangen. Soviel als möglich werden Jesuitenzöglinge der 
armee zugeführt; im jähre 1874 kamen 773 in die militärschule 
von Saint-Cyr, 245 in die polytechnische und 147 in die marineschule. 
Kein wunder, da in Frankreich von kirchlichen beschäftigungen 79,584 
priester und 124,893 nonnen leben. Alles in allem zählt Frankreich 
309,383 geistliche personen. Von 1852 bis 1859 erhielten die weibli- 
chen körperschaften an dotationen frcs. 5,789,755, durch testamente 
frcs. 3,232,824, zusammen in sechs jähren 9,025,577 frcs. Im j. 1859 
besassen sie grundeigenthum im werthe von frcs. 105,370,000, mit 
einem ertrage von frcs. 3,641,000. Der grundbesitz hatte 1859 einen 
flächeninhalt von 14,600 hectaren, anno 1850 von 9185, was in zehn 
jahren einen Zuwachs um die hälfte ergiebt. Wenn es so fortgegan- 
gen ist, besitzen sie gegenwärtig 30,000 hectaren, das departement 
des Loir hatte 1874 98 manns- und 341 frauenklöster, 25 mehr als 
1861. Die macht der geistlichkeit steigert sich jetzt durch die gründung 
von katholischen Universitäten, d. h. von Universitäten, die ganz unter 
der controle der bischöfe stehen , auf denen nur eine vorn Vatican 
approbirte Wissenschaft, also Wissenschaft nach den grundsätzen des 
Syllabus gelehrt werden darf: man sieht, die clericale partei sucht 
die Organisation des gesammten Unterrichts in ihre hand zu bekommen 
und sich dadurch dominirenden einfluss auf allen gebieten des lebens 
zu sichern: sie glaubt dadurch sicherer zum ziele zu kommen als 
durch blutende mädchen und ähnliche wunder: es offenbart sich also 
hier in Frankreich der in seiner art grossartige versuch der hierarchie, 
den im 19. Jahrhundert so mächtig emporgewachsenen geist der freien 
forschung zu bannen und mit den ideen von 1789 gänzlich aufzu- 
räumen. Soweit Frankreich: von Italien wird berechnet, dass sein 
clerus ihm 440 millionen im jähre kostet, und darauf hingewiesen, 
wie die ultramontanen in der national-versammlung allmählich wieder 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 167 

emporkommen. In Oesterreich bestehen 463 manns- und 290 
frauenklöster. Im jähre 1851, also kurz vor der concordatlichen re- 
action, gab es in Oesterreich bloss 417 manns- und 152 frauenklöster 
mit 6379 mönchen und 4416 nonnen: nach der letzten Zählung von 1871 
aber giebt es 7290 mönche und 6001 nonnen, zusammen 13,291. Auf- 
fallend haben sich seit 1851 die Jesuiten vermehrt. Damals existirten 
nur 3 Jesuitenklöster mit 16 mitgliedern , dagegen 1871 schon 37 
klöster mit 527 mitgliedern, zu welchen jetzt noch die vielen aus 
Deutschland und Italien ausgewiesenen kommen, die in Oesterreich 
ein asyl und bei der aristokratie besondere protection finden. Auch 
die den Jesuiten afnliirten Ligorianer haben sich stark vermehrt : 1851 
besassen sie noch kein kloster, jetzt haben sie deren schon 11 mit 
205 insassen. Die söhne des heil. Franziskus, also bettelmönche, be- 
sitzen jetzt 110 klöster (10 mehr als im j. 1851), welche 1451 insassen 
zählen. Auch die frere.s ignorantins und die schulschwestern, deren 
es vor dem concordate keine gab, zeigen 1871 die ersteren bereits 
einen stand von 93 mit 7 klöstern, die letzteren 567 mit 49 klöstern, 
nebst vielen unterrichtsanstalten und pensionaten für töchter aus den 
reichen und vornehmen ständen. Benedictiner giebt es 1003, welche 
21 prachtvolle abteien bewohnen und zu den reichsten grundbesitzern 
in Oesterreich gehören. In Tyrol kommt auf 367 einwohner ein 
möuch oder eine nonne. — In hinsieht auf mönche und nonnen nahe 
verwandt mit Oesterreich ist Bayern, wo im j. 1842 es 256 männ- 
liche ordensglieder gab, im j. 1867 schon 941, ende 1872 gar 1233. 
Die weiblichen genossen schaffen hatten im j. 1840 erst 716 mitglieder, 
im j. 1847 noch nicht 1000, im j. 1856 schon 2124, ende 1863 bereits 
3504, und am Schlüsse des Jahres 1873 nicht weniger als 5054. — In 
den katholischen provinzen Preussens sieht es nicht besser aus. 
Köln besitzt 10 arten männlicher und 31 arten weiblicher orden und 
auf 213 katholiken kommt dort ein geistlicher, in Aachen einer auf 
110, in Münster auf 61, in Paderborn auf 33. — Von Belgien sei 
hier nur erwähnt, dass von 1816 bis 1856 die zahl der ordensgeist- 
lichen sich um 1000 vermehrt hat, und dass es dort 96 männliche 
und 109 weibliche orden giebt. Wie überall in den ultramontanen 
strichen, geht die Volksbildung auch hier rückwärts. Von 753,200 
kindern im schulpflichtigen alter besuchen nur 592,575 die schulen, 
so dass 156,434 ohne allen Unterricht bleiben und 33 procent der re- 
cruten nicht schreiben können. — In den benachbarten, vorherrschend 
protestantischen Niederlanden brachten die ultramontanen es so 
weit, dass die anticlericale partei gegenwärtig ein mehr von nur vier 
stimmen in der kammer hat, und bekanntlich soll auch diese majo- 
rität ihr jetzt entzogen werden. — Für die erfolge der ultramontanen 
in England sprechen die wähl Mannings zum cardinal und die vielen 
Übertritte in den hohen und höchsten kreisen, wie z. b. der Norfolk. 
— Wie in Europa hat der ultramontanismus auch im Orient wurzeln 
zu schlagen gesucht. Ueberall strebt er nach der herrschaft, in vielen 
ländern ist er auf dem besten wege zu diesem ziele, und wo ihm 
widerstand entgegentritt, unternimmt er es ohne weiteres, die existenz 
des unbotmässigen volkes und Staates selbst zu bekriegen. Fasst man 
dies zusammen, so sieht man deutlich eine einheit, eine leitende 
macht: hat ihr der gegner ein gleiches entgegenzustellen? Er ist ja 
deutlich auf einen viel kleinern räum beschränkt: fängt er auch an 
in einzelnen ihm bisher verschlossenen landen sich zu rühren und 
fester aufzutreten , es wird gegen ihn das terrain schritt vor schritt 
hartnäckigst vertheidigt und nur der gewalt von oben gewichen: es 
bedarf also sehr, sehr grosser anstrengung, um zu gleichen erfolgen 
zu gelangen ; sie werden gewiss nicht fehlen, wenn nur die freie for- 

11* 



168 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

schling auf rechte weise gefördert, dieser ihr weg nicht verkümmert, 
vielmehr grossartig geöfinet wird. 

Göttingen. Der 3., 4., 5. october waren für Oest erreich hohe 
festtage, indem an ihnen zum gedächtniss des vor hundert jähren 
erfolgten anschlusses des herzogthums Bukowina an den kaiserstaat 
die enthüllung des Austria-monuments in Czernowitz und eben- 
daselbst laut entschliessung Sr. Majestät des Kaisers vom 7. december 

1874 und des dadurch herbeigeführten reichsgesetzes vom 31. märz 

1875 die eröffnung der deutschen Franz- Jose p h - Universität statt- 
fand. Die Vorbereitungen zu dieser feier waren schon seit länger 
begonnen, einladungen und anderes durch behörden beschafft : denn 
erst am 22. September 1875 konnte sich zum ersten male der all- 
mählig zusammengekommene senat der neuen Universität versammeln ; 
da wählte er zum rector den prof. dr. iur. Tomaszcznk und traf für 
die eröffnung die noch nöthigen anordnungen. Als nun der 3. octo- 
ber herankam, fing Czernowitz an sich auf sehr merkbare weise zu 
beleben : denn von allen Seiten strömten deputationen und einzelne 
landesbewohner herbei, so dass diese einweihung sich zu einem wah- 
ren nationalfeste gestaltete: überall trat die ansieht hervor, dass der 
Kaiser der provinz kein fördernderes geschenk hätte machen können 
als gerade die Stiftung einer Universität, eine ansieht, die gar man- 
chen bürger — und auch magistrat — deutscher Universitätsstädte 
befremden dürfte, da in denen man sich gewöhnt, die Universität eben 
nicht hoch zu achten. In Czernowitz aber kündigten am 3. october schon 
6 uhr morgens böllerschüsse den beginn des festes an; mittags gegen 
2 uhr fuhr in den geschmackvoll dekorirten bahnhof der courierzug 
mit Sr. excellenz dem minister Stremai/r begleitet von dem sections- 
chef dr. Lehmayr und dem Statthalter Pino ein, gleichzeitig mit einer 
reihe eingeladener und angemeldeter festgäste und deputirten der 
österreichischen und deutschen Universitäten : von den letztern war 
jedoch nur Göttingen und Strassburg, erstere durch professor dr. theol. 
und phil. de Lagarde, die andere durch ihren rektor, den professor 
dr. Schmotter vertreten. Eingeladen waren auch die übrigen deut- 
schen Universitäten ; es ist zu bedauern , dass so wenige ihre theil- 
nahme an der gründung einer deutschen Universität an der ostmark 
Deutschlands genügend haben bezeugen mögen. Freilich den, der den 
auf den deutsehen Universitäten jetzt herrschenden geist kennt, befrem- 
det das nicht: wahres interesse an der Universität, erkenntniss der 
gründe und des wesens ihrer einrichtungen , wahre collegialität ver- 
schwinden mehr und mehr; jeder denkt zeitgemäss nur an sich: so- 
nach bemerkt man auch nicht , wie man ein stück nach dem andern 
von der noch in so geringem masse vorhandenen Selbständigkeit auf- 
giebt und auf dem wege ist, die Universität zur schule herabsinken 
zu lassen. Hier in Czernowitz aber ist es noch anders: sämmtliche 
Würdenträger des herzogthums und die schon anwesenden deputationen 
waren zum empfange der gaste auf dem bahnhof und geleiteten sie 
dann in ihre Wohnungen. Am nachmittag dieses tags beging man 
ein volkfest, um sechs uhr abends fand offizielle begrüssung der de- 
putationen statt, dann illumination, fackelzug. Der haupttag war 
aber der vierte october: morgens gottesdienst in den verschiedenen 
kirchen, der evangelischen, den katholischen, den giechischen, arme- 
nischen, der jüdischen, nach 10 uhr feierlicher zug nach dem Austria- 
platze zur enthüllung des Austria-monuments, um 12 uhr zug 
nach dem die stelle des universitäts-gebäudes vertretenden und im 
Innern mit vielen lateinischen citaten als inschriften versehenen und 
mit triumphbogen sinnvoll geschmückten pädagogiam : nachdem im 
hauptsaale die gaste, dann unter vortritt der pedellen die professoren 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 169 

der Universität, an ihrer spitze den rector und die decane, ihre platze 
eingenommen, erschien Se. excellenz der minister in begleitung 
des landespräsidenten Alesani, des hofraths Lehmayr u. a. und er- 
öffnete die neue Universität mit folgender rede : 

„Se. majestät unser allergnädigster kaiser und herr hat mit aller- 
höchster entschliessung vom 7. december 1874 den unterrichtsminister 
zur vornähme der die sofortige errichtung einer Universität in Czer- 
nowitz bezielenden schritte zu ermächtigen geruht." 

„Beide häuser des hohen reichstages haben in rascher folge den 
allerhöchsten intentionen entsprochen und so ist das reichsgesetz vom 
31. märz 1875 zu stände gekommen, welches bestimmt, dass in Czer- 
nowitz eine Universität mit deutscher Unterrichts- und geschäfts- 
sprache errichtet und der regierung die dazu nöthigen mittel bewil- 
ligt werden." 

„In dankbarer freudiger erregung einen längst gehegten wünsch 
erfüllt zu sehen hat die Bukowina und ihre hauptstadt diese beschlüsse 
vernommen, und die Vertretungen von stadt und land haben 
auch ihrerseits alles aufgeboten, um die regierung in der ausführung 
dieser schwierigen aufgäbe kräftigst zu unterstützen. Und so ist es 
denn gelungen, dass wir in diesem augenblicke, an dem tage, den 
der name unseres geliebten kaiser s verherrlicht, an dem 
tage, der das erhebende fest der hundertjährigen Vereinigung der Buko- 
wina mit Oesterreich schaut, auch die er Öffnung der jüngsten hoch- 
schule des reiches begehen. So ist diese hochschule ein schöner 
abschluss hundertjährigen civilisatorischen wirkens und strebens, eine 
edle morgengabe Oesterreichs und seines kaisers an das hoffnungs- 
reich aufblühende land, und der jubel patriotischer begeisterung, der 
an dem heutigen tage die stadt und das land durchbraust, wird dau- 
ernd nachklingen in den hallen der alma mater Francisco- Josefina 
und ihre jünger stählen in dem feuer der Vaterlandsliebe, für die 
höchsten aufgaben des menschlichen geiste3. Forschung und lehre auf 
den weiten gebieten der Wissenschaft hat die neue hochschule zur 
pflicht und wie sich ihr hier zur forschung manch neues gebiet er- 
öffnet, wird sie für die lehre neue kräfte in den söhnen reich begab- 
ter nationen finden." 

„Fürwahr eine hohe und echt österreichische aufgäbe!" 

„Wie der Deutsche, so lebt und kräftigt sich ja auch der Romane 
und der Slave gern am borne deutscher Wissenschaft; diese wird 
ihm in noch reicherem maasse das mittel bieten , seine eigne art zu 
hegen und zu pflegen , sie wird ihm aber auch mittel und antrieb 
sein, gemeinsam zu wirken und zu streben zum heil und zum rühme 
unseres geliebten Vaterlandes Oesterreich." 

„Se. Majestät hat die gnade gehabt am 30. September dieses 
jahrs die stiftungsurkunde der neuen Universität zu unterzeichnen und 
ich bin in der glücklichen läge, dieselbe dem rector magnificus der 
Universität zu übergeben." 

„Es ist nicht bloss ein wünsch , es ist meine Überzeugung , dass 
die ehre, würde und treue der Universität gewahrt bleiben wird in 
den händen dieses und jedes nachfolgenden rectors." 

,,In diesem sinne übergebe ich Ihnen die stiftungsurkunde der 
Universität, und lade den herrn dr. Lehmayr ein, dieselbe vorzulesen." 

Nachdem der k. k. ministerialrath dr. Lehmayr dieser auffor- 
derung folge geleistet, ergriff der rector magnificus dr.iur. Tomaszczuk 
das wort, und beleuchtete in längerer rede die erhabenen idee, an 
der äussersten ostgränze des reichs eine neue pflegstätte deutscher 
Wissenschaft und bildung zu errichten , dankte den männern , welche 
thatkräftig den entschluss des kaisers ausgeführt, schilderte auf das 



170 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

spannendste die durch das merkwürdige zusammentreffen verschie- 
dener nationalitäten so eigentümliche läge der neuen Universität 
und schloss mit den worten: 

„Des hohen Stifters der Universität zierender name soll ihr neue 
begeisterung und neue anhänglichkeit verleihen ; hat die k. k. Franz- 
Joseph-universität irgendwo ehre geerntet in den kämpfen geistigen 
ringens, sie wird den kränz mit Oesterreichs färben zieren und an 
den herrscherthron niederlegen!" 

Auf diese mit allgemeinem beifall aufgenommene rede , die wie- 
derzugeben es uns leider an räum gebricht, — sie steht in der Czer- 
nowitzer zeituug vom 5. october, nr. 227 — folgte die begrüssung 
der Universität durch den k. k. sectionschef dr. Ficker im namen 
der academie der Wissenschaften in Wien, dann die der delegirten 
von den Universitäten in Graz, Innsbruck, Krakau, Prag, Wien, Klau- 
senburg , des freien deutschen hochstifts in Frankfurt a. M. , von 
Strassburg, dessen Vertreter hervorhob, dass er sich auch im auftrage 
des deutschen Reichskanzlers hier befinde; den schluss machte Göt- 
tingen mit folgender rede des professor de Lagarde : 

„Der senat der Georgia Augusta zu Göttingen hat mich beauf- 
tragt, der neu gegründeten Francisco-Josephina die herzlichen glüek- 
wünsche , welche er in diesem schreiben niedergelegt hat , auch per- 
sönlich und mündlich auszusprechen." 

„Wenn eine deutsche Universität von glück spricht, so sprichv 
sie von arbeit. Göttingen wünscht aus warmem herzen ihrer jungen 
schwester das höchste glück, das sie selbst kennt, das vollkräftige 
eintreten in die wissenschaftliche arbeit." 

„Wir erinnern uns, dass der mensch für nichts so dankbar ist, 
wie für die förderung seines geistigen lebens. Die zeit ist auch jetzt 
noch nicht da , in der der mensch vom brodte allein lebte : er lebt 
von dem worte gottes , wie es durch alle vier facultäten einer Uni- 
versität verkündigt wird, und dankt für die mittheilung dieses brodtes 
mit der vollen liebe, deren er fähig ist. Möge die junge Universität 
für die Wahrheit, welche sie verkündigt, für die geistige zucht, wel- 
che sie übt, für die befreiung, welche sie durch die arbeit und die 
ergebnisse der arbeit gewährt, ein reiches maass an liebe ihrer schüler 
eintauschen." 

„Als drittes wünschen wir der jungen schwester, dass sie recht 
augenfällig dem grossen staate dankbar sein könne, welcher sie in's 
leben gerufen hat: dankbar sein zu können, ist ja für edle naturen 
ein erstes bedürfnis. Wir wünschen , dass sie die schüler, welche sie 
sich gewonnen, für Oesterreich gewinne: dass sie Oesterreichs ihr 
anvertraute kinder von stufe zu stufe aufwärts und vorwärts führen 



„Es ist hier so viel freundliches über die deutsche Wissenschaft 
gesprochen worden, dass es mir wohl gestattet sein wird, noch einige 
worte zu dem von mir gesagten mit bezug auf diese anerkennung 
hinzuzufügen." 

„Die Vorsehung — wer wollte es leugnen ? — hat dem Deutschen 
den drang nach Wahrheit und Wissenschaft in die wiege gelegt. 
Deutschland steht mit der Wissenschaft von hause aus, und indem es 
von allen fremden lernt , in näherer beziehung , als andere länder. 
Darum hat Deutschland überall da freunde , wo die Wissenschaft 
freunde hat. Wir hoffen, dass es sie auch in Czemowitz haben und 
behalten werde, und versprechen dafür von unserer seite für liebe 
wieder liebe." 

Darauf bringt der landeshauptmann Anton Kochanowski ritter von 
Stawczan, die Universitäten , welche glückwunschsschreiben geschickt, 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 171 

und der rector - magnificus glückwünsch-telegramme zur kenntniss, 
worauf letzterer mit einer kurzen anspräche über die geltung der 
deutschen Wissenschaft die feier schliesst. 

Abends 6 uhr bankett, das reich an toasten herrlich verlief: nach 
dem toast auf den kaiser trank der minister auf das wohl der stadt 
und Universität: erstere, führte er aus, verdanke ihr aufblühen vier 
eigenschaften, humanität, toleranz, arbeit und loyalität: diese eigen- 
schaften bürgten dafür , dass die neue Universität hier mit offenen 
armeu aufgenommen , blühen und gedeihen werde. Es folgte glän- 
zende erleuchtung der stadt, erleuchtung des Austria-monuments und 
fackelzug der Studenten: vergl. Neue Presse nr. 3992. Am 5. october 
war als nachfeier mittags 12 uhr auffahrt der Studenten, abends 8 
uhr solenner festcommers. 

Aus dieser skizze dürfte sich deutlich der deutsche character 
der schönen feier ergeben, der für die festgenossen dadurch noch 
deutlicher hervortrat, dass schon jetzt Czernowitz, eine verhältniss- 
massig junge gründung, den eindruck einer durchaus deutschen stadt 
macht: die Strassen sind rein und breit, die häuser nach deutscher 
weise gebaut und an städte wie z. b. Gotha erinnernd; überall hört 
man die deutsche spräche, sieht viele hübsche laden mit deutsch be- 
schriebenen schildern, freilich oft darunter oder daneben auch das 
rumänische und ruthenische, ja auch das polnische und russische — 
aber die zeitungen und unterhaltungsblätter sind deutsch, der Deutsche 
gern gesehen, so dass, tritt keine unerwartete Störung ein, die stadt 
bald eine ganz deutsche und zu unsrer freude wegen ihrer vielen präch- 
tigen baulichkeiten — wir nennen nur die kirchen, die lutherische, katho- 
lische , griechisch-orientalische, russische, romanische, die synagoge, 
ferner das rathhaus , das ständehaus , vor allen den leider noch un- 
vollendeten pallast des griechisch-orientalischen erzbischofs — eine 
sehr schöne deutsche stadt sein wird. Daher denn auch deutsche 
sitten : die miethen sind sehr hoch , 25 gülden monatlich für zwei 
zimmer rnuss der professor zahlen: auch das essen ist theuer, allein 
es wird durch einen brauch , dem man wegen seiner gemüthlichkeit 
deutschen Ursprung vindiciren möchte, obgleich ich den nicht zu be- 
weisen vermag, in gewisser weise ausgeglichen, nämlich wo man den 
mittagstisch nimmt, bekommt man das abendbrodt umsonst, ein brauch, 
der bei weiterer gedeihlicher ausbildung gar manchen norddeutschen 
Studenten nach Czernowitz ziehen könnte. Dazu nun das streben 
nach weiterer ausbildung , das gefallen an deutscher literatur und 
poesie: dafür lieferte auch diese gründun gsfeier den beweis, da sie 
sich , wie obige skizze doch zeigen dürfte , zu einem wirklichen 
Volksfeste gestaltet hat: das ganze herzogthum nahm daran theil : 
daher denn auch die begeisterten dankgedichte zu ehren des Kaisers (s. 
Bukowinaer rundschau nr. 4), der jubelnde empfang desministers — und 
es ist ja auch in der that nichts geringes, in kaum eilf monaten eine 
Universität gründen and mit männern zu besetzen (s. Augsb. AUgem. 
Ztg. beil. zu nr. 204), denen man unbedingt zutrauen darf, dass sie 
ihre ganze kraft an die hebung und den flor der jungen Universität 
setzen werden — daher die von allen seiten so wohlwollende aufnähme 
der gaste, daher auch die schmuckreiche ausstattung der programme, 
der einlasskarten, der speise- und Weinkarten u. s. w., es dringt ja 
die liebe bis ins kleinste. Dies alles berechtigt, ja mahnt die 
deutschen Universitäten auf das dringendste, namentlich in hinblick 
auf die neuen unfreien katholischen gründungen in Frankreich diese 
der freien Wissenschaft huldigende Universität als ihre jüngste Schwester 
freudig zu begrüssen und ihr für ihre liebe unsere liebe ent- 
gegenzubringen. — Dies die eröffnung der deutschen Universität Czer- 



172 Kleine philologische zeitung. Nr. 3. 

nowitz. Für jeden , der es mit deutscher Wissenschaft und wahrer 
bildung gut und ernst meint, muss diese gründung ein bedeutendes 
und glückliches ereigniss sein, sie muss auch in jedem aufrichtigsten 
dank für den erhabenen stifter hervorrufen und für die neue Stiftung 
den wünsch, dass sie zum gedeihen der höchsten menschlichen guter 
blühen und wirken möge ! — [JE. v. L.] 

Lucretiana. Es ist in dem wissenschaftlichen leben immer eine 
Schwierigkeit, dass so oft persönlich sich unbekannte in differenzen 
mit einander kommen; aber immer sollte man doch das triviale qui- 
libet praesumitur bonus donec probetur contrarium in solchen fällen sich 
zum gesetz machen: es würden dann die nöthig werdenden Schrift- 
stücke ruhiger werden. Zu dieser be trachtung bringt uns der uns 
zugegangene hier folgende aufsatz, wo unser landsmann, dr. Brieger. 
sich gegen Munro's angriffe vertheidigen muss. Brieger's entgegnung 
lautet: ' The Academy vom 18. sept. d. j. enthält p. 307 einen artikel 
von h. Munro ' Lucretius and his editors ' , welcher gegen den unter- 
zeichneten gerichtet ist. Durch zwei publicationen , von denen eine 
wahrlich die kleine Ursache so grosser wirkung ist, habe ich mir 
den zorn des cambridger gelehrten zugezogen. Einmal ist er darüber 
empört, dass ich in der ankündigung einer Lucrezausgabe in den Mit- 
theilungen der Teubner'schen Verlagsbuchhandlung 1875, 4 p. 55 nach 
den Worten ' sehr viel ist auch in der grossen ausgäbe des Engländers 
Munro (dritte aufläge 1873) geleistet', mir erlaubt habe dieses nicht 
geringe lob mit folgenden worten einzuschränken : ' wenn schon der 
Herausgeber bald durch hartnäckiges festhalten bereits widerlegter 
irrthümer bald (' und ' ist ein druckfehler) durch zu grosse nachsieht 
gegen eigene einfalle vieles verdorben hat'. Es ist für Munro cha- 
rakteristisch, dass er in diesem urtheil eine — reklame sieht, dass er 
ferner, wenn ich ihn recht verstehe, den mangel einer begründung 
dieses urtheils rügt, zu einer zeit rügt, wo ihm schon die eingehend- 
ste begründung des hier gesagten im Jahresbericht über die litteratur zu 
Lucrez vorlag, einer arbeit, von der er sich sagen musste, dass sie 
vor jener notiz geschrieben und zum druck abgegangen war, und 
drittens , dass er seine leser glauben machen will , solche beiläufige 
urtheile blühten in den 'Mittheilungen 1 dem stillen veilchen gleich 
und kämen dem beurtheilten nur durch zufall zu gesicht, während 
es eine grössere publicität, als sie jenes fliegende blatt gewährt, in 
der philologischen weit gar nicht giebt. — Hiernach gehe ich nun zu der 
' aggravation ' meiner angeblichen Verschuldung über. Wenn Munro 
findet, dass ich im 'Jahresbericht über die fortschritte der classischen 
alterthumswissenschaft', heft 9, p. 1100—1129, zwar seine leistungen 
vielfach anerkannt, aber dies nur widerwillig und oft in unfreundli- 
cher form gethan hätte, so brauche ich darüber kein wort zu ver- 
lieren, da der Jahresbericht, welcher jedem leser dieser zeilen zugäng- 
lich ist, auf jeder der Munro gewidmeten 29 Seiten diese beschul- 
digung widerlegt. — Den klagen über eine nicht genügend aner- 
kennende beurtheilung hat Munro den versuch der abwehr eines 
wirklichen Vorwurfes vorangeschickt. Doch nicht den Vorwurf der 
fraus, gegen welchen er sich mit blinder entrüstung vertheidigt, habe 
ich gegen ihn erhoben, sondern einfach den, 'dass seine anschauung 
von geistigem eigenthum von der gewöhnlichen abweiche', p. 1118, 
eine ausdrucksweise, welche den Vorwurf des dolus nicht ein- sondern 
ausschliesst. Es handelt sich hier um II 473, wo Munro Göbels ent- 
deckung, dass umor s . . . ut fluat ein von sorsumque videndi abhän- 
giger fragesatz ist , benutzt — er selbst leugnet das nicht — , das, 
wodurch Göbel selbst daneben den text verdorben hat, beseitigt und 
Göbels namen verschweigt. Wenn er jetzt entdeckt, das schon Lambin 



Nr. 3. Kleine philologische zeitung. 173 

in seiner ersten ausgäbe wesentlich dasselbe wie Göbel gewollt habe, 
so ändert das an der Sachlage gar nichts, denn Göbel hat Lambin's ed. 
1. schwerlich gekannt, wohl aber Munro sowohl jene ausgäbe als 
auch Göbels Observv. Lucr. p. 39. Munro handelt also genau wie 
jemand, der eine von einem andern erfundene maschine verbessert 
und dieselbe dann als seine erfindung augesehen wissen will. — An 
der zweiten stelle, p. 1128, wo ich denselben Vorwurf erhebe, liegt 
die sache anders. Munro versichert die erklärung unmittelbar aus 
dem texte geschöpft zu haben und es bleibt also nur das zu rügen, 
dass er seine leser nicht davon benachrichtigt , wie vor ihm schon 
ein anderer den überlieferten text nicht nur richtig verstanden, son- 
dern auch die wesentlich richtige erklärung veröffentlicht habe. 
Ein billig denkender würde das nicht verschwiegen haben. — Was 
aber die verallgemeinerte beschuldigung betrifft, welche p. 1129 er- 
hoben wird, so habe ich p. 1105 zu II 197 f., 517, 685, 743, wo Munro 
allerdings schon früher gezweifelt hatte, III 689, V 409 gezeigt, dass 
Munro die , deren richtigerer erklärung er die Wiederherstellung des 
textes verdankt, besonders wenn es zeitgenössische Deutsche sind, 
nicht zu neunen mit seinen rechtsbegriffen durchaus vereinbar findet. 
Wie er dabei verfährt, um einer formalen Verpflichtung der nen- 
nung anderer erklärer zu entgehen, zeigt am schlagendsten II 685, 
wo ich Phil. XXV, p. 67 das primis figuris vor allem durch den hin- 
weis auf die Wiederholung desselben ausdrucks VI, 776 gerechtfertigt 
habe. Munro lässt die passendste und wichtigste belegstelle lieber 
fort, als dass er den leser wissen Hesse, dass er das richtige verständ- 
niss dieser stelle einem anderen verdankt. In ähnlicher weise verhehlt 
er zu I, 1058 und II, 226, wer die änderung der indicative gefordert 
hat, zu der er hinneigt, ohne sich doch entschliessen zu können. Ge- 
radezu gegen allen wissenschaftlichen anstand und alles philologische 
gewissen ist es endlich, wenn er bei einer so wichtigen frage, wie 
die anordnung der partien des proömiums ist — s. Jahresbericht p. 
1103 — , sowohl die änderungsvorschläge als auch ihre urheber ver- 
schweigt und so seinen lesern , so viel au ihm liegt, die möglichkeit 
selbst zu prüfen, nimmt. — Das motiv für all dieses ist Selbstüber- 
hebung und eitelkeit. Wie gross diese bei Munro sind, davon eine 
probe! In jener entgegnung findet er es nöthig zu den oben ange- 
führten worten der 'Mittheilungen', die er deutsch giebt, die bemer- 
kung zu machen, 'grossen' bezeichne hier 'materiell, not intellectual 
size. ' Das ist nun freilich bloss lächerlich ; wenn sich aber derselbe 
mann zu sagen erlaubt, ich wollte mich in der beurtheilung dafür 
rächen, dass er in dem Vorworte zur 3. aufi. von mir sage, ich zeigte 
einen starken hang den text durch conjekturen zu ändern, so ist das 
nicht nur eine falsche Übertragung eigener denkweise auf einen an- 
dern — denn dass ich für mein theil mich freue, wenn von mir em- 
pfohlene textänderungen als unnöthig erwiesen werden, habe ich oft 
genug gezeigt — , nein, es ist auch eine niedrige Verdächtigung, welche 
mich rechtfertigt, wenn dieser herr künftig für mich nicht mehr 
existirt. A. Brieger. 

Göttingen. Die 'national-liberale correspondenz ' vom 9. Septem- 
ber enthält über das höhere unterrichtswesen einen von verschiedenen 
zeitungen nachgedruckten artikel, der die arbeitslast der gymnasiasten 
beklagt und rügt: es heisst da: seit längerer zeit ist in unseren 
höheren Unterrichtsanstalten, insbesondere in den gymna- 
sien ein übelstand eingerissen, der die wachsende besorgniss und klage 
aller beobachter und insbesondere der eitern erregt, deren söhne die 
gymnasien besuchen. Wir meinen die Überlastung der schüler mit 
häuslichen arbeiten. Es handelt sich hier keineswegs um einen 



174 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 3. 

missstand , der etwa nur an einzelnen anstalten eingerissen ist , son- 
dern das übel ist allgemein. Wir könnten an einer reihe von bei- 
spielen nachweisen, dass die schüler im alter von 13 — 18 jähren, also 
in der periode des wachsthums und der körperlichen entwickehmg, 
durchschnittlich bis 10, ja bis 11 uhr abends mit ihren Schularbeiten 
beschäftigt sind. Die Ursachen der erscheinung werden in Überfüllung 
der classen, in der allzugrossen zahl von Unterricht sobjecten [das ist 
richtig: F. v. L.~], im mangel an Zusammenhang zwischen den einzel- 
nen classenlehrern u. s. w. gesucht und dann geschlossen: 'die kör- 
perlichen folgen dieses verkehrten Unterrichtssystems liegen auf der 
hand, aber auch die geistigen liegen auf der hand ' u. s. w. Also 
Diesterwegius redivivus! Dass hie und da so wie hier gesagt gefehlt 
wird, mag sein: aber wenn primaner bis 10 uhr, ja auch bis 11 ar- 
beiten, das schadet ihnen nichts: auch in andern branchen wird von 
jungen leuten dieses alters so lange und noch länger gearbeitet und 
sie befinden sich wohl. Auch wissen wir ja leider aus zeitungen, dass 
die primaner zeit haben, zeitungen, romane und drgl. zu schreiben? 
Die mängel des gymnasialwesens liegen anderswo: da von häuslichen 
arbeiten hier geredet ist, so mag kurz ein übelstand hervorgehoben 
werden , nämlich der , dass zu privatarbeiten , d. h. zu arbeiten aus 
eigner wähl die schüler nicht angehalten werden : eben deshalb fehlt 
ihnen jede eigentliche Vorbereitung für das academische studium, daher 
die faulheit namentlich in den ersten Semestern! 



Auszüge aus zeitschrifteil. 

Augsburger Allgemeine Zeitung: nr. 165: Christian Palmer : nekro- 
log: seine Verdienste als pädagog werden erwähnt. — Beil. zu nr. 
166 167, 168: Fr. Stieler, erinnerungen an Metz: sehr zu beachten. 

Nr. 167 : die expedition nach Olympia wird im august a. c. vor 

sich o-ehen. — Beil. zu nr. 181: die Zeitschrift des historischen Vereins 
für Schwaben und Neuburg: anzeige vom jahrg. II. heft 1 : darin 
von Haus beitrage zur geschichte des Augsburger Schulwesens im 
mittelalter: von Baumann eine notiz über allgäuische Ortsnamen: 
Füssen käme nicht von fauces , sondern sei dat. pluralis von fuss. — 
Zwischen Main und Fulda. III : schön geschrieben : darin ist gehan- 
delt auch von Lotichius, den gebrüdern Grimm u. s. w. — Beil. zu 
nr. 183: Bädeker und Socin in Palästina: anzeige von Bädeker Palä- 
stina und Syrien, von Toller, der das buch sehr empfiehlt. — Hans 
Makarts Kleopatra : kritik dieses gemäldes. —Beil. zu nr. 184: neue 
schriften zur geschichte des reformationszeitalters : anzeige über 
Schriften von Otto, Hehle, Schwarz, Wiskowatoff, Laas, Joachim, Schön- 
herr u. s. w. von L. Geiger; sehr zu beachten: vergl. auch beil. zu 
nr. 158. — Auss. beil. zu nr. 189: kleine aber sehr beachtenswerthe 
bemerkung über solibus aptum (s. ob. beil. zu nr. 177) in Hör. Ep. I, 
20 24, die nicht nur genaue kenntniss mit der neuern literatur, son- 
dern auch mit Horaz selbst — dinge die der leichtfertigen schreiberei 
von Düntzer ganz abgehen — zeigt: er empfiehlt Döderlein's er- 
klärung 'bequem für die sonne'. — Nr. 185 :_ juristisches seminar in 
Berlinerrichtet: es ist das sehr bedenklich: die schulmeisterei nimmt 
auf der Universität sichtlich zu : und weis't das auf das ungenügende 
des gegenwärtigen gymnasial-unterrichts nur zu deutlich hin. — Nr. 
188: S°chaamund ehrgefühl: äusserst scharfer artikel gegen die katho- 
lischen bischöfe. — Beil. zu nr. 188: zur frauenfrage, von Karl Grün: 
handelt über die Stellung und berech tigung der frau im leben. — 
L. Geiger, neue schriften zur geschichte des reformationszeitalters. 
II: bespricht Köstlins Martin Luther. — Beil. zu nr. 189: S. Schöner 



Nr. 3. Auszüge aus Zeitschriften. 175 

Pompeji. I : nach vielem bekannten wird ein Wandgemälde Laokoon's 
tod darstellend genauer besprochen, endlich mancherlei verfehltes in 
der direction angegeben. — Geiger, neue Schriften u. s. w. : III: 
bespricht Schriften über Luther von Lemme, Zimmer, Steinmetz, Küh- 
ler, Horawitz; sehr zu beachten. — Nr. 190: Gladstone über Schlie- 
mann's trojanische alterthümer: Gladstone sprach in London am 24. 
juni 1875 in der londoner archäologischen gesellschaft über Schliemann : 
er erkennt dessen grosse Verdienste an , hält Hissarlik für die wirkli- 
che statte des ältesten Troja , ebenso die gefundener] gegenstände 
für sehr alt und setzt Priamos, dessen name in ägyptischen Inschrif- 
ten der 19. königsdynastie entziffert worden, darnach in das 15.jahrh. 
a. Chr., das sei das sicherste und älteste datum für die existenz 
Troja's. — Beil. zu nr. 190: Geiger, neue schritten u. s. w. IV: 
betrifft schriften , welche die politische geschichte der zeit ins äuge 
fassen. — Die heutige Verwaltung der Vaticana in Rom : klagt bitter 
über die beschränkungen in benutzung der bibliothek. — Der von 
Mehmed Ali den Engländern geschenkte obelisk soll nach England 
geschafft werden. — In Pompeji sind holztäfelchen (pugillaria) mit 
schriftzeichen entdeckt: man hofft sie zu entziffern. — Beil. zu nr. 
191: Lauth, aus altägyptischer zeit. I. llion und Helena: spricht 
zuerst für Schliemann und geht dann darauf aus das in egyptischen 
quellen über Troja sich findende zu besprechen: theilt auch auszüge 
aus brochüren Gladstone's über Homer und egyptische Chronologie 
mit: und sucht von seinem Standpunkte aus Hom.il. Z, 229 f. und Herod. 
14 116 zu erklären. — Beil. zu nr. 192: Gottfried Friedlein: nekro- 
log. — Beil. zu nr. 196. 197: W. Christ, Troja und die Troade. I. 
II : beschreibung der reise, kommt dann nach Troja, erkennt Schlie- 
mann's Verdienste an, wünscht dringend weitere nachgrabungen und 
ist überzeugt, dass hier sicherlich der ort, wo die alte Troja gelegen. 

— Beil. zu nr. 198: W. Christ, Troja und die Troade. III: schildert 
den Rückweg von Troja, verweilt auf Calvert's farm, wo bemerkt 
wird , dass über die läge von Thymbra sicheres neue von diesem 
nicht gefunden sei, kommt dabei auf die ansichten des Euripides über 
die läge Troja's und schliesst mit einem sehr lesenswerthen rückblick 
auf den stand der trojanischen frage : die topographischen fragen 
werden dabei richtig in Verbindung gebracht mit der frage über die 
beschaffenheit und entstehung der homerischen epen selbst. — Nr. 
200: der Prager Professoren-confüct: ist beigelegt, wie es scheint. — 
Beil. zu nr. 201: Amiet, Hans Wunster, beitrag zur ältesten geschichte 
der buchdruckerkunst: speciell für Aristoteles und Vergil zu beach- 
ten; auch wegen lateinischer disticha. — Neugriechische benennungen 
alter städte : IgsLnia sage man nicht , sondern /akäfffiara für ruinen, 
"Ekktjvts bezeichne das riesenhafte geschlecht der vorzeit u. s. w. — 
Beil. zu nr. 202: palimpseste von bibeltexten in Grottaferrata bei 
Frascati gefunden. — Ausserordentl. beil. zu nr. 202 : der angäbe, 
dass auf dem meeresgrunde bei der insel Cerigo marmorsculpturen 
vom Parthenon in Athen lägen, wird widersprochen. — Nr. 204: die 
Czernowitzer Universität. — Beil. zu nr. 206: anzeige von Wiede- 
meister , der Cäsaren-wahnsinn der iulisch-claudischen imperatoren- 
familie. 8. Hannover. — Beil. zu nr. 206. und nr. 207 : Lauth, aus 
alt-ägyptischer zeit. III: bespricht Pharao, Moses und den exodus. 

— Nr. 207 : wie es Colmar in den ersten jähren unter französischer 
herrschaft erging. — Nr. 214: Fr. v. Lüher, Kretafahrten. I. Vor 
der süd- und nordküste: sehr zu beachten. — Lauth, aus altägypti- 
scher zeit. IV : der zug des Chonsu gen Buchtan zugleich mit Über- 
setzung der auf Chonsu bezüglichen officiellen Urkunde. — Beil. zu 
nr. 215: 1F. OnJcen, die Staatslehre des Aristoteles in historisch-poli- 



176 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 3. 

tischen umrissen. Zweite hälfte: lobende anzeige. — Lauth , aus 
altägyptischer zeit. IV (schluss aus nr. 214) : zugleich mit blick auf 
Xenophon's Anabasis. — Nr. 216: süditalienische zustände. I: seit 
bildung des königreichs Italien sei hier nirgends ein fortschritt wahr- 
zunehmen. — Nr. 218: bei Laibach ist ein pfahlbau entdeckt. — 
Beil. zu nr. 219: rede Mommsen's an der Berliner Universität am 3. 
august. — Beil. zu nr. 223: beim bogen des Gallianus auf dem Es- 
quilin ist unter andern eine inschrift aus Sulla's zeiten entdeckt, in 
der das latein noch formen aus der ältesten zeit aufweis't, so nive 
statt neve: die Verordnung darauf bezieht sich auf die reinhaltung 
öffentlicher orte, und erscheinen daher neue worte in ihr, so pragone 

— unrath, was also dem heutigen brago des italienischen entspricht. 

— - Nr. 228 und beil. zu nr. 229 : Fr. v. Löher , Kretafahrten. II : 
Canea und die umgegend wird geschildert. — Nr. 229 und 230: 
Hermanns-denkmal-feier. — Nr. 230: dr. Hirschfeld ist zum archäo- 
logischen leiter der ausgrabungen in Olympia ernannt und werden 
die arbeiten daselbst nach der weinernte beginnen. — Beil. zu nr. 230 : 
erklärung des Frh. von Medem gegen eine von Victor Hehn in Jen. 
L.-Ztg. d. j. nr. 24 gelieferte recension des bucb.es 'der hopfen': s. 
ob. nr. 2, p. 115. — Nr.231 : Verfügung der regierung in Münster die Über- 
wachung des religionsunterrichts betreffend. — Die ein weihung des 
Hermannsdenkmals. - Ein denkmal aus der Varusschlacht : notizen 
über den grabstein des Manias Caelius, jetzt in Bonn. — Beil. zu nr. 
231. 232: Lauth, aus altägyptischer zeit. V: handelt besonders 
von den in neuerer zeit veranlassten Zerstörungen an den alten mo- 
numenten. — Nr. 232: die Hermannsfeier am 16. august 1875. — 
Katholische Universität in Angers. — Beil. zu nr. 232: das gymna- 
sialwesen in Italien: es wird behauptet, dass die Unterrichtsanstalten 

— und zwar alle, nicht allein die gymnasien — des Staats mehr und 
mehr an zahl der schüler sinken, die geistlichen immer wachsen, dass 
also die freiheit einer organisirten macht gegenüber wie die kirche 
nicht ausreicht. (Es ist das für das protestantische Deutschland sehr 
zu beachten.) — Der lectionscatalog der Universität Marburg von 
Nissen wird kurz besprochen, enthaltend Vitae Catonis fragmenta 
Marburgensia. (In einem der nächsten hefte erscheint eine genaue 
anzeige.) — Beil. zu nr. 233: keltisches recht: bezieht sich auf das 
buch von Maine lectures of the early history qf Institution«. — Nr. 
234 : der Unterricht in Frankreich : man fängt an die folgen des neuen 
Unterrichtsgesetzes zu spüren. — Der eindruck des Hermannfestes auf 
Italien. — Beil. zu nr. 234: Lauth, Papyrus Ebers. — Nr. 235: PA. 
Wolff, die Wiedergewinnung Jerusalem's : nämlich mit geistigen waffen. 

— Fiedler, ein priesterliches festmahl im alten Rom: schluss in beil. 
zu nr. 236: geht davon aus, dass die küche in der kulturgeschichte 
eine grosse rolle spiele. — Beil. zu nr. 236: hebung des Schulwesens 
im katholischen Jura: es soll das Schulwesen eine waffe gegen Rom 
werden. —»Beil. zu nr. 238: die deutschen hochschulen, sonst jetzt 
und künftig : schliesst an eine broschrüre von Bona Meyer an. — Beil. 
zu nr. 241: Kretafahrten, von Fr. v. Löher. III. — Beil. zu nr. 
248 : zur deutschen theatergeschichte des 19. Jahrhunderts : besprechung 
des buches von Ivaroline Bauer , komödiantenfahrten. Erinnerungen 
und studien von K. B. Herausgegeben von A. Wellmer. 8. Berlin. 
1875: es ist eine art fortsetzung des im Phil. Anz. IV. nr. 8, p. 420 
besprochenen buches. — Beil. zu nr. 251 : Bjoernstjerne Bjoerson, ein 
scandinavischer dichter, dessen leben und leistungen, namentlich auch 
im Volkslied, beschrieben werden, sonst werden noch seine erzählungen 
und dramen besprochen und gelobt. — Es ist in Wien ein philolo- 
gisches Seminar eingerichtet und zwar ganz nach der art des in 



Nr. 3. Auszüge aus Zeitschriften. 177 

Göttingen bestehenden; nur in der Stellung der ausserordentlichen 
mitglieder ist eine abweichung. — Beil. zu nr. 253. 254 : Kretafahrten 
von Fr. v. Löher. IV, vom westgebirge : schildert lebendig das 
prachtvolle land und das jetzige elend in ihm. — Nr. 255 der verfall 
der Universität in Eom nach dr. C. Carlucci: es wird besonders über 
die Verschwendung in der Verwaltung geklagt: unter dem pabst 
wäre es besser gewesen. — Beil. zu nr. 255: das Nilfest: es ist das 
fest zu ehren des steigenden Nil: ähnliches geschah schon in den äl- 
testen zeiten. — Nr. 257 : dem Athenaeum wird geschrieben, dass der 
gut erhaltene alt -römische thurm zu Evora, der den schluss der 
Wasserleitung des Sertorius bildete, auf befehl des stadtraths abgetragen 
ist: um 75 a. Ch. musste er erbaut sein. Der ternpel der Diana 
ebenfalls in Evora, bis dahin als Schlachthaus benutzt, ist jetzt ge- 
säubert and unter gehörigen schütz gestellt. — Beil. zu nr. 257 : dr. 
Hirschfeld, der archäologische leiter der ausgrabungen in Olympia ist 
dorthin abgegangen und hofft man die ausgrabungen selbst bald be- 
ginnen zu können. — Beil. zu nr. 258: zur theologen-frage : bespricht 
zwei artikel aus 'dem neuen reich' über 'die zukunft der theologi- 
schen facultäten ' und über ' die Vorbildung der theologen ', welche 
die theologischen facultäten grade zu aufheben wollen und die theo- 
logische Vorbildung der geistlichen verwerfen, weil eben die theolo- 
gie keine Wissenschaft sei: der ref. bekämpft diese ansichten, weil 
die Verfasser jener artikel es mit dem christenthum halten und dies 
der menschheit erhalten wissen wollen und sucht die liberale theo- 
logie von dem Vorwurf der unwissenschaftlichkeit , der halbheit und 
Unklarheit zu rechtfertigen, bekämpft denn auch die praktischen 
vorschlage jener aufsätze: aber alle diese männer sehen unklar, da 
sie wie es scheint, die trostlose Vorbildung nicht kennen, mit der 
die theologie studirenden auf die Universitäten kommen : da ist auch 
nicht eine idee von wissenschaftlichem streben! Und das vermag der 
aeademische lehrer auch bei dem besten willen und allem zeuge dazu 
nur in sehr seltenen fällen zu erwecken, namentlich, wenn Staatsprü- 
fungen an den Universitäten hinzukommen. — Beil. zu nr. 259: die 
Engländer über französisches familienleben. I. 

Neue. Jahrbücher für philologie und paedagogik bd. CIX und CX, 
hft. 9: 93) Anz. v. A. Xauck: homerica carmina cum potiore 
lectionis varietate. Vol. II, p. I. (Berlin 1874) , von A. Ludwich in 
Königsberg , p. 577— 596. — 94) Homerisches , von F. Eyssenhardt in 
Berlin, p. 597 — 600. — 95) Das Homerische haus, von H. Rumpf in 
Frankfurt a. M., p. 601 — 609. — 96) Der Xüyog der Odyssee in Ari- 
stoteles poetik c. 17, von W. Friedrich in Mühlhausen, p. 609 — 612. 
— 97) Zu Piaton, von H. Kratz in Stuttgart, p. 612—613. — 98) 
Ueber den begriff der ethischen tragödie und des ethischen epos bei 
Aristoteles, von E. Gotschlich in Beuthen, p. 614 — 618. — 99) Zu Xe- 
nophons anabasis IV 2, von F. Vollbrecht in Otterndorf, p. 619 — 627. 
100) Zu Thukydides [I 35, 5. II 41, 4], von E. Hoffmann in Wien, 
p. 627—628. — 101) Anz. v. H. Bedient: über das erste, zweite und 
elfte buch der sibyllinischen Weissagungen. (Frankfurt a. M. 1873), 
von B. Badt in Breslau, p. 629 — 636. — 102) Zu Fronto, von II. 
Klussmann in Gera, p. 636 — 638. — 103) Zu Tacitus Agricola [c. 31], 
von C. Meiser in München, p. 638. — 104) Anz. v. 31. -Ring: bericht 
über die Curtiushandschriften des ungarischen nationalmuseums (Bu- 
dapest 1873), von E. Hedicke in Bielefeld, p. 639—647. — 105) Zur 
technik der römischen dichter im epischen und elegischen versmass, 
von W. Gebhardi in Posen, p. 647-648. — 106) Zum dialogus des 
Tacitus [c. 31], von H. Röhl in Berlin, p. 648. — — Zweite ab- 
theil ung: Künstler, zum Jubiläum des prov.-schulraths dr. Dillen- 



178 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 3. 

burger in Breslau, p. 436. — Dr. Ad. Rothmahr, nekrolog von dr. 
Schirlitz, p. 438. 

Hft. 10 u. 11: 107) Kleine beitrage zur griechischen litteraturge- 
schichte, von F. Susemihl in Greifswald, p. 646—676. — (85.) Homerische 
abhandlungen II, von F. D. Oh. Hennings in Husum, p. 677 — 690. — 
108) Coniectanea. XI— XIV, von F. Bücheier in Bonn, p. 691—696. 

— 109) Kritische bemerkungen zu des Demosthenes rede von der ge- 
sandtschaft, von H. Weil in Besancon, p. 697-705. — 110) Zu De- 
mosthenes rede gegen Leptines [§ 15. 16], von E. Hoffmann in Wien, 
p. 705—706. — 111) Zur ersten olynthischen rede des Demosthenes 
[§ 20], von C. Meiser in München, p. 706. — (62.) Berichtigung, von 
R. Förster in Breslau, p. 706. — 112) Eine griechisch-deutsche 
zeitung, von J. Jolly in Würzburg, p. 707—711. — (53.) Zu den 
scholien der Hesiodischen theogonie, von //. Flach in Tübingen, p. 
711 — 714. — 113) Die staatsrechtlichen beziehungen Borns zu Capua, 
von M. Zöller in Mühlhausen im Elsass, p. 715—740. — 114) Zu 
Cicero, von F. W. Schmidt in Neustrelitz, p. 740—744. — 115) Zu 
Q. Curtius Rufus, von J. Jeep in Wolfenbüttel, p 745 — 754. — 116) 
Anz. v. Ch. Thurot: Cice'ron epistolae ad familiäres (Paris 1874), von 
H. Weil in Besancon, p. 754 — 755. — 117) Zu den fragmenten Ciceros, 
von F. Hoppe in Gumbinnen, p. 755 — 756. — (81.) Zu Horatius Epi- 
steln [I 20, 24], von O. Richter in Guben, p. 756. — 118) Die neueren 
forschungen im gebiete des bibellatein, von J. N. Ott in Rottweil, p. 
757 — 792. Zweite abtheilung: dr. Schutt, Boccaccio's latei- 
nische Schriften historischen stofl'es besonders in bezug auf die alte 
geschichte, p. 467. — Vollbrecht, Elementargrammatik und lateinische 
spräche von Vanicek, p. 498. — Programme aus Westphalen v. j. 
1873, von Hölscher, p. 523. — Philologische progranime aus Schlesien, 
Sachsen, Brandenburg v. j. 1873, von Benicken, p. 529: p. 588. — 
Fröhle, zu der anzeige von Herbst's J. H. Voss, p. 542. 

Hft. 12: 119) Anz. von W. Corssen: über die spräche der Etrus- 
ker. 1. band (Leipzig 1874), von Moriz Schmidt in Jena, p. 793 — 813. 

— (81.) Zu Horatius Episteln [I 10, 24], von A. Fleckeisen in Dresden, 
p. 814. — (89.) Berichtigung von E. Schiveikert in Andernach, p. 
814. — 120) Die alexandrinischen fragmente in den scholien zur 
Hesiodischen theogonie, von H. Flach in Tübingen , p. 815 — 829. — 
121) Anz. von R. Arnoldt: die chorpartien bei Aristophanes, scenisch 
erläutert (Leipzig 1873) von F. Hoppe in Gumbinnen, p. 829 — 831. 

— 122) In Sextum Empiricum, von R. Vulkmann in Jauer, p. 831 — 
832. — (H8.) Die neueren forschungen im gebiete des bibellatein 
(schluss) von J. N. Ott in Rottweil , p. 833—867. — 123) _ Zu den 
vitae Juvenalis, von F. Rühl in Dorpat, p. 868—869. — Berichtigun- 
gen im Jahrgang 1874, p. 869. — Register der im Jahrgang 1874 be- 
urtheilten schritten und abhandlungen , p. 870. — Sachregister, p. 
871. — — Zweite abtheilung: programme aus der provinz 
Schleswig-Holstein, von C. M., p. 596. 

Bd. CXI und CXII , hft. 1: 1) Anz. v. W. Hartel: Homerische 
Studien. I. Zweite aufläge (Berlin 1873). II. (Wien 1874.) Von 
Gustav Meyer in Prag. [S. Phil. Anz. VII, 2, p. 73], p. 1—6. — 2) 
Zur Odyssee [« 292], von F. W. Forchhammer in Kiel, p. 6 — 7. — 3) 
Ve und iL von O. Keller in Freiburg, p. 7 — 8. — 4) Die attische 
naukrarienverfassung, von G, Gilbert in Gotha, p. 9 — 20. — 5) Zu 
Piatons Laches [200e], von R. Bobrik in Beigard, p. 20. — 6) Anz. 
von G. Körte: über personificationen psychologischer affecte in der 
spätem Vasenmalerei. (Berlin 1874) von L. Julius in Dessau (jetzt 
in Rom), p. 21 — 27. — 7) Zu Euripides Elektra, von R. Rauchenstein 
in Aarau, p, 28—32. — 8) Zur geschichte des harpalischen procsses, 



Nr. 3. Auszüge aus Zeitschriften. 179 

von F. v. Duhn in Lübeck, p. 33 — 59. — 9) Zur handschriftenkunde 
des Aeschines, von E. Rosenberg in Ratibor, p. 59 — 60. — 10) Zu 
Horatius dritter satire des zweiten buchs, von E. Kammer in Königs- 
berg, p. 61—80. — 11) Zu Livius, von H. Bohl in Berlin, p. 80. 

Hft. 2 : 12) Der begriff der tragischen katharsis, von IL Baumgart in 
Königsberg, p. 81 — 118. — 13)Horatiana, von W. Herbst in Pforta, p. 119 

— 122. — 14) Zu Horatius Satiren [I 4, 52], von W. Teuffei in Tübingen, 
p. 122. — 15) Zu Ovidius Aniores, von TV. Gebhardi in Posen und 
TV. Gilbert in Dresden, p. 122-124. — 16) Coniectanea. XV-XIX, 
von F. Bücheier in Bonn, p. 125 — 136. — 17) Zur überlieferungsge- 
schichte und kritik der opuscula Vergiliana, von E. Bährens in Jena, 
p. 137 — 151. — 18) Zu Quintilianus, von J. Claussen in Altona, p. 
151 — 152. — Zweite abtheilung: Kirchner, grundriss der grie- 
chischen mythologie und sagengeschichte der Griechen und Römer, 
angezeigt von Vollbrecht, p. 98. 

Hft. 3: 19) Eie epheten und der Areopag, von G. F. Schümann 
iu Greifswald, p. 153 — 165. — 20) Zu Thukydides, von B. Lupus in 
Waren, p. 165 — 170. — 21) Ad Piatonis de re publica libros , von 
IL. Heller in Berlin, p. 170 — 174. — 22) Einige bemerkungen über 
die athenischen epheten, von A. Philippi in Giessen, p. 175 — 184. — 
23) Zur makedonischen sprachfrage von Gustav Meyer in Prag, p. 
185—192. — 24) Zu Piatons Theätetos [148 ab], V on Hermann Schmidt 
in Wittenberg, p. 192-193. — 25) Zu Strabon, von O. Meltzer in 
Dresden, p. 193. — 26) Die Überarbeitung des Plautinischen Epidicus, 
von L. Reinhardt in Hadersleben, p. 194 — 200. — 27) Zur kritik 
einiger quelienschriftsteller der spätem römischen kaiserzeit. I— III, 
von F. Görres in Düsseldorf, p. 201 — 221. — 28) Der codex Ambro- 
sianus von Cicero de officiis, von F. Eyssenhardt in Berlin, p. 221 — 224. 

— 29) Zu Aristophanes vögeln v. 553, von W. Gebhardi in Posen, p. 

224. Zweite abtheilung: Haubach, über Soph. Antigone, p. 

135. — Doberenz, programme des herzogthum S. Meiningen, p. 160. 

Hft 4. und 5 : 30) die läge des Homerischen Troja, von A. Steilz 
in Frankfurt a. M., p. 225-263. — 31) Zu Homers Ilias I 414, von 
G. Lange in Berlin, p. 264 — 265. — (2.) Noch einmal Odyssee a 292 
und ß 223, von E. Kammer in Königsberg, p. 265—268. — 32) Ho- 
merische abhandlungen. III. IV, von P. D. Ch. Hennings in Husum, 
p. 269-292. — 33) Zu Sophokles Aias [v. 853], von TV. H. Röscher 
in Meissen, p. 292. — 34) Zur litteratur der vergleichenden mytho- 
logie, von H. TV. Schweizer- Sidler in Zürich, p. 293—299: A. Kuhn: 
über entwickelungsstufen der niythenbildung (Berlin 1873), p. 293 — 295. 

— H. TV. Röscher: studien zur vergleichenden mythologie der Griechen 
und Römer I (Leipzig 1873), p. 295—298. — H. Schwartz: der (rothe) 
sonnenphallos der uvzeit aus der Zeitschrift für ethnologie (Berlin 1874), 
p. 298. — 35) De Theocriti Adoniazusarum versu 77 , von F. Laten- 
dorf in Schwerin, p. 299 — 301. — 36) Zu zwei milesischen Inschriften, 
von E. Pleo in Danzig, p. 302. — 37) Zu Sophokles Oedipus auf Ko- 
lonos, von B. Lupus in Waren, p. 303—304. — (16.) Coniectanea. 
XX— XXIV, von F. Bücheier in Bonn, p. 305-340. — 38) Zu Ovidius 
Metamorphosen [XI 754 755], von F. Polle in Dresden, p. 340. — 39) 
Zu Petronius [c. 2], von H. Blümner in Breslau, p. 341 — 344. — 40) 
Zu Tacitus Germania [c. 9], von K. H. Heck in Husum, p. 344 — 346. 
41) Ueber Tacitus Agricola, von A. Eussner in Münnerstadt, p. 346 - 350. 

— 42) Anz. v. A. Ebert: geschichte der christlich-lateinischen litteratur 
bis zum Zeitalter Karls d. gr. (Leipzig 1874), von TV. Teuffei in Tü- 
bingen, p. 351— 354. - (15.) Zu Ovidius Amores [III 1, 47, 48], p. 354. 
43) Anz. v. TV. Herbst: JohannHeinrichVossI.il, (Leipzig 1872. 1874), 
von G. Gerland in Halle (jetzt in Strassburg im Elsass, p. 355 — 367. 



180 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 3. 

44) Ueber den monatsnamen junius, von W. H. Röscher in Meissen, 

p. 367—368- Zweite abtheilung: Melizer Johann Bohemus, 

p. 190. — Seyffert, rec. von Ellendts lateinischer grainmatik, p. 226. 

— Terathonen, philologen versammlang in Innsbruck , p. 238. — Pro- 
gramme aus Schlesien, Sachsen und Brandenburg von Beniken, p. 250. 

Rheinisches Museum für philoligie. Nene folge. Bd. 30 , hft. 2: 
Ueber einige historische dramen der Griechen. Von 0. Ribbeck, p. 145. 

— Die aufführungszeit des Plautinischen Persa. Von G. Goetz, p. 162. — 
Eine quelle des Stobaeus. Von H. Diels, p. 172. — Italienische my- 
then. Von H. Usener, p. 182. — Das Zeitalter des Gyges. Von H. 
Geizer, p. 230. — Zu den Metamorphosen des Apuleius. Von E. 
Rohde, p. 269. — Miscellen: historisches: Kodros bei Aristoteles. 
Von C. Frick, p. 278. — Die Polybianische beschreibung der zweiten 
schlacht bei Bäcula. Von H. Droysen, p. 281. — Antiquarisches: 
KXrjgovv und nXrjoovp icc dixußr^QKt. Von R. Förster, p. 284. — Zu 
dem spiel ößroctxivdcc oder ociqüxov nsQioroorfij. Von demselben, p. 
287. — Epigraphisches: Inschrift aus Cirta. Von J. Klein, p. 288. — 
Grammatisches: Esus und Esuf. Von L. Lange, p. 296. — Zu den 
Tironischen noten. 22. Von W. Schmitz, p. 302. — Einige lateini- 
sche wortformen in der Anthologie. Von O. Keller, p. 302. — Mu- 
nichia ein phönikischer name. Von demselben, p. 304. — Hand- 
schriftliches: zur lateinischen Anthologie. Von F. Baehrens, p. 306. 

— Zum Anonymus Valesianus. Von K. Zangemeister , p. 309. — 
Litter arhistorisches : Sophron und Piaton. Von R. Förster, p. 316. — 
Kritisch-Exegetisches: zu Euripides. Von O. Ribbeck, p. 316. — Zu 
Plautus. Von W. Teuffei, p. 317. — Zu Horatius. Von demselben, 
p. 319. — Zur Achilleis des Statius. Von F. Kohlmann, p. 319. — 
Zu Dracontius. Von TP". Teuffei, p. 320. — Nachträge, p. 320. — 
Böckh's Encyklopädie der philologischen Wissenschaft, p. 320. 

Hft. 3: Zu Livius. Von J. Krauss, p. 321. — 'EXiccrixog Ilakce- 
fjrjfyg. Von R. Förster, p. 331. — Zu Seneca's dialogen. Von H. 
A. Koch, p. 340. — Die Promulgatio trinum nundinum, die Lex Cae- 
cilia Didia und nochmals die Lex Pupia. Von L. Lange, p. 350. — 
Comicorum graecorum emendationes. Scripsit Theodorus Kock, p. 
398. — Nochmals der römische senatsbeschluss bei Josephus Antiqu. 
XIV, 8, 5. Von L. Mendelssohn und F. Ritschi, p. 419. — ES VF und 
Oskisch mehr. Von F. Rücheier, p. 436. — Miscellen : historisches: 
Schifffahrtsabgaben der Aegypter unter den Ptolemäern. Von C. 
Wachsmuth, p. 448. — Grammatisches: die hebräischen Wörter in 
den lateinischen Glossar. Parisin. 7651 und Monac. 6210. Von 
H. Rönsch, p. 449. — Zu den Tironischen noten. 23. Von W. 
Schmitz, p. 455. — Noch ein wort über den vnoxgn^s des griechischen 
theaters. Von J. Sommerbrodt, p. 456. — Handschriftliches : über 
die von Poggio zu den zeiten des Kostnitzer concils gefundenen hand- 
schriften des Quintilian und von Statius Silven. Von H. Blass, p. 
458. — Zur handschriftenkunde der lateinischen Panegyrici. Von E. 
Baehrens, p. 463. — Eine verschollene handschrift der briefe des 
Symmachus. Von R. Förster, p. 466. — Litter arhistorisches : zu Athe- 
naeus. Von demselben, p. 468. — Zu Hygin's liber de munitionibus 
castrorum. Von H. Droysen, p. 469. — Ein verlagscontract aus dem 
16. jahrh. Von W. Crecelius, p. 470. — Kritisch-Exegetisches : zu 
Aristophanes. Von H. Diels, p. 471. — Zu Plautus' Trinummus. 
Von W. Teuffei, p. 472. - Zur Achilleis des Statius. Von P. Kohl- 
mann, p. 475. — Zu Luxorius der Anthologie. Von E. Baehrens, p. 
477. — Zu Cicero. Von G. Kiessling, p. 477. — Zu Cicero's briefen 
ad familiäres. Von W. Teuffei, p. 477. — Zu Apuleius. Von H. 
Rönsch, p. 478. — Chroma facere bei Porphyrion. Von H, A. Koch, 
p. 479. — Nachträge und berichtigungen, p. 480. 



Nr. 4. 5. April. Mai 1875. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



von 



Ernst von Leutseh. 



128. Trojanische Alterthümer. Bericht über die aus- 
grabungen in Troja. Von Dr. H. Schliemann. 8° (LVII 
und 319 s.) Atlas trojanischer alterthümer. Photographische 
abbildungen zu dem berichte über die ausgrabungen in Troja 
von Dr. H. Schliemann. Quer fol. 208 photographirte tafeln 
mit erklärendem texte. Fol. 57 s. In mappe. Leipzig in 
commission bei F. A. Brockhaus 1874. — 54 mk. 

Schliemann's ausgrabungen haben in weiten kreisen auch 
ausserhalb der fachgenossen gerechtes aufsehen erregt ; sein buch 
hat, man darf auch sagen mit recht, unter den gelehrten sehr 
verschiedenartige, zum theil sehr harte beurtheilung gefunden. 
Beides scheint der ruhigen erwägung eintrag zu thun und somit 
der sache selbst zu schaden. Es ist jedenfalls zu bedauern, 
dass ausgrabungen von solchem umfang und solcher Wichtigkeit 
vorgenommen wurden ohne die nöthige wissenschaftliche methode. 
Was man in jedem antiquarium in grosser menge findet und 
als spindelsteine bezeichnet, nannte Schliemann vulcane und 
caroussels ; erst aus den abbildungen erkannte man was er mit 
dem sonderbaren ausdruck meinte. Warum hatte er nicht 
Sammlungen, die jedermann zugänglich sind, studirt, ehe er 
daran ging, eine ähnliche aufzustellen? Eine menge Wieder- 
holungen, undeutlichkeiten, gewagter behauptungen , subjectiver 
meinungen wäre damit vermieden worden. Er spricht oft von 
dingen, die schon hinlänglich bekannt sind, als von etwas ganz 
neuem und geht auch sofort einen schritt weiter, denn er er- 
klärt oder will erklären, ehe noch der thatbestand klar gestellt 
ist. Dabei ist er kühn und neuen vermuthungen leicht zugäng- 
Philol. Anz. VII. 12 



182 128. Homeros. ffr. 4. 

lieh. Mitten in seinen ausgrabungen studirt er vergleichende 
mythologie und wirft nun einen theil seiner früheren erklärun- 
gen bei seite. In dem buche aber, das die form eines tagebuchs 
trägt, stehen beide erklärungsweisen neben oder vielmehr nach 
einander. Offenbar ist das nicht die richtige form für ein buch 
und manch hartes urtheil, welches Schliemann hat hören müssen, 
mag veranlasst sein durch die Unzufriedenheit des lesers über 
solche mischung von xmgenügenden und widersprechenden er- 
klärungsversuchen. An den gefässen glaubt er oft nachbildung 
eines menschlichen gesichts zu erkennen und erklärt nun ohne 
weiteres solche gefässe für idole der ybavxwmg, für eulengesich- 
ter, mit denen sie in der that wenig ähnlichkeit haben. Ehe 
eine solche weitgehende behauptung aufgestellt werden durfte, 
musste doch eine vergleichung solcher bildungen mit andern 
fundstücken stattfinden. Gewiss ist dass auch wir in unsern 
nordischen gräbern gefässe finden , wo die henkel auf die ge- 
fässfläche hin in Knien auslaufen, die an ein menschliches ge- 
sicht erinnern. Wenn Schliemann solche vergleiche nicht an- 
stellt, sondern unbestimmte ähnlichkeiten für ausgemachte Wahr- 
heiten nimmt und zu weit gehenden Schlüssen benutzt, so darf 
er sich nicht wundern über Widerspruch, wie er ihn erfahren 
hat. So ist das buch zu benutzen nicht insofern es die alter- 
thümer erklärt, sondern nur gleichsam als tagebuch insofern es 
den thatbestand festzustellen dient. Dabei kommen natürlich 
die abbildungen stark in betracht. Leider sind dieselben sehr 
wenig zu solchem zwecke geeignet. In unzähligen Wiederholun- 
gen kehrt oft mit keinen oder nicht nennenswerthen abwand- 
lungen ein gegenständ, z. b. der oben erwähnte spindelstein, 
wieder. Dass die abbildungen selbst in ungewöhnlichem grade 
schwarz und undeutlich sind, ist aus den kulturzuständen der 
orte wo sie entstanden, zwar erklärlich, aber doch sehr bedau- 
erlich. Die ausgrabungen selbst sind nicht so gemacht worden, 
dass sie ein sicheres wissenschaftliches ergebniss liefern. Schlie- 
mann glaubt fünf lagen oder schichten von bevölkerungen über 
einander zu erkennen. Dies festzustellen war von der höchsten 
Wichtigkeit und nur möglich, wenn erst die oberste Schicht ganz 
abgetragen wurde, dann die zweite und so fort. In jeder 
Schicht musste der fundbestand festgestellt, und daraus die bevöl- 
kerung nach zeit und bildungsgrad charakterisirt werden. 



Nr. 4. 128. Homeros. 183 

Schliemann ist ungeduldiger gewesen und hat diesen mühevollen 
gang verschmäht. Er gräbt tiefe einschnitte und wenn er uns 
von steinen erzählt die ihm beinah auf den köpf gefallen wären, 
wer gibt uns gewähr dass er nicht auf diese weise verschiedene 
schichten durch einander mengt ? Mir will es bedünken als habe 
es nur drei schichten gegeben, aber es ist schwer ohne augenschein 
eine solche behauptung aufzustellen , namentlich da der thatbe- 
stand in dem buche nie recht klar gestellt wird, sondern vfr. 
immer zu seinen erklärungen eilt. 

Dennoch glaube ich dass Schliemann's grabungen von be- 
deutendem erfolge auch für die Wissenschaft und speciel für 
Homer sein werden. Er hat eine so erstaunliche menge von 
fundstücken an den tag gebracht und so überaus werthvolle 
Sachen, goldsachen in fast unglaublicher menge, gefässe von zum 
theil ausserordentlicher Schönheit, jedenfalls von grosser mannich- 
faltigkeit der formen, dass eine ruhige forschung beträchtlichen 
nutzen daraus ziehen wird. Merkwürdiger fast noch ist der ort, 
wo er das alles gefunden hat. Man kann jetzt noch nicht mit 
bestimmtheit sagen , dass er die statte entdeckt hat wo Troja 
gestanden hat. Aber höchst wahrscheinlich ist es doch, dass 
ihm dies gelungen ist. Auf Bunarbaschi scheinen die ausgra- 
bungen zu nichts zu führen und da ist es doch von sehr grossem 
gewicht, dass auf der stelle von Neu-Ilion tief unter dem schütte 
späterer geschlechter sich ein volk gefunden hat, das im bronze- 
zeitalter, reich an gold und schmuck, im besitze einer nicht un- 
bedeutenden kultur sich eine stadt gebaut hatte aus starker 
mauer von stein und häuser von grossem umfang, und dass diese 
Stadt in feuer unterging. Selbst die Strasse mit grossen Stein- 
platten hat sich gefunden, die am palaste vorbei nach dem 
westthore führte und dieses selbst so vollständig erhalten, dass 
noch der kupferne riegel vorhanden war, der vorgeschoben die 
flügel schloss. Schliemann erklärt das ohne weiteres für das 
skaeische thor, und wenn auch mancher über seinen schnellen 
schluss lächeln mag , welche andre Stadt , wenn es nicht Troja 
war, ist auf Hissarlik zu vermuthen? 

Gisehe. 

129. '^yafiifivovog ugtCieCu. Das zehnte lied vom zorne des 
Achilleus nach Karl Lachmann aus ABO der homerischen Ilias 

12* 



184 129. Homerös, Nr. 4. 

herausgegeben von H. K. Benicken. Beigegeben sind home- 
rische kleinigkeiten. Gütersloh 1875. 8°. 64 s. 

Das lied ist nach Lachmann's annahmen im zusammenhange 
abgedruckt und aus der reichen literatur, die sich um diese frage 
der höheren kritik gesammelt, sind auszüge und Verweisungen 
in grosser menge angeschlossen, leider theils unter theils hinter 
dem texte, so dass man immer an zwei stellen suchen muss. 
Wen Lachmann's gründe nicht überzeugt haben, den werden 
wahrscheinlich auch diese Wiederholungen und erweiterungen, 
verbunden mit häufiger bekämpfung entgegengesetzter ansichten, 
nicht überzeugen. Zuletzt steht doch in diesen dingen sehr 
häufig meinung gegen meinung, und was dem einen gründe heisst, 
ist dem andern vermuthung oder willkürliche annähme. Unter 
diese betrachtungen sind eingemischt Verweisungen und kurze 
bezugnahmen auf fragen der niedern kritik, grammatik, metrik 
und geschichte, sie sind ziemlich häufig aber vereinzelt, und 
doch wird, so weit auch der Verfasser eine solche ansieht zu- 
rückweisen mag, nur eine grundsätzliche und erschöpfende er- 
ledigung dieser fragen unserm urtheile über Homer eine festere 
grundlage geben. Eine merkwürdige vermuthung des Verfassers 
auf diesem gebiete ist, dass das A 56 flgde. fehlende verbum 
in dem äjjbv^ova von v. 57 liege, nur sei es ihm noch nicht 
gelungen eine angemessene form zu finden. Das wird ihm auch 
nicht gelingen, denn wenn es auch eine form dieser messung 
gäbe, würde sie an dieser stelle nicht stehen dürfen. Da könnte 
man noch eher schreiben av xoafirj&iv für av&' hsQw&iv. Die 
durch den druck erleichterte zusammenhängende leetüre des 
liedes lässt die übelstände, an denen es nach meiner ansieht leidet, 
schärfer hervortreten. In zweihundert versen wird Hektor zwei- 
mal durch einen wurf betäubt; das ist eine *) Wiederholung die 
weder in der sage noch in einem kurzen liede stattfinden konnte. 
So schlecht konnte auch Zeus sein eben gegebenes versprechen 



1) Diesem schon von Hiecke erhobenen einwurf begegnet Be- 
nicken in der gleich folgenden schrift p. 31 mit dem bemerken, die 
sage sei eine griechenfreundliche und habe deshalb den Griechen vor 
ihrem leid noch eine kurze freude gewährt, und warum solle nicht 
dasselbe noch einmal, sogar in höherem maasse, bei Aias was bei 
Diomed geschehen, eintreten können. Nach Benicken wird das eine 
durch das andre gestützt. Aber die sage wiederholt sich so in ihren 
motiven nicht. 



Nr. 4. 129. Homeros. 186 

nicht lösen. Mit der sparsamen und überlegten art, die Lach- 
mann an dem liede hervorhebt (p. 39), stimmen übel die höh- 
nischen reden, welche & 454, 470, 479, 501 den tod der kämpfer 
begleiten. Diese Spöttereien finden sich sonst z. b. iV374, 414, 
446, aber innerhalb des liedes nur in dem aus JE? entnommenen 
mittelstücke-, dem von Lachmann angenommenen Charakter des 
ganzen widersprechen sie. Lachmann selbst (p. 44) verzichtete 
auf die erfüllung der worte des Zeus, er werde einen neuen 
rath zur erholung der Achäer aussinnen. Mir scheint es, dass 
er in diesem puncte etwas zu viel von der strenge seiner son- 
stigen weise nachgelassen hat. 2 ) In einem einzelliede musste er 
wohl die einmal angenommene Situation festhalten und den gott 
beim worte halten. Aber das ende des liedes ist überhaupt 
nicht glücklich angelegt. Lachmann fasste , wahrscheinlich in 
folge eines augenblicklichen Versehens, 318 o(pqu (%£ und 320 
inet Ghgs als eine Wiederholung, Apollo habe die aegis bald 
still gehalten bald geschüttelt. Benicken vertheidigt durch ver- 
gleiche aus dem hebräischen und deutschen, welche für home- 
rische modi nichts entscheiden, und durch Hesiod. Sc. 255 'unter 
berücksichtigung des ganzen Zusammenhangs' die Übersetzung 
'so oft er schüttelte.' Der Zusammenhang mag bei Hesiod, wo 
ein solcher opt. iterativus vorhergeht, die auffallende Übersetzung 
nothwendig machen, bei Homer hätte vfr. aus dem ganzen Zu- 
sammenhang diese nöthigung erst nachweisen müssen. Sie ist 
grammatisch nicht vorhanden. Aus dem Lachmann'schen liede 
kann sie nur durch petitio principii gewonnen werden. Gramma- 
tisch heissen die worte: so lange er still hielt, und diesen zu- 
stand schildert der dichter nicht weiter. Dann folgt: nachdem 
er aber geschüttelt hatte , wurden die Achäer besiegt und es 
folgen ganz richtig nur siege der Troer , mit diesen aber auch 
die mauer (0361 rcryog, Koechly schreibt tgxog), welche in Lach- 
mann s lied nicht passt. Deswegen musste bei Lachmann das fol- 
gende stück fallen und insl ßeTßs anders erklärt werden. Aber 
auch wenn man mit Lachmann erklärt, finde ich sein lied un- 



2) Diesem schon von Hiecke erhobenen einwurf sucht Benicken 
in der gleich folgenden schrift p. 23 durch die annähme zu begegnen, 
das zehnte lied sei unvollständig auf uns gekommen. Wenn Lach- 
mann das gemeint hat, so hätte er es geradezu aussprechen sollen. 
Solche dinge liest man nicht zwischen den zeilen. 



186 130. Homeros. Nr. 4. 

befriedigend. Denn wenn der gott bald still hält, bald schüttelt, 
erwartet man schwankendes kriegsglück (d^cpoiigtov ßill i\mtxo) 
wiederholt abwechselnd mit entschiedenem siege der Troer. Aber 
Lachmann führt uns nur einen einzigen zustand des Schwankens 
vor, in welchem zwei Griechen und vier Troer fallen, also die 
Griechen im vortheil sind. Der letzte todte ist Melanippos, ein 
Troer, dessen rüstung zu nehmen allerdings Antilochos von 
Hektor gehindert wird. Aber dazu brauchte doch Apollo seine 
aegis nicht zu schütteln. Also hätte er sie gar nicht geschüttelt 
und würden die worte inti asTas gegenstandslos sein. 

Gisehe. 

130. Karl Lachmann's Vorschlag im zehnten liede 
vom zorne des Achilleus & 402 — 507 an A 557 zu schliessen, 
unter benutzung der gesammten über diese frage vorhandenen 
Literatur als richtig erwiesen von H. K. Benicke n. Gütersloh, 
1875. 8°. 72 s. 

Ein zweites buch, darf man fragen, über denselben gegen- 
ständ? Konnten nicht beide Schriften in eine verarbeitet wer- 
den oder musste ein zweiter beweis geliefert werden, weil der 
erste nicht ausreichte? Und, nach dem titel zu urtheilen, über 
den theil ein umfangreicheres buch als über das ganze ? Die 
innsbrucker Philologenversammlung ist eine unschuldige veran- 
lassung dieser Unklarheiten. Ihr hatte vrf. einen Vortrag über 
die obige frage zugedacht, einen Vortrag über eine detailfrage 
mit einer unzähligen menge kleiner erwägungen, die man nur 
in dem Studierzimmer, nicht in dem raschen treiben solcher Ver- 
sammlungen, wo obendrein der text fehlt, anstellen kann. Der 
Vortrag ist nur zum, wie es scheint, kleinen theile gehalten 
worden und hat, wie man ohne prophetengabe voraus hätte sa- 
gen können, nicht dazu geführt, dass die Versammlung dem vfr., 
wie er es wünschte, ein urtheil über den werth seiner arbeiten 
abgab. Wenn er über denselben damals noch in zweifei war, 
so scheint die vorliegende gedoppelte auslassung über eine frage 
zu zeigen, dass der zweifei gegenwärtig gehoben ist. Die schrift 
ruht auf einer ausgedehnten kenntniss der betreffenden literatur 
aus welcher sie sorgfältig reiche auszüge mittheilt. Im anschluss 
an diese bekämpft sie die ansichten der gegner Lachmanns, 
dessen Übergang von A 557 auf ;Ef402 sie zu begründen sucht. 



Nr. 4. 130. Homeros. 187 

Das hätte geschehen können durch den nach weis dass A 558 
flgde. nicht zu dem vorhergehenden gehören, dass ebenso 3* 402 
flgde. nicht zu dem vorhergehenden gehören und endlich dass 
sie nacli A ob7 stehen müssen. Diesen oder einen ähnlichen syste- 
matischen gang schlägt die schrift nicht ein, sondern sie sucht z. b. 
gegen Hiecke (p. 28) zu beweisen, dass er kein recht habe bis 
A 595 zu gehen, dann p. 38 fde. dasselbe gegen Friedländer, 
dann p. 42 dasselbe gegen Eibbeck, dann p. 49 dasselbe gegen 
Holm. Dasselbe war schon p. 17 fde. behauptet und bewiesen, 
und so findet sich alles was Lachmarm gesagt gegen jeden 
einzelnen gegner besonders bewiesen, und wird alles bis zum 
überdruss wiederholt; die Verbindung von A 557 mit 3 402 
wird p. 14 vorangestellt als von Lachmann aufgefunden, p. 20 
gegen Düntzer, p. 22 gegen Cauer, p. 23 gegen Cauer und 
Hiecke, p. 35 gegen Köchly, p. 38 gegen Friedländer, p. 48 gegen 
L. Gerlach, p. 49 gegen Holm vertheidigt. Vfr. ist so eifrig 
in seinen bemühungen, dass er selbst p. 52 glaubt • alle kritiker 
gehört zu haben', und doch gleich wieder gegen den schon 
widerlegten Ribbeck eine lanze einlegt, ebenso wie er p. 33 
Düntzer, Cauer, Friedländer und Hiecke widerlegt zu haben 
glaubt und doch gleich wieder fortfährt gegen Hiecke zu streiten. 
So schüttet man adversarien aus, aber einen klar durchdachten 
und beherschten stoff entwickelt man anders. Schwerfälligkeiten 
des Stiles, der sich durch einschachtelung von Zwischensätzen 
und langathmige perioden auszeichnet, sowie gelegentliche sub- 
jectivitäten und Seitensprünge auf erziehung zur frömmigkeit 
(p. 25), eisenbahnfahrten mit gelehrten (p. 34), verkehrte be- 
handlung der theologie und Codices des N. T. (p. 37), bedauern 
von gymnasien, deren lehrer schlechte programme über Homer 
schreiben (p. 35) u. a. erschweren ohne dies die Übersicht über 
den stoff. Unter den vielen Wiederholungen ist nicht die sel- 
tenste die erklärung von JSf 403 iml xijoamo noog Id-ü ol, die 
sich noch bis in den nachtrag hineinzieht. Die worte heissen 
nach dem vfr. : nachdem sich Aias dem Hektor wieder gerade 
zugewandt (p. 21). Das 'wieder' steht nicht im Homer, ist 
aber für vfr. wichtig, da die worte für ihn eine vorangehende 
flucht und nach der flucht ein umwenden des Aias bedeuten 
und so die Verbindung von A 557 mit 3 402 rechtfertigen. 
Da die flucht für ihn sehr wichtig ist, vermuthet er (p. 31, 43, 



188 130. Homeros. Nr. 4. 

50) eine lücke; die Verbindung habe vielleicht ursprünglich ge- 
lautet : 

nsgl yag dCs vrjvßlv *A%aiu>v } 
rag Mxi%$v (ptvyiov (isyuXoto Jiog 6ioc ßovläg' 
Crfi da fjb(ta6TQ£(pd'slg i inst Ixsto i'&vog haiQtov. 
Der erste der beiden vollständigen verse ist, wie schon 
die falsche caesur zeigt, nicht von Homer, sondern vom vfr. 
Warum nicht wenigstens fisyuXov Zrjvog? Aber inet tsiganio 
fiQog l&v ol heisst: da er brüst gegen brüst nach ihm zuge- 
wandt, nicht seitwärts von ihm stand, traf ihn Hektor nicht an 
den schild, sondern da wo vorn auf der brüst die beiden riemen 
liefen, gerade von vorn. Sie deuten nicht nothwendig auf vor- 
hergegangene flucht und finden ihre natürliche erklärung wenn 
man £ 1 — 401 herausnimmt. Dann schliessen sie sich unmit- 
telbar an das ende von JV, wo nach heftigen wechselreden zwi- 
schen Aias und Hektor die Troer auf die stillstehenden Achäer 
losgegangen sind und nun Hektor seinem worte die that folgen 
lässt. Es ist bekannt, wie Koch schon auf die vielen ausdrücke 
hingewiesen hat , die N mit & 402 flgde. gemein hat. Auch 
die spottreden, von denen in der vorigen anzeige gesprochen 
wurde, kommen so in ein lied zusammen und geben dem gan- 
zen einen einheitlichen charakter. 

In einem nachtrage kommt vfr. auf eine äusserung, die ich 
in dem Bursianschen Jahresberichte gethan habe , einige seiner 
früheren arbeiten schienen reproductionen von collegienheften zu 
sein. Er beklagt sich als literarischer spitzbube hingestellt zu 
sein. Dieser ausdruck ist nicht von mir. Die reproduction an- 
langend giebt er (p. 13) selbst zu, dass ein nicht unbedeutender 
unterschied zwischen seinen früheren und seinen neuesten arbei- 
ten sei, und (p. 67) dass sich in jenen anklänge an Haupt' s 
Vorlesungen fänden. Es würde sich also nur darum handeln, 
wie stark diese anklänge sind. Sie erstrecken sich nicht allein 
auf sprachliche bemerkungen wie er angibt, sondern auch z. b. 
auf nichtbeachtung der einwände Hoffmanns und sogar auf die 
faden collegienwitze und die nicht classischen titulaturen, durch die 
Haupt freunde und gegner zu unterscheiden beliebte. Er sagt 
weiter Haupt habe nicht genannt werden wollen und ein schar- 
fes äuge habe die bemerkungen desselben erkennen können. 
Was beklagt er sich also dass man sie erkannt hat? Er sagt 



/ 



Nr. 4. 131. Homeros. 189 

auch, ' ist es denn ein unrecht sich von einem geiste beherrschen 
zu lassen wie Haupt "war?' Als unrecht habe ich es auch nicht 
hingestellt, nur die thatsache habe ich behauptet und behaupte 
sie noch, 

GiseJce. 

131. De Genetivi Graeci maxime Homerici usu scr. J. A. 
Heilmann, Marburg 1873. Doctordiss. 

Nachdem der vfr. sich im eingange gegen die localisten, die 
den gesammten gebrauch des genetiv auf die frage noShv zurück- 
führen, ausgesprochen und das heranziehen der Sprachvergleichung 
für nothwendig erklärt hat, um das wesen des griechischen ge- 
netiv zu verstehen, constatiert er, dass man auf diesem wege 
den genetiv als syncretistischen casus erkannt hat und handelt 
dann 1) über den eigentlichen genetiv 2) über den genetiv als 
Vertreter des ablativs 3) und 4) über den genetiv in instrumen- 
talem und localem sinne. 

Er meint zunächst , die grundbedeutung der casus sei ur- 
sprünglich eine sinnliche gewesen und zwar eine örtliche (p. 9), 
theilt also die von Lange auf der meissener philologenversamm- 
lung gegen Curtius geltend gemachte ansieht, und ist der meinung, 
die casus bildenden suffixe hätten ursprünglich locale bedeutung. 
Der beweis für letztere behauptung ist ihm aber, wie überhaupt 
der Sprachvergleichung noch nicht gelungen , wenigstens kann 
ref. das p. 10 sq. vorgebrachte nicht als solchen gelten lassen. 
Während nun die spräche die übrigen casus geschaffen habe, 
um in der Verbindung zwischen nomen und verbum die ver- 
schiedenen beziehungen auszudrücken , habe sie sich mit dem 
einzigen genetiv begnügt, um die verschiedenen beziehungen 
zwischen nominibus zu bezeichnen. Somit stimmt der vfr. denen 
bei, die den gebrauch des genetiv bei nominibus für den eigent- 
lichen und ursprünglichen halten (p. 12). Der versuch, dies 
auch aus den endungen des genetivs im skt. (as und asya) zu 
erweisen scheint uns nicht gelungen. 

Bei der frage nach der ursprünglichen bedeutung des ge- 
netiv in Verbindung mit nominibus wendet sich der vfr. gegen 
Curtius, der den genetiv als den casus betrachtet, der die Zu- 
sammengehörigkeit bezeichne. Diese definition berücksichtige 
bloss die formale seite und sage ebenso wenig wie die erklär- 



190 131. Homeros. Nr. 4. 

ungen andrer grammatiker, welche bedeutung dieser Verbindung 
zu gründe liege (p. 13). Der vfr. nimmt seinerseits an, der 
genetiv sei zuletzt von allen casus entstanden (vielleicht mit aus- 
nähme des dativ), da seine endungen secundäre bildungen seien, 
nicht primäre, wie die der anderen casus und da seine an- 
wendung schon einen höheren grad geistiger entwicklung vor- 
aussetze. Nun stehe aber der localis dem genetiv so nahe, 
dass der genetiv nach des vfrs. Überzeugung eine bedeutung 
gehabt haben müsse '•qua simile quoddam significaretur atque ca- 
sus localis significatione (p. 17), denn erstens fielen im dual beider 
formen zusammen und seien auch wohl im plural mit Bopp auf 
denselben Ursprung zurückzuführen , zweitens spreche dafür das 
zeugniss der ind. grammatiker : so sage Pänini, dass gewisse no- 
mina, die den begriff des herrn oder erben haben, sowohl den 
genetiv als den localis zu sich nähmen, (aber die Veden bieten 
kein beispiel von diesem gebrauche des localis), auch umschrie- 
ben die ind. scholiasten den s. g. genetiv partit. gewöhnlich 
durch madhye = in medio (p. 18). Dass letztere thatsache nicht 
beweiskräftig ist , liegt auf der hand , und für die gesammtauf- 
fassung des genetiv von seiten der ind. grammatiker genügt es 
auf ihre benennung dieses casus ' sambandhas ' (Verbindung) oder 
' geshas ' (ergänzung) zu verweisen , die der Curtius'schen auffas- 
sung entspricht. Auch fänden sich, fährt der vfr. fort, in den 
Veden wie im Homer in der bedeutung des localis, in letzterem 
1) E 523 vrjvffi.Crjg, 525 r^vg, A 691 twv tiqotiqwv hiuiv, X 
27 oncüQrig (wozu r} 118 ^{ifjuarog ovde &iosvg und v 278 vvxiög 
zu fügen waren), 2) Totyov wv htgov bei s^sio und i£s I 219 
S2 598 t/> 30, 3) P 372—3 waffJfg yatr\g—boüov, y 251 "Aoysog 
*Axa'ixov , £ 107 — 8 rjnsiQoio fisXaCvrjg — avTTJg *I&dxt]g 3 y 108 
TIvlov , '' ' Aqytog , Mvx^vrjg. ebenso seien ndgog, swg, ziwg ur- 
sprünglich genetive im sinne eines localis, endlich gehörten hieher 
die advv. auf oov. 

Von der localen grundbedeutung aus Hessen sich nun die 
mannigfachen Verbindungen des genetiv fast alle erklären (p. 
23), so der possessive, partitive, subjective, objective genetiv. 
Eef. findet, dass dies ohne zwang oder künstelei gar nicht mög- 
lich ist. Oder wäre es keine künstelei, mit dem vfr. to (iTßog 
rvHv Jiofafjbliüv durch die erklärung : der hass, der im bereich der 
feinde ist, den die feinde haben, oder der hass, der sich im 



Nr. 4. 131. Homeros. 191 

(?) bereich der feinde erstreckt, der hass gegen die feinde auf 
eine locale grnndanscliauung zurückführen zu wollen? Gegen 
Windmühlen ficht übrigens der vir. , wenn er 428 vsaiv ev 
uyCui't nicht erklärt wissen will: der kämpf um die schiffe das 
ist zur erhaltung derselben, sondern der kämpf bei den schiffen, 
im bereich derselben. Die richtige erklärung dieses genetiv 
konnte ihm schon die note des Aristonicus geben r\ S. o. uyojvi 
tm u9Q0ia/jan tüjv vsimv cf. id. 77 500 seh. A T42. Lehrs Arist. 2 
149. Später aber, heisst es weiter, habe sich der gebrauch des 
genetiv so erweitert, dass seine ursprüngliche bedeutung ver- 
dunkelt und er wirklick der casus geworden sei ' gut cohaerentiam 
arctarnqtie duorvra nominum coniunetionem indlcat. ' Weshalb denn 
aber der genetiv geschaffen sei , wenn er ursprünglich in der 
bedeutung vom localis nicht abwich, beantwortet der vfr. mit 
einem hinweis auf die fruchtbarkeit der alten spräche. Nachdem 
er aber einmal entstanden, sei der localis auf den gebrauch bei 
verben beschränkt, doch finden sich auch noch reste von seinem 
gebrauche bei Substantiven fp. 24). 

Ref. findet in dieser darlegung unlogisch, dass der vfr., der 
doch selbst p. 12 den gebrauch des genetiv bei nominibus als 
den ursprünglichen hinstellt, zur erklärung dieses gebrauchs 
von dem gebrauch des genetiv beim prädicate ausgeht (p. 19 
sq.), ferner unerklärt, was veranlasste, dass der localis bei Sub- 
stantiven durch den genetiv ersetzt wurde, endlich unklar, wenn 
es bald heisst, der genetiv habe eine bedeutung gehabt, qua 
simile quoddam exprimeretur atque localis casus significatione p. 
17, bald e an dem significationem hahebant p. 24 auch der schluss, 
dass alle casus eine sinnliche , also örtliche bedeutung gehabt 
haben müssten, erscheint uns fehlsam. Weshalb soll z. b. der 
genetiv nicht ursprünglich etwa das eigenthum bezeichnet haben, 
was doch gewiss ein schon in früher zeit fassbarer und noth- 
wendiger begriff war? oder lässt sich seine spätere allgemeinere 
Verwendung , wonach er die Zusammengehörigkeit bezeichnet, 
daraus etwa weniger passend erklären als aus einer ursprüng- 
lich örtlichen? imd aus dem einen dutzend von beispielen bei 
Homer , und den vereinzelten fällen der späteren spräche , wo 
der genetiv in örtlichem sinne steht, soll so ziemlich der ganze 
spätere gebrauch sich entwickelt haben? Indem wir die be- 
hauptung des vfr. , dass der genetiv in Verbindung mit adjj. 



192 131. Homeros. Nr. 4. 

und advv. wie nXqGioc, ävifog, riy%i>, iyyvg, h'vdo&t und mit den prä- 
poss. h'txct, Sm, vnig, Int, ngö locale bedeutung habe (p. 25), auf 
sieb beruhn lassen und nur constatieren, dass er die Verbindung 
des genetiv mit verben als später entstanden betrachtet, als die 
mit Substantiven und erstere nicht local erklärt (p. 27), wenden 
wir uns zu cap. II, wo vom genetiv als Vertreter des ursprüng- 
lichen ablativ gehandelt wird. Hier stimmt der vfr. im ganzen 
den resultaten Delbrücks zu, nur erklärt er auch den genetiv 
bei ämfo&at, und s%tG&ab als ursprünglichen ablativ, mit be- 
rufung auf stellen wie Ä 278 atya[xhri ßgo%ov — «y' vtyr\koio fit- 
Xud-qov, X 346 *A\xiv6ov 8' ix tovS' h'xtiat, h'gyov. Dem ref. 
dagegen scheint es unmöglich, einen genetiv wie ßgwprjg bei 
aTtxitöai oder nhqv^ bei eyjG&at nach dieser analogie zu er- 
klären , vielmehr nothwendig , ihn als genetiv partit. zu fassen. 

Von den präpositionen, die nach Delbrück den genetiv-ab- 
lativ regieren, nimmt der vfr. für vmg und tiqo mit Curtius 
den eigentlichen genetiv in anspruch. In cap. Du handelt der 
vfr. vom genetiv als Vertreter des instrumentals. Mit Delbrück 
hält der vfr. den genetiv mdtoto bei l'gxsc&cu, &£etv, Uvcu, 
diwxtiv für ursprünglichen instrumentalis, gegen denselben den 
genetiv bei Std für den eigentlichen genetiv und sucht dies aus 
der bedeutung von <W zu erweisen. In den stellen, wo dtd 
mit einer form auf gp*(V] verbunden ist, ist nachzutragen K 185 
sg%r\T(u Si,' oQBGyi. Ferner werden p. 40 die genetive pretii X 
50 A 106 W 485 tp 78 als instrumentale erklärt, wo Delbrück 
ein l non Uquet'' ausspricht, dem ref. sich anschliesst, endlich 
der genetiv nvgbq bei fieiliGGi/j^v H 410 und bei nQföwj ivt- 
ngri$io, d^sgofiai , wo zu den angeführten stellen A 667 II 81 
q 22 nachzutragen sind. Ref. bekennt, dass er trotz Delbrück an 
der Verwendung des genetiv als intrumentalis überhaupt zweifelt 
und den genetiv tisSioio mit Hentze Philol. 28, 515 als genetiv 
des bereichs , also als eigentlichen genetiv auffasst , den genetiv 
nvgoq dagegen bei &igsG&<u etc. als Vertreter des ablativs an- 
sieht = vom feuer her erwärmt werden, das ist dann durch 
das feuer. Griebt doch auch Delbrück abl. loc. instr. p. 17 zu, 
dass ablativ und instrumental sich nahe berühren. Noch nicht 
sicher erklärt ist H 410. 

In cap. IV, wo vom genetiv als Vertreter des localis ge- 
handelt wird, erklärt sich der vfr. gegen Delbrücks annähme, 



Nr. 4. 131. Homeros. 193 

dass auch der localis zum theil in den genetiv übertragen sei 
und fasst die genetive yaCqg — ooiwv P 372 etc. (s. oben) als 
reine, desgleichen zoi%ov xov iiigov (s. oben). Den genetiv bei 
Xovetv und \oveo&ai E 6 Z 508 560 ß 261 nimmt er mit 
berufung auf Z 22 4 x 361 Herod. HI 23 mit Faesi als Ver- 
treter des ablativs , was auch dem ref. trotz der bedenken von 
Hentze 1. c. bei der grundbedeutung von Xovhv spülen und 
XoviGfrcu sich bespülen lassen das richtige scheint. Die ange- 
führten localen genetive wie yufyg und die temporalen wie vrjvt- 
(iCr\q etc. hält ref. mit Hentze 1. c. p. 513 für eigentliche gene- 
tive, die den bereich bezeichnen. 

An druckfehlern bemerkte ref. p. 23 % 255 statt X 255, 
xp 618 statt W 619, p. 39 q 140 statt n 140, p. 40 A 160 
statt A 106, p. 22 extr. fehlt die angäbe 1761. 

Im allgemeinen aber möchte ref. noch hervorheben , dass 
der vfr. über den allgemeinen erörterungen versäumt hat , den 
gebrauch des hom. genetiv in wohlgegliederter und erschöpfen- 
der Übersicht darzulegen. Und doch können solche allgemeine 
erörterungen nur bei vollständiger beherrschung und durch- 
dringung des materials in allen einzelheiten das richtige treffen 
und andere überzeugen. Speciell in diesem falle bedarf es noch 
immer einer darstellung, die den hom. genetiv in allen seinen 
anwendungen und mit berücksichtigung aller neben ihm auf- 
tretenden constrnctionen prüft. Ref. zweifelt, dass sich einer 
solchen prüfung gegenüber der Delbrück'sche Synkretismus, 
wonach der genetiv theils eigentlicher genetiv, theils ablativ, 
theils localis, theils instrumentalis ist, behaupten wird, glaubt 
vielmehr, wie aus obigem hervorgeht, auf einmischung des localis 
und instrumentalis verzichten zu müssen. Ueberhaupt aber liegt 
in Delbrücks methode , in deren bahnen sich auch die bespro- 
chene schrift zum theil bewegt , bei allen ihren Vorzügen doch 
auch die gefahr, dass man die eigenthümliche und individuelle 
syntaktische entwicklung der einzelnen spräche verkennt. 

C. Capelle. 

132. Hesiodische Untersuchungen von dr. Alois Rzach. 
Programm des ober-gymnasiums der kleinseite zu Prag 1875. 
58 s. 8. 

Nachdem die Homerischen Studien von Hartel für eine an~ 



194 ISS. Hesiodos. Nr. 4. 

zahl wichtiger fragen der prosodie so wie der Behandlung des 
digamma so schöne ergebnisse geliefert und in ihrer trefflichen 
methode ein vorbild für ähnliche Untersuchungen aufgestellt 
hatten, lag der gedanke nahe in derselben weise die nämlichen 
fragen in den dichterischen Überresten, die den namen des He- 
siodos tragen, einer Untersuchung zu unterziehen. Und gewiss 
war grade jetzt die noth wendigkeit derartiger erörterungen um so 
grösser, als in jüngster zeit die kritik der hesiodischen dichtun- 
gen in die bände von Flach übergegangen zu sein scheint, dem 
zur beurtheilung von erscheinungen , wie sie hier in betracht 
kommen, leider die nöthige grammatische Vorbildung fehlt. Die 
Vorbemerkungen zu einer ausgäbe der hesiodischen gedichte 
(Berlin 1874. p. V — XXV) verrathen in dieser beziehung sehr 
bedenkliche anschauungen. 

Unter solchen umständen dürfen wir die hesiodischen Unter- 
suchungen , von denen Rzach in dem vorliegenden programm 
einen theil veröffentlicht hat, nur mit aufrichtiger freude be- 
grüssen und zwar um so mehr, als sie durchweg mit ruhiger, 
besonnener methode abgefasst sind und eine tüchtige wissen- 
schaftliche kenntniss der griechischen grammatik verrathen. 
Zur besonderen beruhigung von Flach will ich bemerken 
dass Ezach durchaus nicht ' sprachvergleicher , ' sondern ' philo- 
loge' ist. Es werden nach einander, in stetem anschluss an die 
ergebnisse der Hartelschen Untersuchungen über Homer, hiatus, 
quantitätsverhältnisse und digamma behandelt, und zwar stellen 
sich fast durchweg merkwürdige Übereinstimmungen mit den von 
Hartel für Homer gewonnenen Zahlenverhältnissen heraus. Be- 
sonders in dem abschnitte über digamma ist auf Flachs 
athetesen und änderungen immer die gebührende rücksicht ge- 
nommen. Wir können die abhandlung allen, die sich für die 
Sprache des altgriechischen epos und für die kritik der hesio- 
dischen gedichte interessieren, warm empfehlen, und gestatten 
uns nur einige wenige bemerkungen. P. 22 ist es unrichtig, wenn 
bei Jilfjbog und devvög noch von einer wurzel 6jt gesprochen 
wird; das jüngst inschriftlich gefundene Jptivtag lässt keinen 
zweifei mehr über den ursprünglichen anlaut. In dem accusativ 
Evßonxv (p. 25) kann ich ebenso wie in äyvoCu evxlsCa bei Atti- 
kern nur die ursprüngliche länge der weiblichen a-stämme er- 
kennen, es ist daher wohl auch Evßofav zu schreiben 5 bei 



tfr. 4. 132. Hesiodos. 195 

Ifrtiäv (vielmehr IdsTav) avlax liegt das nämliche vor, da für 
avXa'£ digamma kaum erweisbar ist. Oder darf man eine grund- 
form papka^ ansetzen , redupliciert , wie IwXxa uvXuxa Hesych. 
für ctpuXxa zu stehen scheint? Dass die sogenannte ersatz- 
dehnung nicht zum ersatz für ausgefallenes digamma eintritt, 
beweisen fälle, wo digamma und dehnung gleichzeitig vorliegen ; 
Brugman hat das in seiner Untersuchung bereits gesehen, und 
danach mag p. 29 das über die länge von a in "Aidoq bemerkte 
modificiert werden : Hartel denkt für Homer vielleicht mit 
recht an die ausspräche AviSog Dass dqvc, ursprünglich auf 
einen consonanten geendigt habe (p. 30), dürfte nicht zu er- 
weisen sein, für dgvog Eqy. 436 darf man höchstens die entwicke- 
lung eines v aus dem v annehmen. Ebenso ist das p. 32 über 
Ugog bemerkte unklar ; die von Rzach angeführten kyprischen 
inschriften beweisen nur, dass sich im anlaut nach i ein j ent- 
wickeln konnte, der ursprüngliche anlaut war ja is-. Die ein- 
malige länge in vdan (p. 33) wird durch den hinweis auf boeo- 
tisches ovdtoo nicht erklärt, denn boeotisches ov vertrat sowohl 
kurzes als langes v. Auch das dürfte nicht zu rechtfertigen sein, 
wenn auf derselben seite die länge der zweiten silbe in dämxioQ 
auf rechnung des metrischen bedürfnisses gesetzt wird; die 
lesung des Zenodotos bei Homer dieimrTJg (s. Rödiger Comp. p. 
49), das zweimalige dianQSyrjg auf voreuklidischen attischen in- 
schriften (Cauer Stud. VHI 252), endlich Jipet&efiig auf der 
bronzetafel von Dali z. 21 erweisen ursprüngliches ei, (== eci 
von einem stamm dtpsa- ursprünglich divas, vorliegend auch in 
ev-dttG-rsQO-g , lt. Diespiter diur-nus ho-dier-nus s. Corssen I 2 
232. Fick I 3 109), aus dem T, wie nachweislich noch in einigen 
andern fällen, hervor gegangen ist. 

Wir schliessen mit dem wünsch, dass Rzach uns bald eine 
fortsetzung seiner Studien über Hesiod bringen möge. 

Gustav Meyer. 

133. Albertus Grumme, Quaestionum Babrianarum 
particula I. Grerae 1875. 8 s. 4°. 

Der verf. sucht zu erweisen, dass in den ersten fabeln des 
Babrios (nach abzug der später hinzugefügten epimythien und 
nach ausscheidung interpolirter verse) der letzte versfuss der 
skazonten stets von einem spondeus (nicht, wie die handschrift- 



196 133. Batmos. Nr. 4. 

liclie Überlieferung nicht selten darbietet, von einem trochäus) 
gebildet ward. Indem er zeigt, dass an nicht wenigen stellen, 
an welchen die Überlieferung einen trochäus im verschlusse 
aufweist, schon die sorgfältigere beobachtung des babrianischen 
Sprachgebrauchs oder die genauere berücksichtigung des von 
dem gedankenzusammenhange erforderten einen spondeus im 
versschlusse sicher oder doch probabel hergestellt hat, bleibt 
allerdings (vgl. p. 8) nur eine kleine zahl widersprechender 
stellen übrig, deren beseitigung bisher noch nicht gelungen ist. 
Da die älteren iambographen (Hipponax u. s. w.) im bau der ska- 
zonten diese regel nicht kennen, so bleibt es zwar merkwürdig, 
dass so wenige trochäen bei Babrios am versschluss zweifellos 
sind, aber ein grund, weshalb sie ganz vermieden sein sollten, 
ist schwerlich erfindlich. [Dazu bemerke ich, dass regeln, wie 
sie sich die kunstdichter zu setzen pflegen, von diesen nie ganz 
streng durchgeführt werden, da sie im wesen des rhythmus ihre 
begründung zumeist nicht haben. — E. v. £.] 

134. Die Pindarscholien. Eine kritische Untersuchung 
zur philologischen Quellenkunde. Von K. L e h r s. Nebst einem 
anhange über den falschen Hesychius Milesius und den falschen 
Philemon. Leipzig bei S. Hirzel. 1874. VHI und 199. 

'Doch genug. Ich finde mich auf dem wege, ein buch 
über diese paraphrase zu schreiben, was sehr vergnüglich wäre, 
auch nützlich für den , der es zu nützen verstünde. Aber dies 
kann doch hier nicht eingeschoben werden. ' Mit diesen worten 
bricht der vfr. obigen buches p. 67 eine 16 Seiten lange erör- 
terung über die homerische paraphrase ab, jedoch nur, um 
unmittelbar darauf ( — eingeschoben werden. Ueber 
jene Wörter weiss ich auch nicht etc.) wieder auf den- 
selben gegenständ zurückzukommen und dann in einem neuen 
paragraphen, in dem mit zwei zeilen Moschopulus und die äl- 
tere Pindarparaphrase erwähnt werden , von der mit commentar 
durchflochtenen paraphrase überhaupt und der sog. sebastiani- 
schen insbesondere zu reden, dann die scholien zu Oppians Ha- 
lieutica u. s. w. zu besprechen und endlich, nachdem wieder 
drei zeilen dem Triklinius gewidmet sind, in eine ausführli- 
chere besprechung der Lykophron-paraphrase zu münden. Man 
sieht beim lesen dieses ganz eigenthümlichen buches unwillkür- 






Nr. 4. .134. Pindaro«. 197 

lieh einmal über das andere auf den titel , ob er denn wirklieh 
,die Pindarscholien' lautet. Denn es wird darin in einem 
heillosen durcheinander über alles mögliche und noch einiges 
andere gesprochen. Es mag wohl 'vergnüglich' sein, sich beim 
schreiben so gehen zu lassen, und wohl auch 'nützlich für den, 
der es zu nützen verstünde' — jedenfalls 'vergnüglich' zu lesen 
ist es nicht. Dies ist der nächste eindruck, den das buch macht, 
das einen so berühmten namen an der spitze trägt; man legt 
es mit Unwillen aus der hand trotz der reichen belehrung, die 
man darin erhalten hat. Denn auch die spräche wird von dem 
vfr. in einer weise maltraitirt, dass selbst dem sanftmüthigsten 
die galle überlaufen könnte. Es ist unmöglich, in diesem kau- 
derwälsch den vfr. der populären aufsätze aus dem alterthum 
wiederzuerkennen. Beispiele anzuführen ist unnöthig; jede seite 
liefert deren mehr als eines. Eine solche missachtung des ge- 
lehrten publikums darf nicht ungerügt bleiben, und doch ent- 
schliesst man sich schwer dazu, dies auszusprechen, weil man 
es mit einem so hoch verdienten mann zu thun hat, dem man 
trotz aller mängel auch für dies neueste produet zu dank ver- 
pflichtet ist. Darin liegt auch der grund, weshalb die anzeige 
des schon vor zwei jähren erschienenen buches erst jetzt erfolgt; 
ref. hatte wiederholt die feder dazu angesetzt und wieder weg- 
gelegt. Indessen — die redaction wollte nun doch eine be- 
sprechung, und ref. musste also ixwv utxwv sich der nicht an- 
genehmen arbeit unterziehen. 

Wenn ein mann, der den Aristarch geschrieben und sich 
dann 40 jähre lang mit ähnlichen Untersuchungen beschäftigt 
hat, etwas über scholien publicirt, so nimmt man sein buch mit 
grossen erwartungen in die hand. Diese hat der vfr. diesmal 
gerade nicht getäuscht, aber doch auch nicht im höchsten grade 
erfüllt. Wir haben dabei natürlich nicht mehr das viele un- 
nöthige im sinne, das nur um des 'Vergnügens' willen herein- 
gezogen wurde und die Ordnung stört , sondern auch manches 
zur sache gehörige erwartet man nicht in so docirendem tone 
und so ausführlich in einem buche besprochen zu finden , das 
doch nur für solche bestimmt sein kann, die sich nicht erst seit 
gestern mit Pindar und seinen alten auslegern beschäftigen. 
Wozu der lange und breite nachweis von der in unsern scho- 
lien herrschenden confusion? Muss nicht jeder fachgenosse längst 
Philol. Anz. VII. 13 



ISS 134. Pmdäroü. tfr. 4. 

zu seinem eigenen verdruss dies erfahren haben? Eine kurze 
andeutung hätte genügt; sollte aber ausführlicher davon ge- 
sprochen werden, dann musste es hübsch ordentlich geschehen; 
das auf p. 118 ff. über den anfang von Ol. XII gesagte hätte 
dann etwa auf p. 6 gehört. Ebenso ist man über den beschei- 
denen werth des Vrat. A jetzt ziemlich im reinen. Werthvoll 
ist dagegen, was der vfr. — wenn wir sein deutsch richtig ent- 
ziffert haben — über die grundbestandtheile unserer scholien 
sagt. Wir haben drei neben einander laufende paraphrasen zu 
unterscheiden ; die erste und hauptparaphrase, kenntlich an dem 
erklärenden xaC, in den alten scholien, eine zweite die ävxl xov 
paraphrase des Moschopulos, und eine dritte, nur stückweise 
vorhandene paraphrase, mit dem umstellenden xat (für xufid^ovn 
heisst es z. b. %oq£vovtii xal xw^d^ovri) , die des Triklinios, die 
beiden letzten natürlich in den neueren scholien. Diese drei 
paraphrasen auszulösen und von einander zu trennen, wäre die 
aufgäbe eines neuen herausgebers der scholien, der dabei wieder 
auf die Romana zurückzugehen hätte, wo die alten und neuen 
scholien noch getrennt erscheinen, während sie sich bei Boeckh 
zusammengeschrieben finden. Die Boeckh'sche scholiensammlung 
bedarf überhaupt vielfach der Verbesserung; seine trennungs- 
zeichen sind sehr unzuverlässig. Häufig findet sich das zeichen 
des Moschopulos (f) vor Triklinianischen scholien und das des 
Triklinios (§) vor Moschopuleischen oder sie fehlen ganz. So 
fehlt das kreuz in der zweiten olympischen ode nicht weniger 
als 13 mal, und 3 (oder 4) mal steht es falsch; von Ol. VI an 
fehlt es ganz, obgleich wir noch genug Moschopuleisches vor 
uns haben. Auch Boeckhs uXXug, r} ovrtog und das in die 
neueren scholien (aus Mosqu. B?) eingeführte avvxafyg sind 
nicht consequent angewendet und leiten oft irre. Nun ergeht 
sich der vfr. wieder des breiteren über die anwendung des 
Gvviatyg in den Lykophronscholien des Tzetzes und kommt dann 
plötzlich durch einen glücklicken salto mortale auf das alter der 
scholia vetera, die Boeckh zu hoch hinaufgesetzt; sie sind jeden- 
falls jünger als Plutarch. Dies wird in überzeugender weise 
nachgewiesen. Indem wir über den schon oben besprochenen 
excurs (p. 49 — 67 u. 67 — 72) wegsetzen, kommen wir in das 
centrum der arbeit, wo der vfr. gelegenheit findet, seine gründ- 
lichen Pindarstudien zu verwerthen. Im anschluss an das oben 



Nr. 4. 134. Pindaros. 199 

über die drei paraphrasen gesagte wendet sich der vfr. zu 
einer eingehenden characterisirung des Moschopulos und Trikli- 
nios. Mit glücklicher benützung von Moschopulos' scholien zu 
Hesiods "Egya wird gezeigt , wie seine im ganzen sachgemässe 
paraphrase meistens mit nur kurzen sachlichen und sprachlichen 
bemerkungen durchsetzt und öfters an einschiebsein aus seiner 
sylloge kenntlich ist; während das eigenthümliche der Trikliani- 
schen scholien durch eine sehr sorgfältige beobachtung seines 
Sprachgebrauchs festgestellt wird. Dabei ergiebt sich, dass sich 
in den neueren scholien mit ziemlicher Sicherheit entscheiden 
lässt, was dem einen und was dem andern gehört-, es bleibt 
dann nur noch ein sehr kleiner rest , der andern Ursprungs ist. 
Ein weiteres resultat dieser Untersuchung ist , dass die Schnei- 
derschen scholien im Widerspruch mit dem , was ihr titel sagt, 
dem Triklinios gehören. Leider hat es der vfr. hierbei 'als 
sehr unnöthig' unterlassen nachzuweisen, wie der name des 
Thomas auf den titel gekommen ist. Die Mommsen'schen scho- 
lien endlich sind bis Nem. LTI nur ein auszug aus den schol. 
vetera, von da an selbstständig, aber werthlos und selbst für Tho- 
mas zu geringfügig. An diese wirklich werthvollen Untersuchun- 
gen schliessen sich — zum theil nach des vfr. art dazwischen 
hineingestreut — beobachtungen über die bedeutung und den 
gebrauch einzelner in den scholien häufig wiederkehrender aus- 
drücke wie ioTogtctj das stets erklärungen mythologischen, histo- 
rischen und antiquarischen inhalts bringt, die immer dem Tri- 
klinios gehören (p. 88 — 91); o7ito&tv } tfinQoa&ev, nQwrjv (p. 
101 — 104); das crjfteiov tf als zeichen für alles bemerkenswerthe 
(p. 104 — 111); endlich Xflttimi in den schol. vetera, das als zum 
tenor des paraphrasten gehörig erkannt wird (p. 111 — 118). 

Eine praktische verwerthung finden die resultate dieser 
Untersuchungen in einer vollständigen mittheilung der älteren pa- 
raphrase von Ol. LX (p. 25— 32), dann von P. IV (p. 120— 142) 
und einer an P. LX (p. 142 — 158) gezeigten vollständigen probe 
der behandlung, paraphrase nebst commentar, mit ausscheidung 
alles dessen, was sich sonst in der Überlieferung angesetzt hat; 
— unzweifelhaft eine verdienstvolle arbeit, bei der nur zu be- 
klagen ist, dass sie der hiezu mehr als andere fähige und be- 
rufene vfr. nicht auf den ganzen Pindar ausgedehnt hat. Wir 
würden ihm dafür vieles von seinen gelehrten excursen geschenkt 

13* 



200 134. Pindarofl. ffr. 4, 

haben. Die gegebenen proben verdienen alle anerkennung, 
wenngleich sieb, wie es bei einem derartigen versuch selbst- 
verständlich ist, gegen das einzelne mancherlei einwände werden 
erheben lassen. Nicht als ob wir den vfr. meistern wollten, 
sondern lediglich um ihm einen beweis unserer dankbarkeit und 
der aufmerksamkelt, mit der wir seine arbeit gelesen haben, zu 
geben, erlauben wir uns schliesslich auf ein paar punkte auf- 
merksam zu machen , wo doch vielleicht eine abweichende an- 
schauung möglich wäre. Wenn zu P. IV, 148 bemerkt wird: 
' es fehlt iv ayoga TiX^&ovwg oftlov, und dass die ayoga nicht 
ausgelassen war, zeigt die paraphrase vers 165' — so dürfte 
zu bemerken sein, dass die paraphrase hier keine lücke hat, in- 
dem es bei Boeckh p. 354, z. 15 ausdrücklich heisst: zb SB 
l§5?£ ' I Cxä S"T] iv ayoga nXrj&ovrog o%Xov. Die worte des dich- 
ters sind, weil sie nichts ungewöhnliches enthalten, eben einfach in 
die paraphrase aufgenommen. Wir erinnern dabei an das, was 
der vfr. p. 46 über ähnliches sagt. Eine Störung dürfte sich 
ferner vs. 184 finden, wo wir zwar darüber mit dem vfr. uns 
nicht zu rechten getrauen, ob er mit recht den ganzen zusatz 
Von ixTQctm'kov de auaidivrav — Tiagä jtdvra tä öCxaia aufgenom- 
men hat-, aber jedenfalls durfte er dann hier nicht abbrechen 
um mit xaiaxovoj 6s xbv äStxov Uiktav fortzufahren. Die pa- 
raphrase scheint vielmehr ohne Unterbrechung von ov xaträ no 
Slxatov ovGav (vs. 184) fortzugehen vers 190: tfvxivd noit 
ß aüvXilav 6 Ztvg l^aqidaxo tut ^ilolw, xal xoig avxov naiGiv, 
xaxaxovw d£ xxL Ebenso gehört vs. 250 zur paraphrase noch.: 
dixalwg $iaxgivuvzag xoiig xgoTiovg ixxskstv ztjv \onxrp> tvämpovittv, 
denn im vorausgehenden ist nur ogyag, aber weder vcpalvtw 
(ßxrtrtefo) noch ^sfhiGütxfjdvovg (ßtxaiwg diaxgCvwioie) erklärt — 
Was endlich die vom vfr. am überlieferten text vorgenommenen 
änderungen betrifft, so erklärt es seine durch langjähriges Stu- 
dium erlangte Vertrautheit mit den scholien, dass er ziemlich 
couragirt mit ihnen umgeht und mit umstellen , streichen und 
ändern nicht besonders ängstlich ist. Man wird ihm in den 
allermeisten fällen sich zu dank verpflichtet fühlen, wenn er uns 
nur einen dem erwarteten sinn ungefähr entsprechenden lesbaren 
text herstellt, auch auf die gefahr hin, dass er dazwischen ein- 
mal etwas zu tief einschneidet. Vermuthungen wie svcpgovrjv .zu 
P IX, 27 oder das aus hvxojitjxvg entnommene XtvxwXByog P. 



Nr. 4. 135. Sophokles. 201 

IX, 32 werden sich rasch beifall erringen; ebenso auch Gvvzioq 
zu P. IX, 65 für das tiberlieferte atfivog. An anderen stellen 
dagegen wird man sich ablehnend verhalten müssen, wie z. b. 
zu P. IX, 179, wo das scholion bei richtiger construction ohne 
jede änderung verständlich ist. — Das ganze schliesst ein an- 
hang über den falschen Hesychius Milesius und den falschen 
Philemon. 

135. Sophoclis Electra. In usum scholarum edidit Otto 
Jahn. Editio altera curata ab Adolfo Michaelis libri Lau- 
rentiani specimine photolithographo aucta. 8. Bonnae, apud A. 
Marcum. 1872. — Vm und 144 s. — 3 mk. 60 pf. 

Dass diese ausgäbe erst nach eilf jähren eine zweite aufläge 
erlebt, lässt die art, wie jetzt besonders von der Jüngern gene- 
ration das Studium der philologie betrieben wird, nicht grade in 
einem besonders günstigen lichte erscheinen; denn sie ist in 
gar vieler beziehung eine musterausgabe , die also jeder phi- 
lolog besitzen und studiren sollte. Zuerst gilt dies von der 
äusseren ausstattung ; damit meine ich nicht allein den druck 
und das papier, obgleich beides vortrefflich, sondern vorzugs- 
weise» die schönen und so sinnig ausgewählten Vignetten und 
verwandten bildlichen darstellungen. Schon Heyne hat um die 
phantasie der neuern auf den rechten weg zu leiten und um für 
die erklärung richtige anschauungen zu wecken, im Tibull und 
Vergil mit Fiorillo's hülfe ähnliches versucht: bei Jahn zeigt 
sich wie nicht anders zu erwarten war ein bedeutender fortschritt, 
da die kenntniss alter monumente verschiedenster art in unserer 
zeit sich bekanntlich ungemein vermehrt hat. So tritt auf dem 
titelblatt uns der gelungene stich eines in Ostia gefundenen 
und in London jetzt aufbewahrten marmornen kopfes entgegen 
tragicam spirans gravitatem, wie es p. Vlll in dem index imaginum 
heisst : an ihm kann man sich wirklich eine Elektra vergegen- 
wärtigen oder auch ihre maske. Vor der vita Sophoclis, von 
der noch unten die rede sein wird, steht der herrliche köpf der 
Sophokles-statue aus dem lateranensischen museum , leider nicht 
ganz getreu; denn vergleiche ich die sorgfältige nachbildung 
derselben bei Benndorf und R. Schöne die antiken bildw. des 
later. mus. taf. 24 vergl. p. 154 flg., so liegt in den äugen 
ein dem original fremder ausdruck. Vor dem specialtitel der 



202 135. Sophokles. Nr. 4. 

Elektra p. 25 findet man unter den -Worten Soyoxfa'ovg 'HMxtqch 
nach einer marmorgruppe in Neapel, in dessen museum sich 
Orest und Elektra in vielfacher darstellung zeigen, s. Heydemann 
die vasensammlungen im mus. National, zu Neapel p. 77. 84 u. 
s. w., dies geschwisterpaar in schöner gruppe, über welche s. 
Kekule die gruppe des künstlers Menelaos p. 25 ; dann auf der 
ersten seite des textes über demselben p. 31 das löwenthor von 
Mykene nach W. Gell Argol. pl. 10, am schluss, p. 142 die 
tödtung des Aegisthos nach einer volcenter vase in Berlin, welche 
Welker Alt. Denkm. V, p. 287 erläutert: gewiss alles sehr 
passend, erwünscht wäre aber für manchen, wenn p. VIII im 
index imaginum derartige nachweisungen über die monumente, 
wie sie hier gegeben, beigebracht wären. 

Auf den titel folgt Ad. Michaelis praefatio p. V, welche 
nach der angäbe, dass ihm 0. Jahn auf dem todtenbette die 
besorgung dieser zweiten (sehr vermehrten) aufläge aufgetragen, 
zunächst von der musterhaften Sorgfalt zeugniss ablegt, mit der er 
diesem auftrage sich unterzogen. Dann erfahren wir da, dass im 
lauf seiner Studien 0. Jahn angefangen habe zu zweifeln ob alle 
Sophokles-handschriften vom L (Laurentianus) abstammen und 
dass er um darüber klar zu werden, sich einen sichern kriti- 
schen apparat zu verschaffen bemüht gewesen, der jetzt dieser 
zweiten aufläge einverleibt ist. Für Jahn verglich H. Hinck die 
stellen im L, bei denen Jahn glaubte an Dübner's angaben 
zweifeln zu müssen, ferner Laur. 1 und g — bei Dindorf Lb 
und r — : dazu kamen von K. Prinz sorgfältige collationen 
von p = cod. Paris, nr. 2712 und e = cod. Paris, nr. 2884, 
endlich von E. Hiller die des von Heimsöth öfter erwähnten cod. 
Vindobonensis = V, dessen lesarten aber nur zum theil mitgetheilt 
worden: sie alle sind p. 27 genauer beschrieben. Nach diesen 
mittein gelangte Jahn zu der ansieht, dass LI — obgleich nach 
Hinck p. VII 1 aus L nicht abgeschrieben — die erste und 
beste, pe B (B = diorihota bei W. Dindorf) eine zweite familie 
bildeten, g in der mitte zwischen beiden stehe; also: 



/ \ 

LI peB 



Diese ansieht kann man, um den werth und unterschied dieser 






Nr. 4. 135. Sophokles. 203 

handschriften zu bezeichnen, immerhin gelten lassen: das aber 
ist in der ausgäbe und durch diesen apparat meines erachtens 
nicht bewiesen, dass den Jüngern handschriften andre originale 
als L vorgelegen hätten. An Michaelis vorrede schliesst sich 
p. VH H. Hinckii de libri L et l disputatiuncula an, p. Vil, 
p. Vm index imaginum: dann folgt p. 1 — 19 2o(poxXfOvg yivoq 
xai ß(oq, auch dieses mit einem die frühern ausgaben an ge- 
nauigkeit und Vollständigkeit der lesarten weit übertreffenden 
kritischen apparat , der auf jeder seite unmittelbar unter dem 
text mit kleinerer schrift steht: für ihn sind von R. Prinz, R. 
Scholl und E. Hiller fünf handschriften vollständig verglichen, 
sechs an verschiedenen stellen eingesehen: zu ihnen gesellen 
sich dann die conjecturen der neuern, ebenfalls mit anerkennens- 
werther Vollständigkeit gesammelt, wenn auch hier und da etwas 
fehlt: so fehlt p. 2, z. 13, dass ich Gx qaxriytaic, statt des 
überlieferten rrgiaßffaig in Philol. Suppl. bd. I, p. 107 vermuthet 
habe, was schon um deswillen erwähnt werden musste, weil 
die worte Bergk's Soph. trag. p. XIV not. 47 gegen sie gerich- 
tet sind ; wie Bergk urtheilt auch Schneidew. Sophokl. I, p. XDH 
flg. : dann aber auch deshalb, weil diese vermuthung als wirk- 
liche emendation in den text gesetzt zu werden verdient. Denn 
erstens verlangt sie der Zusammenhang ; da nämlich der satz 
iytvexo o v v . . . e%rjxu£txo recapitulirt und im vorigen von 
axQaxrjyCa die rede war, so muss das auch hier der fall sein; 
ferner wird fast alles im §. 1 gesagte im folgenden weiter aus- 
geführt und bestätigt, von gesandtschaften aber nicht gesprochen ; 
drittens ist anderweitig von ngsößeCcug des Sophokles nichts be- 
kannt; denn wenn er in Chios verhandelt, thuteresals Gxqaxr\y6g\ 
endlich hat Plinius , wie sich unten p. 206 ergeben wird, hier 
Cxourriytuiq gelesen; nach alle diesem darf man dann schliess- 
lich noch betonen, dass Sophokles als ächter tpiXad-r\vavog Athen 
nach §.10 höchst selten verlassen hat, wie denn von reisen 
bei ihm überall nichts verlautet, auch ein immerhin für die 
Charakteristik des mannes zu beachtender umstand, da auch dieser 
ihn von den frühern dichtem, die so viel auf der heerstrasse sich 
befanden, unterscheidet. Dergleichen ausstellungen werden sich 
in dem apparat wohl noch mehrere nachweisen lassen : trotz- 
dem erscheint aber der text in wesentlich verbesserter gestalt, 
wozu namentlich die erkenn tniss der mancherlei lücken in ihm 



204 135. Sophokles. Ni\ 4. 

beigetragen hat. Aber grade hinsichtlich dieser bleibt noch 
manches zu finden: so meine ich giebt §. 15, p. 14 z. 79 idv 
avdqa keinen sinn: vergleicht man Plin. NH. VII, 29, 109, 
von welcher stelle gleich die rede sein soll, so ergiebt sich dass 
die den plinianischen delicias suas entsprechenden worte, also 
tov Iqwiasvqv aviov oder dergl., ausgefallen sind und man tov 
avdqa . . . e lg tov xxl. zu schreiben hat. Aber auch an sonstigen 
Verderbnissen fehlt es immer noch nicht: §. 1, p. 1 z. 5 heisst 
es von Sophokles . . . GjqaTiqytag ä^Kod-^vai Gvv IlsqtxXsi xul 
Oovxvdidy, xolg nqwTOig i% nolscog xxX. : welcher Thukydides 
soll denn das sein? es muss *Avdoxtdr] geändert werden, da 
dieser nicht nur wirklich mit Perikles und Sophokles GTqaxriybg 
war , sondern schon seiner vornehmen abstammung wegen zu 
den vornehmsten Athens gehörte. Auf andere weise ist §. 15, 
p. 14, z. 78 verdorben: da ist kc*t' *A&r\vat<av späteres ein- 
schiebsei, wie ausser anderen Plinius (s. unten p. 205) beweist. 
Das muss hier genügen. 

Unter dem kritischen apparat stehen in grösserer schrift 
die auf das vom anonymen Verfasser des ßlog beigebrachte be- 
züglichen stellen der alten, passend geordnet, wo eine verdor- 
bene oder bedenkliche lesart, die conjecturen der neuern oder 
die lesarten der handschriften mit äusserster Sorgfalt und kürze 
beigesetzt, so dass man sofort eine sichere Übersicht über die 
quellen jedes factums leicht gewinnt und das ganze einen eigen- 
thümlichen und höchst instructiven commentar bildet. Nach- 
bessern wird sich auch hier lassen: so ist zu beklagen, dass p. 
11 a. e. die die liebesangelegenheiten des Sophokles betreffenden 
stellen nicht ausgedruckt sind-, von der sonstigen Sorgfalt aber 
ganz abweichend ist p. 10 die von der Theoris handelnde stelle 
des Hermesianax ohne alle bemerkung hingestellt, obgleich der 
text unsichre lesarten und mehr als bedenkliche conjecturen auf- 
weist: gleich vs. 57 ist noXvnqijuva bedenklich und war also 
Bailey's Ttolvjtqiqqwva doch zu erwähnen, vs. 59 aber führt 
alles auf iyequiqs ©ewqtdog ifdog und oicda, was Michaelis im 
text hat, ist schon wegen der construction zu verwerfen; ein de 
scheint dann noch nach iyiqaiqs eingeführt werden zu müssen. 
Auch die anordnung der stellen verfehlt meiner meinung nach 
das richtige •, man sieht aus ihr, dass die herausgeber Theoris 
für eine hetaire halten: aber beachtet man die erzählung des 



Nr. 4. 



135. Sophokles. 



205 



ß(og, die scholien zu Aristophanes, vor allem die zeit, in welche 
des Jüngern Sophokles wegen die geburt des Ariston fallen muss, 
so ist diese Theoris, die Sikyonerin, die erste gattin des Sopho- 
kles gewesen : dazu stimmt dann vortrefflich das ysoutouv des 
Hermesionax , eben so vs. 60 trotz seiner Verstümmlung: es 
muss doch in ihm von etwas gutem und glücklichen die rede 
sein. Aus allem hier gesagten ergiebt sich aber von selbst der 
grosse von Jahn auf dieses yivog verwandte fleiss und zugleich 
das erkennen des werthes dieser schrift ; er ist nun, besitzen wir 
auch nur ein excerpt, wirklich ein bedeutender, wofür wir hier 
nur den alexandrinischen Ursprung derselben kurz und zwar 
mit Plinius dem altern geltend machen wollen ; denn dass dieser 
unsre vita, natürlich besser und vollständiger, vor sich gehabt 
hat, dürfte folgende vergleichung ausser zweifei setzen: 
Soph. vit. §. 15, p. 14: Plin. NH. VH, 109: 

xal xovxöv röv iottov imi(- Sophoclem . . . defunctum 

wt^txoTwv Aumdai(iov[(i)v [xui? sepelire Liber pater iussit ob- 



*A§r\vaimv\ AiovvGog xaz ovug 
imGiäg AvGuvdgoa IxilsvGsv 
Inngityai rtd-tjvai rbv uvdga*** 



sidentibus moenia Lacedaemo- 
niis , Lysandro eorum rege in 
quiete saepius admonito ut 



elg rbv Tutpov* uig <T wXiyogrjGsv pateretur humari delicias suas. 
b AvGavSgog Stvngov avrco requisivit rex quis (Jahn qui) 
iniGirj b JiovvGog rb avtb xs- supremum diem Athenis obiisset 
Xtvcov ' o de AvGavdgog nvvS-a- nee difficulter ex his (?) quem 
vöfitvog Ttaoa raiv (pvyudwv ttg deus significasset intellexit pa- 
tirj b Tt\ivTT\<Sag xal fxa&mv ort, cemque funeri dedit. 
2o<pox\r\g vTiagxtt xr\gvxa nffixpug 
IStdov ddmuv ibv uvSgu. 

Dabei beachte man den mit der nennung Lysanders began- 
genen historischen fehler. Dieselbe Übereinstimmung zeigt sich 
noch in folgenden stellen: 

Soph. vit. §. 14, p. 13: Plin. NH. VDZ, §. 180: 

ol 6i ofi iiitu. rfji' iov Sgu- gaudio obiere . . . Sopho- 

fiurog avdyvwGtv (?) ort vixuv cles et Dionysius Siciliae tj- 
ixrjovx&r], x a Q$ f'Htti&ttg i^ihns. rannus, uterqne aeeepto tragicae 

victoriae nuntio. 
Soph. vit. §. 1: Plin. NH. XXXVn, 40: 

iyivtw ovv SoyoxXrjg xb super omnis est Sophocles 

yivog a 'Ad"t\v aiog . . * xal tot ... cum tanta gravitas ei co- 



206 135. Sophokles. Nr. 4. 

ß[M xal TJj TtoiY[GM negtcpavrjg, thurni sit, praeterea vitae fa- 
xaXwg t inmSiv&?] xal irgayr] ma, .alias principe loco natus 
iv tvnogCa, xai iv noXmta, xal Athenis, et rebus gestis et 
iv tTQMtßeCaig [lege GTQarqytoug] exercitu ducto. 
l%qid£tro. 

Auf dies yivog, das am ende völlig zusammenhangslos wird, 
folgt p. 19 der artikel über Sophokles aus Suidas, dem das 
excerpt aus Eudokia hätte beigegeben werden können; die 
schwere stelle : xal ngwtog r\g%e rov dgäfia ngbg Sgafia aywvfe- 
G&aij aXXä fir) rsrgaXoyeiß&ai. xal h'ygatytv iXsyt(av rs xal naiavag 
xal Xoyov xaraXoyadrjv ntgl rov x°Q°v> ngbg OiGmv xal XovgtXov 
äyiovt^ofitvog — so giebt sie Jahn — durfte nicht ohne kreuze 
und zeichen der lücke durchgelassen werden: denn seit der 
scharfsinnigen und erfolgreichen behandlung derselben durch W. 
Dindorf Sophocl. trag. T. VIII, p. LX muss arge confusion in 
ihr für zweifellos gelten; die worte jtgbg Qtßmv xrX. können 
wegen äyiov^ofievog nur auf aytovBg fiovcixol gehen und da 
solche Sophokles mit Thespis nicht bestanden, müssen diese und 
die vorhergehenden auf Phrynichos bezogen werden, der also 
wie Lasos prosaisch über seine kunst geschrieben, wie Aeschylos 
eine elegie — dadurch fallen die Schwierigkeiten weg, welche 
mir der singular iXtysCav im Philol. XXI, p. 77, vgl. p. 682 gemacht 
— , wie Sophokles paeane gedichtet und dabei noch meister in 
der tragödie gewesen. Deswegen bedarf es aber in den Worten 
xal ng&xog — 7ttgaXoyei(S&cu keiner änderung : sie waren, wie mir 
scheint, ursprünglich polemischer natur und steht zsigaXoyetc&at 
in seiner ersten, von der bei uns jetzt gebräuchlichen etwas 
abweichenden bedeutung , nämlich von vier in engstem innern 
zusammenhange stehenden dramen. So verstand es Thespis, der 
deshalb nur einen titel für die ganze tetralogie, d. h. für die 
vier dramen gebraucht : der fortschritt des Phrynichos bestand, 
abgesehen von änderungen im äywv povöixog, in der selbstän- 
digeren haltung der vier dramen: daher brauchte er zwei titel, 
ab und an noch mehr, da er wie Aeschylos allmählig zu seiner 
vollen kunst gelangte. Dafür dürfte in den nachrichten über 
die OoCvKSGat und Svvd-ioxoi vielleicht noch ein beweis gefunden 
werden, dann aber besonders darin, dass durch diese auffassung, 
also durch Dindorf's schönen fund , Zusammenhang und klarheit 
in die entwicklung der tragödie kommt , dass ferner mm die 



Nr. 4. 135. Sophokles. 207 

worte des Aeschylos in Aristoph. Ean. 1297 . . . . tva fi^ zov 
avrov &QwCxq) Ati^iwva Movffwv Uoov ocp&elrjv Soe niov, einen 
wirklichen sinn erhalten: die chorgesänge machte Aeschylos 
eigentümlich, die einrichtung der tragödie im ganzen war der 
hei Phrynichos gleich. Dies nur begründung und nähere be- 
stimmung des im Philol. Anz. I, 2, p. 84 gesagten; vrgl. auch 
Philol. XrV, p. 188. Zugleich lässt sich von hier aus auch 
der Zusammenhang zwischen den %6ooi jgaytxoi in Sikyon, die 
denen in Ikaria doch wohl näher standen, und dem dithyramb 
des Arion einerseits und der tragödie des Thespis andrerseits 
ahnen, wie schon im Phil. Anz. 1. c. angedeutet. 

Auf den artikel des Suidas folgen die den Sophokles be- 
treffenden stellen des Marmor Parium p. 20, auch darunter die 
stellen anderer die dort erwähnten facta berührender alten, dann 
p. 21 — 23 Epigramme auf Sophokles mit kritischem apparat, 
wo in einer note wohl die verse in Cramer. Anecdd. Gr. T. 
rV, p. 309, 20 eine stelle hätten finden können, p. 25 sq. eine 
annorum notatio d. h. die griechischen stellen chronologischen in- 
halts, didaskalien u. s. w., darauf die Elektra selbst, aber p. 26 
erst stellen späterer, wie des Tzetzes, urtheile und ähnliches 
über die tragödie enthaltend, p. 2 7 verzeichniss und beschreibung 
der handschriften , aus der wir vom L die bemerkung hervor- 
heben, dass die verschiedenen späteren hände sich nicht sicher 
unterscheiden Hessen; p. 28 beschreibung der die scholien ent- 
haltenden handschriften, darunter die bekannte subscriptio des 
L; p. 29 verschiedene vnod-sctig , p. 30 zu, zov nagoviog Sqd- 
fiazog ngogcona und nun endlich p. 31 — 144 der mit umsichtigster 
Sorgfalt behandelte text der Elektra, darunter in kleiner schrift der 
kritische apparat, unter dem in grösserer schrift als commentar 
die scholien und die auf die Elektra bezüglichen stellen aus 
Eustathios und den griechischen lexikographen u. s. w. stehen, 
Alles in eben so sauberer, sorgfältiger behandlung , wie wir sie 
in dem yivog gefunden haben , aber eignes urtheil , begründung 
irgend einer lesart u. s. w. ist ganz ausgeschlossen. Zu beidem, 
dem kritischen wie zu dem erklärenden theile lassen sich nach- 
trage und berichtigungen , wenn gleich nicht mit leichter mühe, 
finden: so fehlt bei dem vielbesprochenen versl64 die conjectur 
Mayhofs gr^Mtzi für ßq/nuri, was wohl mancher gedacht, aber 
klug genug bei sich behalten hat, s. Mayhof comm. crit in 



208 135. Sophokles. Nr. 4. 

Demosth. Plat. Soph. p. 18 sq. (Lips. 1870), zu vers 1222 die 
ansieht Meutzner's über die personenvertheilung , Meutzner de 
interpolationis apud Demosth. vestigiis Plauen. 1871, p. 18, wo 
auch noch ein paar andre stellen aus der Elektra besprochen 
sind; zu vers 21 die conjeetur Eauchenstein's im Philol. Anz. 
IDT, 7, p. 358 wg htav&a vw u. s. w. : im andern theile konnte 
für iimG%oil(6&ri vs. 440 noch Miller Melang. de la Liter, gr. p. 
109 benutzt werden, für alavijg vs. 499 Cramer. Anecd. gr. IV, 
p. 97, 25. 99, 30: doch statt dergl. zu häufen, mache ich 
schliesslich auf einen übelstand aufmerksam, den nämlich, dass 
nach dem plane der ausgäbe die vertheidiger der Überlieferung 
nicht aufgeführt worden ; ich meine dagegen, eine sorgsame aus- 
wahl derselben sei geboten und glaube, dass jedem, der die con- 
jeetur-sucht unserer zeit und auch die ziele unserer Wissenschaft 
kennt, das conservative element in unserer Wissenschaft hervor- 
gehoben und anerkannt zu sehen , nur erwünscht sein wird. 
Diese und ähnliche bedenken schmälern indess das verdienst der 
ausgäbe nicht im geringsten, das in dem mit eisernem fleiss so 
vollständig und so gesichtet vorgelegtem material für philologi- 
sche behandlung des drama besteht; denn durch dieses wird 
das Studium meiner Überzeugung nach viel sicherer als durch 
die jetzt beliebten sogenannten Schulausgaben mit deutschen 
noten gefördert. Daher wäre denn auch nichts Wünschenswerther, 
als dass auch die andern stücke des Sophokles in dieser weise 
behandelt würden; um dazu anzuregen habe ich diese anzeige 
geschrieben, nebenbei um für die dritte aufläge ein schärflein 
beizutragen, vor allem aber, um an einen philologischen meister, 
der trotz schwerer prüfungen des lebens die angeborne anläge 
unausgesetzt für gedeihliche förderung seiner Wissenschaft ver- 
wandte, das jüngere so leicht vergessende geschlecht zu er- 
innern und dadurch der bei uns leider boden gewinnenden, dem 
deutschen wesen wie der Wissenschaft bedenklich werdenden 
trägheit nach kräften entgegen zu arbeiten. 

Ernst von Leutsch. 

136. Friederici Wieseleri commentatio de aliquot 
locis Sophoclis nondum satis explicatis aut recte emendatis. 
Gottingae. 1873. (Index schol. wintersem. 1875/6.) 4. 17 s. 

Pag. 3 bis 8 beschäftigt sich der verf. mit der Electra und 



Nr. 4. 136. Sophokles. 209 

sucht zunächst nach den verschieden aufgefassten anfangsversen 
die scenerie zu bestimmen. Unter den auslegern sind die einen 
mit den scholien der ansieht, der dichter habe die städte My- 
kenä und Argos confundiert und haben danach die decoration 
reconstruirt. Diese meinung verwirft der verf. mit schlagenden 
gründen, — denen er noch hätte hinzufügen können, dass aus 
v. 8 ff. oi 6' txavofitv, cpußxHV Mvxrjvag zag 7ioXv%Qvaovg bqoiv 
deutlich die trennung beider städte erhellt — und schliesst sich 
mit recht denen an , welche unter ro itakaiov "Aqyog die land- 
schaft Argolis verstehen. Hierauf sucht er folgende scenische 
anordnung zu begründen. An der hinterwand setzt er richtig 
die königsburg und die stadt Mykenä an; die periakten an- 
langend, geht er davon aus, dass der pädagog sich vor beginn 
seiner rede den Zuschauern zugewandt habe, und nimmt dem- 
gemäss an, dass an der periakte zur linken des Schauspielers 
das Heräum dargestellt war (vs. 7 ov% äqtaitQug d' o6e "Hqag 
6 xXeivbg vaog). In der that lag dasselbe links vom wege nach 
Argos, war nicht weit von Mykene entfernt und gehörte einst 
zum territorium dieser stadt — gründe, welche für die periakte 
der heimath zu sprechen scheinen. Auf der entgegengesetzten 
periakte soll dann zov Xvxoxiövov dsov äyoqä Avxuog eventuell 
mit einigen andeutungen der stadt Argos selbst sichtbar gewesen 
sein. Dieser anordnung könnte man seine Zustimmung nicht 
versagen, zumal so (s. pag. 6) auf den beiden periakten sym- 
metrisch die beiden hauptheiligthümer der landschaft Argolis 
dargestellt gewesen wären, wenn derselben nicht folgende princi- 
pielle bedenken entgegenständen. Einmal wäre es doch auf- 
fallend, wenn die argivische uyoqd dicht neben dem von Korinth 
nach Mykene führenden wege läge, während doch unter allen 
umständen die stadt Argos mit zur heimath des Orestes gerechnet 
werden muss. Die aufstellung des verf. erinnert an den fehler 
derjenigen, welche eine confundierung beider städte annehmen. 
Sodann ist es nicht über allen zweifei erhaben, dass der pä- 
dagog vor beginn seiner rede sich den Zuschauern zuwendet. 
Es scheint im gegentheil der Situation einzig zu entsprechen, 
wenn er nach seinem auftreten durch den hinter der linken (vom Zu- 
schauer) periakte belegenen eingang, den Zuschauern die rechte 
seite zuwendend, stehen bleibt und dem Orest die wichtigsten 
punkte seiner heimath zeigt. Dass weder das Heräum , noch 



no 136. Sophokles. N*. 4. 

die ayoqd in Wirklichkeit von Mykene aus sichtbar waren, thut 
dabei nichts zur sache ; beide konnten darum doch auf der bühne 
dargestellt sein ; nur mussten sie beide auf der seite der heimath 
liegen. Somit nehmen wir an, dass an der hinterwand, deren 
mitte von der königsburg und gebäuden der Stadt Mykene ein- 
genommen wurde, rechts (vom Zuschauer) von dieser auf einer 
anhöhe — jedoch nicht der Akraea (vgl. Burs. G-r. Geogr. II, 1 
taf. I) — das Heräum sichtbar war, das also, nach vs. 7 ol>£ 
äqiGTiqug, dem pädagogen zur linken lag, und dass an der 
rechten (vom zuschauer) periakte das ulcog, die äyoqä Xvxnog und 
vielleicht einiges von der stadt Argos gesehen wurde. Dann 
erklärt sich auch leicht die reihenfolge, in der der pädagog 
die einzelnen gegenstände aufzählt. Was an der periakte zu 
sehen war, fällt ihm zunächst ins äuge, dann wendet er den 
blick auf die hinterwand und zeigt das Heraion und zuletzt die 
nächstgelegene königsburg. Natürlich waren der tempel sowie 
die ayoqd in fernsieht dargestellt, was nach den nachrichten 
über Agatharchos und der muthmasslichen aufführungszeit der 
Electra sehr wohl geschehen konnte. Was auf der periakte der 
fremde und links neben der bürg am hintergrunde dargestellt 
war, darüber enthalten wir uns weiterer vermuthungen. Die 
sonst sehr schwierige aufgäbe, die scenerie der alten dramen 
herzustellen, ist besonders misslich, wenn so wenige anhaltspunkte 
vom dichter gegeben werden, wie in der Electra. Wir bemer- 
ken noch, dass der verf. seine frühere conjeetur zu Poll. On. 
IV, 126 iwv fit i>T oi naqöötav f} (i£Ta ds%id jetzt ersetzt durch 
v[ filv elg oder ini defyd. Wir fassen die stelle überhaupt 
anders und halten eine änderung des textes % [ih öe'^td für 
unnöthig. 

Hierauf wird Electr. vs. 1458 ff. Giyüv avojya xavadeix- 
vvvou nvXag \ naGip MvxrjvaioiGiv y Aqytioig & oquv behandelt 
und vorgeschlagen xävadtixvvvai 'v rrvXaig | nuGiv MvxijvaCoig 
viv *Aqyttoig & bquv; glaubwürdig, wenngleich die aphäresis 
von iv eine sehr seltene ist. Wenn aber dann auch für Giyäv 
oXytiv empfohlen wird, weil Elektra den befehl des Aegisth 
nicht schweigend ausführen könne und in der that v. 1464 
antworte, so sind diese gründe nicht zwingend, da das Giydv 
nur auf die letzte antwort der Elektra geht: %aiQOtg uv 3 tX coi 
Xaqia ivyxdvei Tudej durch welche sich Aegisth verletzt fühlt. 



Nr. 4. 136. Sophokles. 211 

Den ausführungen über das ekkyklem, dessen anwendung hier 
geleugnet und das bei Sophokles überhaupt nur Aj. 344 aner- 
kannt wird, wird man beistimmen; dahingegen können wir die 
conjectur p. 8 zu Antig. 1280 lotxod-'' rjxeig für eoixug i]xeiv, 
wo toixag durch das wg iftOüv je xal xixir\fiivog (1278) gestützt 
wird , obwohl sie an und für sich einen guten sinn giebt, nicht 
für nothwendig erachten. 

Es folgen p. 8 bis 13 zwei weitere stellen der Antigone, 
zunächst v. 441 ff., wo der responsion mit v. 443 wegen v. 
442 vorgeschlagen wird: <pr\g flV anaqvti firj dedqaxivau tuÖb; 
ohne zweifei eine sehr feine änderung, deren nothwendigkeit jedoch 
fraglich sein dürfte, da das unu% Xeyoy,£vov xaxaqvil keinen an- 
stoss geben kann, und wenigstens in der Elektra v. 1108 ff. 
ein sicheres beispiel vom Wechsel der ausdrücke in frage und 
antwort existirt: HA. oXfiot Ta"kaw\ ov 6iq jio&\ qg rjxovaafisv 
| (fr^fjby\g cpigovitg ificpavrj zexfiqQiw, J OP. ovx oWa it]v Ctjv 
xlrjdov. Sodann werden sehr eingehend die an mehreren 
stellen verderbten verse 966 ff. behandelt, um die sich der verf. 
bereits durch die anerkannte conjectur Kvavtuv Cmluduiv (Gott. 
Ind. Schol. sommer 1857) verdient gemacht hat, und zwar wird 
zuerst statt didvfiag öiövfiäv geschrieben und auf ontXudwv 
bezogen (cfr. Pind. Pyth. IV, 209 und Eur. Jph. Taur. 124); 
ferner wird Bogjioqiui in B oßnogCug (auf äXög zu beziehen) 
verbessert und damit auch der hiatus vor ld' beseitigt; ausser- 
dem wird statt der Böckh'schen ergänzung einwog, dessen aus- 
fallen man nicht recht begreift, aXfivqog vorgeschlagen, welches 
allerdings vor HalfJkvdqCGog — worunter die bei Scymn. Ch. 
bei Müller Geogr. Gr. min. II, p. 224, vers 717: «fr' aiytuXog 
xig ^alfiodrjGog Xeyöfitvog | Icp imaxoßia Groidia tevctycodrig äyav 
und sonst erwähnte gefährliche küstengegend zu verstehen ist 
— leicht ausfallen konnte. Endlich wird noch für ay%f,nofag 
eyxon'kog = lyxto (hnlißfiivog vorgeschlagen, eine nicht unbe- 
denkliche neubildung, für welche das von Wieseler selbst ver- 
muthete i'yx wqog oder das Dindorfsche äy%ov qog einst- 
weilen vorzuziehen sein dürfte. Die stelle würde somit lauten: 

naqa di Kvavsäv Girikudiov 6i6v[xäv aXog 

axial BoGnoqiug ZcT o OqtjxüIv äXfivqug 

2aljxv6rjG6Ög, iV äyxovgog (?) * ' Aqr\g xiX. 
Pag. 13 geht der verf. auf den Oed. Coloneus über und schlägt 



212 186. Sophokles. Nr, 4. 

zunächst vor, vs. 17 statt tzvxvotitsqoi, da dieses weder in der 
bedeutung ' dichtbefiedert ' noch in der 'zahlreich 1 zu halten, 
ein epitheton ornans überhaupt hier durchaus unmöglich sei, zu 
lesen nvxv ottzsqov = locum in quo multae sunt aves; gewiss 
eine scharfsinnige bemerkung; indessen ist die apodiktische ver», 
werfung des epitheton ornans doch wohl nicht über jeden zweifei 
erhaben. Sodann wird zu vs. 113 f. aiyijaofiat xe xal Cv fi 
c| bdov noöa \ xovipov xar äXöog die unStatthaftigkeit von bdov 
gezeigt, denn '•quis tulerit dictionem c§ bdov, quum Oedipus intra 
aßaiov, quod graece appellatur, consederitt' und anerkannt, dass 
auch das unbequeme noda zu beseitigen sei, jedoch Volkmar's 
i'£xa rovdi' bdov verworfen, da auch der theil des haines, in den 
sich Oedipus vs. 113 zurückzieht, zum %akxönovq bdog gehört. 
Dagegen vermuthet der verf. Ǥw zov xonov, wo b lonog = locus 
quem jam tenes. Sollte man dafür aber nicht lieber lesen xal 
üv fju ix tovtov nidov, was sich der handschriftlichen lesart 
enger anschliesst? Cfr. vers 466 f. ip äg | to nqwxov Ixov xal 
xctTioieiipug nidov. Hierauf folgt die erklärung von vers 192 f.: 
aviov ' (ir}xht tou<T äriijvhoov \ ßrj^arog e%ai 7166a xXCvtjg. Dieses 
ßr,fia ist verschieden von dem ä^earog nirgog 119 und dem 
aefjbvbv ßd&qov äßxinaqvov vers 100. Es heisst ävitnsiqov, weil 
es entweder jenem a^saiog nfroog gegenüberliegt, oder — was 
der verf. vorzieht — ebenfalls ein unbehauener stein ist. End- 
lich werden die worte vers 195 f.: Xi^oiog y' in ccxqov | Xäov 
ßoax&g bxXdaag besprochen und schliesslich zusammenfassend 
folgendermassen erklärt : ' Sedet igitur Oedipus in extrema lapidis 
parte ita, ut corpus obliquum sive transversum (h. e. faciem neque 
ad fanum Eumenidum, quod repraesentatum est in Scaena, neque 
ad orchestram, in qua chorus versatur , directum) et crura non in 
longitudinem extenta , sed inflexa habeat (ut pedes ex neutra parte 
dependeant). Verbo ßqa%vg non ad sedem humilem, sed ad corpus 
cruribus inflexis breve factum respicitur. ' Mit der bemerkung, dass 
gelegentlich noch die fragen, ob der gesang der nachtigallen 
im haine der Eumeniden durch musik nachgeahmt worden und 
wie die scenerie anzuordnen sei, um vers 162 die worte nolXd 
xiXiv&og ioazvH zu rechtfertigen, aufgeworfen werden, schliessen 
wir unseren bericht über die so anregende abhandlung. 



137. Studia Plautina. Von dr. 0. Seyffert. Vor 






Nr. 4. 137. Planttus. 213 

dem neunten Jahresberichte des Sophien-gymnasiums in Berlin. 
Ostern 1874. — 31 s. 4°. (Berlin, Calvary & Co., 10 ngr.). 
Dieselben Vorzüge, die Oscar Seyffert's frühere beitrage zur 
texteskritik des Plautus im Philologus (XXV, p. 439 ff., 
XXVI, p. 722 f., XXVII, p. 432 ff., XXIX, p. 385 ff, XXX, 
p. 433 f.) zu so bemerkenswertken leistungen machten: sorg- 
fältigster fleiss beim aufsuchen des zur feststellung eines Sprach- 
gebrauchs nöthigen materials, feine beobachtungsgabe über die 
anwendung desselben und seinen werth für die herstellung ver- 
wandter stellen , überhaupt entschiedene befähigung zur auffin- 
dung von schaden und oft glücklichen hei hing derselben, — 
zeichnen auch diese jüngsten Studia Plautina in noch höherem 
grade aus. Sie sind die am meisten durchdachte und reife 
arbeit Seyffert's : schon der Zeitaufwand und die mühe, die zur 
durcharbeitung erforderlich sind , zumal bei der äusserst ge- 
drängten, zuweilen schwerfälligen und verwickelten darstellung, 
zeigen, welch 1 reichhaltiger und gediegener inhalt hier zu be- 
wältigen ist. Wie in jenen früheren beitragen werden auch 
hier, der alphabetischen reihenfolge der komödien nach, ent- 
weder einzelne stellen für sich behandelt oder an die besprechung 
einer noch andere, nicht selten in grösserer zahl, gereiht, die 
an demselben oder ähnlichem Verderbnisse kranken. Von ein- 
zelnen gut hergestellten versen heben wir hervor: Asin. 67 
eo für ego, Aul. III 6, 34 zu ergänzen: Non quod potem ego 
quidem hercle habeo, IV 7, 18 cum für nunc (wie Amph. 638 
für dum), IV, 10 1 : lmmo ego sum et miser et perditus, IV 9, 
10: heu me misere miserum, perii; Bacch. 552 Et ego, ebenfalls 
Truc. II 7, 23 Et nos [so auch Bugge in den N. jahrb. f. 
Phil. CVn p. 413, mit dem, ebends. p. 418, Seyffert auch Truc. 
V 37: deterrere potes hunc ne amem im wesentlichen zusammen- 
getroffen ist]; Bacch. 1099 Hoc hoc est quod cor pwacescit (&na,y. 
Oct.) ; 1196 mitte für fiunt; Truc. II 6, 28 Loquere. — Nudius 
quintus natus ille quidemst. — Quid postea? Cist. IV 1, 8 Nam 
hercle ego quam illam anum — sinam, satiust mihi e. q. s., ibd. 
extr. v.nde haec gentium st? An quis deus obiecit hanc e. q_. s. 
Epid. I 2, 45 Quid tu? nunc patierin e. q. s. (woran sich eine 
ganze reihe verbesserter interpunctionen schliesst), Mil. glor. 88 
ille st miles mens erus, 1207 vielleicht Equidem ego te liberabo, 
1134 Commoditas, 977 extrudam mit Lambin, 1296 haben BC 
Philol. Auz. VII. 14 



214 181 Plautus. Nx. 4. 

das richtige, wie viele beispiele, besonders mit Nam ego, zeigen, 
1301 i für heus, 1405 ad eam ut irem. — Quor ire ausu's? — 
Von weiterer tragweite sind 1) die beobachtungen über ama- 
bo und ita di faxint p. 1 sq., durch welche mehrfach eine rich- 
tigere personenvertheilung ermöglicht wird-, unter den sonstigen 
Vorschlägen zu einer solchen heben wir als besonders gut her- 
vor den zu Poen. III 2, 29 — 30: Adu. Hie. . . . iubet. Ag. 
Abeamus; et uos: satis dictumst] 2) über die vertauschung sel- 
tener archaischer Wörter und formen mit gewöhnlichen p. 4 sqq. : 
man lese daher Asin. 940 abitis für abis, Aul. II 2, 34 und IV 
8, 10 hau für non, Cure. 724 hauscias für nescias, Aul. II 2, 84 
hercle für edepol, Men. 872 umgekehrt, Stich. 474 pol für hercle, 
Pers. 39 fiducia für confidentia (und med für me), Men. 307 
habes für habitas , Merc. 436, vielleicht auch Most. 222, diui 
für di, Stich. 255 dates für dares; fast überall treten in Wahr- 
nehmungen des sonst üblichen Sprachgebrauches, bestimmter for- 
mein, ähnlicher vertauschungen u. drgl. bestätigende gründe 
hinzu. Die Untersuchungen 3) über retraetatio verschiedener 
komödien p. 10 — 12 ergeben, dass u. a. Bacch. 166 sq., Poen. 
ni 6, 13; V 3, 41 sq.; V 2, 82 sq. 90—92 (= 84—89), 
Poen. prol. 124 sq. 127, 126 (= 121—123 -f 128), vielleicht 
auch Mil. glor. 987 K. einer solchen ihren Ursprung verdanken. 
Die 4) nach Bothe und Fleckeisen wieder aufgenommene form 
tarn = tarnen wird empfohlen für Merc. 734, prol. 35, Stich. 
44, arg. acr. 2, Epid. IV 2, 18, Poen. I 2, 70, Truc. IV 3, 
59. (5) Lücken werden mit gutem gründe angenommen Cure. 
337 (nach militemj, Epid. III 2, zwischen 12 und 13, und be- 
sonders zwischen 14 und 15, Kud. nach 1021 und vor 1394, 
vor Stich. 608. (6) Da ein Substantiv oder pronomen nach 
eingeschobenem relativsatze durch is, seltener durch ille, wieder- 
holt wird, sind formen jenes fürworts statt der überlieferten von 
hie einzusetzen Capt. prol. 2, 112, Poen. III 5, 26, Most. 859, 
863 ; lehrreiche graphische bemerkungen unterstützen hier wie 
anderswo die Verbesserungsvorschläge. 

Mit dieser auswahl des nach unserem ermessen besonders 
gelungenen in zwei dritteln der Studien (bis p. 21) müssen wir 
uns hier begnügen, vollständige mittheilungen einem anderen 
orte vorbehaltend. Kann man sich auch zuweilen des eindrucks 
nicht erwehren, dass der verf. in seinem bestreben, häufig wieder- 



Nr. 4. 137. Plautüs; 215 

kehrende ausdrücke nur in ganz bestimmter (formelhafter) fassung 
zuzulassen, etwas weit geht (das adjectiv miser bei verben 
des affects z. b. ist doch eigentlich nur bei perii constant, wie 
schon Fuhrmann in den N. Jahrb. f. Philol. IC p. 482 be- 
merkt hat-, zu Seyffert's beispielen für misere p. 9 kommen noch 
Pseud. 4 und Mil. glor. 616 R), und mögen auch bei der 
durch ellipse erklärten , weitausgedehnten Zulassung eines oft 
schwer verständlichen nam (p. 19 sq.), bei dem aus argentum 
corrumpirten hercle Rud. 1413 (p. 15, not. 12, man beachte das 
im folgenden drei mal wiederkehrende hercle), und sonst zu- 
weilen, bedenken aufsteigen — : beachtenswerth und ansprechend 
ist doch fast alles, was Seyffert vorbringt, vieles unbedingt 
richtig und mit dank in den text aufzunehmen. Wir dürfen 
daher in diesen Studien die neben den schönen leistungen von 
A. Luchs unstreitig hervorragendste arbeit des letzten trien- 
niums (in dem Studemund und Spengel geschwiegen) erblicken, 
und schliessen mit dem wünsche, dass der hochverdiente verf, 
uns bald wieder mit einer ähnlichen reichen gäbe erfreuen möge. 
— Von druckfehlern der zahlen haben wir bemerkt p. 5 : Capt. 
V 4, 3 für IV 4, 5 (913 PI.), not. 4 1.3: 1003 für 1015 Brix., 
p. 6: Cure. V 4, 24 für IV 4, 24 (580 FL), p. 18: Pers. 234 
für 534, p. 26 : Mil. glor. 153 für 1153; durch irgend einen 
druckfehler ist auch die emendation zur Cist. IV 2, 23 (p. 18 
oben) unklar geworden. Aug. 0. Fr. Lorenz. 

138. Plautus's Mostellaria, udgivet af Sophus Bugge, 
oversat af Fr. Gjertsen. Kristiania. P. T. Mallings bog- 
handel. 1873. 8°, 116 s. (Berlin, Calvary & Cie, 20 ngr.) 

Es ist das erste mal, dass der herausgeber, dessen vorzüg- 
liche, in verschiedenen Zeitschriften zerstreute, emendationen ein- 
zelner stellen ihn den besten deutschen Plautuskritikern würdig 
an die seite stellen, mit einer ganzen komödie hervortritt. Mit 
gespanntem interesse werden deshalb die auf diesem gebiete be- 
schäftigten das buch in die hand nehmen, um in bezug auf 
manche wichtige punkte, über die sich auszusprechen ein so be- 
deutender kenner des dichters bisher nicht gelegenheit gefunden 
hatte, seine ansieht kennen zu lernen, vielleicht auch in der 
hoffnung einige verzweifelte stellen geheilt zu finden durch emen- 
dationes palmares, die man bei der beschaffenheit der Überlieferung, 

14* 



IIB 138. Plautus. Nr. 4. 

besonders bevor der neue abdruck des Ambrosianus vorliegt, 
wohl nur von einem Bugge, Bergk, Studemund und wenigen 
anderen erwarten darf. Diese hoffnung geht nun freilich nieht 
in erfüllung, ja an mehreren stellen möchte ich sogar andere 
frühere vorschlage den Bugge'schen vorziehen. So ist doch 213 
das von A. Spengel leicht und glücklich gefundene, acht plau- 
tinische malesuada uiti pleno, ganz anders ansprechend als das 
matte malesuada multum lena\ so hätte 419 f. die ingeniöse 
herstellung 0. Seyffert's Philol. XXIX p. 393 ff. Sphaeriot 
— - Em clauim. — Optume u. s. w. eher aufnähme verdient, als 
das eigene pueret — Fero clauim. — Optume u. s. w., das schon 
deshalb bedenken erregt, weil die sklaven (wie ref. bemerkt zu 
haben glaubt) sich unter einander nie mit puere anreden , son- 
dern nur mit namen: schimpf- und schmeichelwörter wie seelus 
pueri, deliciae pueri, sind natürlich was anderes. Auch 72 f. 
kann ich nur mit dem ersten theile der herstellung einver- 
standen sein: unum hoc scito: (vgl. über diese interpunction 
Becker in Studemund's ' Studien' I, p. 254) nimio celerius Venu 
(so schon 0. Seyffert Philol. XXX, p. 392) — nicht aber mit 
dem zweiten: quod nolis, für das handschriftliche quod m öle- 
st e, was verschrieben ist aus molestum est (weil man molestest 
aussprach) und in dieser form gehalten werden muss der höhni- 
schen antwort Tranio's wegen: Molestus ne sis. Auch die 137 
angenommene auslassung des ad vor imbrices nach (tempestas 
grandinem mi) attulit ist doch wohl zu kühn und nicht durch 
das (eher denkbare, aber doch unsichere) animum adicere aliquem 
gerechtfertigt: N. Jahrb. f. Philol. CVII (1873) p. 413. Und 
so hegt man auch stärkere oder schwächere zweifei an der rich- 
tigkeit des parant eis firmitatem 122 für p. in f., des quom 
fundamenta perierint 148 (denn von dem untergange der fundamenta 
war im vorhergehenden noch gar nicht die rede), des qua mihi 
amor et cupido- — perpluit 163, des eam (die tempestas oder die 
uerecundiat) optigere 164, des inscita für scita 261, Mihi Her- 
culem inuoco 528, Qui placeo, exemplum expetis 1116; während 
Verbesserungen wie die auffassung des vs. 14 als selbstständige 
frage, qui hosticas trium nummum causa subeunt sub falas, Vel 
alii, qui denis hastis corpus [vgl. Kud. 1295, Poen. IV 2 , 6] 
transfigi solent 357 sq., esse te uis 392, istimodi 746 (im wesent- 
lichen = istiusmodi, istismodi, wie Langen vorschlug, s. Philol. 



Nr. 4. 138. Plautus. 217 

Anz. VI p. 45 f.), Tarn placidast ea, quam est aqua, quoiuis 
ire — licet 852, te, qui's capite candido 1148, Post istam ueni- 
am quid e. q. s. 1166 mit dank und anerkennung aufgenommen 
werden müssen. Beachtenswerth sind u. a. (denn Vollständigkeit 
muss für die kritische anmerkung einer neuen aufläge der eigenen 
ausgäbe vorbehalten bleiben): 243 Edepöl si summo Ioui bouem 
illo argento sacruficäxscm, 287 Purpura aetati öccultandae et aürum 
turpi mülierist, 757 Quid somni somniauit? 763 Na/re quor ille\ 
765 Sub diu coli uitam; 784 Hern, nam quis; 827 Atqui; 
1089 cita in ius. sine, inueniam; 1108 Quoi tandemt Vielleicht 
richtig ist auch die lücke im verse ausgefüllt 222: Qui di me 
faciant (qui = utinam Plautus 6 mal, Phorm. 123, Cic. Att. IV 
7, 1), während ergänzungen wie 260, 549, 552, 804 u. a. nicht 
so gut wie Ritschl's u. a. scheinen. — Dass übrigens die ar- 
beiten früherer kritiker, älterer wie jüngerer, mit umsichtigem 
fleisse benutzt sind, zeigen die zahlreichen von ihnen aufgenom- 
menen Verbesserungen: Acidal 153, 1169, 1179, G-uyet 389, 
432, Pylades 423, Gruter 223, Camerarius 1144, Bothe 393, 
540, 1040, G. Hermann 363, 720 f., Usener 40, Bergk 171, 
Brix und Fleckeisen 174, um von Studemund, Spengel, Seyffert, 
Müller nicht zu sprechen. 

Der herausgeber bezeichnet in einem 'nachworte' p. 115 
die ausgäbe als eine durch eine scenische darstellung der Mo- 
stellaria veranlasste g elegenh ei ts arbeit, die auch vielleicht 
sonst nutzen und interesse darbieten werde. Dass sie dies thut, 
geht schon aus dem oben referirten hervor, noch mehr aber aus 
der aufklärung, die man aus derselben über Bugge's ansichten 
in mehreren brennenden fragen der Plautuskritik und über die 
ganze handhabung derselben erhält. So werden die mit Bergk 
übereinstimmenden mit genugthuung wahrnehmen, dass Bugge 
das ablativische d (von med und ted abgesehen) überall ver- 
schmäht und z. b. 259 Una opera ebur atramento candefacere po- 
stules stehen lässt. Wenn man diesen freilich unleidlichen hiatus 
nicht aus einer nachwirkung des d erklären will , könnte denn 
nicht am einfachsten ein te vor ebur eingeschoben werden? Vgl. 
249 L. , Trin. 237 Brix. Gegen den hiat ist Bugge sehr 
strenge : er tilgt ihn in der hauptcäsur des iambischen senars mit 
Ritschi arg. 5, 675, 685 f., 781, 1037, 1039; mit C. F. W. Müller 
1032, 484 trotz des vorhergehenden punctums, 567 trotz des 



21% 138. Plaut™. Nr. 4. 

Personenwechsels; durch eigene mittel 84, 428, 432, 557, 549, 
609, 760. Desgleichen in der hauptcäsur des trochäischen 
septenars 389, 850, mit Müller 1047, 1089, 1156, nur 380 
püteum übi und 394 tantülo hoc bleiben erhalten, vielleicht mit 
hinblick auf ein nachwirkendes cubi und tantillod (?), durch 
welch' letzteres d denn auch die sonderbaren hiate in den kreti- 
schen versen 151 f. disco hastis pila cürsu armt's equo entschul- 
digt werden müssten. Selbst beim Personenwechsel wird der 
hiat nur 586, 718, 821, 975, 977, 1175 geduldet, dagegen 
gehoben durch leichte Versetzung eines est 952, durch kaum 
nöthige flickwörter 392, 742, 798, 948, durch eine schwerlich 
richtige accent Versetzung 398: Ita ille faxit Mpiter für Ita ille 
f. I. Im gegensatze zu dieser strenge ist die sonstige haltung 
der kritik ziemlich conservativ, in den canticis sowohl wie im 
dialoge. In den ersteren, deren gestaltung übrigens (wie in 
dem ' nachworte ' hervorgehoben wird) ' erst annäherungsweise ins 
reine gebracht worden ist ' , wird die Überlieferung durch an- 
schluss an die von Studemund und Spengel entdeckten neuen 
versarten möglichst geschont, zuweilen sogar durch annähme 
sehr bestrittener messungen, wie ruont 117, institüi 86, potui792, 
und durch nichtannahme kaum wegzuläugnender lücken wie 
151 — 153. In bezug auf solche geht Bugge ohne zweifei auch im 
dialoge nicht weit genug: wie kann z. b. nach 1042 ein ausfall ge- 
leugnet werden? Und die herstellungsversuche , die an einigen 
lacunosen stellen mit den spärlichen Überresten gemacht werden 
(so 43 — 46, 407 — 410: hier sogar mit einem uil, öptumö nach 
Müller's PI. Pr. p. 370), sowie die vorschlage zur anordnung 
des anfanges von III 1 im ' nachworte ' , die rückführung von 
741 nach 721 und die damit zusammenhängende änderung von 
722 f. werden kaum einen bleibenden platz im texte behaupten. 
Ich behalte mir, wie oben angedeutet, für einen anderen ort 
genaue mittheilung vor und scheide jetzt trotz mancher unÜber- 
einstimmung im einzelnen doch mit freuden über einverständ- 
niss in mehreren wesentlichen fragen und mit dank für das ge- 
botene gute von der für eine ' gelegenheitsarbeit ' sehr gediege- 
nen und tüchtigen leistung. — Der Übersetzer hat in der sprö- 
digkeit der norwegischen spräche einen zu harten widerstand 
gefunden, als dass seine arbeit hätte gelingen können. Dass 
sie unter der hand eines wirklichen dichters auch sehr gut zu 



Kr. 4. 139. Vergilius. SW 

wohlklingenden versen im feineren lustspiel und im ernsten 
drama sich formen lässt , hat Henrik Ibsen bewiesen , aber für 
die springende lebendigkeit, die ungezügelte ausgelassenheit des 
dialoges einer posse ist sie zu ernst und schwerfällig, zu steif 
und unelegant. Ein nordischer Übersetzer des Plautus thäte 
wohl am besten auf die eigenthümlich launige prosa des alten 
Holberg zurückzugehen , in deren gewandung ja diese ganze 
gattung von stücken dem gebildeteren lesepublicum wie dem 
schlichten manne aus dem volke am besten bekannt und lieb ist. 

Aug. O. Fr. Lorenz. 

139. Vergiliana von Hermann Steudener. Programm 
der klosterschule Rossleben. Halle 1873. 16 s. 4. 

Aus der ersten hälfte des ersten buches der Aeneide sind 
die stellen entnommen, welche Steudener in seinen Vergiliana 
behandelt hat. Vs. 4 vi superum saevae memorem Junonis ob iram 
streicht Steudener, weil durch nennung der göttin der mehr 
andeutende als bestimmt ausführende charakter des epischen 
prooemium alteriert werde. Aber Odyss. a 8 wird 'Yntgtwv 
'HtXiog genannt wie hier Juno. Vs. 9 quidve dolens regina 
deum tot volvere casus tilgt Steudener und schreibt 8 — 11: quo 
(gleich quibus causis!) numina laesa (statt des schwierigen numine 
laeso) insignem pietate virum tot adire labores inpulerint. Diese 
vierfache änderung ist doch zu gewaltsam-, wenn übrigens vs. 
8 (virum) tot volvere casus befremdet, so sollte nicht verschwiegen 
werden, dass man die umgekehrte wendung erwartet hätte, wie 
vs. 240 viros tot casibus actos. Vs. 11 ist die vom Verfasser 
versuchte deutung des plurals irae im sinne von 'unverdienter 
zorn' unmöglich-, richtig erinnert "Weidner an die 'heftigkeit' 
der leidenschaf x . Vs. 5 unde bezieht Steudener nicht auf das 
unmittelbar verausgehende sätzchen inferretque deos Latio, sondern 
richtiger wie Henry nach vs. 19 auf virum (Aeneam) vs. 1. 
In der auffassung von super vs. 29 gleich insuper schliesst sich 
Steudener wie neuerdings Kappes mit unrecht an Münscher an. 
Vs. 49 verlangt Steudener statt imponet neben vs. 48 adorat 
praeterea das präsens imponit, da er nicht anerkennen will, dass 
adorat durch praeterea in die Sphäre der zukunft gezogen wird. 
Vs. 81 f. schützt Steudener gegen Ladewigs künstliche erklär- 
ung die seit Heyne geläufige auffassung: 'er stiesa den berg in 



220 140. Vergiüus. Nr. i. 

die seite.' Vs. 53 fasst Steudener gegen Weidner richtig luc- 
tantis als stehendes beiwort zu ventos parallel mit tempestatesque 
sonoras. Vs. 126 f. et alto prospiciens summa placidum caj>ut 
extulit unda , wo Servius zu den ersten Worten bemerkt : aui e 
mari erigens caput aut mari providens und wo Wagner nach 
Heyne für jene, Münscher für diese deutung sich entscheidet, 
während Weidner alto durch iv all äv zu erklären wagt, nimmt 
Steudener mit Ladewig , Kappes und Schröter (programm von 
Sagan 1873 p. 6) alto für den dativ der richtung. Aber in 
vs. 181 prospectum lote pelago petit, welcher als beleg dienen 
soll, hat jetzt Beatfeld z. f. d. G.-W. XXVIII 811 f. pelago 
als ablativ ' der die bewegung über und durch einen räum be- 
zeichnet' erwiesen. Die schwierige stelle vs. 393 ff. ist von 
Steudener so wenig als seither von Brandt oder Plüss erledigt 
worden-, aber zwei fragen hat Steudener dabei richtig entschie- 
den, indem er erstens vs. 397 ludunt stridentibus alis von dem spie- 
lenden flügelschlagen der am boden weilenden schwane versteht 
und demnach zweitens vs. 398 coetu cinxere polum nicht gleich 'sie 
umzogen den himmel im kreise' versteht sondern lieber Bur- 
manns conjectur solum empfiehlt. Die auch von anderen ge- 
theilte meinung, dass vs. 396 captas iam despectare Steigerung von 
capere terras sei, will sich mit 400 doch nicht reimen. Der von 
Steudener subsidiär gemachte Vorschlag, 398 M (statt et) coetu 
cinxere zu lesen im gegensatz zu 397 Uli ludunt, wird anderen 
ebenso unsicher erscheinen als seinem urheber. Die von Steu- 
dener verheissene fortsetzung der Vergiliana lässt immerhin für 
die erklärung weiteren gewinn erwarten. 



140. Beiträge zur kritik und erklärung von Vergils Aeneis. 
I, theil. Von Gustav Schröter. Programm des gymnasi- 
ums zu Gr.-Strehlitz O./S. 1875. 17 s. 4. 

Von den eilf besprochenen stellen wird eine V, 262 richtig 
interpungiert : donat habere, viro decus et tutamen in armis; eine 
I, 608 unglücklich verändert : dum stabunt convexa statt lustra- 
bunt, wogegen schon die harte, dadurch nothwendig gewordene 
ellipse von erunt in vs. 607 und das auch vom Verfasser nicht 
übersehene citat von lustrabunt bei Servius und Isidor spricht. 
Die übrigen stellen und einige gelegentlich berührte verse wer- 
den nur exegetisch behandelt: II, 349 entscheidet sich Schröter 



Nr. 4. 140. Vergilius. 221 

mit Servius für das in unseren besten ausgaben stehende auden- 
tem gegen Kappes und Ladewig-, ebenso III, 410 gegen Kappes 
für die bei Servius gegebene erklärung von rareseent gleicb aper- 
ientur-, ferner IV, 244 gegen Kappes für Henry 's auffassung von 
lumina morte resignat als synonym mit somnos adimit. Diesen 
richtigen entscheidungen steht II, 738 f. eine irrige deutung 
gegenüber, indem Schröter die worte fatone erepta Creusa sub- 
stitit erravitne via seu lassa resedit nach dem Schema ordnet a) 
fato substitit b) u erravit ß resedit , während Servius mit recht 
erravit und substitit gegenüber stellt und dem fato erepta unter- 
ordnet. II 586 f. animumque explesse iuvabit ultricis flammae bezieht 
Schröter flammae mit Weidner auf animum, erklärt es aber als 
qualitätsgenetiv ; noch gewagter erscheint es, wenn Schröter III, 
47 bei iaculis increvit acatis nicht einen dativ , sondern einen 
bestimmenden ablativ annimmt. III, 110 und 403 werden gegen 
Wagner und Ladewig die formen steterant und steterint nicht 
auf sistere sondern richtig auf stare zurückgeführt. IDT, 19 f. 
Sacra Dionaeae matri divisque ferebam auspicibus eoeptorum operum 
fasst Schröter in der hgdeutung von ' denjenigen göttern, welche 
die förderer begonnener werke sind' und denkt speciell an 
Janus und Apollo. Vergleicht man aber IV, 45 dis auspicibus 
et Junone secunda, so muss man auch hier divis mit Wagner all- 
gemein wie ceteris divis verstehen und auspicibus eoeptorum operum 
als apposition, die für alle gilt. Für die deutung von III, 12 
Penatibus et magnis dis, wonach et in freierer weise seinem be- 
griffe Penatibus nachgestellt und dann die apposition magnis dis 
hinzugefügt wäre, vermisst man belege. Die von Schröter ge- 
sammelten, ungeordneten beispiele beweisen nichts. Aber auch 
in der reichen und wohlgeordneten Zusammenstellung bei Haupt 
Opuscul. I, p. 121 findet sich nur ein entsprechendes beispiel für 
einschiebung von et zwischen ein Substantiv und seine apposition, 
und dieses eine ist zweifelhaft, denn das citat stimmt nicht. Es 
mag übrigens hier bemerkt werden , dass Schröter , während er 
sich sonst fleissig in den neueren ausgaben umgesehen hat, 
Haupts recognition nirgends erwähnt. 



141. Q. Horatii Flacci Opera Omnia. Recognovit et 
commentariis in usuni scholarum instruxit G u i 1. D i 1 1 e n b u r g e r, 



222 141. Horatius. Nr. 4. 

Ed. VT. Addita est tabula villae Horatianae. Bonnae, sump- 
tibus Ad. Marci. 1875. XX und 644 s. 8. 

Die jetzt in sechster aufläge vorliegende Dillenburger'sche 
Horazausgabe hat sich seit ihrem erscheinen 1843 durch ihre 
ursprüngliche gediegenheit , taktvolles maasshalten in der Inter- 
pretation, vorsichtige kritik und klare darstellung in schönem 
latein nicht weniger als durch die stete Vervollkommnung von 
aufläge zu aufläge so vollauf empfohlen und in den weitesten 
kreisen bekannt gemacht, dass es eines hinweises auf das schätz- 
bare und unentbehrliche buch nicht mehr bedarf, und nur auf 
ausdrücklichen wünsch der redaction unterzieht sich ref. einer 
kurzen besprechung des von der kritik längst völlig gewürdigten 
und durch ausgaben mit deutscher erklärung keineswegs über- 
troffenen werkes. Auf wenig grösseren räum als die fünfte 
aufläge zusammengedrängt begnügt sich die neue nicht bei den 
in der vorrede angegebenen textesänderungen und der conse- 
quenten durchführung der Brambachschen Orthographie — einer 
neuerung, die bei einem auf schulen vielfach gebrauchten buche 
nur als äusserst zweckmässig bezeichnet »werden kann — sondern 
zeigt in den anmerkungen überall das sorgfältigste nachfeilen 
und ein gründliches Studium der bedeutenden neueren literatur 
(Keller-Holder, Lehrs, L. Müller u. a.) , von welcher auch die 
namhaftere ausserdeutsche (Madvig, Willems u. a.) berücksichtigt 
ist, so dass die interpretation überall auf der höhe der zeit steht 
und auch in der angäbe der erforderlichen wissenschaftlichen 
nachweisungen die hand des meisters sich zeigt. Dabei ist die 
alte bewährte einrichtung beibehalten, welche vorn den in aller 
seiner einfachheit doch nicht überflüssigen situationsplan des 
unicum Sabinum, sodann die treffliche Vita Horatii mit der tabula 
chronologica, den Index metrorum und am Schlüsse den namen — 
und realindex bietet. Die vorgenommenen textesänderungen (II. 
3. 206 in der praef. ist ein druckfehler) kann referent mit aus- 
nähme von HI, 14, 11 nur als f ortschritte begrüssen; an den 
in der vorrede genannten stellen ist überall der weg betreten, 
den Meinecke, Haupt und L. Müller eingeschlagen haben. Es 
ist dies bei der bedächtigen conservativen kritik des heraus- 
gebers, der nicht leicht etwas wohlerwogenes aufgiebt, wie er 
denn auch in dieser ausgäbe alle interpolationen (mit ausnähme 
von Sat. I, 10, init.) verwirft, einer besonderen erwähnung 



Nr. 4. 142. Horatms. 22S 

werth. Die ausstattung des buches , das seinen weg zu seinen 
zahlreichen alten freunden finden und sich unter der jüngeren 
generation hoffentlich recht viel neue erwecken wird, ist in ge- 
wohnter weise vortrefflich. 



142. Q. Horatii Flacci Carmina Lyrica. Ex intimae artis 
criticae praeceptis emendata edidit et commentariis criticis exe- 
geticisque instruxit Nicol. Guil. Ljungberg doct. pb.il., 
apud regium gymnasium Gotoburgense constitutus eloquentiae et 
poesis romanae lector. Vol. I , versus Horatianos continens cum 
praefatione editoris cet. Carolstadii 1872, ex offic. C. Kjellin 
1 Edr. 50 Öre. 

Der Verfasser dieser abenteuerlichen Horazrecension ist 
nach langem siechthum im juli 1872 gestorben; aber bei aller 
dem todten geziemenden Schonung kann auch die mildeste kritik 
das buch nur als eine seltsame wissenschaftliche verirrung be- 
zeichnen. Den inhalt bilden eine in lesbarem latein geschrie- 
bene praefatio (XV seiten), die Sueton'sche vita Horatii, metri- 
sche Schemata und der text von fünf büchern Oden, indem die 
Epodi als lib. V figuriren. Die Praefatio ist wesentlich gegen 
den wailand Lunder professor J. G. Ek gerichtet , welcher eine 
im jähre 1858 in den Jahrbb. der Kgl. Ges. d. Wissensch. zu 
Gotenburg und demnächst deutsch in Jahns Jahrbb. 1859 er- 
schienene erstlingsarbeit Ljungsbergs über die im Horaz zu übende 
kritik scharf recensirt und ganz mit recht bemerkt hatte , dass 
durch solche leistungen die schwedische philologie nur in miss- 
credit kommen müsste ; es bewegt sich diese antikritik wesent- 
lich in gemeinplätzen und Sophismen und liest sich um so un- 
angenehmer, als sie einem zur zeit ihrer abfassung oder wenig- 
stens Veröffentlichung bereits verstorbenen gilt. (Nach Ecksteins 
Nomencl. ist Ek bereits 1863 gestorben.) Vorrede sowohl wie 
vextbearbeitung darf nur als eine völlig krankhafte kundgebung 
bezeichnet werden. Nach der vorrede nämlich haben Bentley 
und — Peerlkamp nur irrita incepta in der emendation des 
dichters aufzuweisen, Ljungberg sucht deshalb einen andern 
weg. Worin das besteht, sagt er nicht: die begründung sollte 
im zweiten bände nachkommen — doch genügt ein kurzer blick 
auf seinen text, dass sein verfahren nichts ist, als das willkür- 
lichste schalten mit der Überlieferung. Lehrs und Gruppe sind 



224 142. Horatius. Nr. 4. 

ihm gegenüber noch conservativ zu nennen, denn sie merzen 
doch nur aus, ohne sich an dem Wortlaut ihres acht horazischen 
residuums wesentlich zu vergreifen; hier wird mit dem texte 
umgesprungen, als ob die Codices ein ebenso überwundener Stand- 
punkt wären, wie grammatik und metrik, Sprachgebrauch und 
gesunder menschenverstand. Es wird genügen, den umfang 
und die manier der Ljungbergschen kritik gleich an der ersten 
Ode darzuthun. Sie lautet bei ihm folgendermassen : 

Maecenas, video, tarn edita regia 
Quod det praesidium et quäle decus. Tarnen 
Sunt quos curriculo in pulverem Olympicum 
Colla egisse jugi metaque tervidis 4 

Intentata rotis palmaque ovata fert, 
Quo dulcedo animos evehit ad deos 
Huic, si — nobile par! — aula Quiritium 
Certantem geminans tollit honoribus: 8 

Uli, si proprium condit, ut haud reus, 
Quidquid de Libycis versum ierat reis. 
Gaudentem patrii scandere surculos 

Agri tu Attalicis conditionibus 12 

Mulcens ne moveas, ut trabe Cypria 
Mergendi se avidum nauta secet mare. 
Luctanti Icariis fluctibus hospiti 

Mittamus monitus: 'ostium ubi artius 16 

Claudunt rura, subi; mox religa ratem 
Quassam, difficilem pauperie magis. ' 
u. s. w., u. s. w. 

Dies genügt wohl um zu zeigen, wie sich Ljungberg zu 
der meines wissens zuerst von M. Haupt aufgestellten und seit- 
dem von der besonnenen kritik allgemein anerkannten regel 
verhält , dass jede conjectur im Horaz , die mehr als ein oder 
zwei buchstaben ändere, schon eo ipso verfehlt sei. 

Ob der zufall in diesen deliramentis Ljungbergianis irgend- 
wo ein gutes körnchen verborgen hat, das ausfindig zu machen 
wird man nach dieser probe wohl keinem recensenten ansinnen 
wollen. 



143. De Horatio Graecorum Imitatore specimen prius. Diss. 



Nr. 4. 143. Horatius. 225 

inaug. Lips. scr. Eugenius Thallwitz Doebelnensis. Doe- 
belni, J. W. Thallwitz, 1874, 51 s. 8. 

So oft der gegenständ dieser gut geschriebenen dissertation 
auch behandelt ist, fehlt es doch immer noch an einer einiger- 
massen abschliessenden Zusammenfassung , eine aufgäbe, die der 
Verfasser im äuge behalten möge , da er die sache mit aner- 
kennenswerter gründlichkeit und in übersichtlicher weise zu er- 
ledigen angefangen hat. Die ersten sechszehn Seiten enthalten 
wesentlich eine besprechung der vorarbeiten und hätten für 
diesen theil kürzer gefasst werden können, damit für das sta- 
tistische material mehr platz geblieben wäre. Der Verfasser 
theilt seinen stoff ein I. Epitheta, Figurae, Locutiones-, II. ent- 
lehnung in Schilderungen der götter, homerischer personen u. s. 
w. , griechischer mythen , beschreibung der gestirne und winde 
— hier wundert man sich über die enge fassung; warum nicht 
naturschilderung überhaupt ? — ; III. certa quaedam dicta, sen- 
tentiae , argumenta etc., kommt aber leider nur zur mittheilung 
seiner Sammlungen ad I. , während das wichtigste immer der 
dritte abschnitt ist. Wie weit der gegenständ erschöpft ist, 
lässt sich noch nicht bestimmen ; für die eigentliche imitation 
bleibt immer die hauptschwierigkeit , die grenze zwischen be- 
wusster resp. unwillkürlicher nachahmung und rein zufälliger 
analogie innezuhalten , eine Scheidung , die , wie der Verfasser 
richtig bemerkt, namentlich bei dem sonst so verdienten Arnold 
vielfach vermisst wird. Aber auch der Verfasser wird diese 
gränze in abschnitt II. und III. schärfer ziehen müssen , als er 
das bisher gethan hat; denn wenn er z. b. p. 10 behauptet, 
dass C. III, 4, 65 sq. vis consül expers cet. ' manifesto consilio 
expressi sunt ex Eur. Tem. fr, l /32 Dind. et Hei. 903 (bwfit] di y* 
äfia&ijS noXkuxtg rCxrti ßXußrjv und fjiGi7 yog 6 9sog iqv ßfuv) y 
so ist die erste stelle offenbar nur eine analogie, die Helenastelle 
hingegen entspricht zwar genau dem idem ödere vires, aber ein- 
mal fehlt der wichtige zusatz omne nefas animo moventes im 
griechischen, und dann ist die ganze stelle in der Helena u n - 
acht, was wohl zu erwähnen war. Daher beschränkt sich 
Orelli wie gewöhnlich so auch hier mit recht auf einfaches ci- 
tiren der beiden stellen aus Euripides. Ueberhaupt bedarf es 
grade bei der vergleichung zweier so gnomenreicher dichter wie 
Euripides und Horaz besonderer vorsieht ; unzählige male finden 



220 143. Horatlus. Nr. 4; 

sich anklänge , ohne dass .etwas anderes als der zufall sie her- 
beiführt. So z. b. wird beim lesen der fragmente aus den Te- 
meniden bei nr. 734 Dind. uqtiri de xuv 9-dvfi rtg ovx änoXXviut 
das Horazische non omnis moriar, bei nr. 739 cptv tptv w qivvcu naioog 
fiyevovg uno offrjv i'%H (poovrjGtv ä^(a)fid je das forte» ereantur 
fortibus jedem einfallen , ohne dass eine spur von nachahmung 
vorhanden ist. — :' Im übrigen beweisen die obigen Euripides- 
stellen, selbst angenommen, sie seien die quellen für C. HI, 4, 
65, nicht das, was sie beweisen sollen. Thesis ist p. 10, das 
Vorhandensein eines griechischen musters sei beweis für die 
ächtheit der betreffenden Horazstelle. Darum sei C. III, 4, 65 
echt horazisch, obwohl es für unächt erklärt werde. (NB. hat 
dies nur Peerlkamp gethan.) Da fehlt offenbar der nachweis, 
dass die von Peerlkamp , Lehrs und Gruppe statuirten interpo- 
lationen — deren der letztere ja ganze schulen annimmt — nicht 
griechisch verstanden resp. nicht auch griechische dichter hätten 
nachahmen können. Vielmehr wird eine griechische quelle nur 
dann beweiskräftig sein, wenn eine horazische imitation etwa in 
ihrem ersten theile für acht erklärt, in der fortsetzung aber dem 
Horaz abgesprochen wäre. Zum glück ist die sache nicht von 
belang, da jene interpolationsjägerei nachgerade überwundener 
Standpunkt wird oder doch auf dem abzuge, resp. abwege in 
die Satiren und Episteln begriffen ist. Dagegen kann die imita- 
tion für die kritik allerdings äusserst nutzbar werden, nur muss 
man es umgekehrt anfangen als der Verfasser, wenn er p. 33 
C, I, 32 die vulgata mihi cumque salve durch den verweis 
'cf. interpr.', die doch absolut nichts haltbares bringen, z. th., 
wie Keller-Holder mit dem Lucrezcitat V, 312 nur einen cir- 
kelschluss machen, für richtig erklärt, trotzdem aber für Lach- 
manns medicumque aus Pind. Pyth. 4, 187 (puofiaxov xdXXiOiov 
eäg uQixag, Nem. 3, 17 Ttkuyuv äxog, 4,2 novwv largo g bei- 
bringt. — Den auspruch L. Müllers De Ke M. p. 92 Sane nullo 
modo potest probari, aut Catullum praeter Sapphonem, aut Hora- 
tium praeter Alcaeum alios imitari poetas Aeolis scheint der verf. 
nicht gekannt zu haben; gut ist es jedenfalls, dass er ihn in 
seiner allgemeinheit nicht zur richtschnur genommen hat. 

144. De fontibus librorum XXI et XXII Titi Livii. Scr. Franc. 
Luterbacher. Argentorati, 1875, 60 s. 8. (C. Trübner). 



Nr. 4. 144. Livius. 22? 

Die vorliegende Strassburger doctordissertation , welche eiu 
schon oft behandeltes thema in einer vielfach neuen und selbst- 
ständigen weise behandelt, gelangt zu dem resultate, dass Livius 
in dem buche 21. 22 denPolybius direct, neben ihm namentlich 
den Coelius Antipater, und in geringerem masse den Valerius 
Antias benutzt habe. Wenn die bisherigen Untersuchungen zu 
stark von den quellenforschungen der historiker influenciert 
waren, so ist hier der philologische Standpunkt hervorgekehrt, 
der freilich zu entgegengesetzten resultaten geführt hat. 

Durch bestimmung des durchschnittsumfanges der antiken 
Volumina (p. 6, note 4) wird nachgewiesen, wie ausführlich man 
sich die behandlung des zweiten punischen krieges durch ein- 
zelne Vorgänger des Livius zu denken habe, und aus der dis- 
position der Annalen Piso's (p. 7, note 2) abgeleitet, dass Livius 
nicht aus dem fünften buche Piso's die bücher 21 — 30 könne 
herausgeschlagen haben, wie Keller annimmt. Aus der be- 
stimmung der abfassungszeit jenes werkes ergiebt sich ferner 
(p. 26, note 3), dassPolyb dasselbe nicht konnte benutzt haben, 
wie von historischer seite angenommen worden ist, zumal jene 
hochgestellten Römer die schriftstellerei für ihren lebensabend 
aufsparten ; aus der ganzen art des gewissenlosen Valerius folgt, 
dass derselbe nicht konnte seinen gegenfüssler Polyb abgeschrie- 
ben haben, was Nitzsch vermuthet. Wie aus dem gebrauche 
von ergo mit genetiv und der alten allitterirenden Verbindung 
von fuga und formido (p. 50, note 1) erhellt, konnte Livius an 
der betreffenden stelle nur einen lateinischen autor, nicht den 
Fabius Pictor oder einen Griechen vor sich gehabt haben, und 
wie ein überblick über die entwicklung der römischen historio- 
graphie lehrt , p. 57 f., darf man sich die Annalen Piso's nicht 
als eine abschliessende darstellung des hannibalischen krieges 
denken, die Livius so treu wiederholt hätte, dass er nicht viel 
mehr als neues pergament und eine neue feder nahm. Endlich 
wird aus der rhetorischen haltung der römischen historiker klar 
gemacht, dass man nicht wegen unbedeutender differenzen und 
gelegentlicher amplifikationen sofort zur annähme neuer quellen 
zu greifen brauche, und an einem kleinen Strafgericht über die 
anhänger der historischen schule p. 14 — 16 gezeigt, wie diese 
selbst sich nachlässigkeit in der benutzung des Livius zu schul- 
den kommen lassen, welche den abweichungen des Livius von 



228 145. Livitis. Nr. 4. 

Polybius wenig nachgeben, ohne dass man darum angenommen 
hat, sie hätten entweder einen andern Livius oder den Livius 
überhaupt gar nicht zu rathe gezogen. Sehr gut wird p. 48, 
49 darauf aufmerksam gemacht , wie ein den Scipionen nicht 
günstiger autor (Valerius) die thaten des Sempronius über alle 
Wahrscheinlichkeit vergrössert habe; schartsinnig wird p. 55 ent- 
wickelt , wie Livius zwei relationen kannte , nach denen die 
consuln des j. 216 bald tag um tag im Oberbefehle wechselten 
(Polyb.), bald wieder gemeinschaftlich commandirten, wobei dann 
Varro die worte seines collegen nicht achtete (römische quelle); 
sehr ansprechend ist der nachweis einer aus Coelius und Vale- 
rius stammenden double tte p. 39 ff. Dies einige proben von 
der art und den resultaten der Untersuchung. 

Dass es an einzelnen versehen nicht fehlt, braucht nicht 
verschwiegen zu werden. So ist die zurückführung der specu- 
lae auf Valerius p. 49 durchaus unsicher, ebenso die zurück- 
führung der zweiten relation über die cannensischen gefangenen 
auf Coelius p. 38 , und über die familienchroniken ist p. 37 
Lübberts programm nicht benutzt. Aber so viel ist nach unse- 
rem ermessen klar geworden, dast Livius nicht eine ältere 
quelle ausgeschrieben, sondern zwei bis drei zu einem ganzen 
verbunden hat, ohne dass es ihm freilich gelungen wäre, alle 
disharmonien auszugleichen; überhaupt, dass Livius eine viel 
grössere Selbstständigkeit zukommt, als ihm gewöhnlich zuerkannt 
wird. E. W. 

145. Analecta Liviana ediderunt Th. Mommsen et G. 
Studemund. Accedunt tabulae sex. Lipsiae apud S. Hirzel. 
MDCCCLXXni. 74 s. 4 

Man hat von Gronov bis auf Madvig ziemlich allgemein 
angenommen, dass in der kritik der b. 21 — 30 des Livius alles 
einzig und allein auf den cod. Puteanus hinauslaufe; und für 
den ersten theil der dekade ist auch dieser satz unerschüttert 
geblieben. Heerwagen dagegen zeigte 1869 in einer gründli- 
chen abhandlung, dass 26, 41, 18—44, 1, welche, nur in jun- 
gem handschriften erhalten, im Puteanus fehlen, nicht von einem 
gelehrten Italus ergänzt, sondern offenbar von Livius selbst ge- 
schrieben seien, indem er zugleich auf die bedeutung des ver- 
lorenen cod. Spirensis hinwies, aus welchem Beatus Rhenanus so 



Nr. 5. 145. Livius. 229 

manche Verbesserung der b. 26 — 30 geschöpft hatte. Bald dar- 
auf publicierte C. Halm in den Münchner Sitzungsberichten die 
Varianten eines pergamentblattes des Livius, saec. XI enthaltend 
28, 39, 16 — 41, 12, welches einzelne stellen besser und vollstän- 
diger bietet als cod. Puteanus und daher nicht mit unwahrschein- 
lichkeit als ein fragment jener Speierer handschriften betrachtet 
werden kann. 

In diesen Zusammenhang greift die zweite, von Studemund 
geschriebene abhandlung der Analecta ein, betitelt: de Livii 
palimpsesto Taurinensi. Der graf Baudi a Vesme sah zuerst, 
dass die untere , halb ausgelöschte schrift von acht blättern des 
cod. A. II. 2 (gegenwärtig sind nur noch sieben vorhanden) dem 
Livius gehöre, und kurz nach dieser entdeckung noch im herbste 
des jahres 1869 machte Studemund in Turin seine collation, 
schrieb auch die vorliegende abhandlung noch in frischer er- 
innerung an die gemachten notizen im februar 1870 in Würz- 
burg nieder. Die blätter enthalten Liv. 27, 11, 9 — 13, 11 5 
27, 31, 9—34, 14; 29, 12, 5—13, 7; ib. 21, 5—23, 3. Die 
schrift vergleicht Studemund mit der des veroneser Gaius; we- 
gen der dünnen züge ist nicht alles leserlich und die vom 
Schreiber des Taurinensis (T) gebrauchte tinte ist auch gegen che- 
miche reagentien ziemlich unempfindlich , leichter ist die schrift 
des correctors (c) zu lesen, der nicht nur den text vielfach ab- 
geändert, sondern auch an den rändern zahlreiche Inhaltsan- 
gaben zugesetzt hat. Die Untersuchung der abweichungen von 
T gegenüber P (=Puteanus) stellt als unzweifelhaft heraus, dass die 
lesarten des von P unabhängigen T oft gleich gut oder besser 
sind. Liv. 27, 13, 7 kann signa cohorti ademisset (statt abstulisset) 
auch mit 26, 6, 8 signa Carthaginiensibus quindecim adempta und 
41, 26, 5 empfohlen werden. 27, 13, 10 ist armati ornatique 
besser als die lesart von P ornati armatique, nach 7, 10, 5 iu- 
venem armatum adornatumque, wie auch in Verbindung mit instrue- 
tus omatus fast ausnahmslos die zweite stelle behauptet, Cic. 
Philipp. 10, 4 Graecia copiis non solum instructa, sed ornata. Mehr 
beispiele über vorzuziehende lesarten von T lese man bei Stu- 
demund nach ; über das endresultat wird man nicht schwankend 
bleiben können. 

Nachdem nun aber einmal die alleinherrschaft von P ge- 
brochen ist, wird es nothwendig die jüngeren handschriften, 
Philol. Anz. VII. 15 



nO 145. Livius. ffr. 5. 

welche zu T oder zum Spirensis in einer Verwandtschaft stehen, 
wieder genauer einzusehen, und Mommsen hat nun in der dritten 
abhandlung proben aus 82 handschriften der dritten dekade 
vorgelegt; zu 27, 33. 34 und zu 28, 39. 40. 41 werden voll- 
ständige collationen mitgetheilt, ausserdem einige besonders wich- 
tige stellen besprochen, und namentlich bestimmt, wie sich die 
handschriften zu der oben erwähnten lücke 26, 41, 18 — 44, 1 
verhalten. Es ergiebt sich aus der eingehenden prüfung, dass 
mit dem verlorenen Spirensis sechs handschriften in nächster 
beziehung stehen, Londin. Burn. 198 und Harl. 2781-, Marcia- 
nus 364-, Laurentianus LXIII und XIX, sin. 8, sowie ein dritter 
Laur. n. 263. 

An der kritik selbst hat sich Mommsen nicht betheiligen 
wollen •, er hat nur (was aber gewiss ebenso wichtig ist) die ganze 
arbeit vorgezeichnet und damit andern leicht gemacht mit dem 
nöthigen fleisse die lohnende aufgäbe zu lösen. 

In der vierten abhandlung endlich giebt Mommsen den er- 
klärenden text zu den sechs photographischen tafeln, welche 
drei columnen des cod. Veronensis (Liv. 3, 64), eine seite aus 
cod. Puteanus (21,21, 6 — 13), zwei Seiten aus cod. Vindobonensis (auf. 
und ende des b. 45) und das fragment des 91. buchesaus cod. 
Vatic. Palat. 24 enthalten. Welches hilfsmittel nicht nur für 
die kritik, sondern überhaupt für die paläographie damit ge- 
boten sei, bedarf keiner auseinandersetzung : besondere erwähnung 
verdient, dass aus Puteanus und Vindobonensis noch neues gezogen 
worden ist. Am Schlüsse von Liv. 21 die subscriptio in cursivschrift : 
recognobi abellini; am ende von b. 45 hat Mommsen noch fol- 
genden satz gewonnen : actumgue in Asia bellum \in]ter \Eumene\n 
et Gallos ind[e coepii\. iste codex est theutberti episcopi de dorostat. 

P.S. Mittlerweile hat die berliner akademie einen preis 
ausgesetzt für die beantwortung der frage, welcher werth dem 
codex Spirensis gegenüber dem Puteanus zukomme, und der vfr. der 
gekrönten arbeit, privatdocent dr. Luchs aus Strassburg hat 
sich nach Italien begeben, um dort die zu der familie des Spi- 
rensis gehörigen handschriften zu collationieren , da das bisher 
vorliegende material zu einer definitiven lösung kaum ausreicht. 
An den stellen, an denen die lesarten beider handschriften be- 
deutend auseinandergehen, so dass die annähme blosser Schreib- 
fehler ausgeschlossen ist, wird wohl dem Puteanus der Vorzug 



Nr. 5. 146. Ampelius. 231 

grösserer treue bleiben, und vom Spirensis anerkannt werden müssen 
dass schadhafte stellen in sehr willkürlicher weise überarbeitet sind. 
So 27, 25, 7 hat Spirensis : negabant unam cellam amplius quam 
uni deo rede dedicari, gegen Puteanus: unam cellam duobus 
[diis] rede dedicari, dessen lesart Valerius Max. 1, 1, 8 (duobus 
diisj und Plut. Marc. 28 (ovo d-eovg) als acht erweisen. Während 
Sp. solche correcturen öfters bietet, z. b. 29, 6, 2. 29, 32, 8, 
sind sie in P seltener und bewegen sich innerhalb viel engerer 
grenzen, z. b. 22, 14, 2, wo das unzweifelhaft richtige quieverant 
in folge Verwechselung von E und Fzu quidam fuerant, — 23, 16, 
16 (non vinci ab Hannibale tunc di/ßcüius fuit quam postea vin- 
cere, nach der emendation des ref.) wo ein aus tunc verdorbenes 
uinc zu uincentibus erweitert ist. Aber da Sp. andrerseits auf 
den gleichen archetypus zurückgeht, aus dem auch P. geflossen 
ist, so verbessert er nicht nur manche leichtere Schreibfehler 
des P, sondern füllt auch sehr oft die kleinen lücken aus, an 
denen P so reich ist; und wo nicht die ergänzung des Sp. 
sich als sachlich ungeschickt oder als dem livianischen Sprach- 
gebrauch widerstreitend verräth, dürfen wir annehmen, dass die- 
selbe nicht auf blosser conjectur, sondern auf reinerer Überlie- 
ferung beruhe. E. W. 

146. De mundi miraculis quaestiones selectae. Doctor- 
dissertation von Hermann von Roh den. Bonnae 1875. 
48 s. 8°. 

Der mit umfassenden Studien über die ganze litteratur der 
miracula mundi beschäftigte verf. giebt hier als Vorläufer eine Unter- 
suchung über Ampelius Lib. memor. cp. 8 und über Philo's schrift 
negl imu &tufjiuzu)v. 

Was den Ampelius anbetrifft, so war das genannte capitel 
(miracula mundi) so sehr corrupt, dass neben dem sinnlosen und 
verdorbenen das gute und neue nur wenig beachtung fand. 
Nachdem ref. den einzig erhaltenen codex Monacensis collationiert, 
und cap. 8 als aus zwei theilen (§ 1 — 17. 24 und § 18 — 23, 
den bekannten sieben weitwundern) zusammengesetzt erklärt, 
nachdem dann auch Urlichs , Zink und Eussner beitrage zur 
conjectur alkritik geliefert hatten, weist verf. zunächst den ver- 
schiedenen Ursprung jener zwei theile nach , und zwar so , dass 
er die einlage § 18 — 23, deren Übereinstimmung mit (Pseudo-) 

15* 



Ut 146. Ampelius. Kr. 5. 

Hygin fab. 223 und Vibius Seq. append. längst erkannt war, 
nunmehr mit Moritz Schmidt auf Varro zurückführt und richtig 
als randbemerkung eines gelehrten lesers bezeichnet. Die auf- 
zählung der ächten miracula des Ampelius begann somit § I 
mit Apöllonia in Illyrien, gelangte über Athen nach Ilion, in 
§ 17 bis Magnesia, und schloss § 24 mit Aegypten. Leider 
hat das in den text gerathene einschiebsei einige ächte miracula 
zwischen Magnesia und Aegypten wenigstens theilweise verdrängt ; 
doch sind, wie verf. scharfsinnig nachweist, in der corrupten 
Überlieferung noch notizen über die quadriga des Sonnengottes 
auf Khodos, und über ein Jupiterbild auf Cypern noch erkennt- 
lich, wenn sie auch mit dem varronianischen cataloge zusammen- 
geflossen sind. Die unverständlichen und von Zink unrichtig 
behandelten worte § 18 sepulcrum leari werden als in Caria 
gedeutet und auf das mausoleum bezogen x ). Schlagend ist 
auch der nachweis, dass Ampelius von der quadriga des Lysipp 
auf Khodus sprach, und diese erwähnung die randbemerkung 
über den berühmteren coloss des Chares von Lindos nebst den 
übrigen sechs Wunderwerken der alten weit nach sich zog. Als 
originalquelle der dem Ampelius angehörenden partie macht verf. 
eine schrift eines Alexandriners aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. 
wahrscheinlich, nimmt jedoch nicht directe benutzung an, sondern 
dass Ampelius dem Nigidius gefolgt sei, auf grund der von dem 
ref. ausgesprochenen vermuthung, dass cap. 2 des Ampelius de XÜ 
signis aus Nigidius geflossen sei. Er konnte beifügen, dass auch 
"Eeifferscheid Suet. fragm. p. 229 und p. 428 das fünfte capitel 
"über die Winde, und das dritte über die gestirne (ibid. p. 
445) aus Nigidius hergeleitet hatte, aber freilich in der vorrede 
p. XVDII sogar über cap. 2 wieder zweifelhaft geworden war. 
Die schon oft angezweifelte schrift des Philo prüft verf. 
namentlich in hinsieht auf den hiatus und den Sprachgebrauch 
des autors , wodurch er zu dem Schlüsse gelangt , dass dieselbe 
zu ende des 5. oder zu anfang des 6. Jahrhunderts nach Chr. 
verfasst sei. E. W. 

1) Diese vermuthung und die aus der geographischen disposition 
folgende annähme eines grösseren glossems hatte ref. schon vor zehn 
jahren brieflich Zink und Eussner mitgetheilt, auch einmal in den 
kritischen Übungen an der Universität Zürich nebst anderem, was vf. 
jetzt gefunden, ausführlich begründet. 



Nr. 5. 147. Ammianus Marcellinus. 233 

147. Martini Hertz de Ammiani Marcellini studiis 
Sallustianis dissertatio. (Vor dem index scholarum in univer- 
sitate litterarum Vratislaviensi per aestatem anni MDCCCLXXIV 
habendarum.) — 4°. 16 s. 

Seit sich die historische und philologische forschung mit 
erneutem und gesteigertem interesse den späteren lateinischen 
historikern zuwendet, reflectirt sie ihr licht auch auf die schrift- 
steiler früherer zeiten, deren werke in beziehung auf stoff oder 
form oder alles beides ihnen anregung gegeben oder geradezu 
vorbild gewesen. Begreiflich , dass diejenigen, welche diese un- 
bekannten oder doch vernachlässigten gebiete erschliessen , auch 
etwa in die irre gehen, dankenswerth, wenn andere, wenn auch 
' subsitivo studio ', wie der verf. genannter gelegenheitsschrift, den 
weg zeigen, wo richtig eingelenkt wird. — So hatte in Ammian 
V. Gardthausen zuerst in den Coniectanea (Kiel 1869) auf die 
beziehungen zu Sallust's Historien hingewiesen, sodann in der ab- 
handlung ' die geographischen quellen Ammians ' (Fleckeisens 
jahrbb. VI suppl. bd.) das verhältniss zwischen beiden dahin präci- 
sirt, dass Ammian die auf Sallust zurückgehenden notizen, die sich 
ausschliesslich auf die geographischen partien beschränken, nicht 
direct den geschichten desselben verdanke, sondern vielmehr in^ 
direct durch vermittelung eines geographen, und zwar des Verfassers 
eines nach einem gewissen Schema gearbeiteten geographischen 
handbuchs-, die berührung aber vieler sallustianis eher notizen 
mit anderen, griechischen periegetischen quellen Ammians hatte 
er dahin erklärt, dass beiden eine gemeinschaftliche quelle zu 
gründe liege , nämlich Eratosthenes. (Darnach hat Hertz p. 7 
den Standpunkt Gardthausens nicht ganz vollständig und genau 
wie der gegeb en) . 

Hatte dagegen schon A. v. G(utschmid) Litterar. Centralbl. 1873, 
p. 739 directe benutzung der sallustischen Historien vermuthet, 
von denen vielleicht ein auszug der geographischen partien exi-^ 
stirt habe, ähnlich der Sammlung der reden und briefe, so be- 
weist nun verf. , dass nicht alle von Gardthausen angezogenen 
stellen Ammians auf geographische excurse Sallusts zurückzu- 
führen seien, sondern mit mehr recht und Wahrscheinlichkeit zum 
theil der fortlaufenden geschichtserzählung angehören, und vom 
schriftsteiler sogar nicht im interesse der sache, sondern des 
ausdrucks mit kleiner Veränderung herübergenommen seien. Eine 



234 147. Ammianus Marcellinus. Nr. 5, 

anzabl anderer stellen stellt verf. weiter zusammen, woraus unab- 
weislich die directe benutzung Sallusts durch Ammianus er- 
härtet wird: XV, 4, 11 — hist. fr. ine. 59 D; XVI, 2, 10 (XXVII, 
10, 9 = XXX, 1, 12) — HI, 68; XVI, 11, 9 (= XXVII, 
10, 2) — II, 23 (aber auch Tacitus); XVII, 9, 4 (XXV, 7, 4) 

— II, 96, 1; XVII, 13, 28 (= XIX, 11, 2), XIX, 9, 1 (= 
XXX, 5, 14) — ine. 112 (aber auch Tac); XXIII, 6, 65 — 
HE, 18 (auch Tac); XXIII, 6, 79 — ine. 54; XXIX, 2, 21 

— II, 96, 4; XXX, 4, 4 (XVII, 7, 1. XXIII, 6, 10) — I, 2 
(lug. 17, 2. Cat. 4, 3. 38, 3; besonders aber XXIV, 2, 10. 4, 
14. 6, 8— IV, 57 und XXVI, 6, 16—1,41,21. Die benutzung 
erstreckt sich aber auch auf den Iugurthinischen krieg, wie 
verf. durch gegenüberstellung folgender stellen, abgesehen von 
andern anklängen, zeigt: Ammianus XVI, 6,3 — lug. 29, 
5; XX, 11, 12—23, 2; XXIV, 2, 22—21, 2 (109, 4. 51,2); 
XXIV, 4, 10—75, 2 u. b\; XXIV, 4, 24—8, 2; XXVI, 2, 8 
—10, 2; XXVni, 6, 24—35,1. 

Catilinam vero Sallustii, so schliesst der verf. , non legisse 
vel certe non excerpsisse videtur Ammianus. Die wenigen anklänge, 
auf welche er aufmerksam geworden, beweisen in der that nicht 
viel. Aber ist es schon an sich auffallend und kaum glaublich, 
dass Ammian Sallusts erstlingswerk allein ignorirt haben sollte, 
so lässt sich denn doch seine bekanntschaft auch mit dem Ca- 
tilina, welche sich in nachahmung oder geradezu entlehnung 
von Wörtern und Wendungen verräth, mit beispielen belegen, 
wie ref. anderswo mitzutheilen gedenkt. — Indess ist zu wün- 
schen, dass, da verf. es ablehnt, andere die sache erschöpfend 
behandeln und der Vorgang eines schülers desselben H. Mi- 
chael de Ammiani Marcellini studiis Ciceronianis (Vratisl. 1874) 
in bezug auf Sallust und derjenige von H. Pratje (quaestiones 
Sallustianae ad Lucium Septimium et Sulpicium Severum Cai Sallusti 
Crispi imitatores speetantes, Gottingae 1874) in rücksicht auf 
Ammian weitere nachahmung finde. H. Wz. 

148. M. Tullii Ciceronis Orationes selectae XVIII in usum scho- 

larum ediderunt, Indices et Memorabilia vitae Ciceronis adiecerunt 

A. Eberhard etW. Hirschfelder. 8. Lips. Teubner. 1874. 

Der ' Orationes selectae'' giebt es genug; wünschenswerth 

wäre endlich die ausgäbe eines schul-Livius. Da indessen die 



Nr. 5. 148. Cicero. 235 

schule viel bücher verbraucht, so sind neue ausgaben der 
Schulschriftsteller immer möglich und auch erwünscht, "wenn sie 
die aufgaben der schule ,pder der Wissenschaft fördern. Die 
neue ausgäbe der orationes selectae unterscheidet sich äusserlich 
wenig von den bisher üblichen Sammlungen. Die auswahl ist 
dieselbe wie bei Halm, nur statt der Divinatio ist die Planeiana 
gegeben. Dies ist kein vorzug. Nützlich aber ist die beigäbe der 
Memorabilia und der sachlichen Indices. Statt der nutzlosen proö- 
mien und inhaltsangaben waren rhetorische analysen nach art der 
desjesuiten.Mari?rras du Cygne, wenn auch kürzer, endlich an der zeit. 

Ein fehler ist es, dass die herausgeber nur eine discrepan- 
tia scripturae Kaiserianae vorausschicken. Was kümmert uns das 
verfahren des trefflichen Kayser! Was handschriftlich verbürgt, 
was conjektur ist, das allein zu wissen ist des lehrers, mitunter 
auch des schülers pflicht. Natürlich mussten die herausgeber 
bei diesem verfahren auch darauf verzichten, dem schüler einen 
nach pädagogischen grundsätzen zusammengestellten apparat 
vorzulegen. Dies ist zu bedauern. Denn z. b. an der Sestiana 
kann ein reiferer schüler allerdings die grundsätze methodischer 
kritik kennen lernen, während er durch planloses besprechen 
horazischer lesarten in der regel zur geringschätzung aller phi- 
lologischen thätigkeit angeleitet wird. Die ausgäbe von 0. 
Heine verdient deshalb noch immer den vorzug, besonders auch, 
weil sie den apparat sofort unter dem text mittheilt. 

Die neue ausgäbe muss also ihre berech tigung durch innere 
Vorzüge, d. h. durch bessere gestaltung des textes suchen und 
finden. Dem theil nun, welchen Eberhard (Eb.) bearbeitet hat, 
— p. S. Eoscio, Verr. IV. V, Cat. I — IV, Pomp., p. Sulla, p. 
Arch. — müssen wir nachrühmen, dass er sich durch viele und 
wesentliche emenclationen vor den bisherigen ausgaben auszeich- 
net, und dass die vorrede reich ist an neuen vorschlagen, wel- 
che immer zum denken anregen, auch wenn man ihnen nicht 
beistimmen kann. Interessant sind auch vielfach die mitthei- 
lungen, welche Eberhard aus dem nachlasse seines vaters giebt. Zu 
den Catilinarien hat Eberhard neue handschriften verglichen, und 
eine selbständige Stellung gegen Halm gewonnen. Die bedeut- 
samkeit der Studien Eberhard's erhellt zur genüge aus dem in- 
haltsreichen programm , welches 1872 (Lips. Teub.) unter dem 
titel : Lectionum Tullianarum libellus I, erschienen ist. Er hat 



236 148. Cicero. Nr. 5. 

hier den grössten theil seiner änderungen und vermuthungen 
(zur Eosciana, p. Archia) besprochen und dabei auch sehr schöne 
beitrage zur erklärung der reden gegeben. 

Ganz verschieden ist die arbeit Hirschfelders. Die ausgäbe 
der reden, welche er übernommen hat, ist eher ein rückschritt 
als ein fortschritt. Die praefatio ist planlos und allzu dürftig, 
ja zu zwei reden fehlt sie ganz. Die observations- und divina- 
tionsgabe, welche Eberhard auszeichnet, scheint Hirschfelder fast 
ganz zu fehlen. Neues und nennenswerthes bringt er selten, 
in der auswahl des vorhandenen ist er nicht immer glücklich. 
Ohne tact und geschicklichkeit ist eben eine kritische leistung 
unmöglich. 

Zur begründung meines urtheils will ich die bearbeitung 
der Sestiana einer prüfung unterziehen, freilich in aller kürze, 
wie es der zugemessene räum erheischt. 

Eine der schönsten emendationen (§ 22) hat Jeep bereits 
in Jahns jahrb. 1856 veröffentlicht: denique etiam sermonis ansas 
ddbat, d. i. SERMOHIS = sermo hominis! Ich habe zum über- 
fluss dieselbe emendation 1864 noch einmal bekannt gemacht, 
Halm hat sie natürlich sofort mit freuden aufgenommen, — 
Koch, Heine und Hirschfelder aber scheinen sie noch immer 
nicht zu kennen! Letzterer hat sie nicht im text und erwähnt 
sie nicht in der praefatio. Für unrichtig kann er diese lesung 
der handschriften nicht halten, das ist unmöglich — nein, 
Hirschfelder hat nur versäumt die dritte aufläge der Sestiana von 
Halm einzusehen. Dass er die vierte aufläge (1873) noch nicht 
kannte, daran ist vielleicht die dauer des drucks schuld. 

Ich hatte 1864 vorgeschlagen § 12 die Überlieferung: 
quibus hie rebus consulemq. zu lesen : consulem quaestor. Halm 
hatte diese emendation bereits in die dritte aufläge aufgenommen, 
Hirschfelder kennt sie noch nicht. Ebenso hatte ich §.12 die 
lesart des Par. : maiestatem suam dignitatem erklärt durch die 
auflösung: maiestate sua dignitatem. Halm hat diesen Vorschlag 
in der vierten aufläge reeipirt, Hirschfelder dagegen ist mein 
allerdings hässliches programm von 1864 unbekannt geblieben. 
Das kritische verfahren Hirschfelders tritt klar in der behand- 
lung von §. 44 hervor. Hier stehen in ein und derselben pe- 
riode von ein und derselben Situation vocassent und vocarent 
neben einander. Das unmögliche dieser Verbindung bat Koch 



Nr. 5. 148. Cicero. 237 

gesehen. Was thut Hirschfelder? Er lässt die vulgate im text, 
citirt primo loco die leichte conjectur Ernesti's (vocassent für 
vocarent), und fügt dann hinzu: non male H. A. Koch vocari 
passi essent. So sehr aher diese änderung gegen alle gesetze 
des stils und der rhetorik verstösst, so leicht ist die richtige 
emendation zu finden. Die form vocassent ist als erklärende 
glosse zu vocarent auszuscheiden , und dann zu lesen : senatum 
consules credo, quem totum de civitate delerant , ad arma vocarent, 
qui ne vestitu quidem defendi remp. sissent. Die richtigkeit des 
imperfects zeigt § 81. Vielleicht ist auch consules vor ad arma um- 
zusetzen. Ueberhaupt findet Hirschfelder mitunter die unwahr- 
scheinlichsten einfalle probabel, z. b. § 110 den Vorschlag 
von W. Paul : nihil sanitatem iuvabant anagnostae, libelli pro vino 
etiam saepe oppignerabantur. Wer indessen eine solche conjektur 
erwähnt, hat auch die pflicht das vorbild zu nennen. Dies war 
hier mit dem Vorschlag iuvabant anagnostae M. Hertz im Rhein. 
Mus. 1861. Damit nimmt es der vfr. leider nicht genau. So 
klammert er die worte (§. 2): eis potissimum vox haec serviat 
ein und zwar , wie mir scheint , mit recht , schreibt aber sich 
selbst diese entdeckung zu , während sie Bake (Schob Hyp. 
I, p. 52) gehört. Ferner § 47 giebt er als eigne emendation: at 
cives, at armis abeo pi-ivato, erwähnt aber nicht, dass Heraeus längst 
at armis und Wesenberg at ab eo privato vorgeschlagen hatten. 
Die Verbindung beider giebt das richtige, Hirschfelders änderung 
verstösst gegen den rhetorischen stil. Merkwürdig findet § 58 
Hirschfelder den Vorschlag von W. Paul, animo tarnen hostili zu 
streichen und pulsum in impulsus zu ändern, sehr probabel! Er 
selbst schreibt profligatus für pidsuml Die worte cum reliquis suis 
copiis deuten aber darauf hin, dass starke Verluste des Tigranes, 
d. h. schwere kämpfe vorher erwähnt worden sind. Es ist also 
eine lücke vorhanden, welche etwa so zu ergänzen ist pluribus 
proeliis devictus (nicht repulsus!) Diese erweiterung fordert auch 
das mass der xwlul In § 59 ftulit gessit) ergänzt Hirschfelder: 
hie igitur, qui iniuriis lacessivit ; aber schon Köchly hatte vorge- 
schlagen: hie qui iniurias intulit , qui lacessivit. Warum wird 
dieser auetor et signifer nicht erwähnt? Ebenso § 91 efferitate 
Hirschfelder cum cod. Par. Aber diese entdeckung hat längst 
vor ihm Wesenberg gemacht! 

Falsch scheint mir die änderung von et in eerf, welche 



238 148. Cicero, Nr. 5. 

Hirschfelder § 104 macht: nee flagitat rem ullam neque novarum 
verum est cupidus et otio suo et dignitate optimi cuiusque . . . 
delectatur. Denn nicht ein gegensatz ist hier vorhanden , sonst 
müsste es sed otio et tranquillitate reip. heissen, sondern nur eine 
positive Fortsetzung des negativen anfangs ein und derselben 
begriffssphäre. Unnöthig ist § 105 et valebant für valebant, doch 
wird der gegensatz der urtheile von Hirschfelder im texte gut 
zum ausdruck gebracht. Ganz willkürlich ist § 137 die än- 
derung von voluerunt in iusserunt; sie ist auch falsch, denn von 
verfassungsmässigen forderungen ist velle in der römischen gesetzes- 
sprache fast stereotyp. 

Noch viel schlechter als malus ;ist § 141 praestabilius für 
naliud. Der fehler liegt hier tiefer. Denn ist es nicht über- 
haupt in jedem fall sittlicher und erstrebenswerther, im kämpfe 
fürs Vaterland den heldentod zu finden als durch gewaltsame 
Usurpation sich zum tyrannen aufzuwerfen? Wenn Cicero nichts 
anderes zu sagen wusste, dann hat er ein ineptum ausgesprochen ! 
In der wähl der vorhandenen lesarten war Hirschfelder 
nicht immer glücklich, z. b. 360, 29-, 380, 7; 376,33; 382,11 
{eins viri für talis virit)\ 382, 26, wo dissipari gegenüber dem 
conservari als vox proprio, absolut nothwendig ist; 394, 33, wo ut 
nicht entbehrt werden kann, wenn die stelle nicht einen un- 
sinn geben soll ; 401, 15. 392, 10. 387, 23. Der arbeit 
giebt es in der Sesliana noch immer genug. In § 37 finde ich 
in sumpserat des Par. nichts anders als adsumpserat, und erkläre 
es nach p. Süll. § 85. In § 6 ist his gravissimae antiquitatis 
viris ebenso unmöglich als his gravissimis summae antiquitatis viris. 
Den spuren der Überlieferung und dem Sprachgebrauch ent- 
spricht, wie ich glaube, am meisten : his gravissimis antiquae se- 
veritatis viris. In § 7 : fluetibus reip. \expulsum\ in alienis terris 
iacentem ist expulsum ein glossem zu iacentem. § 14 ist insec- 
tantur sicher glossem zu si qui se oferunt. Wie könnte sonst der 
redner die paronomasie quoad ferri poterunt, perferemus folgen 
lassen , wie könnte er endlich den gegensatz bilden : nisi qui 
se ita obtiderit, ut etc. ? Wir haben hier dieselbe interpolation wie 
p. Sulla 47: tulisse ut potius iniuriam quam rettulisse [gratiam] 
videar. § 45 biet Par. unum e und P* unum enim. Das natür- 
lichste ist hier unum uidelicet mihi restabat illud. Wer wäre im 
stände § 9 7 sunt maximorum ordinum homines , quibus patet curia 



Nr. 5. 148. Cicero. 239 

zu erklären? Cicero will ja keinem der drei ordines die mög- 
lichkeit absprechen und lässt deshalb sofort die municipales fol- 
gen. Aehnlich p. Sulla 64 :'animos eorum ordinum, qui praesunt 
iudiciis, alienare. Es wird also maxime eorum ordinum zu schrei- 
ben sein. § 111: cum Mo ore inimicos est meos saviatus , ist 
unter Mo ore nichts zu denken , da im vorausgehenden davon 
nicht die rede ist. Also cum impudico Mo ore, cf. § 117. § 
131 muss in cumque ein satz gesucht werden, etwa: eam cum 
denique relinquerem, itinere toto urbes Italiae etc. Oder Brun- 
disiumque cum denique relinquerem f § 134 facit apertissime 
contra legem: facit is. Muss nach Cat. I 6 heissen et facit is 
etc. § 138 erfordert der gegensatz: non qui sibi se solis, qui 
somno et conviviis et delectationi natos arbitrantur. 

Die übrigen reden , besonders die Miloniana , sind von 
Hirschfelder noch viel spärlicher ausgestattet. Anregung ist 
hier nicht zu finden. Die recognition der reden , welche 
Eberhard übernommen hat, kann theilweise eine recension 
genannt werden: so eingreifend und zahlreich sind die än- 
derungen und vorschlage. So die Catilinarien , die Rosciana 
und p. Archia. In der Rosciana weicht Eberhard etwa an 
dreissig stellen von Kayser ab, iudem er aus den hand- 
schriften andere lesarten auswählt; an 37 stellen nimmt er 
emendationen von anderen gelehrten auf, etwa 28 fremde con- 
jekturen werden ausserdem zur erwägung mitgetheilt; er selbst 
ändert die Überlieferung durch eigene emendation an 28 stellen, 
und theilt dabei noch 31 conjekturen in der vorrede mit; an 
2 conjekturen endlich ist auch Hirschfelder betheiligt. Durch 
solche arbeiten wird die kritik wirksam gefördert. Es ist nicht 
nöthig, dass der herausgeber mit seinen vorschlagen überall das 
richtige trifft , es genügt , dass er durch seine gedanken wieder 
andere zum denken anregt. So wünschte ich § 2 sum für sim, 
weil eine genügende beschränkung des urtheils bereits in ita — 
ut enthalten ist. § 7 ist mit einsetzuug von ea noch nicht ge- 
holfen ; will man nicht mit G nisi wählen, so muss man ista 
si vobis parum aequa — postulatio videtur schreiben. Doch liegt 
der fehler vielleicht tiefer, wie das unverständliche brevem zeigt. 
In § 12 : eo prorumpere Tiominum cupiditatem ist mit einsetzung 
von tarn nicht geholfen. Was soll hominum bedeuten? Soll es 
etwa wie p. Sest. 62 (vgl. Halm) gedeutet werden? Oder soll 



240 148. Cicero. Nr. 5. 

es demonstrative kraft haben ? Ich finde illorum in hominum = 
0£?VM. Es fehlt aber noch ein futurbegriff! Also eo prorum- 
pere paratam esse illorum cupiditatem. Die banditen sind schon 
auf dem anstand ! Im folgenden : ut non modo dam, verum etiam 
hie in foro ante tribunal tuum . . caedes futurae sint ist das eben- 
mass der membra gewaltsam zerschnitten. Kann clam gegensätz 
sein zu in foro, so kann es nicht dem erweiterten begriff hie 
in foro, am allerwenigsten dem doppelbegriff hie in foro | ante 
tribunal tuum entgegengesetzt werden. Es muss also dam 
ex insidiis corrigirt werden. Störend ist tarnen § 33, vielleicht 
ist a me dafür herzustellen-, unfassbar omnia §38, vielleicht 
denique omnem ad perniciem proßigatam, wo denique dann wie 
Verr. act. I § 4 : ordini, nomini denique senatorio gebraucht sein 
würde. In § 55 glaube ich, dass verum tarnen aus der vorher- 
gehenden zeile wiederholt und deshalb zu ändern ist: innocens 
est quispiam, at, quamquam abest culpa, suspicione tarnen non caret. 
Ganz unmöglich, dem sinn und der absieht Cicero's wider- 
sprechend, ist § 57 sine suspicione. Hier hätte die atethese Be- 
necke's erwähnt werden müssen. Die anklage auf vatermord 
stellt Cicero den geschäftigen klagen auf grund einer suspicio 
scharf gegenüber. Auch die rhetorik erfordert die tilgung von 
sine suspicione, vgl. zu Aesch. Ctes. 78. 91. Die bedenken Eber- 
hard's zu § 74 heben sich, wenn man schreibt : ubi eos eonvenit? 
ubi conlocutus est f In § 76 scheint mir Eberhard's änderung noch 
nicht ausreichend; ich schlage vor: accersivit aliquem! quem 
aut quando nuntium misitf unde aut ad quem? In §96 ist primo 
nicht stark genug, daher primonum, d. i. primo omnium. In § 
99 möchte ich nicht so einfach quid erat in quid est umändern; 
sollte nicht das ursprüngliche quid e cae, d. i. quid est causae 
sein? § 113 deutet Wortstellung und Überlieferung auf: in 
crimen iudiciumque et in famae periculum vocatur. In § 126 ist 
nicht allein quo more , sondern auch qua lege interpolation. Mit 
unrecht nimmt Eberhard § 151 anstoss an ut nach di prohibeant. 
Es steht hier ut nicht anders wie sonst nach verisimile non est, 
wie Hör. Sat. I. 3, 120: nam ut ferula caedas . . non vereor. 

Verr. IV, 23 lässt sich leicht so emendiren: haec tivitas 
isti praedoni ac piratae Siciliensi sua Phaseiis fuit. 

Sehr schöne änderungen sind in der Archiana und Sullana. 
Die behandlung der letzteren rede durch Eberhard zeigt, dass 



Nr. 5. 149. Metrik. 241 

hier noch viele verdeckte schaden vorhanden sind. Ich hoffe, 
darauf hei anderer gelegenheit zurückkommen zu können. 

Zum schluss den wünsch-, dass hei einer neuen aufläge die 
bearbeitung der orationes Selectae gleichmässiger und die ein- 
richtung des apparats praktischer werden möge. 

A. Weidner. 

149. Friderici Heimsoethi de duplici quod fertur 
dactylorum et anapaestorum genere in rhythmis Graecorum 
commentatio (Bonner programm 1875. 4°. XIV s.) 

Der verf. zeigt, auf wie schwachen füssen die lehre von 
den sogenannten ' kyklischen ' dreimorigen dactylen und ana- 
pästen steht, wie dieselbe seit Boeckh, namentlich aber seit 
Westphal zum schaden der sache in die moderne rhythmisch- 
metrische disciplin aufgenommen worden sei. Gehen doch alle 
die zahlreichen folgerungen, namentlich für die messung logaö- 
discher rhythmen, wie sie seit Westphal beliebt geworden sind, 
im wesentlichen auf das zeugniss des Dionysios von Halikar- 
nassos zurück, nach dessen bericht die alten griechischen rhyth- 
miker einen kyklischen dactylos und kyklischen anapäst ge- 
kannt haben sollen, welcher nur denselben umfang gehabt habe 
wie der trochäos und der iambos. Heimsoeth zeigt nun, dass, 
ganz abgesehen von der mikrologisch düftelnden manier des 
rhetors Dionysios, aus dessen bericht über die auffassung 'ky- 
klischer' dactylen und anapäste durch die griechischen rhyth- 
miker nichts weiter folgt, als dass griechische rhythmiker (offen- 
bar keine sonderlich alten) gelegentlich bei Homer vorkommende 
dactylen oder bei Euripides vorkommende anapästen (in anapä- 
stischen dimetern) so gemessen haben : 

1) statt des dactylos — w w d. h. statt 2. 1. 1 setzten sie 
an: x. 1. 1., 

2) statt des ana^ästs v_. w — d. h. statt 1. 1. 2 setzten 
sie an: 1. 1. x., 

wobei x einen nicht genau in zahlen ausdrückbaren xQovog 
akoyoq bezeichnet, welcher kleiner ist als 2. Schon daraus 
folgt, dass alle die versuche eines Boeckh, eines Cäsar und eines 
Westphal, mit zuhülfenahme von brächen den umfang jedes der 
drei bestandtheile des 'kyklischen' dactylus oder anapästus 
auszudrücken, der Überlieferung bei Dionysios widerstreiten. — 



242 150. Griechische geschiente. Nr. 5. 

Durch geschickte vergleickung anderer mikrologisch ausgeklü- 
gelter metrischer regeln, welche sich bei demselben Dionysios 
von Halikarnassos vorfinden , will Heimsoeth zeigen , dass über- 
haupt die ganze lehre von den ' kyklischen ' dactylen und ana- 
pästen, wie so manche ähnliche afterweisheit , für die erklärung 
der antiken metra werthlos sei. In scharfer weise wird die 
willkürliche interpretationsmanier gerügt, durch welche Westphal 
versucht hat, alter autoren fragmentarische oder doch gedrängte 
angaben künstlich seiner theorie anzupassen. 

150. Der Abfall Mitylene's von Athen. Symbolae criticae. 
Gratulationsschrift zur Jubelfeier des gymnasiums zu Elberfeld 
von Gustaf Leithäuser. Elberfeld, 1874. 8. 24 s. 

Der deutsch geschriebene theil dieses programms befasst 
sich hauptsächlich mit den zur zeit des abfalls im jähre 428 
bestehenden Verhältnissen Mitylenes und zeigt zuerst, dass W. 
Herbst (der abfall Mitylene's von Athen. Cöln 1861) mit un- 
recht zu den Ursachen des abfalls allzugrosse belastung mit 
leistungen rechnet; verf. hätte auch das fehlen einer dahin zie- 
lenden beschwerde in der rede der gesandten Thukyd. 3, 9 — 14 
als ein wichtiges argument anbringen können. Dann wird an 
der hand von Thuk. 3, 10, 5 und 3, 11, 3 die Sonderstellung 
von Lesbos und Samos den andern bundesgenossen gegenüber 
besprochen, die zweite, wichtigere stelle jedoch sprachlich und 
sachlich unrichtig behandelt. Die worte (xuqtvqCoo ixgüivio [iq 
av rovg ye Icoipricpovg üxovzag, el fitf xv rjdixovv oig inyscuv, 
CvGTgaievHv bedeuten, wie diepartikel av lehrt, nicht: sie gaben 
die feste Zusicherung, es sollten wenigstens die gleiches Stimm- 
recht übenden bundesglieder nicht gegen ihren willen heeres- 
folge leisten. Ebenso wenig geht aus ihnen hervor, dass die 
andern mitglieder theilstimmen gehabt hätten: diese hatten als 
vnrjxooi gar nichts zu sagen und mussten, wie auch axovxag 
anzeigt, unter allen umständen mit Athen gehen. Zu der gegen 
Köhler gerichteten annähme des verf. , dass auch nach 454 all- 
jährliche bundesversammlungen mit abstimmung stattgefunden 
hätten, ist also in der stelle kein anlass gegeben: es genügte 
vor eröfihung eines krieges mit den i6otf)rj(poi rath zu halten 
und diese um ihre (jederzeit erfolgte) Zustimmung zu befragen. 

Nachdem verf. sodann gegen Herbst aus Thuk. 3, 13, 1 



Nr. 5. 150. Griechische geschiente. 243 

gezeigt hat, dass bei dem früheren abfallsversuch Mitylene's die 
Boioter nicht die hand im spiele gehabt hatten ; geht er auf 
die Verfassungsverhältnisse über. Treffend wird Thuk. 3, 27, 1 
(ovif r t xoowvio in) zojv uq/ovzojv auf die truppenführer, nicht 
auf die regierungsmitglieder , bezogen und in den noötdgoi 3, 
25, 1 ein aus der mitte der aristokratie gewähltes regierungs- 
collegium, ein geschäftsleitender und ausführender ausschuss der 
oUyoi oder (wie sie als die machthaber, nicht wie verf. meint 
wegen ihres reichthums, auch heissen^ dvvuzoi erkannt. Herbsts 
deutung der proedren auf die gesammtheit der oh'yot widerlegt 
Leithäuser besonders durch hervorhebung der grossen zahl von 
mehr als tausend, welche er für sie aus Thuc. 3, 50, 1 nachweist, 
geht aber zu weit, wenn er unter den von Paches nach Tenedos 
geschafften Mitylenaiern, von welchen Thukydides zuerst 3, 28, 
2 in den Worten ol ngu^uvzeg izgbg zovg AuxuiSaifiovtovg fid' 
XiGzu zwv MizvXrjvufun' ntgidtelg bvieg spricht, ausser den in der 
Peloponnesos gewesenen gesandten bloss noch die proedren 
versteht: denn die gesandten und proedren zusammen haben 
sicher die zahl von hundert nicht erreicht, die nach Tenedos 
verbrachten dagegen bildeten, wie man aus 3, 35, 1 unonejxaet, 
ig zag *Adi\vag xui zovg ix zrjg Ttvidov MnvXrjvuiwv uvögug 
üfxa ovg xuzi&ero xui ti zig u),Xog uvzoj ul'ziog iöoxei tivui zrjg 
unoazuGfwg wegen der worte h zig uV.og schliessen muss, weit- 
aus die mehrzahl der in Athen hingerichteten Mitylenaier, deren 
mehr als tausend waren. Gerade wegen der Wortstellung, welche 
Leithäuser sonderbarer weise für seine Verbindung fxuXißza ns- 
QidaiTg geltend macht, muss 3, 28, 2 fiälioza mit Herbst auf 
ol ngu^uvzeg noog zovg Auxeöuifioviovg zwv MizvXrjvaiwv bezogen 
werden und da unter diesen anerkannter massen nicht bloss die 
gesandten als die eigentlichen Unterhändler, sondern auch deren 
auftraggeber zu verstehen sind, so bleibt nichts übrig als an die 
athenfeindliche maiorität der oUyoi zu denken. Dies sind dieselben, 
welche Thuc. 3, 50, 1 ol SXkot uvögeg ovg 6 Hü/rjg äninifixpiv 
cug alziujzuzovg bvzug zr t g dnoffzüoeuig duy&uguv ol ' ddjjialoi, 
r t ßuv de oÄiyco jiXsiovg %i)uu)v mit einem dem ol nqul-uvzEg nqbg 
zoi/g Auxiduifxovtovg [lüliozu zwv MizvXrjvaCwv parallelen super- 
lativausdruck bezeichnet. Ganz unnöthiger weise zerbricht sich 
verf. über die frage den köpf, woher nach der hinrichtung der 
oligarchisch gesinnten Mitylenaier die Urheber der späteren 



2Ü 150. Griechische geschleifte. Nr. 5. 

' oligarchischen bestrebungen ' gekommen seien, und vermuthet, 
es möchten dem spürauge des Paches manche entgangen sein 
und durch die massenexecution erbittert die söhne der hinge- 
richteten eine oligarchische partei organisirt haben. Jenen feind- 
seligkeiten der Lesbier gegen Athen wird nirgends ein oligar- 
chischer charakter beigelegt und ihr vorkommen erklärt sich 
einfach aus dem harten Schicksal, welches nach Thuk. 3, 50, 
2 — 3 und Diodor 12, 55 extr. die Athener auch über die un- 
schuldige mehrheit der bevölkerung verhängt hatten. 

Die symbolae criticae geben ausser der verschlimmbesserung 
nsgtßoXoig für ngooßoXug Diodor a. a. o. noch folgende, meist 
ansprechende änderungsvorschläge : zu Plinius Epist. 3, 7, 11 
quod tot milibus tarn brevi (statt brevis) irnmineret occasus; 6, 
8, 6 non posse perinde carptim conieeta {conieeta zusatz des vrfs.) 
ut contexta, perinde inchoata placere ut effeeta; zu Statius Silv. 
1, 6, 46 quis hoc rogari (statt huc vocare) quis promittere possit 
hoc deorum; v. 64 pugiles (statt pumilos). Bei Plinius Ep. 9, 33, 
6 wird praebentem gegen die conjeetur praebentem se, bei Statius 
Silv. 1, 6, 43 die lesart veseimur gegen vescitur, v. 44 die Inter- 
punktion parvi, femina gegen parvi femina mit recht vertheidigt. 

TL 

151. De iniuriarum actione ex iure Attico gravissima. 
Dissertatio inauguralis, quam . . . scripsit Augustus Eudol- 
phus Mücke Gorlicensis. Gottingae 1872. 8. 34 s. 

Die vorliegende inauguralschrift bringt eine revision der 
namentlich für das verständniss der Midiana wichtigen frage 
über die yoacpri vßgswg, die zuletzt von C. F. Hermann in seinen 
symbolae ad doctrinam iuris Attici de iniuriarum actionibus 
1847 eingehend behandelt worden war. Mücke verwirft mit 
Westermann die von Hermann verfochtene authenticität der in 
der genannten rede § 47 eingelegten gesetzesfbrmel , hält aber 
gleichwohl die von Hermann aus letzterer abgeleitete Scheidung 
einer ygaepr} vßgewg iSia und drjfioato fest und sucht den 
unterschied beider näher dahin zu bestimmen, dass die erstere, 
die von dem beschädigten selbst angestellte ygacprj, uTifirjtog ge- 
wesen und die busse bei ihr ganz oder theilweise dem kläger 
zugefallen sei. Im zusammenhange damit giebt er eine neue 
deutung der vielbesprochenen Schlussworte von § 25 der Midiana 



Nr. 5. 151. Griechische alterthümer. 245 

xal rtfxrifjbtt litnyuv ort %gr} tkx&üv r[ änoiTaat, die er nach 
dem vorgange von Hermann in Beziehung nickt zu den näch- 
sten Worten ov fiu dC ov%i drjfiocia xgivuv aviov , sondern zu 
dem vorausgehenden setzt, im ührigen aber dahin versteht, dass 
itprjfia die vom gesetzgeber für die yguyri vßqswg IdCa festge- 
setzte strafe bezeichnen soll. 

Dr. Mücke hat seine sache mit vielem Scharfsinn geführt 
und man folgt darum mit interesse seinen erörterungen. Aber 
seine beweisführung erscheint gerade in wesentlichen punkten 
nicht stringent. So gleich für den satz , dass das gesetz die 
vßgig in vßgig did TtXrjyuiv und vßgig Ji' aiaxgovgyiag zerlegt 
und eine klage wegen vßgig an sclaven verübt nur im letztern 
falle zugelassen habe. Von dem hierfür beigebrachten hat nur 
die bekannte stelle der rede gegen Nikostratos wirkliche beweis- 
kraft ; aber selbst aus ihr ist nicht zu schliessen , dass imf alle 
der prügelung eines sclaven die klage auf vßgig gesetzlich aus- 
geschlossen, sondern nur dass sie nicht üblich gewesen sei, und 
dies kann um so weniger befremden, als wir durch Demosthenes 
und Isokrates wissen, wie schwer selbst ein geschlagener bürger 
sich zur anstrengung jener klage entschloss. Ebensowenig kann 
ref. sich in den übrigen hauptpunkten für überzeugt bekennen. 
Zwar geht Mücke in der Unterscheidung der ygu<prj vßgswg löia 
und drjfioola jedenfalls consequenter als Hermann zu werke. 
Aber um den aufgestellten unterschied durchzuführen, muss er 
jener problematischen deutung der worte des Demosthenes zu liebe 
das zeugniss des Aristoteles, nach welchem man bisher die 
YQOKpi] vßgtutg als eine durchaus schätzbare angesehen hat, ohne 
zureichenden grund auf seine ygacprj druxocta beschränken und 
in der gleichen beschränkung auch die worte der Midiana § 
45 fassen: Siontg xul xr\g vßgewg uvxtjg xug fiev ygutpug k'dutxev 
änavTi zw ßovXofitvm, xo <?£ xifirjfiu inotriffsv olov ditfioGiov, wie- 
wohl die sogleich folgende motivirung xgrjfiuxa ol ngocqxsiv 
(riytlro) xuiv loioviiuv itp' iuvHp Xafißuvtiv unzweifelhaft macht, 
dass Demosthenes im gegentheil zunächst den fall im äuge hat, 
dass der verletzte selbst klagbar wird. Damit steht auch § 40 
keineswegs in Widerspruch; denn das dort gesagte: aviog /uv 
ovxt Xußuiv ovöiv ovx lniyugr\<sag Xußiiv (pavrjootiai ist ledig- 
lich im gegensatz zu den vorher gebrachten beispielen von sol- 
chen zu verstehn, die sich durch geld bestimmen Hessen von 
Philol. Anz. VII. 16 



246 151. Griechische alteirthümer; Nr. 5. 

jedem processe abzustehn, und es ist willkürlich, wenn Mücke 
p. 19 darin auch die beziehung auf einen vortheil finden will, 
der dem redner aus einer klage auf vßqtg erwachsen wäre. Die 
ganze annähme einer kategorie von yqayul Xdiou aber (Mücke sollte 
nicht überall Iditu und drjfjioGiat drucken lassen), zu der Her- 
mann durch sein festhalten an der ächtheit der in der Midiana 
eingelegten Urkunden genöthigt war, muss sobald man diese 
fallen lässt, schon principiell um so bedenklicher erscheinen, je 
schwerer es halt sich den unterschied einer ygucßrj Idta und einer 
dCxr} praktisch klar zu machen. Sie wird aber auch durch die 
stelle der rede selbst, welche für Mücke die hauptstütze seiner 
ansieht bildet, durchaus nicht geboten. Wenn dort (§ 25) die 
yga(prj vßqtojq in allerdings auffallender weise unter die dixai, 
Xdiu.i rubricirt wird, so soll dabei das wort dlxut in weiterem 
sinne stehn , wonach es auch die yQacpuf, der ausdruck dCxai, 
Xdnn.1/ also auch die yquepal Xötai mit einschliessen kann. In 
gleicher weise werden die St'xut Xdiou in § 28 verstanden, und 
doch geht es gerade an dieser stelle am wenigsten an, jenen 
begriff in anderm sinne zu nehmen, als in demselben, in welchem 
er kurz vorher in einen gegensatz zur ygayr} vßqiwg gesetzt 
ist. Das dabei von Mücke p. 19 dem Demosthenes zur last 
gelegte sophisma kann man schon mit in den kauf nehmen. In 
§ 25 aber will es ref. doch gerathen scheinen, bei der längst 
gefundenen deutung der dUai Xöiui stehn zu bleiben, wonach 
sie hier nicht sowohl privatklagen, als vielmehr persönliche klagen 
bezeichnen mit einrechnung derjenigen öffentlichen klagen, welche 
sich auf verbrechen beziehen, in denen der staat nur mittel- 
bar verletzt ist. Die Rechtfertigung dieser deutung liegt in dem 
gegensatze der worte drifioöiu xqlvsiy, die, wie das unmittelbar 
folgende unzweifelhaft lehrt, nur auf die ngoßoXq bezogen werden 
können. Nach dem bemerkten können wir auch Mücke's er- 
klärung der Schlussworte xul zCfiijpa Indytiv xxk. natürlich nicht 
zustimmen, so sehr wir ihm in der bekämpfung der frühern 
deutungs- und änderungsversuche recht geben müssen. Das 
räthsel der stelle ist eben noch nicht gelöst. Jedenfalls haben 
aber Hermann und Mücke darin unrecht, wenn sie die Verbin- 
dung jener worte mit den nächstvorausgehenden ov druioßCa 
xqtvBiv darum für unzulässig erklären , weil dann xat sprach- 
widrig und durch ovdi zu ersetzen gewesen wäre. Aber man 



Nr. 5. Theses. — Nene auflagen. 247 

vergleiche doch z. b. Dem. XIX, 49 iuv fir] nodVJßv &(oxt7g a 
dsl xul nr/gaSiöioGi ToTg ^4fj,(pcxTv6ct, to Isqov. Hiernach ist 
auch die bemerkung der scholien sicher anders zu beurtheilen 
als Mücke p. 27 gethan hat. 

J. H. L. 



Theses. 

De rnundi niiraculis quaestiones selectae. Diss. philologica quam . . . 
in im. Fridericia Guilelniia Rhenana . . . d. XXII rn. Nov. MDCCCLXXV 
. . defendet Hermanns de Rohden: Theses: I. Callimachi epigramma- 
tis 47 (46 Mein. — cf. Fleckeis. ann. CHI 1871 p. 192) extremi uersus 
recepta uerissima Bentlei coniectura ita legendi sunt: 
SG&' ä/ulv /ft' naaictg dqeidia ngbg tov tgoiia' 

TOVTtl VCcl y.tl(llV TR 71KQÜ, naidägiov. 

ovd' ogov dixagay t>v tv didoixa{j.tg' ai yclg Irwdal 
oixoi reo yaktnöj Tgav/ucaog djur/OTsgotg. — 
II. Isigonum Nicaeusern , cuius ntgl äniarmv libros apud omnes 
qui secuti sunt mirabilium scriptores maximi momenti fuisse Val. 
Rose recte perspexit, auctore inpriniis Antigono Carystio usum esse 
neque euicit Erwinus Rohde (in Act. soc. phil. Lips. I p. 29 sq.) neque 
omnino demonstrari potest. — III. De ipsa quae Antigoni Car. nomine 
inscripta extat iGiogiwv naoado^wy farragine recte adhuc a nemine 
iudicatum est. — IV. Quae inter Themistii orationes fertur tricesima 
'&mtg tl ytiüQyrjisov ' spuria est. — V. Aristotelis qui dicitur negi* 
xog/liov libellus si non ab ipso Apuleio (Adami quidem argumenta ne- 
modum euertit) , certe non multum ante illius aetatem scriptus est. 
quicumque autem libri illius uersionem ab Apuleio neglegenter fac- 
tam opinantur , et Hildebrandi et priorum editiones ex pessime cor- 
ruptis codicibus fluxisse non animaduerterunt. — VI. Non priore (cf. 
Roberti diss. p. 41), sed posteriore alterius p. Chr. n. saeculi parte 
bibliothecam Apollodorus conscripsit. — VII. Eidem saeculo exeunti 
et Callistratum ixgigäctiap scriptorem et Xenophontem Epbesium ad- 
scribendos esse certissimis demonstratur argumentis. — VIII. Philon. 
Byz. n. r. tma 9ia/uch(Dv 1. cap. I 3 scribendum ttj x*Q ac P Tiagankijcliag' 
wen Trju ugÖGi/jov vnig xtriakrjg ilvui (cod. Palat. naganktjoiwg' Jt]v re 
ccqvgi/uov. — t corr. Herch.). — IX. Aristaeneti locus (I, 3 Epistologr. 
gr. p. 135. 24 sqq. Herch.) male corruptus nee satis intellectus ita 
lere emendandus est inl rolvvv rovg ninav&EVTug o [xiu aviggi^äw, o 
dt «7io irjg ylfjg c'gd-f lg ixavwg äxgtt fxiv Trj kaiix Gffodgwg h/sto tov (fvrov, 
ßtßkqxdig (rt]V yngee? avTtjV ?) &nl rwu xkddcov, rrj dz'l-ä d'i nagsTgvycc , S 
dt vno tov devdgov ytlgag dlgiyi Tip yscogyw (aut Tolg ytwgyolg) , äßnsg 
ysyt]Qax(üg. — X. Caput ntgl /uvij/uqg (Rh. Gr. I p. 312 sqq. Sp.) etsi 
ipsius artis pars certo non fuit, tarnen cur a Cassio Longino abiudi- 
cetur causa nulla est. contra negl vipovg libellus post Vespasiani tem- 
pora compositus esse nequit. — XL Dialogus "Egwng inscriptus nee 
Luciani est neque quidquam quo uel rectius de Praxitelia Veneris 
statua uel aecuratius existimetur impertit. 

Fr. Heidenhain, de doctrinae artium Aristotelicae prineipiis scr. 
(Zeitz): Theses: I. Ingeniorum illa quae in imaginibus cernitur varietas 
non tarn ex earum rerum, quae ad phrenologiam pertineant, aut ex 
vultuum pendet varietate quam ex lineamentorum varia conformatione. 
— II. Arist. Poet. cap. 18 p. 1455 b 32 scriptum fuit: rgaytodiae di 
tidrj tiGiv l'f. (libr. tiggccq«) ioguvxu yag xai tu f*eg>] Iktylhi. ut enim 
'riGGaga' 1 scriberetur, inde factum est, quod in sequentibus librariorum 

16* 



248 'Neu© auflägest. Nr. 5. 

incuria genera duo, unum quod nimio dictionia alterum quod nimio 
niusicae studio procreatum erat, exciderant. — III. 1. 1. cap. 24 p. 
1459 b 7 ita scribendum est: In eJ* rd tldq ravia dtl !/»>' r>]v knonoüav 
rr, TQctyadia. \r t yäg anktjv tj Titnkiyfiiftjy tj yfrixqv % na&tjnxqv] xal (yäg) 
t« fiigt] l£w /utlonoüag xal otptcog tavtä. xal ydg neotntTinJJv dtl xal 
dvaytxoQicBbiv xal na§r\naT{av [ßn rag diavoiag xal rijv Ae£iv %%tiv x«Acof] 
ois anaßiv "Ofxrjgog xi%QtjTai xal nowiog xal IxaviSg. xal ydg (excidit sen- 
tentia ea quae ad utrumque Carmen simul pertineret) xal rdSu noitjfid- 
tcov ixdrigov ovyieiijxtv rj fiiv 'Ifoag änXovv xal na&qnxov, tj di'Odvaatia 
TunXiyfiSfoP, dvayvügiaig ydg di.6i.ov, xal tjd-Mij. ngbg ydg rovroig AeJf** 
xal foavoia ndvm vntgßißXrixiv. — IV. Ar. Pol. VIII, 5 p. 1339 a 26 
verba 'xal ngog tpgovtjaw' glossema fuerunt ad verba v. 22 'ngbg 
aotrtjv « fsivetv. 1 — V. 1. 1. p. 1340 a 30 praeter Spengelii verborum 
' dXV $nl [xwgöv' trajectionern ad locuni plane emendanduni pro 'in 
de ovx Man, ravTa SfioKo/xara ' scribendum est: intl ovx xri. 

Neue auflagen. 

152. Homers Ilias. Erklärt von K. F. Ameis. 1. bd. 3. heft, 
bearbeitet von C. Hentze. 8. Leipzig, Teubner; 1 mk. 20 pf. — 153. 
H. Bonitz, über den Ursprung der homerischen gedichte. 4. aufl. 8. 
Wien, Gerold; 2 mk. — 154. Sophoclis tragoediae. Rec. E. Wun- 
derus. Vol. I, sect. I contin. Philoctetam. Ed. 4 cur. N. Wecklein. 
Lips. , Teubner; 1 mk. 40 pf. — 155. Freunds Schülerbibliothek. 
Präparationen u. s. w. Präparation zu Sophokles werken. 9. 
hft. 2. aufl. 16. Leipzig, Violet; 50 pf. —156. Thucydidis de bello 
peloponnesiaco 11. VIII. Explanavit E. T. Foppo. Vol. II. Sect. 2. 
Ed. 2. auxit et emendavit J. M. Stahl. 8. Lips., Teubner; 2 mk. 
70 pf. — 157. Thucydidis de bello peloponnesiaco l. VIII. Iterum 
edidit G. Boehme. 2 voll. 8. Lips., Teubner; ä 1 mk. 50 pf. — 
158. Freund Präparationen u. s. w. Präparation zu Xenophon's Ana- 
basis. 4. hft. 5. aufl. 16. Leipzig, Violet; 50 pf. — 159. Piatonis 
Phaedo. Rec. M. Wohlrab. Ed. 5. Lips., Teubner; 2 mk. 70 pf. — 

160. Freund Präparationen u. s. w. Präparation zu Xenophons 
Memorabilien. 1. hft. 2. aufl. 16. Leipzig, Violet; 50 pf. — 

161. P. Ovidius Naso. Ex iterata B. Merkelii recognitione. vol. 2. 
Metamorphoses. 8. Lips., Teubner; 90 pf. — 162. P. Ovidii Nasonis 
Metamorphoses. Herausgegeben von J. Siebeiis. 2. hft. 8. aufl. besorgt 
von F. Folie. Leipzig, Teubner; 1 mk. 50 pf. — 163. C. J. Caesaris 
commentarii de bello civili. Erklärt von F. Kraner. 6. aufl. von F. 
Hofmann. 8. Berlin, Weidmann ; 2 mk. 25 pf. — 164. Freund Prä- 
parationen. Präparationen zu Cäsars gallischem kriege. 6. hft. 2. 
aufl. Leipzig, Violet; 50 pf. — 165. T. Livi ab urbe condita libri. 
Erklärt von W. YVeissenborn. l.bd. 2. hft. buch 2. 6. aufl. 8. Berlin, 
Weidmann; 1 mk. 20 pf. — 166. C. Taciti Historiarum libri qui su- 
persunt. Schulausgabe von C. Heraeus. 2. bd. 2. aufl. 8. Leipzig, 
Teubner; 1 mk. 80 pf. — 167. Cicero's ausgewählte reden. Erklärt von C. 
Halm. 3. bd. 9. aufl. 8. Berlin, Weidmann; 1 mk. 50 pf. — 168. 
M. Tullii Ciceronis Laelius de amicitia. Erklärt von G. Lahmeyer. 

3. aufl. Lips., Teubner; 60 pf. — 169. E. Guhl und Xoner das leben 
der Griechen und Römer cett. 4. aufl. 1. 2. 3. 4. lief. gr. 8. Berlin, 
Weidmann; ä 1 mk. — 170. IT. W. Stoll, handbuch der religion und 
mythologie der Griechen und Römer. 6. aufl. 8. Leipzig, Teubner; 
2 mk. 25 pf. — 171. J. Facciolati, Aeg. Forcellini et J. Furlanetti 
Lexicon totius latinitatis curante F. Conradini. T. III. fasc. 5. gr. 

4. Münster, Venedig; 2 mk. 50 pf. — 172. Forcellini totius latini- 
iatjs lexicon. Dict. 53. gr. 4. Prati (Brockhaus in Leipzig); 2 mk. 



Nr. 5. Neue Schulbücher. 249 

50 pf. — 173. E. F. Puchta , Institutionen. 8. aufl. Besorgt von 
P. Krüger. 2. bd. 8. Leipzig, Breitkopf u. Härtel; 8 mk. — 174. 
Vering, geschiente und pandekten des römischen und heutigen ge- 
meinen privatrechts. 4. aufl. 3. Ifrg. 8. Mainz, Kirchheim; 2 mk. 
50 pf. — 175. II. Wuttke, die deutschen Zeitschriften und die ent- 
stehung der öffentlichen meinung. 3. aufl. 8. Leipzig, Krüger; 

4 mk. 

Neue Schulbücher. 

176. Homers Odyssee. Erklärende Schulausgabe von H. Düntzer. 

2. aufl. 1. lfg. Paderborn, Schöning; 1 mk. 50 pf. — 177. J. V. 
Hutter , lateinische anthologie für die fünfte classe der lateinschule. 

3. aufl. 8. München, Lindauer; 1 mk. — 178. Cornelius Nepos. Mit 
anmerkungen von F. W. Hinzpeter. 8. Bielefeld, Velhagen u. Klasing ; 
1 mk. 25 pf. — 179. G. Hertzberg, die asiatischen feldzüge Alexander 
des grossen. 2. aufl. 8. Halle, Waisenhaus; 6 mk. — 180. Desselben 
geschichte der messenischen kriege nach Pausanias. 3. aufl., ebendas. ; 
1 mk. 80 pf. — 181. C. Frank'» griechische formenlehre. Bearbeitet 
von A. v. Bamberg. 5. aufl. Berlin, Springer ; 1 mk. 60 pf. — 182. 
G. und H. Stier griechisches elementarbuch. 3. aufl. 8. Wittenberg, 
Kölling; 2 mk. 40 pf. — 183. K. Ditfurt, griechisches vocabularium 
zum auswendiglernen. 5. aufl. 8. Magdeburg, Heinrich sh ofen ; 2 
mk. — 184. P. Wesener , griechisches elementarbuch zunächst nach 
den grammatiken von Curtius und Koch. 3. aufl. 8. Leipzig, Teub- 
ner; 1 mk. 20 pf. — 185. E. Berger und H. Heidelberg , Übungs- 
bücher zu der griechischen grammatik von E. Berger. 2. cursus, für 
tertia. 4. aufl. 8. Celle, Schultze; 2 mk. — 186. Quellenbuch für 
alte geschichte. Für obere gymnasialclassen. 2 abth. 2. heft 
Römische geschichte bearbeitet von A. Weidner. 2. aufl. 8. Leipzig, 
Teubner; 2 mk. 40 pf. — 187. K. W. Meyer, grammatische regeln 
und beispiele als anhang zum lateinischen elementarbuch von Hennings. 
2. aufl. 8. Halle, Waisenhaus; 25 pf. — 188. Grundregeln der latei- 
nischen spräche. 2. aufl. 16. Nürnberg, Löhr; 15 pf. — 189. Oster- 
mann, lateinisches Übungsbuch. 1. abthl. für sexta. 13. aufl. 8. 
Leipzig, Teubner; 75 pf. — 190. Desselben 4. abthlg. für tertia. 6. 
aufl. 8. ebendas.; 1 mk. 25 pf. — 191. Desselben lateinisches voca- 
bularium. 2. abthlg. für quinta. 9. aufl. 8. ebendas.; 30 pf. 

Bibliographie. 

Notizen über die universitäts-bibliothek in Strassburg giebt aus 
der Augsb. Allg. Ztg. das Börsenbl. nr. 122. 

Unter der aufschrift 'der buchhandel und die presse' bespricht 

5 . . r eine reihe bei den recensionen in zeitungen und Zeitschriften 
vorkommender übelstände und "wünscht dafür bestimmte normen. Es 
scheint dabei nur eins ausser acht gelassen , nämlich wie schwer es 
oft hält grade für recht bedeutende werke die passenden recensenten 
zu finden — und ferner, wie gering jetzt im vergleich zu der dafür 
aufzuwendenden zeit die recensionen honorirt werden. 

Einen bericht über G. Schioetschke's 50jährige Jubelfeier giebt 
Börsenbl. nr. 134. 

Im Börsenbl. nr. 134 wird gemeint, das mit dem Börsenblatt ver- 
bundene recensionenverzeichniss sei aufzugeben oder umzugestalten. 
Letzteres ist gewiss nöthig; aber wer das wünscht, sollte zugleich vor- 
schlage für bessere einrichtung machen. Hier einen. Man theile das ver- 
zeichniss doch in fächer, sodass jeder das was ihn angeht, leicht und schnell 



250 Bibliographie, Nr. 5, 

finden könne. Vrgl. dazu die weiteren Verhandlungen über diesen 
gegenständ im Börsenbl. nr. 146. 

Einen bericht über die ostermesse der buchhändler giebt Börsenbl. 
nr. 140. 142. 

Es unternimmt Alfred Lorentz einen katalog sämmtlicher bücher 
herauszugeben, welche 1) in einen andern verlag übergingen, 2) die 
vergriffen sind, 3) in Selbstverlag erschienen ohne nennung der detail- 
verlaghandlung. Im Börsenbl. nr. 148 wird dies unternehmen zu 
unterstützen aufgefordert: mit recht und zwar auch um deswillen, 
weil buchhändler, in deren verlag anderer verlag übergegangen, diesen 
oft nicht kennen, sodass, wenn man bücher aus diesem verlangt, sie be- 
haupten, sie hätten die bücher nicht, und erst, wenn sie zum nach- 
sehen wiederholt aufgefordert sind, das verlangte schicken. 

Bücher-biographien , d. h. mittheilungen über den verkauf von 
Verlagsartikeln, von A. Enslin im Börsenbl. nr. 178. 

Von einem wichtigen, aber in den buchhandel nicht gekommenen 
werke berichtet Börsenbl. nr. 184, nämlich von der Chronica de rebus 
Malcastaniensibus, welches durch Ed. Schulte in Düsseldorf zu beziehen. 
Da wie die hier mitgetheilten Verzeichnisse lehren, die concurrenz in 
betreff der Übungsbücher zum übersetzen aus dem lateinischen in 
das deutsche und umgekehrt sehr gross ist, und die Verfasser um pas- 
senden stoff allmählig anfangen dürften in Verlegenheit zu gerathen, 
so machen wir die Verfasser von dergleichen auf diese chronica auf- 
merksam, zumal in dieser nach dem titel zu schliessen, die latinität 
neu und höchst originell behandelt sein wird. 

J. J. Amiet, Hans Wurster, beitrag zur ältesten geschichte der 
buchdruckerkunst, Börsenbl. nr. 188: "Wurster, aus Kempten, war bei 
der ersten 1472 zu Mantua eingerichteten buchdruckerei schon thätig; 
er lebte noch 1490 in Basel: s. Augsb. Allg. Ztg. nr. 201: s. ob. 
hft. 3, p. 175. 

Es waren im Börsenbl. vom 25. aug. und auch anderwärts 
die bei Tauchnitz in Leipzig erscheinenden ausgaben englischer werke 
als nachdruck bezeichnet, eine leicht sich erklärende ansieht; dagegen 
verwahrt sich aber B. Tauchnitz in der Augsb. Allg. Ztg. nr. 245 
und führt aus , wie die von ihm gedruckten englischen bücher stets 
von den Verfassern ihm gegen honorar überlassen seien , seinen aus- 
gaben also ganz gleiche rechtmässigkeit zukomme als den englischen. 
Auch anderes interessante kommt dabei zur spräche, was da zeigt, 
wie verwickelt und eigenthümlich oft die Verhältnisse des deutschen 
buchhandels sind. 

Die erste abtheilung des heft V der Mittheilungen der verlagshand- 
lung von B. G. Teu b ner berichtet über folgende künftig erscheinende 
werke : Aeschyli Septem adversus Thebas ex rec. G. Hermanni cum 
scripturae discrepantia scholiisque codicis Medicei aecuratius collati 
in usum scholarum suarum iterum edidit Fr, Ritschelius. Praecedunt 
de Aeschyli vita et poesi testimonia veterum composita a Fr. Schoell. 

— Geschichte der griechischen literatur bearbeitet von Fr. Blass, P. 
Schuster, W. S. Teuffei, R. Volkmann, J. Wagemann u. a. Heraus- 
gegeben von W. S. Teuffei; es soll das ganze in neun abtheilungen 
zerfallen, die auch angegeben sind. Uns gefällt auf diesem felde solche 
theilung der arbeit nicht. — Quaestionum de glossariorum latinorum 
fontibus et usu : Prodromus corporis glossariorum latinorum. Scr. 
Gustavus Loewe: ein äusserst erwünschtes unternehmen. — Bei- 
träge zur italischen sprachkunde von W. Corssen: die herausgäbe 
des fertig vorgefundenen manuscripts besorgt H. Weber in Weimar. 

— L. Apuleii Madaurensis opera edidit Ch. Lütjohann: nach neuen 
collationen. — Velleii Paterculi historiae Romanae 11. II. Apparatu 



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Nr. 5. , Kleine philologische zeitung. 251 

critico adjecto edidit Carolus Halm. — Ueber alle diese werke wird 
genaue auskunft gegeben. 

Von buchhandlungen sind uns zugegangen : verlag von H. -Dufft 
in Jena, daneben neue juristische Unternehmungen von H. Dufft, dabei 
Jenaer Literaturzeitung ; Elwert in Marburg, einpfehleuswerthe Schriften 
aus den gebieten der theologie, philologie, pädagogik , geschichte u. 
s. w. ; neuer verlag von Hey der fy Zimmer in Frankfurt a. M. ; Bi- 
bliotheca philologica Teubtieriana, bis September 1875 ; ausgewählte 
werke aus dem verlag der Weid mann 'sehen buchhandlung in Berlin; 
verlag der IVinter'scnen buchhandlung in Leipzig. 

Es ist erschienen : Bibliotheca philologica oder geordnete Übersicht 
aller auf dem gebiete der classischen alterthumswissenschaft wie der 
altern und neuern Sprachwissenschaft in Deutschland und dem ausländ 
neu erschienenen bücher. Herausgegeben von dr. TV. Müldener. 28. 
Jahrgang. 1. heft. Januar— Juni 1875. Verlag von Vandenhoeck u. 
Ruprecht in Göttingen. 1875. 

Cataloge der antiquare : J. Bensheimer antiquariat und buchhand- 
lung in Mannheim und Strassburg, catalog nr. 14, kunstgeschichte, 
philologie u. s. w. ; Ed. Besohl in Erlangen, antiquarischer catalog 
nr. 31, altclassische philologie und pädagogik; Antiquarischer anzeiger 
nr. V der .ßewfe'schen buchhandlung (A. Breithaupt) in Göttingen, 
1876; Verzeichniss ausgewählter werke aus dem verlag von F. A. 
Brockhaus in Leipzig, Weihnachten 1875 ; Otto Harrassowitz, antiqua- 
rischer catalog 22, Numismatik, Epigraphik. Erste abtheilung, ent- 
haltend die münzsammlung des verstorbenen Geh. Archivrath C. T. 
Grotefend in Hannover; dess. catalog 23, zweite abtheilung der Gro- 
tefend' sehen bibliothek, geschichte und ihre hülfswissenschaften ; 3. 
verzeichniss des antiquarischen bücherlagers von C. Lucius in Leipzig 
(philosophie , erziehungs- und Unterrichtswissenschaft) ; Catalog (nr. 
23) einer ausgewählten Sammlung von werken der classischen und 
modernen philologie und liuguistik, literaturgeschichte u. s. w. zu 
beziehen von B. L. Prager in Berlin; verzeichniss (nr. X) antiquari- 
scher bücher aus dem gebiete der philosophie und pädagogik bei 
Oscar Richter in Leipzig; Simmel $■ Comp, antiquariats - catalog nr. 
26, griechische und lateinische autoren. 

Mess. Longmans, Green Reader and Dyers monthly list (nr. 392) 
of new books cett. ( Weigel in Leipzig). 



Kleine philologische zeituug. 

An E. v. Leutsch. Sie wollten einen brief aus Athen von mir haben, 
lieber freund, und ich versprach ihn, wenn sich mir irgend etwas bieten 
würde, daseiner für die Veröffentlichung bestimmten mittheilung werth 
schiene. Da ich Athen zum erstenmal sehe, ßo konnte meine absieht nur 
sein eine lebendige anschauung des von dem alten Athen gebliebenen, 
der durch die natur gegebenen Verhältnisse und der trümmer der stadt 
zu gewinnen, in welcher meine gedanken ein leben lang aus weiter 
ferne heimisch zu werden gestrebt hatten. Zu eigenen Untersuchungen 
reichen die wenigen wochen nicht. Nur zu sagen, dass eine bedeu- 
tende zahl der wichtigsten fragen trotz allem , was darüber mit 
scharfsinu und gelehrsamkeit geschrieben ist, noch offen scheint, wo- 
zu nützt das? Wo die Pnyx zu suchen sei, ob der wunderbar erhaltene 
tempel der Unterstadt Theseus oder Herakles oder wem sonst ge- 
hört habe, wo Pythion und Enneakrunos gelegen, und so vieles andere, 
erscheint mir ungewiss. Was gegen die vermuthungen, die aufgestellt 
worden sind, spricht, lässt sich bald sagen, aber etwas besseres und 



252 Kleine philologische zeitüng. Nr. 5, 

sichereres zu geben ist entweder überhaupt nicht möglich oder kann 
nur bei längerem, ruhigerem Studium an ort und stelle gelingen. 
Die neueren ausgrabungen , bei denen man das Dipylon gefunden zu 
haben glaubt, versprechen licht über eine der wichtigsten örtlich- 
keiten zu geben, aber das jetzt blosgelegte ist in seinen sich kreu- 
zenden und wohl sehr verschiedener zeit angehörenden zügen von 
grundmauern und anlagen so wirr und dunkel, dass das ganze sich 
einer befriedigenden deutung noch nicht fügen will. 

Gerade diese Unsicherheit regt zu um so grösserer Sorgfalt der be- 
trachtung und wiederholtem besuch vieler örtlichkeiten an und die 
fülle des zu sehenden ist so bedeutend, dass mein theurer reise- 
gefährte, professor Schall aus Jena, und ich ungeachtet alles fleisses 
und der beschränkung fast nur auf Athen, die wir uns für die sechs 
Wochen unseres aufenthaltes auferlegt haben, so manches mit schmerz- 
lichem bedauern bei seite lassen müssen. 

Zwei umstände erschwerten ausserdem unsere bemühungen. Attika 
wollte sich uns, wie es scheint, mit all seinen eigenheiten zeigen. 
Neben wundervollen frühlingstagen, einigen mit voller sommerwärme, 
erlebten wir im märz eine reihe empfindlich kalter tage, ja am 
morgen des 26. n. st. war ganz Athen , ebene und berge , mit schnee 
bedeckt, ganz wie unter Archon Lakratidas und im j. 306 v. Chr. 
(Wachsmuth, Athen I, p. 103), und gegen die Schmidt'sche tabelle 
(Wachsmuth, a. o. p. 108), waren drei tage im märz ganz bedeckt. 
Dagegen erlebten wir am 16. april abends ein starkes gewitter mit 
gewaltigem regen, schlössen und hagel, ein paar tage darauf sogar 
ein leichtes erdbeben. Die kälte machte das arbeiten im freien oder 
in den museen fast unmöglich und auch den aufenthalt zu hause sehr 
unbehaglich. 

Und die museen befanden sich fast alle in bewegung. Auf der 
Strasse nach Patissia hat der staat ein grosses gebäude errichtet, das 
alle bedeutenden marmorwerke der stadt, nur mit ausschluss der von 
der Akropolis, aufnehmen soll. Eben war professor Kumanudes mit 
dem einräumen beschäftigt und vieles aus den Sammlungen des The- 
seums, der Hadriansstoa, des Windethurms, des Barbakeions schon 
ausgeräumt oder doch zum überführen umgestellt. Die Verzeichnisse 
also von Kekule und Heydemann sind nicht mehr brauchbar. Auch 
auf der bürg ist für die dort gefundenen werke der plastischen kunst 
in der südöstlichen ecke ein neues museum gebaut und noch in der 
einrichtung begriffen. Leider haben gerade die reste vom Parthenon 
in ihrem saale ein sehr ungünstiges licht. 

Wir haben schon den 17. april und es ist also hohe zeit, wenn 
ich Ihnen schreiben will. Um nach allem , was ich soeben gesagt 
habe , Ihnen wenigstens meinen guten willen zu zeigen , schicke ich 
Ihnen einige Epigraphica , die so viel ich weiss neu sind. Freilich 
sind es meistens kleine, an und für sich unbedeutende bruchstücke, 
aber sehr alter zeit angehörig , und so manches in dem trefflichen 
Corpus inscriptionum atticarum vol. I von Kirchhoff ist nicht bedeu- 
tender. Gerade von alten inschriften haben wir so wenig, dass auch 
das kleinste bruchstück beachtung verdient: weiss man doch nie, in 
welchem Zusammenhang es sich einmal als wichtig erweisen kann. 

Im Wächterhäuschen auf der Akropolis findet sich zur zeit ein 
stück pentelischen marmors , das auf allen seiten abgebrochen ist. 
Es muss wohl früher zum theil verdeckt gewesen sein, denn die in- 
schrift zeigt sich jetzt etwas vollständiger, als sie Kirchhoff nach U. 
Köhlers abschrift Corp. Inscr. att. I, 18 giebt. Deutlich liest man 
jetzt, was auf beiblatt nr. 2 steht. 

Irgend eine ergänzung oder deutung des erhaltenen ist auch jetzt 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 253 

nicht möglich. Zwar verlockt z. 4. 5 an etwas zu denken wie /ulj cf*- 
[dov«* rb ticTwp] uj/J 1 * to nvo, also an bestimmungen über den flüchti- 
gen mörder, wie sie Sophokles Oed. T. 238 ff, Demosth. Lept. § 158 
sich finden, und [xp^r^a z. 3, xvigcty z. 4, Qüvav 9\vhv z. 6 
Hessen sich wohl damit in Zusammenhang bringen. Aber t] a/uiaoi, 
wie schon Kirchhoff Z. 7 ergänzte, steht dagegen und führt eher dar- 
auf, dass es sich von bestimmungen über das verfahren bei irgend 
einem öffentlichen opfer handle. Leider also wiederholt sich auch 
hier die alte geschichte: es ist so viel erhalten, um schmerzlich be- 
dauern zu lassen, dass so wenig erhalten ist. 

An demselben ort finden sich die trümmer einer basis von pen- 
telischem marmor: auf der oberen fläche ist eine Vertiefung erhalten 
für die einlassung des weihgeschenks, das an der einen langseite von 
der weihinschrift gebliebene s. beibl. nr. 5, das auf der einen Schmal- 
seite linksläufige s. bleibl. nr. 6, also: . . . .] (jhov ln[oiriß(. 

An demselben orte liest man auf einem ähnlichen kleinen bruch- 
stück noch buchstaben , s. beibl. nr. 4, wohl reste eines eigen- 
namens. 

Endlich schreibe ich von der einen Schmalseite eines ähnlichen 
pentelischen marmorstücks die ärmlichen trümmer einer ßovargo- 
(ftjdov geschriebenen inschrift ab (s. beibl. nr. 3) und von der daran- 
stossenden unteren seite die linksläufigen buchstaben: AMO~ 

Die paar buchstaben haben deshalb einiges interesse, weil das 
koppa zeigt, dass wir eine inschrift dorischen Ursprungs vor uns haben, 
wie die grabschrift der Kleonäer C. Inscr. A. 441. 

In dem ersten zimmer des neuen museums auf der Akropolis sind 
die bruchstücke von dem vorpersischen Hekatompedon zusammen- 
gestellt, die zum theil schöne Zeichnungen von akanthosblättern, pal- 
metten, maeandern, und lebendige farbenspuren , himmelblau , schar- 
lachroth, braunroth, zeigen. Auf einem dieser bruchstücke sind die 
buchstaben erhalten, die beibl. nr. 7 stehen. 

Diesen paar inschriftresten füge ich eine bemerkung über eine 
wichtige , vor kurzem aufgefundene archaische inschrift aus Korinth 
bei, die nächstens im ersten heft der mittheil ungen des deutschen 
archaeologischen instituts zu Athen erscheinen wird. Es ist die grab- 
inschrift eines auf dem meere umgekommenen Deinias. Merkwürdig 
ist sie vorzüglich deshalb, weil deutlich geschrieben ist: Jpuvia (s. 
beibl. nr. 1), der genetiv von Jitvias. Also ist das digamma in diesem 
stamme, wie I. Bekker Hom. blätt. I, p. 278 voraussetzte, gegen G. 
Curtius, der vielmehr cfj annimmt (Griech. Etym. p. 585 2 ), erwiesen. 

Einen ganz besonderen genuss gewähren die tanagräischen thon- 
figuren, die sich theils in der Sammlung der archaeologischen gesellschaft 
im Barbakeion , bei weitem schöner aber und zahlreicher in privat- 
eammlungen und im kunsthandel finden. Es ist wie eine ganz neue 
weit, die uns hier entgegentritt, das leben, unmittelbar wie es in 
Tanagra, etwa im dritten Jahrhundert vor Christus gewesen sein mag. 
Namentlich sind die schlanken frauengestalten in den anmuthigsten, 
der Wirklichkeit abgelauschten, mannichfaltigsten Situationen äusserst 
reizend. Jüngst sind auch mehrere mythologische gruppen zum Vor- 
schein gekommen, lichtgrau gefärbt mit ziemlich reichem goldschmuck, 
die für die Vollendung des kunsthandwerks in der böotischen land- 
stadt mit der feinheit ihrer Zeichnung und durchbildung glänzendes 
zeugniss ablegen. Da das berliner museum eine bedeutende anzahl 
der tanagräischen terrakotten erworben hat, so dürfen wir wohl von 
da einer zusammenfassenden arbeit über diese werke entgegensehen. 

Bei einem kunsthändler sah ich auch die merkwürdige thonplatte 
mit der darstellung einer todtenklage, deren Sie sich aus Benndorfa 



254 Kleine philologische zeitung. Nr. 5. 

vasenbildern (heft I, 1) erinnern. Wunderbarer weise hat sich das 
stück in der rechten obern ecke auch noch aufgefunden. Es bietet 
den obern theil der weiblichen figur, auf deren kleide in dem unteren 
schon früher bekannten theile die buchstaben (s. beibl. nr. 8) ge- 
schrieben sind. Links vom köpfe steht jetzt &E&IS, wie schon bei 
zwei der andern frauen, aber vor den buchstaben E^s02A, kommt 
noch ein O, und zwar so hinzu, dass zwischen ihm und E ein buch- 
stabe fehlt. Sollte also nicht \ für N verschrieben und ©PEN02A 
(&yt]vovGa) beabsichtigt gewesen sein? Irgend ein versehen des va- 
senmalers müssen wir doch einmal in diesen buchstaben annehmen, 
gerade wie auch das andere bestrittene wort der platte mit annähme 
fehlerhafter schritt y.ioy.vrög gelesen werden zu müssen scheint. Durch 
diese beischrift &Qrjvov<ru sollte wohl diese muhme als die den threnos 
anstimmende bezeichnet werden. 

Zum schluss setze ich Ihnen zwei hübsche noch wenig bekannte 
grabinschriften her, die ich in den letzten tagen gesehen habe. Die 
eine, in dem kleinen museum, das sich in dem schulhaus im Peiräeus 
findet, hat Stephanos Kumanudes, dem ich auch hier mich für ausser- 
ordentliche freundlichkeit und gute zu aufrichtigem dank verpflichtet 
bekenne, in seinen imyQccycü innv[ißioi p. 176, nr. 1412, fein und 
richtig ergänzt: 

"Ovo] [iu /Abu t6[a6v y.al iuö naigog Tjdt- ayoQtv[fii 
Girf\lrj y.cd tiutqkv ' -niGiSiv M tgywv tvty.v. tG%o\v 
rha\iog inwvvjuiav, ov <snavi>Q ävdol tv%tv 
HP AZINÖS 

TEPEIA 
AiriNHTllZ 

Das epigramm archaisiert im gebrauch des o für ov und b für s». 
Praxin os hatte sich den ehrenden beinamen Pistos erworben. 

Die zweite habe ich von einer kleinen stele abgeschrieben, die 
vor der Südseite der Korenballe des Erechtheums aufgestellt ist. Ob 
sie schon irgendwo veröffentlicht sei, weiss ich nicht; in der Samm- 
lung von Kumanudes habe ich sie vergeblich gesucht. Sie ist ziem- 
lich iung : 

M\v7j(xu radt tl'QovTiavog ' £g "A'idog sv&i) vioi[ttjv, 
tiqiv xQvauy df%&cu nQ^y/Amog ois% oßiov. 

Nehmen Sie mit dem wenigen fürlieb und lassen sich es im alten 
Göttingen gut gehen. 

Athen, den 17. april 1875. Ihr 

H. Sauppe. 

Bitte, betreffend den s chlussband von G o dofre di 
Herrn anni Opuscula: Der schlussband von Gottfried Hermanns 
Opuscula, die Jahrgänge 1839 — 48 umfassend, fehlt noch immer. Nach 
Hermanns tode war seinem Schwiegersöhne Moriz Haupt neben der her- 
ausgäbe des im manuscript fertigen Aeschylus auch die Vollendung der 
Opuscula zugefallen; aber während der Aeschylus, ein bleibendes denk- 
mal von Haupts selbstverläugnendstem fleiss, längst in zweiter aufläge 
vorliegt, harren die Opuscula noch immer des abschlusses. So hält 
sich denn der unterzeichnete enkel Gottfried Hermanns zur lösung der 
von Haupt hinterlassenen aufgäbe für berufen, und die auf der jüngsten 
philologenversammlung von seiten des herrn prof. Eckstein in seinem 
und des herrn geh. rath Ritschi namen ergangene mahnung, das 
werk zu beschleunigen, ist nicht auf unfruchtbaren boden gefallen, 
da ich mit den vorarbeiten bereits seit längerem beschäftigt war. 

Zuvörderst handelte es sich , weil die betreffenden Hermanniana 
aus der mittlerweile in andere bände übergegangenen Haupt'schen 
bibliothek ohne schuld des unterzeichneten nicht rechtzeitig ausge- 



Nr. 5. Kleine philologische zeituug. 255 

schieden waren, um die beschaffung des materials. Es lag 
am nächsten , die erforderlichen nachforschungen auf den Leipziger 
bibliotbeken vorzunehmen, und in der that haben mir dieselben we- 
sentliche dienste geleistet. Aber bei allem entgegenkommen der 
herren bibliothekare, unter denen ich namentlich dem dr. Förstemann 
meinen verbindlichsten dank hier ausspreche , ist es mir auch mit 
hülfe des auf der Universitätsbibliothek befindlichen, nach stichworten 
geordneten catalogs Hermann , Job. Gfr. Jac. , der mit sichtlicher 
liebe gearbeitet ist, doch nicht gelungen eine vollständige Sammlung 
nur der akademischen Schriften G.Hermanns aus den jähren 1839 — 48 
zu erzielen. Für den, der ähnliche Zusammenstellungen unternommen 
und sich mit dem Organismus einer grossen bibliothek vertraut ge- 
macht hat, wird das bei der mannigfaltigkeit des inhalts der oft 
ohne autornamen erschienenen kleinen Schriften nichts befremdliches 
haben. 

Es bleibt mir hiernach nur der weg offen , mich um die Unter- 
stützung des grossen kreises der fachgelehrten zu bemühen, damit 
viribus unitis das erreicht werde , was ich allein , zumal ohne das 
hülfsmittel einer namhaften bibliothek am orte zu haben , ohne den 
grössten Zeitverlust zu stände zu bringen nicht vermag. Nahe genug 
lag es, diese bitte zunächst privatim an eine reihe von gelehrten zu 
richten, bei denen ich eines freundlichen entgegenkommens sicher zu 
sein hoffen durfte, vor allen an den geist- und gemüthvollen bio- 
graphen G. Hermanns; allein der wünsch der verlagshandlung, das 
manuscript bis zum 1. mai 1876 druckfertig zu besitzen, liess es räth- 
licher erscheinen, meinem ansuchen sofort eine grössere Verbreitung 
zu geben. 

So bitte ich denn die geehrten leser, insbesondere die ehe- 
maligen schüler Gottfried Hermanns sowie die herren 
bibliothekare um ihre geneigte beihülfe zur Vervollständigung 
des nachstehenden Verzeichnisses, sei es durch einsendung von 
Schriften oder ausschnitten, welche im Verzeichnisse ent- 
weder ganz fehlen oder durch ein * als noch nicht in meinem besitz 
befindlich bezeichnet sind, sei es durch nach Weisung von sol- 
chen. Ich werde jede desfallsige mittheilung clankbarlichst aner- 
kennen und gewissenhaft verwerthen. Es handelt sich nur um die 
Hermanniana aus den jähren 1839 — 48, und zwar das jähr 1839 in- 
clusive, da der 1839 erschienene VII. band derOpuscula von Schriften 
des jahres 1839 nur De hippodromo Olympiaco und die Oratio in 
tertiis sacris secularibus receptae a civibus Lips'ensibus reformatae 
per 31. Lvtherum religionis enthält. Unter den Zeitschriften 
werden auch die des jahres 1849 einer prüfung zu unterwerfen sein. 

Von Gottfried Hermanns Opusculis aus den jähren 1839 — 48 sind 
bis jetzt in meinen besitz , resp. nur zu meiner kenntniss gelangt 
(letztere sind mit einem * versehen) folgende: 

I. Akademische Schriften. 

a. Zur Verkündigung der Preisfragen. Am schluss der 
abhandlung befindet sich stets das datum , an dem das manuscript 
vollendet ist. Auf dem titel stets in annum: z. b. De L. Attii libr. 
didasc. am schluss 19. decb. 1841, titel in annum 1842. 
19. decb. 41. Praemissa est dissertatio de L. Attii libris Didascalicon. 
31. oct. 42. Praem. est diss. de hymnis Dionysii et Mesomedis. 
31. oct. 43. Praem. est diss. de J. N. Madvigii Interpret, quarund. 

verbi lat. formarum. 
31. oct. 44. Praemissum est Pindari Nemeorum Carmen sextum. 
31. oct. 45. Praem. est diss. de Pronietheo Aesehyleo. 



256 Kleine philologische zeitung. Nr. 5. 

31. oct. 46. Praem. est diss. de loco Callimachei hymn. in Delum et 

quibusd. epigr. 
31. oct. 47. Praemissae sunt emendationes quinque carminum Olym- 

piorum Pindari. 
31. oct. 48. De arte poesis Graecorum bucolicae. 

b. Zur Verkündigung der promotionen. Je zwei Pro- 
gramme ans den jähren 1841 und 47; in beiden war G. Hermann procan- 
cellarius; es scheint also, dass der procancellarius noch besondere 
offizielle einladung zur bewerbung (1841) oder einen nachträglichen 
bericht (1847) auszugeben hatte. Wenigstens ist gleichzeitig mit G. 
Hermann De Hör. Carm. L, 10. febr. 1842, vom decan Westermann ein 
Programm erschienen De Callisthene Olynthio et Pseudo-Callisthene, 
s. Zeitschr. f. A W. 1843 p. 304. Das datum steht vorn auf dem 
titel. 

5. märz 40. De iteratis apud Homerum dissertatio. 
25. febr. 41. Retractationes adnotatorum ad Soph. Philoctetam. 
ohne dat. 41. Petitionem Magisterii indicit G. H. h. J. Procanc. 

Nbn videri Aeschylum 'Iliov nigaiv scripsisse. 
10. febr. 42. Dissertatio de primo carmine Horatii. 
1. mai 43. De choro Vesparum Aristophanis diss. 
1. mai 44. De Hesiodi Theogoniae forma antiquissima. 
1. mai 45. De Pindari ad solem deficientem vereibus. 
1. mai 46. De re scenica in Aeschyli Orestea. 
ohne dat. 47. Dissert. praemissa vitis Magistrr et Doctt. a. 1846— 47 
procancellario G. Hermann creatorum. De Interpolat. Euripid. 
Jphig. in Aulide diss. pars prior. 
1 mai 47. De quibusdam locis Euripidis Troadum. 
*48. De Interpol. Eurip. Jphig. in Aul. diss. p. II. 

II. Abhandlungen in Zeitschriften und Verhand- 
lungen. 

Evam ante Adamum natam esse. Jllgen Zeitschrift f. bist. Theol. 
bd. X. 5, p.61 sq. 

* Ueber Herrn Welckers neueste Ausfälle. Zeitschr. f. AW. 1839, 

p. 729 sq. 
Scholae Theocriteae IL Ztschr. f. AW. 1840, p. 969 sq. 
Zum Isis-Hymnus. Ztschr. f. AW. 1843, p. 377 sq. 
Ueber einige Trilogien des Aechylus. Ber. d. K. S. Ges. d. W. 1846, 

p. 117 sq. 
Ueber die Aegiden, von denen Pindar abstammte. Ebendas. 1847, 

p. 221 sq. 
Ueber die Horazode an Censorinus. Ebendas. 1847, p. 274 sq. 
Ueber Pindars 5te Olymp. Ode. Ebendas. 1847, p. 322 sq. 

* Ueber Bruchstücke zweier Hymnen auf den Attis. Im januar 1849 

von Haupt vorgelegt. Ebendas. 

III. Recensionen und Anzeigen. 
*Kunhardt, Comm. de Soph. O. C. \ 

•Soph. Ajax ed. Joann. Apitzius. I Ztschr. f. AW. 1839 

*Acta Sem. ph. Heidelb. S. Aiax, Electra, Oed.f p. 1094 sq. 

R. em. ed. L. Kayser. J 

* Franc. Spitzner, Obss. crit. in Quint. Smyrn.j 

Posthorn. I 

Armin. Köchly Emend. et adn. in Quint. I Ztschr. f. AW. 1840 

Smyrn. j nr. 31 sq. 

Armin. Köchly Emend. Nonni j 

Armin. Köchly Conj. in Apoll, et Oppian. J 
Eurip. Hecuba ed. Pflugk ed. II. Ztschr. f. AW. 1841. p. 884 sq. 
Rost, Wörterb. d. class. Gräcit. Ztschr. f. AW. 1841 p. 537 sq. 



Nr. 6. Kleine philologische zeitung. 257 

Kunhardt, Comm. de S. 0. C. p. II. Ztschr. f. AW. 1841, p. 885 sq. 
•Thomas, G. M., Cornm. de Arist. Avibus. Ztschr. f. AW. 1842. p. 

1219 sq. 
Bartsch, Henr. , De Chaereruone poeta tragico. Ztschr. f. AW. 1843, 

p. 635 sq. 
Ar. Lysistrate ex rec. Rob. Engeri. Ztschr. f. AW. 1845, p. 617 sq. 
Ar. Thesmophoriaz. ex rec. Rob. Engeri. Ztschr. f. AW. 1845, 

p. 905 sq. 
IV. Reden, Oden, Votivt afein, Varia. 
25. juni 1840. Oratio in IV. festis saecul. artis typograph. habita. 

Auch in Kade , vierte saecularfeier der buchdruckerkunst zu 

Leipzig, p. 65. vrgl. Köchly Gottfried Hermann, Heidelb. 1874. 

p. 209. 
17. oct. 1841. Votivtafel der univ. Leipzig zu Krugs 50j. doctor- 

jubiläum. 
17. oct. 1841. Carmen zu Krugs 50j. doctorjubiläum. 

(184"^?) Nob. Virg. Joann. Eleon. Bosiae pars testam. quae 

ad Acad. Lips. spectat. Praef. est G. Hermann. 

1843. Portae in tertiis sacris saecul. G.Hermann. Abgedr. 
auch in Jahns Jahrbb. XXXVIII p. 80 und in Kirchners Sae- 
cularbericht p. 51. cf. Köchly p. 114. 

* 1843. Jllustri scholae Afranae tertia sacra saecularia cele- 

branti. G. H. Abgedr. in Jahns Jahrbb. bd. XXXIX p. 119. 

1844. Votivtafel d. univ. Leipzig zum 300j. jubelf. d. 
Königsberger Albertina. 

29. aug. 1844. Votivtafel d. univ. Leipzig zu v. Falkensteins Mini- 
stercreation. 
1. oct. 1844. Gedächtnissrede auf Reiz. In den Verh. der dresdner 
Phil. Vers. p. 1 sq. cf. Köchly p. 98. 206. 
21. juni 1846. Rede bei der eröffnung der K. S. Ges. d. W. Ver- 
handig. ders. I. p. 25 sq. 

1847. Rede über das antike und moderne ib. p. 238 sq. 
Ausserdem wird Jahns Jahrbb. XLVII p. 206 eine lateinische 
festrede G. Hermanns über Leibniz leben und wirken erwähnt; ob dieselbe 
mit der sub IV angeführten rede bei der eröffnung der K. S. Ges. d. 
W. identisch ist, muss ich einstweilen dahin gestellt sein lassen. 
Das vorstehende verzeichniss ergiebt folgendes : 
1. Von akademischen Schriften fehlen mir je eine aus den 
jahren 1839 und 40. 

Der feststellung bedarf es noch, ob dergleichen praefationes , wie 
sie Köchly p. 132 zu Clarus' rectoratsrede 1839 erwähnt, etwa 
regelmässig oder doch mehrfach erschienen sind. Ingleichen 
ist die möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass noch andere aka- 
demische veranlassungen die oder jene gelegenheitsschrift hervor- 
gerufen haben. 

2. Unter den Zeitschriften, Verhandlungen u. s. w., die einzusehen 
mir bisher nicht gelungen ist, dürften nach den sieben ersten bänden 
der Opuscula zu schliessen namentlich das Classical Journal, und die 
Literaturzeitungen noch ausbeute versprechen. Die Wiener Jahrbücher 
habe ich während des druckes dieses Verzeichnisses bereits erhalten. 

3. Bei dem Verzeichnisse sub IV haben mir ausser familientra- 
ditionen nur der leipziger catalog und die gelegentlichen mitthei- 
lungen in Jahns Jahrbb. und bei Köchly zur seite gestanden; Voll- 
ständigkeit möchte ich hier am wenigsten voraussetzen. 

4. Nachweisung von bemerkenswerthen praefationes, wie zu den 
Acta soc. Graecae, s. Köchly p. 114 sq., sowie etwaiger von mir noch 
nicht beachteten gesichtspunkte sind mir besonders erwünscht. 



258 Kleine philologische zeitung. ftr. 5. 

Ist das niaterial gesammelt, so wird eine sichtung desselben 
nothwendig werden, wie auch die früheren bände der Opuscula keines- 
wegs absolute Vollständigkeit aufzeigen. Aber der herausgeber frem- 
der Opuscula steht zu solchen in anderem verhältniss wie deren Ver- 
fasser und ich werde nicht ohne die gründlichste prüfung und raths- 
erholung hierbei zu werke gehen. Bin vollständiges verzeichniss der 
Opuscula von 1839 — 48, auch der nicht wieder abzudruckenden, wird 
jedenfalls beizugeben sein. Dass unter dem auszuscheidenden nicht 
grade immer die Schriften ohne spezifisch wissenschaftlichen gebalt 
sich befinden werden, versteht sich bei einem manne wie Gottfried 
Hermann, dessen ganze kraftvolle persönlichkeit sich oft in einem 
gelegenheitswort am schönsten wiederspiegelte, von selbst. Niemand 
würde seinen festgruss an die canora Porta in den Opuscula entbehren 
mögen, niemand auch die weniger bekannte votivtafel an die Al- 
bertiua, die er kurz und schwungvoll so bezeichnet: in qua facem 
sine fumo lucentern extulit Jmmatiuel Kantius descriptisque mentis hu- 
manae ßnibus firma fecit omnis scientiae fundamenta , in qua quum 
ceterae artes ac doctrinae praecipueque nnmerorum et mensurarum re- 
conditae rationes caelestiumque siynorum per immensa spatia motus et 
naturae summorum virorum ingemis aperiuntur, tum Ulis literis, a quibus 
omnis überaus eruditio profecta est infesti ignaviae animi impigra virlus 
munitam inexhausüs armamentariis arcem exstruxit. — Güstrow, den 28. 
november 1875. Oberlehrer dr. Th. Fritzsche. 

Unter der bezeichnung : Ernst Schulze— Stiftung hat G. E. Schulze 
Jin Leipzig zum andenken an seinen im letzten kriege gefallenen söhn 
Ernst dem unterstützungsverein ein capital von Eintausend Thalern 
am 11. april 1871 übergeben, dessen zinsen an eine durch den 
krieg 1870/71 hülfsbedürftig gewordene rnutter oder waise ausgezahlt 
werden sollen. Näheres im Börsenbl. nr. 85. 

Strabo-handschrift entdeckt. Es sind in der Basilianer-abtei Grotta 
Ferrata bei Frascati, welche aus Sicilien flüchtige mönche 1002 ge- 
gründet haben, vom mönch Giuseppe Cozza vor einiger zeit rescribirte 
blätter einer excerpte aus Strabo enthaltenden handschrift gefunden, die 
dem saec. V oder VI anzugehören scheint: die sicilischen mönche nämlich 
haben, wie erzählt wird, aus Sicilien viele werthvolle handschriften 
mitgebracht, auf die in neuerer zeit erst Angelo Mai wieder auf- 
merksam gemacht hat. Der an sich schon werthvolle fund wird noch 
dadurch erhöht, dass die blätter den so mangelhaft erhaltenen büchern 
VII und VIII angehören. Es hat Cozza bei Späthöver in Rom eine 
broschüre erscheinen lassen, die uns aber noch nicht zugänglich ist. 
Diese notiz ist der Augsb. Allg. Ztg. beil. zu nr. 303 entlehnt und 
aus Börsenbl. nr. 182; in Cozza's brochüre ist auch ein photographi- 
sches facsimile beigefügt, aus dem sich ergiebt, dass über dem Strabo in 
uncialen zwei andre texte stehen, der jüngste, dem XI. Jahrhundert 
angehörig, ist dem alten testament entlehnt, der andre, dem VII. 
Jahrhundert, ist auch christlichen inhalts. Nach Reichsanz. nr. 177, 
vrgl. 170, sind unedirte verse des Tyrtaeus auf den blättern gefunden. 

Zur neugriechischen literatur. Von dem griechischen gelehrten 
Alexandras Risos Rangawic erscheinen in Oxford cmarra 7« (filoloyixä 
in zwölf bänden, von denen vier gedruckt vorliegen, in denen der 
vrf. als dichter sich zeigt und zwar als epiker, lyriker und dramatiker. 
Augsb. Allg. Ztg. beil. zu nr. 306. 

Das grub von J. H. Voss. Da der bisherige friedhof in Heidelberg 
aufgehoben worden, sind auf antrag der familie Voss die gebeiue von J. 
H. Voss, seiner gattin und seines ältesten sohnes, Heinrich Voss nebst 
dem auf dem grabe befindlichen denkmale am 1. november auf den 
neuen friedhof übergeführt worden, zugleich mit denen von Fr. J. 



Nr. 5. Kleine philologische zeitung. 269 

Thibaut, dein Juristen: von selten der familie Voss war zugegen der 
hauptmann Ücheible , Schwiegersohn des hofrath Egyer in Freiburg, 
der eine tochter von Hans Voss (verstorben als lehrer in Kreuznach) 
zur frau hat. Da über dem grabe von J. H. Voss zwei mächtige 
pappein standen , so musste der zugang zum grabe durch einen seit- 
wärts kommenden Schacht geöffnet werden : man fand hier neben 
einander die sarge von H. Voss, J. H. Voss und des letzteren gattin: 
die gebeine von J. H. Voss wurden in einem besondern, die der beiden 
andern in einem zweiten sarge beigesetzt. Der wohlerhaltene denkstein 
aus röthlichem Sandstein, 1826 gesetzt, trägt die inschrift: 'Hier 
ruht seit dem 1. april 182 6, nächst dem am 2 0. october 
18 22 vorangegangenen geliebten söhne Heinrich Voss 
das was der erde angehört von Johann Heinrich Voss, 
gebohrenaen 20. januar 1751. Diesen stein setzte Er- 
nestine Voss, 49 jähre seine treue lebensgefährtin. 
Hier wird auch ihr staub ruhen. Sie ruht nun hi er, g e b. 
31. jan. 1756, gest. 10. Juni 183 4'. So ist also, was Piniol. 
Anz. V, 5, p. 270 gewünscht wurde , in erfüllung gegangen. Friede 
sei nun mit dieser asche ! 

Die akademische buchhandlung von Gustav Küster in Heidelberg 
versendet einen prospectus über folgendes in Vorbereitung sich befin- 
dende werk: Exempla codicum La tinorum litteris maius- 
calis scriptorum. E diderunt Carolas Zangemeister et 
Guilehn us Watten back. Heidelbergae -, MDCCCLXXVI apud 
Gustavum Köster; in diesem prospect wird bemerkt, dass da aus den 
ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung sich eine beträchtliche an- 
zahl von handschriften in majuskelschrift erhalten habe, in welchen 
entweder die betreffenden texte allein aulbewahrt, oder die, wo 
auch andere manuscripte vorhanden, jedenfalls für die kritische re- 
construetion dieser schritten von der höchsten bedeutung sind, das 
bedürfniss vorhanden sei, von diesen zuverlässige facsimiles und diese 
in einer systematischen Zusammenstellung zu besitzen. Deshalb haben 
die herausgeber eine Sammlung von repräsentanten dieser schrift- 
gattung zusammen gebracht, welche vor allem sämmtliche bestimmt 
oder wenigstens annähernd datirbare handschriften, ferner von den 
übrigen, besonders den capitalhandschrifteu, die ohne zweilel ältesten 
und ausserdem für die philologische kritik interessantesten Codices 
umfasst. Es wird im prospect das unternehmen, welches jeder philolog 
mit dankbarer freude begrüssen wird, noch des weiteren beschrieben : 
wir begnügen uns zu dem gesagten noch den index tabularum der 
ersten abtheilung ganz und von der zweiten das den philologen am 
nächsten stehende herzusetzen : Index tabularum : I. Codices litteris 
capitalibus scripti. 1. — 3. Papyrorum Herculanensium quattuor frag- 
menta; eorum duo litteris cursivis scripti sunt. — 4. Ciceronis Verrinae. 
Codex palimpsestus Vaticanus. — 5. luvenalis. Codex Vaticanus. — 
6. Plautus. Codex palimpsestus Ambrosianus. — 7. Sallustius. Codex 
Vaticanus. — 8. — 9. Terentius. Codex Bembinus bibliothecae Vati- 
canae. Paginae duae. — 10. Vergilius. Codex Mediceus. — 11. Ver- 
gilius. Codex ßomanus bibliothecae Vaticanae. — 12. Vergilius. 
Codex Palatinus bibliothecae Vaticanae. — 13. Vergilius. Schedae 
Vaticanae no. 3225. — 14. Vergilius. Schedae Berolinenses et Vati- 
canae no. 3256. — 14a. Vergilius. Schedae Sancti Galli. — 15. Pru- 

dentius. Codex Parisinus. — 16. Sedulius. Codex Taurinensis. 

II. Codices litteris uncialibus scripti. 17. Cicero, de republica. Codex 
palimpsestus Vaticanus. — 18. Livius. Codex Vindobonensis. — 19* 
Livius. Codex Parisinus. — 20. Bibliorum versio q. d. Itala. Codex 
Vercellensis. — 21. Bibliorum versio q. d. Itala. Schedae Fuldenses. 



26Ö Auszüge atis Zeitschriften. Nr. 5. 

— 24. Gaius. Codex palimpsestus Veronensis. — 25. Codex Theodo- 
sianus. Codex palimpsestus Taurinensis. — 26. Codex Theodosianus. 
Codex Parisinus. — 29.— 30. Fasti consulares. Codex palimpsestus 
Veronensis. Paginae duae. — 31. Frontonis codicis palimpsesti Va- 
ticani pagina ultima. — 32. Sulpicius Severus. Codex Veronensis. 

— 33. Augustini sermones. Codex Vaticanus. — 34. Codex Fuldensis, 
olim Victoris Capuani. — Paginae duae. — 35. Biblia lectionis 
vulgatae. Codex Amiatinus. — 36. Biblia lectionis vulgatae. 
Codex Pragensis. — 39. Digestörurn codex Laurentianus. — Schliess- 
lich bitten wir aber im interesse der äugen der philologen und 
anderer menschen dafür zu sorgen, dass fettere lettern und nicht so 
blendendes papier wie im prospect für das buch gewählt werde : dieser 
prospect ist wahres gift für die äugen. 

Berlin, 27. dec. Ein telegramm bringt von dem ersten wichtigen 
funde in Olympia nachricht. Man fand das marmorne Standbild der 
Nike, das weihgeschenk der Messanier von Neupaktos, das werk des 
Paionios (Paus. V, 29,2: Brune gesch. d. gr. künstl. I, p. 244): die in- 
schrift ist erhalten. Ferner sind sowohl an der östlichen als an der 
westlichen seite des Zeus-tempels mehre torso aus den durch Pause- 
nias bekannten giebelfeldern aufgefunden: Reichsanz. nr. 304. 

Auszüge aus Zeitschriften. 

Augsburger Allgemeine Zeitung, 1875, nr. 260 u. 265: professoren 
in Czernowitz. — Die thätigkeit für das museum nordischer alter- 
thümer in Kopenhagen. — Beil. zu nr. 261: ein engländer über fran- 
zösisches familienleben. II. Der engländer ist Fred. Marshall: geht 
auf die küche und damentoilette ein : erstere ist hier sehr kurz be- 
handelt. — Die frequenz an den preussischen Universitäten. — Beil. 
zu nr. 262: Häckelogonie : knüpft an die schrift dieses titeis von 
Michelis, und bekämpft die von Häckel angeblich wissenschaftlich 
durchgeführte lehre von der abstammung des menschen vom äffen, 
indem die grundsätze beider kurz entwickelt werden. — Das neueste 
heft des generalstabes über den deutsch-französischen krieg. — Nr. 
263. Beil. zu nr. 265. 267: ein engländer über französisches familien- 
leben. III., IV., V.: bespricht das französische ehesystem: über 
die mädchenerziehung : über letztere wird vielerlei falsches berichtet ; 
auf die protestantischen familien passt das nicht. — Nr. 266: 
die erben des jüngst verstorbenen W. Vischer in Basel haben der Uni- 
versitätsbibliothek dessen philologische büchersammlung zum geschenk 
gemacht: ein äusserst werthvolles geschenk. — Beil. zu nr. 266; die 
deutsche schule in Kairo. — Ausserord. beil. zu nr. 266 : notizen über 
dr. Connop Thirl v/all. — Beil. zu nr. 267 : die Übersetzung des Rig- 
veda. — Erwerbungen der archäologischen Sammlungen in Berlin: 
die Sammlungen von Leitner, von Prokesch-Osten sind angekauft. — Nr. 
272 : theilt das prograrnm der philologen-versammlung in Rostock mit. 
— Ausserord. beil. zu nr. 273: Vorbereitungen zu der gründung der Uni- 
versität Czernowitz. — G. Smith wird wieder nach Ninive gehen. — 
Beil. zu nr. 275: die campagna Roms und die Garibaldi'schen pro- 
jecte. — Beil. zu nr. 281: die doppelfeier in Czernowitz. I: schildert 
den ersten tag, die feier des vor 100 jähren erfolgten anschlusses an 
Oesterreich. — Ausserord. beil. zu nr. 281 : die africanische gesell- 
schaft in Berlin. — Beil. zu nr. 282 : anthropologisches aus der Ober- 
pfalz. — Beil. zu nr. 283 : die doppelfeier in Czernowitz. II : schildert 
die enthüllung des Austria-denkmals und die eröffnung der Universität. 



Nr. 6. 7. Juni. Juli 1875. 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Philologus 



Ernst von Leutsch. 



192. Studien zur griechischen und lateinischen grammatik 
herausgegeben vou Georg Curtius. Siebenter band. Mit 
den indices zu allen sieben bänden. Leipzig, Hirzel. 1875. 
518 s. 8. mk. 

Als der bei weitem werthvollste beitrag in diesem bände 
muss die von den zwei strassburger gelehrten Wilhelm Deecke 
und Justus Siegismund gemeinsam unternommene ent- 
zifferung der im enchorischen alphabete geschriebenen kyprischen 
inschriften gelten (p. 217 — 264). Nachdem der erste von Jo- 
hannes Brandis unternommene versuch zur entzifferung dieser 
merkwürdigen Sprachdenkmale zwar den Charakter der schrift 
als einer auf einen griechischen dialekt angewendeten Silbenschrift 
richtig erkannt hatte , aber doch in der deutung der einzelnen 
zeichen die ärgsten missgriffe nicht vermieden hatte, versuchte 
zuerst Moriz Schmidt in der Jenaer literaturzeitung 1874 sp. 
238 eine allerdings noch lückenhafte Umschreibung der haupt- 
sächlichsten inschriften , die er in seiner bald darauf bei Dufft 
in Jena erschienenen schrift ' die inschrift von Idalion und das 
kypriscke syilabar' berichtigte und ergänzte. Gleichzeitig mit 
diesen Schmidt'schen arbeiten nun erschien die von Deecke- 
Siegismund, und es darf wohl als ein erfreuliches kriterium für 
die Sicherheit der gefundenen resultate gelten, dass diese beiden 
ganz unabhängig von einander unternommenen Untersuchungen 
in allen wesentlichen punkten mit einander in Übereinstimmung 
sind. Was seitdem für lesung und erklärung der inschriften 
geschehen ist, beschränkt sich — abgesehen von einigen ziem- 
lich werthlosen bemerkungen von Th. Bergk in der Jenaer lite- 
Philol. Anz. VII. 17 



262 192. Grammatik. Nr. 6. 

raturzeitung 1875 nr. 26 — auf die umfangreiche abhandlung 
von Ähren s im Philologus XXXV (1875), p. 1 ff. , welche 
auch die bisherigen resultate klar zusammenfasst und die in- 
schriften in transscription mittheilt, so dass ich die leser dieser 
Zeitschrift einfach darauf verweisen kann. 

An zweiter stelle sei die umfassende Untersuchung von Karl 
Brugman über die sogenannte gebrochene reduplication in 
den indogermanischen sprachen genannt (p. 185 — 216, 273 368). 
Mit 'gebrochener reduplication' bezeichnet der verf. solche for- 
men, in welchen die ursprünglich doppelt gesetzte wurzel an 
erster stelle vollständig erhalten , an zweiter dagegen bis auf 
den anfangsconsonanten geschwunden ist, z. b. dad aus dada, 
IcarTc aus Jcarkar. Die abhandlung ist mit umfassender gelehr- 
samkeit und grossem Scharfsinne geschrieben und das aus den 
verschiedenen indogermanischen sprachen zusammen gebrachte 
material ein äusserst reichhaltiges. Wenn man trotzdem den 
aufstellungen des verfs. nicht durchweg beizustimmen vermag, 
wenn man besonders anzunehmen geneigt sein möchte, dass er 
in der menge der unter eine wurzelform zu bringenden bildun- 
gen nicht selten zu weit geht, so liegt das in der natur des 
von ihm behandelten Stoffes. Ueberall, wo man den als indo- 
germanisch erschliessbaren sprachstoff noch weiter zu zergliedern 
unternimmt, begiebt man sich an ein werk, das periculosae ple- 
num aleae ist, auf ein gebiet, wo der sichere boden mehr oder 
weniger unter den fassen schwindet. Ich bin am wenigsten ge- 
neigt die berechtigung dieses gebiet überhaupt zu betreten zu 
bestreiten, da ich ja selbst mich kürzlich an der lösung ähnli- 
cher glottogonischer probleme versucht habe; aber ich möchte 
das, auch zur richtigen auffassung meiner eben erwähnten arbeit, 
gerade hier bemerken, dass die Verfasser derartiger Untersuchun- 
gen sich wohl selbst am meisten klar darüber sind, dass sie im 
besten falle wahrscheinliche hypothesen geben, die eine weiter 
vordringende forschung entweder bestätigen oder verwerfen wird, 
über die aber ein vorlautes absprechen gegenwärtig kaum an 
der zeit ist. 

Ein thema, das dem ref. früher besonders nahe lag, behan- 
delt die arbeit von Wilhelm Clemm: die neusten forschungen 
auf dem gebiet der griechischen composita (p. 1 — 99). Sie 
führt die hauptfragen auf diesem in so vielfacher beziehung in- 



Nr. 6. 192. Grammatik. 263 

teressanten felde, an deren discussion auch ich mich mehrfach 
betheiligt habe , noch einmal in zusammenhängender darstellung 
vor und hat theils den zweck die erreichten resultate übersicht- 
lich zusammen zu fassen, theils einige ansichten des verfs. gegen 
erhobene einwendungen in schütz zu nehmen. Ich fühle mich 
besonders durch das, was Clemm zur stütze seiner ansieht über 
composita mit verbalem erstem gliede sagt, nicht überzeugt und 
halte im wesentlichen an meiner früher über solche bildungen 
ausgesprochenen ansieht fest; ich halte auch jetzt noch den beweis 
nicht für erbracht, dass verbalstämme in irgend einer weise mit 
nominalstämmen eine Verbindung eingehen können, und vermisse 
bei Clemm hauptsächlich die berücksichtigung von bildungen 
wie ßtoriavsiga neben dwotdixoq. Auf eine nähere erörterung 
kann ich hier selbstverständlich nicht eingehen , und glaube 
überhaupt, dass man den gegenständ ohne schaden jetzt einige 
zeit ruhen lassen kann. 

Eine fleissige Zusammenstellung giebt C a u e r in den Quae- 
stiones de pronominum personalium formis et usu homerico (p. 
101 — 160). "Windisch bringt berichtigungen zu seinen kelti- 
schen vergleichungen in der vierten aufläge von Curtius' grund- 
zügen im anschluss an die Some Remarhs von S t o k e s (Calcutta 
1874). Ueber italische partikeln vom stamme ino handelt Zeysa 
(p. 161 — 172). Ausserdem enthält das heft kleinere beitrage 
von G. Curtius und vom ref., dessen etymologie von vuvxQagog 
als ' schiffsbauer ' seitdem mehrfache Zustimmung von historischer 
seite erfahren hat. Eine sehr dankenswerthe zugäbe bilden die 
sorgfältigen indices zu den ersten sieben bänden der Studien, 
die gymnasialdirector V a n i c e k mit der schon aus den ähnli- 
chen arbeiten für Kuhn's Zeitschrift bekannten genauigkeit an- 
gefertigt hat. 

Gustav Meyer. 

193. Raphaeli Kuehnero Semisaecularia summorum in phi- 
losophia honorum rite obtentorum a. d. III. id. Decembr. 
MDCCCLXXIV rite celebranda gralutantur lycei I. Hanno- 
verani praeeeptores. Inest disquisitio etymologica l AvAi] und 
Villa' auetore H. L. Ahrens. Hannoverae, 1874. 39 s. 8. 
Die kleine, mit dem denvrf auszeichnenden Scharfsinn ge- 
schriebene etymologische Untersuchung sucht zunächst an der 

17* 



264 193. Grammatik. Nr. 6. 

hand des Sprachgebrauches und der Zeugnisse der alten die be- 
deutung von alliq als umfriedigung, Umzäunung festzustellen 
und führt dann das so gedeutete wort auf die in u zusammen- 
gezogene wurzel va flechten, binden zurück, die auch in vpqi 
gewebe, vftvog (Pott "Wurzel wrtb. I. 1, 612) vorzuliegen scheint, 
so dass av steigerungslaut des ursprünglichen u wäre. Als 
analogie in der bedeutungsentwickelung dient cors zu sk. hrt 
flechten got. haurds hürde. Auf dieselbe wurzel will Ahrens auch 
villa zurückführen, für welches er die Schreibung vila (vergl. 
vilicus) als die ursprüngliche annimmt. Mir scheint der beweis, 
dass vila die berechtigte Schreibung sei, nicht erbracht zu sein, 
und darum möchte ich — unter der Voraussetzung, dass auch 
villa ursprünglich eine umfriedigung bezeichnet habe, was noch 
nicht sicher gestellt scheint — eher an wz. var umgeben, um- 
hüllen (schon im sk. mit l : valate bedecken , umhüllen , iXvw, 
lit. velti wickeln u. s. w.) denken, so dass dann allerdings iden- 
tität mit iXr\ (aus pCXXu, vgl. aqftiXkai'. äQXtnoifitva. Kg^rec), 
wie sie Ahrens p. 34 behauptet, ebenfalls vorläge. 

Gustav Meyer. 

194. De Homericae elocutionis vestigiis Aeolicis scr. Gr. 
Hinrichs. Jena, Frommann. 1875. 176 s. 

Wie unsere kenntniss vom aeolischen dialect in den letzten 
Jahrzehnten durch Zuwachs an inschriftlichem material nicht 
wenig bereichert, und vieles auf denselben bezügliche von neuem 
untersucht und geprüft worden ist, so von Hirzel, zur beur- 
theilung des aeolischen dialects, Leipzig, 1862, von Gelbke in G. 
Curtius Stud. bd. II, u. a., so hat man auch die vielfach so schwie- 
rige frage nach den spuren dieses dialects in den homerischen 
gedichten genauer erörtert, so schon 1865 Ameis, de aeolismo 
Homerico , Halle, jetzt vollständiger, gründlicher und kritischer 
der vrf. der vorliegenden schrift, die wir von vornherein als 
eine das einschlägige material in vollem umfange benutzende 
und besonnene arbeit bezeichnen müssen. 

Indem der verf. von der annähme ausgeht, dass schon vor 
der homerischen zeit die einzelnen dialecte sich selbständig aus- 
gebildet hatten, beschränkt er nach einer kurzen Übersicht über 
die ansichten der alten und neueren von diesem dialecte seiner- 
seits den ausdruck ' aeolismus ' auf die spräche der asiatischen 



Nr. 6. 194. Homeros. 265 

Aeoler, die ja auch für Homer allein in betracht kommen kann, 
und bezeichnet als methode der folgenden Untersuchung, dass 
die betreffenden homerischen formen nach den aus Alcaeus, 
Sappho u. s. w , den inschriiten und den Zeugnissen der gram- 
matiker sich ergebenden gesetzen des aeolischen dialects , an- 
drerseits nach unserer kenntniss der Jüngern ias zu beurtheilen 
seien (p. 11). Mit recht betont er dabei, dass man zwischen ar- 
chaismen und eigentlichen aeolismen bei Homer auf das sorgfältig- 
ste zu scheiden habe , auch verkennt er nicht , dass eine be- 
stimmte entscheidung oft schwer, nicht selten unmöglich ist, be- 
sonders da die meisten der auf dialectisches bezüglichen angaben 
der alten scholiasten, grammatiker, lexicographen für sich allein 
sehr unzuverlässig sind. Dorismen erkennt er, wie ich glaube, 
mit recht, überall im Homer nicht an. 

Der erste theil der arbeit (p. 1 — 152), in welchem zunächst 
vom accente und Spiritus, dann von den verschiedenen affectionen 
der consonanten und vocale und weiter von der declination und 
conjugation gehandelt wird , enthält eine gesichtete Sammlung 
der spuren des aeolischen dialects , die der *vrf. im Homer an- 
nehmen zu müssen glaubt, der zweite theil (p. 153 — 175) sucht 
den grund dieser erscheinung zu erklären. 

Indem ich mich mit den negativen resultaten des ersten 
theils in allem wesentlichen einverstanden erkläre und ein beson- 
deres verdienst des verf. darin finde, dass er in der anerkennung 
von aeolismen vorsichtiger ist , als manche seiner Vorgänger, 
wende ich mich gleich zur betrachtung und prüfung der positiven 
ergebnisse, um einige bedenken und zweifei geltend zu machen. 
Schwerlich ist mit dem vrf. p. 24 für wahrscheinlich zu 
halten, dass nur im dialect der asiatischen Aeoler und der Ky- 
prier der Übergang von p zu v , das dann mit dem vorherge- 
henden vocale sich zu einem diphthongen verband, stattgefunden 
hat •, wenigstens findet sich auch in einer lakonischen inschrift 
yluvdyr\iu, vrgl. Aupoxupwv bei Priscian. Es könnte also im 
Homer diese eigenthümlichkeit ein archaismus sein. Dazu 
kommen bedenken bei den einzelnen Wörtern. So erregt bei 
tvuSt 3, 340 P, 647 TT, 28, das der vrf. bestimmt als aeolismus 
annimmt, Apollon. de adv. 559, 30 zweifei, aus dessen worten: 
tudiv tvudii', axrjXog tvxrjXog, xal nagu AloXzvGi vuog vuvog, her- 
vorgeht, dass dieser die ersten Wörter nicht als speciell aeolisch 



266 194. Homeros. Nr. 6. 

ansah. Auch äyuvog lässt sich durch den vom vrf. geltend ge- 
machten allgemeinen grund kaum als speciell aeolisch erweisen 
(p. 28), da wir doch wohl mit ehen so viel recht ynv als wurzel 
ansetzen wie yap , s. Curtius Etym. 4 172, wonach das v ur- 
sprünglich wäre ; auch existirt nicht etwa ein äyaog daneben, 
s. auch Ahrens Dial. aeol. p. 36 n. 11. — Bei Jsw'w, das dem vrf. 
ebenfalls als aeolismus gilt (p. 29), muss er die formen idsvrjGev, 
dsvrjöscu; dtvTqatGd-av als ionische Weiterbildungen betrachten und 
den dual devic&tjv, da die Aeoler den dual nicht kennen, der 
nachlässigkeit eines nachahmers zuschreiben; aber auch im do- 
rischen findet sich dtvofxiva bei Sophr. 92 , also ist wohl die 
annähme eines archaismus richtiger und xevto als praesens lassen 
wir überhaupt für Homer nicht gelten, denn ntq^viTav £ 232 
tp 159, das der verf. für ein praesens hält, ist uns unzweifelhaft 
ein aorist, jedenfalls als praesens höchst unwahrscheinlich bei der 
masse von aoristformen mit sv, dem fehlen aller weiterer bei- 
spiele von praesensformen mit tv (dagegen iy/jir; t 10) und bei 
der Verbindung mit wg özs, die an der stelle einen aorist weit 
passender erscheinen lässt. Auch xaXavgotp (p. 33), das sich 
doch auch noch in der späteren prosa findet, möchten wir nicht 
als aeolismus gelten lassen, s. Ahrens Dial. dor. p. 23, Dind. in 
Steph. thesaur. s. v. 

Bei den mit £a- zusammengesetzten homerischen adiectiven, 
wo die erste silbe jetzt gewöhnlich und so auch vom vrf. p. 44 
sq. mit berufung auf das aeolische aus dul erklärt wird, kann 
ich die bemerkung nicht zurückhalten, dass doch möglicher- 
weise in dem homerischen £«- (c$a-) noch etwas anderes steckt, 
indem dasselbe in allen betreffenden adjeetiven immer die be- 
deutung sehr hat, während in den aeolischen beispielen £ußaiog, 
^ädrjlog, ^aile^u^av, ^aßdlXstv deutlich die bedeutung durch 
oder zer- hervortritt (wo Homer öta hat), und sich in keinem 
die allgemein verstärkende bedeutung findet-, und auch hiervon 
abgesehen erregt die auffassung der homerischen adjeetive £a&tog 
als aeolismen bei dem vorkommen von ^ujieöov bei dem Kolophonier 
Xenophanes und ^dnlovrog bei Herodot bedenken. Hält man 
in £a5ji' /x 313 mit dem vrf. p. 106 sq. das v für richtig 
überliefert, so wird man sich freilich der annähme aeolischer 
declination kaum entziehen können und dies als anderweitigen 



Nr. 6. 194. Homeros. 267 

Stützpunkt für die auffassung des £«- als aeolismus geltend 
machen dürfen. 

Dass die jetzt übliche lesart noXvnd^ovog 4 433 ein doris- 
mus sein müsse, wie vrf. p. 53 sq. meint, und deshalb durch 
die alte Variante TzoXvnufifiovog zu ersetzen sei , deren etymolo- 
gische erklärung doch sehr wenig reale grundlage hat, kann ich 
nicht zugeben, denn ndo^iai im sinne von xtdofiav war auch 
boeotisch vrgl. boeot. k'jiTtaßig = iyxrtJGic, s. Ahrens D. aeol. 213, 
und iöiioTtufAwv = oXxov SsGnovrig war nach Poll. On. I 75. X, 20 
dorisch und aeolisch ; endlich gebraucht auch Xenophon ndofiui. 
Wenn der vrf. p. 76 sq. uXao, uXto wegen der art des 
augments für aeolismen hält (Curtius Verb. p. 131 für archais- 
men) , so scheint mir die consequenz zu verlangen , wenigstens 
auch die participialform uX^svog , vor der in compositis keine 
aspiration eintritt , dazu zu stellen , denn die annähme falscher 
analogie-bildung (Curtius p. 132) empfiehlt sich doch wohl 
weniger. 

Ob endlich aijvficüv wegen der Veränderung von w in u, 
wie der vrf. p. 79 sq. mit den alten grammatikern annimmt, 
aeolisch zu heissen verdient, ist mir deshalb zweifelhaft, weil in 
dem zu gründe liegenden stamme das v ursprünglich zu sein 
und cü erst durch die mittelstufe op sich daraus entwickelt zu 
haben scheint s. Curtius Et. 4 338, man wird sich also bei der 
annähme eines archaismus beruhigen können. 

Andre bedenken halten wir zurück ; übrigens stimme ich 
dem vrf. bei, wenn er p. 50 SXCipsiat, q 221 durch die Vari- 
ante (plJifiiTM, ersetzt wissen will, wie auch Kayser bereits ge- 
than hat, sowie wenn er p. 57 die fünfmal bei Homer nur 
vor vocalen vorkommende form if/./j,iv > so und nicht ohne apo- 
stroph geschrieben wissen will. Auch halten wir mit ihm p. 
135 sq. dCdoiada oder didoTG&a für eine form, die sich weder 
aus dem aeolischen noch aus einem andern dialecte erklären 
lässt, sondern, wenn richtig überliefert, nach falscher analogie 
gebildet ist. 

Gut ist die p. 139 im anschluss an Ahrens entwickelte ge- 
nesis von u7rovgag, u.nr\vqa u. s. w. (obgleich ich auch hier lieber 
einen archaismus als einen speciellen aeolismus erkennen möchte 
— streng aeolisch wäre änoiiquiq), gut auch die nach dem vor- 
gange von Allen und Curtius gegebene Übersicht und erklärung 



268 194. Homeros. Nr. 6. 

der formen wie dognfixriv. Aus der Stellung der Wörter im verse 
werden mehrfach zu weitgehende und gewagte Schlüsse gezogen. 
Im zweiten theile will der vrf. die im Homer vorkommen- 
den aeolismen nicht daraus erklären , dass eine einzige dichter- 
persönlichkeit die dialecte gemischt habe , also etwa aeolischen 
Ursprungs gewesen sei und später ionisch gedichtet habe , oder 
dass Homer nur aus metrischer noth zu dialectformen seine Zu- 
flucht genommen habe , oder dass die buntscheckigkeit seiner 
spräche aus der Vermischung von colonisten verschiedener stamme 
in Asien und aus der nachbarschaft von Aeolern und Ioniern 
herzuleiten sei, sondern er findet in den aeolismen ein denkmal 
der entwickelungsgeschichte des epos vor Homer, indem die äl- 
testen epischen lieder und gedichte, wenigstens die auf die troi- 
sche sage bezüglichen, bei den Aeolern entstanden und von 
ihnen dann zu den höher und reicher begabten Ioniern fortge- 
pflanzt und von diesen zu der jetzt in den homerischen gedieh ten 
vorliegenden gestalt entwickelt seien. 

Indem ich mich dieser meinung im allgemeinen anschliesse, 
bedauere ich, dass vrf. es unterlassen hat, uns in übersichtlicher 
Zusammenstellung zu zeigen, wie sich die von ihm mit Sicherheit 
oder Wahrscheinlichkeit angenommenen aeolismen zwischen Ilias 
und Odyssee vertheilen. Ich gebe daher zum schluss eine solche 
mit Zugrundelegung des von ihm gegebenen materials. Es 
finden sich 

A) nur in der Ilias: 1) aviqvov , avigvGav , avsgvovra, 4. 
2) avfa%oi 1. 3) igtßevvog 8. 4) von compp. mit igt egtavxrjv 5, 
igtßgi^itrig 1, igt&rjkijg- §, igtovvtog 5, igtnfiog 4. 5-) von compp. 
mit £«- ^a&tog 7, £dxorog \, ^cccplsyrjg 1, &XQWQ 4. 6) xaXavgoxf) 
1. 7) noXvnä[iovog 1. 8) ito gdakvg 3. 9) vnou9a 5. 10) <pr\g 2. 

B) erheblich überwiegend in der Ilias : 1) uXßo, uXto und 
compp. 27: 2. 2) a/nvöig 10: 5. 3) änovgag, uTrrjvga etc. 29: 
5. 4) agyivvog 5: 1. 5) Sstco etc. 29: 12. 6) InuGavrsgot 6: 1. 
7) compp. von Igt,- igißwla^ 15: 1, tgCßwXog 6: 1, iqtydovnog 
8: 3. 8) l« 9: 1. 

C) nur in der Odyssee : 1) innSfxvysgcSg 1. 2) tqi6T(xy.vlog 2. 
3) (pXltysiai 1. 

D) erheblich überwiegend in der Odyssee: 1) yilog 1: 7. 
2) iglöovnog 2: 8. 3) lgl n gog 7: 17. 

E) ausserdem vertheilen sich : 1) äyavog 20: 27. 2) üllvdig 



Nr. 6. 195. Homeros. 269 

6: 7. 3) ä/jfxeg etc. 24: 14, vfifitg etc. 15: 13. 4) äfivfiiov 53 : 
47. 5) ßiotSoov 1 : 1. 6j e/i/tsvat 43 : 41, tfifitv 1 : 4. 7) compp. 
von tot iqixvd>]g 5: 6, ioitjivxog 2: 1, ioiotvrjg 1: 1, aQia&evrjg 
3: 1. 8) fßog 13: 15. 9) £tJß<fc 2: 1. 10) £«W oder £«fc 1: 
2, £aigs(f,rjg 1: 3. 11) stamm 9eo6- in eigennamen 5: 5. 12) 
xtxXrjyoi 'ng 4: 2. 13) rv/jcpa 1: 1. 14) dtpiXliitv 1: 1. 15) 
n(cvqzg 3:3. — Die formen mit praefix Igt- 67: 41, die mit 
uoi- 16: 22. 

Wenn auch in diesem verzeiclmiss manches nicht als spe- 
cieller aeolismus, sondern nur als archaismus anzuerkennen ist, 
so zeigt es doch klar , dass die Ilias zahlreichere und stärkere 
spuren des aeolismus enthält als die Odyssee. 

C. Capelle. 

195. Die homerischen fragen von Dr. Heinrich Düntzer. 
Leipzig. Hahn'sche verlagsbuchh. 1874. 4 m. 

Vrf. will in dem angeführten buche den ganzen weiten 
kreis der homerischen kritik umspannen : klarheit in der form 
der darstellung und sachkenntniss ist ihm nicht abzusprechen. 
Die beiden ersten abschnitte handeln von Homers namen, per- 
sönlichkeit und heimath. Es gelingt vrf. vollkommen den leser 
zu überzeugen, wie unsicher die etymologie des namens "Ofxrioog 
ist. Um so auffallender muss es erscheinen, wenn er p. 17 
meint , die bedeutung zusammenfüger , verbinder als die echte 
erkannt zu haben. Die möglichkeit dieser deutung wird man 
schwerlich leugnen können , zur gewissheit fehlt uns aber der 
nachweis, dass das wort jene bedeutung wirklich einmal gehabt 
hat. Dieser beweis war um so nothwendiger, da Düntzer meint, 
der name sei nach ' den mehr ersonnenen als sagenhaften an- 
gaben der alten ein ihm anhaftender beiname ', also von appel- 
lativer geltung (p. 23). Die historische spräche kennt nur die 
bedeutung geissei, daher die verschiedenen etymologischen sagen. 
Jenen 'mehr ersonnenen als sagenhaften angaben' über den ur- 
sprünglichen namen des dichters ist jedenfalls sehr wenig zu 
trauen, denn wurde er MeXqOiysryg genannt , so hiess dies eben 
nur Melesgeborener , wie er poetisch als Smyrnaeer bezeichnet 
werden konnte. Das deutete eine unverständige klügelei dahin, 
sein vater und er wahrscheinlich selbst habe eigentlich Meles 
geheissen. Noch abgeschmackter ist der grund für den namen 



270 195. Homeros. Nr. 6. 

"AXTqq 3 schol. V zuX 51: yiquiv ovofjdxXviog: 'Ad-qvoxQiTog <pi]Gt 
tov "Ofiiigov TiQOjrjv * jikir[v xaXelG&ui dtu ro ETvatveXv avrov. 
Wir werden es aufgeben müssen, etwas sicheres über den Ur- 
sprung des namens wissen zu wollen. Die frage bat um so 
weniger bedeutung für die historische kritik, da Homeros der 
eponyme heros der Homeriden war. Auf p. 45 scheint vrf. die 
bedeutung dieser tbatsache zu erkennen , wenn er sagt , solche 
heroen seien mythische, d. h. doch wohl nicht historische per- 
sonen, und so könne es auch nicht anders mit Homer sein, den 
eine familie auf Chios, die sich dem epischen gesange widmete, 
zum heros wählte. Gleich darauf wird die auffassung dieser 
thatsacbe wieder unklar : ' doch dürfen wir, heisst es, nicbt be- 
zweifeln , dass der epische sang ihres gewählten ahnherren von 
ihnen besonders gepflegt wurde'. Auf p. 78 'der echten alten 
sage nach war Homer entschieden ein Joner und zwar ein 
dichter auf Chios. ' Düntzer denkt sich also das verhältniss etwa 
folgendermassen, denn bestimmten aufschluss giebt er leider nir- 
gends. Auf Chios lebte ein dichter Homeros, berühmt durch 
seine dichtungen, ein sangeskundiges geschlecht derselben insel 
wählte ihn nach seinem tode zum Stammvater, nannte sich nach 
ihm und pflegte seine poesie. Wie ist Homer dann aber eine 
mythische person ? Vrf. müsste sich also ebenso denken, Achaeos 
oder Doros waren männer von gewisser bedeutsamkeit und eini- 
ger berühmtheit, nach ihnen nannten sich gewisse stamme und 
wählten sie zu Stammvätern. Sollte ich vrf. falsch verstanden 
haben , so glaube nicht ich die schuld zu tragen. Jenes ver- 
hältniss Homers zu Homeriden lässt die thatsacbe zweifellos gewiss 
erscheinen, dass seine individuelle thätigkeit in der sage eine thätig- 
keit des ganzen Stammes der Homeriden bezeichnet, sie sind ihm als 
dem mythischen Vertreter des geschlechtes beigelegt. Ebenso ent- 
halten die echtsagenhaften angaben von Homers leben nichts als 
nachrichten über die geschichte der Homeriden. In der feststellung 
und aussonderung der echt sagenhaften angaben stimme ich dem 
vrf. vollkommen bei, wenn er los, Smyrna, Chios als die punkte 
nennt, welche auf Homer d. h. auf die Homeriden einen berech- 
tigten ansprach machten. Entschieden muss ich aber dem vrf. wider- 
sprechen, wenn er p. 56 annimmt, Smyrna habe nur das sagen- 
hafte rohmaterial für die homerische dichtung geliefert, an einen 
aufenthalt der sängerfamilie in jener stadt sei nicht zu denken. 



Nr. 6. 195. Homeros. 271 

Denn ist die geburt Homers in los und sein anfenthalt auf 
Chios richtig auf die Wanderung der Homeriden gedeutet, so muss 
folgerichtig auch auf einen aufenthalt in Smyrna geschlossen 
werden, für letzteren enthält die sage sogar noch mehr anknüpf- 
ungspunkte als für den auf Chios. Vermuthlich meint vrf, der 
dialekt widerspreche dieser thatsache, das würde heissen, wären 
die Ionischen sänger nach dem aeolischen Smyrna gekommen, hätten 
sie den dialekt dieser stadt annehmen müssen : dies zugestanden, 
so würden sie ihn auf Chios eben wieder mit dem ionischen 
vertauscht haben. Doch waren die Homeriden ein sängerge- 
schlecht auf los, so brachten sie auch eine anzahl von dichtun- 
gen im ionischen dialekt mit nach Smyrna und werden die 
spräche in diesen wie in späteren dichtungen eben festge- 
halten haben. Hierfür spricht die poetische dialektologie der 
ganzen griechischen litteratur. Für eine blüthe des homerischen 
gesanges in Smyrna spricht auch die frühe Verbreitung desselben 
im grenzgebiete der aeolischen und ionischen städte Klein-Asiens. 
So muss Kyme sehr früh mit dieser poesie bekannt geworden 
sein, von hier hat sie sicher die familie des Hesiod mit nach 
Böotien genommen ; denn so gross der unterschied zwischen 
beiden arten der epik sein mag, so scheint doch unzweifelhaft 
Hesiod die form den Homeriden entlehnt zu haben , wie sollte 
er sonst aus dem äolischen Kyme stammend in Böotien lebend 
im ionischen dialekte dichten? Sehr wahrscheinlich wurde die 
dichtung der Homeriden von Smyrna aus an den gemeinsamen 
festagonen, wie sie für Lebedos an den Dionysien bezeugt sind, 
auch den übrigen städten früh bekannt. Die homerische poesie 
hatte damals noch nicht ihren höhepunkt erreicht, es fehlte ihr 
noch die sinnliche klarheit und Schönheit ; an diese frühere stufe 
lehnt sich Hesiod an. 

Man wird bei der frage nach der heimath des ' dichters ' 
offenbar eine besprechung seiner spräche erwarten-, leider fehlt 
die im vorliegenden buche ganz. Verf. hält gelegentlich mit 
Aristarch die altattische spräche für die grundlage derselben, 
ich will dabei nur bemerken, dass in einer solchen frage dem 
Aristarch unmöglich eine massgebende stimme zuzusprechen ist ; 
er wusste von jener altattischen spräche eben so wenig als wir. 
Der dritte theil des buches beschäftigt sich mit der kritik 
der homerischen sage. Dieser abschnitt ist unstreitig der 



272 195. Homeros. Nr. 6. 

schwächste des ganzen buches, er ist ein methodeloses hin- und 
herreden, das im urtheil über die troische sage wesentlich zu 
den von Welcker im zweiten theil des epischen kyklus geistvoller 
und eingehender entwickelten resultaten führt. Düntzer sucht be- 
sonders gegen Müllenhoff Welckers ansieht zu vertreten, dass die 
sage vom kämpfe vor Ilios schon in Griechenland in manchen 
einzelnen liedern vor der äolischen Wanderung unter Gras u. s. w. 
besungen sei (p. 91). Der kern der sage soll die Zerstörung 
der stadt durch vereinte achaeische kraft sein. — Mit Welcker 
und Düntzer gegen Völker u. a. angenommen, dass das alte Troja 
auf dem Balidagh und bei Burnabaschi lag, also mit dem aeoli- 
schen Ilion nicht identisch sein kann, so würde dies an sich 
nicht beweisen, dass die Aeoler das alte Troja nicht hätten zer- 
stören können. Der einzige grund , der dafür geltend gemacht 
wird, ist der, dass die Aeoler dann sicher die alte Stadt bezogen 
hätten. Es war aber ja möglich, dass die Aeoler erst Neu-Ilion 
gründeten, die macht des alten Troja allmählich beschränkten, 
dann vielleicht durch neue zuzüge aus der heimath verstärkt, 
die alte feste einnahmen und dann eben keine veranlassung 
mehr hatten , sich auf dem terrain der alten stadt anzusiedeln. 
Kurz gründe müssen ja doch gewesen sein, dass die Aeoler sich 
in einer anderen gegend anbauten. Die Verschiedenheit der 
läge von Alt- und Neu-Ilion kann keine entscheidende bedeu- 
tung in dieser frage haben. Darum sind er wägungen wie p. 90 
ohne gewicht. Ferner ist es nicht berechtigt, wenn Düntzer mit 
Welcker meint, dass die führer der aeolischen colonisten Gras u. 
a. hätten eine hauptrolle in der sage spielen müssen , wenn ihr 
stamm die betreffende Stadt eingenommen hätte. War in der 
sage, die anspräche der colonisten zu begründen, eine frühere 
einnähme durch die vorfahren jener anführer angenommen , so 
gewann die dichtung vor allem an diesen früheren helden inte- 
resse , nicht an den näher stehenden nachkommen. Diese that- 
sache wird einleuchtend durch die analogie der Heraklessage, 
die dichtung beschäftigt sich nur mit den zügen dieses helden, 
nicht mit der allein thatsächlichen Wanderung der Herakliden, 
deren anspräche der heros vorbereiten muss. — Doch wird 
eine betrachtung solch einzelner punkte nie zu einem wirklichen 
verständniss der sage führen , es sei mir daher gestattet , in 
knappen zügen die ganze sage zu betrachten. Dardanos soll 



Nr. 6. 195. Homeros. 273 

der Stammvater der bewoliner Trojas gewesen sein. Nach Dionys 
von Halikarnass soll er durch die fluth von Arcadien nach Samo- 
thrake kommen, der name dieser insel war früher Dardania (Paus. 
7,4,3. Steph. Byz. s. v). Dardanos ist eponymus derDardaner, 
ihre niederlassung in Samothrake also sicher bezeugt. In Arcadien, 
richtiger nach der einwanderung in Troas, heirathet er die Chryse, 
tochter des Palas , die ihm die palladien und heiligthümer 
der grossen götter giebt. Chryse ist die eponyme heroine der 
von Achill zerstörten Stadt , ebenso die spätere gemahlin Bateia 
Eustath. p. 351, 30) und Arisbe (Apollod. 3, 12, 1) der ent- 
sprechenden städte in Troas. Die niederlassung der Dardaner 
in Troas ist sicher (vrgl. Prell. Myth. II 373, 2). Das palladion 
weist deutlich auf den kult der Pallas Athene , der in Troas 
wie in Arcadien sicher bezeugt ist. Die grossen götter weisen 
auf orientalische beimischung. Es ist kein grund zu zweifeln, 
dass die Dardaner ein griechischer stamm sind. Des Dardanos 
söhn ist Erichthonios, bekannt und eng verknüpft mit der athe- 
nischen sage und dem kulte der göttin, ein autochthone. Der 
Athenekult muss besonders im stamme der Danaer gepflegt sein, 
dessen eponyme heroen Danaos und Danae (Perseus) sind. Der 
name Dardaner ist daher nur als reduplicirte nebenform des 
namens Danaer aus Dan-daaer anzusehn. Danaer nannte sich 
vor allem der nach Argos gewanderte zweig des Stammes. Die 
Dardaner erobern die ebene und das gebirge von Troas , die 
Stadt fällt in ihre hände, deren bürg nun hauptsitz des Pallas- 
kultes wird. Dardanos heirathet die tochter des Teukros , die 
Teukrer , deren eponymus Teukros ist, vielleicht ein semitischer 
stamm, müssen vor den Dardanern in diesen gegenden gewohnt 
haben , sind von jenen unterworfen , und von dem mächtigeren 
stamme ist Dardanos an die spitze der genealogischen reihe ge- 
stellt. — Dardanos söhn ist Tros, der eponymus der Troer, der 
Stadt Troja und der landschaft*, anspruch auf erbauung der Stadt 
muss also dieser wahrscheinlich vordardanische stamm gemacht 
haben, sicher kein griechischer stamm ; seine söhne Ilos, der epo- 
nymus von Ilios , Assarakos , ein heros der Assyrier ; der herr- 
schaft der Dardaner werden auch die weiter im gebirge woh- 
nenden Assyrier unterworfen sein. Ilos ist wahrscheinlich ohne 
ethnische beziehung , ebensowenig der dritte söhn Ganymedes, 
der offenbar eine alt-mythische bedeutung hat. Ilos gründet die 



274 195. Homeros. Nr. 6. 

stadt, die gründungssage mit der kuli ist sicher der kadmeischen 
sage von der grün düng Thebens nachgebildet. Dtr. Müller hat 
diese sage mit recht dem argivischen stamme und dem religions- 
system der Demeter-Hermes zugewiesen. Sicher muss also ein 
zweig des argivischen Stammes aus Böotien entweder mit oder 
neben den Dardanern ansprach gemacht haben auf die gründung 
der stadt ; wie die betheiligung des Iasos am zuge des Dardanos 
zeigt, waren Argiver mit den Dardanern verbunden. 

Von Ilos gehen zwei Knien aus: 1) Laomedon, Priamos; 2) 
Assarakos, Kapys, Anchises, Aeneias, die erstere linie herrscht in 
Troja, die andere im gebirgslande. Sicher griechischen Ursprungs 
ist der name Laomedon = Völkerfürst, vielleicht auch Priamos, 
Anchises und Aineias. Erweislich hat die zweite linie nicht 
ursprünglich mit dem kriege vor Troja zu thun gehabt. — 
Unter Laomedon fällt die erste einnähme Ilions durch Herakles, 
Peleus, Telamon und O'ikleus. Die helden sind alle Griechen, 
es liegt daher kein grund vor mit Müllenhoff den Herakles als 
Vertreter der Phöniker zu nehmen , der Ursprung der sage ist 
griechisch. Wir sehen in derselben einfach den versuch ge- 
wisser stamme, der Achäer von Salamis, der böotischen Aeoler 
(? Herakles), des phthiotischen Stammes unter Achilleus, der 
Argiver (O'ikles), ihre berechtigung auf diese gegenden durch 
eine vorangegangene occupation ihrer vorfahren zu begründen. 
Die sage mit Hesione weist auf Argos und den Perseus, sie ist 
für uns unwichtig. Eine hervorragende rolle bei dem zuge spielt 
Telamon: 1) er nimmt die stadt wirklich ein; 2) ihm fällt die 
von Herakles begehrte Hesione zu ; 3) er wird zum vater des 
Teukros. Besonders der letztere zug der sage zeigt deutlich, 
dass die Salaminier ähnliche anspräche auf das land der Teukrer 
erhoben wie die Dardaner, sie behaupteten schon vor den Teukrern 
das land besessen zu haben. Dieser widersprach mit der Dar- 
daner-überlieferung wird dadurch beseitigt, dass des Telamon 
söhn ein jüngerer Teukros sein sollte. Wenn dieser später 
Kypros besetzt, mit seiner stadt Salamis, so weist das wohl dar- 
auf hin , dass die Teukrer ein phoenikischer stamm waren und 
mit den gründern der beiden Salamis identisch. Der nachkomme 
des Telamon Aias kehrt nicht zurück nach der einnähme Ilions, 
eben so wenig Achilleus, der söhn des Peleus. Mit diesen beiden 
jüngeren helden ist also offenbar die sage der Salaminier und 



Nr. 6. 195. Homeros. 275 

Phtliier von ihrer occupation des landes um Ilion abgeschlossen ; 
wenn mit diesen nun die achaeischen helden Menelaus und 
Agamemnon nach späterer sage zusammenkämpfen und diese in 
ihre heimath zurückkehren, ihre eroberung aber ihre enkel unter 
Gras u. a. in besitz nehmen, so ist deutlich, dass die Atriden auf 
ganz anderer stufe stehen als Aias und Achilleus. Die sage 
von den beiden letzteren ist ohne zweifei die sage von der 
wirklichen occupation des lau des durch die beiden von ihnen 
vertretenen stamme. Wenn Düntzer gegen das alter der sage 
vom zuge des Herakles einspruch thut, so ist zu antworten, 
selbst zugegeben, dass die betreffenden stellen späterer zusatz in 
der Ilias sind, so beweist dies nichts für das alter der sage. 
Die vielbesungene einnähme Troja's fällt unter Priamos-Podarkes, 
der doppelname beweist nur für eine doppelte Überlieferung 
zweier stamme , wahrscheinlich der Dardaner und Salaminier. 
Priamos als vater von fünfzig söhnen und fünfzig töchtern scheint 
auf den Danaos hinzuweisen (ähnlich bei Hos). Der eigentliche 
Urheber des falles ist aber Paris-Alexandros, wie bei Priamos 
ein doppelname. Die Vorgeschichte des helden zeigt uns ihn als 
echtmythische person , seine aussetzung , ernährung durch 
eine bärin , entdeckung durch Verfolgung eines stieres , zugleich 
stellt ihn aber die besiegung seiner brüdcr in ein viel helleres 
licht als die Ilias. Seine Vorgeschichte erinnert an Oedipus, 
Perseus (aussetzung) und Kadmus (Verfolgung des stieres), 
wieder die elemente der Danaer- und Argiversage. Doch liegt 
in seiner aussetzung und der besiegung der brüder auch wohl 
eine historische bedeutung , ihm dem echten Dardaner , ist die 
herrschaft in seiner Stadt streitig gemacht, er gewinnt sie wieder. 
Sein name in diesem Zusammenhang ist Paris, der desselben 
Stammes sein kann wie Perseus. Heisst er Alexandros, so tritt 
er offenbar als vertheidiger der stadt auf; als solcher wird er 
von den Salamiern gefasst sein. Nach der Ilias ist der eigent- 
liche hört der stadt Hektor, der natürliche gegensatz gegen 
Achilleus. Je höher das ansehn des Achilleus stieg , um so 
mehr musste auch der rühm des Hektor wachsen. Die person 
des Telamon ist viel inniger in die erste einnähme der stadt 
verwebt als Peleus , Achilleus nimmt trotz seiner heldenmacht 
die stadt nicht ein, es ist daher zu schliessen, dass Achill und 
sein stamm erst später ansprüche auf die betheiligung am kämpfe 



276 195. Homeros. Nr. 6. 

gegen das alte Troja machte : dieser stamm drang zwar auch 
nach Troas ein , eroberte zwölf städte unter anderen Chryse, 
nahm aber nicht theil an der einnähme der alten feste. Der 
erzieher des Achill ist Phönix , offenbar weist das auf nahe 
Verbindung dieses Stammes mit den Phönikern. Wirklich kommt 
Achill von Skyros , hier lebt er in frauengewändern bei den 
töchtern des Lykomedes unter dem namen Pyrrha. Dieser zug 
der sage weist auf orientalischen Ursprung, ebenso wie beim 
Herakles auf Kos und in seinem Verhältnisse zur Omphale. 
Wahrscheinlich bot jedoch die griechische sage einen anhält 
dafür. Es scheint ein gleicher entführungsmythus des beiden 
wie bei Kephalos, Phaethon, Odysseus, Orion zu gründe zu liegen 
und auf den aeolischen stamm zu weisen. Sicher bezeugt für 
die einnähme Troja's ist also Aias und Oükleus, keinem fällt je- 
doch der rühm der wirklichen eroberung der Stadt zu , der 
eigentliche rühm gebürt dem Epeios , dem Eponymus des epeii- 
schen Stammes. Man darf daher sicher annehmen, dass dieser 
volksstamm bei der wirklichen einnähme eine hervorragende 
rolle spielte. Er soll mit zwanzig schiffen von den kykladischen 
inseln aus an dem kriege theil genommen haben. Hierher zu 
ziehn ist nun auch die sage, dass Troja nur durch den bogen 
des Herakles zu nehmen war, dass Paris wirklich durch den- 
selben getötet sein soll. — Ich glaube erwiesen zu haben, dass 
eine griechische einwanderang nach Troas von Salamis aus, von 
Argos, von den Kykladen (von Herakles vertreten vielleicht aus 
Boeotien) stattgefunden, die einwanderer eroberten die dardani- 
sche Stadt. Im nördlichen und westlichen theile drang ein ver- 
muthlich aeolischer stamm von Phthia her über Skyros ein, er- 
oberte mehrere städte, trat in nähere Verbindung mit den Phoe- 
nikern und beanspruchte später gleichfalls einen antheil am 
kämpfe gegen die feste. 

Später setzt sich an die sagenhafte und poetische erzählung 
dieses kampfes eine reihe neuer sagen, vor allem der der Atriden. 
Diese waren die vorfahren der späteren sogenannten äolischen 
kolonisten, sollten also den ansprach derselben auf Troas be- 
gründen : wurden sie nun an den kämpf gegen Troja ange- 
schlossen, so mussten die oben festgestellten sagenelemente schon 
zu einer festen epischen einheit verknüpft sein, auch Achilleus 
musste schon als hervorragender theilnehmer am zuge gelten. 



Nr. 6. 195. Homeros. 277 

Offenbar konnte die ganze Atridensage aber erst auf asiatischem 
boden im gegensatz gegen die dort schon ansässigen griechischen 
volksstämme in der bekannten weise ausgebildet und angeknüpft 
werden. Hinfällig ist daber Welckers und Düntzers annähme, 
dass die sage schon auf griechischem boden besungen war. — 
Es erscheint jedoch höchst wahrscheinlich , dass jene äolischen 
kolonisten schon vor dieser erst allmählich sich bildenden ver- 
quickung der sage anspräche auf jenes land machten. In diesem 
zusammenhange hat man die ausbildung der sage von Pelops 
zu fassen, der von Ilos aus Asien vertrieben sein sollte. Später 
übertrug man nun den raub der Helena durch die Apharetiden 
oder den Tbeseus auf Ilios , man gewann damit einen grund 
für die betheiligung des Menelaos und Agamemnon, vielleicht 
wurde diese Übertragung durch den namen Idas, den man 
leicht auf das gebirge übertragen konnte , oder durch alte er- 
innerungen vom gegensatze der Achaeer gegen die arcadischen 
Dardaner erleichtert. Ich glaube mich hiermit begnügen zu dür- 
fen, da so die eroberung der stadt und die betheiligung der 
hervorragendsten personen an derselben aus der sage selbst ge- 
nügend erklärt scheint. Spätere zusätze zur sage erklären sich 
einfach und leicht. 

Zur erklärung so verwickelter sagen wie die von Troja ist 
also mit einigen von der Oberfläche geschöpften einfallen nichts 
gemacht, da gilt es vor allem genau die Völkerschichtung zu 
untersuchen und die einzelnen sagenelemente in ihrer Zugehörig- 
keit zu bestimmen. Noch greller treten die schwächen von 
Düntzers mythenforschung in der behandlung der Odysseussage 
hervor, da ihm hier die stütze der Welcker'schen ausführung fehlt. 
Er verwirft mit recht billige einfalle wie, dass Odysseus eine 
agrarische bedeutung habe, kommt aber doch nirgends zu einer 
geordneten Untersuchung der sache selbst. Es ist auch wieder 
zu viel gesagt mit der frage : ' Ist in der Odyssee irgend eine 
spur einer anderen bedeutung des helden als des viel umgetrie- 
benen irrfahrers?' Er hält doch selbst den Odysseus für eine 
dämonische person, muss doch also die spuren dieser bedeutung 
in der Odyssee gefunden haben. Es heisst doch auch bei einer 
mythologischen Untersuchung dem vogel salz auf den schwänz 
streuen, wenn man die frage nach der mythischen bedeutung an 
die spitze stellt. Ebenso wenig kann eine mögliche, nicht noth- 
Philol. Anz. VII. 18 



278 1Ö5. Homeros. ffr. 6:. 

wendige und sichere etymologie des namens die Untersuchung 
in die rechte bahn führen, und einen höheren anspruch wird 
doch selbst Düntzer seiner deutung Odysseus = der zürnende 
unmöglich beilegen. Er nimmt jedoch die ableitung für sicher, 
kombinirt weiter, dieser zürner hat vorwiegend auf dem meere 
zu schaffen, auf der see ist die zürnende gewalt aber der stürm, 
also muss Odysseus der dämon des seesturms sein, der sich ver- 
muthlich selbst vom erstrebten ziele stets zurückschleudert. 
Dabei will unser vf. jedoch die möglichkeit nicht in abrede stellen, 
Odysseus könne auch als gott der unterweit gedacht sein. Und 
dies ganze haltlose gebäude erbaut sich auf der schwankenden 
deutung des namens ! Stände es so um die methode der mytho- 
logischen forschung, dann thäte man wohl, zeit und papier zu 
sparen, statt sich mit so haltlosen hirngespinsten zu quälen. 
Von gleichem werthe ist der p. 111 ausgesprochene gedanke: 
'Wer die weise des dichters erwägt, der manche gestalten im 
sinne der sage zu seinem zwecke erfinden muss, wird in der 
Kalypso, der bergenden, eben eine erfindung des dichters sehn, 
woher es sich wohl erklärt, dass in späterer sage Kalypso viel 
weniger hervortritt als die auf alter volkssage beruhende Kirke. ' 
Dass ' der dichter ' Statistenrollen ohne positiven anhält in der 
sage hinzufügt, wie Mentes Iros, drgl., wird niemand leugnen wollen. 
Einen etwas eingehenderen beweis möchte doch aber die be- 
hauptung erfordern, dass hauptträger der handlung, um die 
sich die grundzüge der sage gesponnen haben, wie Kalypso, 
ein reines gebilde der dichterischen phantasie seien. Ich dächte 
der in einer echt mythischen, nämlich chthonischen, thätigkeit 
begründete name der göttin, wie die mythische siebenzahl der jähre 
des aufenthalts bei ihr und vor allem, dass sie eine göttin ist, 
hätte doch den vf. stutzig machen sollen. Er würde vermuth- 
lich vergebens nach analogien suchen, die bewiesen, Homer 
hätte je nach bedürfniss so einige gottheiten erfunden und als 
hauptpersonen in seine dichtung verwebt. — Man würde sich 
vergeblich bei Düntzer nach anderen als den angeführten grün- 
den für seine behauptung umsehen, es möchten daher die von 
ihm gegen Müllenhoff p. 116 gebrauchten worte: 'wo nichts be- 
wiesen ist, da ist eben auch nichts zu widerlegen' nicht mit 
unrecht auf ihn selbst zurückfallen. 

Der grund, dass die über den Odysseusmythus aufgestellten 



Nr. 6. 195. Homeros. 279 

ansichten so ausserordentlich schwankend und hinfällig sind, 
scheint mir ein doppelter zu sein: 1) hat man die bestandtheile 
der Odyssee nicht genau nach ihren motiven gesondert und 
zusammengefasst ; 2) hat sich niemand die mühe gegeben, die 
Stammesverhältnisse auf Ithaka und dem kephallenischen insel- 
reiche zu untersuchen und danach zu bestimmen, welche mythen 
hier in hervorragender weise vertreten waren und zur sagen- 
bildung über Odysseus beigetragen haben. So wenig hat auch 
Müllenhoff sich diese frage klar gemacht, dass er die ausbildung 
der sage an die achäische küste verlegt, doch vermuthlich nur 
von dem verbreiteten vorurtheile beherrscht, Odysseeus sei ein 
heros der Ionier: diese haben besonders im norden des Pelo- 
ponnes vor ihrer Wanderung gewohnt, also muss hier die sage 
ausgebildet sein. Und welchen grund hat man, den Odysseus 
für einen Ionier zu halten? Er ist ein Seefahrer und ein ver- 
schlagener charakter , ist denn auch Sisyphus oder Iason ein 
Ionier? Eine natürliche folge von dieser akrisie ist eine 
zweite , dass man den kern der sage , oder der poetischen er- 
zählung unter dem vieldeutigen ausdrucke ' frei schwebende sage ' 
mit den einzelnen irrfahrten ganz über einen kämm geschoren 
hat. — Auch hier möchte ich mir erlauben anzudeuten, 
welcher weg mir bei erklärung der Odysseussage der richtige 
erscheint. 

Odysseus ist der söhn des Laertes und der Antikleia, 
tochter des Autolykos , der am Parnass wohnt. Nach Odyss. 
19, 394 flg. ist Autolykos schlau und verschlagen, er ist ferner 
ein bekannter rinderdieb, der dem Sisyphos die rinder fortge- 
trieben hat ; da dieser aber zeichen an die hufe machte, fand er 
sie wieder. Bei dieser gelegenheit soll er des Autolykos tochter 
Antikleia geschändet haben (Hyg. f. 201) und vielfach in der 
späteren Überlieferung ist Sisyphos vater des Odysseus. Im 
wesen stimmt Odysseus offenbar ganz mit Autolykos überein (auch 
mit Sisyphos) , nur veredelt. Autolykos kommt selbst nach 
Ithaka und giebt dem enkel den namen , denn vielen sei er 
ein zürnender gekommen. Auf Ithaka gab es eine allerdings 
bei Homer nicht genannte Stadt Alalkomenae übereinstimmend 
mit der im norden Böotiens gelegenen stadt. Eine einwanderung 
von dem grenzgebiete Böotiens und Phokis würde schon aus 
diesen gründen wahrscheinlich sein. Wird nun Odysseus so 

18* 



280 195. Homeros, ft». & 

direkt an Autolykos angeknüpft, hat er ganz den charakter des 
grossvaters, so kann es nicht zweifelhaft sein, dass dieser Cha- 
rakter des helden aus jenem von Autolykos vertretenen stamme 
hergenommen und Odysseus selbst eine Wiederholung des Auto- 
lykos ist. Wird Odysseus nun ausserdem an den Laertes ge- 
knüpft, so kann diese Verbindung keine echte sein; Laertes ist 
vielleicht der Vertreter des Stammes, den jene kolonisation in 
Ithaka vorfand. Autolykos als heerdenräuber ist sicher eine echt 
mythische person, als solcher ist er dem Hermes der späteren 
sage, dem Cacus-Hercules u. s. w. verwandt und sein enkel Odysseus 
thut nichts anderes , wenn seine gefährten an den sonnenheerden 
des Helios freveln , ein frevel , für den doch Odysseus büssen 
muss. Der besitz der sonnenheerden haftet im mythus allein am 
Helios fest, Hermes und Apollo sind erst spätere Variation der 
sage (vergl. D. Müller Mythl. d. gr. st. bd. 2, p. 367). Dieser spä- 
teren Variation und seiner Verschlagenheit verdankt Autolykos 
vermuthlich seine abkunft vom Hermes , wenn nicht vielleicht 
alt-argivische Stammes- und sagen-elemente eingewirkt haben. 
Mit dem Helios muss also Autolykos und Odysseus im engsten 
zusammenhange gedacht werden. Autolykos ist viel wahrschein- 
licher 'der selbstleuchtende ' als der ' selbstwolf ' , auch bei 
Odysseus , dessen nebenform Ulixes doch immerhin hätte auf- 
fallen müssen , wird richtig gewiss nur vom st. Z«c-leuchten 
abgeleitet. Es kann nicht auffallend sein, dass die rinderräuber 
selbst die leuchtenden, also heroen des Helios sind. Dtr. Müller 
hat die doppelnatur der gottheiten, wie mir scheint, endgültig 
für immer nachgewiesen, ich meine die oberweltliche und chtho- 
nische phase. Somit möchte nachgewiesen sein, dass der rinder- 
frevel ein echtes altes stück der volkssage von Odysseus bil- 
dete. Es ist unschwer erweislich, dass Helios eine Stammgottheit 
der Aeoler war, man wird also auch den stamm des Autolykos- 
Odysseus zu den Aeolern zu rechnen haben. 

Das inselreich, zu dem Ithaka zählt, ist das kephallenische, 
der eponyme heros der Kephallenier ist Kephalos, von dem 
Odysseus in direkter linie abstammen soll. Kephalos ist ent- 
weder ein söhn des Deion, des königs von Phokis und heirathet die 
tochter des Erechtheus Prokris, zieht später vom Amphitruo ver- 
anlasst mit diesem, dem Heleios aus Helos und Panopeus aus 
Phokis gegen die Teleboer, diese werden besiegt, Kephalos und 



Nr. 6. 195. Homeros. 281 

Heleios gründen gleichnamige städte , Amphitruo kehrt nach 
Böotien heim. Vor der Wanderung wohnt Kephalos im attischen 
Thorikos. Lassen wir dahin gestellt, wie die doppelwanderung 
des Kephalos aus Phokis nach Attica und wieder zurück zu 
verstehen ist, sicher ist, dass im inselreiche ein stamm einwan- 
derte, die Kephallenen, die an ihren eponymos wieder bestimmt 
ausgeprägte sagen knüpften. Kephalos wird von der Eos oder 
Hemera entführt, die im ostlande Syrien mit ihm den Tithonos 
oder nach Hes. Theog. 986 den Phaethon zeugt. Offenbar sind 
Tithonos wie Phaethon beinamen wie heroen des Helios, von 
ihnen wird derselbe entführungsmythus berichtet wie von Ke- 
phalos, man hat diesen also für ein echt und altreligiöses stück 
des Helioskultus zu halten. Durch den Helios sind also die Ke- 
phallenen auch wieder mit dem Autolykos verwandt, fraglich 
jedoch ob beide Wanderungen identisch sind. Auch der all- 
sehende Panopeus gehört vermuthlich in denselben Sagenkreis 
und in die grosse aeolische Stammesgemeinschaft. Die von 
Kephalos berichtete sage, dass er von einer göttin entführt sei 
findet sich offenbar wieder in des Odysseus gefangenschaft bei 
der Kalypso wie bei der Kirke. Das charakteristische in diesem 
mythus ist eben, dass der geliebte mit gewalt von der göttin 
genommen und gehalten wird. Mit der anknüpfung an den 
troischen krieg musste Odysseus zufällig, nicht mehr gezwungen, 
zu jenen göttinnen kommen. Kirke wie Kalypso stehen nach 
dem vorliegenden Zusammenhang der Odyssee in naher be- 
ziehung zum frevel an den sonnenheerden , doch zeigt eine be- 
trachtung von Odyss. 5, 110 — 111, dass Odysseus unmittelbar 
nach dem von Athene gegen die Griechen erregten stürm zur 
insel der Kalypso getrieben wird. Es ist thöricht, diese verse 
als unechtes einschiebsei beseitigen zu wollen, eben der vergleich 
mit 133 — 134 zeigt, dass sie an ersterer stelle sicher und erst 
künstlich an die zweite stelle versetzt sind, Kalypso hat also 
mit dem frevel an des Helios heerden ursprünglich nichts zu 
thun. Kirke und Helios dagegen stehen auch sonst in naher 
beziehung, sie ist tochter des Helios und Schwester des Aeetes. 
Wir werden also auch die Kirke zu den sagenelementen zu 
rechnen haben, die mit des Autolykos stamm nach Ithaka kamen. 
Erst ein genaues eingehen auf den Heliosmythus kann zeigen, 
in welchem zusammenhange Kirke, Helios, die rinder, Odysseus 



282 195. Homeros. Nr. 6. 

zu denken sind. — An den Kephalos schloss sich ausser der 
einfachen entführungssage von Eos , die sage von Prokris ; die 
ethnischen heziehungen abgerechnet, so schwankt Odysseus wie 
Kephalos zwischen der liebe zu den zwei frauen Kalypso-Eos, 
Prokris-Penelope. Die verfährung der Prokris ist bei der Pe- 
nelope veredelt in ein umwerben von zudringlichen freiem, denen 
Penelope nach langen kämpfen endlich am tage von Odysseus 
rückkehr nachzugeben gedenkt. Dieser letztere zug der Odysseus- 
sage, die besiegung des feindlichen freiers, scheint ein ursprüng- 
licher zug des mythus zu sein, auch sonst ist die Odysseussage 
natürlicher und einfacher in ihren motiven-, die eigenthümliche 
ausbildung der sage von Prokris scheint daher erst in die zeit 
nach der Wanderung des Stammes zu fallen. Penelope als tochter 
des Ikarios vertritt neben der mythischen bedeutung noch das 
verhältniss des kephallenischen Stammes zu den nachbaren auf 
dem festland in Acarnanien x ). — Ich glaube somit nachge- 
wiesen zu haben, dass die durch innere motivierung verbundenen 
personen: 1) Helios -Kirke- Odysseus, 2) Kalypso - Penelope- 
Odysseus durch die nachlthaka gewanderten Volkselemente zum 
Odysseusmythus gebracht sind. Eine dritte gruppe sind Phaeaken- 
Kyklopen, deren Zusammenhang auch Müllenhoff erkannt hat. 
Die Phaeaken sind durch die Kyklopen von der oberweit ver- 
trieben, beide Völkerschaften bilden offenbar einen mythischen 
gegensatz. Der Phaeaken aufenthalt ist die unterweit, wenn 
sie nun den Odysseus heimführen, so bringen sie auch ihn aus 
der unterweit an die weit des lichtes: sind sie von hier durch 
die Kyklopen vertrieben, besiegt Odysseus den hauptvertreter 
der Kyklopen in einer sicher echt mythischen weise durch die 
blendung, so muss dies in der echten sage nach der rück- 
führung des Odysseus geschehen sein. Odysseus erringt den 
Phaeaken durch die blendung ihre oberweltliche existenz wieder. 
Zweifellos gehört dieser mythus in den Poseidonkultus: wo sich 
derselbe an den Odysseus angesetzt, muss vorläufig dahingestellt 
bleiben. — 

Hiermit genug, nun noch einige worte über die zweite 
hälfte des buches. Die folgenden drei abschnitte handeln: IV. 



*) Ist es zufällig, dass Prokris als Prokne und Penelope vogel- 
namen tragen? 



Nr. 6. 195. Homeros. 283 

von Homers Zeitalter, V. Vortrag und fortpflanzung der homerischen 
gedichte, VI. einschiebung, eindichtung, fortsetzung , zusammen- 
fügung, verschränkung. Düntzers anschauungen über die art der 
entstellungen in den homerischen gedichten sind bekannt, er 
statuiert überall interpolationen, wo ihm der Zusammenhang ge- 
litten zu haben scheint. Im einzelnen zeigt Düntzer ein sehr 
feines und natürliches gefühl für die anforderungen an den Zu- 
sammenhang. Wenn er die anstösse sämmtlich durch entfernung 
einzelner verse oder ganzer versgruppen zu entfernen sucht, so 
ist das eben einer von den erklärungs vers uchen für die 
geschichte der textverderbniss. Ausscheidungen macht auch 
Kirchhoff, nimmt also gleichfalls interpolationen an, nur glaubt 
er nachweisen zu können , dass die einschiebungen von einem 
gemeinsamen plane bestimmt sind. Ich glaube eben so wenig 
wie Düntzer, dass Kirchhoff wirklich den plan der interpolieren- 
den thätigkeit richtig erkannt hat: ist damit denn nun aber 
überhaupt die berechtigung von Kirchhoffs kritischer grundan- 
schauung über den häufen geworfen? Wenn nicht mit Düntzer 
selbst , so wird mit seinen homerischen kritisch-exegetischen ar- 
beiten ein abkommen möglich sein, man wird sie als brauchbares, 
ja hie und da schätzenswerthes material für die beurtheilung einzel- 
ner schwieriger stellen gern und mit erfolg benutzen, für die frage 
nach der entstehung der beiden grossen epen selbst sind sie 
ohne werth. Ich hoffe diesen gedanken in kurzer zeit genauer 
erweisen zu können. Zum schluss sei nur noch gesagt, dass 
der so oft gereizte ton in dem vorliegenden buche die Unbe- 
fangenheit der auffassung Düntzers wie seiner leser nicht gerade 
fördern wird , zuweilen geht der ton über die grenzen des an- 
standes hinaus, entspricht wenigstens nicht der ruhigen Objek- 
tivität, die man von wissenschaftlichen Untersuchungen verlangen 
darf. 

Ph. Wegener. 

196. 1) H. Flach, die hesiodische Theogonie mit Prole- 
gomena. Berlin, Weidmann. 1873. 

197. 2) H. Flach, die hesiodischen gedichte. Berlin, 
Weidmann. 1874. 

In bezug auf spräche und grammatik nehmen die Flach'- 
schen arbeiten über Hesiod unser interesse besonders durch die 



284 196. 197. Hesiodos. Nr. 6. 

einführung des digamma' s in den text in ansprach, die er, 
nachdem Bentley zuerst diesem laute auch hier nachgespürt und 
Paley, the epics of Hesiod London 1861, ihn in grossem umfange 
eingeführt hat, seinerseits zuerst von deutschen herausgebern, 
und zwar massvoller und besonnener als der Engländer unter- 
nommen hat. 

Auf diese einführung des digamma wird sich meine fol- 
gende besprechung im wesentlichen beschränken, wobei ich be- 
merke, dass ich von den Hesiod zugeschriebenen werken nur 
die Theogonie und Opera berücksichtige, Scutum und fragmente 
dagegen aus triftigen gründen bei seite lasse. 

Zuerst unternimmt es der vfr. proll. 9 sq. den nachweis 
für die consonantische kraft des digamma zur zeit der hesiodi- 
schen gedichte zu führen. Dieser beruht nach ihm zunächst 
auf den gesetzen der composition. Da in den homerischen com- 
positis der hiat mit grosser consequenz vermieden sei, soll sich 
aus bildungen wie äuxtfg u. drgl. ergeben, dass hier nach dem a 
privativum in homerischer zeit wirklich ein consonant, nämlich p vor- 
handen gewesen : es sei nicht anzunehmen, dass die homerischen 
dichter nur nach vorgefundenen analogieen solche Wörter ge- 
bildet hätten, sonst würden hier mehr Verstösse vorkommen, wie 
bei den späteren und die consequenz und ausnahmslosigkeit der 
bildung unerklärlich sein. Aber beweisen nicht dvoviarog, 
ävovTTjTC neben älterem tioviog, uviSqwtC von w. Gpid , uvicuog 
I 63 , dvsCfjuüv neben den anderen p verrathenden ableitungen 
von ptß — , diyuvdüvu) neben den sonstigen ableitungen von 
<Spad, axuv neben dem häufigeren uexcov und dem digammierten 
ix(6v und dutzende anderer beispiele, dass die homerischen 
dichter die in der composition p verrathenden Wörter schon als 
apparat vorfanden und die composita ihrerseits zwar vielfach 
nach der alten analogie, zum theil aber auch nach ihrer spräche 
bildeten , in der die lebendige kraft des p bereits geschwunden 
war? 

Doch kommen wir zu Hesiod. Auch hier soll sich nach 
Flach die kraft des p ausnahmslos in der composition zeigen. 
Dem widersprechen nsgtaxs Th. 678, htSg 0. 610 (Th. 82 ist 
lötdujGi, unsicher), stellen, die nach Flach verderbt sind (aber s. 
unten!), ferner das von ihm übersehene ovvtj&eag Th. 230 
vielleicht auch tnalia 0. 493, dazu udlog Th. 800, a&X' 0. 



Nr. 6. 196. 197. Hesiodos. 285 

656 neben den sonst gewöhnlichen formen ued-Xov (für (ipe&Xov, 
mit prothetischem « gebildet ; vrgl. anch av%w Th. 493 neben 
gewöhnlichem uQw). Wir schliessen: entweder sind alle diese 
stellen verderbt, was wir nicht glauben, oder das c ist bei He- 
siod in den compositis nicht ausnahmslos gewahrt, und behaupten : 
aus den gesetzen der composition lässt sich, da die composita 
überkommen oder vom dichter nach alter analogie gebildet sein 
können, der beweis für lebendiges p nicht erbringen. Oder 
könnte man durch iniooxoc, 0. 283. 804, Th. 232. 793 erweisen, 
dass Hesiod das p in oQxog (das bisher vermuthet, jetzt durch 
die kyprischen inschriften erwiesen ist) gesprochen habe? Das 
widerlegen 0. 134, 219, Th. 400, 784, 805. 

Der zweite grund für das wirkliche Vorhandensein des p 
bei Hesiod sind nach Flach proll. 17 metrische eigen thümlich- 
keiten, die wie bei Homer nur aus dem Vorhandensein desselben 
erklärt werden können. (Wir möchten einschalten : resp. für 
das vorhandengewesensein.) Hierher gehört nach dem vfr. zu- 
nächst die Verlängerung einer kurzen consonantisch oder voca- 
lisch auslautenden silbe und das langbleiben der vocale wie in 
xal ri&su.. Wir hätten hier gern eine vollständige Zusammen- 
stellung der fälle gesehen. 

Der dritte grund ist das verhältniss der stellen, in denen 
das p wiederhergestellt werden kann, zu denen, wo dies nicht 
möglich ist (nach dem überlieferten texte 3 bis 4: 1). Danach 
muss nach Flach ein consonantischer gebrauch des p im Hesiod 
vorhanden gewesen sein. 

Der vierte grund ist der gebrauch des p in den inschrif- 
ten. Nach meiner meinung beweisen diese zunächst nur ein 
noch lebendiges p in der Volkssprache, aber nicht einen regel- 
mässigen consonantischen gebrauch in der epischen zum guten 
theil von Homer abhängigen spräche der hesiodischen gedichte. 

Fünftens bespricht vfr. eingehender die erschein ungen 
des hiat bei Hesiod, zunächst in der arsis und zwar mit abzug 
der digammastellen. Ohne mich auf seine allgemeinen bemer- 
kungen über hiat genauer einzulassen , bemerke ich nur , dass 
er in dem falle , wo langer vocal oder diphthong im aus- 
laute bei folgendem vocale lang bleibt, in der Theogonie nur an 
6 resp. 4 stellen: 161 [532], 604, 686, 900 [1009], in den 
Opera nur an dreien wirkliche hiate anerkennt und ausserdem p. 



286 196. 197. Hesiodos. Nr. 6. 

20 n. 10 als die übrigen fälle, die aber nach seiner ansieht keine 
eigentlichen hiate sind, aus der Theogonie noch sechsundzwanzig, 
aus den Opera noch acht stellen anführt. Nach meiner Zählung 
kommen dazu aus der Theogonie noch elf stellen, nämlich 125, 
155,174,200, 232,277, 291, 301, 315, 825, 980, aus den Opera 
gar einundzwanzig: 97, 131, 189,246,265,356,363,410,469, 
494, 524, 539, 575, 599, 627, 639, 732, 735, 778, 806, 810. 

Dagegen bieten nach Flach die Hesiodischen gedichte eine 
selbst im vergleich zu Homer grosse zahl von hiaten beim zu- 
sammenstoss kurzer vocale, wovon vfr. jedoch einen theil nicht 
als solche anerkennt, während andre nach ihm nur auf verderbten 
lesarten beruhen. Es sind nach ihm in der Theogonie sechzehn 
stellen (dazu kömmt noch 605 yriqoxofioio, o) und in den 
Opera vier (dazu kommen noch 562 rjfictTa, elooxtv und 516 
alya uijGt,). 

Der hiat im unverkürzten diphthong oder langen vocal der 
thesis kömmt nach Flach proll. p. 25 für Hesiod so gut wie gar 
nicht in betracht, indem Th. 148, 250 vor dem xaC von ihm 
wohl mit recht ein ts eingeschaltet wird, wie es 734 auch die 
meisten codd. haben, 373 statt &so7g rot ovquvov mit Wolf &to7üt 
rot ov. zu lesen ist, 6 rj °OX[iitov einer jüngeren stelle angehört 
und 609 xaxbv la&Xoi uvTHpsQt&t, verdorben sei. (Stand hier 
vielleicht ursprünglich iGoyaQt&i?). Endlich O. 705 liest Flach 
gewiss richtig xal Iv w/nw yr^qui &rjxtv statt xal w. y. dwxtv 
(s. Schoem. z. st.) 

Da somit nach Flach der hiat im unverkürzten vocal der 
thesis wegfällt und der beispiele des hiats nach einem kurzen 
vocal in der thesis wie des hiats in der langen arsis so wenige 
sind, so lassen sich die daneben vorkommenden zahlreichen 
hiate vor digammierten Wörtern nicht anders erklären, als aus 
consequentem gebrauch des p in bestimmten Wörtern, wenn da- 
neben auch einzelne Wörter im gebrauche schwanken. So 
kommen wir zur hauptfrage (p. 27): in welcher ausdehnung 
zeigt sich die kraft des p bei Hesiod? 

Indem der vfr. hier von der Theogonie etwas über ein 
drittel ausscheidet, (380 verse von 1022, in den Opera 198 
von 828) stellt er als Wörter, die in der hesiodischen spräche 
einen entschieden constanten gebrauch des p aufweisen, zunächst 
auf: puva% puvußöü), piqyov peqyd&ß&atj piöog, pndog, pixaGTog, 



Nr. 6. 196. 197. Hesiodos. 287 

ptdiog (?) pnöwg, pinoq ptintiv. (Ich setze im folgenden die 
nach Flach interpolierten verse in eckige klammern). 

Wir gestatten uns dazu einige hemerkungen, indem wir, 
wie gesagt, nur die Theogonie und die Opera in betracht ziehn. 

1) Um das p hei uvu'§ durchzuführen, muss Flach Th. 543 
ugidtCxei" 1 uvaxicov ändern in ugiStUm Xuwv, s. proll. p. 28. 
59 n.: aber das p des worts wird schon bei Homer bisweilen, 
häufig in den hymnen nicht beachtet, dabei erkennt man auch 
nicht, weshalb ugiSsCxsxt lawv, wenn ursprünglich vorhanden, 
in ugidelxti ävdxxuv verändert wurde vrgl. auch Schoem. Op. II, 
p. 436. — Th. 486 ^iy dvuxzi steht nach Flach an einer interpo- 
lierten stelle. Th. 859 ändert er aus anderen gründen wlo 
uvuxTOg in xdlo neXwgov, ohne Wahrscheinlichkeit. In der auf- 
zählung proll. 28 fehlt Th. 932 nurgl avaxu und in n. 11 0. 
[69] Kgoviwvt avaxxi. pavußGeiv lässt sich in der Theog. 
(es kommt in den Op. nicht vor) überall lesen, wenn man ein 
paar v i(psXx. streicht. 

2) egyov, i'gyfiu, igyn^ofiat. Es fehlen in der aufzählung 
proll. p. 28 0. 334 [521], 549, 554, 641. Verboten ist das 
p Th. [146] Irf e'gyoig (nach Flach rhapsodische erweiterung), 
Th. 595. 601 %vvijovag tqywv wo Flach den singular herstellt, 
903 oXt tgy^ (Flach ul ptoy'), [440] övönifjixpsXov toyd£,ovT<xi, (im 
Hekatehymnus). In den Opera ist es nach Flach an zehn stellen 
verboten, dazu kommen noch fünf: 0. 409 10I s'gyov (Flach mit 
Bentley xe pigyov), [438] tqyd&cdui, [443] oq x' k'gyov (Flach mit 
Bentley oq pigyov), [579] h'gyov, [801] k'Qypan. Lässt sich an diesen 
stellen auch meist mit leichtigkeit das p herstellen, aber nicht 
an allen, und ist die änderung Th. 595. 601 schon an sich 
nicht ohne bedenken, so erweckt die behandlung von egdsiv 
und tg%(u weitere zweifei an der berechtigung consequenter her- 
stellung des p. Denn das p ist verletzt in h'gdetv 0. 35, 116, 
336, [382], 760, in k'göoiQ 0. 362, egfyg 0. 708, k'g^rj 0. 327, 
eg%ag 0. 710, und nur Th. [417] ist pfgdwv möglich. Zwar 
macht Flach vorbemerk, p. XVI sq. den verzweifelten versuch, 
zwei stamme derselben bedeutung , igd oder igy und Fi gy, 
oder gar drei, igd, igy, Ftgy zu unterscheiden, so dass nur dem 
letzten das F gebührte , diese vermuthung macht aber der um- 
stand zu nichte, dass das F von t'gdw (egöw) nicht bloss durch 
homerische stellen wie £ 261, o 360, sondern auch durch sonst 



288 196. 197. Hesiodos. Nr. 6. 

unerklärliche hiate bei den elegikern mit Sicherheit indiciert ist : 
s. Sol. 13, 67 Bergk., Theogn. 105, 573, 955, 1263, 1317 und 
im pentameter ib. 368, 1266, und für £Q%cu E 650 Simon. 
Amorg. 7, 80. Wo bleibt also der consequente gebrauch bei 
Hesiod ? 

3) loog. Es fehlt bei Flach proll. 30 0. [562] Ißova&at,, wo 
F zulässig ist, und [752] dvwdexcifjirjvov' Xßov, wo F verboten 
und das t nach späterem brauche verkürzt ist , auch 0. 490 
JtQOirriQoir} laotpagt^ot, , wo er im texte das zeichen der verderb- 
niss setzt. (Er konnte ja uvucpsgC^oi schreiben). 

4) Die von wurzel Fi6 stammenden Wörter. Bei tidog 
sprechen zwei stellen Th. 153. 259 für p, Tb. 619 [908], O. 
[63] 714 dagegen. Diese vier sind nach Flach verdorben oder 
interpoliert, die erste wird durch eine erhebliche änderung di- 
gammafähig gemacht. — Bei eldolg, IdvTa (was Flach's form 
pidojg p. 32 soll, verstehe ich nicht), ISfxoßvvi], Xdqig 3 olSa fehlen 
die stellen 0. 40, 54. [187]. [456]. 814. 824. [827], Th. 370. 
Man kann hier das p überall lesen, wenn man mit Flach die 
falsche form slSvta durch lövla ersetzt, zweimal ein v icptlx., einmal 
r und einmal y' streicht, nur 0. [187] entzieht sich einer än- 
derung und Th. 370 exuffwt tßaGw ist Lenneps coniectur exaGja 
wohl nicht ohne bedenken. — Bei Wsiv (proll. p. 37) kommen zu 
den sechs von Flach angeführten stellen noch zwei (Th. 569, 
589), wo das p zulässig oder indiciert ist, nur durch v l<p. wird 
es verboten Th. [451] 701, durch äficpCg 0. 701 (Flach afMpt). 
Erheblicher sind 0. 738 tii^y löwv (Flach lalvj nicht sehr wahr- 
scheinlich) und 0. 610 6'iaCdTj (Flach mit Paley te 'piäfli s. 
proll. p. 12. 57). Aber wenn auch Th. [82] mit Stobaeus rl 
Yduxrt statt iötdwGi, zu lesen ist, so scheint mir 0. 610 iatSt] 
dem sinne nach passender als das simplex. Auch Homer hat 
ja oft egiÖhv mit Verletzung des p. Dabei ist noch Th. 700 
XÜog' iicaxo nachzutragen, eine stelle, die Flach in den pro- 
legomena nicht erwähnt, während er im texte der zweiten aus- 
gäbe das zeichen der verderbniss setzt. 

5) sxuaiog. Zu vorbemerk, p. XIV setze ich hinzu, dass 
das p von s/.aawg durch viermaliges vorkommen auf der in- 
schrift der hypoknemidischen Lokrer bezeugt ist. Den fünf 
stellen der Theogonie, wo es zulässig oder indiciert ist, wider- 



Nr. 6. 196. 197. Hesiodos. 289 

sprechen Th. 459 o<sng ex. (Flach oßie Fex.) und 0. [393] rot 
ex. (Flach je pix.) 

6) snog und elne'iv. Es fehlt bei Flach proll.p. 33 [403] 
eßrai enewv. Das F ist verboten 0. 186 ßä^ovreg eneGGt, andre 
codd. ßätjovr eniiGGt, (Flach nicht unwahrscheinlich ßu^ovte 
peneGGi), [453] yäg enog, Th. [84] rov d'ene' und Th. 645 
oyg' iXnio (Flach wg pelnw). Ich glaube wenigstens an letzterer 
stelle entschieden an eine Verletzung des F durch den dichter, 
weil kein grund vorlag , ein ursprüngliches wg eXnw in cxpo? eXnw 
zu ändern und weil bcpq einw bei Homer sehr oft vorkommt. 

7) rjfrog proll. p. 33. 38 : indiciert oder zulässig ist das p an 
fünf stellen, wenn wir mit Aristoteles 0. 699 Iva r t &ea statt wg 
x rfteu lesen, verboten 0. [67], 78 enixloitov rjS-og (Flach schreibt 
an letzterer stelle sehr kühn nach 789 xovcpfovg x dagiGpovg, 
Bentley wollte InUlona pq&rj) und in der von Flach nicht er- 
wähnten stelle 0. 137 av&ownoiGt xax r\&eu (Flach im texte 
nach Bentley uvSgwnoig xuza ptjd-eu.). Nicht beachtet hat 
Flach die Verletzung des p in Gvvtf&eag Th. 230. 

Mit der reihe dieser Wörter soll dargethan sein , dass eine 
anzahl von Wörtern bei Hesiod constant das r hat und aus- 
nahmestellen den character einer durch Veränderung der alten 
worte oder durch jüngere interpolation entstandenen verderbung 
tragen, und soll sich weiter auch für die bisher noch nicht be- 
sprochenen ergeben, dass jede abweichung vom digammatischen 
gebrauch mit äusserster vorsieht zu behandeln sei. 

Es folgen die truppen des zweiten treffens d. h. einige 
Wörter, bei denen ein spärlicherer oder auch ein inconsequenter 
gebrauch die kraft des F in frage zu stellen scheint. Und zwar 

1) lüyw und ia%rj. Das p ist an allen drei stellen der 
Theogonie [69] neol ö'Xaxe, [708] ö'lu^v, 678 neqtaxe verboten. 
Flach scheidet die beiden ersten als interpoliert aus und be- 
zeichnet proll. p. 34. 58 die dritte als verderbt, indem er auf 
grund zweier stellen des Scutum für die Theogonie p in dem 
worte verlangt. Aber die stellen des Scutum beruhen auf ho- 
merischem apparat, dasselbe ist auch nach Flach nicht von He- 
siod, sondern erheblich später verfasst, wie dies also ein beweis 
sein soll, ist nicht einzusehn. Dazu kommt, dass auch bei 
Homer das F in diesem stamme oft verletzt ist, s. Hoffmann 
Qu. Hom. II p. 63, und dass negia^e eine der formen ist, die der 



290 196. 197. Hesiodos. Nr. 6. 

Theogonie eine leichte farbung dorischen dialectes geben. So findet 
sich mg für mgi zweimal in der inschrift der hypoknemidischen 
Lokrer, nigoSog in der delphischen CI. vol. I, n. 1688, ausserdem 
ähnliches bei Pindar, s. Ahrens D. dor. 357 und in der Theogonie 
selbst spricht für nagia%e, das Flach corrigieren will, nsgof^erai, 
733. Unter diesen umständen bin ich von der richtigkeit der 
form und somit auch von der von Hesiod selbst begangenen 
Verletzung des p überzeugt. 

2) r Igig. Das p, das dem worte wohl ursprünglich gebührt, 
ist zulässig oder indiciert Th. 780. [784] und 266 nur durch 
v £<p. verboten. Dass es deshalb der dichter in dem worte noch 
gesprochen, halte ich damit nicht für erwiesen. 

3) olxog u. s. w. Das c ist zulässig an zwei stellen der Theo- 
gonie (744. 758), an zweien verboten, davon ist nach Flach 
[64] interpoliert und 390 schreibt er statt ¥v& 3 lig' o/ ohettov 
l'vd-' oye FomsCwv. In den Opera stehn 27 stellen, wo es zulässig 
oder indiciert ist (ausser den von Flach angeführten stellen noch 
23 [365] 405 zu anfang des verses), nur zwei gegenüber, wo 
es verboten ist, 376 iiutqwiov olxov, wo mir nach Schoem. 
comment. crit. 39 wahrscheinlich ist, dass Flach dem F zu liebe 
der interpolierten lesart folgt, und 632 Ivxvvaö&uii, 2V oXxade 
(Flach mit Paley irivvsiv, hu oXxaöt, immerhin gewagt). 

4) Xg. Das p ist indiciert Th. 332, zulässig Th. [951], 0. 
[518]. Dazu kömmt die von Flach nicht erwähnte stelle 0. 
541 ßobg l<pi. Aber in tffp'g, das denselben stamm hat, schreibt 
Flach das p nicht, s. Vorbemerkungen XIX. Zulässig wäre 
es Th. [146]. 153, verboten in dem nach Flach verderbten 
Th. 823. 

5) ptov und ableitungen. Die vier stellen gestatten oder 
indicieren das F. 

In einer dritten gruppe fasst Flach proll. p. 38 sq. die 
Wörter zusammen, die sich in den hesiodischen dichtungen ganz 
vereinzelt finden. 

1) uvöuvio und rjSvg. Das anlautende F ist an den drei 
stellen der Theogonie indiciert oder zulässig. 

2) aGxv: nur Th. [91] uvu ußw, wo wir mit Schoemann 
das besser bezeugte ai>' uyvUva vorziehen. Dagegen Flach 
proll. p. 58. 

3) itüiötog. Das p ist an einer stelle zulässig , an drei 



Nr. 6. 196. 197. Hesiodos. 291 

verboten, so dass auch Flach an seiner Wiederherstellung 
verzweifelt. 

4) rj/tüi. Auch hier giebt Flach proll. p. 38 zu, dass das F 
seine consonantische kraft bereits verloren hat. Und doch zeigt 
sich wenigstens seine nachwirkung O. 582 xul qyiia. Zulässig 
wäre es Th. 42, verboten ist es Th. 767, 835. 

5) ' EXixuüv. Das p ist an zwei stellen zulässig, verboten 
an vier (zu den zwei von Flach angeführten kommen Th. 2 uld^ 
'Efoxwroi;, Flach ul ^e)uxwi'og,un([ 0. [658] Movßijff' " EXixojvidöeGa ). 
Flach zweifelt proll. 39 an der herstellung, schreibt es aber 
Th. 1 2, dazu in ifoxwmg Th. 298, 307 (iihyfiivog Th. [791] 
steht nach ihm in einer interpolierten stelle) und in eltxug 0. 
452, 795, obgleich er proll. zur Theog. sagt, dass das F in 
dieser wurzel höchstens in der Theogonie herzustellen sei. — 
Auch in dem einmal Th. 692 vorkommenden elivcpoiovTag stellt 
er das p her, ohne über seine Verletzung in dem doch wohl zu 
demselben stamme gehörigen hlvfiu 0. 430. 436 etwas zu 
sagen. 

6) hog. Das F ist zulässig 0. [130] 696, wohl indiciert 
0. 173 tqIq h'isog. Ob Flach danach berechtigt war, Th. 803 
ndvta piisa statt ndvr k'rsa zu schreiben , steht dahin. Dass 
er aber proll. p. 40. 53. 62 meint, 0. 696 sei toiqxoviwv iiiwp 
nur von thörichten abschreibern , denen die elementaren kennt- 
nisse fehlten, in den text gebracht und dafür der kraft des p 
zu liebe tqitjxovtu peitcov schreibt, vermag ich nicht zu billigen. 
Vielmehr ist hier ein aeolismus der Opera anzuerkennen (vrgl: 
m\irnx)v und dvoxuidsxcuvhei Alcaeus, Ahrens D. aeol. p. 128), wie 
sich in denselben noch manche finden. 

7) ixojv, exrjn. Das p ist zulässig 0. [4], durch v ly. 
verboten 0. 282 , statt xiv xig exwv Th. 232 schreibt Flach 
rfg xs F. Jedenfalls ist der lebendige gebrauch des FexcJv trotz 
uixrjri in diesem stamme bei Hesiod nicht erweislich. 

Doch wir müssen uns kurz fassen. So bemerken wir nur 
noch im einzelnen, dass Flach in itcxw , l'oixa u. a. gewiss 
mit recht ursprüngliches F annimmt, wie ja auch Curtius Et. 4 
648 jetzt dazu neigt. Dagegen bestreiten wir ihm die berech- 
tigung, neben F6g und iFog für das pronom. possessivnm der 
dritten person noch eine dritte form Fsog für Hesiod in ansprach 
zu nehmen, die weder aus Homer (s. Hofimann Quaest.II, p. 45) noch 



292 196. 197. Hesiodos. ttr. G. 

anderswoher zu erweisen ist und auch von den sprachvergleichern 
verworfen wird. Die stellen, worauf er sie hegründet, sind Th. 
401, 464, 489, 0. 328, denn die fünf stellen Th. 487, 687, 
853, 890, 899, wo dem iog ein v ly. vorausgeht und Flach 
mit Streichung desselben piog schreibt, beweisen nichts für ihn. 
Aber auch von den ersteren sind sogleich Th. 401, 464, 0. 
328 auszuscheiden, da hier iog nach der caesur xaru tqItov 
TQo%uiov steht, der hiat hier aber auch bei Hesiod ganz unbe- 
denklich und nicht selten ist, und nicht einmal die letzte 
übrigbleibende stelle Th. 489, wo ov in zweiter arsis vor iog 
lang bleibt , zwingt zur annähme eines psog , wie durch andre 
beispiele aus der Theogonie und den Opera leicht zu zeigen ist. 
Endlich wäre bei ££, sxrog etc. , für welche Wörter Flach vor- 
bem. XVII fg. mit recht ursprüngliches p in anspruch nimmt, 
zu hemerken, dass er es 0. 564 in i£rjxovTu nicht herzustellen 
gewagt hat, wie ich glaube mit recht. 

Wir haben das wichtigste vom anlautenden p besprochen 
und bemerken, dass es Flach im inlaute nur in den entsprechen- 
den compositis, in der augmentation u. s. w. schreibt, sonst nicht, 
letzteres gewiss mit recht. Fassen wir nun unsere ansieht zu- 
sammen, so urtheilen wir: 1) Flach hat in manchen Wörtern 
und stammen das p gesetzt, wo es zulässig, aber für Hesiod's 
gedichte nicht indiciert ist; 2) er ist bei der correctur der 
widerstrebenden stellen in Wörtern, die überwiegend digamma- 
tischen gebrauch zeigen, zu weit gegangen. Zwar wäre gegen 
dje Wiederherstellung des p bei hindernissen wie v i<p., y% x\ 
6' etc. nicht viel einzuwenden, aber Verderbnisse anzunehmen 
wie bei nsqlu^ und an stellen, die sonst keinen grund bieten, 
auch nur bei erheblichen und gewagten änderungen die her- 
stellung des c zulassen, scheint uns sehr bedenklich. Auch im 
Homer können wir das p nicht mit Wahrscheinlichkeit consequent 
herstellen, vielmehr schwankt hier der gebrauch vielfach, warum 
ist also nicht anzunehmen , dass Hesiod , der ja auch sonst von 
Homer abhängig ist, sich auch hierin nach ihm gerichtet und 
sich wirklich selbst gelegentliche Verletzungen des p erlaubt 
habe? Flach erkennt doch selbst in manchen Wörtern bei He- 
siod ein schwanken und schwinden des p an, warum nicht auch 
in einzelnen fällen bei Wörtern , die es sonst im allgemeinen 
fester bewahrt haben? und will Flach das p herstellen, wo es 



Nr. 6. 196. 197. Hesiodos. 293 

nur immer möglich, warum nicht auch in aQvug Th. [23], oder 
wenn dieser vers in einer interpolation steht , in Evdgvr] Th. 
259, in oip Th. 41, 830, vrgl. [68] [79], in 7<7r<> Th. 454 
(schreibt er doch 0. 734 FeGiCr;)? und in wie vielen Wörtern, 
die ursprünglich f im anlaut hatten, ist seine herstellung für 
Hesiod durchaus verboten, z. b. in %\xw, lladöv 0. 287, Xqt^, 
Ecmoidsc, Iduhfiog (cFid^) 0. 415 etc. 

Also einige Wörter haben erweislich das F ganz eingebüsst, 
bei anderen kann man es setzen , ohne seinen gebrauch aus 
Hesiodstellen für den dichter erweisen zu können, bei anderen 
scheint ein schwanken im gebrauche zu sein , bei anderen end- 
lich ist das F noch ziemlich constant , aber nicht bloss leichte 
und bisweilen schwerere Verderbnisse widerstreben mehrfach 
seiner herstellung , sondern auch stellen , die sonst nicht anzu- 
fechten sind und nicht mit Wahrscheinlichkeit geändert werden 
können, darunter einige, die durch dialectische formen, die dem 
sonstigen gebrauche des dichters entsprechen, die gewähr rich- 
tiger erhaltung geben. Wie kann man da auch nur für eine 
kleine anzahl von Wörtern stricte consequenz des gebrauches 
verlangen ? ■ Auch ist es mir sehr wahrscheinlich , dass Hesiod 
in betreff des F nicht sowohl von seinem heimischen dialecte ab- 
hängig, als von der behandlung des f, die er in Homer vor- 
fand, vielfach beeinflusst ist. 

Der räum verbietet auf weiteres einzugehn. Nur das be- 
merke ich zum schluss, dass ich nicht mit Flach Theogonie 
und Opera als werke desselben dichters ansehen kann, schon 
nicht wegen der verschiedenen dialectfärbung (s. darüber die 
trefflichen bemerkungen von Ahrens bei d. Gott, philologenvers. 
1852, p. 73), wegen metrischer Verschiedenheiten, auch be- 
handlung der synizese, aus mehrfachen gründen des inhalts und 
anderes mehr; auch die beste Überlieferung des alterthums 
schreibt ja dem Hesiod nur die Opera zu. 

C. Capelle. 

198. De fontibus Dionysii periegetae. Dissert. inaug. 
Gotting. scrips. Alfredus Goethe. 8. Gottingae 1875. 

Der verf. vorgenannten schriftchens hat sich eine einiger- 
massen undankbare aufgäbe gestellt. Die durch den zweck be- 
dingte kürze jenes gedichts und die von seinem Verfasser in der 
Philol. Anz. VII. 19 



294 198. Dionysios, Nr. Ö. 

behandlung des ihm vorliegenden materials geübte Willkür 
machen eine auch nur annähernd sichere bestimmung der be- 
nutzten quellen in hohem grade schwierig, und zwingen noch 
häufiger, als dies bei andern quellenuntersuchungen der fall zu 
sein pflegt, zu blossen vermuthungen seine Zuflucht zu nehmen. 
So hat es denn auch dem verf. obiger schrift nicht überall ge- 
lingen können, die benutzung der von ihm angenommenen quelle 
recht wahrscheinlich zu machen. — Vollständig beistimmen 
müssen wir ihm , wenn er die ältere ansieht , nach der Erato- 
sthenes die hauptquelle des Dionysios war, bekämpft, und nach 
C. Müller's und Müllenhoff's Vorgang die in dem werke vorhan- 
dene anschauung von der erdoberfläche im allgemeinen auf 
Poseidonios zurückführt. Der verf. musste jedoch noch einen 
schritt weiter thun, und die directe benutzung des Eratosthenes 
überhaupt in abrede stellen. Denn wenn er v. 219 — 224 (über 
den Nil) dem Eratosthenes zuweist, so ist zu bemerken, dass 
abgesehen von dem namen Siris (v. 223) der dichter ganz das- 
selbe bei Strabon fand. Nun betrachtet aber der verf. selbst 
v. 225 — 268, wie wir meinen, mit vollem recht als wesentlich 
auf autopsie oder mündlicher erkundigung beruhend: es braucht 
daher auch wohl jener name nicht nothwendig aus Eratosthenes 
herzurühren. Wenn ferner der verf. v. 330 — 338 als erato- 
sthenischen Ursprungs betrachtet, so hat er die bedenken Müllen- 
hoffs in der Alterthumskunde p. 83 gegen die annähme einer 
direkten benutzung des Eratosthenes nicht genügend beachtet. 
Die verse 450 — 55 gehören nicht mit der beschreibung Iberiens, 
sondern mit den folgenden versen, in welchen die inseln des 
mittelmeers genannt werden, zusammen, zu denen auch z. b. 
Agathemeros 5, 20 nach Artemidoros Gades rechnet, wenn er 
die aufzählung twv xud-' rj^iuq vrjßcov mit dieser beginnt. Der 
verf. hat daher auf die worte : xaia [liasov vcptartsQCcüv airjXuaJv 
zu viel gewicht gelegt, wenn er hieraus die autorschaft des Era- 
tosthenes folgerte. Endlich müssten v. 976 — 1000 allerdings 
dem Eratosthenes zugeschrieben werden, wenn nicht das dort 
erzählte ihm auch bei Strabon geboten gewesen wäre. Sollte 
aber der zusatz über die Matiener v. 1001 etwas mehr sein als 
eine dichterische floskel, so ist hierfür wie für die beschreibung 
Babylons ganz gewiss eine andere quelle als Eratosthenes an- 
zusetzen ; denn, soweit die nicht unerhebliche anzahl von bruch- 



ffr. 6. 198. Dionysioa 295 

stücken des Eratosthenes eiu urtheil darüber gestattet, schloss 
die anläge seines werkes Städtebeschreibungen gänzlich aus. 
Wir führen daher die beschreibung des Euphrat und Tigris so- 
wohl wie die der Stadt Babylon auf Strabon zurück. Ueber- 
haupt begegnen die spuren des letzteren häufiger als der verf. 
anzunehmen scheint. So der von ihm übergangene abschnitt v. 
281 — 287. Wenn es dort v. 285 heisst: Xsvxd xe yvXa vspov- 
Tttt ägitfiuviwv Fiqfiavwv , so erinnert dies an Strabo p. 290 
TtQfiavol vifioviui, [imqov i^uXXuTxovrfg tov KsXzixov (pvXov — irjg 
l^avfroTrjiog (vgl. Avien. v. 419 flava Germania); Eqxvviog dqvfxog 
v. 286 ist die feststehende bezeichnung bei Strabo p. 290, 292, 
294, 295 (andere benennungen s. bei Forbiger HI p. 318)-, die 
vergleichung Iberiens mit einer rindshaut v. 287 endlich kehrt 
bei Strabo nicht weniger als dreimal wieder: p. 83, 127 und 
137. — Auch die vom verf. ebenfalls unberührt gelassene be- 
schreibung Persiens v. 1052 — 79 verräth durch die dreitheilung 
Persiens eine gewisse Verwandtschaft mit Strabon. Als beson- 
ders bedenklich möchten wir schliesslich noch die vermuthung 
bezeichnen, wonach die beschreibung Indiens ganz und gar auf 
Apollodoros Artemitenus zurückgeführt wird. Einzelne stücke 
wie z. b. v. 1115 — 27 gehören sicher nicht dahin. 

A. V. 

199. Guil. Vonhoff, de lacunis quae exstant in Euri- 
pidis Heraclidis. 4. Cottbus. 1872. 31 s. 

Die abhandlung beschäftigt sich mit den schon von anderen 
nachgewiesenen oder angenommenen lücken nach v. 77, 110, 
311, 629, 805, 838. Der haupttheil verbreitet sich über die 
nothwendigkeit der erzählung von dem Opfertode der Makaria, 
für welche Hermann eine lücke am ende des Stücks, Kirchhoff 
richtiger nach v. 629 angesetzt hat. Für diese annähme von 
Kirchhoff bringt Vonhoff keine besonderen neuen gründe bei, 
legt aber die vorgebrachten beweise in lichtvoller und gründ- 
licher erörterung dar. Das bemerkenswertheste ist, dass er den 
einzigen anstoss, welcher in den nach einer ausführlichen er- 
zählung des opfertodes unmöglichen versen 821 f. (xuvieig <T... 
iCtpu'^fxVj ovx IfiiXXoVj uXX' äcpCtöav latfiwv ßgoztiwr tv9vg ovqiov 
ipövov vorliegt, dadurch beseitigt, dass er ßgotetiov in ßosiwv 
ändert. Was übrigens die äusseren gründe für die ansetzung 

19* 



296 199. Euripides*. Nr. tf. 

dieser lücke betrifft, so haben nur die worte der hypothesis 
tuvjtjv fxtv ovv tvysvwg äno&avovGav htfirjGav und die scholien 
zu Aristoph. Equit. 214 und 1151 einige beweiskraft. Das von 
Hermann, Kirchhoff, Dindorf (poet. scen. 1869 vol. III p. 167) 
und Vonhoff für jene lücke in anspruch genommene fragment 
aus Flor. Stob. 79, 2 (nr. 848 beiNauck) ociiq Je rovg Tsxöviag iv 
ßtq> Ghßu, od' IgtI xal ^wv xal &avwv SsoTg yilog, welches die 
Überschrift EvgmfSov 'HoaxXeidwv hat, kann unmöglich in die 
erzählung vom opfertode der Makaria, welcher nicht die geringste 
beziehung zur elternliebe hat, gehören. Weil eine wiener hand- 
schrift yog für ^Hoaxludüjv bietet, will Nauck 'Hoaxlsiduiv in 
Kqr\GGÖJV ändern. Die verse sind auch schon anderen stücken 
zugewiesen worden, an das zunächst liegende scheint noch nie- 
mand gedacht zu haben. Sie gehören offenbar in dasselbe stück 
wie das fragment von Stob. Ecl. 1 , 8 xgsTg rißiv ugemC, xug 
XQewv g' aGxuVj xixvov } &tovg it xi^av rovg rt & g iipavxag 
yovijg vöfxovg xe xotvovg 'EXkddog, womit eine paränetische rede 
eingeleitet wird, in deren verlauf jene verse ihre beste stelle 
finden konnten. Auch bei diesem fragment geben nämlich die 
handschriften A M EvginCdrjg 'HgaxXtldaig und nur die ed. 
Trincav. bietet das lemma Eiginidrjg *AvTi6nr\. Der Antiope 
wird darum auch der Stob. Flor. 79, 3 mit den versen Euripides 
Heracl. 297 f. unrichtig verbundene vers xal tolq rtxovGtv atyav 
ttfirjv vtfiHv zuzuweisen sein. Die vermuthung von Nauck, dass 
die Stob. Flor. 7 , 9 mit dem lemma Evginidijg l Hgaxlsi gege- 
benen verse: to fiiv Gcpayrjvat deivov, evxXeiav <J' e^sr to fir\ 
&aveTv de dtilövj rjdovri <T k'vi, den Herakliden angehören, ist 
ganz unsicher, da mit diesen versen auch das gegentheil vom 
opfertode gerechtfertigt werden kann, sei es in einer tragödie, 
sei es in einem satyrdrama. — 

Die von Vonhoff nebenbei vorgebrachte conjectur zuv. 103 
xal (i^ ßiaCco x H Q l datfxovwv äneXeCnsiv (Seidler änoXtnHv) g' 
(Musgr. 6<p') sSrj, wofür er anodixtiv g' idüiv schreiben will, muss 
wohl der emcndation, die ref. gemacht hat und die er auch 
schon anderswo gelesen zu haben glaubt, unuliTtTv g' sdq 
weichen. 

Wechlein. 

200. Ueber Xenophanes von Kolophon. Von Franz 



Nr. 6. 200. Xenophanes. 297 

Kern. Programmabhandlung des Stettiner Stadtgymnasiums. 
Stettin, 1874. 28 s. 4. 

Kerns darstellung der philosophie des Xenophanes hat in der 
recension von M. H(einze) Litt. Centralbl. 1874, sp. 1566 und jetzt 
auch in dessen neuer bearbeitung des 1. bandes von Ueberwegs 
geschichte der philosophie (18 76) unbedingte anerkennung gefunden. 
Mich dagegen haben seine früheren arbeiten, auf denen er fusst, so 
viel verdienstliches dieselben auch im übrigen enthalten, doch nicht 
davon überzeugt, dass die kleine unter dem namen des Aristoteles 
auf uns gekommene schrift über Xenophanes ein werk, wenn auch 
nicht des Aristoteles, so doch des Theophrastos, und eine glaubwür- 
dige quelle sei. In derselben wird behauptet (977b, 3 ff.), Xe- 
nophanes habe zu zeigen gesucht , gott könne weder begrenzt 
noch unbegrenzt sein, und bewege sich weder noch sei er un- 
bewegt. Aristoteles selbst (Met. I, 5. 986 b, 21 ff.) dagegen 
sagt, Xenophanes habe sich nicht klar geäussert und auch wohl 
sich nicht klar gedacht x ) , ob dem göttlichen All-einen begren- 
zung oder unbegrenztheit beizulegen sei 2 ) , und Xenophanes 
selber sagt ausdrücklich, dass es sich nicht bewege, sondern un- 
bewegt sei (Fr. 4. altl d' iv xaviöS re fiiveiv xtvovfievov ovdiv, 
ovös [itTtQXiödaC fxiv ImitQtnu 3 ) aXXon aXkrj), und Pseudo- 
Aristoteles deutet nicht im mindesten an, dass die Verneinung 
der beiden entgegengesetzten prädicate nur bedingt zu nehmen 
sei, so dass also das weder-noch nach anderer richtung hin ein 
sowohl-als auch in sich schlösse, vielmehr ist dies eine willkür- 
liche umdeutung von Kern und Teichmüller, und es lohnt nicht 
zu fragen, ob die art, wie letzterer, oder, was die ansieht von 
M. H(einze) Litt. Centralbl. 1875, sp. 862 ist 4 ), die, wie ersterer sich 

1) Denn dass auch dies letztere in ov9sp dneacptvustv, ovds rfc 
(pvatttis tov'tüjv ovdtTigas totxf &iytlv liegt, erhellt aus dem gegensatz 
all' *t? tov olov ovQavov x. T. I. 

2) Teichmüller studien zur geschichte der begriffe, Berlin 1874, 
p. 607 missbraucht dies oiSiv disaaq^yiaev , als ob Aristoteles sagte, 
Xenophanes habe überhaupt noch gar nichts mit wissenschaftlicher 
deutlichkeit bestimmt , und eben so steht Poet. 25. 1460 b. 35 ff. 
nichts von dem, was Teichmüller hineinliest, s. Zeller Phil, der 
Griechen I, p. 452, anm. 1. 

3) Die zweit'el Kerns (beitrag zur darstelluug der philosophie 
des Xenophaues, Danzig 1871, p. 5) gegen die richtigkeit dieser text- 
herstellung können hier auf sich beruhen bleiben, da sie den grund- 
gedanken des bruchstücks selber nicht treffen. 

4) Der einwurf von M. Heinze gegen Teichmüller, gerade was 
man reale bewegung nennt, werde von den Eleaten entschieden in 



298 200. Xenophanes. Nr. 6. 

genauer die sache denkt, den vorzug verdienen möchte. Dass 
nach Xenophanes gott trotz seiner unbewegtheit ganz äuge, ohr 
und gedanke ist und mit geistes denken mühelos alles lenkt 
(Fr. 2. 3 Mull.), ist ja richtig, aber dass der philosoph dies als 
seine bewegung, wie Kern will, ja auch nur als seine thätigkeit 
bezeichnet habe, davon ist nirgends eine spur. Fragt man aber, 
wie jene geschichts widrige darstellung des pseudo-aristotelischen 
büchleins entstehen konnte, so liegt die antwort nahe. Schon 
Theophrastos hat nach Simpl. Phys. f . 5 b allerdings berichtet : 
xo ov . . . ovts ■n£Tt(Qu6}Jb€vov ovts amiQov, ovts xivovfisvov ovts 
rjospovv Bevo(pdvr]v . . . vjtori&söd-ai, , und trotz Kerns Wider- 
spruch wird mit Zeller (Phil. d. Gr. I., p. 441) anzunehmen 
sein, dass dies nur heissen sollte, Xenophanes habe keine dieser 
eigenschaften dem einen ausdrücklich beigelegt, obschon dadurch 
allerdings nur der Widerspruch mit Aristoteles , nicht aber der 
mit Xenophanes selber ausgeglichen, und mithin schon Theo- 
phrastos nicht von allem irrthum freizusprechen ist. Indem 
man nun aber seine äusserung unrichtig dahin auffasste, Xeno- 
phanes habe diese sämmtlichen prädicate der gottheit geradezu 
abgesprochen, war eben damit jene völlige verkehrung der ge- 
schichtlichen Wahrheit gegeben, welche ein Aristoteliker des 
dritten Jahrhunderts v. Chr. 5 ) in jenem von ihm verfassten 
schriftchen zum ausdrucke brachte. Und hat es denn wohl ir- 
gend welche historische Wahrscheinlichkeit für sich, wenn Kern 
zu dem ergebniss gelangt, dass Xenophanes ein von Piaton und 
Aristoteles 6 ) und in folge dessen auch von allen späteren arg 
verkannter und zuerst von Kern richtig gewürdigter, im gründe 



abrede gestellt, trifft nicht zu. Denn Teichmüller a. a. o. p. 619 
stützt sich ja gerade auf das, worein Aristoteles Met. I, 5 a. a. o. 
den unterschied des Xenophanes von den späteren Eleaten setzt, und 
folgert mit recht eben hieraus, dass Xenophanes auch in bezug auf 
die bewegung noch nicht so habe denken können wie die letzteren. 
Aber Teichmüller übersieht, was er in bezug auf das werden selber 
sehr richtig hervorhebt, dass Xenophanes füglich die bewegung über- 
haupt auf die theile des weltganzen beschränken konnte, und sie eben 
damit diesem weltganzen selber und also auch der gottheit schlecht- 
hin absprach. 

5) Diese Zeitbestimmung ergiebt sich daraus , dass das schrift- 
chen sich schon in dem auf Hermippos von Smyrna zurückgehenden 
katalog bei Diog. Laert. V, 25 findet. 

6) Met. I, 5. 986a, 25 f. (uxqov ayooixönooi Sivocfdvqs xai 
Mifoööog. 



Nr. 6. 200. Xenophanes. 299 

über Parmenides stehender denker gewesen sei 7 ) ! Wie Piaton 
und Aristoteles zu solcherlei missgriff gekommen sein könnten, 
hat Kern zu erklären nicht einmal versucht, und möchte sich in 
der that schwerlich auch nur versuchen lassen. 

In bezug auf die physikalischen sätze des Xenophanes be- 
ruhigt sich Kern (p. 27, anm. 81a) leichthin mit der behaup- 
tung, dass dieselben mit dessen philosophischen gedanken in 
keinem Zusammenhang ständen. Hätte aber wirklich schon 
Xenophanes, wie Kern will, gelehrt, dass es eine Vielheit dem 
werden und der Veränderung unterworfener dinge nicht gebe, 
so würden jene sätze hiemit nicht bloss nicht im zusammen- 
hange , sondern im entschiedensten Widerspruche stehen, ja er 
wäre dann nicht einmal berechtigt gewesen zu sagen, dass gott 
alle dinge lenkt (ndvxa xqudaCvH Fr. 4). Alles steht dagegen 
im besten einklange, so bald man nur mit jener von Kern (p. 
10) selbst herangezogenen perspective von Xenophanes auf Spi- 
noza wirklich ernst macht, und sich das verhältniss der dinge 
zu gott bei ersterem ähnlich wie bei letzterem denkt, so dass 
zu jener lenkung gottes auch dies gehört, dass er die veränder- 
lichen dinge aus sich entstehen lässt und wieder in sich auflöst. 
Die Weltanschauung des Xenophanes enthält mithin eben so gut 
den keim zu der des Herakleitos wie zu der des Parmenides, 
und sie ist nicht so original, wie Kern (p. 8) behauptet, sondern 
hat die des Anaximandros zum rückhalt. Aber Xenophanes 
konnte sich offenbar mit der art, wie Anaximandros die dinge 
aus dem urwesen herleitete , nicht befreunden, und sich daher 
auch die bezeichnung des unbegrenzten für das letztere nicht 
aneignen, ohne dass er doch eine andere herleitung an die stelle 
zu setzen wusste. Irre ich nicht, so erklären sich hieraus die 
skeptischen äusserungen (Fr. 14. 15), vermöge deren er sich 
selbst und allen anderen menschen, der erste philosoph, welcher 
zwischen wissen und meinen ausdrücklich unterschied, das er- 

7) Nächst Xenophanes wird von Kern (p. 12) Zenon für den 
productivsten denker unter den Eleaten erklärt, auch Melissos (p. 15 
vgl. p. 11, p. 23, anm. 66) möglichst gehoben, dagegen Parmenides 
(p. 14 f., vgl. p. 11, p. 23, anm. 66) möglichst herabgesetzt. Ob Me- 
lissos, indem er das sein als unbegrenzt bezeichnete, damit die kugel- 
gestalt desselben leugnen wollte, steht nicht so fest, wie Kern (p. 15, 
vgl. p. 24, anm. 70) glaubt. Allerdings hätte er sonst sich einen 
Widerspruch zu schulden kommen lassen, allein genau den nämlichen 
hat auch Anaximandros begangen. 



300 200. Xenophanes. Nr. 6. 

stere ab- und nur das letztere zusprach. Dies schliesst nicht 
aus, dass er nach dem Zeugnisse von Timon fr. XL VI Wachsm. 
(bei Sex. Emp. Pyrr. I, 223), wie Kern (p. 13) gut nachweist, 
erst im alter zur festen dogmatischen durchbildnng seiner all- 
einslehre gelangte. Kern nimmt hiefür scharfsinnig auch den 
eignen aussprach des Xenophanes (Fr. 1 6) zum zeugniss , dass 
die götter nicht alles von vorn herein den sterblichen enthüllten, 
sondern letztere mit der zeit suchend das bessere finden. In- 
dessen steht es schwerlich so fest, wie der verf. meint, dass 
dieser ausspruch in seinem philosophischen lehrgedicht, und seine 
sonstigen skeptischen äusserungen sämmtlich in früheren dich- 
tungen standen , vielmehr spricht gerade für die Zugehörigkeit 
des 14. fragments zu jenem lehrgedicht entschieden der zusatz 
xt xal . . . Tisql Ttdviwv in den Worten äftyl &£wv re xal aßüu 
Xiyo) Ttsgl Tidviwv. 

Das verdienstlichste an Kerns arbeit ist im übrigen das 
sorgfältig gezeichnete bild von der person und dem charakter, 
dem leben und wirken des Xenophanes 8 ) und die eingewobene 
geschmackvolle Übersetzung seiner meisten und bedeutendsten 
bruchstücke. Die wirklich sicher jenen gegen Homeros und 
Hesiodos gerichteten rügegedichten des Xenophanes, welche von 
späteren sillen, iamben, Satiren, parodien genannt wurden, zuzu- 
rechnenden fragmente führt der verf. (p. 19, anm. 32) gegen 
Wachsmuth (De Timone Phliasio) auf ihr richtiges mass (näm- 
lich Fr. I, II, IV, VII, Vin Wachsm. = 27. 7. *. 5. 6 Mull.) 
zurück und weist (p. 18, anm. 25) mit recht die von diesem 
vertheidigte deutung von iv e'ntßt ' in versen ' bei Diog. Laert. 
IX, 19 yiygctys de xal iv hmai xal ileytCag xal Idfjßovg xad-' 
% Hüb6dov xal l Ofjw]QOv ab 9 ). 

Fr. Susemihl. 

8) Richtig urtheilt Kern (p. 17, anm. 13), dass das ksyerai, in 
den worten des Aristoteles Met. I, 5. 986 b, 22 f. 6 yag naQ/uividris 
Tovrav kiyszcu fia&rjrrjg nur ein beispiel von der eigentümlich vor- 
sichtigen und limitirenden ausdrucksweise dieses denkers in dingen 
sei, über welche er nicht im mindesten im zweifei ist, und nicht 
minder richtig erkennt er jetzt (anm. 21) an, dass die nachricht, nach 
welcher Empedokles noch mit Xenophanes verkehrt haben soll (Diog. 
Laert. VIII, 56), chronologisch nicht unmöglich ist. Richtig ist ferner 
auch was (p. 27 , anm. 81 a) zur vertheidigung der ächtheit von Fr. 
8 bemerkt wird. 

9) Allein ein vernünftiger sinn entsteht doch erst, wenn man 



Nr. 6. 201. Piaton. 301 

201. Iwani Muelleri Quaestionum criticarum de Chal- 
cidii in Timaeum Piatonis commentario specimen primum. Er- 
langae 1875. 4°. 28 s. (Universitäts-programm.) 

Für die sprachlich in lexilogischer wie syntaktischer be- 
ziehung interessante Übersetzung des platonischen Timaeus 
nebst einem Theons Astronomie stark plündernden commentar, 
welche im 4. Jahrhundert n. Chr. Chalcidius anfertigte, fehlt 
es noch an einer eingehenden Untersuchung über die zahlreichen 
handschriften, in welchen dies werk in verschiedenen bibliotheken 
anzutreffen ist. Neuerdings haben De-Vit, Paucker und J. 
Wrobel (zeitschr. f. d. Österreich, gymn. 1875, bd. XXVI) die 
aufmerksamkeit auf die lexilogische bedeutung des Chalcidius 
gelenkt, und letzterer hat dabei (p. 179) bemerkt, dass er zwei 
cracauer (darunter eine aus dem 11. Jahrhundert) und vier wiener 
handschriften des werks collationirt habe. Für eine neue aus- 
gäbe des Chalcidius aber, welche recht erwünscht wäre, wird es 
nöthig sein, zuvor die gedruckten wie ungedruckten cataloge 
der grösseren bibliotheken des continents sorgfältig zu durch- 
mustern. Handschriften, die älter wären als das 11. Jahrhundert, 
sind meines wissens nicht bekannt. Ich will nicht unerwähnt lassen, 
dass die ambrosianische bibliothek in Mailand nach dem aus- 
weise ihres nicht vollständigen, aber leidlich zuverlässigen hand- 
schriftlichen catalogs zwei Codices des Chalcidius besitzt, welche 
im catalog selbst folgendermassen charakterisirt sind: 

1) Translatio Timaei Piatonis et in eum commentarii. Cod. 
m. saec. Xu (er trägt die Signatur E 5 ordin. superior.) 

2) In Timaeum Piatonis. Cod. m. (editus) (signatur J 195 
ordin. inferior.). 

In dem zur anzeige vorliegenden programm theilt Iwan 
Müller mit bekannter akribie collationsproben einer bamberger 
handschrift aus dem 11. Jahrhundert einschliesslich der ortho- 
graphischen minutien mit. Diese mit im ganzen guter Ortho- 
graphie aber nicht fehlerfrei geschriebene handschrift ver- 
bessert eine erhebliche anzahl von fehlem , welche sich im text 

wagen dürfte <jh?2> IXiytiaig oder wenigstens IXtyfiais (lUyiioisl) her- 
zustellen: 'er schrieb sowohl in hexametern als in elegischen versen 
auch rügegedichte u. s. w. ' Denn so gut wie er den Pythagoras in 
elegischen versen angriff (Fr. 18), können füglich auch seine streit- 
gedichte gegen Homeros und Hesiodos zum theil dieselbe form gehabt 
haben. 



302 202. Aristoteles. Nr. 6. 

des von Müller zur collation benützten abdrucks Mullachs (in 
den fragm. philos. Grraec.) vorfinden; die wichtigeren Varianten 
begleitet Müller mit sachkundigen erläuterungen über den Sprach- 
gebrauch des Chalcidius , dessen kenntniss namentlich für das 
Studium desjenigen lateins von interesse ist, welches in weiter- 
vorschreitender degeneration grundlage der romanischen sprach- 
entwicklung geworden ist; ich verweise z. b. auf Müllers an- 
merkungen p. 7 und IG. 

Dass von den mannigfachen abweichungen des codex Bam- 
lergensis vom Mullachschen text in der Wortstellung ein ansehn- 
licher bruchtheil berechtigt ist, beweist verf. durch vergleichung 
des platonischen textes; wie weit die übrigen discrepanzen in 
der Wortstellung berechtigt sind, wird sich erst dann mit Sicher- 
heit beurfheilen lassen, wenn collationen mehrerer älterer hand- 
schriften des Chalcidius vorliegen. W. Studemund. 



202. Das verhältniss der aussenwelt zu unseren Vorstellun- 
gen in der vorsokratischen philosophie. Von dr. Aug. Fischer. 
Programm des Kealgymnasiums in Smichow. Prag, 1875. 46 
s. gr. 8. 

Der verf. hat sich die aufgäbe gestellt zu zeigen, wie sich 
schon in der ältesten periode der griechischen philosophie all- 
mählich und schritt für schritt der zweifei zu regen beginnt, ob 
und wie weit das menschliche denken wirklich die aussenwelt 
rein objectiv zu erfassen vermag , und im allgemeinen ist ihm 
die lösung dieser aufgäbe gelungen, wenn man auch im beson- 
deren ihm nicht überall beistimmen kann. Der skepticismus des 
Xenophanes ist unrichtig von ihm als ein schwanken desselben 
aufgefasst, ob eine Vielheit der dinge anzuerkennen sei oder 
nicht : der bericht Timons hat nicht diesen sinn , wie Fischer 
(p. 22 f. 42 f.), durch Ritters verkehrte Übersetzung und durch 
seine unbekanntschaft mit den neuesten textverbessungen verleitet, 
glaubt, sondern einen ganz anderen , s. Kern über Xenophanes 
von Kolophon p. 13. Verkehrt ist der erklärungs versuch der 
angäbe des Theophrastos (de sens. 4), Parmenides habe wahr- 
nehmen und denken für dasselbe augesehen: der fehler des 
Theophrastos ist in Wahrheit nur, dass er das im zweiten theil 
vom lehrgedicht des Parmenides vorgetragne ohne weiteres als 
dessen eigne meinung behandelt: dürfte man das, so wäre seine 



Nr. 6. 202. Aristoteles. 303 

angäbe der sache nach ganz richtig. Wäre es ferner auch 
wirklich über jeden zweifei erhaben, dass Melissos bei der un- 
begrenztheit des seins, welche er im gegensatz zu der begrenztheit 
desselben bei Parmenides behauptete, die volle räumliche Un- 
endlichkeit desselben im äuge hatte, und sonach der erste denker, 
welcher den begriff der letztern genau erfasste, gewesen wäre, 
so hat der verf. (p. 26 f.) selbst damit, wie aus dem von 
Zeller, Phil, der Griechen I, p. 512 f. bemerkten hervorgeht, 
noch immer kein recht, diese abweichung von Parmenides als 
einen unbedingten fortschritt zu bezeichnen. Ferner ist es eine 
schiefe behauptung, dass Herakleitos den Eleaten gegenüber 
wieder zu einem ungleich grösseren vertrauen auf die sinnliche 
Vorstellung zurückgekehrt sei: statt von den Eleaten war hier 
nur von Xenophanes zu reden , den allein Herakleitos bereits 
kannte, und dessen unentwickeltem Standpunkt gegenüber er 
auch in dieser hinsieht ganz im recht war. Sein auftreten fällt 
zwischen das des Xenophanes, gegen den er, und des Parme- 
nides, welcher schon wieder (v. 46 ff. Mull.) gegen ihn pole- 
misirte. Eben so durfte Fischer die begründung, durch welche 
Zeller a. a. o. I, p. 836 ff. wahrscheinlich gemacht hat, dass 
Anaxagoras bereits die lehren des Leukippos und Empedokles *) 
gekannt und berücksichtigt hat, nicht einfach ausser acht lassen 2 ). 
Schon hieran scheitert sein versuch (p. 15 ff.) die empedokleische 
philosophie als eine höhere entwicklungsstufe denn die anaxa- 
goreische geltend zu machen und wieder als eine noch höhere 
die atomistische, während bekanntlich Zeller und andere dieselbe 
zwar über die empedokleische, aber unter die anaxagoreische 
stellen. Diesem versuch liegt aber auch das auffallende miss- 
verständniss zu gründe, als ob die beiden bewegenden kräfte 
bei Empedokles den Stoffen immanent wären (p. 17. 33). End- 
lich mag bloss natur wissenschaftlich betrachtet die lehre des 
Leukippos und Demokritos vielleicht höher stehen als die des 
Anaxagoras, vom allgemein wissenschaftlichen Standpunkte 
aus bezeichnet die von letzterem zuerst gemachte entgegensetzung 

1) Empedokles war ja nur wenig jünger als Anaxagoras. 

2) Mit der Chronologie geht überhaupt der verf. zu leichtsinnig 
um. Demohritos wird von ihm ohne weiteres , als wäre dies nicht 
mindestens höchst streitig, zum Vorläufer des Protagoras gemacht, 
und Baco von Verulams System soll (p. 9) auf das von Cartesius ge- 
folgt sein! 



304 203. Plautus. Nr. 6. 

des geistes gegen die materie, so unvollkommen auch die gestalt 
ist, in welcher sie selbst hier noch auftritt, doch den" höhenpunkt 
der ganzen vorsophistischen entwicklungsreihe. Völlig verfehlt 
ist endlich auch die meinung (p. 44 f.), als wäre Demokritos 
zu seinen erkenntnisstheoretischen sätzen irgendwie anders als 
seine Vorgänger zu den ihren , anders also als lediglich von 
seinen ontologischen principien aus gelangt. Gut ist dagegen 
die bemerkung (p. 7) über die Sophisten, dass sie im gefühl 
der vergeblichkeit aller bisherigen versuche die aussenwelt aus 
dieser selbst zu erklären, sich zum subject wandten, aber nicht, 
um dieses genauer zu untersuchen, sondern um mit dem object 
fertig zu werden. Setzt man jedoch, wie Fischer sofort auch 
thut, an die stelle des ' fertigwerdens ' mit dem object das 'er- 
klären ' desselben , so passt die sache nur halb auf den Prota- 
goras, und gar nicht mehr auf den Gorgias. Fischer hat daher 
unrecht (p. 11 f.) mit den Sophisten eben desshalb bereits eine 
neue periode in der griechischen philosophie beginnen zulassen. 
Nicht mit Hume, sondern mit Kant hebt in der neueren eine 
solche an, und doch hätte Hume gegenüber Kant wahrlich 
grössere anspräche als Protagoras, um auch nur von diesem zu 
reden, so hoch man das positive verdienst seiner leistung immer- 
hin anschlagen mag, gegenüber dem Sokrates. 

Fr. Susemihl. 

203. Ausgewählte komödien des T. M. Plautus. Für den 
schulgebrauch erklärt von Julius Brix. Erstes bändchen: 
Trinummus. Zweite aufläge. Leipzig, Teubner. Vlll und 
132 s. 12 sgr. 

204. Desselben werkes drittes bändchen: Menaechmi. 
Zweite aufläge. II und 96 s. 7 x /2 sgr. 

205. Index lectionum in academ. theolog. et philosoph. 
Monasteriensi per menses aestivos anni MDCCCLXXIII 
habendarum. Praemissa est P. Langeni commentatio de Me- 
naechmorum fabulae Plautinae prologo. 9 s. 4°. 7*/2 sgr. 

Der hauptfortschritt, den die neuen auflagen des Trinummus 
und der Menaechmi aufweisen, besteht in der hinzufügung eines 
kritischen anhanges der art , wie er bei der besprechung der 
ersten aufläge in den Gott. gel. Anz. 1868, st. 30 — 31, p. 
1174 — 1179 vom unterzeichneten vorgeschlagen, in der zweiten 



tfr. £. 203. Plautus« 305 

aufläge der Captivi, besprochen im Anzeiger II., p. 246 — 250, 
jedoch noch vermisst wurde. Aber freilich, soll er seinen zweck 
erfüllen und den commentar möglichst von allem zum sofortigen 
Verständnisse unnöthigen entlasten, dann muss der commentar 
mit einer ganz anderen Sorgfalt und gründlichkeit revidirt wer- 
den, als es hier geschehen ist. Der herausgeber ist, wie von 
vorne herein mit grosser anerkennung hervorgehoben werden 
soll, der noch immer wachsenden Plautuslitteratur unermüdlich 
gefolgt und hat auch in seiner eigenen hauptsächlich kritischen 
thätigkeit nicht gerastet. Aber all' das neue, was sich ihm 
hierdurch darbot, ist ohne jede sonderung und besonnene ver- 
theilung bald im commentare bald im anhange untergebracht, 
mit einer solchen eile und fluch tigkeit, dass sogar ein im com- 
mentare doch ganz unstatthaftes 'ich' ein paar mal mitunter- 
läuft: zu Men. 469 und 1089. Eef. will, wie Gott. gel. Anz. 
a. o. p. 1184 f. dargelegt wurde, keineswegs alles kritische 
aus dem commentare verbannen und weiss ja sehr gut, wie 
dieses grade im Plautus schwer, oft fast unmöglich ist; dass es 
aber doch bis zu einem gewissen grade geschehen kann (und 
in einer ' für den schulgebrauch ' bestimmten ausgäbe ohne 
zweifei geschehen muss), glaubt er sowohl a. a. o. p. 1183 — 
1188 durch eine menge von beispielen aus der ersten aufläge 
nachgewiesen, als auch in seiner eigenen bearbeitung des Miles 
gloriosus annähernd durchgeführt zu haben. In dieser zweiten 
aufläge nun braucht man nur die ersten blätter des Trinummus 
mit ihren wenigen zeilen text auf jeder columne anzusehen, um 
alsbald zu der Überzeugung zu gelangen, dass in den anmer- 
kungen eine stoffmasse (sowohl von kritischem material wie von 
grammatischen, prosodischen , metrischen subtilitäten) aufgehäuft 
ist, die das mass des nöthigen vielleicht um das dreifache über- 
steigt. Tritt hierzu die aus der ersten aufläge so gut wie un- 
verändert beibehaltene dürftigkeit und trockenheit in den ein- 
leitungen und in allem dramaturgischen, namentlich aber die 
höchst mangelhafte auffassung und darlegung der reichen und 
schönen spräche des dichters (über dies alles wird nochmals 
verwiesen auf Gott. gel. anz. a. o. p. 1227 — 1237), so muss auch 
jetzt noch das gesammturtheil dahin lauten: für die schule und 
für gebildete freunde des dramas überhaupt ist vorliegende be- 
arbeitung nicht geeignet-, für philologen hingegen, die dem 



306 204. Plautus. Nr. 6. 

Plautus ein tieferes Studium widmen wollen und nach einer von 
einem tüchtigen kritiker gearbeiteten ausgäbe suchen, ist sie 
empfehlenswerth , nicht so sehr das dritte bändchen (wie gleich 
gezeigt werden soll), wie vielmehr das erste, das sich an Kitschl's 
Trin. 2 anschliesst, in den anmerkungen gar manches gute enthält 
und die wenigsten spuren von eilfertigkeit zeigt. Von den im an- 
hange gegebenen bemerkungen schliesst sich ref. bereitwillig 
denen zu 29, 60 ff. 80, 126, 147, 250, 256 ff. 351 und zu 
den meisten folgenden versen (auch dem nachtrage) an, nicht 
aber denen zu 88, 155, 166, 276, 491, 974 (und der anm. zu 
10); im übrigen enthält er sich hier einer genaueren besprechung 
dieses vielbearbeiteten Stückes, wozu nicht nur A. Spengel's 
eben erschienene, sondern auch eine andere von bewährter 
hand bald zu erwartende ausgäbe reichliche gelegenheit bieten 
werden. 

DieMenaechmi hingegen zeigen alle schwächen der Brix'- 
schen bearbeitung. Nach der mageren inhaltsangabe in der 
einleitung (die mit einer hier durchaus unpassenden bemerkung 
über die acteintheilung p. 4 schliesst) werden auf mehreren 
Seiten alle die völlig in der luft schwebenden hypothesen neuerer 
über aufführungszeit und original breitgetreten, ohne die mindeste 
positive ausbeute: es hätte also eine zeile genügt um offen zu 
gestehen, dass wir von beidem nichts wissen. Wie unhaltbar 
Ladewig's auf den 'nur hier vorkommenden' dovXog fidyuqog 
gestützter rückschluss auf Poseidippos als Verfasser des Originals 
[Jidvfxoi?) ist, geht schon aus dem von Brix ganz übersehenen 
umstände hervor, dass auch im Truculentus der 'in der küche 
berühmte' Cyamus (II 7, 53, vgl. 66 — 69) haussklave bei Dini- 
archus ist (1. 1. 21, 25, 50), ebenso wahrscheinlich der koch 
Cure. II 2 und Cario in der letzten scene des Mil. gloriosus. — Für 
ebenso überflüssig hält ref. die auf Fr. Schmidt's versuch (s. den Anz. 
V, p. 459 ff.) gestützte ' rollenvertheilung unter fünf schauspielern '. 
■ — Entlastung des commentars hätte in bedeutendem masse er- 
langt werden können durch Streichung der rein kritischen an- 
merkungen zu 134, 186, 270, 281, 338 (von 'und hiermit' an), 
358 und 1062 (metrische gestaltung verderbter verse), 468 f., 
494, 496, 505, 516, 586, 593, 596, 601, 717, 721, 854, 975, 
979, 1072, 1109 und, wenigstens theilweise, zu noch 
manchen versen; ferner durch weglassen von unwichtigen 



Nr. 6. 204. Plaufus. 307 

bemerkungen über betonung und Wortstellung (483, 486, 498, 
509, 523 extr. 681 extr. 683 extr. 1089), von überflüssigen 
erklärungen (72, 77, 184 candor, 261, 353, 354 munditia, 489, 
604, 606 aufer, 633, 653, 658, 670, 683, 700 'übrigens' u. s. 
w., 704, 706 f., 728, 810, 838, 858, 1020, 1038) und parallel- 
stellen (185, 215, 260, 305 'Ter. Andr. ', 321, 351, 382, 652, 
668, 691, 713, 727, 731, 761, 783 f. 813, 856, 905), zu lang 
sind z. b. die Anm. zu 849 und 901. — Aber an fast ebenso 
vielen stellen fehlen anmerkungen ; namentlich wird, durch 
den cornmentar, auch nicht eine ahnung beim leser davon wach- 
gerufen, dass er einen in sprachlicher beziehung ungemein be- 
fähigten dichter vor sich habe. Und doch hätten verse wie 339 
und 361 (seruoli ancillulae animule), 442 (lembus), 1054 (ui pug- 
nando), 780 (uelitari), 781 (logi), Sil (elecebrae argentariae), 437 
(ante solem occasum) den bearbeiter auffordern müssen zu an- 
deutungen über die tragweite der deminutiva bei Plautus , über 
seine metaphoren aus dem see- und kriegswesen, über seine 
graeca, seine bildlichen ausdrücke besonders durch abstracta, 
seinen einfluss auf die archaisten. Grammatische erläuterungen 
fehlen zu arg. 1 sq. Mercator . . . Ei, 326 raordbitur , 378 sine 
— dum, 447 quicquam facinus , 381 tetulit, 1008 derupier, 1027 
quid erro , 686 sq_. de f rüdes, 89 fehlt Apollo — onis. Als zur 
phraseologie der Umgangssprache gehörig hätten hervorgehoben 
und mit beispielen versehen werden sollen mea quidem hercle 
causa = per me licet 121 und 1031, s. Rost Opusc. plaut. I, p. 
233 sq., habet 69, aio 166 (wo Ter. Eun. 252 nicht hätte fehlen 
dürfen), multus 316, uide fiat 352, monstraui 789, iterum für 
deinde 409, ignorabitur £21 und 468, die Synkope in Voluptarii 
260, dicam 887, sane 1157 (sehr unklar), facinus 136, vgl. 
145, Mil. glor. 376 L.; bei delicias facis 381 hätte delicatus 
miterwähnt werden sollen, Most. 935 L. Mil. glor. 976 L. , zu 
395 auch Amph. 697, zu 862 jedenfalls 938, zu nouom 526 die 
erklärung 682 u. s. w. — Incorrect ist die anm. 764, sie hätte 
etwa lauten müssen: 'dieselbe, der täglichen Umgangssprache an- 
gehörige, Variation der redensart facere alqm certiorem steht auch 
Ps. 965 ; andere sind facere alqd certum alci 243, Ps. 598 sp., facere 
alqm certum Ps. 18, 1097, Verg. Aen. III 179-, vereinzelt fac 
me consciam Cist. II 3, 46, facere alqm scientem Asin. 48, Ter. 
Haut. 873 '. Schwerlich richtig ist 773 die beziehung der filia 



204. Plautus. ffr. 6. 

auf 'seine' tochter, und die erklärung von guaere 731, sicher 
falsch die von hinc 173, accubui 47 6 und von malo als dativ 
1015: es ist sicher ablat. modi und nicht auffallender als das 
von Brix richtig gefasste salute 138, welches wiederum auf einer 
linie steht mit commodo oder incommodo alicuius: Caes. b. Gr. 
I 35, 4 mit der anm. Hofman's. Zu 137 muss es in bezug 
auf hoc heissen : ' wobei er die unter dem pallium angezogene 
palla zeigt', um mit der richtigen bemerkung zu 150 in Über- 
einstimmung zu kommen. Die anm. zu 418 widerspricht voll- 
ständig der annähme einer lücke nach 415 und wäre besser 
in der fassung der ersten ausgäbe geblieben. Solche detailbe- 
merkungen Hessen sich noch zahlreich genug aufhäufen; wir 
müssen uns jetzt jedoch zum kritischen anhange wenden, um 
über den unterschied des gegebenen textes von dem der ersten 
ausgäbe urtheilen zu können. Derselbe giebt nebst dem theile 
des commentars, der hierher hätte versetzt werden sollen, ein 
treues bild des gegenwärtigen zustandes der plautinischen kritik 
in bezug auf archaische formen und hiatus. Während im Tri- 
nummus sofort zu v. 10 die resultate der 'neuen plautinischen ex- 
curse I.' übersichtlich mitgetheilt (doch fehlen saluetod, praed, 
prod und ähnl.) und der hiat mit hülfe derselben grösstentheils 
beseitigt wurde, sogar durch einen nom. pluralis auf as : 539, — 
und während dennoch schon hier einzelne bedenken nicht unter- 
drückt werden konnten (s. über verschreibungen der Codices zu 
35 und zu 924, p. 127, über erlaubten hiat einl. p. 19 f. zu 
185 extr.), so ist in den Menaechmi das schwanken fast überall 
zu merken. Bald werden die hiatustilger in den text gesetzt 
(d 91, 190 und noch zehn mal), bald nur in den anmer- 
kungen erwähnt (d 549, 626, 870, nom. pluralis auf is 780, 
923, 1158), in beiden fällen fehlen meistens auch andere vor- 
schlage nicht. So erscheint denn der hiat in der hauptcäsur 
des iambischen senars vor einer in terpunction bald ge- 
duldet: 549, bald durch ein d gehoben: 882, desgleichen in 
der diärese des trochäischen septenars : 626 und 870 gegen 797, 
und letzteres neben einer anmerkung wie der zu 681, wo dieser hiat 
an 24 stellen (dazu kommt noch 870) für erlaubt erklärt wird! 
Bald ist der hiat in der sinnespause und beim Personenwechsel 
erlaubt, zu 543, bald 'lässt es sich nicht ausmachen, ob Plautus 
einen solchen durch uerod oder cubi oder ein flickwort vermied, 



Nr. 6. 205. Plautus. 309 

oder für erlaubt hielt', zu 281 , vgl. zu 277! Aehnliche Un- 
sicherheit zeigt sich in der beurtheilung der ' archaistischen ' 
(siel) form homo — om's, zu 89, vgl. aber damit die krit. anm., 
desgl. die zu 98, 309, 903, comm. zu 488. — Zu bemerken ist 
noch, dass im kritischen anhange nicht immer die Urheber der 
gegebenen anm. genannt sind: so gehört z. b. die zu 160 A. 
Spengel Piniol. XXVII p. 340 f., die zu 479 , nebst mehreren 
anderen, Luchs in Studemund's ' Studien' I 1, p. 61; dass bes- 
sere lesarten als in der ersten ausgäbe gegeben sind an nicht 
wenigen stellen nach C. F. W. Müller und anderen neueren, 
von Brix selbst 228, 368, 553, 639, 1030, wogegen die vor- 
schlage zu 268, 293—303, 309, 461, 630, 758, 903 wenig 
überzeugendes, jedenfalls nichts zwingendes haben. 

Die sub 3 angeführte commentatio Langen's * de prologo ' 
giebt schliesslich veranlassung sie mit der (davon unabhängigen) 
behandlung des prologs in der Brix'schen ausgäbe zu vergleichen. 
Langen ist der von fast allen früheren befolgten grundansicht 
treu geblieben, dass die weitläufige erzählung 17 — 76 aus ver- 
schiedenen bestandtheilen zusammengesetzt sei, und sieht die 
aufgäbe der kritik darin, diejenige fassung, welche der heu- 
tigen stark erweiterten zu gründe liege, wiederherzustellen : diese 
würde sich dann anschliessen an v. 1 — 6, die, wie seit Osann 
(anal. p. 178 sq.) von allen zugegeben wird, den eingang eines 
kurzen prologs gebildet haben und von ganz anderer hand 
herrühren als die eine lang ausgesponnene geschichte verkün- 
denden v. 7 — 16. Aus beiden fassungen (1 — 6 nebst dem 
kurzen prolog, 7 — 16 nebst dem weitschweifigen) wäre denn die 
heutige redaction entstanden. — Brix dagegen hat sich der ansieht 
Vahlens angeschlossen, der im Rhein. Mus. XXVII (1872) p. 
175, die ganze erzählung 17 — 76 einem verf. zuschreibt, dem- 
selben, der 7 — 16 fabricirte. Ref. ist geneigt auf Langen's 
seite zu treten : denn auch in anderen prologen , am meisten 
wohl in denen zum Amph., Mil. glor. und Poen., sind verschie- 
dene fassungen erkennbar, und stellen im Prol. Men. wie 22 f. 
41 — 48, 51 — 56, 72 — 76 sind so unerträglich breit und fade, 
dass man von verschiedenen Seiten ihre gänzliche oder theilweise 
beseitigung verlangt hat. In den einzelheiten werden die an- 
sichten immer etwas auseinandergehen (Langen scheidet aus 
nach Teuffel's vorgange: 22 f. 51—56, 72 — 76, ausserdem 
Piniol. Anz. VII. 20 



310 206. Vergilius. Nr. 6. 

noch 43 — 48, Teuffei dagegen 41 — 44 ed. uulg.), aber die auf- 
gäbe des princips dürfte ein rückschritt in der kritischen behand- 
lung der prologe sein. Mit recht dagegen hat Brix, nach Vahlen's 
Vorgang, die überlieferte versfolge 41 — 48 gegen Ritschl's Um- 
stellungen beibehalten, auch Schwabe (N. Jahrbb. f. Piniol. CV 
[1872] p. 404) und Langen sind dafür. Von den kritischen 
bemerkungen , die letzterer seiner commentatio beifügt, ist die 
zu 46 (über flagitare, z. th. gegen Schwabe) beachtenswerth, 
die conjectur zu 57 aber, quemadmodum für quem dudum, kaum 
mit dem folgenden relativsatze vereinbar. 

Die typographische ausstattung der Menaechmi ist weit 
schöner als die des Trinummus, bei aller compression des druckes 
sind doch grosse und deutlichkeit der lettern im texte wie in 
den anmerkungen lobenswerth. Nur schade, dass viele druck- 
fehler sie entstellen, so gleich in der einleitung p. 2 z. 22 v. 
o. 460 für 463, p. 3 z. 7 v. o. 6 für 666. 

Aug. O. Fr. Lorenz. 

206. Vergils Aeneide. Für den schulgebrauch erläutert 
von Karl Kappes. 4 hefte. Leipzig, B. Gr. Teubner. 
1873—75. 8. 

Der verf. der neuesten erklärenden Vergil-ausgabe, von wel- 
cher die Bukolika und Georgika bis jetzt noch nicht erschienen 
sind, ist an seine aufgäbe nicht unvorbereitet herangetreten. 
Seit siebzehn jähren hat K. Kappes in programmen und Zeit- 
schriften zahlreiche stellen der Aeneide ausführlicher besprechung 
unterzogen; und die Vorzüge und fehler jener vorarbeiten zeigen 
sich auch in dem vorliegenden commentar, besonders ein natür- 
liches gefühl für das einfach richtige, wodurch manches von 
Ladewig künstlich gedeutete seine treffende erläuterung gefunden 
hat, aber auch ein gewisser mangel an schärfe in auffassung 
und ausdruck, weshalb der erklärung jene schlagende kürze, 
wie wir sie in Wagners kleiner ausgäbe finden, durchaus ab- 
geht. Das vorwort des herausgebers verbreitet sich über die 
gesichtspunkte, welche die bearbeitung geleitet haben; es lässt 
jedoch manchen bedenken räum. Zwar muss die angegebene be- 
stimmung der ausgäbe beifall finden, dass sie nämlich 'eine 
umfänglichere lectüre erleichtern soll, ohne der bequemlichkeit 
und Oberflächlichkeit Vorschub zu leisten'. Aber es scheint, dass 



Nr. 6. 206. Vergilius. 311 

in manchen anmerkungen, namentlich in begriffserklärungen 
sogar ein gefahrliches beispiel der Oberflächlichkeit gegeben, 
dass aber vielfach im commentar eine erleichterung des Verständ- 
nisses vermisst werde, wo dieselbe, ohne ' dem lebendigen Unter- 
richt vorzugreifen', oft nur durch andeutung der construction 
gegeben werden konnte und , wie die meinungsverschiedenheit 
der erklärer selbst beweist , sogar musste. Unbegreiflich ist es, 
dass ' vergleichende Verweisungen, welche wesentlich zur erkennt- 
niss der eigenthümlichkeit des autors beitragen', anfangs fast 
gar nicht, in den späteren büchern höchst selten gegeben werden ; 
ebenso unbegreiflich die motivirung dieses Verfahrens mit der 
' erfahrung, dass dieselben von wenigen Schülern benutzt werden '; 
denn es lässt sich doch nicht erwarten, dass die häufig vorkom- 
mende, ganz allgemeine hinweisung 'vergl. gramm.' von meh- 
reren beachtet wird. Wenn aber der lehrer den nachweis fordert, 
so schlagen die schüler jene citate so gut nach, als die abschnitte 
ihrer schulgrammatik. ' Verweisungen auf andre, als dem schüler 
geläufige classiker' hat der herausgeber mit recht verschmäht; 
dagegen konnten nachahmungen bei Ovidius namentlich in den 
bekanntesten Metamorphosen, welche die schüler früher als ihren 
Vergil zu lesen pflegen, und mussten die musterstellen der Iliae 
und Odyssee , ohne deren kenntniss die rechte Würdigung der 
nachbildungen in der Aeneide nicht möglich ist, im ausgedehn- 
testen maasse bezeichnet werden. Die allgemeinen redensarten 
des Vorwortes über die textesgestaltung der vorliegenden aus- 
gäbe geben von dem verfahren des hgs. keine Vorstellung. Es 
muss daher bemerkt werden, dass von dem Ribbeck'schen texte, 
wie es scheint , nur aus conservativen rücksichten abgewichen 
worden ist. So ist im ersten und zweiten buche, worauf sieb 
die folgenden einzelbemerkungen beschränken sollen, die Ribbeck'- 
sche Umstellung von I 474 — 478 nach 479 — 482 unterblieben ; 
das zeichen der lücke nach I 550 fehlt; I 188, 367 f., 426, 
711—714, 755 f., II 45, 76, 749, 775 sind nicht eingeklammert, 
was man höchstens I 426, II 76. 775 misbilligen dürfte. Auch 
die sonstigen discrepanzen zeigen meist eine tactvolle entschei- 
dung; so steht mit recht I 224 despiciens ; 237 pollicitus; 317 
Hebrum; 365 cernis; 396 captas despeetare; 427 alta theatri locant; 
455 inter se; 505 media; 550 arvaque; 668 iniquae; II 75 quid- 
ve /erat; 105 causas; 546 et ; 552 comam laeva; 699 tollit; 738 

20* 



312 206. Vergilius, Nr. 6. 

fatone. Dagegen verdient Ribbecks lesart den Vorzug I 211 
deripiunt statt diripiunt \ 343 auri statt agri\ 441 umbrae statt 
umbra; 518 cunctis statt cuncti; 670 nunc statt Tiunc; II 349 
audentem statt audendi; 616 Zm5o statt nimbo] 691 augurium 
statt auxilium. Von den abweichungen in der interpunction sind 
die II 2 — 6 und vielleicht auch I 126 zu billigen, während II 
350 und 554 Ribbeck das richtige getroffen hat. Dass Kappes 
an Ribbecks text mit unrecht sich angeschlossen, lässt sich nur 
von einer stelle behaupten, 1116 wo aliam statt illam im texte 
steht. Diese andeutungen, bei welchen die rücksicht auf kürze 
beweis und Widerlegung nicht gestattete , mögen zur kennzeich- 
nung der kritischen methode des hgs. genügen. In der Ortho- 
graphie zieht Kappes die geläufige Schreibweise vor-, er schreibt 
daher u nach v, während Ribbeck vo durchgeführt hat, ebenso 
quu statt cu; er setzt s nach ex, während Ribbeck ecsuperante 
oder exertae schreibt, und meidet die alterthümlichen formen; 
inconsequent erscheint die assimilation , die gewöhnlich auch 
gegen Ribbecks Vorgang in anwendung kommt, bisweilen ver- 
nachlässigt, z. b. I 301, II 303, 328; auffallend steht I 112 
und 172 arena, während 540 harena geschrieben ist. Die inter- 
punction ist im ganzen spärlicher, nur ausnahmsweise reichlicher 
als bei Ribbeck. Für das richtige ' verständniss der composi- 
tion' sucht der hg. besonders zu wirken; um so auffallender er- 
seheint es, dass derselbe eine einleitung zur Orientierung über 
das leben des dichters und seine werke dem commentar voraus- 
zuschicken unterlassen hat. Hier konnte z. b. über die abge- 
brochenen verse der Aeneide eine erläuterung dargeboten werden, 
die dem mündlichen Unterricht nicht vorgegriffen haben würde. 
So aber begegnet der schüler im ersten hefte bei Kappes etwa 
20 abgebrochenen versen, ohne über dieselben irgendwie vom 
herausgeber belehrt zu werden. Auch manches andere charak- 
teristische konnte in der einleitung angedeutet werden, was sich 
dann in den noten weiter ausführen liess, z. b. über versus hy- 
permetri, wie sie I 332, II 745 erscheinen, ohne dass auch nur 
da& ominöse ' vergl. gramm. ' dem schüler einen wink gäbe. Zu 
I 453 f. lustrat dum singula templo reginam opperiens, was mit 
389 nicht stimmt, wo Venus dem Aeneas geboten hatte: te re- 
ginae ad limina per/er (also nicht ad templurn), giebt Kappes die 
anmerkung : ' derartige poetische licenzen dürfen beim dichter 



Nr. 6. 206. Vergilius. 31 3 

nicht scharf genommen werden '. Andere werden solche wider- 
sprüche nicht licenzen nennen, sondern dieselben als unstatthaft 
erklären, und werden sie um so schärfer beachten und zusam- 
menstellen, da sie etwas charakteristisches in der Aeneide sind, 
man mag hierin , wie es nach den jüngsten erörterungen von 
Schenkl und Wendtland unzweifelhaft in betreff der abgebro- 
chenen verse anzunehmen ist, spuren des mangels an Vollendung 
der Aeneide oder, was hier das richtige sein dürfte, eine schwäche 
des dichters erkennen. Denn so gelungen der entwurf der com- 
positum im grossen ist, so hat doch die peinliche Sorgfalt in der 
ausmalung des details den dichter nicht selten vergessen lassen, 
welche beleuchtung über sein tableau im ganzen ausgebreitet 
ist, so dass er im einzelnen lichter aufgesetzt hat, wo es der 
Schattierung bedurfte. War es eine helle mondnacht, in welcher 
Troia eingenommen wurde, oder nicht? Die neueren erklärer 
beantworten die frage verschieden- Ladewig hebt hervor, dass 
Vergil dem nachhomerischen epos (genauer der *Ihug (itxgu des 
Lesches) folge, nach welchem vollmond gewesen sei ; doch werde 
dieser zeitweise durch wölken verhüllt. Nauck erinnert daran, 
dass nach II 360 nur noch die dunkelheit der nacht hervorge- 
hoben werde. Wagner sagt: Nisi Virgilium partim sibi in ea 
re constitisse putaveris , dicendum erit lunam subinde nubibus obduc* 
tarn fuisse. Kappes stimmt in der auffassung mit Weidner über- 
ein, wenn er zu 360 bemerkt, die dunkeln schatten seien das 
bild der schwarzen nacht inmitten des leuchtenden mondscheins. 
Aber zu 420 gesteht er zu, dass der dichter den mondschein 
vergessen habe. Man vergleiche nur unbefangen DI 250 ruit 
Oceano nox, 360 nox atra, 397 per caecam noctem, 420 obscura 
nocte, 621 spissis noctis umbris, 725 per opaca locorum: so wird 
man nicht zweifeln, dass dem dichter eine finstere nacht vor- 
geschwebt habe; damit stimmt es auch, wenn es 590 von der 
erscheinung der Venus heisst : pura per noctem in luce refulsit, und 
wenn 569 steht dant dar am incendia lucem; am deutlichsten aber 
zeigt 312 Sigea igni freta lata relucent, dass tiefes dunkel ge- 
dacht ist-, denn wäre das meer draussen vom monde beleuchtet, 
so könnte es nicht den glänz des fernen brandes spiegeln. Be- 
trachtet man nun neben diesen stellen 255 tacitae per amica si- 
lentia lunae und 340 oblati per lunam y so bleibt, wenn man aus- 
legen , nicht unterlegen will , nichts übrig als das geständniss 



314 206. Vergilius. Nr. 6. 

Wagners : Virgilium partim sibi in ea re constitisse. Wir verlan- 
gen nicht von Vergil, dass er, wie ein moderner dichter gethan 
haben würde , den gegensatz zwischen dem bleichen , stillen 
mondlicht und dem rothen, flackernden feuerschein effectvoll aus- 
beute ; aber wir setzen voraus , dass er bestimmt angedeutet 
hätte, wenn vor seiner phantasie der freundliche mond durch 
jagende wölken verdunkelt worden wäre. Eine andere incon- 
sequenz des dichters , die sich jedoch nur auf zwei stellen be- 
zieht, sucht Kappes wegzudeuteln. Sinon hat II 134 erzählt: 
vincula rupi, und 146 f. iubet Priamus manicas atque arta levari 
vincla. Zu letzterer stelle sagt Kappes, hier seien es die fesseln, 
mit denen an den händen Sinon entronnen sei , dort sei es die 
gefangenschaft, aus der er sich am altar davon losmache. Diese 
deutung ist ebenso willkürlich, wie wenn jemand 134 vincula, 
weil 146 manicae genannt sind, als pedicae verstehen wollte; 
richtig ist es, den Widerspruch einfach zu constatiren. Das 
gleiche gilt vielleicht von II 87 und 138 , jedenfalls aber von 
den widersprechenden angaben des dichters über das material 
des hölzernen rosses, worüber Kappes sich ausschweigt, während 
Nauck glaublich zu machen sucht, die einzelnen theile seien 
aus verschiedenem holze gezimmert gewesen. Aber damit lässt 
sich zwar 258 pinea claustra erklären; dagegen bleibt 16 intexunt 
abiete costas mit 112 trabibus contextus acernis und 186 roboribus 
textis unvereinbar, und als der dichter 231 sacrum röbur und 
260 cavo robore schrieb, dachte er gewiss nur an 186 und hatte 
das 16 und 112 gesagte vergessen. — Ein anderes wichtiges 
moment für die erklärung des Vergil ist die beobachtung der 
alliteration , die zwar der lateinischen spräche überhaupt und 
den römischen dichtem besonders der älteren zeit sehr geläufig, 
unter den dichtem der augusteischen periode aber namentlich 
von Vergil mit Vorliebe und in weitestem maasse angewendet 
ist. Schenkl bezieht I 55 f. Uli indignantes magno cum murmure 
montis circum claustra fremunt im hinblick auf Lucret. VI 197 
und Val. Fl. I 596 montis zu claustra; aber die alliteration 
zeigt, dass die worte magno cum murmure montis zusammenge- 
hören wie im folgenden vers circum claustra, vgl. 124 magno 
misceri murmure. Auch 117 spricht schon die alliteration für 
die Kibbeck'scke Schreibung vorat aeguore vortex, die auch Lade- 
wig vorgezogen hat, während Kappes mit Haupt und Wagner 



Nr. 6. 206. Vergilius. 315 

vertex schreibt. Obschon aber in den ersten 200 versen des 
ersten buchs der Aeneide etwa dreissig beispiele der alliteration 
begegnen, empfängt der schüler aus der Schulausgabe von Kappes 
keine andeutung darüber-, und doch Hessen sich einige ergeb- 
nisse der noch heute lehrreichen Untersuchung von Näke in ein- 
fachster weise mittheilen. Von den controversen stellen der 
beiden ersten bücher hat Kappes in einem anhang etwa 40 be- 
sprochen , die meisten treffend , manche , wie schon oben zu I 
211, 518, 670; II 616, 691 bemerkt ist, nicht überzeugend, 
andere wenigstens nicht genügend. So lässt das zur erklärung 
der schwierigen stelle I 393 — 401 im anhang wie in den noten 
beigebrachte die eigentlichen aporien ganz unberührt; über die 
frage, ob zwischen 396 und 400 eine chiastische oder anaphori- 
sche responsion stattfindet, wie sich die mit ut und haud aliter 
eingeleiteten verse 397 und 399 verhalten, findet der leser beim 
hg. keine antwort, sondern die wohlfeile frage: 'welches ist das 
tertium comparationis , welches sind die verglichenen theile?' 
Aber die frage ist nicht treffend , denn es handelt sich hier 
nicht um eine metapher oder vergleichung , sondern um Vorbe- 
deutung und erfüllung. Noch einer stelle soll hier gedacht 
werden , in welcher hg. die deutung verfehlt zu haben scheint. 
I 8 ist das neuerdings von Bährens und Schenkl übereinstimmend 
verworfene numine laeso von Kappes mit recht beibehalten wor- 
den; aber die zu numen gegebene erklärung enthält irriges. 
Mit unrecht wird eine disjunction angenommen, als ob die Muse 
in der beantwortung der frage quo numine laeso quidve dolens 
regina deum virum impulerit das numen laesum verneine, das dolere 
bejahe. Auf eine solche antwort war die frage gar nicht an- 
gelegt, sonst müsste sie lauten: utrum numine laeso an dolens 
(nescio quid) impulerit ; denn ve streift an die bedeutung von que, 
wie auch aus der note von Kappes zu II 37 ersichtlich ist. 
Ueberhaupt wird das numen laesum und dolere nicht in frage 
gestellt, sondern, indem dies vorausgesetzt ist, nur die veran- 
lassung des ersten und das object des letzten. Numen aber be- 
zeichnet allerdings den ' wink als ausdruck des willens ' , dies 
muss jedoch nicht ' befehl ' heissen , sondern kann auch den 
willen, wie er sich in stillem walten (tenditque fovetque 18) aus- 
prägt, bedeuten. Die frage des dichters nun quod Iunonis numen 
laesum sit, beantwortet die Muse (17 — 22) so: der wille , dass 



316 206. Vergilius. Nr. 6. 

Karthago regnum gentibus sei, ist verletzt durch die befürchtung 
(metuens 23) dessen, was die Parcen, wie Iuno gehört hat (20), 
gegen Karthago spinnen (22). Die frage quidve dolens löst die 
Muse (24 — 28) durch die hinweisung auf schmerzlich empfun- 
dene (25 dolores) begebenheiten, deren Juno gedenkt (memor 23). 
Hiemit dürfte auch das vom hg. zu 12 — 33 bemerkte erledigt 
sein. Der dieser besprechung bemessene räum gestattet nicht, 
weitere punkte in ähnlicher weise zu erörtern. Es reicht hin 
kurz anzudeuten, dass zu den stellen, an denen eine erläuterung 
vermisst wird, I 6 unde (vgl. 19, 235), 7 patres, 9 volvere (vgl. 
240), 36 sub (vgl. 56 circum), 123 wo die zufällige oder beab- 
sichtigte häufung desselben vocals auffällt, 133 caelum terramgue, 
266 Rutulis subactis (casus), 292 cana Vesta (vgl. V 744), 370 
talibus (vgl. 559) u. s. w. gehören; dass unrichtige noten z. b. 
zu I 164 f., 195 cadis (dativ), 237 pollicitus (vgl. 202, 367), 
246 proruptum (particip), 323 tegmine (vgl. Madvig, Kleine philol. 
Schriften p. 414 ff.) gegeben werden, endlich dass manche an- 
merkungen zweifelhaft, manche unnöthig erscheinen. Setzen wir 
hinzu, dass vielfach die fassung der erläuterungen salopp ge- 
nannt werden muss ; dass dasjenige, was der meister K W. Krüger 
Ökonomie eines commentars genannt hat, sehr oft (z. b. I 16 
und 617, II 4 und 88) vernachlässigt ist, dass auch der druck 
weniger correct ist, als es in Teubner'schen verlagswerken der 
fall zu sein pflegt (vgl. z. b. DI 136, 422, wo text und noten 
einander widersprechen) : so ergiebt sich, dass die Schulausgabe 
von Kappes durchgreifender correctur bedarf. Dass sie solcher 
erneuerung auch würdig sei, wird hiemit ausdrücklich an- 
erkannt. 

207. Dr. Härtung. Eömische Auxiliartruppen am Rhein. 
Zweiter theil. Hammelburg 1875. Hiller'sche buchdruckerei. 
4. 27 s. 

Der verf. sucht in vorliegender abhandlung, welche den 
zweiten theil und damit den schluss der oben V, 8, p. 411 f. 
angezeigten schrift bildet, nachzuweisen, welche römische auxili- 
artruppen in der zeit von Trajan bis zu den dreissig tyrannen 
am Rhein gestanden haben. Er zerlegt diesen Zeitraum in die 
beiden abschnitte von Hadrian's thronbesteigung bis zur been- 
digung des Markomannenkrieges (p. 1 — 14) und von da bis zu 



Nr. 6. 208. Römische altertMmer. 317 

den dreissig tyrannen (p. 14 — 21). Jedem abschnitte schickt 
er eine kurze übersieht über diejenigen Verhältnisse des römi- 
schen reiches voraus, welche militärische dislocationen veranlassen 
konnten, bestimmt darauf den bestand des römischen heeres so- 
wohl in Ober- als Niedergermanien an legionen, und geht dann 
an der hand der inschriften und militärdiplome an die lösung 
seiner aufgäbe, die ihm wohl gelungen ist. Am ende jedes ab- 
schnittes giebt er eine Übersicht seiner resultate und am Schlüsse 
des ganzen ein alphabetisches verzeichniss sämmtlicher während 
der in beiden abhandlungen besprochenen perioden in Germanien 
nachweisbaren Alen, Cohorten und Numeri. 

208. Anton Linsmayer. Der triumphzug des Germa- 
nicus. München. Lindauer 1875. 8. 89 s. 

In dieser schrift hat der verf. die beiden ausführlicheren 
berichte, welche wir über den triumphzug des Germanicus im 
j. 17 n. Chr. haben, einer eingehenden und gründlichen Unter- 
suchung unterzogen, um darzuthun, dass die gemahlin und der 
söhn des deutschen freiheitshelden Arminius jenen triumphzug 
des römischen feldhern nicht geziert haben. "Während nämlich 
Tacitus Ann. LT, 41 einfach überliefert: vecta spolia, captivi, 
simulacra montium, fluminum, proeliorum, und nur anzugeben 
weiss, dass die äugen der Zuschauer sich vornehmlich auf die 
herrliche gestalt des triumphierenden und seine fünf kinder 
richteten, von merkwürdigen gefangenen aber (vgl. Ann. I, 57) 
nichts erwähnt, erzählt uns Strabo VIT, p. 292 f. von dem über- 
aus glänzenden triumphzug des Germanicus , bei welchem Segi- 
mund des Segestes söhn, Thusnelda die tochter des Segestes 
und gemahlin des Arminius mit ihrem dreijährigen söhne Thu- 
melikus und andere vornehme Germanen im triumph aufgeführt 
worden seien. Der verf. weist auf die verschiedenen irrthümer 
hin, welche sich bei Strabo finden, fragt wie dem um dieselbe 
zeit in Kleinasien schreibenden geographen seine nachrichten 
zugekommen seien, und schliesst, dass er nur unzuverlässige münd- 
liche nachrichten erhalten habe. Gegen die annähme, Tacitus 
habe bei seiner kürze die angäbe der im triumph aufgeführten 
gefangenen als minder erheblich bei seite gelassen, bemerkt der 
verf. , dass es ein schreiendes unrecht gewesen wäre , wenn die- 
jenigen, denen man vorher incolumitas zugesichert (Tac. Ann. 



318 209. Paedagogik. Nr. 6. 

I, 58), aufgeführt worden wären, und dass eine solche treulosigkeit 
Tacitus, der am triumphe selber mäkelt, kaum ungerügt gelassen 
hätte. Ferner wird darauf hingewiesen , dass die läge jener 
verwandten des Segestes, nachdem ihnen schütz und volle Scho- 
nung gewährt worden, nicht der art gewesen sei, dass sie im 
triumphe aufgeführt oder von Tacitus zu den gefangenen ge- 
rechnet werden konnten. Wer die weitere ausführung dieser 
und anderer begründungen liest , wird den beweis ex silentio 
bei Tacitus nicht als so unbegründet finden, wie er beim ersten 
anblick scheinen mag und jedenfalls die Überzeugung gewinnen, 
dass der bericht des Strabo an und für sich nicht als eine ge- 
hörig beglaubigte thatsache gelten könne. 

Die schrift ist ebenso von patriotischem wie von wissen- 
schaftlichem geiste getragen und wie sich's gebührt, zur ent- 
hüllungsfeier des Hermann-denkmals im Teutoburger wald ge- 
widmet. W. 



209. Higher schools and universities in Germany, by 
Matthew Arnold. London, Macmillan and Co. 1874. 8°. 
(LXXXVIII und 270 s.). 

Wir Deutschen haben uns mit recht gewöhnt, auf das 
urtheil der Engländer über Zweckmässigkeit und unzweckmä- 
ßsigkeit öffentlicher Institutionen Deutschlands ein ganz beson- 
deres gewicht zu legen, und so wird auch der leser mit in- 
teresse den sachkundigen ausführungen von M. Arnold über 
das höhere schul- und Universitätswesen Deutschlands folgen, 
wie dieselben in dem oben genannten , elegant ausgestatteten 
und sachgemäss stylisirten werk vorliegen. Dieses ist im we- 
sentlichen eine auszugartige zweite aufläge von des verfs. werk: 
Schools and Universities on the Continent, das im jähre 1868 ver- 
öffentlicht war. Indem der vfr. in dieser zweiten aufläge alles 
dasjenige fortliess, was nicht auf das deutsche Unterrichtswesen 
bezug hat, hat er noch schroffer als in der ersten aufläge die 
Vorzüge des deutschen Unterrichtswesens anerkannt, welches er 
mit winzigen ausnahmen als erstrebenswerthes Vorbild für die 
der reform bedürftigen Unterrichtsverhältnisse Englands hinstellt. 
Leider hat der verf. , welcher im jähre 1885 im auftrage der 
Schools Enguiry Commissioners ungefähr sieben monate lang den 
continent bereiste , für diese zweite aufläge seines werks keine 



Nr. 6. 209. Paedagogik. 319 

neue Studienreise nach Deutschland unternommen, und so kommt 
es, dass einzelne irrthümer aus der ersten aufläge stehen geblie- 
ben sind, welche bei erneutem besuch der deutschen höheren 
lehranstalten vom verf. von selbst würden verbessert worden 
sein. Auf der andern seite ist in Deutschlands Schulwesen selbst 
während des letzten decenniums bekanntlich durch unbesonnene 
nährung des materialistischen hanges einer durch glückliche kriege 
verwöhnten masse gar manche bedenkliche neuerung versucht 
worden, so dass wir zuweilen über das unbedingte lob erröthen 
müssen, welches der verf., von seiner anschauung von 1865 her, 
unseren höheren schulen zollt. 

Nach einer, für den deutschen leser weniger fesselnden, 
etwas langathmigen vorrede, in welcher der verf. für errichtung 
einer katholischen Universität in dem von den Engländern stief- 
mütterlich behandelten Irland plaidirt, geht er an seine eigent- 
liche aufgäbe: die Schilderung der deutschen Schulverhältnisse, 
indem er fast ausschliesslich Norddeutschland, spezieller die alt- 
preussischen provinzen berücksichtigt. Bedauerlich ist es , dass 
der verf. (vgl. besonders p. 72) noch das inzwischen veraltete 
prüfungsreglement für die candidaten des höheren schulamts 
seiner Schilderung zu gründe legt, statt von dem am 12. dezem- 
ber 1866 erlassenen, viel besprochenen und viel befeindeten, 
jetzt in Preussen und Elsass-Lothringen gültigen reglement aus- 
zugehen und über dessen einzelbestimmungen ein begründetes 
urtheil abzugeben. — Was der verf. p. 116 von dem verhält- 
nissmässig geringen talent deutscher schüler im lateinschreiben 
gegenüber der grösseren gewandtheit von Franzosen und selbst 
von Engländern bemerkt, ist leider durchaus richtig ; er würde 
dieselbe bemerkung auch im modernen Italien haben machen 
können. Bei den modernen romanischen Völkern erklärt sich 
die grössere gewandtheit im lateinschreiben durch die nähere 
Verwandtschaft der muttersprache der schreibenden mit dem 
lateinischen idiom. Dazu kommt aber noch, dass in Deutschland 
der sinn für formale gewandtheit im mündlichen und schriftli- 
chen gebrauch der lateinischen spräche in bedauerlicher weise 
grade in jüngster zeit abgenommen hat; soll es doch selbst mit- 
glieder philosophischer facultäten geben, die es bequem finden, 
den schriftlichen gebrauch der lateinischen spräche überhaupt 
als einen veralteten Standpunkt zu bezeichnen! Ein bruchtheil 



320 209. Paedagogik. Nr. 6. 

der promotionsschriften einiger deutscher Universitäten zeigt die 
erbärmlichkeit bis zu dem grade von Schamlosigkeit herabge- 
sunken, dass man sogar in themen, die die klassische philologie 
nahe streifen, wie in auf die alte griechische und römische ge- 
schichte bezüglichen themen, die deutsche spräche angewandt 
findet. — Am schluss von cap. VI hält der verf. mit recht die 
realschule erster Ordnung für im wesentlichen verfehlt; seine 
darauf bezüglichen bemerkungen sind durchaus beachtenswerth ; 
die vom vfr. im cap. VII empfohlene Verbindung von gymnasial- 
und real-studien bietet praktisch zum theil Schwierigkeiten für die 
ausführung ; das eine aber ist allerdings festzuhalten, dass nichts 
verderblicheres gedacht werden kann, als wenn man die männ- 
liche jugend der besten gesellschaftsklassen schon in den frühen 
Stadien ihrer entwicklung in zwei einander nicht mehr verste- 
hende massen theilen wollte, wovon die eine nur humanistische, 
die andere nur realistische bildungselemente in sich aufnähme. 
Eine solche tollheit würde schliesslich zu einer vollkommenen 
auflösung der besseren gesellschaft hinführen müssen, da die zwei 
massen gegenseitig der anderen wünsche und streben nicht fassen, 
ihnen also auch nicht gerecht werden könnten. 

Bedenklich ist es, dass der verf. (nach p. 227) für die Ju- 
risten kenntniss des griechischen nicht zu fordern scheint. Un- 
sere deutsche juristische jugend folgt leider dem satze Graeca 
non leguntur bis zu dem grade, dass gar viele nicht im stände 
sind , neben Justinians lateinischem Corpus iuris die Basiliken 
einzusehen und zur vergleichung heranzuziehen; aber solche 
jämmerliche wirthschaft soll man eben beseitigen, nicht vollends 
reglementsmässig sanctioniren. — Einspruch müssen wir endlich 
auch gegen den (p. 241) vom verf. ausgesprochenen wünsch 
erheben, es möchten in England, wo nicht eine volle Universität 
erreichbar sei, ein paar facultäten eingerichtet werden. Der 
Student soll sich eben nicht als angehöriger einer fachschule 
fühlen, er soll die gelegenheit haben, während seiner speci- 
ellen fachstudien auch in anderen facultäten gepflegte Wissen- 
schaften wenigstens in ihren allgemeinen umrissen zu studiren. 



210. TQayovdiu Qitffxa'ixu. Neugriechische Volkslieder mit 
einleitung, commentar und glossar. Von dr. Alois Luber. Im 



Nr. 6. 210. Neugriechische poesie. 321 

programm des k. k. Staatsgymnasiums in Salzburg 1874. 
25—85 s. 

Eine arbeit, bei der mehr der wille, als die kräfte zu loben 
sind. Sie mag ihren zweck, gebildeten laien und Schülern der 
obern gymnasialklassen eine ungefähre Vorstellung vom neugrie- 
chischen zu geben, wohl erfüllen-, aber die auswahl ist doch 
allzu dürftig , nur zwölf Volkslieder (text nach Passow). Das 
glossar ist recht fleissig gearbeitet, doch waren die hilfsmittel 
des verfs. allzu beschränkt. Ueber das 'treffliche werk' von 
Mullach, das den grammatischen auseinandersetzungen zu gründe 
gelegt ist, denken andere anders. Die auseinandersetzung auf 
p. 70 über hfitgi gegen Passow ist wohl billigenswerth, dagegen 
was die Verbindung von 7cr\yulvw nayuivu) mit itr\yr\ Tl^yaaog 
nrjyvvfit p. 78 betrifft, geben wir dem verf. zu bedenken, erstens 
dass vnayirto oder vnuyutvu) im mittelgriechischen wirklich nach- 
weisbar ist (z. b. Flor, und Platziafl. 38 vnayutvovGiv Imber. 
nnd Margar. 506 vrcuyaivH, Apollon. 235 vttü, Imb. 418 vä 
vnufisr, Kovyx. 34 vTtaysvav, 98 vnayevovv, 267 ü.q vTtuysviofjiev, 
783 vnayuiru, 1151 vnaysvav), und dass zweitens der nachweis, 
dass jnjyvvfii Il^yuaog n^yiq (was zu diesen gar nicht gehört) 
'ebenfalls den begriff der bewegung in sich enthalten ', doch wohl 
einigermassen schwierig sein dürfte. 

Gustav Meyer. 

211. Komödianten-Fahrten. Erinnerungen und Studien 
von Karoline Bauer. Herausgegeben von Arnold Wellmer. 
Mit einem portrait der Verfasserin. 8. Berlin. 1875. Verlag 
der königl. geheimen ober -hof- buchdruckerei. (ß. v. Decker). 
XLIII und 421 s. — 7 mk. 50 pf. 

Dies buch schliesst sich als eine fortsetzung an das von 
uns im Phil. Anz. IV, 8, p .420 angezeigte an, und halten wir 
uns dieser anzeige wegen für verpflichtet auch über dies neue 
in der kürze zu bei-ichten , obgleich sein inhalt von dem des 
ersteren sich sehr unterscheidet , und deshalb uns ferner liegt. 
Denn dies neue handelt theils von bedeutenden, mit der deut- 
schen bühne seit dem vorigen Jahrhundert in Verbindung ste- 
henden persönlichkeiten , theils von meist den höchsten und hö- 
heren ständen angehörenden männern und frauen , welche der 
vrfin. auf ihren reisen bekannt geworden , wie die gräfin Lux- 



322 211. Biographie. Nr. 6. 

bürg , eine der geliebten Napoleons I. , die lady Ellenborough, 
die gräfin Narischkin und ihr verhältniss zu kaiser Alexander 
von Russland, Friedrich Wilhelm III. und dessen geheimsekretair 
Timm, die königin Caroline von England, gemahlin Georgs IV., 
u. s. w. Daher wüsste ich denn aus dem bereiche des in der 
ersten anzeige besprochenen Stoffes auch nur sehr wenig zu ver- 
zeichnen: so den Schauspieler Jerrmann (p. 198) "wegen der art 
und weise, wie er sich der feinen ausspräche des französischen 
zu bemächtigen wusste: ähnlich dem Demosthenes nahm er beim 
sprechen 12 — 14 knochen von kalbsfüssen in den mund, eine 
äusserst schmerzhafte Operation: ferner wie derselbe (p. 192) 
mimik studiert hat; auch sind die bemerkungen p. 182 über 
die grosse der bühne, die an Tieck erinnern, für das athenische 
theater zu beachten; endlich p. 100 nach Schilderung des Ver- 
kehrs mit Friedrich "Wilhelm III. die worte: 'klingt das nicht 
ein wenig anders als in den scandalsüchtigen tagebüchern des 
herrn von Varnhagen?'. 

Studien hat die vrfin. das buch genannt, weil über die 
geschichte des theaters in Hamburg und den kreis Schröders, 
über Leipzig und die Neuberin so wie über Göthe's aufenthalt 
daselbst, über die Weimar'sche truppe zu Göthe's zeit, über den 
sg. theatergrafen von Hahn und anderes vor der zeit der vrfin. 
liegende sie sich ausführlich auslässt. Ueberall aber sowohl in 
den eigenen erlebnissen wie in denen anderer, in der gegenwart 
wie in der Vergangenheit verräth sich in der darstellung eine 
äusserst lebendige phantasie , welche die vrfin. befähigt , sich 
völlig in die denkweise und läge der zn schildernden zeiten 
und personen zu versetzen und somit das was sie schreibt selbst 
beim schreiben wieder zu durchleben: dadurch und wegen des 
überall als grundlage erscheinenden edlen sittlichen gefühls ver- 
bunden mit beherrschung der spräche werden die Schilderungen 
der vrfin. wirklich vortrefflich. Und somit empfehle ich nament- 
lich denen , die , mit mir gleichaltrig , in ihren jungen jähren 
aus liebe zur kunst das theater fleissig besucht, später aber aus 
irgend gründen diesen genuss entbehrt haben, die lectüre dieses 
buchs : sie werden dabei oft auf eine anmuthige weise in die schöne 
zeit der nach idealen strebenden jugend zurückversetzt werden. 

E. v. L. 



Nr. 6. Theses. 323 

Theses. 

G. Laufenberg quaestiones chronologicae de rebus Parthicis Ar- 
meniisque a Tacito in 11. XI — XVI ab exe. d. A. enarratis. Diss. hi- 
storica quam ... in universitate Fridericia Guilelmia Rhenana . . . 
d. XIV m. Aug. a. MDCCCLXXV defendet: II. de rebus parthicis quae 
tradidit Josephus minoris facienda sunt quam quae Tacitus: III. Dio 
quin in particula historiae Parthicae LXII, 19 — 23non ex Tacito ipso 
hauserit, verum ex aliis bistoricis, quibus et Tacitus usus est, non 
dubito: V. Tac. Germ. 35 verba: plurimum virorum equorumque spuria 
habenda sunt: VI. Tac. Agric. 13 pro velox ingenii, mobilis poeniten~ 
tiae legendum est: velox . . . po enitentia. 

G. Loeschke, de titulis aliquot Atticis quaestiones bistoricae. Diss. 
inaug. quam ... in universitäre Fridericia Guilelmia Rhenana . . . 
d. XXII m. Januar a. MDCCCLXXVI . . . defendet: I. Aristophanis 
et Nubes et Acharnenses alterius nee tarnen absolutae retraetationis 
indicia prae se feruut. Iterum autem doeta est neutra. — II. Clitar- 
chus de Alexandro historias post a. 304 a. Ch. n. condidit. Cf. Arrian. 
Anab. VI, 11, 8. - III. Scripsit Pomp. Mela III, 5,8 p. 72 ed. Par- 
they : ultra Caspium sinum quidnam esset ambiguum aliquamdiu fuit, 
Indiaene (idemne codd.) Oceanus an tellus infeeta frigoribus sine am- 
bitu ac sine fine proieeta. Sed praeter physicos Homerumque [qui] 
Universum orbem mari circumfusum esse dixit (codd. dixerunt) Corne- 
lius Nepos et ctr. — IV. Collegis a prytania recedentibus Miltiadem 
in pugna Marathonia prineipatum tenuisse Philaidarum inventum est. 
— V. Aeschyli frg. 395 Nauck. ita fere legendum est: AXavrog üßiv 
nQog vötov y.tiTai nvoäg. — VI. Supplendum est C. I. A. 227 frg. 5 v. 
8 naglnaoHÖmi], 238,11 v. 12 \4\_CTKxrjvoi], 239, II v. 12 [7V«ftot], v. 
13 [Kiavoi], v. 15 ^Ahtmt«ovv^moi\, 257, I v. 39 n[Uvprj\. — VII. 
Herodotus VIII, 85 2ahtfut>og , non 'Eltvdlvog , scripsit. Nam hoc si 
scripsisset et secum ipse et cum Aeschylo atque Ephoro pugnaret. 
Cf. Herod. VIII, 76. Aeschyl. Pers. v. 450 sqq. Diod XI, 18 v. 23 ed. 
Bekk. — VIII. Superest decreti honorarii pro Archeiao Macedonum 
rege ab Atheniensibus facti fragmentum C. I. A. 82. Cf. Andoc. de 
red. § 11. — IX. Largitionem in Minervae Victoriae et Dianae qpwtfyo- 
qov honorem VI. Boedromionis die Athenienses instituebant. Cf. C. 
I. A. 189a v. 17 — 19. Benndorf. Beiträge zur Kenntniss des att. The- 
aters p. 68. Tab. nr. 46. — X. Aristophanis Acharnensium interci- 
derunt versus complures inter 8 et 9. Cf. v. 2. — XL Anaximander 
iv ty&vGw lyyfviGftici io tiqwtov avftgujnovg unoqetivtrai xcel TQnqsvTCts 
wentg cd qcikcavcti, xtL Insuke enim traditur wamo oi nctkaioi Plut. 
Quaest. symp. VIII, 8, 4. — XII. In Marathoniae pugnae pictura Cy- 
negirum canis imagine insignem reddidit Mico. Cf. Overbeck , S. Q. 
1083. 



Neue auflagen. 

212. Freunds schülerbibliothek. Präparation zu Homers Ilias. 8. 
hft. 3. aufl. 16. Leipzig. Violet-, 50 pf. — 213. Aeschyli Septem 
adversus Thebas. Ex rec. G. Hermanni iterum edidit Fr. Ritsch/. 8. 
Lips., Teubner ; 3 mk. — 214. Freunds schülerbibliothek. Präparation 
zu Sophokles werken. 12. hft. 2. aufl. 16. Leipzig. Violet; 50 pt. 
— 215. Herodot erklärt von H. Stein. 5. bdeh. 3. aufl. 8. Berlin. 
Weidmann; 2 mk. 25 pf. — 216. Freunds schülerbibliothek. Präpa- 
ration zu Herodots werken. 2. hft. 2. aufl. 16. Leipzig. Violet; 
50 pf. — 217. Thucydides erklärt von J. Classen. 3. bd. 2. aufl. 
Berlin. Weidmann; 2 mk. 25 pf. — 218. Freunds schülerbibliothek. 



324 Neue auflagen. Nr. 6. 

Präparation cett. zu Xenophons Cyropädie. 2. hft. 3. aufl. 16. Leip- 
zig. Violet; 50 pf. — 219. Piatonis Symposium. In usum scholarum 
ed. O. Jahn. Ed. 2 ab H. Usenero recognita. 8. Bonn. Marcus; 3 
mk. — 220. Freund cett. Präparation zu Piatos Apologie des Sokrates. 
1. hft. 2. aufl. 16. Leipzig. Violet.; 50 pf. — 221. H. Ritter et 
L. Preller historia philosophiae Graecae et romanae ex fontium locis 
contexta. Ed. 5. curavit Teichmüller. Gothae. Perthes; 8 mk. — 
222. H. Bonitz, platonische studien. 2. aufl. 8. Berlin. Vahlen ; 
7 mk. — 223. T. M. Plautus ausgewählte komödien. Erklärt von 
J. Brix. 4. bdch. Miles gloriosus. 8. Leipzig. Teubner ; 1 mk. 50 
pf. — 224. P. Vergili Maronis Aeneis. Illustravit G. G. Gossrau. 
8. Ed. 2. Quedlinburg. Basse; 15 mk. — 225. Freunds schülerbiblio- 
thek. Präparation zu Vergils Aeneis. 5. hft. 4. aufl. 16. Leipzig. 
Violet ; 50 pf. — 226. Desselb. Präparation zu Horaz werken. 2. 
hft. 3. aufl. Leipzig. Violet; 50 pf. — 227. Desselb. Präparation 
zu Cäsars gallischem kriege. 2. hft. 4. aufl. 16. Leipzig. Violet; 
50 pf. — 228. T. Livi ab urbe condita libri. Erklärt von W. Weissen- 
born. 9. bd. 1. hft. 2. aufl. 8. Berlin. Weidmann ; 2 mk. 25 pf. 

— 229. Freunds schülerbibliothek. Präparation zu Tacitus werken. 
4. hft. 2. aufl. 16. Leipzig. Violet ; 50 pf. — 230. Ciceros ausge- 
wählte reden. Erklärt von C. Hahn. 3. bdch. 9. aufl. 8. Berlin. 
Weidmann; 1 mk. 50 pf. — 231. A. Fick, vergleichendes Wörterbuch 
der indo - germanischen sprachen. 2. bd. 3. aufl. 8. Göttingen. 
Vandenhöck u. Ruprecht; 14 mk. — 232. W. Pape, deutsch-griechi- 
sches handwörterbuch. 3. aufl. bearbeitet von M. Sengebusch 2. abd. 8. 
Braunschweig. Vieweg; 6 mk. — 233. W. Pape, handwörterbuch der 
griechischen spräche. 2. bd. 2. aufl. 7. abdruck. 8. Braunschweig. 
Vieweg ; 18 mk. — 234. W, Pape, Wörterbuch der griechischen eigen- 
namen. 3. aufl. neu bearbeitet von G. F. Benseier. 2. abdruck. 8. 
Brauschweig. Vieweg; 18 mk. — 235. M. Duncker, geschichte des 
alterthums. 4. aufl. bd. 3 complet. 8. Leipzig. Duncker u. Hum- 
blot; 8 mk. — 236. F. Gahl und W. Koner, das leben der Griechen 
und Römer. 4. aufl. 3. lief. Berlin. Weidmann; 1 mk. — 237. 
F. Geibel, classisches liederbuch. Griechen und Römer in deutscher 
nachbildung. 8. Besser. Berlin; 3 mk. 50 pf. — 238. K. Lehrs, po- 
pulaire aufsätze aus dem alterthum, vorzugsweise zur ethik und reli- 
gion der Griechen. 2. aufl. 8. Leipzig. Teubner; 11 mk. — 239. 
H. W. Stoll, bilder aus dem altgriechischen leben. 2. aufl. 8. Leipzig. 
Teubner ; 4 mk. 50 pf. — 240. H. W. Stoll, die götter und heroen des 
classischen alterthums. 2.bde. 5. aufl. 8. Leipzig. Teubner; 4 mk. 40 pf. 

— 241. L. Preller, griechische mythologie. 2. bd. die heroen. 3. aufl. be- 
sorgt von F. Plew. 8. Berlin. Weidmann ; 5 mk. — 242. K. O. Müller, 
geschichte der griechischen literatur bis auf das Zeitalter Alexanders. 3. 
aufl. 1. bd. 8. Stuttgart, Heitz ; 6 mk. — 243. G. Bernhardt/, grundriss 
der griechischen literatur. 4. bearb. 1. thl. 8. Halle. Anton; 18 
mk. 50 pf. — 244. F. F. Richter, lehrbuch der harmonik. 11. aufl. 
8. Leipzig. Breitkopf u. Härtel; 5 mk. — 245. F. Hiller, Übungen 
zum studium der harmonik und des contrapunktes. 6. aufl. 8. Köln. 
Mont-Schauberg; 4 mk. — 246. Th. Mommsen, römische geschichte. 
6. aufl. inhaltsverzeichniss. Berlin. Weidmann; 80 pf. — 247. F. 
Munk, geschichte der römischen literatur. 2. aufl. besorgt von O. 
Seyffert. 1. bd. 8. Dümmler. Berlin; 5 mk. — 248. W. Wattenbach, 
das schriftwesen im mittelalter. 2. aufl. 8. Leipzig. Hirzel; 11 mk. 

— 249. A. Stockt, lehrbuch der geschichte der philosophie. 2. aufl. 
8. Mainz. Kirchheim ; 10 mk. — 250. Lessings werke herausgegeben 
von R. Gosche. Illustr. ausg. 8. lief. 51. 52. Berlin. Grote ; ä 50 pf. 



Nr. 7. Neue Schulbücher. 325 



Neue schulbucher. 

251. Homers Ilias erklärt von V. JB.. Koch. 6. hft, 2. aufl. 8. 
Hannover. Hahn; 1 mk. — 252. Homers Odyesee. Erklärende Schulaus- 
gabe von H. Düntzer. 1. hft. 2. Ifg. 2. aufl. 8. Paderborn. Schö- 
ningh ; 1 mk. 50 pf. — 253 Arrians Anabasis. Erklärt von K. Abicht. 
2. hft. 8. Leipzig. Teubner; 2 mk. 25 pf. — 254. K. Schenkt, grie- 
chisch-deutsches Schulwörterbuch. 5. abdr. 8. Wien. Gerold; 5 mk. 

— 255. Desselben Vocabulario greco-italiano. 3. ed. 8. ebendas. ; 10 
mk. — 256. G. E. Benseier, griechisch-deutsches Schulwörterbuch. 5. 
aufl. besorgt von J. Rieckher. 8. Leipzig. Teubner; 6 mk. 75 pf. — 
257. Griechische schulvorschriften. 4. aufl. gr. 4. Halle. Waisenhaus; 
25 pf. — 258. K. W. Krüger, griechische Sprachlehre für schulen. 1. 
thl. 1. hft. 5. aufl. besorgt von W. Sockel. 8. Krüger. Leipzig; 2 mk. 

— 259. F. Bellermann, griechische schulgrammatik nebst lesebuch. 2. 
thl. lesebuch. 4. aufl. 8. Leipzig. Felix; 1 mk. 20 pf. — 260. W. 
Gaupp , lateinische anthologie für anfänger. 4. aufl. 8. Stuttgart. 
Kitzinger ; 1 mk. 80 pf. — 261. K. E. Georges lateinisch-deutsches 
Schulwörterbuch zu Terenz, Cicero, Cäsar. 8. Leipzig. Hahn ; 3 mk. 
75 pf. — 262. Th. Opitz, lateinische Vorschule. 1. kursus. 3. aufl. 8. 
Leipzig. Brandstetter; 1 mk. 80 pf. — 263. G. A. Koch, erklärendes 
Wörterbuch zu den lebensbeschreibungen des Cornelius Nepos. 5. aufl. 
8. Hannover. Hahn; 1 mk. — 264. G. A. Koch, vollständiges Wörter- 
buch zu den gedichten des P. Vergilius Maro. 5. aufl. 8. Hannover. 
Hahn; 4 mk. 50 pf. — 265. Wellers lateinisches lesebuch aus Livius. 
Wörterbuch. 4. aufl. 8. Leipzig. Hirzel ; 50 pf. — 266 Fr. Ellendts latei- 
nisches lesebuch für die unteren classen höherer lehranstalten. 18. 
aufl. bearbeitet von M. A. Seyffert. 8. Berlin. Bornträger; 1 mk. 60 
pf. — 267. J. Lattmann, lateinisches Übungsbuch. 4. aufl. 8. Göttingen. 
Vandenhöck u. Ruprecht; 1 mk. 40 pf. — 268. W. Baur und L. 
Enghnann, aufgaben zu lateinischen stilübungen. 2. thl. (prim.) 3. 
aufl. 8. Bamberg. Buchner; 2 mk. 60 pf. — 269. L. Vielhaber, auf- 
gaben zum übersetzen ins lateinische zur einübung der syntaxe. 1. 
hft., die casuslehre. Für die 3. classe. 5. aufl. 8. besorgt von Fr. 
Schmidt. Wien. Halder; 1 mk. 44 pf. — 270. H. Wentzel und G. 
Franke übungsbueh zum übersetzen aus dem deutschen ins französi- 
sische für die oberen classen höherer lehranstalten. 8. Leipzig. Teubner ; 
2 mk. 40 pf. — 271. H. Schmidt, elementarbuch der lateinischen 
spräche. 2. thl. 3. aufl. 8. Neustrelitz. Barnewitz; 2 mk. — 272. C. 
Bulle und C. Wagener, lateinisches Übungsbuch für anfänger. 2. aufl. 
8. Heinsius. Bremen ; 2 mk. 50 pf. — 273. M. Meiring, Übungsbuch 
zur lateinischen grammatik u. s. w. 2. abth. 2. aufl. 8. Bonn. Cohen 
u. söhn ; 1 mk. 40 pf. — 274. H. Warschauer , Übungsbuch zum 
übersetzen aus dem deutschen ins lateinische für tertia. 8. Jena. 
Frommann; 1 mk. 60 pf. — 275. L. Englmann, lateinisches lesebuch 
für die 2. u. 3. classe der lateinschule. 6. aufl. 8. Bamberg. Buch- 
ner ; 1 mk. 50 pf. — 276. E. Berger, lateinische grammatik. 9 aufl. 
8. Coburg. Kariowa ; 3 mk. — 277. R. Kühner, elementargrammatik 
der lateinischen spräche. 38. aufl. 8. Hannover. Hahn; 3 mk. — 
278. 31. Meiring, kleine lateinische grammatik für die unteren classen 
der gymnasien , real- und höheren bürgerschulen. 2. abth. 2. aufl. 
8. Bonn. Cohen u. söhn; 2 mk. 20 pf. — 279. A. Kuhr, schulgram- 
matik der lateinischen spräche nebst Übungsstudien zum übersetzen 
in das lateinische. 5. aufl. 8. Berlin. G. Reimer; 1 mk. 75 pf. — 
280. A. Haacke, lateinische stylistik für die oberen gymnasialklassen. 
2. aufl. Berlin. Weidmann ; 4 mk. — 281. G. Schöne, griechische, 
römische , deutsche sagen für den Unterricht in den unteren classen. 

Philol. Anz. Vü. 21 



MB Bibliographie. Vt. 7. 

3. aufl. 8. Iserlohn. Bädeker; 50 pf. — 282. E. Cauer, geschichts- 
tabellen zum gebrauch für gymnasien und realschulen. 21. aufl. 8. 
Breslau. Trewendt; 60 pf. 



Bibliographie. 

Ueber die New- Yorker buchhändlermesse giebt einige kurze notizen 
Börsenbl. nr. 194. 

Im Börsenbl. nr. 194 werden missbräuche in betreff der recen- 
sions-exemplare besprochen: es ist vom Standpunkt des Verlegers aus 
wohl fast alles richtig: es wird aber die Stellung der redacteure gar 
nicht beachtet. Der Verleger wünscht schleunig eine recension: soll 
diese aber gut sein , so muss ein guter d. h. ein im betreffenden fach 
'bewanderter recensent bereit sein, der oft sehr schwer zu finden ist; 
hat man ihn, so verlangt er, soll die recension wissenschaftlich werth- 
voll sein, zeit zu ihrer abfassung: ist nun die recension da, so fehlt 
oft dem redakteur räum für sie — der stoff ist ja übergross. Um 
anderer dinge zu geschweigen, es wird auch verlangt, dass, erscheinen 
keine recensionen , die recensions-exemplare zurückgeschickt werden 
sollen: aber dabei ist zu beachten, dass die Verleger gar oft den Zeit- 
schriften bücher zuschicken, die in deren kreis gar nicht gehören ; dann 
dass solches schicken sehr viel zeit kostet und an dieser leidet kein mensch 
mehr rnangel, als ein gewissenhafter redakteur, der ja nach unseren 
armseligen zuständen die redaktion neben einem mühevollen amte be- 
treiben muss, will er leben. Es wird übrigens manchen von diesen 
klagen abgeholfen werden, wenn die eingeschickten Schriften, wie die 
augsburger Allgemeine zeitung angefangen, am ende der hefte ver- 
zeichnet werden: sobald die redaktion dieses Anzeigers wieder etwas 
freiere hand hat, wird das hier geschehen. — Eine entgegnung auf den 
artikel in nr. 197 bringt Börsenbl. nr. 207 von Paul Keil in Breslau 
vom Standpunkt der Zeitungen aus : er mag wohl auch in den meisten 
punkten nicht unrecht haben, wie auch aufsätze von buchhändlern 
im Börsenbl. nr. 219, 243 zugestehen. Auch s. nr. 231, wo aufschlüsse 
darüber gegeben werden, weshalb bei den anzeigen der einer zeitung 
zugeschickten bücher die preise nicht angegeben würden; dann 
würden die buchhändler die sonstige und zwar die zu bezahlende Inser- 
tion unterlassen. Was bewirkt nicht alles das geld! 

Humor im buchhandel : Börsenbl. nr. 196: daraus hier die adresse: 
'an herrn buchhändler Apud Weidmann in Berlin.' 

Börsenbl. nr. 200 bringt auch die mähr von der lateinischen bio- 
graphie Cato's, die quelle des Plutarch: s. ob. nr. 3, p. 163. Es 
ist doch erfreulich zu sehen, in wie weiten kreisen auf die philologie 
noch geachtet wird, freilich besonders dann, wenn etwas wie spott 
oder höhn dabei sein kann! 

Nekrolog von dr. iur. Hermann Härtel im Börsenbl. nr. 207. 

Aus dem werke von A. Czerny : ' die bibliothek des Chorherrn- 
stiftes St. Florian' theilt einen abschnitt Börsenbl. nr. 211 mit: zur 
kenntniss der handschriftenpreise und des einbandwesens im mittel- 
alter. Es werden dabei fast ausschliesslich theologische werke be- 
rücksichtigt: wir führen hier an, dass Vincenz von Beauvais speculum 
historiale 1320 für 170 gülden gekauft ward. "Wie das abschreiben 
so besorgten die mönche auch das einbinden, coniungere, setzten auch 
den namen des einbinders in die subscription , so in einem codex im 
kloster Zwerl : Ulricus scripsit, Hermanus quoque pinxit, Griffe conjun- 
xit, libris aliis sociavit a. 1321. 

Per artikel im Börsenbl. nr. 231 ' das haus Gerold ' enthält eine 



Nr, 7. Bibliographie. ,327 

mittheilung über das nun 100jährige bestehen dieser firma, nr. 241 
die festfeier am 9. october. 

Grosses aufsehen erregt das fallissement der finna Veit u. Co. in 
Leipzig, dasselbe aber auch ein artikel von O. Bm. in den Halle'schen 
tageblättern , den mit einer entgegnung von G. Knapp in Halle das 
Börsenbl. nr. 243 wiedergiebt: Bm. sucht die gründe des fallissements 
nicht in der glänzenden ausstattung der verlagswerke, sondern vor allem 
in dem überwiegen des wissenschaftlichen verlags dieser firma; denn 
solche werke hätten geringen absatz, da auch bei den gelehrten der 
besitz von privat-bibliotheken immer seltener werde u. drgl. Es ist dies 
letztere trotz Knapp'sgegenrede eine leider sehr wahre bemerkung, wie 
jeder an Universitäten lebende wird bestätigen können ; aber um so mehr 
muss auch bedacht genommen werden auf grössere biliigkeit der werke: 
dies kann schon durch die ausstattung erreicht werden: sie soll an- 
ständig, braucht aber nicht prächtig zu sein. Dann muss der druck 
billiger werden: ist doch z. b. der druck vom Sanscrit in Holland 
und England um wenigstens ein drittel billiger als in Deutschland; 
man suche also rechtzeitig hier zu helfen, damit ohne grosse calami- 
tät wir wieder zu gesunden zuständen kommen: so wie jetzt geht es 
nicht mehr lange. 

Ueber die Versteigerung oder Verschleuderung der v. JErlach'schen 
bibliothek auf schloss Spietz am Thunersee, in der auch seltne aus- 
gaben von griechischen und lateinischen classikern vorkamen, wird 
im Börsenbl. nr. 243 nach Journal de Geneve und der Augsburger 
allgemeinen zeitung berichtet: dagegen aber wird Börsenbl. nr. 255 
ausgeführt, dass von Verschleuderung keine rede sein könne. 

Der Bibliotheca Paulina in Leipzig ist von dem verstorbenen dr. 
jur. Hermann Härtel ein werthvolles doppelvermächtniss zu theil ge- 
worden. Das eine geschenk ist ein treffliches Ölgemälde von Anton 
Graff (geb. 1730 in Winterthur , gest. 1813 in Dresden), Lessing in 
voller jugend- und geistesfrische darstellend. Es wurde bereits der 
gemäldesammlung der Universitätsbibliothek einverleibt. Das zweite 
ist ein literarisches: die ersten von Göthe ende 1767 und frühjahr 
1768 gedichteten und veröffentlichten , und zwar in Leipzig gedruckt 
erschienenen , von seinem Studienfreund Bernhard Theodor Breitkopf 
in musik gesetzten lieder, zwanzig an der zahl, nach dem manuscript 
Göthe's für Friederike Oeser. Das sehr seltene hel't erschien 1769 im 
Verlage von B. Chph. Breitkopf und söhn in Leipzig. Das titelblatt 
zeigt die Jahreszahl 1770. Der componist war, wie dr. Whistling im 
L. Tagbl. mittheilt, im gleichen alter wie Göthe, ein gewandter pia- 
nist, geiger, viola- und lautespieler. Er ging später nach Russland, 
ward kaiserlicher hofbuchdrucker und starb als staatsrath. 

Ve rlags-catalog von B. O. Teubner in Leipzig. 1824 — 1875. 
Druck der B. G. Teubner'schen officin in Leipzig. VIII und 321 s. 
8. — Der äusserst glänzend ausgestattete und mit ausgezeichneter 
Sorgfalt gedruckte catalog legt ein grossartiges zeugniss von der blüthe 
des deutschen buchhandels ab, macht auch wohl in dessen geschichte 
epoche, da ein gleiches werk, so weit meine geringe kenntniss reicht, 
in Deutschland noch nicht erschienen. Der vf. bestimmt nun den ca- 
talog zwar zunächst für den buchhandel und wird er diesem auch 
sehr förderlich sein , aber auch jeder gewissenhafte schulmann und 
jeder philolog wird sich seiner erfreuen, da durch ihn jeder leicht 
genaue notiz über eine grosse reihe dem Unterricht und der gelehr- 
samkeit jetzt unentbehrlichen bücher und werke sich verschaffen 
kann. Die erste abtheilung, p. 1 — 240 enthält in alphabetischer folge 
den eigenen verlag Teubners, aber darunter auch die wenigen aus 
seinem verlag in den anderer übergegangenen bücher, ferner die 

21* 



$28 Bibliographie. -Nr. 7. 

commissions-artikel, dabei denn auch notizen, ob sie vergriffen, wo es 
nothwendig, auch inhaltsangaben. Darauf folgt p. 241—288 die wissen- 
schaftliche abtheilung, wo die titel kurz — in der ersten abtheilung 
sind sie genau mit bibliographischer gewissenhaftigkeit verzeichnet — 
angegeben, so dass kaum hie und da einer mehr als eine zeile füllt, man 
sieht also aus der Seitenzahl den grossartigen umfang des verlagsge- 
schäfts. Dazu endlich p. 288 bis z. e. namenverzeichniss, eine beigäbe, 
welche das auffinden der einzelnen artikel ungemein erleichtert. Gele- 
gentlich erfährt man auch manches wichtige neue : so dass für die Jahr- 
bücher für Philologie von 1824 — 1875 ein umfassender registerband (vorr. 
p. IV) in arbeit ist, eben so auch die jetzigen inhaber der firma, vorr. 
p. VII: aus allem aber leuchtet das gedeihen und das Wohlbefinden des 
geschäfts hervor. Daher schliessen wir mit zwei mahnungen: erstens 
in betreff des papiers und des drucks stets der äugen der leser zu 
gedenken , also so glänzendes papier , wie zum catalog verwandt , für 
wissenschaftliche bücher nicht zu verwenden, ferner solche petit, wie p. 
4 und sonst im catalog, ganz aus den philologischen büchern zu ver- 
bannen; und zweitens mit dem wachsthum des geschäfts auch die ho- 
norare der Verfasser wachsen zu lassen, da sonst das geschäft. sich die 
lebenswurzeln selbst abschneidet : denn was Wieland (Oberon VII , 85) 
von der liebe singt: 

Arm kann die liebe sich bei wenig glücklich schätzen, 

Bedarf nichts ausser sich, als was natur bedarf 

Den lebensfaden fortzuspinnen ; 

Doch fehlt auch dies, dann nagt der mangel doppelt scharf 
■ Und die allmächtigste bezauberung muss zerrinnen, 
das gilt in vollem maasse von der philologie und den guten philolo- 
gen, für die von den regierungen lange nicht genug gesorgt wird, 
wie unter anderm der neueste erlass in Preussen in betreff der Stunden- 
zahl der gymnasiallehrer zeigt: man thäte doch wohl besser, alles auf- 
zubieten, um zeit dem lehrer für wissenschaftliche studien zu schaffen, 
auch das im Phil. Anz. III, 4, p. 211 gewünschte zu verwirklichen! Doch 
davon später. Möge denn die so strebsame firma , welche der Wissen- 
schaft schon so grosse dienste geleistet hat, neben dem materiellen, ohne 
das es nun einmal hienieden nicht geht, den grade jetzt vielfach be- 
lächelten, ja verachteten idealen charakter der Wissenschaft immer im 
äuge behalten: es ist das früher erreicht worden und wird sich doch 
auch jetzt, wenn gleich unter viel schwierigeren Verhältnissen erreichen 
lassen : in diesem sinne also wünschen wir der firma fröhliches gedeihen 
und weiterstreben: vivat, floreat, crescat! — \E. v. L.~\ 

Ueber betriebsmittel und absatzwege des buchhandels. I, aufsatz 
im Börsenbl. nr. 276: ist zum theil gegen die klagen der sortimenter 
gerichtet, macht auf die Wichtigkeit des zur ansieht zusendens, aufmerk- 
sam u. s.w. Aber dabei werden Schwierigkeiten übersehen, z. b. die, dass 
der sortimenter doch zur ansieht nur wenige exemplare vom Verleger 
zugesandt erhält. Verwandten inhalts ist nr. 278 der 'die Verbesserung 
des buchhändlerischen geschäftsverkehrs' überschriebene aufsatz. 

Mit recht hat der JBrockhaus'sche verlagscatalog von 1805 — 72 die 
aufmerksamkeit auf sich gezogen und ist daher im Börsenbl. nr. 272 
von Petzholdt besprochen , woran sich denn eine interessante be- 
sprechung von Ad. Enslin in demselben Börsenbl. nr. 282. 284 anreiht, 
die die bei Brockhaus erschienenen Zeitschriften besonders ins äuge 
fasst und details über sie mittheilt: so über die 1813—16 in Altenburg 
und Leipzig erschienenen ' Deutschen blätter ' , zu deren herausgäbe 
Brockhaus nach audienzen beim kaiser von Russland und fürsten 
Schwarzenberg 'den befehl' erhielt. 



Nr. 7. Bibliographie. 329 

Zu den ob. nr. 5, p. 249 erwähnten Verhandlungen über recensions- 
exemplare liefert einen beitrag Börsenbl. nr. 296. 

Die Verlagshandlung von Chr. Winter in Frankfurt a. M. kündigt 
die Vollendung der fünften durch T. X. Allgayer vermehrten und um- 
gearbeiteten aufläge von J. Ph. Krebs Antibarbarus der lateinischen 
spräche an; preis 19 mk. 20 pf. 

Angekündigt wird von der Verlagshandlung Chr. Winter in Frank- 
furt a. M. die vierte lieferung von Diefenbach und Wülcker hoch- und 
niederdeutsches Wörterbuch, ä 2 mk. 40 pf. , was namentlich als ergän- 
zung zu Grimm's Wörterbuch dienen soll. 

Versandt von 1 Lehrmittelanstalt J. E hrhar d u. Comp.'' in Bens- 
heim ein prospect über: Illustrirtes hand- und nachschlagebuch der vor- 
züglichsten lehr- und veranschaulichungsmittel aus dem gesammtgebiete 
der erziehung und des Unterrichts für fachleute an lehranstalten und 
instituten jeder art insbesondere für Volksschulen, fortbildungsschulen, 
höheren bürgerschulen, lehrerseminarien, realschulen, gymnasien u. s. w. 
von G. Klipp in ca. 6 lieferungen 8 ä 80 pf. Das classische alterthum 
ist nicht vertreten. 

Die erste abtheilung des heft VI der mittheilungen der Verlagsbuch- 
handlung von B. G. Teubner in Leipzig führt unter den künftig er- 
scheinenden büchern auf: Griechische schulgrammatik . . . von dr. JE. 
Koch. 4. aufl. 8: der vfr. spricht sich über urtheile über sein buch aus 
und giebt an, wie die neue aufläge verbessert werden soll. — Histori- 
sche syntax der lateinischen spräche. Von dr. A. Drag er. Dritter 
theil. die coordination. (Zweites bds. erste abtheilung) — P. 100 anzeige 
des am 29. dec. 1875 erfolgten todes des prof. dr. Heinrich Rudolph 
Dietsch. 

Verzeichnisse ihres einiges philologische enthaltenden verlags haben 
versandt : Kesselrwg'sche buchhandlung in Hildburghausen ; Hinr ich s' 'sehe 
buchhandlung in Leipzig. 

Das deutsche zeitungswesen ist im verflossenen jähre nur unbe- 
deutend in die höhe gegangen, obgleich es im anfang einen grossartigen 
anlauf nahm, denn es sind von 457 neugegründeten Zeitungen nur 125 
über die ersten wochen hinausgekommen. Berlin an und für sich zählt 
nur 22 Zeitschriften mehr als im Vorjahre. Von den 4174 deutschen 
Zeitschriften , die der post-zeitungs-preiscourant für 1876 aufführt , er- 
scheinen nicht weniger als 298 in Berlin, dann kommt Leipzig mit 174, 
Wien mit 154, München mit 60, Stuttgart mit 54, Hamburg mit 47, Bres- 
lau mit 41, Frankfurt mit 33, Hannover mit 25, Cöln mit 22, Carls- 
ruhe mit 19, Magdeburg mit 14 Zeitungen u. s. w. Aus der Schweiz 
kommen 147, aus Amerika 39, aus London 2 deutsche zeitungen. Von 
den 4174 deutschen zeitungen erscheinen 2 achtzehnmal, 15 dreizehn- 
mal, 6 zwölfmal, 1 elfmal, 1 zehnmal, 81 siebenmal, 576 sechsmal, 1 
fünfmal, 19 viermal, 474 dreimal, 1107 einmal wöchentlich, die übrigen 
seltener oder unbestimmt. Die jährliche preisliste der zeitungen und 
anderer periodischer blätter der Schweiz und des ausländes für 1876 
ergiebt in der Schweiz 234 politische blätter , 35 amtsblätter oder son- 
stige offizielle publicationsmittel , 29 coursblätter und 171 fachwissen- 
schaftliche unterhaltungs- und sonstige periodische blätter. Schweden's 
periodische presse zählt zur zeit 271 erscheinungen , d. h. 16 mehr als 
im Vorjahre. Davon gelangen wöchentlich einmal 72, zweimal 63, drei- 
mal 18 und täglich 12 zur ausgäbe. Dabei wollen wir aufmerksam 
machen wegen der abbildungen, die manche parallele für die kunst des 
alterthums gewähren, auf die Zeitschrift: das kunsthandwerk. Samm- 
lung mustergültiger kunstgewerblicher gegenstände. Herausgegeben von 
Br. Bucher und A. Gnauth. Verlag von W. Sparmann in Stuttgart. 
Erschienen ist: Verzeichniss werth voller werke aus dem gebiete 



330 Kleine philologische zeitung. Nr. 7. 

der classischen philologie und alterthumskunde , welche bis ende des 
jahrs 1876 von Joseph Baer u. co. in Frankfurt a. M. zu den beige- 
setzten bedeutend ermässigten preisen in neuen exemplaren zu beziehen 
sind. 

Versandt ist: verzeichniss von Schulbüchern aus dem verlage der 
Weidmann" 1 sehen buchhandlung in Berlin. September 1875. 

Cataloge von antiquaren: 13. verzeichniss des antiquarischen 
bücherlagers von Ludwig Bamberg in Greifswald (classische philologie) ; 
CXIV. catalog des antiquarischen bücherlagers von Fidelis Butsch söhn 
in Augsburg (reiche auswahl literarischer Seltenheiten); nr. 56 antiqua- 
risches verzeichniss von Ernst Carlebach in Heidelberg (classische phi- 
lologie und linguistik); Otto Harrassowitz antiquarischer catalog nr. 26 
classische philologie und archäologie; nr. 17 catalog des antiquarischen 
bücherlagers von A. Stulpnagel in Berlin SW. (philologie und archäo- 
logie); nr. 58 antiquarischer anzeiger der Weller'schen buchhandlung 
in Bautzen. 



Kleine philologische zeitung. 

Stuttgart, 29. märz 1875. Heute starb D. F. J. Donner, als Über- 
setzer bekannt. 

München, 2. april. Der könig von Bayern hat aus Staatsbeiträgen 
ein Stipendium von 1200 gülden für einen philologen zum besuche des 
archäologischen instituts in Rom und dessen filial in Athen gegründet. 

Wien, 31. märz. Heute hielt prof. Sichel einen Vortrag über die 
handschriften der briefe Alcuins und zwar über drei Originalsammlungen. 
Einiges daraus theilt mit Reichsanz. nr. 83. 

Berlin, 6. april. Das fünfzigjährige lehrerjubiläum des directors 
Fr. Ranke vom Friedrich-Wilhelm -gymnasium wird am 10. und 12. d. 
m. begangen werden; es fällt eigentlich auf den 11.; man will aber dem 
Jubilar und seiner familie den sonntag frei lassen. 

Berlin, 13. april. Ueber R. v. Plä'nchner's arbeiten den Confucius 
betreffend giebt einiges Reichsanz. nr. 86. 

Ueber den aschenregen in Schweden und Norwegen im märz, den 
man mit vulkanischen bewegungen in Island In Verbindung bringt, giebt 
Reichsanz. nr. 94 einige notizen. 

Von J. Becher 's buch; die römischen inschriften und steinsculpturen 
des museums der stadt Mainz, giebt kurze notiz Reichsanz. nr. 97. 

Um die mitte des april fand man in Pompeji in dem, nach einem 
Siegel zu schliessen, von einem M. Memmius Acutus bewohnten hause 
im atrium eine kiste, in der sich zwei Laren und zwei Penaten in 
bronze, ein anderer hausgott in silber, einzelne geräthschaften, vor 
allem aber eine Venus in Marmor befand: vgl. Reichsanz. nr. 116. 
Ebendaselbst ist am 23. april nach dem Pungolo ein gemälde, den Lao- 
koon nach Vergil darstellend, entdeckt, welches man für das bedeutend- 
ste unter den bis jetzt entdeckten hält : die färben sind trefflich er- 
halten. 

Der Reichsanz. nr. 103 berichtet, dass in Aquileja ein grossartiges 
bauwerk aus der Römerzeit, vielleicht eine rennbahn, in Athen beim 
Dipylon ein haus aus der zeit des Mithridates blossgelegt sei. 

Der englische lieutenant Conder hat die Stadt Adullan und in ihrer 
nähe die höhlen , in denen David mit seinen getreuen weilte , als er 
bei Saul in ungnade. gefallen, entdeckt: einiges darüber Reichsanz. 
nr. 108. 

Der process, welchen die türkische regierung gegen dr. Schliemann 



Nr. 7. Kleine philologische zeitung. 331 

angestrengt hatte, s. Phil. Anz. VI, nr. 7, p. 381, ist gütlich beigelegt: 
Schliemann zahlt dem Türken 60,000 fr. und behält seine Sachen. 

Nach dem Genfer Journal vom 13. mai hat man in der nähe von 
Martigny eine vollständige römische küche aufgefunden und sie in das 
museum zu Genf gebracht. Die einrichtung besteht aus etwa dreissig 
stücken, die meisten aus bronze und mit grosser Sorgfalt gearbeitet, 
ihre schönen formen erinnern an fundstücke in Pompeji. Es finden sich 
feuerzangen und schaufeln, ähnlich den jetzigen, pastetenformen, plat- 
ten verschiedener grosse, trichter in eigenthümlicher form, bratroste, 
kessel, zwei sehr fein gearbeitete Schaumlöffel, eine kasserolle, wasser- 
kannen von verschiedener grosse, die eine mit schöner Ornamentik. 
Dabei münzen des Augustus und der Antonine : man vermuthet, dass die 
bergung dieser gegenstände etwa im 2. oder 3. jahrh. n. Chr. stattge- 
funden habe. 

Im jähre 1803 scheiterte in der nähe von Cythera ein schiff, das 
mit 17 kisten alterthümern beladen war, welche lord Elgin von der 
akropolis Athens genommen hatte; 12 von diesen wurden damals ge- 
rettet, jetzt glaubt man auf dem meeresgrunde spuren vom inhalt der 
übrigen fünf gefunden zu haben und hofft dieselben dem meere zu ent- 
reissen. Nach griechischen blättern ist aber, wie der Reichsanz. nr. 
170. 287 mittheilt, im meere bei Cythera nichts dergleichen zu sehen. 

Berlin, 18. juni. Eine Zusammenstellung der gedichte, gemälde, 
historischen Schriften und anderer literatur über die schlacht bei Fehr- 
bellin giebt Reichsanz. nr. 140: vrgl. nr. 142. 155. 159. 

Ueber die am 15. juni bei einer in Pompeji der königin von 
Schweden zu ehren unternommenen ausgrabung gewonnenen resultate 
— goldenes armband, zwei bronzevasen, ein schönes bett u. s. w. — 
berichtet kurz Reichsanz. nr. 144. 

Frankfurt a. M., 24. juni. Bericht des prof. J. Becker über die 
am 17. juni auf dem römerkastell Saalburg bei Homburg veranstaltete 
ausgrabung: münzen aus Trajans und der Antonine zeiten, inschriften, 
emailsachen, thonwaaren und metallgeräthe u. s. w. wurden gefunden: 
s. Reichsanz. nr. 153. 

Ueber den verkauf der berühmten Sammlung antiker und Cinque- 
centegemmen der herzöge von Marlborough giebt Reichsanz. nr. 154 
auskunft. 

Am 24. juni hat dr. Schliemann in der archäologischen gesellschaft 
zu London einen Vortrag über seine entdeckungen in Troja gehalten 
und darüber dann Gladstone seine ansieht ausgesprochen , die mit der 
Schliemanns in den meisten punkten zusammentrifft: näheres giebt 
Reichsanz. nr. 160. 

Ueber pfahlbauten im Steinhäuser Ried s. Reichsanz. nr. 162. 

Man beabsichtigt den Obelisken in Alexandria, welchen Mehmed 
Ali vor ungefähr 40 jähren den Engländern geschenkt hat, jetzt nach 
England zu bringen: s. Reichsanz. nr. 163. 

Ueber pfahlbauten im Laibacher moore berichtet Reichsanz. 
nr. 183. 

Mainz, 4. aug. Wie die Mainzer ztg. mittheilt, sind in Mainz wieder 
mehrere römische grabstätten entdeckt. Einiges theilt von diesem funde 
mit Reichsanz. nr. 185. 

In Florenz hat man bei der strassenregulirung im juli alterthümer 
entdeckt , welche darauf hinzuweisen scheinen , dass an der stelle des 
jetzigen Florenz schon in alter zeit ein ort gelegen habe: vrgl. Reichs- 
anz. nr. 186. Einige zeit später sind reste eines römischen wachtthurms 
bei ausgrabungen auf der Piazza della Signoria gefunden , auch reste 
anderer grosser gebäude: s. Reichsanz. nr. 199. 

Das sogenannte lager Cäsar t bei Wimbledon wird nach Reichsanz. 



332 Kleine philologische zeitung, Nr. 7. 

nr. 194 von der erde verschwinden , da man damit beschäftigt ist den 
wall abzutragen und das ganze zu ebnen. 

In Athen macht nach Reichsanz. nr. 200 grosses aufsehen, dass der 
nationalbibliothek gegen 14000 bände abhanden gekommen sind. 

Eine lobende besprechung von A. Holländer's kulturhistorischen 
Wandtafeln findet sich Reichsanz. nr. 205. 

Dr. Hirschfeld ist um die ausgrabungen in Olympia zu leiten, ab- 
gereist: Reichsanz. nr. 216: vrgl. Phil. Anz. VI, 5, p. 265. 

Am 17. sept. feierte das domgymnasium in Magdeburg sein 200- 
jähriges Jubiläum: Reichsanz. nr. 218. 

Nach Reichsanz. nr. 219 ist in Kertsch in der Krimm eine gruft 
biosgelegt, darin ein ciselirter kopfschmuck aus gediegenem golde, der 
einem heim, zum theil einer kröne gleicht, dann zwei goldene becher, 
ein goldener ring mit einem edelstein, eine zerbrochene goldene kröne, 
mehre goldne agraffen, eine goldmünze mit dem bilde Alexanders des 
grossen und eine grosse leider zerbrochene , aber hoffentlich noch zu- 
sammenzukittende vase gefunden worden. 

Am 7. october sind in der sitzung der generalversammlung der 
deutschen geschichts- und alterthumsforscher zu Detmold 'resolutionen' 
in betreff der niederlage des Varus angenommen, welche der Reichsanz. 
nr. 238 mittheilt. 

Auf Kypros ist nicht weit von Episcopo, an der stelle, wo das alte 
Kytaion lag, ein grab von ungewöhnlicher grosse entdeckt, in dem sich 
ein goldnes an 12 pfund schweres szepter, goldene armbänder und ein 
mit edelsteinen geschmücktes goldenes halsband vorfanden. Reichsanz. 
nr. 245. 

Das neue unterrichtsgesetz in Frankreich wird von dem ultramon- 
tanismus mit recht als ein grosser sieg betrachtet und um diesen aus- 
zunützen werden gewaltige anstrengungen gemacht, zumal da man ein- 
sah, dass die wunder doch nicht recht wirken und den gewünschten 
erfolg herbeiführen wollten. Treffend bemerkt über den nun (1875) einge- 
tretenen umschwung die Re'publique francaise, das hauptorgan der repu- 
blikaner: 'man erinnert sich, dass zur zeit, als die grossen wallfahrten 
im schwunge waren, welche dieses jähr durch das gesetz über den hö- 
heren Unterricht in den hintergrund gedrängt sind , jeder bischof, ja so 
zu sagen jeder pfarrer sein dichten und trachten nur darauf richtete, 
seinen sprengel um irgend einen wunderthätigen apparat, einen heiligen 
born, sprechende oder weinende gnadenbilder , kurz um irgend einen 
fetisch zu bereichern, welcher für die einsetzung eines einnahmebureaus, 
welches dann in gewählter spräche ein 'heiligthum' hiess, als vorwand 
dienen konnte. Heute ist offenbar eine abspannung eingetreten , das 
wunder feiert; die blinden, die mit scropheln oder diabetes behafteten 
schmachten, die göttliche therapeutik liegt darnieder, die blödsinnigen, 
Schäferinnen und die kleinen bergkretinen harren vergeblich der er- 
scheinung der heiligen Jungfrau. Genese , wer da kann ; vorläufig ist 
der hahn am wunderquell so gut als geschlossen, es finden keine Vor- 
stellungen statt, die geschäfte sind eingestellt. Man hat für wichtigeres 
zu sorgen. Trotz aller bemühungen ist es nicht gelungen, so viele fa- 
natiker als man hoffte durch den heilschwindel anzuziehen und man 
wird nun die nöthigen anstalten treffen , um in den geplanten oder im 
werden begriffenen Universitäten diese art von vögelchen gross zu 
füttern. Daher denkt man nur noch an die Universitäten und berauscht 
sich mit ^ründungsprojecten.' Der kämpf gilt der ausrottung aller 
modernen ideen, der modernen Wissenschaft und civilisation , der Unter- 
werfung der ganzen weit unter syllabus und Unfehlbarkeitsdogma; die 
einheit des glaubens , welche bisher die katholiken verband , soll nun 
durch eine einheit der action ergänzt werden. Dem congress in Poi- 



Nr. 7. Kleine philologische zeitung. 333 

tiers wird ein katholischer arbeitercongress in Paris auf dem fasse fol- 
gen, der dann darauf abzielt, die arbeiter so zu organisiren, dass sie 
den zwecken des clerus vollständig dienstbar gemacht werden. 

Dr. Schliemann beabsichtigt die ausgrabungen in Tvoja fortzusetzen 
und wo möglich zu ende zu führen. Er hat sich zu dem zwecke nach 
Konstantinopel begeben, um von den türkischen behörden den nöthigen 
fermanzu erwirken. 

Göttingen, 28. sept. Das neue unterrichtsgesetz in Frankreich 
wird von den anhängern des papismus, die jetzt mit Jesuiten und ultra- 
montanen eng verbunden, eifrigst dazu benutzt, die freiheit unsrer Wis- 
senschaft zu verbannen. Denn kaum ist es der gewandtheit Dupanloup's 
(des bischofs von Orleans) dank der kurzsichtigkeit der national-ver- 
sammlung gelungen, das gesetz über den freien Unterricht, d. h. ein 
gesetz, welches die controle des Staates über den Unterricht auf ein 
minimum reducirt und ihn factisch in die hände des clerus legt, durch- 
zubringen, so beeilt man sich auch schon, diesen Ungeheuern erfolg 
kräftiglich auszubeuten. Freie Universitäten, d. h. wissenschaftliche in- 
stitute , die ganz unter der controle der bischöfe stehen und auf denen 
nur eine vom Vatican approbirte Wissenschaft, also Wissenschaft nach 
den grundsätzen des syllabus, gelehrt werden darf, werden in allen diö- 
cesen Frankreichs gegründet ; den anfang macht man, wie billig, mit 
der hauptstadt des landes, mit Paris. Soeben ist ein collectiv-hirtenbrief, 
den der cardinal-erzbischof von Paris, drei andere erzbischöfe und acht- 
zehn bischöfe unterschrieben haben , erlassen , in dem die Franzosen zu 
geldbeiträgen zur gründung einer clericalen hochschule in Paris aufge- 
fordert werden. Es ist freilich unzweifelhaft , dass der versuch der rö- 
mischen hierarchie, den geist der freien forschung zu bannen und die 
Wissenschaft zu einer magd priesterlicher herrschsucht zu erniedrigen, auch 
in Frankreich misslingen wird; Vernunft und Wissenschaft sind und 
bleiben einmal des menschen allerhöchste gaben und beide lassen sich 
bei der heutigen bildungsstufe unseres geschlechts nicht mehr knebeln 
und von den mächten der finsterniss nicht mehr unterjochen. Wie 
gesagt, es ist das unzweifelhaft, dass dieser plan misslingt: aber wann 
und wie wird er vernichtet werden? und wer wird ihn vernichten? 
eine revolution? die setzt eine lange ultramontane herrschaft voraus, 
während der viel zu gründe gehen kann! Wenn jetzt nicht sofort in 
Frankreich — und dazu scheint aussieht vorhanden, wenn die gegen- 
wärtige, sich überlebt habende national-versammlung aufgelöst und 
durch eine solche ersetzt wird, welche das jetzige Frankreich wirklich 
repräsentirt — von den gegnern die plane der Jesuiten im anfang durch- 
kreuzt und vernichtet werden, so kommen sie zur herrschaft. Und darin 
liegt eine grosse gefahr für Deutschland: denn wie viel französisches ist 
nicht im laufe der zeit von diesem angenommen und zum verderbniss 
deutscher zucht und deutschen wesens gebraucht? Man unterschätze 
also die gefahr nicht und öffne vor allem wirklich die äugen in betreff 
der schaden unseres eigenen unterrichtswesens: das gehörig thun hilft 
uns mehr als alles reden in den kammern und als selbstgefällige artikel 
über die höhe unserer bildungsanstalten in zeitungen. 

Trier, 5. oct. Bei dem bau der Moselbahn ist man bei den erd- 
arbeiten* namentlich auf baureste aus dem alterthum gestossen , frag- 
mente von mauern und kanälen. Näheres giebt Reichsanz. nr. 237. 

George Smith hat sich nach Klein-Asien begeben , um seine for- 
schungen in Ninivek fortzusetzen. Reichsanz. nr. 261. 

In der nähe von Jerusalem sind eine reihe in felsen gehauene grab- 
kammern entdeckt, in deren einer man einen ganz eigenthümlich con- 
struirten steinernen sarg fand: die gebeine in ihm hält man für die 
der Eudocia: s. Reichsanz. nr. 270. 



334 Kleine philologische Leitung. Nr. 7. 

Von Ribbeck' s buch: die römische tragödie zur zeit der republik 
bringt der Reichsanz. nr. 275 eine kurze lobende anzeige. 

Von dem werke G. Kramer 's: 'Carl Ritter, ein lebensbild', über 
welches s. Philol. Anz. III, 7 p. 374, ist eine zweite aufläge erschienen, 
gewiss ein seltner fall bei einem solchen buche in unserer zeit. Eine 
weitere besprechung erscheint im Ph. Anz. nr. 9. 

Der Reichsanz. nr. 282 empfiehlt in kurzer anzeige: C. Peter' 8 
'römische geschichte in kürzerer fassung' als ein für die schule äusserst 
brauchbares buch. 

Bei Corneto werden jetzt wieder in den ruinen des alten Tarquinii 
ausgrabungen vorgenommen, in folge deren man nach Reichsanz. nr. 

284 ausser anderem einen herrlichen Sarkophag gefunden, der darstellungen 
aus den kämpfen mit Amazonen enthält. 

Bei Aiseau in der nähe von Charleroi ist eine römische villa ge- 
funden: die ausgrabungen daselbst haben bis jetzt nach Reichsanz. nr. 

285 beil. 1 nichts besonderes ergeben. 

Bei ausgrabungen, die am 20. nov. in Pompeji vorgenommen, ist 
eine ungewöhnlich grosse menge von goldenen und silbernen gegen- 
ständen ans tageslicht gekommen: becher, teller, tassen, badestriegel, 
Spiegel, vasen, Ohrgehänge, eine gold gestickte börse mit geld. Reichs- 
anz. nr. 288. Augsb. Allg. ztg. nr. 339. Doch wird in derselben Augsb. 
ztg. nr. 357 versichert, dass diese nachricht übertrieben sei und grund- 
los: nur wenig silbersachen sind gefunden. — Einen weiteren fund da- 
selbst, bestehend in einem silbernen altar und silbernen geräthschaften 
wie kelchen und löffeln, auch goldenen Ohrringen, ferner von fresken 
ist Reichsanz. nr. 296 verzeichnet, auch in Augsb. Allg. ztg. nr. 349. 

Metz, 28. nov. Dem beschluss der directoren-conferenz , wonach 
körperliche Züchtigung aus den unteren classen nicht ganz ausge- 
schlossen sein sollte , hat der oberpräsident die bestätigung versagt. 
So geht es ; in manchen ländern hört man die fachleute überhaupt gar 
nicht ; in andern hört man sie an , nachdem sie aber gesprochen , thut 
der Jurist einen federstrich und annullirt den beschluss der sachver- 
ständigen. — An den höheren lehranstalten des Reichslands ist bisher 
mit jedem semester die schülerzahl um 500 gestiegen, ende 1875 stellt 
sich dieselbe auf 5400. An 3 lyceen, 8 gymnasien, 1 progymnasium, 
11 realgymnasien und einer anzahl realschulen unterrichten 310 lehrer, 
darunter 232 mit academischer bildung. 

Einen kurzen bericht über die Winkelmannsfeier in Bonn am 9. 
december giebt Reichsanz. nr. 296. 

Rom, 10. decbr. Heute fand die erste sitzung der mitglieder des 
archäologischen instituts statt. 

In der nähe von Bregenz, an der stelle, wo das römische Brigan- 
tium gestanden, sind ausgrabungen veranstaltet, welche aber laut Reichs- 
anz. nr. 298 zu keinem nennenswerthen resultate geführt haben. 

Die stadt Antwerpen steht wegen ankaufs des fast vollständig er- 
haltenen archivs der Pkmtin'schen druckerei mit der familie Moretus, 
directen nachkommen der Plantins, in Unterhandlung: in demselben 
sollen an 10000 briefe u. s. w. von gelehrten u. a. enthalten sein. 

Speier, 2. dec. Durch die eisenbahnbauten ist die antiquitäten- 
sammlung unsrer stadt durch funde bei Dürkheim und an anderen orten 
von neuem bereichert: näheres giebt Augsb. Allg. ztg. beil. zu nr. 358. 

Inder beil. der Augsb. Allg. ztg. 1876 nr. 7 berichtet Schöner von im 
december 1875 in Pompeji gemachten ausgrabungen an der via Sta- 
biana oder wie sie jetzt genannt ist, cardo maior: er beschreibt ein 
haus auf der linken seite der Strasse genauer, welches das etablissement 
einer tuchwalkerei und einer Wäscherei gewesen zu sein scheint; auf der 
einen wand des als waschbassin dienenden raumes findet sich eine reihe 



Nr, 7. Kleine philologische zeitung. 335 

gemalter aber offenbar carrikirter personcn; und ein anderes, etwas 
vornehmer eingerichtetes, in dem ein noch nicht ganz fertiges gemälde 
von Laokoon sich befindet und ein vortreffliches die abfahrt des Odysseus 
von der insel des Polyphemos darstellend. Viel eleganter sind aber die 
häuser auf der rechten seite, von denen eins auch genauer beschrieben 
wird: im atrium desselben fand man eine marmor-herme mit portrait- 
kopf in bronze, der in das museum zu Neapel gebracht worden ist: 
auf ihm die inschrift : 'dem genius unseres Lucius der freigelassene 
Felix.' In den zimmern finden sich mosaikböden, dann gemälde : Mars 
der Venus das gewand abnehmend — ein Paris-urtheil, wovon jedoch 
nur die sich entschleiernde Venus und theile des hirten und der Miner- 
va, alles vortrefflich, erhalten — ganz erhalten istTheseus die schlafende 
Ariadne verlassend, die Jungfrau ruht, den Oberkörper entblösst, auf 
einem blumenlager am felsrande, darüber ein zelttuch ; Theseus eilt nach 
seinem schiffe, in der höhe schwebt Athene. 

Die beil. der Augsb. Allg. ztg. 1876 zu nr. 5 berichtet aus dem 
Granicar über einen münzenfund bei Semlin: 230 goldmünzen, die von 
Caesar an bis Valerian gehen. 

Bericht von 0. JBenndorf über die unter Conze's leitung 1873 und 
1875 auf Samothrake gemachten ausgrabungen in Augsb. Allg. ztg. 
beil. nr. 13, 14, 24, 25, (s. unten): als resultat wird angegeben,_ dass 
jetzt Samothrake als eine der wissenschaftlich bestbekannten inseln 
des Archipels gelten darf: mehrere cultusgebäude sind aufgedeckt, vier 
statuen einer giebelgruppe , inschriften, wichtig für die kenntniss des 
griechischen götterdienstes, viel anderes ist gefunden, so dass es gelingen 
konnte, von der ganzen einst hochberühmten örtlichkeit ein geschicht- 
liches gesammtbild aufzustellen. In der beil. zu nr. 25 wird auf die 
mysterien eingegangen , die läge des tempels sowie die spärlichen reste 
des ältesten auf einer cyclopischen terrasse gelegenen mehrfach umge- 
bauten tempels nachgewiesen und beschrieben und auf den cult und 
seine gebrauche ein blick geworfen, dann folgen noch beschreibungen 
eines zweiten tempels und angaben über die jetzigen zustände. 

Berlin, 7 Januar. Die direction für die ausgrabungen in Olympia 
lässt berichte über diese im Reichsanzeiger erscheinen : aus diesem — 
Reichsanz. nr. 3, 26, 36, 62, 85 — theilen wir die folgenden mit. I. Die 
für die ausgrabungen in Olympia ernannten beamten, dr. Gustav Hirsch- 
feld und der königl. bauführer Ad. Bötticher, sind am 12. September in 
Druva, dem der ausgrabungsstätte nächstgelegenen dorfe angekommen, 
wo für sie unter fürsorge des deutschen consuls in Patras, hm. Ham- 
burger ein haus gebaut und eingerichtet war. Nach absteckung eines 
areals von 115 stremmata (ä 1000 qu.-mtr.) begannen die wirklichen 
arbeiten montag den 4. october, mit eröffnung von zwei entwässerungs- 
gräben östlich und westlich von den t^mpelfronten nach dem Alpheios- 
bette hin, um das centrum der ausgrabung, das tempelterrain , auch 
während der regenzeit trocken halten zu können. Abgesehen von 
einigen nebengrabungen am Kladeosufer, die zur auffindung von gräbern 
und einer den tempelbezirk an der Westseite begrenzenden mauer führ- 
ten , ging man darauf aus , durch Vertiefung und Verbreiterung der 
graben dem Zeustempel schrittweise immer näher zu kommen. Bei 
diesem vorgehen fand man das dorische gebälk eines noch unbekannten 
gebäudes und säulentrommeln, sowie capitäle des tempels selbst. Dem- 
nächst erfolgte die Verbindung der beiden hauptgräben durch einen 
quergraben längs der nordseite um sodann mit rasch vermehrter arbei- 
terzahl von ca. 125 mann das ganze terrain vor beiden fronten bloss 
zu legen. In der mitte des december begannen nun die wichtigen 
funde, welche, in einzelnen telegrammen bekannt geworden, jezt erst 
durch den bericht vom 23. december in ihrem zusammenhange deutlich 



836 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 7. 

geworden sind. Am 15. deeember wurde an der südostecke des tem- 
pels, drei meter tief, ein überlebensgrosser männlicher torso aus mar- 
mor gefunden, der in eine spätere trocken zusammengebaute mauer 
eingefügt war; ein werk von bedeutendem kunstwerthe und aller Wahr- 
scheinlichkeit nach ein bruchstück des Zeus , der als kampfrichter in 
der mitte des ostgiebels sitzend dargestellt war. Fünf tage später 
stiess man in derselben gegend auf ein dreiseitiges marmorpostament 
mit der vollkommen erhaltenen widmungs-inschrift der Messenier und 
Naupaktier an den olympischen Zeus, welchem sie den zehnten ihrer 
kriegsbeute darbringen. In der dritten zeile der inschrift nennt sich 
Paionios aus Mende — s. oben nr. 5, p. 260 — in Thracien als den 
künstler und fügt in der vierten zeile zu seinem rühme hinzu, dass er 
in einer concurrenz um den plastischen schmuck der tempelgiebel Sie- 
ger geblieben sei. Am nächsten morgen zeigte sich in zwei theile ge- 
trennt eine überlebensgrosse weibliche figur aus pentelischem marmor, 
welche sich durch den ansatz der flügel sofort als die Siegesgöttin 
(Nike) zu erkennen gab, welche auf dem postament gestanden hatte. 
Die figur misst vom hals bis zur fussspitze 1,74. Das gewand, welches 
die linke brüst frei lässt, fällt über den gurt in kurzen falten nieder. 
Dem Unterkörper schmiegt sich der stoff so eng an, dass die schönen 
formen in voller klarheit hervortreten. Nach hinten bauscht sich das 
gewand in weitem bogen. Obgleich köpf und arme noch nicht gefun- 
den sind, erregt die lebensvolle anmuth und das bewegte gewand der 
zur erde herabschwebenden göttin grosse bewunderung. Es wurde so- 
gleich als dasselbe werk erkannt, welches Pausanias in seiner beschrei- 
bung der denkmäler von Olympia (V, 26) bespricht ; es ist das erste 
urkundlich bezeugte bildwerk eines griechischen meisters des fünften 
Jahrhunderts vor Christus. — An dem fundorte der Nike kamen ferner 
mehrere dreiseitige marmorblöcke zum Vorschein, die offenbar zu dem- 
selben postamente gehört haben. Sie trugen inschriften, die sich eben- 
falls auf die geschichte der Messenier beziehen; namentlich eine, in der 
es sich um die zusprechung eines streitigen grenzbezirks durch die Mi- 
lesier an die Messenier handelt. Es ist derselbe rechtsstreit , welchen 
wir aus Tacitus Annal. IV, 43, kennen. — Von jetzt an wurde ohne 
aufhören gefunden, und es galt nicht mehr, kunstwerke zu suchen, son- 
dern nur zu heben und zu bergen. Ein kolossaler männlicher torso 
lag unter der Nike an der rückseite fast unbearbeitet, also wahrschein- 
lich auch vom giebel; der ellenbogen des linken armes ist in das ge- 
wand gewickelt, das den Unterkörper umgab. Unter ihm ruhte wieder 
ein koloss, der noch der erlösung harrt. — Am 22. fand sich vor der 
Ostfront der untere theil einer liegenden figur, welche ihren platz in 
der linken giebelecke gehabt haben muss, also einer der beiden fluss- 
götter, welche Pausanias nennt. Er ist kaum über lebensgrösse und 
von vorzüglicher arbeit. Neben ihm kam an demselben abend ein 
männlicher torso und demnächst an der südwestecke ein weiblicher, 
das erste zeugniss von den noch erhaltenen Standbildern des westgiebels, 
zum Vorschein. Soweit der wesentliche inhalt des letzten berichts, wel- 
cher auch noch von glücklichen funden (namentlich einem schönen 
lebensgrossen satyrkopfe aus terracotta) am fusse des Kronoshügels 
spricht. Durch ein telegramm vom 1. Januar wird die auffindung des 
einen wagenlenkers und eines männlichen torso gemeldet; endlich auch 
die glückliche Vervollständigung des flussgottes, indem der oberleib und 
der ganz unversehrte köpf zu tage gekommen sind. Bei der alle er- 
wartungen übersteigenden ergiebigkeit der funde ist die zeit und arbeits- 
kraft der beiden in Olympia angestellten beamten natürlich so in an- 
spruch genommen , dass sie ausser stände waren , jeden einzelnen fund 
genau zu beschreiben und zu würdigen. Photographien und abgüsse 



Nr. 7. Auszüge aus Zeitschriften. 337 

werden möglichst bald an die direction eingesandt werden. Dies der 
erste bericht : der folgende zweite ergänzt den ersteren. 

II. Bei der fortsetzung der arbeiten an der ost- und Westseite stellt sich 
die thatsache heraus, dass die funde da beginnen, wo die schwarze erde unter 
der gleichmässigen sandschicht zum Vorschein kommt. Die stärke derselben 
ist ungleich. Während sie an der fundstätte des flussgotts und des 
wagenlenkers zwei meter beträgt , erreicht sie an der fundstelle der 
Nike schon drei meter. Ein ähnliches verhältniss ist im westgraben 
beobachtet, indem sie hier 80 — 90 schritt vom südrande des tempela 
2, 70 und einige 40 schritt südlicher schon 4, 60 beträgt. Das alte terrain 
scheint demnach vom tempel nach dem Alpheios sich massig gesenkt 
zu haben. Wie stark die von ziegeltrümmern durchsetzte schwarze 
erdschicht sei , ist noch nicht ermittelt worden. — Zu den schon be- 
kannten funden fügen wir nachträglich hinzu, dass das ganze aus fünf 
blocken bestehende dreiseitige postament der Nike zum Vorschein ge- 
kommen ist. Eine eingesandte skizze der figur zeigt , dass der gürte! 
aus bronze eingelegt war ; es sind in ihrer nähe auch einzelne bronze- 
stücke zum Vorschein gekommen, darunter ein fragment mit blatt- 
schmuck. Der liegende körper des flussgottes ist unterwärts mit einem 
dicken stoff umhüllt; der emporgerichtete Oberkörper stützt sich auf 
den linken arm , während die wange des seitwärts geneigten hauptes 
sich in die rechte hand schmiegt. Die arme sind gebrochen, der bär- 
tige köpf, der einen sinnenden milden ausdruck zeigt, ist bis in das 
kleinste so frisch und unversehrt, wie eben aus des künstlers hand her- 
vorgegangen. Unter der figur fanden sich zahlreiche bronzestücke ; 
darunter sind ansehnliche vergoldete fragmente von einem runden gegen- 
stände, vielleicht einem Schilde, gefunden worden. — Die dritte figur, 
der sog. wagenlenker überlebensgross , von trefflicher ausführung , ist 
vollständig bis auf den köpf; in kauernder Stellung, das linke knie in 
die höhe gezogen und auf den rechten arm sich aufstützend. Der von 
der linken schulter fallende mantel dient als unterläge. Die Vernach- 
lässigung der abgewendeten seite lässt erkennen, dass die figur zur 
rechten des Zeus links vom beschauer, also dicht vor den pferden auf- 
gestellt war. Die Oberfläche ist wie an den übrigen resten des ostgiebels 
überhaupt , fast tadellos erhalten , die haltung ist ungezwungen und 
lebendig. Das bisher einzige fundstück von dem westgiebel hat sich 
nach der reinigung als das bruchstück eines heftig bewegten mannes 
mit chlamys — also eines Lapithen — zu erkennen gegeben, wonach 
die frühere angäbe zu berichtigen ist. Das werk zeigt eine starke ein- 
Wirkung des wetters. — Neu gefunden ist an der ostseite den 29. dec. 
ein männlicher torso, nach rechts gewendet, beide arme mit anstrengung 
vorstreckend, also wahrscheinlich der wagenlenker auf der linken seite 
des Zeus (rechts vom beschauer) ; die bildung des nackten ist auch hier 
von gleicher Wahrheit und treiflichkeit , wie bei den anderen werken 
und tritt bei der kräftigen bewegung besonders wirksam hervor. — Ein 
zweites stück, anfang januar gefunden, ist der untere theil einer gela- 
gerten männlichen figur in lebensgrösse, von rechts nach links gestreckt, 
mit einem gewande bedeckt, auch auf Vorderansicht und hohe aufstellung 
berechnet. — Endlich ist auch die statue hervorgezogen worden, welche 
im ersten bericht als unter dem männlichen torso liegend erwähnt 
wurde. Es ist eine kolossale weibliche figur, in zwei stücke gebrochen, 
lang gewandet in altertümlichem stil der berühmten Vesta Giustiniani 
im ganzen entsprechend , nur ungleich lebensvoller und feiner gear- 
beitet. Auch die wohl dazu gehörige, vorn halbrunde, hinten viereckige 
basis ist gefunden worden ; das Standbild war mit der rückseite an eine 
wand gelehnt und ist ein ausgezeichnetes werk von alterthümlicher 
strenge. Kopf und arme fehlen noch. Weitere vermuthungen über dies 



838 Kleine philologische zeitung. JSr, 7. 

unzweifelhaft als weihgeschenk aufzufassende werk müssen vorläufig 
noch dahin gestellt bleiben. — Bei der Vertiefung des westgrabens 
haben sich weitere Überreste des schon erwähnten Dorischen gebäudes 
gefunden , sowie neun stück quadratischer bronzeplatten von verschie- 
dener dicke mit blitzsymbol und dem namen des Zeus , stücke , die 
wahrscheinlich als gewichte (von 15, 30, 60 drachmen attischen ge- 
wichts) zu betrachten sind. In derselben gegend ist man wieder auf 
gräber gestossen , aus denen bronzewaffen , geräthe , kleine glöckchen, 
sowie römische und griechische münzen und thonscherben mit schwar- 
zem firniss hervorgezogen sind Dies sind im wesentlichen die fund- 

resultate der letzten drei wochen , von denen ausser den Sonntagen drei 
griechische festtage und ein regen tag in abrechnung kommen. 

III. Der dritte bericht theiltmit, dass an der ostfronte des tempels 
man begonnen hat die zweite tempelstufe freizulegen. Von westen her 
wird der graben in der richtung auf den tempel mehr und mehr vertieft, 
um auch hier den ursprünglichen boden zu erreichen. Die fundstücke, 
welche in der letzten woche zu tage kamen, sind dreierlei art: inschrift- 
liche denkmäler, kleine im boden zerstreute alterthümer, bildwerke und 
statuenpostamente. — Unter den denkmälern erster gattung ist eine 
fast unversehrte broncetafel 0,55 hoch, 0,24 breit, am 21. Januar süd- 
lich von der südwestecke des tempels gefunden. Sie ist mit einem 
giebelfeld gekrönt und von zwei korinthischen pilastern eingefasst. 
Innerhalb derselben befindet sich eine inschrift von vierzig zeilen , an 
denen kein buchstabe fehlt: unten an der tafel sind drei zapfen, mit 
denen sie in einen steinsockel eingelassen war. Die inschrift ist in eli- 
schem dialekt abgefasst und enthält eine von den hellanodiken ausge- 
fertigte Urkunde, in welcher dem Damokrates aus Tenedos, einem be- 
rühmten ringer und Olympioniken, den wir aus Pausanias und Aelian 
schon kennen, das gastrecht und die ehren eines wohlthäters von Elis 
zuerkannt werden. Die wappen von Tenedos, traube und doppelte axt 
sind im giebelfelde angebracht. — Eine zweite merkwürdige inschrift 
fand sich am 26., 10 meter östlich von der südostecke des tempels, 
auf einem marmorblock, der in eine spätere mauer eingefügt ist. Auf 
der sichtbaren kante liest man in alterthümlicher schrift den namen 
eines argivischen künstlers, welcher, da nur der erste buchstabe fehlt, 
kein anderer sein kann als der name des Ageladas , des meisters , bei 
dem Pheidias, Polyklet und Myron gelernt haben. — Eine dritte in- 
schrift steht auf einer 0,30 langen ehernen lanzenspitze. Es war eine 
votivlanze und der inschrift nach von den einwohnern von Methana 
aus einem kämpfe mit den Lakedämoniern geweiht. Dieses stück ge- 
hört schon zu den im boden zerstreuten kleinen alterthümern, welche 
bei dem aufräumen vor der Westseite gefunden worden sind, namentlich 
waffen (lanzen und schienen) , nägel , vergoldete broncestücke , bruch- 
stücke von erzgefässen, feine verzierte bänder aus bronce, mannigfaltige 
kleine thierfiguren und endlich eherne gewichtstücke, von denen schon 
das zwölfte zum Vorschein gekommen ist , und zwar ein stück von 220 
gramm, welches durch einen durchgeschlagenen nagel als ungültig be- 
zeichnet worden ist. — Endlich noch einige worte über die sculpturen, 
die in der letzten woche gefunden sind. Vor der westfronte sind bis 
jetzt nur kleine sculpturfragmente zu tage gekommen ; zu den bester- 
haltenen sind einige marmorne löwenköpfe zu rechnen, welche der 
traufrinne des tempels angehören. Von broncestatuen fanden sich nur 
einzelne glieder. An der ostseite gefunden sind die drei sculpturen, 
deren im vorigen berichte erwähnung geschah; von ihnen ist die eine 
eine stehende ältliche männliche figur, die andere eine gelagerte, deren 
knie mit gewand bedeckt war. Es ist deutlich , dass diese marmor- 
werke zu einer gruppe verbunden , hoch aufgestellt und von der rück- 



Nr. 7. .Kleine philologische zeitung. 339 

seite nicht sichtbar waren. Sie sind bei der Nike gefunden, an dersel- 
ben stelle, wo jetzt in geringer entfernung von einander im ganzen 
schon sechs statuenreste gefunden worden sind. — Unmittelbar süd- 
lich ist das bruchstück eines colosses zu tage gekommen, welches von 
der mitte des Oberschenkels bis unter die wade 0,62 misst. — Vor der 
zweiten säule der ostseite (von N. gerechnet) zeigen sich zwei grössere 
postamente, das eine aus kalkstein mit feiner profilirung, das andere 
aus backstein, deren Verkleidung fehlt. — Am 25. fand man auf der 
höhe der zweiten tempelstufe an der südostecke ein kleines aber lehr- 
reiches fragment der metopentafel , welche Herakles darstellt, der den 
erymanthischen eber lebend heim bringt und damit den Eurystheus er- 
schreckt. Es ist dieselbe metope, die Pausanias an erster stelle erwähnt, 
er hat also von der Südseite angefangen. 

IV. Es hat arges regenwetter die arbeiten aufgehalten , eben so 
das durch das clima veranlasste Unwohlsein des dr. Hirschfeld und 
Böttichers: doch hat man sie unter leitung des dr. Weil, Stipendiaten 
des archäologischen instituts, so gut es ging fortgesetzt und die oberen 
schichten des bodens abgetragen. Am 15. hat man die weitere frei- 
legung der Ostfront in angriff genommen. Man stiess, der südostecke 
des tempels gegenüber , auf ein gemäuer , wo sich der rechte Schenkel 
einer sitzenden gewandfigur eingemauert fand, und darunter ein männ- 
licher torso, dessen linker arm erhoben gewesen sein muss, beide figuren 
über lebensgrösse. — Man war wieder an einen punkt gekommen, wo 
eine ganze reihe von marmorskulpturen zusammengetragen war, die 
sämmtlich, wie es scheint, dem tempelgiebel angehört haben. — Am 
18. zeigte sich ganz in der nähe der untere theil einer gewandfigur 
0,62 hoch. Die beine sind bis über die knie erhalten, die mittelfalten 
reichen noch höher hinauf. Am morgen des 19. kam in der richtung 
auf die südostecke der untere theil einer zweiten gewandfigur zu tage. 
Sie kniet auf dem rechten bein, das mit einem gewande von vorzüg- 
lichem faltenwurfe bedeckt ist. Die basis und der rechte fuss, der 
gegen die giebelwand gerichtet war, sind erhalten, hoch 0,64. Der 
mit gewand bedeckte Oberschenkel misst 0,58, der Unterschenkel 0,67. 
— Nordöstlich von dem erstgenannten torso fand sich, ebenfalls am 
19., das erste ansehnliche fragment eines pferdeleibes mit den ansätzen 
der beine (gesammtlänge 0,52), nachdem sich kleinere Überreste von 
pferden kurz vorher weiter nördlich gefunden hatten. — So sind in 
wenig tagen von fünf verschiedenen figuren des ostgiebels mehr oder 
minder ansehnliche bruchstücke gefunden , die sich allmählich vervoll- 
ständigen und mit hülfe der beschreibung des Pausanias sowie des die 
giebelcomposition beherrschenden parallelismus ordnen lassen werden. 
Man erkennt schon, dass der torso des 17. dem früher gefundenen ent- 
spricht, welcher der anderen , d. h. rechten giebelhälfte angehörte. 
Beide wird man zu der gruppe der mit den pferden beschäftigten 
Wärter rechnen. Es beginnt auch über die zeit, in welcher man die 
trümmer des giebelfeldes so rücksichtslos durcheinander geworfen hat, 
sowie über die katastrophen, welche den boden von Olympia heimge- 
sucht haben, mehr licht zu werden. Denn es hat sich in einer spalte 
des gemäuers ein schätz von ca. 800 durch eine feuersbrunst zum theil 
zusammengeschmolzener byzantinischer kupfermünzen gefunden, deren 
Untersuchung weitere belehrung verspricht. — Unter den einzeln gefun- 
denen alterthümern wird das erste ansehnliche bruchstück eines (mit 
gewand bekleideten) erzbildes angeführt, eine terrakottenplatte mit zier- 
lichen arabesken u. a. — Man fand ferner eine basis mit den wohlge- 
arbeiteten füssen einer gruppe von zwei figuren, eine zweite marmor- 
basis mit der wohlerhaltenen inschrift zu ehren des Telemachos , des 
sohnes des Leon, aus Elis, dem von den hellanodiken unter Vorsitz des 



340 Kleine philologische zeitung. Nr. 7. 

Antiphanes und dem olympischen rathe eine hildsäule errichtet worden 
ist; endlich ein drittes postament aus weissem marmor mit einer durch 
alterthümliche schrift- und sprachformen ausgezeichneten weihinschrift 
in zwei distichen, gesetzt von einem Praxiteles, der sich Syrakusaner und 
Kamarinäer nennt. — Soweit die nachrichten bis zum 24. februar. 
Man sieht jetzt, dass der tempel auf drei seiten von mauerzügen spä- 
terer zeit umgeben war, die an der südostecke bis an die tempelstufe 
reichen, aus epistylbalken und anderen trümmern der alten kunst roh 
aufgeschichtet. An der nordseite allein hat man bis jetzt noch kein 
mauerwerk dieser art gefunden. Die abformung der ans licht gezogenen 
marmorwerke hat begonnen. Die inschriften werden nach den einge- 
sandten papierabdrücken in der archäologischen zeitung veröffentlicht. 
Sie sind auch in der archäologischen zeitung (s. unten p. 345 flg.) er- 
schienen: aber da sie durch spätere funde noch vervollständigt worden, 
theilen wir davon hier nichts mit. 

Nr. V nach Reichsanz. nr. 85 : Briefe des dr. Weil vom 1., 15. und 
22. märz melden den ungestörten und ergiebigen fortgang der arbeiten, 
die den zweck haben , den tempel des Zeus von allen seiten immer 
vollständiger frei zu legen. Dies ist an der ostseite in der hauptsache 
bereits geschehen. Man hat hier das alte pflaster gefunden, das über 
einer schicht von ziegeln und anderem material aus 0,23 dicken Stein- 
blöcken bestand. Der zugang zum tempel war nicht, wie beim Par- 
thenon , durch Zwischenstufen vor dem mittleren intercolumnium gebil- 
det, sondern eine freitreppe führte bis zu der zweiten tempelstufe hin- 
an; diese treppe bildete vor der mitte der tempelstufe eine terrasse, 
auf welcher die grundlage eines altars sichtbar geworden ist. — Die 
freilegung der Südseite ist von osten und westen her kräftig in angriff 
genommen. Zu den vielen für die geschichte der architektur wichtigen 
fundstücken gehören auch die wasserspeienden löwenköpfe von der 
traufrinne. Sie finden sich in drei stylarten gearbeitet , in altertüm- 
licher strenge (besonders an der südwest-ecke), ganz naturalistisch, und 
endlich in einem übergangsstyl ; eine mannigfaltigkeit, welche deutlich 
zeigt, dass der tempel nicht auf einmal gebaut und fertig geworden 
ist , wie der Parthenon , sondern ein werk sehr verschiedener epochen 
ist. — Was die Umgebung des tempels betrifft, so fand sich an der 
nordseite ein postament von porossteinen, 4 meter lang mit reliefstücken 
von gewandfiguren ; an der Südseite die basis mit einer ehreninschrift, 
die, wie es scheint, der kaiserin Faustina gilt. — Besonders erfreulich 
war die glückliche ergänzung verschiedener merkwürdiger Schriftdenk- 
mäler ; so fand sich am 2. märz das zweite stück zu der früher bespro- 
chenen (in der Arch. ztg. herausgegebenen) ageladasinschrift , welches 
zeigt, dass Ageladas hier der name des vaters ist und dass sein söhn 
Argeiadas der urheber des kunstwerks war. Auch die früher erwähnte 
Inschrift des Praxiteles ist jetzt in zwei distichen vollständig da und 
zeigt uns den ganzen lebenslauf eines Arkadiers, welcher sich am abend 
eines abenteuerlichen Wanderlebens in sein heimathliches bergland zu- 
rückgezogen hatte. — Am meisten einzelfunde sind vor der Westseite 
gemacht. Hier kam eine mauer zum Vorschein , die sich von der süd- 
westecke nach süden zieht, aus postamenten, säulentrommeln, triglyphen, 
ionischen und dorischen kapitellen , marmorblöcken und ziegeln bunt 
zusammengeschichtet. Hier fand sich eine basis mit der künstlerinschrift 
eines Sophokles (aus dem 4. oder 3. Jahrhundert v. Chr.), die ehrenin- 
schrift auf den Olympioniken Lykomedes und eine reihe vorzüglich er- 
haltener löwenköpfe aus terrakotta mit reichem farbenschmuck in voller 
frische, endlich eine inschrift, wahrscheinlich des L. Mummius an dem 
von Pausanias erwähnten Zeusbilde. — Von der südostecke des tempels 
3ind 10 schritt gegen SO die grundmauern eines rundbaues aus marmor 



Nr. 7. Kleine philologische zeitung. 341 

zum Vorschein gekommen. In derselben gegend (8 schritt gegen SSO.) 
zeigte sich am 15. märz eine runde marmorbasis, inwendig ausgehöhlt 
wie eine brunnenmündung, mit einer oben am rande angebrachten sehr 
altertümlichen Inschrift. Es ist dieselbe, welche Pausanias (kap. 24, 3) 
am fusse der Zeusstatue las, dem weihgeschenk der Lacedämonier , das 
dieselben nach der zweiten besiegung Messeniens errichtet haben sollen. 

— Auf die statue und das postament der Siegesgöttin , mit welcher die 
olympischen funde anfingen , haben die weiteren ausgrabungen immer 
wieder zurückgeführt. Man hat die gewaltigen blocke der basis, die 
sich 4 bis 5 meter hoch aufbaute, immer vollständiger gefunden; von 
der statue selbst einen marmorflügel und eine reihe von bruchstücken , 
welche dem abgusse sehr zu statten kommen. — Die ganze Umgebung 
der Nike wird jetzt klar. Man erkennt die alten, von weihgeschenken 
eingehegten wege, welche durch den hain des Zeus führten ; man erhält 
zum ersten male eine anschauung von der ursprünglichen anordnung 
und reihenfolge der denkmäler, welche sämmtlich an alter stelle stehen. 

— Von zerstreuten alterthümern sind zu erwähnen verschiedene Über- 
reste gerundeter marmorplatten mit spuren buntfarbiger maierei , das 
vordertheil eines pferdeleibes , ziegel vom tempeldache mit inschriften 
in elischer mundart u. a. — An mannigfaltigen und höchst lehrreichen 
ergebnissen für architektur , topographie und denkmälerkunde ist also 
der letzte monat sehr ergiebig gewesen. Die arbeiten haben ohne 
Störung fortgesetzt werden können unter der leitung von dr. Weil, wel- 
cher sich der Stellvertretung mit grosser treue angenommen hat. In- 
zwischen haben sich auch unsere beiden landsleute, welche das ganze 
werk mit aufopfernder thätigkeit so glücklich in gang gebracht haben, 
durch einen aufenthalt in Corfu wieder vollständig hergestellt. Bötti- 
cher ist schon ende märz auf seinen posten zurückgekehrt. Dr. Hirsch- 
feld geht am 4. april zusammen mit baurath Adler von Corfu nach 
Olympia, wo dann festgestellt werden soll, was noch in diesem frühjahr 
erreicht werden kann, ehe die Sommerhitze im Alpheiosthale eine not- 
wendige pause von mehreren monaten herbeiführt. 

VI aus Reichs. -Anz. nr. 101. Man hat in verschiedenen strecken an 
der südostseite des tempels die alte mauer gefunden, welche den tempel- 
hain einfasste, die Altismauer, deren aufdeckung für die topographie des 
ganzen locals wichtig ist. Vier bis fünf meter vor der mauer fand man 
eine reihe von postamenten ; 18 noch an ort und stelle stehend, andere um- 
gestürzt, die meisten sind oblong oder quadratisch, rund nur zwei. Näher 
der mauer fanden sich die bruchstücke älterer grösserer postamente, die 
wohl zur aufstellung eherner Viergespanne gedient haben. Nach frei- 
legung aller postamente steht eine reichliche inschriftenernte in aussieht. 
Von sculpturen fand man die fragmente einer kaiserstatue, neue pferde- 
fragmente vom ostgiebel und unter der masse vergoldeter bronze, die 
den boden bedeckt, einige grössere werthvollere stücke, die kriegern, 
rossen und dreifüssen angehören. — Der alte boden wird jetzt auch an 
der südseite des tempels freigelegt , wo die mächtigen säulentrommeln, 
wie sie vom erdstosse hingeworfen wurden, neben einander liegen. An 
der s.-w. ecke des tempels beginnt vom unterbau desselben eine ca. 4 
meter breite mauer, die sich bis jetzt 16 meter weit nach süden ver- 
folgen lässt ; eine mauer , welche , wie die fränkische mauer in Athen, 
aus einer unglaublichen menge von architecturstücken aufgebaut ist, 
glücklicher weise ohne mörtel, so dass die allmähliche auflösung dieser 
mauer für die baugeschichte von Olympia reiche ergebnisse verspricht. 
— Seit der ankunft von baurath Adler und dr. Hirschfeld in Olympia 
(sonnabend , 8. april) wurde den arbeitern eine neue aufgäbe gestellt, 
nämlich die Säuberung des fussbodens des tempels, um auf demselben 
die spuren der alten baulichen einrichtung zu erforschen. Eine völlige 

Philol. Anz. VII. 22 



342 Kleine philologische zeitüng. Ur. 7, 

ausräumung ist in diesem frühjahr nicht mehr möglich, doch hat man 
schon die Überreste der Cellamauer gefunden, sowie die unteren theile 
der säulen, welche in der Cella aufgestellt waren ; hier ist auch das alte 
marmorpflaster erhalten, dessen beschaffenheit über die ursprüngliche 
eintheilung und benutzung des raums die lehrreichsten ergebnisse in 
aussieht stellt. Man ist gegenwärtig beschäftigt, die vorzelle (pronaos) 
des tempels vollständig auszuräumen und die schuttmassen zu entfernen, 
welche die südhälfte der Cella noch bedecken. — Diese arbeiten wurden 
täglich von 80 mann ausgeführt , lediglich zur wissenschaftlichen erfor- 
schung des tempelbaues und ohne hoffnung auf besondere funde. Um 
so erfreulicher war es, dass mittwoch, den 19. april, bei aufräumung 
des pronaos dicht unter der Oberfläche (0,60 tief) eine metopentafel zum 
Vorschein kam, nach oben gekehrt, so dass der köpf einer Jungfrau zu- 
erst sichtbar wurde. Donnerstag mittag wurde die freilegung vollendet 
und man hatte nun ein prachtstück der ersten Campagne vor äugen. 
Es ist eine marmortafel, 1,60 hoch, 1,51 breit, ohne oberen rand, mit 
niedrigem unterrand. Links eine feierlich stehende, lang bekleidete 
Jungfrau, deren rechter arm herabhängt mit geöffneten fingern; der 
köpf ist nach rechts gewendet, das wellige haar mit einer haube be- 
deckt; der linke arm ist nach oben gerichtet. Daneben, ihr den rücken 
wendend, ganz im profil, ein unbekleideter mann, eine last tragend; 
der bärtige köpf ist nach vorne gerichtet, so dass er in geschickter 
weise zwischen den Oberarmen sichtbar wird. Ihm gegenüber Herakles, 
den rechten arm nach vorne streckend , mit drei Aepfeln in der hand : 
der linke arm ist gebrochen. Alles andere ist vortrefflich erhalten , na- 
mentlich der köpf mit spitzbart, locken und Stirnband. Die an der 
unteren ecke rechts fehlenden stücke sind grösstentheils noch gefunden. 
Das werk ist nach styl und inhalt unschätzbar. Die figur in der mitte 
kann nur Atlas sein , von dem man glaubte , dass sein köpf unter den 
aus Olympia nach Paris gebrachten bruchstücken sei. — Wegen der 
auiräumung des inneren tempels ist die ausgrabung innerhalb desselben 
langsamer vorgeschritten. Dazu kommt, dass zum Osterfeste die Tza- 
konen in ihre heimath abzogen und die arbeitskräfte um ein drittel 
verringert wurden. Auch die herstellung der Photographien, die durch 
Romaides aus Patras gemacht sind und sehr gelungen sein sollen (sie 
werden jetzt in Patras vervielfältigt), verlangte viel arbeitskräfte, um 
die sculpturwerke aus den magazinen und zurück zu bringen. Ebenso 
war die herstellung der gypsformen durch Martinelli und Borghini eine 
schwierige und mühevolle aufgäbe. Es sind jetzt alle wichtigeren 
stücke geformt und zur Verpackung bereit; der transport soll auf dem 
Alpheios bewerkstelligt werden, denn leider ist die fahrstrasse noch 
nicht fertig, auch nicht die Kladeosbrücke, welche den Schlusspunkt der 
Strasse von Pyrgos nach Olympia bilden soll. Dr. Hirschfeld wird Ver- 
packung und transport überwachen. Bei dem zusammensuchen der zu- 
sammengehörigen sculpturen ist es gelungen, den Unterkörper des knie- 
enden mannes mit dem am 15. december gefundenen Oberkörper 
als vollkommen zusammenpassend zu erkennen; dadurch ist eine 
beinahe vollständige figur des ostgiebels gewonnen, die figur eines 
wagenlenkers , welche der linken giebelseite angehört. Als zur 
Nike gehörig hat sich das bruchstück eines vogels gefunden, das 
genau an die linke seite der statue passt. Von inschriften sind 
in den letzten wochen besonders solche zu tage gekommen, die sich 
auf römische zeiten beziehen, drei Mummiusinschriften , eine inschriffc 
auf Claudius Lyson u. a. — Man denkt vorläufig die arbeiten bis 
gegen ende mai fortzusetzen. Die Jahrhunderte lang so verödete 
tempelstätte von Olympia ist seit diesem frühjahr wieder ein wallfahrts- 



Nr. 7. Kleine philologische zeitung. 343 

ort geworden ; in den ostertagen hat man täglich 4- bis 500 fremde 
gerechnet. 

Ueber das zeitungswesen in China giebt der Reichsanz. nr. 15 ei- 
nige notizen. 

Einige nachrichten über die reise des oberst Gordon in Africa den 
Nil betreffend giebt Reichsanz. nr. 26 , die in nr. 47 aber dahin 
vervollständigt werden, dass der oberst seine reise hat aufgeben 
müssen. 

Zwischen Colombier und Auvernier in der Schweiz sind gräber 
entdeckt, welche in die zeit der pfahlbauten gesetzt werden. Näheres 
giebt aus dem Feuille d'avis des montagnes der Reichsanz. nr. 29. 

Eine zusammenfassende darstellung der bisherigen ausgrabungen in 
Augsburg und somit eine grundlage für die erörterungen über die ge- 
schichte dieser stadt in römischer zeit wird prof. Schreiber nach Reichs- 
anz. nr. 37 in der Augsb. Allg. ztg. erscheinen lassen. 

Berlin, 12. febr. Gladstone soll ein werk betitelt Thesauros Ho- 
merihos erscheinen lassen wollen. — Es ist das wohl dasselbe, welches 
ende februar unter dem titel : die zeit und der ort Homers erschienen 
ist. Nach einer mittheilung im Reichsanz. nr. 65 nimmt Gladstone an, 
dass in den berichten über den trojanischen krieg ein solider thatsäch- 
licher kern liege , dass Homer innerhalb des ersten Jahrhunderts nach 
jenem kriege gelebt und noch vor der dorischen Wanderung geblüht 
habe : ein asiatischer grieche sei Homer nicht gewesen , aber über ori- 
entalische und ägyptische dinge gut unterrichtet. 

Saarbrücken, 16. febr. Bei dem dorfe Wellen stiess man bei den 
erdarbeiten der bahn Trier-Diedenhofen auf Überreste eines römischen 
badehauses, welches zu einer sehr reich eingerichteten villa gehört haben 
muss. Die grosse da gefundene anzahl von münzen, ringen, spangen, 
theile einer kolossalen urne aus marmor u. s. w. sind nach Bonn ge- 
schafft, um im dortigen museum aufgestellt zu werden. 

Nach der Academy giebt Reichsanz. nr. 57 kurze nachricht von 
einem funde im tempel zu Karnak ; die inschriften enthalten den namen 
Psammetich I. 

Heidelberg , 11. märz. Gestern wurden hier im museumssaale 
Aeschylos Perser nach einer Übersetzung des prof. Köchly von mitgliedern 
des mannheimer theaters aufgeführt ; die durchweg im 'sprachgesang' 
gehaltenen chöre waren vom erbprinzen von Sachsen-Meiningen in musik 
gesetzt. 

Berlin, 24. märz. Dr. Siegmund, am gymnasium zu Strassburg 
angestellt, ist auf der insel Kypros, wohin er sich seiner antiquarischen 
und geographischen arbeiten wegen begeben hatte, durch einen unglück- 
lichen zufall am 3 h. ums leben gekommen. Mit ausgrabungen bei Palaio 
Limassoi, dem alten Amathus, beschäftigt, verlor er beim herausklettern 
aus den ruinen den halt und fiel so unglücklich zurück, dass er sofort 
starb. Seine Verdienste um die entzifferung der kyprischen inschriften 
sind jüngst im Philol. XXXV, 1 gebührend hervorgehoben. 

In der Gazetta Ufßciale vom 22. märz erlässt die Societa Reale 
zu Neapel ein Preisausschreiben für gelehrte aller nationalitäten: eine 
arbeit in italienischer, lateinischer oder französischer spräche wird ver- 
langt über die alexandrinische philosophie nach den Schriften des 
Prokies: preis 600 lire, ablieferungszeit 3. juni 1877: adresse : das 
Becretariat der königl. academie der moralischen und politischen Wis- 
senschaften zu Neapel. 

In einem kürzlich bei Rom ausgegrabenen Columbarium haben die 
auf den vier wandflächen vertheilten frescobilder besondere aufmerk- 
Bamkeit erregt, weil gegen den bis jetzt bekannten brauch italische 
Bagen den stoff zu ihnen geliefert : man findet nämlich in diesen fresken 

22* 



344 Kleine philologische zeittmg. Nr. 7. 

die entstehung Albaiongas, Laviniunis und Roms dargestellt: so die 
aussetzung von Romulus und Remus, den bau der mauern Roms, wobei 
die quaderzusammenstellung des mauerwerks genau in der weise er- 
scheint, wie sie sich noch jetzt in den erhaltenen fragmenten zeigt. 
Vrgl. Reichsanz. nr. 80. 

Die Moabitica. Das preussische cultus-ministerium hat sich im vo- 
rigen jähre bewegen lassen , eine reihe sg. moabitischer vasen und 
sonstiger antiquitäten , von denen in der Zeitschrift der morgenländi- 
schen gesellschaft seit 1872 trotz des kopfschüttelns wahrer kenner 
(s. unter andern Socin in Augsb. Allg. ztg. 1872 beil. zu nr. 80) viel- 
fach die rede gewesen, um 17000 thlr. anzukaufen. Die tagespresse 
nahm unseres wissens von dem ankauf wenig notiz: kenner äusserten 
wiederholt, dass das ministerium auf das gröblichste betrogen sei : klar 
ist dann der betrug nachgewiesen in der schrift : die ächtheit der moa- 
bitischen alterthümer geprüft von prof. E. Kauizsch und prof. A. Socin 
in Basel. 8. Strassburg-London. 1876. Welche aufnähme dies buch 
und der ankauf selbst in gelehrten kreisen gefunden, lässt deutlich fol- 
gender artikel der Berliner nationalzeitung in nummer 85 (vom 20. febr. 
1876) im ersten beiblatte erkennen: 

Hinsichtlich der moabitischen alterthümer des berliner museums 
geht uns aus Göttingen unter dem 17. februar 1876 folgender brief zu, 
den wir wegen des interesses, das die angelegenheit in gelehrten kreisen 
erregt hat, wörtlich mittheilen: Sie gestatten mir wohl, geehrter herr, 
unter bezugnahme auf die in nr. 79 Ihres blattes an einen in der ber- 
liner börsenzeitung abgedruckten brief der herren professoren Kautzsch 
und Socin angeknüpften bemerkungen Ihnen eine stelle aus dem Vor- 
worte mitzutheilen , welches jene beiden gelehrten ihrem schätzbaren 
buche vorgesetzt haben. Es heisst dort: 

Wir halten es für unsere erste pflicht, auf grund einer umfassen- 
den korrespondenz und mündlichen besprechung mit zahlreichen fach- 
genossen ausdrücklich zu konstatiren, dass uns wenigstens nur eine 
verschwindend kleine zahl von vertheidigern der ächtheit bekannt 
geworden ist gegenüber der grossen zahl derer, welche die thonwaaren 
entweder ausdrücklich oder doch mit sehr schwacher reserve für eine 
grossartige fälschung erklären. 
Mir selbst sind in ganz Deutschland nur vier gelehrte bekannt, 
welche den jerusalemer lohndiener Selim für einen alten Moabiter ge- 
halten haben: die zwei, welche allen Warnungen zum trotz den ankauf 
des plunders — denn gekauft ist er — veranlassten : ein ziemlich seitab 
stehender enthusiast, und ein seitdem verstorbener, an dessen einsieht 
zu zweifeln man übrigens längst allen grund hatte. Jene beiden haben 
für allen spott aufzukommen , welcher aus der angelegenheit erwachsen 
ist und noch erwachsen wird : die deutsche Wissenschaft braucht gar 
keine vertheidigung, und gerade in Berlin haben Rödiger und Wetzstein 
deutlich genug ihre meinung gesagt. — Wenn hochgestellte leute sach- 
verständige befragen wollen , müssen sie zu beurtheilen verstehn , wer 
sachverständig ist, und wer nur zur zeit in gewissen kreisen für sach- 
verständig gilt. Hochachtungsvoll professor Paul de JLagarde, doctor 
der theologie. 

Es wäre die angelegenheit wohl nur in gelehrten kreisen verhan- 
delt, wäre sie nicht gegenständ einer Interpellation im Preussischen 
abgeordnetenhause geworden und hätte nicht Th. Mommsen bei dieser 
gelegenheit das ministerium zu vertheidigen gesucht. Denn Mommsens 
rede (s Stenogr. ber. p. 698) Hess die Stellung des prof. Fleischer, 
einer der ersten autoritäten in diesem fache, zu den moabitica in 
einem eignen lichte erscheinen ; man musste glauben , dass dieser 
gelehrte sie für echt gehalten und ihren ankauf gutgeheissen. Des- 



Nr. 7. Kleine philologische zeitung 345 

halb erklärte prof. Fleischer im Leipz. Tagebl. vom 21. märz, er 
habe den prof. Th. Mommsen zur berichtigung jener rede aufgefordert 
und bald darauf versicherte der friedfertige gelehrte ebendas. vom 24. 
märz, dass ein brief Th. Mommsen's ihm die gewünschte genugthuung 
gebracht und weitere Verfolgung der sache unnöthig erscheine. Da- 
gegen verwahrte sich jedoch Th. Mommsen in einem dunkeln artikel 
in der Nation, ztg. nr. 144, und behauptete keine genugthuung gegeben 
zu haben. Mittlerweile hatten die Grenzboten nr. 16 die sache be- 
sprochen: aber ein artikel Fleischers in der Deutsch, allgem. ztg. vom 
12. april bewog den vrf. des aufsatzes in Grenzb. nr. 16 zu einem 
nachtrag in nr. 17 p. 154, nach welchem Fleischer nie an der un- 
echtheit der moabitica gezweifelt hat und in dem, um die sache ins 
klare zu bringen, drei fragen an Th. Mommsen gestellt werden: dabei 
spricht vrf. offen aus — p. 156 — dass 'sie (die durch den ankauf 
erzeugte blamage) auf einer oder einigen vorläufig noch unbekannten 
aber vielleicht zu errathenden grossen in Berlin sitzen bleibt. Wir 
haben Ursache uns aufrichtig darüber zu freuen'. Doch schon in Grenzb. 
nr. 18 spricht derselbe vrf. ohne antwort auf seine fragen abzuwarten, 
auf grund des ihm mitgetheilten oben erwähnten privatbriefes Th. 
Mommsens an Fleischer rückhaltslos aus, Mommsen habe 'mit seiner 
beschuldigung Fleischers im Preussischen abgeordnetenhause wissent- 
lich und absichtlich vor Deutschland, vor ganz Europa die Unwahrheit 
gesagt, auf deutsch — gelogen': eine anklage, auf die Th. Mommsen 
nicht schweigen konnte. Und so vertheidigt er sich in einem 'zur ab- 
wehr' üb erschriebenen artikel aus Rom, s. Im neuen reich nr. 22, p. 899: 
mit diesem fast gleichzeitig erschien in Grenzb. nr. 23, p.399 'in Sachen 
Mommsens contra Fleischer', wo das 'gelogen' zwar zurückgenommen, aber 
dafür p. 400 gesagt wird: 'er (Mommsen) hat nicht bewusst die Un- 
wahrheit gesagt, aber nicht die volle Wahrheit': dabei nennt der vrf. 
als den, welcher die meiste Verantwortung des ankaufs trage, den 
GORR. Olshausen. Dies das bis jetzt veröffentlichte und unsere 
quellen. Aus allen diesen Schriften und gegenscbriften geht meine ich 
der wahre Sachverhalt nicht deutlich hervor: daher folgendes. Der 
vorstand der deutschen morgenländischen gesellschaft hat 1872 dem preussi- 
schen cultus-ministerium den ankauf einiger wenigen moabitischen inschrif- 
ten (vasen) empfohlen : diesen antrag hat Fleischer als mitglied jenes 
Vorstandes unterschrieben, daneben aber in einer besondern für das 
preussische cultus-ministerium bestimmten eingäbe (abgedruckt Nat.-ztg. 
nr. 179) auf die mit diesen alterthümern notorisch betriebenen fäl- 
schungen nachdrücklichst hingewiesen und zu grösster vorsieht gemahnt, 
ein verfahren, woraus niemand vernünftiger weise Fleischern einen Vor- 
wurf machen kann: diese eingäbe ist mit jenem antrag dem prof. 
Schlottmann, einem mitgliede jenes Vorstandes, zur einsendung an das 
ministerium übergeben, nie aber an dasselbe gelangt: wie ist das mög- 
lich gewesen? wo ist das aktenstück geblieben? Die vasen sind dann 
gekauft. Mit diesem geschäfte steht der ankauf der sg. moabitica um 17000 
thlr. = 51000 rmk. in keiner Verbindung: bei ihm ist Fleischer gar nicht 
betheiligt: es durfte daher jener antrag mit Fleischers Unterschrift auch 
ohne jene eingäbe zu des zweiten ankaufs rechtfertigung von Mommsen 
gar nicht herangezogen werden ; es wäre ja doch von jenen paar 
(unechten) inschriften und vasen auf die echtheit dieser masse plunders 
zu schliessen gegen alle regeln der kritik und eine ausser aller berech- 
nung liegende Übereilung. So hat denn der anonymus in Grenzb. nr. 18 
in betreff Mommsens leider so unrecht nicht: es mag immerhin ein 
unterschied zwischen lügen und wissentlich zu des einen nachtheil und 
dem vortheil anderer nicht die volle Wahrheit sagen bestehen — hier 
ist er gleichgültig, "da ausgemacht bleibt, dass Th. Mommsen bei seiner 



346 Auszüge aus Zeitschriften. Nr. 7. 

vertheidigung des ministeriums sich eben nicht sittlicher mittel bedient 
hat. Und darin liegen die gründe, weshalb hier der sache gedacht 
worden: bei den jetzigen kämpfen würde sie sofort zum nachtheil der 
deutschen gelehrtenweit ausgebeutet, verhindert diese dies nicht selbst 
durch unnachsichtige verurtheilung des verwerflichen. Dann aber hat 
Th. Mommsen in der neuerdings so viel besprochenen promotionsfrage 
(s. unten hft. 9) ganzen facultäten und Universitäten mangel an Sittlich- 
keit vorzuwerfen sich nicht entblödet, es scheint deshalb nicht ganz 
werthlos, die sittlichen grundsätze des angreifers festzustellen. Uebrigens 
sieht aucb, wenn nicht alles trügt, das cultus-ministerium ein, wie miss- 
lich es sei, von Th. Mommsen vertheidigt zu werden: ein erlass desselben 
das promotionswesen betreffend (s. Reichsanz. nr. 122 und unt. hft. 9) 
führt darauf. Th. Mommsen selbst aber ist allen diesen wirren glücklich 
entrückt: durch sein amt gezwungen weilt er jetzt in demland, wo die 
citronen blühen; aber das was aus Italien von den von ihm daselbst gege- 
benen gastrollen verlautet, zeigt auch wie er nichts besser versteht als der 
eignen partei Verlegenheiten bereiten ; das nächste heft bringt das nähere. 
Was jedoch schliesslich das für die Wissenschaft wichtige bei diesen 
moabitica betrifft, so hat Hoffmann in Gott. gel. anz. 1876 nr. 16 in 
der anzeige des oben erwähnten buchs Socin's und Kautzsch's die un- 
echtheit von neuem constatirt und dabei auch die schrift 'Moabi- 
tisch oder selimisch? die frage der moabitischen alterthümer neu unter- 
sucht von dd. Koch, prof. in Schaffhausen. 8. Stuttgart 1876' be- 
sprochen, wo der vergebliche versuch gemacht wird, für theilweise echt- 
heit einzutreten. — E. v. L. 

Auszüge aus Zeitschriften. 

Archäologische zeitung von E. Curtius und R. Schöne bd. 
VIII hft. 1. 2 (der ganzen folge bd. XXXIII): E. Curtius, die darstel- 
lungen des Kairos, p. 1 (hierzu taf. 1, 2, 1—4). — E. Schuhe, mar- 
morbüste eines römischen feldherrn, p. 9 (hierzu taf. 3). — F. Matz, 
über ein relief in palazzo Colonna, p. 18 (hierzu taf. 4). — H. Engel- 
mann, Herakles mit Erginos, p. 20. — G. Hirschfeld, Teos, p. 23 
(hierzu taf. 5 und eine hülfstafel): äusserst interessante geschichte der 
stadt mit besonderer rücksicht auf inschriften und ruinen: dabei auch 
eine situationskarte in holzschnitt. — A. Michaelis, bemerkungen zur 
sicyonischen malerschule, p. 30. — G. Treu, Aphrodite Anadyomene, p. 

39: ein terracottengrefäss des museums in Berlin (hierzu taf. 6.7). 

Miscellen: F. Weizsäcker, zur periegese des Pausanias, p. 45: be- 
zieht sich auf Paus. 1, 22 und schützt gegen C. Wachsmuth die über- 
lieferte La in Herod. V, 77 idvövn. — G. Hirschfeld, ein smyrnäischer 
grabstein, p. 47 (hierzu taf. 2, 5) : es wird auf ihm der Demos als den 
todten kränzend genannt: Cic. p. Flacc. 31 : und Corp. Jnscr. Grr. T. 
n. 3216 flg. — W. Forchhammer, zu den terracotten aus Tanagra, p. 
47: den mann auf ihnen, den man für einen kuchenbäcker gehalten, 
fasst Forchhammer als ke vxavt^g , d. h. als verfertiger von ksvxmjuara. 
— A. Michaelis, sepulcrales weihrelief in Mannheim, p. 48: die ir schrift 
darauf soll lauten: . . ygiog avi&tjytv Evktp. — E. Curtius, die ent- 
deckung des zweiten Sesostrisbildes bei Smyrna durch C. Humann, p. 
50: nebst holzschnitten. — A. Trendelenburg, zwei zusammengehörige 
fragmente des capitolinischen Stadtplans, p. 52. — E. Curtius, zur to- 
pographie der propyläen: bespricht mit bezug auf ob. p. 46 und erklärt 
Herod. V, 77 itfiövn — — Berichte: Aus Triest und Athen, p. 54. — 
Rom : festsitzung des archäologischen instituts, p. 55. — Berlin : ar- 
chäologische gesellschaft, p. 57. — Berichtigung von iü. E. zu Arch. 
ztg. 1874, p. 150. 



Nr. 7. Auszüge aus Zeitschriften. 347 

Hffc. 3 : K. Dilthey , über die darstellungen der kindermordenden 
Medea, p. 63 (hierzu taf. 8). — H. Dütschke, Admetos und Alkestis, 
relief im palazzo Ribaccini in Florenz, p. 72 (hierzu taf. 9). — R. Für- 
ster, über den Sarkophag zu Wiltonhouse , p. 79. — A. von Sallet, 
Zeus, Poseidon und Nike, vasenbild aus Cervetri, p. 87 (hierzu taf. 
10): die götter sind durch beischriften bezeichnet: sehr schön. — G. 
Treu, die teller des Duris im Berliner museum, p. 88, mit holzschnitt. 
JE. Curtius , die griechische kunst in Indien (hierzu taf. 11). — C. 
Robert, neue fragmente der parthenonsculpturen , p. 95. — — Mis- 
c eilen: A. Michaelis, fragment eines attischen Sokrates, p. 104. — 
Derselbe, Cesarini — Ludovisi, p. 106 : betrifft Sammlungen von antiken. 

— p. 111: (die Verkehrtheiten in diesem aufsatz werden hft. 4, p. 168 
dargethan). — Derselbe, zu den Orestes-sarkophagen , p. 107. — Th. 
Schreiber, die Anadyomene und der Monoglenos des Apelles, p. 108: 
erklärt Petron. Satyr. 877. — E. Plew , Apollon Krateanos, p. 113: 
erklärt Kgcmavös als Apollo von Krateia in Bithynien: s. ob. nr. 2, p. 
110. — — Berichte: Berlin: archäologische gesellschaft. 

Hft. 4 : E. Petersen, die neueste erklärung der westgiebelgruppe 
des parthenon, p. 115: gegen Stephani gerichtet. — W. Gebhard, das 
braunschweigische onyxgefäss, p. 128. — F. Pervanoglu, diptychon des 
städtischen museum zu Triest, p. 131 (hierzu taf. 12). — C. Robert, 
Iphigenie in Tauris (hierzu taf. 13). — Derselbe, die ausgrabungen in 
Tanagra, p. 148 : durch die terracottafunde 1873 aufmerksam gemacht, 
hat die archäologische gesellschaft in Athen ausgrabungen veranlasst, 
von denen hier gehandelt wird , zugleich werden eine reihe inschriften 

— einige facsimilirt — mitgetheilt, durch welche die kenntniss des böo- 
tischen alphabets wesentlich bereichert wird. — C. D. Mylonas, drei 
griechische Spiegel, p. 161 (hierzu taf. 14). — R. Weil, münzfund vom 
Dipylon, p. 163. — E. Curtius, zwei terracotten des antiquariums in 
Berlin, p. 166 (hierzu taf. 15): betreffen Eos und Kephalos, Dionysos 
und Silen. — — Mise eilen: C. v. Wilamowitz, die eidechse des 
Diokles und die einäugige des Apelles: behandelt Straton in Anth. Pal. 

XII, 207 und Petron. Sat. 83 mit bezug auf ob. hft. 3, p. 111. 

Ber ichte .- Chronik der Winkelmannfeste, p. 170. — Archäologische 
gesellschaft in Berlin, p. 173. — Die ausgrabungen von Olympia, p. 
175: zuerst werden die drei ersten berichte (s. ob. p. 335) mitgetheilt, 
dann p. 178 inschriften aus Olympia, mit bemerkungen von A. Kirch- 
koff, von welchen wir aus dem ob. p. 340 angegebenen gründe noch 
nichts mittheilen. — A. Engelmann, allgemeiner Jahresbericht, p. 187. 

Augsburger Allgemeine zeitung , 1875, beil. zu nr. 292: bei dem 
rectoratswechsel an der Universität Wien vorgefallene ungezogene de- 
monstrationen der Studenten: sehr zu beklagen. — Beil. zu nr. 293: 
der griechische wissenschaftliche verein in Konstantinopel: inhaltsanzeige 
von Mordtmann über bd. VII und VIII der abhandlungen dieses Ver- 
eins: in diesen bänden stehen auch inschriften aus Sebastopolis im 
Pontus, jetzt Su!u-Salai genannt, abhandlung über Chalcedon, über Ky- 
zikos mit münzen, auch über leukadischen dialekt der neuzeit; der 
druck der anzeige ist aber durch druckfehler sehr entstellt. — Beil. zu 
nr. 296 : stimmen aus der Schweiz über religion und Wissenschaft. — 
Beil. zu nr. 303: die neuentdeckte handschrift des Strabo: s. ob. p. 
258. — Beil zu nr. 304. 305. 358. 359 : Fr. von Zäher, Kretafahrten. 
VI. VII: betrifft die hochebene von Homato , und deren geschichte in 
neuerer zeit, namentlich nr. VII, womit diese Kretafahrten geschlossen 
sind, verweilt bei Schilderung der kriege mit den Türken. — Beil. zu 
nr. 306: enthält ein decret vom 3. october, das reglement der italieni- 
schen Universitäten betreffend : wir heben daraus hervor, dass ungefähr 
fünf monate ferien, die Studenten prüfungen unterworfen sind, frauen* 



348 Auszüge aus Zeitschriften. Sfr. 7. 

zimmer auch hören, ja auch promovirt werden dürfen; zu wissenschaft- 
lichen zwecken sind Studentenverbindungen erlaubt: auch für die Pro- 
fessoren fehlt es nicht an bestimmten Vorschriften, z. b. : 'der professor 
trägt nach jeder Vorlesung in ein dazu bestimmtes buch den 'titel' ein, 
den er in seiner Vorlesung behandelt hat u. s. w.' — Zur neugriechi- 
schen literatur: die ausgäbe der änccvra <pt\okoyi>xd von Rangawis wird 
angezeigt: (s. ob. hft. 5, p. 258). — Beil. zu nr. 307: Max Müller, über 
Volksunterricht in England: Übersetzung einer rede, die dieser gelehrte 
in Manchester gehalten. — Nr. 309: das grab von J. H. Voss: s. oben 
hft. 5, p. 258. — Beil. zu nr. 314: Eduard Zeller, vortrage und ab- 
handlungen: sehr beachtenBwerthe anzeige der zweiten aufläge dieses 
buchs: ausführlich wird der erste aufsatz: 'die entwicklung des mono- 
theismus bei den Griechen' und 'der platonische staat in seiner bedeu- 
tung für die folgezeit' besprochen. — Nr. 321: Stipendien für die Uni- 
versität Czernowitz. — Beil. zu nr. 322 : der Ursprung der spräche : 
anzeige der schrift von Marti/ über den Ursprung der spräche. — Beil. 
zu nr. 324: die römische nekropole am Esquilin: berichtet über die 
columbarien: sehr zu beachten. — Beil. zu nr. 334: die oben nr. 306 
erwähnte reorganisation an italienischen Universitäten wird in Italien 
im parlament wie an den Universitäten scharf und zwar mit recht an- 
gegriffen : denn es fehlt ihr ein sicheres prineip und daher organische 
einheit. In Turin ist professor Pacchiotti in öffentlicher rede gegen sie 
aufgetreten und wie sehr Bonghi sich davon getroffen fühlt, zeigt, dass 
er unklug genug Pacchiotti einen verweis hat zukommen lassen : in Rom 
hat professor Guido Bochelli den kämpf eröffnet. Die Universitäten 
fühlen sich in ihren rechten verletzt und jedenfalls hätten sie gehört 
werden müssen: sie sehen weiter die Verkehrtheit der Organisation ein; 
auf der einen seite wird professoren wie Studenten freiheit gegeben, 
auf der anderen beide schülermässig beschränkt. Auch im Parlament 
fühlt man sich verletzt, da man meint, so tief eingreifende änderungen 
in öffentlichen instituten dürften ohne seine stimme zu hören nicht ge- 
macht werden: mit mühe hat Minghetti aufschiebung der sache bis zu 
Bonghi's Wiederherstellung erlangt. — Es sind dies zustände und fragen, 
welche uns Deutsche sehr nahe angehen : die scheinbare freiheit, welche 
jetzt die preussischen resp. deutschen Universitäten noch besitzen, wird 
bei neuen unterrichtsgeselzen , auch wenn sie vor die kammern und 
landtage kommen , trotz einzelner protestationen und gegenstimmen 
immer mehr beschränkt werden, einerseits weil in der regierung die 
bureaukratie das übergewicht hat und dieser jede abweichung von 
ihrem zopfe und vor allem jede auch noch so geringe Selbstständigkeit 
von wegen ihrer inneren nichtigkeit und schwäche zuwider ist , andrer- 
seits weil das publikum und somit auch die kammern auf den miss- 
brauch, welchen übermüthige und gewissenlose professoren von der 
freiheit — z. b« im schliessen und anfangen der Vorlesungen — machen, 
zu viel gewicht legen und statt auf die rechte weise die schwächen 
der Universitäten deren wesen gemäss zu verbessern, gleich zu scheinbar 
energischen heilmitteln greifen und so das kind mit dem bade aus- 
schütten. — Beil. zu nr. 336 : kurze notiz über die die regulirung der 
Tiber betreffenden vorschlage der dazu ernannten commission. — Beil. 
zu nr. 337 : Aegyptisches : Vortrag von Brugsch auf dem orientalisten- 
congresse zu London, den durchgang der Israeliten durch das rothe 
meer betreffend: er verlegt ihn nach Unter-Aegypten. — 



Nr. 8. 9. August. September 1875« 

Philologischer Anzeiger. 

Herausgegeben als ergänzung des Pnilologus 



von 

Ernst von Leutsch. 



283. Lexicon etymologicum latino etc. — sanscritum com- 
parativum quo eodem sententia verbi analogice explicatur. Con- 
struxit Seb. Zehetmayr gymn. prof. 8. Vindobonae 1873. 
prostat apud Alfredum Hoelder. VII, 37 9 s. 

Keferent ist diesem buche des professor Seb. Zehetmayr 
in Freising, der bereits mehrfach gezeigt hat, dass er der ent- 
wicklung der modernen Sprachforschung mit interesse und ver- 
ständniss gefolgt ist, in einer eigentümlichen läge. Er möchte 
es gern loben, denn es verdient in mancher beziehung lob, aber 
dieser edlen absieht steht doch wieder mancherlei recht störend 
im wege. Man kann zu keiner rechten freude über das buch 
kommen und muss sich schliesslich eingestehen, dass keine fühlbare 
lücke in der Wissenschaft wäre, wenn es nicht existierte. Dies 
Schicksal theilt es freilich mit so vielen andern büchern, dass 
ihm daraus noch kein besonderer Vorwurf gemacht werden kann. 
Wir Deutschen haben aus früheren zeiten philosophischer Schu- 
lung noch immer die unangenehme eigenschaft beibehalten, nach 
dem zwecke eines jeden dinges zu fragen; und wenn man dem 
vorliegenden buche in dieser neugierigen weise näher rückt und 
fragt, warum und besonders für wen es geschrieben ist, so weiss 
wenigstens referent hierauf keine befriedigende antwort zu geben. 
Für den Sprachforscher von fach sicherlich nicht; dazu ist die 
ganze anläge des buches zu unwissenschaftlich und unmethodisch, 
eine anordnung nach der alphabetischen reihenfolge des latei- 
nischen Wörterbuches genügt nicht, man verlangt wenigstens die 
deutlich sich zu einer gruppe zusammen schliessenden Wörter 
beisammen vereinigt, wenn man auch nicht so weit zu gehen 
Pbilol. Anz. VU. 23 



350 283. Grammatik. Nr. € 

braucht wie Vanicek in seinem etymologischen Wörterbuch. Für 
den philologen ist es aber auch nicht; denn dieser braucht ein 
bequemes nachschlagebuch, meinetwegen in alphabetischer reihen- 
folge, wobei auf das grundwort verwiesen werden mag, unter 
dem das übrige abgehandelt wird. Hier aber muss ihm, falls er 
ein wort wirklich aufgefunden hat, angst und bange werden 
vor der fülle von fremden vocabeln aus alten und neuen spra- 
chen, die zum grossen theil nur des luxus wegen vorhanden 
sind. Zugaben aus neuern romanischen sprachen mögen ja 
manchem erwünscht sein, wenn sie nur mit consequenz gegeben 
wären; wie sie hier stehen, sehen sie mehr als geschenk der 
laune oder besser als ergebniss eines principlosen Sammeleifers 
aus. Weniger sieht man schon ein, wozu die so häufige her- 
anziehung grade des bairischen idiotikons dient ; man sollte pro- 
vinciellen interessen nicht so ausgedehnte rechnung tragen, wenn 
man ein buch für weitere kreise schreibt. Auch sonst hat ref. 
noch manche allgemeinere ausstellung zu machen. Leider gleich 
beim titel. Was ist ein lexicon latino etc. — sanscritumt wenn 
man die angewohnheit hat zu glauben, wenn man worte sieht, 
'so müsse sich dabei doch auch was denken lassen', so überträgt 
man sie leicht auch auf eine solch eigenthümliche abkürzung wie 
hier das etc. Sind damit die anderen italischen sprachen ge- 
meint? Aber von ihnen findet sich, ausser gelegentliehen ver- 
gleichenden hinweisen, nichts in dem buche. Oder die andern 
indogermanischen? wahrscheinlich, aber dann gehörte das etc. 
hinter das sanscritum, oder der titel würde einfacher und besser 
gelautet haben lexicon latinum comparativum. Dann wozu über- 
haupt die lateinische fassung? wenn man elegant lateinisch zu 
schreiben versteht — eine kunst, die leider immer mehr in verfall 
geräth — so mag man das meinetwegen auch in linguistischen 
arbeiten thun, wenn man es nicht lassen kann. Aber ein lexi- 
kon giebt dazu wenig veranlassung, und selbst diese spärliche 
veranlassung hat der verf. wenig ausgenützt, es genügt auf den 
ersten satz {Delbrüchius quidem ait sie) zu verweisen. Engländer, 
Italiener und Franzosen, ja leider sogar Ungarn und Finnen 
schreiben ihre linguistischen arbeiten in ihrer muttersprache ; 
wir haben alle berechtigung für die unsrige dieselbe achtung 
draussen zu verlangen; und überdies sind im auslande bereits 
mehrfach urtheile laut geworden, dass man deutsche bücher 



Nr. 8. 283. Grammatik. 351 

lieber liest als so schlechtes latein. Endlich noch ein drittes. 
Es ist durchweg in sprachwissenschaftlichen arbeiten brauch die 
citirten vocabeln und formen durch cursiven oder fetten satz 
hervorzuheben ; der verf. des vorliegenden buches ist zum grossen 
schaden der Übersichtlichkeit und brauchbarkeit davon ab- 
gewichen. 

Was den factischen inhalt des buches betrifft, so kann man 
im allgemeinen den fleiss, mit dem der verf. den ergebnissen 
der Sprachwissenschaft nachgegangen ist, wohl loben. Mehr 
kritik hätte nicht geschadet, eben so wenig mehr quellencitate : 
diese würden das buch auch für fachmänner zum nachschlagen 
geeigneter gemacht haben. Grade hier ist eine auffallende un- 
gleichmässigkeit bemerkbar. So kann ich nicht entfernt ab- 
sehen, wozu auf p. 50 unter centrum die lange, ohne trage ganz 
verfehlte auseinandersetzung von Huschke über centum gr. 
— ttxovra got. — tigjus abgedruckt ist, wozu das gleich dahinter 
unter centum ausgeführte gar nicht stimmt. Freilich hat der 
verf. in bezug auf Zahlwörter selbst aus früherer zeit einige 
Sünden auf dem gewissen. Ebenso wenig klar ist dem ref. die 
häufige und doch auch so ungleichmässige berücksichtigung 
griechischer fremdwörter ; diese gehören in kein lateinisches ety- 
mologisches Wörterbuch. So auf p. 49 f. cedrus centaurus centrum 
cera Cerberus cestus cetus chalybs chamaemelon (warum nicht auch 
chamaeleonf) u. s. w. Unter Centaurus werden überdies noch 
zwei, ganz unvermittelt neben einander stehende erklärungen 
mitgetheilt : = xfvrwv avqaq. confer etiam (! !) sk. gandharwa. 
Auf derselben p. 49 wird cedo einem griech. x^Jm gleich ge- 
setzt, einer form, die dem ref. absolut unbekannt ist und die 
er auch bei eifrigem nachforschen nirgends hat entdecken können. 
P. 51 befremdet das mitten in der alphabetischen reihenfolge 
stehende cepi ex cecepi jeden, der gewohnt ist so etwas ent- 
weder in der grammatik oder im wörterbuche unter dem prae- 
sens capto zu suchen. Ebenso auffällig ist gleich darauf das 
suffix — cer, worüber auf ludicrus verwiesen wird; warum ist 
darüber nicht z. b. schon unter alacer gehandelt? Bei cerda 
hätte man eine andeutung darüber erwartet, dass dies wort nur in 
Zusammensetzungen im latein existiert. Sehr eigenthümlich nimmt 
sich unmittelbar hinter cervus das finnische hirwi aus, worauf 
erst xioapog u. s. w. folgt. Oder was soll auf p. 55 das lemma 

23* 



852 283. Grammatik. Nr. 8. 

' clamor pugnantium , f warum nicht einfach clamort Aber je 
weiter man umblättert, desto mehr bietet sich gelegenheit zu 
solchen einzelnen ausstellungen ; und ich möchte wirklich zum 
Schlüsse noch etwas loben, nämlich das geschick, mit dem häufig 
auf analoge bedeutungsentwicklungen bei sinnverwandten wort- 
gruppen hingewiesen wird. In dieser beziehung verdient das 
buch ohne zweifei berücksichtigung, um so mehr, als die Sema- 
siologie ja noch ein vollständig jungfräulicher boden ist. Wer sich 
nicht scheut darauf hin das buch durchzuarbeiten — mit nach- 
schlagen ist hier nichts gethan — , der wird manche treffende 
bemerkung notiren können. Sollen wir aber unser gesammt- 
urtheil über das buch zusammen fassen, so muss es leider dahin 
lauten, dass es der verf. nicht verstanden hat seine mannich- 
fache belesenheit und seine brauchbaren Sammlungen durch me- 
thodische beschränkung auf das wesentliche und durch wissen- 
schaftliche anordnung des Stoffes zu einer leistung zu gestalten, 
wie man sie für ein buch mit ähnlichem zwecke zu erwarten 
berechtigt ist und trotz der fast gleichzeitigen arbeiten von 
Hintner und Vanicek noch immer erwartet. g>. 



284. Ueber die spräche der Etrusker von "Wilhelm 
Corssen. 8. Erster band. Leipzig 1874. Zweiter band. 
Leipzig 1875. 

285. Corssen und die spräche der Etrusker. Eine kritik 
von W. Deecke dr. , conrector am kaiserl. Lyceum zu Strass- 
burg. 8. Stuttgart, Heitz. 1875. 39 s. 

286. Etruskische forschungen von W. Deecke dr. Er- 
stes heft. 8. Stuttgart, Heitz 1875. 83 s. 

Es war seit langer zeit kein geheimniss, dass der scharf- 
sinnige erforscher des lateinischen und der verwandten italischen 
sprachen ein umfassendes werk über die etruskische spräche 
vorbereite, und man war berechtigt demselben mit der höchsten 
erwartung entgegen zu sehen. Nachdem eine anzahl kleinerer 
arbeiten von ihm vorausgegangen waren, die über seinen Stand- 
punkt zur etruskischen frage keinen zweifei liessen, und nach- 
dem er schliesslich noch durch einen längeren aufenthalt in 
Italien sich einen überblick über das gesammte, an den ver- 
schiedenen fundstätten und in Sammlungen zerstreute material 



Nr. 8. 284. Grammatik. 353 

verschafft hatte, erschien im jähre 1874 der erste umfangreiche 
band des werkes über die spräche der Etrusker, der nach einer 
einleitung über aiphabet und Sprachdenkmäler eine methodische 
Zergliederung und erklärung der inschriften enthält, aufsteigend 
von den kürzesten grabinschriften bis zur deutung des umfang- 
reichen cippus von Perugia. Das resultat, das sich für Corssen 
herausstellte, war, dass das Etruskische auf das engste verwandt 
sei mit den übrigen italischen sprachen , durch sehr weit ge- 
hende ausstossung von vocalen in tief betonten silben etwas 
fremdartig gestaltet, aber in dem allgemeinen typus durch und 
durch indogermanisch , speciell italisch. Dies wurde aufgezeigt 
an einer anzahl von wortbildenden suffixen, an declinations- 
und conjugationsformen , an den Zahlwörtern und pronominibus ; 
eine grosse anzahl etruskischer götternamen und appellativa 
wurde von Corssen mit den mittein der indogermanischen Sprach- 
forschung gedeutet. Corssen erkannte in besonders reicher an- 
zahl nominative und accusative des Singulars von männlichen 
und weiblichen a- und o-stämmen, nur selten fand er accusativ 
plural, genitiv singular und plural, ablatfv dativ und locativ 
singular belegt. Von verbalformen wies Corssen praesentia und 
perfecta nach , unter ersteren als besonders beweisend für den 
indogermanischen Charakter der spräche sum sim = lat. swm, 
unter den perfecten eigenthümliche bildungen auf — ce, die er 
als durch suffix ha gebildet erklärte und den griechischen per- 
fecten auf — xu an die seite stellte, z. b. turuce TtioQtvxe aperuce 
(operatus est). Die gebräuchlichsten indogermanischen pronomi- 
nalstämme wurden ebenfalls im etruskischen nachgewiesen; von 
nominalsuffixen besonders io ia, auch enthalten in den zahlreichen 
ehefraunamen auf sa , das C. aus tia erklärte (z. b. Velsisa vom 
stamm Velsio-), ferner das weibliche und männliche ti, tur und 
ter = lt. tor, unt an un, lo und lä , endlich eine grosse anzahl 
von mutterstammnamen auf — al. 

Es ist dem grossen forscher nicht vergönnt gewesen den 
druck seines grossen werkes , das er als die krönung seiner 
ganzen wissenschaftlichen thätigkeit betrachten mochte , selbst 
zur Vollendung zu führen: ein jäher tod hat ihn im vergangenen 
sommer allzu früh der Wissenschaft entrissen. Prof. Ernst Kuhn 
leitete den druck des Schlusses. Der zweite band enthält eine 
systematische darstellung der etruskischen laut- und formenlehre 



354 285. Grammatik. Nr. 8. 

auf grund der Untersuchungen des ersten bandes, dessen resul- 
taten nichts wesentlich neues hinzufügt wird. Der tod hat 
Corssen eine bittere enttäuschung erspart; wenn er auch selbst 
davon nicht überzeugt worden wäre, die frage nach der ethno- 
logischen und linguistischen Stellung der Etrusker nicht gelöst 
zu haben, so würde er sich doch der einsieht nicht haben ver- 
schliessen können, dass diese Überzeugung jetzt von den meisten 
der mitforscher getheilt wird. Anfangs war Corssens erster 
band mit weitgehender Zustimmung aufgenommen worden , so 
von Sophus Bugge in der Jenaer literaturzeitung , von Moriz 
Schmidt in Fleckeisens Jahrbüchern , von Gustav Meyer in der 
Zeitschrift für österreichische gymnasien. Es waren das alles 
gelehrte , die , ohne selbst speciellere etruskische Studien ange- 
stellt zu haben, von der umfassenden beherrschung des materials 
und der sicheren methode Corssens geblendet sein mochten. 

Da erschien die kritik von Deecke in Strassburg, der sich 
in der im verein mit Siegismund unternommenen entzifferung 
der kyprischen inschriften dem sprachwissenschaftlichen publicum 
als scharfsinniger gelehrter gezeigt hatte. Mit der neuheraus- 
gabe von Otfried Müllers Etruskern beschäftigt war er der 
frage nach dem wesen der etruskischen spräche seit einiger zeit 
näher getreten und er sprach auf p. 4 seiner brochure das 
harte wort aus, dass Corssen ' durch incorreetheit im material, 
willkürliche hypothesen und abenteuerliche etymologien auf den 
schlimmsten ab weg gerathen zu sein scheine.' 

Deecke geht bei seiner beurtheilung zunächst aus von den 
beiden im jähre 1848 gefundenen etruskischen würfeln, die auf 
ihren sechs seiten einsilbige Wörter enthalten («iß^, &u. zal. hud-, 
ci. so). Man hatte diese für die entweder vollständigen oder 
abgekürzten sechs ersten Zahlwörter des Etruskischen gehalten, 
bis Corssen darin eine weihinschrift zu erkennen glaubte und 
seinerseits ganz andre etruskische Zahlwörter nachwies, die zu 
den italischen im engsten Verwandtschaftsverhältnisse stehen. 
Deecke sucht nun jene Wörter als wirkliche Zahlwörter zu er- 
weisen, während er andrerseits zu zeigen sucht, dass die Corssen'- 
schen Zahlwörter theils in ihrer deutung sehr zweifelhaft sind, 
theils in römischen lehnwörtern vorkommen. Ebenso wird die 
unhaltbarkeit von Corssens deutung der häufig vorkommenden 
Wörter clan und etera als maior und minor natu , sec als ehelich 



Nr. 8. 286. Grammatik. 355 

geboren xm&puia als = junge frau dargethan und für clan die be- 
daitung söhn, für iec die von tochter, für puia gattin vermutbet. 
Kuz werden dann noch einige von Corssens deutungen von 
fleiionsformen einer kritik unterzogen und schliesslich die zum 
thell sehr phantastischen etymologien etruskischer götternamen 
gevürdigt. Als resultat spricht Deecke aus, dass Corssens buch 
besonders durch die willkür des wortableitens , das vernach- 
lässigen vorhandener trennungspunkte und ungenauigkeit im 
citieren nicht geeignet sei die grundlage der forschung abzu- 
geben und dass die etruskische frage durch dasselbe nicht ge- 
löst sei. 

Der ersten, wesentlich negativen arbeit Deecke's folgte bald 
das erste heft Etruskischer forschungen. Es enthält zwei ab- 
handlungen. Die erste geht aus von der bereits von Elias 
Lattes nachgewiesenen angehängten conjunetion — c und gewinnt 
auf dieser grundlage das resultat, dass die namengebung der 
Etrusker durchaus auf männlicher grundlage beruhe und dass 
von dem sogenannten mutterrechte der Etrusker sich keine spur 
zeige; es stellt sich ferner die bedeutung von clan sec puia als 
söhn, tochter, gattin definitiv fest, es ergiebt sich ein genitiv. 
singularis auf — al, wahrscheinlich ein dativ. singularis auf — s'i, 
vielleicht ein nominat. oder aecusativ. pluralis auf — ar, ein dativ. 
plur. auf — arasi. Von andern einzelheiten sei die vermuthung 
hervorgehoben , dass in dem adiecto Laertae patris nomine auf 
dem altar bei Tac. Germ. c. 3 der etruskische vorname lard- 
lart zu suchen sei. Die zweite abhandlung beschäftigt sich ein- 
gehend mit dem in der ersten gewonnenen suffix — al, von dem 
wahrscheinlich gemacht wird, dass es im Etruskischen sowohl 
casus- als wortbildend ist, mit zwischen beiden noch schwanken- 
der bedeutung, auch durch andere suffixe mehrfach weitergebildet. 
Weder ein eingehen auf die einzelheiten der anregenden 
und scharfsinnigen Untersuchungen noch ein urtheil über die 
grössere oder geringere Sicherheit der gewonnenen resultate er- 
scheint angezeigt. Soviel scheint gewiss, dass die indogermani- 
sche nationalität der Etrusker , wie sie sich für Corssen heraus- 
gestellt hatte, wieder durchaus in frage gestellt ist und dass 
wir mit der entscheidung über diese letzte frage grade so weit 
sind wie vor Corssen ; denn was Deecke am Schlüsse über Ver- 
wandtschaft mit den finnischen sprachen andeutet, wird er selbst 



356 287. Grammatik. Nr. 8. / 

gewiss für gegenwärtig noch unbeweisbar halten. Wir hoffen, 
dass Deecke, dem ein sechswöchentlicher aufenthalt in Toscata 
im vorigen herbst gelegenheit gegeben hat die hervorragendsten 
denkmäler selbst zu vergleichen, uns bald eine fortsetzung seiner 
forschungen giebt. J. <jp. <r. 

287. Die substantivirung des lateinischen adjectivpa 
durch ellipse, von prof. Joh. Nep. Ott. Kottweil. 1874. 19 
s. 4°. 

Während die durch subsumption unter einen allgemeinen 
persönlichen oder dinglichen Oberbegriff substantivirten lateini- 
schen adjectiva wie amicus, militaris, malum, summa ziemlich 
genau untersucht sind, kann ein gleiches von denjenigen ellipsen 
nicht gesagt werden, denen ein ganz bestimmter, meist concreter 
begriff zu gründe liegt, und es ist daher sehr erwünscht, dass 
Drägers reiche Sammlung (Hist. syntax 1. §. 25) durch eine 
sorgfältige Specialuntersuchung bedeutend erweitert worden ist. 

Bleibt es manchmal schwer zu entscheiden, ob die erstere 
oder die zweite art der ellipse zu statuieren sei, so zeigt doch 
vrf. gegen Gossrau, Dräger u. a. dass man bei brevi nicht tem- 
pore ergänzen dürfe, so wenig als /govog bei fista tovto, oder 
'zeit' bei in kurzem. Verfänglich bleiben allerdings falle wie 
in Herculanensi (im Weimarischen), in pacato, weil daneben oft 
agro erscheint, dessen ergänzung vrf. indessen nicht als zwin- 
gend anerkennt, so wie er auch bei paucis äbsolvere kein verlis 
hinzuzudenken scheint. 

Ebenso kann man oft schwanken, welches Substantiv zu 
ergänzen sei. Für aerarium, granarium, pomarium u. a. denkt 
vrf. an ein ursprüngliches horreum , bei columbarium , gallinarium 
u. a. an stabulum, bei argentaria, tonstrina u. a. an officina, 
aber bei demselben argentaria, bei ferraria an fodina. Bei pro 
rata (Livius 45, 40, 5. vgl. Dirksen, Manual, latinitatis fontium iur. 
civ. 810), welches vrf. übersehen, kann sowohl parte als portione 
suppliert werden, während der classische ausdruck einfach pro 
parte ist; bei in Cumanum mag zwischen praedium und rus ge- 
wählt werden. Als nachtrage citierenwir: Alpes] Cottiae u. a. ; 
ars~\ fullonica, magicae Aulul. 51, 16, Peip. carmen] propempticon t 
coliors] praetoria, Aur. Victor 2. filius] adoptivus. Oros. 5, 15, 
frater] germanus, spätlat. navis] cursoria Sidon. Apoll, epist. 1, 



Nr. 8. 288. Grammatik. 357 

saltus] Pyrenaeus, schon bei Sallust, solea] pedalis, Petron, stellae] 
Vergiliae. 

Die leicht zu vermehrenden beispiele wären nicht nur chro- 
nologisch zu ordnen, in welcher hinsieht Tacitus einen starken 
fortschritt bezeichnet mit acta] diurna, lapis] in distanzangaben, 
wie ad oetavum , litterae] laureatae , sellä\ curulis , sondern auch 
nach den gattungen der litteratur. Denn offenbar ist superum 
(mare, Cic. ad Attic, 9, 5, 1) nur im briefstile zulässig, ebenso 
Appia u. a. (Cic. ad Q. fr. 3 , 7,1. Hör. Sat. 1, 5, 6) gegen 
Appia via (Cic. de imp. Cn. Pomp. 55. p. Mil. 15. Philipp. 7, 1), 
und reeta (eher via, als regione) im b. Afric. 18. 40. Hisp. 3. 
Hör. Sat. 1, 5, 71, Priap. 8, 3 zeigt doch, dass r. via oder r. 
itinere (Cäsar, Livius) der bessere ausdruck sei. Es kann aber 
nunmehr auch keine frage mehr sein, dass Tac. Annal. 11, 11 
octingentesimo post Romam conditam nicht anno ausgefallen ist, 
da einmal Tac. bei lapis analoge ellipsen hat, bei Aur. Vict. 
Caes. 5 celebratus octingentesimus urbis, 15 celebrato urbis nongen- 
tesimo die ähnliche ellipse von dies (natalis) vorkommt , und ge- 
rade die runde zahl eine entschuldigung gewährt. 

E. W. 

288. Grammaire et style de Tacite par J. Gantrelle. 
Paris. 8. Garnier freres 1874. XH und 54 s. 

J. Gantrelle hat sich durch eine reihe von Schriften als 
kenner des Tacitus und auch der neueren deutschen literatur 
über Tacitus bewährt, wie im Philol. Anz. oben, heft 3. bereits 
anerkannt ist. In Deutschland ist bisher wohl nur die abhand- 
lung über die tendenz des Agricola weiteren kreisen bekannt 
geworden; aber die Übersetzung (Berlin 1875), durch welche 
dies geschah, ist nicht frei von missverständnissen und auch 
der inhalt gerade dieser abhandlung erschien dem ref. in der 
hauptsache verfehlt (vgl. Literar. Centralbl. 1875, nr. 23), wäh- 
rend andere forscher in Deutschland und Frankreich denselben 
beifällig aufgenommen haben. Bei der beurtheilung der Schrift 
über grammatik und stil des Tacitus wird sich kaum solche 
meinungsverschiedenheit ergeben ; denn unbestreitbar findet sich 
darin tüchtige eigene arbeit vereint mit geschickter benützung der 
leistungen anderer gelehrten, namentlich des trefflichen buches von 
Dräger über syntax und stil des Tacitus, dessen zweite aufläge 



358 288. Grammatik. Nr. 8. 

(Leipzig 1874) aber erst später als Gantrelle's werkchen erschien. 
Schon die anzeige, welche Gantrelle über Drägers buch in der 
Revue critique 1874 nr. 47 veröffentlicht hat, ergiebt, wie weit 
er sich die Selbständigkeit zu wahren Weiss. Gegenüber der 
durch einfachheit ausgezeichneten anordnung, die der deutsche 
gelehrte seiner darstellung zu gründe gelegt hat, gliedert Gan- 
trelle, dem dieselbe mehr philosophisch als praktisch erscheint, den 
Stoff nach seiner nouvelle grammaire de la langue latine (10. edition. 
Paris. 1875) in fünf theile : Lexigraphe; Syntaxe; Syntaxe speciale 
des parties du discours ; Figur es de Syntaxe ; Du style , welche 
wieder in 21 capitel und 186 §§ zerfallen. Ausser seiner 
eigenen grammatik hat Gantrelle auch Burnouf's methode pour 
etudier la langue latine vielfach citiert. Bezüglich der behandlung 
des Stoffes soll hier nur an drei punkte erinnert werden, von 
welchen die beiden ersten zwar von Gantrelle nicht übersehen, 
vielmehr wiederholt und ausdrücklich angedeutet sind , aber 
nach der Überzeugung des ref. noch durchgreifender zur dar- 
stellung kommen sollten. Erstens kann die genetische entwicke- 
lung der Taciteischen spräche nur durch chronologische anord- 
nung und reichere auswahl der beispiele anschaulich gemacht 
werden. Zweitens bedarf es für die erkenntniss des individu- 
ellen Sprachgebrauchs nicht nur einzelner winke, wie sie Gan- 
trelle gegeben hat, sondern durchgehender, bestimmter angaben 
darüber, was Tacitus Vorgängern verdankt oder mit Zeitge- 
nossen gemeinsam hat. Nun aber findet sich in dem nur we- 
nige zeilen umfassenden abschnitt über ellipse eines Substantivs 
curuli sc. sellae als beispiel angeführt, das auch bei Plin. Pan. 59 
und sonst vorkommt; liburnae sc. navis, was schon bei Cäsar B. 
civ. III 9, 1 und anderen begegnet ; postero sc. die, wie bei Cur- 
tius VIII 6, 28 (wo allerdings die kurz vorher geht) und bei 
dichtem steht. Endlich drittens erscheint es wünschenswerth, 
die citierten beispiele nicht lediglich nach der lesart irgend 
einer ausgäbe, sondern im hinblick auf die handschriftliche ge- 
währ und die in den meisten guten ausgaben recipierte lesart 
sorgfältig revidiert mitzutheilen. Gantrelle aber führt z. b. p. 
3 für aemulatus nur die stelle Hist. III, 66 an, wo das wort 
auf einer conjectur von Lipsius beruht; es war vielmehr Ann. 
XIII, 46 zu citieren, da auch Agr. 46 die lesart nur auf eine 
vermuthung von Heinsius gegründet ist und richtiger, wie auch 



Nr. 8. 288. Grammatik. 359 

in der ausgäbe von Gantrelle geschieht, durch similitudine er- 
setzt wird. Ferner Hess sich p. 3 zu Ann. Xu, 11 toleratiora 
andeuten , dass schon Ursinus laetiora verbesserte , was Halm, 
Eitter und Dräger aufgenommen haben. Für die ellipse des 
reflexivums im accusativ sind § 159 zwei stellen Hist. P7, 35 
und Ann. I, 35 angeführt; an beiden aber stimmen die so ver- 
schiedenen textrecensionen von Halm und Ritter in der abwei- 
sung der betreffenden lesart überein. Sorgsame revision 
würde den Wortlaut einiger belege noch diplomatisch correcter 
herstellen können; jetzt ist, um ein beliebiges beispiel heraus- 
zugreifen, p. 45 sieben mal unrichtig et gedruckt, während es 
fünf mal ac, einmal atque und einmal aut heissen sollte. Die 
abweichende auffassung mancher structuren kann ref. an diesem 
orte nicht zur spräche bringen, muss aber ausdrücklich aner- 
kennen, dass Gantrelle seine erklärungen stets mit umsichtiger 
Überlegung, in einzelnen punkten auch richtiger als Dräger ge- 
geben hat. Ungenau ist, um dies beiläufig zu bemerken, §. 
160 die behauptung: Tacite seul sous-entend fore\ derselbe infi- 
nitiv ist zu ergänzen bei Sali. Jug. 88, 4. In dem sonst cor- 
rect gedruckten buch sind dem ref. einige irrige citate aufge- 
fallen; es ist zu lesen p. 2 Ann. XVI, 18 statt 8; Ann. HE, 31 
statt H; p. 4 Ann. D7, 11 statt XIV; Ann. XHI, 35 statt 55; 
p. 40 Ann. H, 83 statt 19; Ann. I, 2 statt 12; p. 45 Germ. 
19 statt 9; p. 47 Ann. XH, 27 statt 17; p. 48 Hist. III, 58 
statt 38; Hist. IV, 11 statt 24; p. 51 Hist. HI, 40 statt 49; 
p. 52 Ann. D7, 32 statt 30. Diese kleinen andeutungen wer- 
den zur genüge zeigen, dass Gantrelle's buch nach der ansieht 
des ref. eine Zukunft hat und dass ref. für nachbesserungen in 
einer zweiten aufläge einen wenn auch geringen beitrag zu 
liefern wünschte. 

289. Philologos Germaniae Eostochii congregatos benevo- 
lentissime consalutat Academia Eostochiensis interprete F. V. 
Fritzschi o. Addita est dissertatio de numeris orationis so- 
lutae. 8. Eostock. 1875. 

Den hauptsächlichen inhalt dieser festschrift, womit der 
greise veteran prof. Fritzsche die philologen zu Eostock be- 
grüsste, bildet eine ausführliche Untersuchung über die Verdienste 
des Thrasymachus um die ausbildung der rhythmischen periode 



360 289. Grammatik. Nr. 8. 

in der griechischen prosa. Die geschichte und theorie der grie- 
chischen beredsamkeit hat in neuerer zeit bekanntlich bedeutende 
fortschritte gemacht. Einen um so peinlicheren eindruck macht 
es, dass der gelehrte Verfasser die meisten der hierher gehö- 
rigen Schriften, soweit sie der neueren zeit angehören, nicht zu 
kennen scheint. Selbst die griechische und attische beredsam- 
keit von Fr. Blass und die rhetorik von Volkmann sind 
unbeachtet geblieben-, und erst in einem Epimetrum finden wir 
die bemerkung: His scriptis forte (!) incidi in C. F. Hermanni 
disputationem de Thrasymacho sophista, Gotting. 1848. 

Bei Blass ist die darstellung der rhetorischen Verdienste 
des Thrasymachus kürzer, treffender und vollständiger. Wenn 
indessen ein so grosser kenner der griechischen litteratur wie 
Fritzsche dieselbe arbeit unternimmt, welche bereits vor ihm ein 
anderer ausgeführt hat , so kann gleichwohl seine Studie nicht 
ohne interessante resultate bleiben. 

Darunter rechne ich weniger die emendation der bekann- 
ten stelle des Suidas s. v. @QaGvfiaxog: fia&rjx^g [Toqytov, didd- 
GxuXog de] HXaiwvoQ tov cp&oßocpov xai TooxoaTOvg tov q^Togog, 
denn sie entbehrt der historischen begründung, oder die erklä- 
rung der worte des Dionysius : ^ fisv ovv 0QaGvfid%ov X?'%tg r\ 
Xontij = Thrasymachi elocutio quae quidem adhue exstet, denn die 
%i%ig ist keine discrete grosse, welche zum theil untergehen, zum 
theil sich erhalten kann, — wichtiger erscheint mir der nach- 
weis , dass die bezeichnungen mglodog, xwXov und xopfxa von 
Thrasymachus (?) der lyrischen poesie entlehnt sind, und 
dass mqtodog der attische ausdruck für das hellenistische wort 
GvßTrifia ist, endlich dass die lateinischen theoretiker, wie Cicero 
und Quintilian. die griechische technik zu mechanisch auf die 
lateinische spräche übertragen haben-, der von Aristoteles em- 
pfohlene päonische rhythmus z. b. sei für die lateinische spräche 
wegen mangels an kurzsilbigen Wörtern ganz ungeeignet ge- 
wesen. 

Auch die behauptung, dass der päonische rhythmus von dem 
kretischen wegen des einfachen und doppelten ictus wesentlich 
verschieden sei, scheint mir der beachtung werth zu sein. 

Dagegen kann ich es nicht billigen , wenn in dem auf- 
treten des Thrasymachus in Plato's Republik zugleich der cha- 
racter seiner eigenthümlichen Sprechweise gesucht wird. Denn 



Nr. 8. 289. Grammatik. 861 

das beispiel des Agathon im Symposium, wo das haschen jenes 
dichters nach gorgianischen figuren leicht bemerkbar ist, er- 
scheint mir wesentlich verschieden. Denn hier haben wir eine 
epideiktische rede, dort eine philosophische Unterhaltung, 
hier ist die form der rede, dort die definition der dtxoaoGvvr] 
die hauptsache. Fritzsche ist auch nur im stände einen nega- 
tiven beweis zu führen. 

Wenn ferner Cic. Orat. §. 40 und 175 als beleg für die 
b ehauptung angeführt wird , numerorum orationis solutae primum 
auctorem Thrasymachum fuisse, so vermissen wir eine vorsichtige 
Interpretation. Cicero unterscheidet an beiden stellen streng 
zwischen Gorgias und Thrasymachus einerseits, und Isocrates 
andrerseits, so dass ilim die periode des Thrasymachus der des 
Gorgias näher zu stehen scheint als der isokrateischen. An 
Gorgias und Thrasymachus werden §. 40 minuti numeri ge- 
tadelt und von beiden wird ausgesagt : qui tarnen jprimi arte 
quadam verba vinxisse traduntur. Auch Arist. Ehet. III, 8 : 
XiCrttTut, dt naiuv, dp i^güivio (iiv\ndvTig\ äno QquGv[mx%ov uq- 
^afjuroi, ovx iixov 6s Xtyuv x(g rjv, bestätigt nichts mehr als die 
thatsache, dass Thrasymachus zuerst von dem päonischen rhyth- 
mus praktischen gebrauch gemacht hat. Wichtiger ist die an- 
gäbe des Theophrast bei Dionysius, dass Thrasymachus der er- 
finder der geschlossenen periode sei, der GvGxqicpovGu ru vorjfiu- 
ta xul GiqoyyvXcüg ixcpigovGu X£%ig. Aber Fritzsche geht zu 
weit, wenn er die er findung des oratorischen rhythmus ein- 
zig und allein dem Thrasymachus zuschreibt. Dieser rhythmus 
hat ebensowenig eine einfache Substanz als er einen einzelnen 
erfinder hat. Er ist nicht allein in metrischen dementen zu suchen, 
er beruht vielmehr auf der id^ig xqovwv, also auf dem Wechsel 
schwerer und leichter worte und Satzglieder. Wenn ich den 
satz ausspreche : egregiam virginem tum in matrimonium duxit, so 
sind die zusammengehörigen worte logisch geordnet und die 
beiden schweren worte egregiam virginem folgen ohne Unterbrechung, 
also ohne varietas temporis, aufeinander. Wenn aber Tacitus 
schreibt : egregiam tum virginem, so erzielt er durch die zwischen 
den beiden schweren worten eintretende thesis (respiratio vocis) einen 
Wechsel des tons (—-•— y — ), und dadurch die hervorhebung des 
adjectivs. Auf diese weise wird die rede rhythmisch. Dazu kommt 
nun, besonders im epideiktischen stil, das antistrophische ver- 



362 290. Homeros. ftr. 8. 

hältniss der xwla , welches jüngst Blass in seiner schrift über 
Isokrates nachzuweisen versucht hat. Nur solche Untersuchungen, 
aber auch nur beide vereinigt, können uns allmählich das wesen 
und den umfang des oratorischen numerus eröffnen ; der gebrauch 
von versfüssen beschränkt sich in der regel auf die clausula der 
jftoA« und der ntqtodog. 

Cicero handhabte den numerus vortrefflich als künstler; als 
theoretiker ist er nicht bis zum wesen der sache hin durchge- 
drungen. Wenn er z. b. im Orat. § 181 die frage auf- 
wirft, und er thut dies sicher nicht zuerst, ob das numerosum 
allein durch den numerus hervorgebracht werde, oder ob die 
conpositio verborum dazu mitwirke, und dann die letztere alter- 
native mit dem einwand beseitigt, dass die conpositio nur der 
gravitas und suavitas vocum diene, oder wenn er § 188 die be- 
hauptung wiederholt: nullus est numerus extra poeticos, propterea 
guod definita sunt genera numerorum, so erkennt man leicht, dass 
vor Cicero es wohl weitsichtigere theoretiker gegeben haben 
muss, welche diese und ähnliche fragen aufwarfen, dass aber 
Cicero selbst von einer einseitigen und verkümmerten technik 
beherscht war , welche ihm die einsieht in die von ihm geübte 
kunst verschloss. 

A, Weidner. 

290. Eberhard, die spräche der ersten homerischen 
Hymnen verglichen mit derjenigen der Ilias und Odyssee. — 
Theil I und II. Programme von Husum 1873 und 1874. 

In ähnlicher weise wie Windisch in seiner schrift De hym- 
nis homericis majoribus und Bücheier in seiner ausgäbe des De- 
meter-Hymnus, nur weit mehr ins einzelne gehend, behandelt der 
vrf. in den vorliegenden arbeiten die drei ersten hymnen in 
der art, dass er zunächst die ganz oder fast ganz mit Homer 
übereinstimmenden verse mittheilt, dann einzelne verstheile zu- 
sammenstellt, die sich in Hias und Odyssee an gleicher stelle 
des verses finden, endlich sogar einzelne worte, geschieden nach 
subst. adj. verb. partic. pronom. adverbien mit den an gleicher stelle 
bei Homer vorkommenden vergleicht, wobei aber überall auch 
das etwa abweichende hervorgehoben wird. Dann folgt eine 
vergleichung der stehenden beiwörter, der nichthomerischen vo- 
cabeln , der formenlehre , endlich der metrischen punkte (bau 



Nr. 8. 290. Homeros. 363 

der verse, caesur, digamma, hiatus). Es ergiebt sich dabei, 
dass im hymnus auf den Apollo Delhis sechszehn versausgänge 
und einundzwanzig versanfänge sich finden, die nicht bei Homer 
vorkommen, ebenso im hymnus auf Apollo Pythius 25 und 34, 
indem auf Hermes 65 und 92. Die nichthomerischen vocabeln 
sind im ganzen schon aus Fietkau , De carminum Hesiodeorum 
atque hymnorum quattuor magnorum vocabulis non homericis, be- 
kannt, der Hermes-hymnus enthält ihrer weitaus am meisten. 
Formenlehre und metrum stimmen fast gänzlich mit Homer 
überein. Die arbeit ist durchweg mit grosser Sorgfalt und ge- 
nauigkeit ausgeführt und zeugt von gründlicher kenntniss des 
homerischen Sprachgebrauchs und versbaus. 

An einzelnen stellen hätten wir gerne die belege für selt- 
nere erscheinungen angegeben gehabt, so z. b. zu I, 15 zeile 
14 die stellen aus dem ersten hymnus v. 19. 30. 87; 31. und 
zeile 19 v. 93. — II, 18 bei der geistigen bedeutung von 
TTganldeg vermissen wir zur begründung des 'häufigen' Vor- 
kommens bei Homer die angäbe der stellenzahl (ref. hat nur 
zur hand: A 608. 2 380. 482. Y 12. i\ 92. & 547) und einiges 
andere. Aber das sind kleine ausstellungen , die, wie auch 
einige druckfehler in citaten, kaum in betracht kommen. 

Nur wäre zu wünschen gewesen , dass der vrf. schon in 
dieser arbeit genaueres über die nach seiner ansieht aus dem 
gesammelten material sich für das gegenseitige verhältniss der hym- 
nen, ihr alter u. s. w. sich ergebenden resultate mitgetheilt hätte. 
Die n, 34 aus den spuren des digamma abgeleitete altersbe- 
stimmung, dass der Aphrodite-hymnus der älteste sei, dann die 
auf Apollo folgen und der auf Hermes der jüngste sei, können 
wir ohne andere beweise nicht für sicher halten, da das di- 
gamma (wie vrf. selbst I, 16 ausdrücklich hervorhebt) in den 
hymnen sich nur in bestimmten formein erhalten hat und so 
auch die häufigen spuren desselben im Aphrodite-hymnus wohl 
nur auf unbewusste anwendung solcher formein zurückzuführen 
sind; vrgl. Windisch p. 48. — Vor allem aber scheint uns die 
ansieht des vrfs. , wonach alle jene mit Homer übereinstimmen- 
den formein der hymnen, alle jene stehenden beiwörter, über- 
gangswendungen , ja sogar einzelne worte auf beabsichtigter 
nachahmung grade der homerischen gedichte beruhen sollen, 
nicht haltbar. Vielmehr glauben wir, dass ein sehr grosser 



864 MO. Homefos. Nr. 8. 

theil dieser Spracherscheinungen allgemein auf den schätz epi- 
scher formein und Wendungen zurückzuführen ist, welcher durch 
die lange pflege des epischen gesanges zum gemeingute gewor- 
den war und wohl auch in den andern erzeugnissen epischer 
dichtkunst verwandt ist. Wir vermögen desshalb in der grös- 
seren oder geringeren ähnlichkeit mit der spräche grade der 
homerischen gedichte ein an sich entscheidendes moment für 
die frage nach der composition der hymnen nicht zu erblicken. 
— Ueber diesen punkt noch einige worte. — Für den hymnus 
auf Apollo Pythius (s. I, 24) schliesst sich der vrf. genau an 
die ansieht Windischs (p. 1 7 fg.) an , wonach dieser hymnus 
zunächst in zwei theile zerfällt: 1 — 200, 210 — ende. Der 
grund, dass der zweite theil sprachlich mehr ähnlichkeit mit 
Homer zeigt, ist allein nicht ausreichend, zumal viele Wen- 
dungen in demselben eben rein formelhaft sind (vrgl. z. b. v. 
273. 283. 288. 324. 335). — Weshalb ferner v. 210 fg. sich 
nicht mit v. 120 fg. verträgt, sehe ich nicht ein, da doch v. 
120 fg. nur von den anwohnern, v. 210 fg. von den priestern 
gehandelt wird. Die von Welcker betonten Zeitverwechselungen 
in v. 265. 300. 345 sind schon wichtiger. Besonders aber nö- 
thigt wohl die ganz verschiedene darstellungsweise dieses letz- 
teren theils und der schlechte anschluss an den vorstehenden 
abschnitt zu einer solchen theilung: dagegen ist es unnöthig 
den ersten theil mit Windisch und Eberhard wieder in zwei 
theile (1 — 121; 122 — 195) zu zerlegen. Der grund, dass v. 
120 fg. die gründung des tempels und dann erst v. 122 fg. 
die tödtung des drachen erwähnt wird, ist hinfällig, wenn man 
annimmt, dass der v. 123 ohne die zeitreihenfolge zu betonen 
nur das factum erwähnt, an welche erwähnung sich dann die 
längere erzählung schliesst. Dagegen sind, was Windisch nicht 
hervorhebt, vv. 127 — 177 als störendes einschiebsei auszu- 
schliessen; dass die verse 157 — 66 Hesiodeisches enthalten, 
kommt nebenbei auch in betracht. — Vs. 197 — 209 hat schon 

Hermann gestrichen. Auf die vielfach schwierigen fragen 

nach der composition des Hermes-hymnus hier näher einzugehn, 
gestattet der räum nicht. Der vrf. theilt hier (s. H, 36) mit 
Matthiae und Hermann den hymnus in zwei theile, deren letzter 
mit 213 beginnt (207 — 12 sind von allen gestrichen). Im zwei- 
ten theil verwirft der vrf. nach Vorgang anderer: 519. 540 — 



Nr. 8. 291. Griechische tragiker. 865 

49; im ersten theil 12. 14. 17—19. 25. 77—78. 84 und 85 
je halb, 111. 119. 134—36. 146. (151—53 sind zweifelhaft). 
379—82. 447—49. 454. vielleicht auch 478—90. — Vgl. die 
einzelnen verse in Baumeisters commentar und daselbst p. 
186 die ansieht über heimath und alter des dichte rs , der sich 
vrf. ebenfalls anschliesst. H. Schaefer. 

291. Frid. Guil. Schmidt, Satura critica. Programm 
von Neu-Strelitz 1874. 4. 34 s. 

Diese satura critica reiht sich den früheren kritischen ab- 
handlungen des vrfs. würdig an und bietet eine reihe scharf- 
sinniger bemerkungen vorzugsweise zu den griechischen tragikern, 
dann auch zu Menander und Theognis. Als sichere emendationen 
oder auch beachtenswerthe conjekturen betrachten wir folgende: 
Soph. El. 542 7/ tüjv ifxwv a Ai§r\g xiv tfitgov xixvuiv r\ xuiv 
\xzlvr\g höfte Xfjßaofrai (für datGaG&at cl. Hesych. XalGaG&au' 
xxrJGaGd-cu) nXiov; Trach. 1108 xuv xo (irjösv e5 xuv (j,rjdiv ugxat 
(für SQnct)), Eurip. Ale. 713 puGGov'' . . xgovov für fjtsi^ov . . 
Xqovov; fr. 290 mlguq für %gt(ag; 295 xv%r] für nfirj ; 463, 1 
utj] mgiizsGeiv *%&{*(* (für aiGxga) rivr, 487 ov% ogaq für ov 
Xtyuv, 1027, 3 psi^va xalg xv%mg für fi. xy\g xvxrjg; Adesp. fr. 
97 Go(pTj (j,tv ^firjr, ulXu xaXV (für ndvx} ovx eixvxijg; Theogn. 
129 f. (irjXE xv%riv iv%ov . . uvdgl yivoix agnr\ für fj,ijx' dgtxrjv 
iv%ov . . dvdgl yivotro xv%)]; 935 f. oftwg vioi> ot xe nag' ovgov 
<jjgr\g rjxovGiv (für ol rs xux' avxov X^QVQ sixovGiv), xot xs nalui- 
oTtooi. In Adesp. fr. 100, 6 o (T äficpißdXXet, xa^vnovg xsXtv&ov 
t'gyoo GxoxCav, acpvw (T ufpavxog -ngoGtßa . . nolv fiox&og "Aiöag 
wird e'gyoj treffend in egntov geändert ; d^fptßdXXsi glaubt Schmidt 
mit Hrretit 1 erklären zu können unter hinweis auf Soph. Ant. 343 
tpvXov ogvl&tov uiAcpißukiüv uyu, allein hier folgt noch GmtgcuGw 
dixxvoxlwGxoig. Es wird wohl die nebenbei bemerkte änderung 
ä(i<pißatvti richtig sein. Die änderung von Soph. fr. 434 d-dX- 
XovGa Xvnr] xovg dyav vnigcpgovag in GcpdXXovGiv önav xovg xxX. 
kann ich nicht ganz billigen. Ich habe bereits in meinen Stu- 
dien zu Euripides GcpdXXovGi Xvnuv emendirt und wüsste nicht, 
warum man Xvnt) bez. Xvnav nicht beibehalten sollte. Uebrigens 
hat Schmidt meine schrift noch nicht gekannt ; sonst würde er 
wohl auch in Eurip. fr. 194 o cJ' iJGv%og (pi'XoiGC t' aGcpaXrjg 
(fiXog noXu t 1 ugt,Gxoq nicht txoXiv xs TtiGxög vermuthet haben, 
Philol. Anz. VII. 24 



366 291. Griechische tragiker. Nr. 8. 

nachdem ich dort noXet t uqioyog emendirt habe. Menand. fr. 
736 KoQiv&t(a jiicjtve xal (irj %qw (pilcg ändert Schmidt in Ko- 
gCv&tov 6v <pevye xii. Vielleicht hat das missverständniss von 
KoQtv&lw nCaxeve fjirjöe XQ& <p&cp iß- i- (**} nißxeve [itjöe %Qui 
(pl\m vgl. Krüger Gr. I § 69 , 50 anm.) die corruptel veran- 
lasst. In Soph. fr. 736, 11 w naideg, uig äv (mji änaidevxwv 
ßQoiwv doxw^isv elvai xu7iodt]fiovvTog naxoog vermuthet Schmidt 
xdnb Xrjgovvxog naxqög. Ich halte Xrjqovvxog hier wo es sich um 
eine bleibende eigenschaft handelt für ungeeignet und glaube, 
dass xuTto dqfjboiov naxqog sowohl dem sinne als der Überlie- 
ferung besser entspricht. Eine andere anzahl von conjekturen 
erhebt sich nicht über das niveau gewöhnlicher, wenig wahr- 
scheinlicher vermuthungen. Es ist eine falsche methode, wenn 
man glaubt, das beibehalten einiger buchstaben des überlieferten 
textes genüge um eine conjectur zu begründen. Wenn z. b. 
Nauck Ai. 1013 xbv ix doqbg yeywxa nolefitov vo&ov in xbv ix 
Xfyovg yeydixa öoqiivovov vo&ov ändert, Schmidt dagegen unter 
anerkennung der von Nauck vorgebrachten bedenken dafür xbv 
ix xoqrjg yeywxa 6oq^7txov vo9ov vorschlägt, so muss man, 
wenn man den gründen von Nauck beistimmt, seine emendation 
für durchaus wahrscheinlich halten, während die änderung von 
Schmidt trotz der gleichen buchstaben oq als absolut unan- 
nehmbar erscheint. Ebenso verhält es sich mit der änderung 
von Trach. 1074 «AÄ,' uüxevaxtog alev eln6(j,t}v xaxoig in elQTxov 
iv xaxoTg. Das zum beleg angeführte ei ydq iv xv%r} yi zap 
cwirjot, ßaCi] Oed. E. 80, wo von dem ankommenden Kreon die 
rede ist, und iv xaxoig ßeßqxevat (s. v. a. elvai) beweisen nicht 
das mindeste; elqnov iv xaxoig ist eine undenkbare redensart. 
Am wenigsten ist eine solche methode angebracht bei einer 
Überlieferung, wie wir sie für die tragikerfragmente bei Stobaeus 
haben. Kann man Eur. fr. 301 nqbg xrjv dvdyxr[v itdvxa 
xdXV eCx' äcd-evrj mit jiq. x. d. äa&evrj iözt, ndvx' dyav für ge- 
bessert erachten? Recht deutlich zeigt sich das bei Eur. fr. 172 
ovx elxbg uq%eiv ovie %qqv dvsv vdfiov xvquvvov elvatf (xtot)Ca de 
xal deXeiv og xätv bftoiwv ßovlszai, xqaxelv fiovog. L. Dindorf 
hat fiLooCa de xal niXeiVj Enger fiioqCuv doxiT <T oyletv , Hense 
de xal yikelv, Schmidt de xwcpelelv vermuthet, alle um etwas 
von der Überlieferung zu retten und doch hat Euripides gewiss 
nichts anderes als fiuqCav <F ocphaxdvet geschrieben. Manchmal 



Nr. 8. 292. Aristophanös. 367 

finden wir auch änderungsversuche an stellen, die durchaus ge- 
sund sind. Es ist geradezu ein unrecht, zu Eur. fr. 127 dvyug' 
GuüTir] (T uTTOQog igfiTjvevg Xoytov zu bemerken : sententia ita est 
insulsa et futilis , ut ab Euripide eam profectam esse non possim 
credere. Schmidt verlangt de roqog. Man braucht nur an die 
Stellung des verses im dialoge zu denken und nicht für einen 
besonderen gedanken eingenommen zu sein, um die bedeutung 
des satzes ('du schweigst: mit schweigen ist mir nicht gedient') 
zu erkennen. Warum soll der gedanke Sagaog dt ngog rag 
Cv(jL(poqug fjbiv äa&tvtX richtiger sein als &dqaog ds nqog tag 
Gvfjb(foqug fxiya a&tva (Eur. fr. 304)? Wegen des gedankens 
ngog ttjv uvdyxrjv ndvxa zuXX' I'gt' uC&tvri nicht, da uvdyxr] und 
CvficpoguC etwas ganz verschiedenes sind. Und kann nicht oX^oi, 
xi dqdcu)', dval xaxolg fisgC^Ofiai (Adesp. 220) richtig sein, wenn von 
der peinlichen wähl zwischen zwei Übeln die rede ist? Schliesslich 
sei noch bemerkt, dass die änderung von Adesp. fr. 91, 5 %o.i- 
quv unaQxeug xal yigag uytw (für Xu%hv) %6de fehlerhaft ist. 

Wecklein. 



292. Aristophanes und die historische kritik. Polemische 
Studien zur geschichte von Athen im fünften Jahrhundert v. Chr. 
g. von Hermann Müller-Strübing. Leipzig, druck und 
verlag von L. G. Teubner 1873. 735 s. — 16 mk. 

Das buch *) ist interessant und sehr anregend. Trotz seines 
grossen umfanges und der zahlreichen mängel in inhalt und 
form hat es der unterzeichnete mit ungeschwächtem interesse 
zweimal hintereinander durchgelesen. Es ist mit grosser frische 
und anschaulichkeit geschrieben. Dem vrf. steht eine umfang- 
reiche belesenheit zu geböte, und namentlich hat er sich mit 
Aristophanes und Thucydides eingehend beschäftigt. Dabei hat 
er sich seinem stofie ganz hingegeben, und offenbar ist bei der 
abfassung seines buches auch das gemüth thätig gewesen, er 
nimmt für die demokratie Athens und ihre einzelnen führer mit 
warmem herzen partei. 

Er bezeichnet selbst seine Studien als polemische. Den 

1) [Da die principien der erklärung des Aristophanes noch so 
bestritten, erlauben wir uns, von unserm gesetze des umfangs der an- 
zeigen bei diesem buche eine ausnähme zu machen. — Die redaction.] 

24* 



368 292. Aristophanes. Nr. 8. 

grundsätzen seiner polemik kann man nur zustimmen : 1) dass 
vielfach die erklärer des Aristophanes , und noch mehr die 
neueren geschichtschreiber, die eigenthümliche art der komödie 
gröblich verkannt haben, wenn sie den spott der komödie ein- 
fach für baare münze nehmen und den komischen dichter so be- 
nutzen, als wenn sie einen geschichtschreiber vor sich hätten. 
Ebenso weist er mit vollem recht gelehrte, wie Ourtius und Kock, 
zurück, welche in Aristophanes eine art von moralprediger 
und patriotischem orakel erkennen wollen. Freilich verfällt 
Müller selbst in den entgegengesetzten fehler, wenn er in dem 
jungen Aristophanes einen Hans Liederlich erblickt, der sich 
als dienstfertiger mitbummler der vornehmen jugend Athens 
angeschlossen und im interesse der oligarchischen partei seine 
komödien verfasst hätte. Für einen unbefangenen leser tritt 
vielmehr immer wieder aus der lustigen mummerei der komödie 
die sittlich gediegene und patriotische gesinnung des dichters 
hervor. Bisweilen werden sogar durch den zu starken einfluss 
der persönlichen Überzeugungen des dichters die forderungen 
der heiteren komischen muse beeinträchtigt, z. b. in der schluss- 
scene der Wolken. 2) Der vrf. hat recht, wenn er die befangen- 
heit der herausgeber und der geschichtschreiber geisselt, welche 
in blindem autoritätsglauben das werk des Thucydides wie ein 
evangelium ansehen, an welches sie den massstab der kritik 
nicht anzulegen wagen. Wenn sie aber diese Verehrung selbst 
auf die handschriften des Thucydides ausdehnen, so wird die 
sache einfach lächerlich. Der vrf. aber verfällt auch hierbei 
durch seinen übergrossen eifer in den entgegengesetzten fehler. 
Er bemüht sich, bei Thucydides ein absichtliches verschweigen 
und vertuschen der Wahrheit theils aus persönlichem, theils aus 
parteiinteresse nachzuweisen, aber die einzelnen beispiele, welche 
er vorbringt, zerfallen, sowie man sie scharf ins äuge fasst, in 
nichts, und der vrf. hätte sie wohl schwerlich für beweis- 
kräftig gehalten, wenn ihn nicht allem anscheine nach eine 
gewisse sucht, etwas bis dahin unerhörtes nachzuweisen, blind 
gemacht hätte. 

Das streben, sich der männer der fortgeschrittenen de- 
mokratie, besonders des vielfach ohne alle frage mit unrecht 
geschmähten Kleon, kräftig anzunehmen und ihren gegnern 
abbruch zu thun, hat Müller zu einer gewissen oli garchen- 



Nr. 8. 292. Aristophanes. 369 

riecherei gebracht. Man darf natürlich nicht alle gegner der 
radicalen demokratie mit den oligarchen in einen topf werfen, 
am wenigsten mit denen, welche uns zur zeit der vierhundert 
oder gar der dreissig tyrannen erscheinen , wo durch die 
schlimmen zeiten , welche vorhergingen , sich die Zusammen- 
setzung und die ziele der parteien vielfach geändert haben 
mussten. Dass man zu diesen oligarchen einen Thucydides 
und einen Xenophon, der bei dem vrf. auch wenig gnade fin- 
det, wahrhaftig nicht rechnen darf, müsste meines erachtens je- 
dem unbefangenen die darstellung hinlänglich zeigen, welche 
sie von den betreffenden abschnitten der athenischen geschichte 
geben. 

Die personen nun , gegen welche sich die polemik 
Müller's richtet , sind , ausser den herausgebern des Thucydides 
und des Aristophanes, die gelehrten, welche in neuerer zeit 
über" griechische antiquitäten geschrieben haben, wie Böckh, 
Schümann u. a., besonders scharf aber geht er der griechischen 
geschichte von E. Curtius zu leibe. Einem gelehrten gegenüber, 
der sich wie Curtius durch andere Schriften grosse Verdienste 
um die Wissenschaft erworben hat , wird es einem nicht leicht, 
dem so rückhaltslosen verdammungsurtheile Müllers zuzustimmen. 
Aber, wenn man der Wahrheit die gebührende ehre geben will, 
so muss man nach meiner Überzeugung einfach sagen: der vrf. 
hat in seiner einschneidenden kritik des buches von Curtius 
durchgehends recht. Er weist Curtius grosse nachlässigkeit in 
der benutzung der quellen und mangel an kritik und politischem 
Verständnisse unwidersprechlich nach. Auch darin muss ich 
Müller vollständig beistimmen , wenn er die verwaschene , süss- 
liche, phrasenreiche form der darstellung, welche in dem buche 
von Curtius vorliegt, entschieden verurtheilt. Wenn aber der 
wackere mann hofit, durch seine kritik dem phrasenschwalle 
ein wenig zu steuern , so kann ich mich leider dieser hoffnung 
nicht anschliessen. Grade in der letzten zeit ist auf dem ge- 
biete geschichtlicher und politischer fragen die phrasenmacherei 
bei uns in Deutschland besonders beliebt geworden. 

Müller hat offenbar ein heftiges temperament, und bei der 
warmen gemüthlichen theilnahme, welche er seinem gegenstände 
gegenüber zeigt, wird man es ihm gewiss gern nachsehen, wenn 
seine polemik durchweg einen rücksichtslosen charakter trägt. 



370 292. Aristophanes. Nr. 8. 

Aber an vielen stellen wird doch der ausdruck ein unange- 
messener und unwürdiger. Man fühlt sich nicht selten versucht, 
den verf. an die mahnung zu erinnern, welche Dionysos 
dem Aeschylus und Euripides giebt (Arist. Ran. 857. 858). 
Gradezu peinlich aber werden die polemischen declamationen 
des vrfs. , wenn derjenige, gegen den sich die polemik 
richtet, offenbar recht hat, indem bei Müller merkwürdige 
unkenntniss einer eigenthümlichkeit der griechischen spräche 
vorliegt, welche bisweilen doch nicht gerade weit entlegen ist. 
Vielleicht geht es ferner manchem leser des Müller'schen buches 
ebenso, wie dem unterzeichneten, dass, wenn er auf p. 415 die 
worte liest: 'ich lasse die Schimpferei weg' — es handelt sich 
um die bekannte stelle über Hyperbolos Thucyd. VIII, 73 — 
er bei sich denkt: der arme masslose und grobe Thucydides 
vor dem richterstuhle des massvollen, feinen hm. Müller! 

Dem ganzen buche fehlt übrigens die letzte durcharbeitung. 
Es ist allem anscheine nach eilfertig niedergeschrieben und eil- 
fertig publicirt. So ist es gewiss eine rücksichtslosigkeit gegen 
die leser, wenn vrf. ganze abschnitte und einzelne stellen in 
dem texte ruhig stehen lässt , während er sich doch , wie er in 
einer note selbst bekennt, theils durch die forschungen anderer 
gelehrten, theils durch eigenes nachdenken überzeugt hat, dass 
die im texte von ihm vorgetragenen ansichten falsch sind. Man 
muss wohl annehmen, dass besondere umstände den vrf. ge- 
zwungen haben, seine Studien hals über köpf in die weit zu 
schicken. 

Das buch enthält eine ganze reihe von conjecturen, haupt- 
sächlich zu Aristophanes und zu Thucydides. Diese art von kritik 
ist nun freilich nicht gerade die starke seite des vrfs. Sein 
interesse ist zu einseitig auf den inhalt gerichtet, während ihm 
die sprachlichen und diplomatischen rücksichten gewöhnlich nicht 
gerade sehr wichtig sind. Deshalb wird Müller, wenn mich nicht 
alles täuscht, schwerlich grosse Zustimmung für seine conjecturen 
finden. Aber ich bin weit entfernt, daraus dem vrf. einen Vor- 
wurf machen zu wollen. Die freunde der beiden Schriftsteller 
müssen ihm vielmehr herzlich dankbar sein dafür, dass er die 
unhaltbarkeit der bisherigen meistens kläglich geschraubten er- 
klärungsversuche nachgewiesen hat. Und solcher stellen, derer 



Nr. 8. 292. Aristophanes. 371 

behandlung nach dieser seite hin eine ganz vorzügliche ist , fin- 
den sich viele in dem buche. 

Daneben zeugen die erklärungen, welche Müller von zahl- 
reichen stellen des Aristophanes giebt, das nachweisen versteck- 
ter beziehungen und anspielungen von der eingehendsten be- 
schäftigung mit dem komischen dichter und einem feinen ver- 
standniss für die eigenthümliche weise der komödie. Ich stehe 
nicht an, die erklärung mehrerer stellen für geradezu muster- 
haft und für das beste zu erklären, was auf diesem felde für 
das verständniss des Aristophanes geleistet worden ist. 

Ebenso sind mehrere abschnitte, welche fragen aus den 
griechischen alterthümern behandeln , ganz vortrefflich. Die 
klare anschaulichkeit und die lichtvolle form der darstellung 
sticht höchst wohlthuend ab gegen die auf diesem gebiete her- 
gebrachte anhäufung von trockenen, unverarbeiteten citaten. 

Ich will nun im folgenden , dem gange des Müller'schen 
buches mich anschliessend, mein urtheil über die einzelnen fra- 
gen, welche der vrf. behandelt, vorlegen. Wenn ich mich hier- 
bei einer knappen, oft etwas apodiktischen form befleissige, so 
nöthigt mich dazu der grosse umfang des buches und die 
rücksicht auf den einer solchen anzeige zu gewährenden räum. 

P. 13 der schluss aus Thucydides DU, 115: 'das heisst doch 
wohl' u. s. w. ist unrichtig. P. 8 flg. bespricht Eq. 169 Kaq- 
Xqdovu : dass da so zu lesen ist, kann man wohl als allgemein aner- 
kannt ansehen. Anders steht die sache v. 1303, wovon p. 15 fgde. 
Zu einer sichern entscheidung lässt sich, da wir von der zu gründe 
liegenden thatsache nichts wissen , der fall nicht bringen , aber 
ich halte es auch jetzt noch für gerathener, hier KaX^tjSova zu 
schreiben und anzunehmen, Hyperbolus habe in einer Volksver- 
sammlung, um sich selbst für die nächsten Strategenwahlen zu em- 
pfehlen, zur entsendung einer starken flotte in die hellesponti- 
schen und bosporanischen gegenden gerathen, nach Chalcedon 
hin. In den handschriften sind bei der bedeutung der scholien, 
Müllers angäbe ist nicht genau (vgl. F), die autoritäten ziemlich 
gleich. Es ist Müller nicht gelungen , für die zeit der auf- 
führung der Ritter eine allgemeinere Verbreitung der hochflie- 
genden, auf die Unterwerfung von Sicilien und von Carthago 
gerichteten plane in Athen nachzuweisen. Ohne dieselbe aber 
wäre ein solcher witz, wie er in KaQ%r]d6va liegen würde, albern, 



372 292. Aristophanes. Nr. 8. 

ja sinnlos. P. 22. Müller irrt, wenn er einen boshaften witz 
des Eupolis einfach für baare münze nimmt. Dabei liegt bei 
ihm eine verkehrte auffassung von der dichterischen production 
der komiker zu gründe. P. 30 : die elf jähre gewohnheits- 
mässigen strassenraubs sind eine erfindung von Müller (es han- 
delt sich um den Xwnodvirjg ^OgiGirjg Acharn. 1166 Av. 713, 
1490). P. 34: das ng in Acharn. 1166 versteht Müller nicht rich- 
tig. Es heisst: Orestes oder ein mensch seines gleichen. P. 
43 note: die form der polemik, es handelt sich um Schölls 
leben des Sophokles, ist unangemessen. P. 44 note. Die be- 
handlung der stellen des Thucyd. III, 68 und V, 32 ist durch 
gesuchte Spitzfindigkeiten offenbar falsch. urdganodf^Hv ist in 
der ersten stelle nur der gegensatz zu änoxxttvtw. Ob die ge- 
fangenen weiber vorher schon Sklavinnen waren oder mcht, dar- 
auf kommt hier nichts an. P. 41 — 48 : die behandlung der be- 
kannten stelle der Acharner über die dirnen der Aspasia v. 
524 flgde. liefert trotz aller declamationen und exclamationen 
Müllers nichts neues. Müller versucht selbst gar keine erklärung 
des thatsächlichen. Es ist ganz wahrscheinlich, dass unter der 
grossen zahl der fugitivi sich auch zwei Sklavinnen der Aspasia 
befanden, welche Aristophanes boshafter weise ttoqvuu nennt, und 
dass auf die reclamation der flüchtlinge überhaupt dieMegareer 
dergleichen beschuldigungen gegen die Athener in Sparta er- 
hoben. P. 49 : flgde. die polemik gegen Curtius, der so mächtig 
über den terrorismus des Kleon in der Volksversammlung de- 
clamirt, ist gerechtfertigt. Ebenso ist p. 52 note die Zurecht- 
weisung gegen die Oberflächlichkeit von Curtius in der behand- 
lung von Plutarch. Pericl. c. 8 ganz berechtigt. P. 59 : die schluss- 
folgerung, welche Müller aus dem fehlen einzelner gegen Kleon 
gerichteter citate bei den scholiasten des Aristophanes und den 
grammatikern macht, erscheint mir als nicht stichhaltig. P. 63 
note : die polemik gegen Koscher : leben und Zeitalter des 
Thucydides, ist sachlich richtig, der form nach unwürdig. Da- 
gegen ist p. 65 flgde. die persiflage der phrasen von Curtius 
verdient und witzig. P. 70 und 71 note: die conjectur zu 
Equit. 900 ist schwerlich richtig , da die form jtvgaog unge- 
bräuchlich war und einen solchen ohnehin schwachen witz im 
höchsten grade gezwungen gemacht haben würde. Die erklärung 
von Av. 68 schwebt ganz ohne anhält in der luft. P. 72 



Nr. 8. 292. Aristophanes. 373 

ügüe. stellt Müller ganz mit recht der auffassung des Aristo- 
phanes als moralisten schon das jugendliche alter des dichters 
zur zeit der ahfassung seiner ersten stücke entgegen. P. 90: 
die berichtigung von Curtius in der note ist richtig , ist aber 
doch ziemlich geringfügig und rechtfertigt die unwürdige pole- 
mik am Schlüsse keineswegs. P. 9 1 : die behauptete anspielung 
in Pac. v. 610 ist gesucht und schwerlich richtig. P. 92: die 
deutung von Vesp. 715 flgde auf das jähr 445 ist schwerlich 
richtig wegen des nqwriv in v. 717. P. 94 ist der spott ge- 
gen Curtius in der note ungerechtfertigt und ziemlich plump. 
P. 105: die declamationen des vrfs. besagen wenig; es ist für 
jeden unbefangenen evident, dass Aristophanes in ganz anderer 
weise von Perikles, als von Kleon u. a. spricht. P. 112: das 
wegwerfende urtheil über Xenophon erscheint mir als oberfläch- 
lich und wenig begründet. Dagegen halte ich die auffassung 
Müllers von der antipathie des Aristophanes gegen Kleon u. a. 
für richtig und treffend. P. 113 flgde ist das urtheil über 
die frivolität und obscönität des Aristophanes nicht haltbar. 
Der verf. verwechselt die gattung mit der persönlichkeit des 
dichters, wie schon die Übereinstimmung in den fragmenten der 
anderen komiker zeigt. Natürlich hat er dagegen recht in sei- 
ner behauptung , dass Aristophanes kein moralprediger war. 
Aber p. 115 verkennt der vrf. doch wohl die damalige jugend 
Athens. Solche dinge kannte dort gewiss jedermann. — P. 117 
flgde. Sehr wahrscheinlich hat Müller recht, wenn er Aristo- 
phanes in den frühern stücken in enger Verbindung mit der 
vornehmen jugend denkt und es daraus erklärt, dass sich in 
diesen stücken männer wie Alcibiades, Theramenes u. a. theils 
selten, theils gar nicht verspottet finden, aber die oligarchischen 
bestrebungen sind späteren datums. In dem dichter selbst fin- 
det sich keine stelle, welche von einer parteinahme für solche 
zeugt, deren, die dagegen sprechen, genug. Auch in der be- 
hauptung, dass das parteileben alle Verhältnisse durchdrungen 
habe, confundirt der vrf. die verschiedenen Zeiten, nimmt na- 
mentlich keine rücksicht auf die Veränderung durch die sicili- 
sche expedition. P. 119 hat Müller Acharn. 309 wohl nicht 
richtig verstanden, es handelt sich um eine verurtheilung vor 
gericht, wie die v. 5 flgde., bei welcher die ritter die Magel- 
waren. Der chor spricht von seinem eigenen Standpunkte aus. 



374 292. Aristophanes. Nr. 8. 

Auch Vesp. 1023 steht nichts von dem, was der verf. aus den 
Worten herauslesen möchte. P. 124: die worte: 'der um einen 
in der schlacht gefallenen freund trauert' (es handelt sich 
um die bekannte allerdings höchst boshafte Verspottung des 
Klisthenes Ean. 422), zeigen, dass Müller die meinung des 
Aristophanes seltsam missverstanden hat. P. 125 flgde ist die 
Schlussfolgerung aus der stelle in der parabase der Wolken 
nicht stichhaltig. Dort ist nur von den neuen Strategen die 
rede : 'auch diese schlechte wähl kann euch segen bringen, wenn 
ihr in diesem amte den Kleon als bestechlich und diebisch er- 
kennt und ihn dann einsperrt.' Der gedankengang ist ein an- 
derer, als Müller voraussetzt. P. 133 die erklärung vonEquit. 
266 in der note ist wohl richtig, nur dass Kleon das noch nicht 
gethan, sondern sich nur dazu erboten hatte, um die ritter zu 
gewinnen, vgl. l'fit IXov und die folgenden verse. Auch die Ver- 
setzung der worte fiifjbvrireu ©tojto/jinog ist richtig. P. 137: den 
ersten theil der note halte ich nicht für richtig. In der ein- 
gangsscene der Ritter erkannte jedermann den Mcias an seiner 
Zaghaftigkeit und an seinem aberglauben, den Demosthenes an 
seinem durst. Eine solche weise, den Zuschauer die personen 
errathen zu lassen, entspricht nach meiner auffassung dem wesen 
der komödie mehr, als die von Müller angenommene Verwen- 
dung von portraitmasken. Die bemühungen des verfs. in dem 
zweiten theile sind vergeblich (es handelt sich um die lücke 
nach Equit. v. 21), da die worte des dichters nicht authentisch 
herzustellen sind. Die änderung in der personen-vertheilung 
von v. 23 ist schwerlich richtig. P. 140 und 141 : die conjec- 
turen zu Aristoph. Eq. v. 34 und 1176, Pac. v. 187 sind nicht 
haltbar. Es liegt in den stellen gar keine verderbniss vor. 
Müller hat das IfioC in der stelle des Friedens missverstanden. 
Trygäos verstellt sich ja nur, um Hermes zu ärgern. Das 
sItts pol Müllers wäre nach dem (pgdle fiot des vorhergehen- 
den verses kaum erträglich. — P. 146 flgde. Den nachweis, dass 
Kleon im jähre der aufführung der Ritter Schatzmeister war, hat 
der vrf. für mich überzeugend geführt. — P. 149 flgde. Mit 
recht erklärt Müller die einführung des heliastensoldes für eine 
billige massregel. Auch die vertheidigung der erhöhung dessel- 
ben p. 150 fl